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review 2019-10-11 16:21
Melmoth (Gut)
Melmoth - Sarah Perry

Sarah Perry

Melmoth

Eichborn Verlag

 

Autor: Sarah Perry wurde 1979 in Essex geboren und lebt heute in Norwich. Ihr Roman Die Schlange von Essex war einer der größten Überraschungserfolge der letzten Jahre in England. Ausgezeichnet als Buch des Jahres 2016 der Buchhandelskette Waterstones, Gewinner des britischen Buchpreises 2017 für den besten Roman sowie für das beste Buch insgesamt. Der Roman war nominiert für den Costa Novel Award, den Dylan Thomas Prize, den Walter Scott, den Baileys und den Wellcome Book Prize. (Quelle: Eichborn)

 

Karel und Helen treffen sich, wobei Karels Äußeres direkt ins Auge fällt, denn er ist schwer gezeichnet. Er erzählt Helen, dass er die letzten Tage nicht schlafen konnte. Außerdem erzählt er von einem Brief, wobei auch der Name “Melmoth” fällt und wie das Manuskript in seine Hände gelangen ist. Helen bekommt das Manuskript von Karel, damit sie es ebenfalls lesen kann. Daraufhin macht sich Helen auf den Weg nach Hause, geht in ihr Zimmer und beginnt sofort mit dem Lesen.

 

Der Roman von Autorin Sarah Perry verzichtet vollständig auf Kapitel ist allerdings in drei Teile aufgeteilt. Überschriften gibt es allein dort, wo ein Brief oder Manuskript gelesen wird und von denen gibt es im Verlauf des Buches, so einige. Dadurch ist es so, dass uns das Buch mehrere kleine Geschichten erzählt, und einen immer tiefer in die Geschichte um “Melmoth” zieht. Für meinen Geschmack wurde es allerdings irgendwann etwas zu viel mit Manuskripten und Briefen, auch wenn man dadurch viele Informationen zu den Charakteren erhalten hat, wirkte es ein wenig aufgebläht und hat das Buch in die Länge gezogen (dabei ist das Buch mit 332 Seiten schon nicht recht lang). 

Schon zu Beginn des Buches, bekommt man gleich einen Brief zu lesen, welcher nicht mit Spannung geizt. Hier ist mir besonders der letzte Satz im Gedächtnis geblieben, denn dieser erzeugte bei mir eine Menge an Spannung und das allein durch zwei Wörter, “Sie Kommt”. Sofort möchte man wissen, wen oder was durch diese Andeutung gemeint ist. Weitere Elemente, um diese Spannung zu halten, begegnen einem immer wieder in Form von erneuten Andeutungen, unbekannten Verfolgern oder dem Auftauchen von Vögeln. Grusel oder sogar Horror, wie man es eventuell bei dem Buch vermuten würde, blieben bei mir allerdings aus. Es wird zwar einiges versucht, um einige Momente zu erzeugen, allerdings haben diese bei mir nicht gewirkt (bei zartbesaiteten kann dies da schon anders aussehen). So ist die Stimmung im Verlauf des gesamten Buches, immer dunkel und düster oder aber es geschehen mysteriöse Dinge. Einen besonderen Moment, der durchaus gruselig wirken kann, kommt dann am Ende des Buches. Hier wird der ein oder andere Leser sicherlich Gänsehaut an sich bemerken, denn hier beweist die Autorin ihr Handwerk und überzeugt zum Schluss nochmals (auf eine genauere Beschreibung verzichte ich, da ich niemanden diesen Moment spoilern möchte).

Eine besondere “Herausforderung” hält das Buch durch seinen Schreibstil bereit. Dieser ist sicherlich nicht für jeden geeignet und erfordert mitunter ein wenig an Zeit. Wenn man allerdings offen an das Buch herangeht, sollte man schon nach einiger Zeit ins Buch gefunden haben.




Cover: Das Cover von “Melmoth” wirkt auf den ersten Blick recht dunkel und düster. Dies passt auch gut zur Stimmung, welche es im Buch gibt. Auf dem Cover sind einige Federn zu sehen, welche sich auch farblich vom Hintergrund abheben. Diese Federn deuten auf einen Vogel hin, welcher ebenfalls im Buch eine Rolle spielt. Darüber hinaus, sieht man auch einige kleine Vögel, die im Nachthimmel fliegen. Der Titel des Buches, steht in heller Schrift geschrieben und hebt sich perfekt vom Hintergrund ab. Der Titel ist gleichzeitig der Name der mysteriösen Frau, um die sich das gesamte Buch dreht.

Das Cover gefällt mir sehr gut und spricht mich optisch auch an. Düster und dunkel gehalten, spiegelt es den Inhalt gut wieder. Ein wirklich passendes Cover.

 

Fazit:Melmoth” wirkt von Außen schon recht düster, was sich im inneren auch fortsetzt. Auch wenn es anders wirken mag, versteckt sich hinter “Melmoth” ein Roman, welchem man etwas Zeit widmen sollte. Hinsetzen und einfach lesen ist da nicht. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass der ein oder andere sicherlich enttäuscht sein wird. Wer sich allerdings auf das Buch einlässt und bis zum Schluss durchhält, wird womöglich belohnt. Ich selbst habe mir anfangs etwas völlig anderes vorgestellt und musste mich erst in Buch finden. Einige Stellen konnten mich dabei zwar nicht überzeugen, im Großen und Ganzen allerdings, wurde ich gut unterhalten. Besonders das Ende hat mir sehr gut gefallen. Von mir bekommt “Melmoth” 4/5 Sterne.

 

Klappentext: Ein fesselnder und wunderbar unheimlicher Roman

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit?

Ein Buch, das einen packt und nicht mehr loslässt. Ein weiteres Meisterwerk von Sarah Perry. (Quelle: Eichborn)

 

Autor: Sarah Perry

Titel: Melmoth

Verlag: Eichborn Verlag

Genre: Roman

Seiten: 332

Preis: Hardcover: 24,00 // eBook: 14,99

Erstveröffentlichung: 2019

ISBN: 978-3847906643

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review 2019-10-10 00:23
Der Geschmack von Apfelkernen (Sehr gut)
Der Geschmack von Apfelkernen - Katharina Hagena

Katharina Hagena

Der Geschmack von Apfelkernen

KiWi

 

Autor: Katharina Hagena, geboren in Karlsruhe, lebt als freie Schriftstellerin mit ihrer Familie in Hamburg. Sie schrieb zwei Bücher über James Joyce, bevor sie 2008 ihren ersten Roman »Der Geschmack von Apfelkernen« veröffentlichte. Das Buch wurde in 26 Sprachen übersetzt und für das Kino verfilmt. (Quelle: KiWi)

 

Iris ist seit langer Zeit wieder im Haus ihrer Großmutter, wo sie schon als Kind viel Zeit verbracht hat. Dieses Haus hat Iris, nach Berthas Tod als Erbe bekommen. Viele Erinnerungen, an längst vergangene Tage kommen Iris während ihrer Zeit im und am Haus in den Kopf. Da wäre zum Beispiel der Sturz von Tante Bertha aus einem Apfelbaum. Dieser Sturz hatte schwere Folgen für Berthas Gesundheit. 

Neben den vielen Erinnerungen, wäre da aber auch noch Max, der ebenfalls Einiges an Zeit mit Iris verbringt, in der die beiden einiges erleben.

 

Katharina Hagenas Roman “Der Geschmack von Apfelkernen” erstreckt sich über insgesamt 12 Kapitel. Zu Beginn des Buches gibt es ein Zitat von Paul Valéry, welches besser kaum zum Buch passen könnte. Denn über weite Teile des Buches geht es um die Erinnerungen der Protagonistin. Dementsprechend erwartet einen im gesamten Buch ein Ich - Erzähler (aus der Sicht von Iris). Dabei ist das Buch nicht unbedingt die leichteste Lektüre, die es gibt. Allerdings sollte man sich einfach mal die Zeit und Motivation zum Lesen nehmen und dem Buch eine Chance geben. Ich für meinen Teil, wurde dafür mit einer wirklich tollen Handlung belohnt. Hier muss ich aber auch anmerken, dass der Klappentext nicht zwingend dazu beiträgt, das Buch interessant zu gestalten. Ebenfalls etwas Zeit benötigt die Zuordnung, der recht verwobenen Familienzugehörigkeiten über einige Generationen hinweg. Hierbei begegnen einem recht viele, verschiedene Charaktere (alle aus dem Leben von Iris), die zugeordnet werden wollen. Schnell wird man dabei merken, dass “Der Geschmack von Apfelkernen” dabei ebenfalls eine Rolle im Leben der Protagonistin spielt. Mal ganz abgesehen von dem Apfelbaum, der ebenfalls relativ häufig erwähnt wird. Mithilfe der vielen Erinnerungen, erzählt das Buch eine Geschichte längst vergangene Zeiten und über das älter werden, mit allem, was dazugehört. Mit jeder Seite, die man dabei voranschreitet, setzt sich das Erinnerungs- Puzzle mehr und mehr zusammen. Dies gelingt der Autorin so gut, dass ich selbst sehr oft in den Erzählungen verfallen bin.

Neben den Erinnerungen spielen auch noch existierende Charaktere eine Rolle. Allen voran ist hier sicherlich Max zu nennen, da sich die Beziehung von Max und Iris im Laufe der Handlung enger wird. Die Dialoge der beiden, deuten dabei schon zu Beginn an, in welche Richtung die Beziehung gehen könnte. Am Ende des Buches hat es die Autorin geschafft, dass “Der Geschmack von Apfelkernen” bei mir eine bleibende Erinnerung hinterlassen hat.

 

Cover: Das Cover von “Der Geschmack von Apfelkernen” ist in einem Cremeweiß gehalten. Auf der Vorderseite sehen wir den Ast eines Apfelbaumes, mit seinen Blüten. Schon hier nimmt das Cover also Bezug zum Titel und Inhalt des Buches. Darunter findet sich der Titel, welcher sich durch die rote Farbe, gut vom Hintergrund abhebt. Unter dem Titel findet sich ein aufgeschnittener Apfel. Also auch hier ein weiterer Bezug zum Titel des Buches. Auf der Rückseite finden sich die gleichen Elemente, wie auch schon auf der Vorderseite.

Das Cover gefällt mir recht gut. Es ist gut gestaltet und passt sehr gut zum Titel des Buches.

 

Fazit: Der Geschmack von Apfelkernen gehört sicherlich nicht zu den leichtesten Büchern, belohnt allerdings den Mut zum Lesen, mit einer wirklich tollen Handlung. Diese Handlung hat in meinem Fall sogar, eine bleibende Erinnerung verursacht, die dafür sorgt, dass ich “Der Geschmack von Apfelkernen” so schnell nicht vergessen werde. Das Buch gehört zu den etwas ruhigeren Büchern und eignet sich gut für ruhige Stunden. Von mir bekommt “Der Geschmack von Apfelkernen” 5/5 Sterne.

 

Klappentext: Schillernd und magisch sind die Erinnerungen an die Sommerferien bei der Groß­mutter, geheimnisvoll die Geschichten der Tanten. Katharina Hagena erzählt von den Frauen einer Familie, mischt die Schicksale dreier Generationen. Ein Roman über das Erinnern und das Vergessen – bewegend, herrlich komisch und klug. (Quelle: KiWi)

 

Autor: Katharina Hagena

Titel: Der Geschmack von Apfelkernen

Verlag: KiWi

Genre: Roman

Seiten: 254

Preis: Taschenbuch: 9,99 // Gebunden: 16,95 //eBook: 8,99

Erstveröffentlichung: 2008

ISBN: 978-3462041491

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review 2019-09-19 13:15
Erzähltechnisch mühsames und krampfhaftes Wimmelbild einer Insel
Die Frauen von Andros : Roman - Ioanna Karystiani,Norbert Hauser

Meinen Beitrag zur EU-Autorinnenchallenge für Griechenland fand ich ordentlich durchwachsen und eigentlich unterdurchschnittlich. Dies liegt auf jeden Fall hauptsächlich an der mühsamen Erzählweise der Autorin, die sich auch im Laufe des gesamten Romans nicht verbessert hat, aber auch an anderen Faktoren.

 

Gleich einem Wimmelbild wird durch vorhandene Namensgleichheiten in den Familien, episch breitem Auswalzen von allen Figurenbeziehungen auf dieser kleinen Insel und am Festland und absichtlicher Stiftung von Verwirrrung durch die unterschiedliche und nicht eindeutige einheitliche Benennung von denselben Protagonisten mit mehreren Namen, der Plot absichtlich total konfus gestaltet. Das gibt es ja nun auch bei anderen "anspruchsvollen" Romanen wie Hundert Jahre Einasmkeit von Gabriel Garcia Marques oder bei David Gutersons Schnee der auf Zedern fällt, aber in diesen sehr guten Werken hat man zwischen Seite 100- 150 dann alle Figuren identifiziert und kann sich auf die Handlung konzentrieren. Nicht so bei dieser Geschichte, bei der man meinen könnte, auf dieser kleinen griechischen Insel hat man bald alle kennengelernt. Nichts da, bis zum Schluss der Geschichte werden die wenigen Männer und Freundinnen abwechslend mit Ihren Vornamen und Famliiennamen bezeichnet und da es in den Familien immer Dupletten (sowohl beim Familiennamen als auch beim Vornamen) gibt, die auch zusammen in Szenen spielen, weiß man wirklich oft nicht, wer gemeint ist. Zudem wird permanent in den Zeiten vor und zurückgesprungen, und unzählige für die Geschichte nicht relevante Figuren unterm Teppich hervorgeholt. Was soll der Blödsinn - Lerserquälung?

 

Dann stotzt der Roman auch noch vor dummen, eigentlich fremdenfeindlichen rassistischen Klischees. Der Haushaltsvorstand Mina ist der Achetyp einer Ponti (pontischen Griechin): geschäftstüchtig, geldgierig, eiskalt, berechnend, ohne Gefühl für ihre Kinder. Diese negativen Eigenschaften werden der pontischen Bevölkerung, die um 1917 aus der Türkei nach Griechenland flüchten musste, um dem Genozid an Nicht-Muslimen zu entgehen, angedichtet, da sie wie die meisten Flüchtlinge nicht willkommen waren.

 

Naa... gecheckt in welche Richtung das mit den volkstypischen Eigenschaften läuft? Da kann ich mir ja gleich einen Roman reinziehen, in dem allen Juden (insbesondere die geflüchteten Ostjuden, die ja den Antisemitismus vor allem in Österreich ausgelöst haben) genau dieselben Eigenschaften zugeschrieben werden, oder einen anderen, in dem die heutigen Syrer alle als Vergewatiger diffamiert werden.

 

Inhaltlich tut sich zwar ein singulärer dramatischer Konfikt auf, die böse pontische Mutter hat die jüngere Schwester mit dem Schwarm der Älteren verheiratet, und die Ältere an einen finanziell potenteren Gatten verschachert. Ansonsten passiert aber nicht viel, und die Handlung zieht sich wie ein blinder Regenwurm. Die Frauen warten auf ihre Seefahrer-Männer, die nur alle zwei Jahre aus der großen weiten Welt für drei Monate auftauchen und sie offensichtlich immer erfolgreich befruchten. Die Ehefrauen machen ihr Ding, was auf einer kleinen Insel nicht sehr viel ist: wie Musikabende geben, Freundschaften pflegen, rauchen und die Kinder relativ friktionsfrei erziehen. Erst als alle Männer infolge der Vorbereitung zum zweiten Weltkrieg mal gleichzeitig zu Hause sind, kommt es nach Jahren - die Schwestern sind nun fast vierzig Jahre alt - zum großen Drama um den einen Mann, in den beide Schwestern verliebt sind. Das war mir einfach zu wenig Geschichte, denn auch im gravierenden Konflikt agieren die Schwestern langweilig. Eine redet nicht mit der anderen und die andere versucht sich zu Tode zu hungern, was ihr auch nur gähnend langsam gelingt. Was für dramatische Versager, nicht mal Streit und Suizid funktionieren spektakulär.

 

Was mir schon ein bisschen gefallen hat, war die Zeichnung der Inselgesellschaft und des Ambientes durch die Autorin. Man lernt alle Mitglieder der Gemeinsschaft kennen mit ihren leider sehr langweiligen Macken und bedauerlicherweise unspektakulär kleinen Problemchen. Spannend war auch die Rolle, die die Syphilis in den Seefahrerfamilien spielte, und die als klassisches Schicksal sowohl der Frauen als auch der Kinder dargestellt wurde, da die Herrn Kapitäne und Matrosen ja immer in den Häfen die Nutten frequentierten und wenige eine normale Frau anrührten.

 

Fazit: Wenn der Roman erzähltechnisch nicht so mühsam gewesen wäre, hätte ich sicher auf 3 Sterne aufgerundet, aber beim Zusammenzählen aller Plus- und Minuspunkte ergibt sich für mich bedauerlicherweise nur eine gute Zwei.

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review 2019-09-11 16:11
Dann doch lieber gleich Christoph Marzi
Ravinia: Roman - Thilo Corzilius

Thilo Corzilius‘ Debütroman „Ravinia“ erschien 2011, während seines Studiums der Evangelischen Theologie. Ein Jahr später erhielt er sein Diplom und war ein wenig verloren, denn er hatte entschieden, doch kein evangelischer Pfarrer werden zu wollen. Das Schreiben füllte die Lücke. Als freier Schriftsteller veröffentliche Corzilius bis 2017 Romane und Kurzgeschichten. Er war erfolgreich genug, um sein Leben zu finanzieren, aber was für andere die Erfüllung eines Traums darstellt, befriedigte den jungen Theologen nicht. Deshalb hängte er seine Vollzeit-Autorenkarriere 2017 an den Nagel, ließ sich zum alt-katholischen Priester weihen und wurde Vikar in Freiburg im Breisgau. Ich finde das interessant, denn normalerweise läuft es ja umgekehrt: aus dem Hobby wird ein Beruf. Ich bin gespannt, ob Corzilius zukünftig dennoch Bücher veröffentlichen wird.

 

Wieso schenkt jemand einer 16-Jährigen einen altmodischen Schlüssel? Natürlich ist Lara mit den gelegentlichen Verrücktheiten ihres Großvaters vertraut, aber dieses seltsame Geschenk ist selbst für ihn ungewöhnlich. „Victoria Street, Edinburgh“ ist in den Schlüsselkopf eingraviert. Neugierig beschließt Lara, den Schlüssel an der erstbesten Tür auszuprobieren, die ihr begegnet: ihrer Haustür. Sie staunt nicht schlecht, als der Schlüssel nicht nur passt, sondern die Tür zu ihrem Haus plötzlich auf die Victoria Street in Edinburgh führt. Unmöglich! Oder nicht? Dort angekommen, trifft sie den exzentrischen alten Schlüsselmacher Mr. Quibbes und seinen Gesellen Tom, die ihr seelenruhig erklären, dass ihr Schlüssel magisch und nicht der einzige seiner Art ist. Mr. Quibbes bietet ihr an, bei ihm in die Lehre zu gehen und sie in die Geheimnisse seiner Zunft einzuweihen. So lernt Lara Ravinia kennen, eine magische Welt, eine Zuflucht für alle mit besonderen Talenten. Doch Ravinia ist in Gefahr. Die Stadt droht, von einer Verschwörung in ihren Grundfesten erschüttert zu werden – und Lara ist die einzige, die sie aufhalten kann.

 

„Ravinia“ wird damit beworben, die ideale Lektüre für alle Fans von Christoph Marzi zu sein. Ich kenne Marzis Romane gut, sie begleiten mich bereits seit vielen Jahren und seine „Uralte Metropole“ eroberte sich einen dauerhaften Sitz in meinem Herzen. Thilo Corzilius ist nicht Christoph Marzi und ich finde nicht, dass ihm dieser Vergleich einen Gefallen erweist. Diese Behauptung kreierte eine bestimmte Erwartungshaltung, die Corzilius nicht erfüllen konnte und die meine Leseerfahrung negativ beeinflusste, weil ich nach Parallelen Ausschau hielt, statt die Geschichte eigenständig auf mich wirken zu lassen. Da ich von Beginn an mit der Nase darauf gestoßen wurde, musste mir auffallen, dass Corzilius‘ Schreibstil so sehr an Marzi erinnert, dass „Ravinia“ nicht mehr originell erscheint. Ich weiß nicht, ob die Ähnlichkeiten ein Zufallsprodukt sind oder beabsichtigt waren, aber ich hatte den Eindruck, dass Corzilius versuchte, Marzi zu kopieren und dabei kläglich versagte. „Ravinia“ reicht nicht mal ansatzweise an die Qualität der „Uralten Metropole“ heran und behandelt kaum den Schatten der Geschichte, den das Buch zu erzählen beabsichtigt. Sie hat keinen greifbaren Körper und fällt bei der kleinsten Nachfrage in sich zusammen wie ein Kartenhaus, denn jegliche Logik hängt am seidenen Faden. Die Handlung wurde durch nachlässige Oberflächlichkeiten, andauernde Geheimniskrämerei und das irritierende, erratische Verhalten der Figuren maßgeblich beeinträchtigt. Ich hatte fortwährend das Gefühl, die Geschichte nie ganz zu fassen zu bekommen und den Gedankengängen des Autors nicht folgen zu können. Corzilius inszenierte „Ravinia“ als ein gigantisches Mysterium, was mich furchtbar frustrierte, weil ich ihm Antworten auf meine zahllosen Fragen beinahe mit Gewalt entreißen musste. Er gefiel sich so gut in der Rolle des kryptischen Erzählers, dass er sich lieber in dubiosen Andeutungen verlor, die den Spannungsbogen sabotierten, statt eine stabile Kausalkette zu aufzubauen. Ich verstand die meiste Zeit nicht einmal, was er überhaupt schildern wollte und worum es in diesem Buch geht. Das Worldbuilding der losgelöst in einer Blase aus Zeit und Raum existierenden Stadt Ravinia, die Verschwörung, die Motivationen der einzelnen Charaktere, die Verwicklung der Protagonistin Lara – all das hielt Corzilius viel zu vage. Es mag sein, dass „Ravinia“ in seinem Kopf wunderbar Sinn ergab, ich sah darin jedoch nur eine lückenhaft zusammengekritzelte Skizze, der es an Nachvollziehbarkeit, Überzeugungskraft und Plausibilität mangelte. Ich verlor schnell die Lust daran, mich für diese wenig aufregende Obskurität anzustrengen. Wozu auch, ich wurde ja ohnehin nicht warm mit den Figuren oder Ravinia und fühlte mich nie an der Geschichte beteiligt. Literarische Magie verlangt eben mehr als träumerische Formulierungen und Wortneuschöpfungen wie „düstergolden“.

 

Ich bin nicht sicher, ob Thilo Corzilius in der Lage gewesen wäre, „Ravinia“ zugänglicher zu gestalten. Dank seiner permanenten Geheimnisklüngelei ist das schwer einzuschätzen, denn ich weiß nicht, welche Geschichte sich da in seiner Fantasie eigentlich abspielte. Ich weiß nur, dass mich dieses Buch ermüdete, nervte und ganz und gar unbefriedigt zurückließ. Da seine grundsätzliche Idee magischer (Handwerks-)Künste in einer geheimen Stadt nicht gerade die Spitze der Originalität darstellt, hätte sich Corzilius meiner Ansicht nach deutlicher darum bemühen müssen, die Handlung schlüssig und spannend aufzuziehen. Er hätte eine mitreißende Erzählung entwerfen müssen, die keine Zweifel an Logik und Vorstellbarkeit aufkommen lässt, um ihr dann seine ganz eigene Note zu verleihen. Stattdessen empfand ich „Ravinia“ als enttäuschenden Abklatsch der Romane von Christoph Marzi, der dem Vorbild nicht annähernd gerecht wird. Dann doch lieber gleich die „Uralte Metropole“ und garantiert nicht die Fortsetzung „Epicordia“.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2019/09/11/thilo-corzilius-ravinia
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review 2019-09-08 18:06
Inselküsse (Gut)
Inselküsse - Evelyn Kühne

Evelyn Kühne

Inselküsse

Forever

 

Autor: Evelyn Kühne wurde 1970 in Radebeul geboren. Schon immer galt ihre ganze Leidenschaft den Büchern. Beruflich ging sie jedoch erst einmal andere Wege und arbeitete unter anderem als Verkäuferin. Viele Jahre später, nachdem sie eine Krebserkrankung überstanden hatte, traute sie sich erstmals mit ihren eigenen Geschichten an die Öffentlichkeit. Für sie war das Schreiben auch ein Stück Krankheitsbewältigung. Seitdem veröffentlichte sie mehrere Romane sowie das Kinderbuch "Die kühne Marie", welches sie zugunsten krebskranker Kinder schrieb. Sie lebt heute mit Mann und Tieren in der Nähe von Meißen und schreibt am liebsten Krimis und Liebesromane über starke Frauen. (Quelle: Forever)

 

Marie ist Töpferin und wohnt gemeinsam mit ihren drei Kindern in einer Wohnung, die nicht sonderlich zur Familie passt. Dann ist da auch noch die erhöhte Miete, die der Vermieter nach der Sanierung verlangen möchte. Zu allem Überfluss hat Marie auch noch einen Großauftrag für ihre Töpferarbeiten, den sie gerne annehmen würde. Die Lösung für all die Probleme kommt in Form von Nachbarin Ruth. Diese hat ein Haus geerbt, dass zusätzlich noch ein Nebenhaus beinhaltet, dass perfekt als Töpferei dienen könnte. Allerdings fällt Marie, trotz des tollen Angebotes, die Wahl nicht leicht, sodass sie erst mal in Ruhe über alles nachdenken muss.

 

Die Geschichte von “Inselküsse” wird in insgesamt 23 Kapiteln erzählt, wobei jedes mit einem kleinen Symbol einer Herzblume beginnt. Der Beginn des Buches, kommt noch recht düster und trist daher, allerdings ändert sich das immer wieder im Laufe des Buches. Der Beginn wirkt dabei allerdings etwas aufgesetzt und kommt mit etwas sehr viel Zufall daher. Allerdings ist dies nicht unbedingt Negativ, schließlich treibt es die Handlung voran. Diese ist im Großen und Ganzen schon von Beginn an klar und weicht auch kaum vom üblichen Muster ab. Zwei Menschen finden sich, verlieben sich, finden aber erst nach mehrmaligen Hin und Her zusammen, so lässt es sich am besten zusammenfassen. Dieser Zustand scheint sich bereits nach der Hälfte des Buches einzustellen, allerdings lässt sich hier sehr schnell erkennen, dass es damit noch lange nicht getan ist. Und so kommt es dann auch, wobei sich jetzt ein Hauch von Spannung in die Geschichte mischt (wegen Christian und seinem Verhalten).

Trotzdem wundert es dann wohl niemanden, dass am Ende von “Inselküsse”, ein Happy End auf einen wartet (dies ist schon von Beginn an abzusehen). Hier hätte ruhig etwas mehr kommen können, denn nach all den Seiten auf denen man den Charakteren gefolgt ist, wird das Ende doch recht schnell abgehandelt.

Neben dem Beziehungsstatus der Charaktere, ändern sich diese im Laufe des Buches allerdings ebenfalls. Ist die Tochter anfänglich noch, wie oftmals in solch einer Handlung, recht launisch, wirkt sie am Ende glücklich. Das Erlebte hat die Familie spürbar zusammengeschweißt.

Der Schreibstil der Autorin ist dabei flüssig und gut zu lesen. Die vielen Details sorgen dafür, dass man sich beim Lesen an der Ostsee befindet.

 

Cover: Auf dem Cover von “Inselküsse” ist ein Haus zu sehen, dass wohl ein Abbild dessen ist, was im Buch selbst ebenfalls vorkommt. Hier ist also bereits ein Bezug zum Inhalt. Der Titel des Romans, steht über dem Haus und hebt sich nur leicht vom Hintergrund ab. Schauen wir auf die anderen Bücher von Autorin Evelyn Kühne, stellt man in Sachen Gestaltung, einen Zusammenhang fest. Also auch hier reiht sich “Inselküsse” in bereits bestehende Bücher ein.

Insgesamt wirkt das Cover sehr idyllisch und passt gut zum Inhalt des Buches. Allerdings macht das Cover auch nicht wirklich etwas neu, was nicht sonderlich schlimm ist.

 

Fazit: Evelyn Kühne entführt die Leser in ihrem Roman “Inselküsse” an die Ostsee. Man begleitet über all die Seiten eine Familie, auf den Weg in ihr Glück. Klar das es da nicht immer kommt, wie man es sich wünscht. Inselküsse erzählt eine Geschichte über den Mut zu Veränderungen aber auch darüber, wie wichtig Freunde und Familie sein können. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn das Buch nach bekanntem Muster vorgeht. Von mir bekommt “Inselküsse” 4/5 Sterne.

 

Klappentext: Die 43-jährige Marie ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Mit ihren Töpferarbeiten und einem Nebenjob schafft sie es kaum, die Miete für ihre kleine Wohnung zu verdienen. Trotzdem findet sie die Zeit, sich um ihre kranke Nachbarin Ruth zu kümmern. Doch als ihr Wohnhaus plötzlich verkauft wird, drohen Sanierungen und eine saftige Mieterhöhung. Zum Glück hat Ruth eine Idee: Sie besitzt ein Haus auf Rügen und lädt Marie ein, zusammen mit ihr und den Kindern dort einzuziehen. Als Marie jedoch sieht, in welch schlechtem Zustand das Haus ist, will sie am liebsten wieder umkehren. Wäre da nicht der sympathische Tischler Christian, der ihr hilft, das Haus zu renovieren. Auch Maries Leben könnte einen neuen Anstrich gebrauchen. Doch sie ist sich nicht sicher, ob sie dieser Aufgabe schon gewachsen ist …(Quelle: Forever)

 

Autor: Evelyn Kühne

Titel: Inselküsse

Verlag: Forever

Genre: Roman

Seiten: 304

Preis: Taschenbuch: 14,00 // eBook: 4,99  

Erstveröffentlichung: 2019

ISBN: 978-3958183780

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