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review 2016-11-17 10:47
Goldrausch im "First Law" - Universum
Blutklingen - Joe Abercrombie

Joe Abercrombie ist in sein „First Law“ – Universum zurückgekehrt. Im Januar 2017 wird die Anthologie „Schattenklingen“ bei uns veröffentlicht. Obwohl ich sonst kein Fan von Kurzgeschichten bin, kann ich es kaum erwarten. 13 neue Geschichten mit Glokta, Logen und all den anderen! Da es bis Januar ja nicht mehr allzu lang hin ist, wurde es höchste Zeit, dass ich mir den letzten der drei Einzelbände aus der „First Law“ – Welt vornehme. „Blutklingen“ stand auf der Speisekarte.

 

Scheu Süd war nicht immer ein guter Mensch. In ihrer Jugend lief sie von zu Hause fort und schloss sich einer Räuberbande an. Sie stahl. Sie tötete. Dankbar, dass diese dunklen Jahre der Gewalt weit zurückliegen, sorgt sie heute so gut sie kann für ihre kleinen Geschwister Ro und Pit und versucht, den Hof ihrer verstorbenen Mutter am Laufen zu halten. Keine einfache Aufgabe in Naheland. Unterstützt wird sie von dem alten Gully und Lamm, einem sensiblen Nordmann, der wohl so etwas wie ihr Stiefvater ist. Scheu kennt die Berichte über Goldfunde in Fernland. Idiotisch, wer glaubt, dort das Glück zu finden. Niemals würde sie ihre Verpflichtungen einfach hinschmeißen, um einem Traum nachzujagen. Doch als sie eines Tages gemeinsam mit Lamm aus der Stadt zurückkehrt, findet sie nichts als Asche vor. Ihr Hof wurde niedergebrannt, Gully ermordet und die Kinder verschleppt. Die Spuren deuten nach Fernland. Entschlossen, Ro und Pit zu finden, machen sich Scheu und Lamm auf die lange und gefährliche Reise. Bald muss Scheu einsehen, dass sie ihren Stiefvater weniger gut kennt, als sie dachte. Vielleicht ist sie nicht die einzige mit einer blutigen Vergangenheit.

 

Joe Abercrombie hat zu seiner alten Form zurückgefunden. „Blutklingen“ ist definitiv der beste der drei Einzelbände und knüpft qualitativ an die „First Law“ – Trilogie an. Während „Racheklingen“ und „Heldenklingen“ räumlich und inhaltlich begrenzte Geschichten erzählen, werden die Tore zu Abercrombies detailliertem Universum in „Blutklingen“ erneut weit aufgestoßen. Die Handlung setzt etwa 10 Jahre nach den Ereignissen in „Racheklingen“ an und beleuchtet einen Winkel der Welt, den die Leser_innen bisher nicht besuchen durften: die ungastlichen, gesetzlosen Regionen Naheland und Fernland. Seit in Fernland Gold gefunden wurde, setzte ein stetiger Zustrom von Glücksrittern und Verzweifelten ein, die hoffen, sich in der kargen Landschaft mithilfe einiger Nuggets ein neues Leben aufbauen zu können. Demzufolge ist „Blutklingen“ die High Fantasy – Version der Goldräusche in Nordamerika, eine Idee, die mich bereits grundsätzlich begeistert. Ich finde es großartig, dass Abercrombie reale Ereignisse der Geschichte in diesen Kontext überträgt und auf diese Weise spannende neue Perspektiven erkundet. Er arbeitet Naheland und Fernland überzeugend in die prekäre politische Situation zwischen der Union und dem Kaiserreich ein und verdeutlicht das Interesse beider Nationen an diesen Grenzlanden. Die Aura von Veränderung ist auf jeder Seite spürbar und unterstützt die bombastische, greifbare Atmosphäre. Er spielt mit der Frage, was Zivilisation eigentlich ausmacht: definiert sich Zivilisation über materielle Errungenschaften oder eher über das Verhalten der Menschen? Unwissenheit, Missverständnisse und Vorurteile schüren den Konflikt zwischen Siedlern und der indigenen Bevölkerung, führen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in den Ebenen und können den Fortschritt doch nicht aufhalten. Bedauerlicherweise ist das Kielwasser der Zivilisation stets blutig.
Die Protagonistin Scheu Süd kümmert sich wenig um Fortschritt und Zivilisation, ihr einziges Interesse gilt der Rettung ihrer Geschwister. Mir gefiel Scheu aufgrund ihrer Bodenständigkeit unglaublich gut. Sie ist eine harte junge Frau, deren Herz am rechten Fleck sitzt und die eine ansteckende Energie ausstrahlt. Ihre Vergangenheit desillusionierte sie, ließ sie misstrauisch und zynisch werden, aber sie bewahrte sich sowohl ihre Fähigkeit, zu lieben, als auch ihre Fähigkeit, Glück zu empfinden. Jede_r hat sein/ihr Päckchen zu tragen, eine Weisheit, die ebenso auf den Rechtsgelehrten Tempel und Scheus Stiefvater Lamm zutrifft. Während Tempel sein Wesen komplett umkrempelt, obwohl er viele Jahre für den berüchtigten Söldner Nicomo Cosca (ja, DER Cosca) arbeitete, wird Lamm im Verlauf ihrer Reise von seiner Vergangenheit eingeholt. Drei lebendige, realistische Figuren, die ganz verschiedene Antworten auf die Frage liefern, ob sich ein Mensch wirklich ändern kann. Mich faszinierte die Subtilität, mit der Joe Abercrombie dieses philosophische Thema in seine Geschichte integrierte. Ohne die Handlung zu beherrschen begleitet es die Leser_innen ununterbrochen, wie eine Unterströmung, die nur in entscheidenden Momenten zu Tage tritt. Abercrombie ist eben mehr als ein Chronist brutaler Gewalt und heftiger Kraftausdrücke, er verfügt über eine nachdenkliche, einfühlsame Seite. Dieser Facettenreichtum spiegelt sich in seinen Romanen wider und dafür liebe ich ihn.

 

„Blutklingen“ steigerte meine Vorfreude auf die Anthologie „Schattenklingen“ massiv. Es ist ein fantastischer High Fantasy – Roman voller Anspielungen auf die Realität und tiefen, abwechslungsreichen Charakteren. Das Setting erinnert an den Wilden Westen, die Handlung an die großen Goldräusche des 19. Jahrhunderts. Es vereint Härte, Action und Emotionalität auf unnachahmliche Weise. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und bin überzeugt, dass Joe Abercrombie mit seinem „First Law“ – Universum noch längst nicht fertig ist. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass nach der Anthologie weitere Bücher aus dieser Welt folgen werden. Meine Intuition sagt mir, dass dort noch viele Geschichten schlummern, die erzählt werden wollen und ich bin sicher, Joe Abercrombie weiß das. Mr. Abercrombie, ich warte. Bitte strapazieren sie meine Geduld nicht übermäßig.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/11/17/joe-abercrombie-blutklingen
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review 2015-12-28 23:36
Eleanor Catton: Die Gestirne
Die Gestirne - Eleanor Catton,Melanie Walz

"Die im Rauchzimmer des Crown Hotel versammelten zwölf Männer wirkten, als hätten sie sich dort zufällig eingefunden. Aus ihrem Betragen und ihrer Kleidung zu folgern - Gehrock, Frack, Seemannsjacken mit Gürtel und Beinknöpfen, gelber Moleskin, Kammertuch und Serge -, hätten sie zwölf Fremde in einem Eisenbahnwaggon sein können, jeder von ihnen auf dem Weg zu einem anderen Viertel einer Stadt mit genug Nebel und Wasserläufen, um sie voneinander zu trennen; und wahrhaftig bewirkte die absichtsvolle Absonderung jedes Einzelnen, wie er über seiner Zeitung brütete, sich vorbeugte, um seine Tabakasche in den Kamin zu schnipsen, oder die gespreizte Hand auf den grünen Flanell legte, um den nächsten Billardstoß abzuwägen, ebenjene Art geradezu greifbarer Stille, wie sie spätabends in der Eisenbahn eintritt - doch hier nicht vom Schnaufen und Rattern der Wagen übertönt, sondern vom lauten Prasseln des Regens.

Diesen Eindruck gewann Mr Walter Moody, als er in der Tür stand, die Hand am Türrahmen." (S. 15)

 

Welch vielversprechender Beginn (hier gelesen von der Autorin selbst: https://www.youtube.com/watch?v=J6tm6s89qqQ)! Und welch bezeichnender. Ausführliche, lange Sätze, gelegentlich ein wenig umständlich und eine Erzählerfigur, die sich immer wieder einmischt. Denn der eigentliche Beginn ist kursiv vorangestellt und fasst die Handlung des ersten Kapitels, "Merkur im Schützen", zusammen: 

"In welchem Kapitel ein Fremder nach Hokitika kommt, eine geheime Versammlung gestört wird, Walter Moody seine neuesten Erinnerungen verbirgt und Thomas Balfour eine Geschichte zu erzählen beginnt."

Diese Geschichte dauert bis Seite 441, dem nächsten "Merkur im Schützen" betitelten Kapitel, mit dem wir ins Hier und Jetzt, also der auf Seite 15 geschilderten Situation im Rauchersalon des Crown Hotels zurückkehren. In der Zwischenzeit hat jedoch nicht nur Thomas Balfour eine Geschichte erzählt, nein, fast alle der Anwesenden 12 Männer hatten ihre Blickwinkel bereits in den Fokus gerückt. Das ist nicht wirklich linear, sondern eher wie eine Serie, die zwischen verschiedenen Figuren hin- und her schneidet. (Montage im Film)

Stilistisch irritierend, da bislang (ich bin auf Seite 450) noch nicht aufgelöst, finde ich die Angewohnheit, Figuren durch den auktorialen Erzähler zu charakterisieren. Auf dieses Stilmittel - das in einigen englischsprachigen Rezensionen explizit gelobt wird - hätte ich oft verzichten können, da es meist beschrieb, statt zu zeigen. Persönliche Eigenschaften der Figuren wurden vom Erzähler behauptet, um den sich meist im Zwiegespräch Befindlichen mehr Tiefe zu geben. Das ermüdete mich doch nach einiger Zeit sehr. Die Sprache (übersetzt von Melanie Walz) ist nach dem kalten, klaren "Flammenwerfer" (Rachel Kushner, übersetzt von Barbara Abarbanell) und dem sprachlich harmlosen "Ruf des Kuckucks" (Robert Galbraith, übersetzt von Wulf Bergner) überbordend bis gelegentlich antiquiert (allein die Thomas Mann Länge der Sätze!), passt jedoch zur Zeit (27. Januar 1866) und zum Erzähler. Trotz dieser minimalen Störfaktoren hat mich das Buch schnell in seinen Bann gezogen und sehr überrascht.

 

Nun, da ich das Buch beendet habe, ist die Verblüffung eher noch gewachsen. Bis fast zur Hälfte des Buches blickt man auf Ereignisse zurück, die in der Vergangenheit liegen, danach wird linear nach vorne erzählt - und in einem großartigen Gerichtsverfahren durch Walter Moody für Gerechtigkeit gesorgt. Danach springt das Buch erneut zeitlich und erzählt nun die Geschichte, die den von Seite 15 bis 441 geschilderten Ereignissen zuvor liegen - zugleich eine zarte Liebesgeschichte. Wie Elizabeth Knox (ebenfalls Autorin und Ehefrau des neuseeländischen Verlegers von Eleanor Catton), die in Neuseeland die Rede zur Veröffentlichung von "The Luminaries" hielt, feststellte (Link zu ihrer Rede), kommt der Name "Die Gestirne" von der astrologischen Erzählordnung, die Catton dem Buch gibt: Das Buch besteht aus 12 Kapiteln, jedes davon ist halb so lang wie sein vorhergehendes Kapitel (das fällt vor allem im letzten Viertel des Buchs auf, wo die kursiven Einleitungen bzw. Kapitelzusammenfassungen irgendwann genau so lang wie der eigentliche Kapiteltext werden). Erzählerisch eingebunden wird diese formale Vorgabe auch - wie ich fand, fast unnötig, da nicht vollends überzeugend (für mich).  

 

Leider bin ich in der viktorianischen Literatur nicht bewandert genug, um die Leseeindrücke der Goodreads-Rezensentin Rebecca Foster aus eigener Erfahrung zu bestätigen:

"It has all the elements of a pitch-perfect Dickensian mystery novel: long-lost siblings, forgeries, opium dens, misplaced riches, a hidden cache of letters, illegitimate offspring, assumed identities, a séance, a witty and philosophical omniscient narrator’s voice, and so on. If this was a Victorian paint-by-numbers competition, Catton would have top marks."

 

Danach kommt sie jedoch zum Schluss, dass dem Buch ein Herz fehle - und dem kann ich nur widersprechen. Ein faszinierendes Leseerlebnis, das mich zwar nicht komplett überzeugen konnte, das mich aber umso intensiver beschäftigt hält.

 

Die Gestirne: Roman

von Eleanor Catton

übersetzt von Melanie Walz

btb-Verlag, Hardcover, November 2015

(Das Buch wurde mir netterweise als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt)

 

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review 2013-07-06 17:43
Coogans Fluch - Lothar Nietsch
Coogans Fluch - Lothar Nietsch

Lothar Nietsch
Coogans Fluch
Abenteuer, Mystik
Amazon Media EU
Kindle-Edition: 3,92 €
am 17.07.2012 kostenlos
geschätzte 251 Seiten via Amazon
nach Lesezeit berechnete 315 Seiten von mir
gelesen auf dem Kindle Paperwhite und dem iPad Mini
ASIN: B004U74GAY

 

Bewertung: 

 

Inhaltsangabe (Amazon:

 

Alaska 1910.
Getrieben vom Verlangen nach Rache und geleitet vom Geist seiner Schwester, folgt der riesenhafte Jäger Jonathan McLeary dem Mörder seiner Familie quer durch die USA. Die Jagd führt ihn bis nach Fairbanks in Alaska, aber er weiß nicht, dass er und sein Widersacher längst Spielfiguren der Mächte um das Schicksal eines Letzten seines Volkes geworden sind. Für ihn scheint nach über zwanzig Jahren die Jagd in den Ausläufern der Alaska Range endlich ihr Ende zu finden. Bis er die Fährte eines mysteriösen und in der Gegend um Fairbanks gefürchteten Wolfs kreuzt: Coogans Fluch.

 

Meine Meinung

 

Der Autor hat eine Menge Ideen, ihm fehlt es auch nicht an Talent, diese umzusetzen, um spannende Romane zu kreieren, allerdings fehlt da noch das gewisse Etwas. Und, was ganz wichtig ist: ein gutes Lektorat, denn dieser Roman strotzt vor Fehlern. Vor allem die Grammatik hapert. Hier nur ein Beispiel:

 

2013-07-06 14:37:02

Was es mit “ich will ihm den Weg verlegen” auf sich hat, habe ich ergoogelt –> “ich will ihm den Weg versperren”. Mag eine sprachliche Eigenheit sein, verwirrte mich aber dennoch. Der Schreibstil ist zwar spannend, aber mir nicht flüssig genug. Er erinnert mich teilweise zu sehr an einen Bericht, trotz der Dialoge.

 

Daher kann ich leider nicht mehr Punkte geben, obwohl mich die Story gefesselt und fasziniert hat. Ein Abenteuer-Roman á la Jack London, raubeinige Männer in Alaska, Schlittenhunde, Goldrausch und eine indianische Legende, die von Schicksal spricht.

Die Charaktere einiger Protagonisten sind gut ausgearbeitet, andere weniger; über Jonathan erfahren wir nach und nach in Rückblenden mehr über einige Begebenheiten in seiner Vergangenheit und können seinen Zorn und Gier nach Rache besser nachvollziehen.

 

Wirklich identifizieren konnte ich mich mit keiner der Personen, am ehesten vielleicht noch mit Sally, möglicherweise, weil sie die einzige Frau in dieser Story ist. Aber dafür weiß ich eigentlich zu wenig über sie.

 

Das Ende erinnert an einen Cliffhanger, vielleicht ist eine Fortsetzung geplant?

 

Eine überarbeitete Fassung wäre durchaus lesenswert. Für die mir vorliegende gebe ich 06/10 Punkte.

Source: sunsys-blog.blogspot.de/2013/07/kurzrezi-coogans-fluch-l-nietsch.html
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