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Partygirl - Marlene Streeruwitz
Partygirl
by: (author)
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Neben Geschlechterkampf und zu Rollenklischees verkitschten Beziehungsmustern (Lisas Liebe) geht es der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz immer wieder auch um das stetige Verschwinden von Vergangenheit. In Majakowskiring waren es die Schatten einer langsam verblassenden DDR,... show more
Neben Geschlechterkampf und zu Rollenklischees verkitschten Beziehungsmustern (Lisas Liebe) geht es der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz immer wieder auch um das stetige Verschwinden von Vergangenheit. In Majakowskiring waren es die Schatten einer langsam verblassenden DDR, die die Autorin zu erhellen suchte. Und im grandiosen Roman Nachwelt war es das gesichts- und geschichtslose Los Angeles, in dem Streeruwitz der Lebensgeschichte ihrer Protagonistin inmitten identitätsloser Shoppingmalls ein scharfes Profil verlieh. Stilistisch setzte Streeruwitz dabei auf stakkatohaftes Erzählen in der "bewußtlosen" dritten Person Singular. Diesem Schema ist die Autorin auch in Partygirl treu geblieben. Und wieder hat sie ihren Roman in einem ahistorischen Raum situiert: Im antiseptischen Umfeld einer Reinigung im Chicago des neuen Jahrtausends wird Madeline Ascher (eine deutliche Anspielung auf das Madelaine-Erlebnis in Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit) mit ihrem Bruder Rick -- inzwischen Archäologe (!) --, ihrer Jugend und einem darin verborgenen dunklen Geheimnis konfrontiert. Diesmal aber muss sich die Figur ihre Vergangenheit erst erobern: In raumzeitlich klar markierten Kapiteln taumelt Madeline vom Chicago 2000 ins österreichische Baden des Jahres 1950 zurück. Durch den genialen Kunstgriff, in personaler Perspektive (und ohne allwissenden Erzähler) zuerst die Zukunft und dann Stück für Stück die Vergangenheit zu offenbaren, und dabei nicht mit Rückblenden zu operieren, sondern die Figur stets auf dem Erkenntnisstand ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe zu belassen, wird individuelle, biografische Geschichte als immer gerade erst erlebte Gegenwart präsent. "Wir haben keinen Himmel, auf den wir warten sollten", äußerte Streeruwitz einmal in einem Interview: "Wir sollten unser Jetzt besehen." Und unser immer weiter entrückendes Damals offenbar. In Partygirl ist ihr das einmal mehr auf kunstvollste, sprachlich virtuose Art und Weise gelungen. --Thomas Köster
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ISBN: 9783596160969 (3596160960)
Edition language: Deutsch
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