logo
Wrong email address or username
Wrong email address or username
Incorrect verification code
back to top
Search tags: Weltkrieg
Load new posts () and activity
Like Reblog Comment
review 2016-12-06 10:09
Eine Welt modernen Zaubers
Cinder - Marissa Meyer

Ein metallener Fuß, eine metallene Hand, Chips und Drähte unter ihrer Haut – Cinder ist ein Cyborg. Glaubt man der Gesellschaft, ist sie wertlos, weil sie kein richtiger Mensch mehr ist. Ihre Stiefmutter Adri teilt diese Meinung. Jeden Tag lässt sie Cinder spüren, dass die Vormundschaft für sie eine Belastung ist, während sie ihre leiblichen Töchter nach Strich und Faden verwöhnt. Ihr Repertoire neuer Schikanen ist endlos. Dankbar für jede Gelegenheit, Adri zu entkommen, verbringt Cinder den Großteil ihrer Zeit in ihrem kleinen Laden auf dem Markt in Neu-Beijing. Sie nutzt ihr beachtliches Talent als Mechanikerin, um hier etwas Geld zu verdienen. Nie hätte sie angenommen, dass ihr tadelloser Ruf bis in den Palast reichen könnte. Sie fällt fast in Ohnmacht, als eines Tages Kronprinz Kai vor ihr steht und sie bittet, seine beschädigte Androidin zu reparieren. Schon bald könnte aus dem Prinzen der neue Kaiser des Eastern Commonwealth werden, denn sein Vater, Kaiser Rikan, liegt im Sterben, infiziert von der Seuche, die bereits Tausende seiner Untertanen dahinraffte. Cinder nimmt den royalen Auftrag an, unwissend, dass sie damit eine Lawine interstellaren Ausmaßes lostritt. Denn in Cinders verschütteter Vergangenheit liegen Geheimnisse, von denen sie nichts ahnt. Geheimnisse, die nicht nur ihr Leben, sondern auch die Beziehungen zu Luna, dem Königreich des Mondes und somit die Zukunft der gesamten Erde bedrohen. Cinder mag kein richtiger Mensch mehr sein. Aber wertlos ist sie nicht.

 

„Cinder“ ist erfreulicherweise keine schnöde Nacherzählung. Es ist eine gelungene, originelle und überzeugende Variation von „Aschenputtel“, die viele frische Ideen beinhaltet. Zwar bedient sich Marissa Meyer der Grundstruktur des alten Märchens und involviert ein paar Szenen, die definitiv Wiedererkennungswert aufweisen, doch der Reihenauftakt der „Lunar Chronicles“ ist unumstritten eine eigenständige Geschichte. Während „Aschenputtel“ lediglich ein (traumhaftes) Einzelschicksal schildert, weitet Meyer diesen engen Rahmen aus, ohne ihre liebenswerte Protagonistin Cinder aus den Augen zu verlieren. Sie entfaltet ein ganzes Universum um Cinder herum und konstruiert eine Welt, die mich wirklich faszinierte. Das Buch spielt im Jahr 126 der dritten Ära, die mit dem Ende des Vierten Weltkriegs begann. Der dargestellte technische Fortschritt ist glaubhaft; schon heute arbeiten Wissenschaftler fieberhaft an der Entwicklung künstlicher Intelligenz und die medizinischen Erfolge im Bereich der Prothetik lassen darauf hoffen, dass eines Tages niemand mehr mit dem Verlust eines Körperteils leben muss. Androide und Cyborgs sind in der Zukunft dementsprechend durchaus vorstellbar. Ebenso denkbar sind ein Dritter und Vierter Weltkrieg, die die Menschheit zwingen, das globale Zusammenleben sowie die globale politische Struktur neu zu ordnen. Die Konsequenzen dieses verheerenden Krieges zeichnet Marissa Meyer meiner Ansicht nach recht optimistisch. Die Weltbevölkerung lernte aus ihren Fehlern und lebt in Frieden – ein netter Gedanke, den ich zu schätzen wusste, aber leider einfach nicht glauben kann. Vielleicht bin ich zu zynisch. Dennoch beeindruckte mich Meyer, indem sie deutlich herausarbeitete, dass die Erde trotz des allgemeinen Friedens kein utopisches Paradies ist. Cinders Leben ist hart, weil sie als Cyborg ständigen Anfeindungen ausgesetzt ist. Ihre Heimat Neu-Beijing ist rettungslos überfüllt, die Menschen stapeln sich regelrecht übereinander, Armut gedeiht wie ein Krebsgeschwür. Gesellschaft und Wirtschaft sind durch die Seuche, die auch Kaiser Rikan befiel, geschwächt. Die Bedrohung, die von Luna und dessen Königin Levana ausgeht, ist allgegenwärtig, weil die Friedensverhandlungen seit Jahren feststecken und das aggressive Königreich des Mondes die Instabilität der Erde jeder Zeit ausnutzen könnte. Es herrschen längst nicht Friede, Freude, Eierkuchen und genau dieser Aspekt gefiel mir außerordentlich gut. Meyer zeichnet das umfassend realistische Bild einer Welt, die noch immer von Angst und Unsicherheit geprägt ist. Cinders Rolle innerhalb dieser schwierigen globalen Situation empfand ich als überraschend bescheiden. Obwohl sie eindeutig mehr als nur die Mechanikerin von nebenan ist und sich im Verlauf der Handlung herausstellt, dass sie große Verantwortung trägt, rettet sie die Erde nicht innerhalb eines Wimpernschlags im Alleingang. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ihre Geschichte mit diesem ersten Band nicht beendet und die Reihe insgesamt grob fortlaufend sein würde. Ich dachte, die Bände seien in sich abgeschlossen und nur minimal miteinander verknüpft. Da lag ich wohl falsch. Meyer verfolgt den Konflikt zwischen Erde und Luna in den Folgebänden weiter und soweit ich weiß, werde ich auch Cinder wiedertreffen. Es sollte auf der Hand liegen, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen werde.

 

„Cinder“ war ein von Erfolg gekrönter vorsichtiger Vorstoß in die Kategorie der zeitgenössischen Märchenadaptionen. Es freut mich, dass mich das Buch mitreißen und unterhalten konnte, da ich vor der Lektüre doch recht misstrauisch war. Märchen bedeuten mir sehr viel, weil sie meine Kindheit prägten. Ich assoziiere viele wunderschöne Erinnerungen mit ihnen, die ich keinesfalls beschmutzt sehen möchte. Ich bin Marissa Meyer dankbar, dass sie mit der traditionellen Vorlage von „Aschenputtel“ respektvoll umging und etwas vollkommen Neues daraus konzipierte. Die Mischung kreativer, unverbrauchter Ideen und durchdacht eingesetztem, wohlbekanntem Szenenaufbau erreichte mich mühelos und entwickelte eine eigene Dynamik. Vor meinem inneren Auge entrollte sich eine Welt modernen Zaubers und einnehmender Charaktere, in der ich mich sofort kuschlig wohlfühlte. Ich schiele bereits neugierig auf die Fortsetzung „Scarlet“. Wenn Aschenputtel nun ein cooler Cyborg ist, was macht Marissa Meyer dann wohl erst aus „Rotkäppchen“?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/12/06/marissa-meyer-cinder
Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2016-11-24 05:13
Rezension | Gestorben wird immer von Alexandra Fröhlich
Gestorben wird immer: Roman - Alexandra Fröhlich,Roger Keil

Beschreibung

 

Die 91-jährige Agnes Weisgut führt bereits seit Jahrzehnten den erfolgreichen einen Steinmetzbetrieb in Hamburg. Immer getreu dem Motto „Gestorben wird immer“. Außerdem kümmert sie sich um alle Belange und Schwierigkeiten in der Familie. Nun möchte Agnes die Geheimnisse der Vergangenheit mit dem ganzen Familienclan teilen. So beauftragt sie ihre Enkelin Birte, die ganze Familie an einen Tisch zu bringen. Gar kein so leichtes Unternehmen, denn es gibt so einige Zwistigkeiten zwischen den Familienmitgliedern.

 

Meine Meinung

 

Der neue Roman von Alexandra Fröhlich, „Gestorben wird immer“, ist mein erster Roman der Autorin. Darin erzählt sie eine mitreisende Familiengeschichte, die vor allem durch den zweiten Weltkrieg geprägt ist.

 

"Ihre Enkelin war ein Mensch, der seine Ziele mit verzweifelter Hartnäckigkeit verfolgte und ein Scheitern schlichtweg ausschloss. Sie war ihr nicht unähnlich." Seite 15, Agnes

 

Sehr spannend finde ich die Einteilung des Romans. Zum einen springt man in der Zeit und von Ort zu Ort, was durch die Kapitelüberschriften leicht nachzuvollziehen ist, zum anderen ist die Geschichte in drei Perspektiven eingeteilt, die der 91-jährigen Agnes Weisgut, die der Tochter Martha und die der Enkelin Birte. Durch diesen Aufbau erzählt die Autorin immer nur Häppchen für Häppchen die spannende Familien-Geschichte der Weisgut’s. Die Spannung bleibt also bis zum Ende hin erhalten und lies mich das Buch kaum aus der Hand legen.

 

"Schatz. Liebling. Auch mein Häschen. Oder mein Mäuschen. Wie sie das hasste, diese nach außen, mit den immer gleichen Worthülsen demonstrierte Liebe. Thomas, der Gute. Martha, die Verrückte." Seite 54, Martha

 

Im Vordergrund stehen die bewegende Erlebnisse von Agnes Weisgut, sie hat die entbehrungsreichen Jahre des zweiten Weltkriegs miterlebt, was ihre Vergangenheit zu einer ganz besonders schwermütigen und ergreifenden Geschichte macht. Sie hat das beste aus ihrem Schicksal gemacht und dabei Schuld auf sich geladen. Nun möchte Sie ihrer Familie die ganze Wahrheit über die Vergangenheit erzählen, dabei hofft sie nicht auf Vergebung, sondern nur auf das Verstehen.

 

Alexandra Fröhlich’s Roman ist geprägt von den einschneidenden Erlebnissen des zweiten Weltkriegs, dabei stehen aber immer die drei Hauptprotagonisten Agnes, Martha und Birte im Vordergrund. Wirklich jeder dieser besonderen Charaktere hat eine ganz spezielle Persönlichkeit die im Laufe des Buchs verständlich dargelegt wird. Für mich glich das einer spannenden und berührenden Reise durch die Menschlichkeit! Ein wirklich toller Roman den ich euch ganz besonders ans Herz legen möchte.

 

"Eine Tochter ohne Mutter. Eine Mutter ohne Tochter. Das passte zusammen, fand Birte. Da konnte doch die eine der anderen geben, was sie beide brauchten." Seite 154, Birte

 

Über die Autorin

 

Alexandra Fröhlich lebt als Autorin in Hamburg und arbeitet als freie Textchefin für verschiedene Frauenmagazine. Ihr Roman „Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen“ (2012) stand wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Auch in ihrem neuen Buch, „Gestorben wird immer“, erzählt sie augenzwinkernd eine ungewöhnliche Familiengeschichte.(Quelle: Penguin Verlag)

 

Fazit

 

Eine bewegende Familiengeschichte, die bis heute durch die schlimmen Jahre des zweiten Welkriegs geprägt ist.

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-gestorben-wird-immer-von-alexandra-froehlich
Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2016-11-23 05:28
Rezension | Salz für die See von Ruta Sepetys
Salz für die See - Ruta Sepetys,Henning Ahrens

Beschreibung

 

Der zweite Weltkrieg ist fast zu Ende. Tausende Menschen flüchten voller Angst vor der Roten Armee. Darunter die junge litauische Krankenschwester Joana, die fünzehn-jährige Polin Emilia und der Restaurator und vermeintlicher Deserteur Florian. Zusammen bilden sie eine Notgemeinschaft um in Gotenhafen bei der Wilhelm Gustloff an Bord zu gehen, und endlich in Sicherheit zu gelangen.

 

Der Krieg hat jedoch jeden Einzelnen Misstrauen gelehrt, und alle Menschen in der Notgemeinschaft haben ihre Geheimnisse. Dennoch halten sie zusammen, denn die eisig kalten Tage sowie die schrecklichen Kriegserlebnisse schweisen sie zusammen.

 

Meine Meinung

 

In dem Jugendroman „Salz für die See“ erzählt Ruta Sepetys eine fiktive Geschichte, die auf dem Drama, des zu Ende des zweiten Weltkriegs versenkten Rettungsschiffes Wilhelm Gustloff basiert. Obwohl ich mich für Geschichte interessiere, insbesonder die Geschichte über den zweiten Weltkrieg, kann ich mich nicht daran erinnern jemals etwas über dieses Drama gehört zu haben, und wenn dann nur am Rande. Umso spannender war es für mich in diesen Roman einzutauchen, der einige Lebensgeschichten um dieses Ereignis spinnt.

 

Vorher aber noch ein paar Hintergrundinformationen für euch. Die Wilhelm Gustloff entstand im Auftrag der NSDAP im Jahre 1937 in Hamburg und wurde bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs als Kreuzfahrtschiff für die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) genutzt, und war für 1.463 Passagiere plus 417 Besatzungsmitglieder ausgelegt. Danach diente sie der Kriegsmarine als Lazarettschiff, Verwundetentrasporter und Wohnschiff für die U-Boot-Lehrdivision in Gotenhafen. Als die Rote Armee die Ostfront durchbrach wurde durch das Unternehmen Hannibal die Verlegung der 2. U-Boot-Lehrdivision nach Westen angeordnet, bei der zusätzlich verwundete Soldaten und Flüchtlinge mit an Bord genommen wurden. So legte die Wilhelm Gustloff schließlich mit ca. 10.300 Menschen in Gotenhafen ab. Nur wenige Stunden danach, trafen drei Torpedos des sowjetischen U-Boot S-13, die die Wilhelm Gustloff versenkten. Es wurden nur wenige Menschen gerettet, die Opferzahl wird auf ca. 9.000 Menschen geschätzt, womit der Untergang der Wilhelm Gustloff zu der größten Katastrophe der Schifffahrtsgeschichte zählen würde.

 

"Ein Mädchen, das die Mutter verloren hatte, glich einem winzigen Boot auf einem zornigen Ozean. Manche Boote gelangen schließlich an Land. Andere Boote, so auch meines, trieben immer weiter auf die See hinaus." Seite 176, Emilia

 

Die einzelnen Kapitel sind eher kurz gehalten und erschaffen eine dramatische Atmosphäre. Außerdem lässt sich durch die Kapitelüberschrift gleich feststellen in welche Perspektive man eintaucht. Ruta Sepetys erzählt nämlich gleich mehrere Geschichten, die in den Kriegswirren zueinander finden. Abwechselnd schlüpft man in die Haut der jungen litauische Krankenschwester Joana, der fünfzehnjährigen Polin Emilia, des deutscher Deserteurs Florian und des Matrosen Alfred.

 

Joana befindet sich von Beginn an in einem Flüchtlingstreck auf dem Weg nach Gotenhafen um vor der Roten Armee in den sicheren Westen zu fliehen. Hier finden sich die unterschiedlichsten Charaktere wieder, aber vor allem jene, die von Hitler verfolgt werden, durch das Schicksal treffen Florian und Emilia auf den Treck und schließen sich ihm nach einigem Hin- und Her an.

 

Ruta Sepetys facettenreicher Schreibstil ist meist sachlich und ruft dennoch eine Reihe von Emotionen hervor, die mich von der ersten Seite an ergriffen, und einfach nicht mehr losgelassen haben. Vor allem die poetischen Erzählungen der erst fünfzehnjährigen Emilia haben mir einige Tränen beschert und mich tief bewegt! Nicht weniger bewegend ist die Geschichte der jungen Krankenschwester die am liebsten jedem Menschen auf ihrem Weg helfen würde, aber erschreckt miterleben muss, dass sie nicht immer helfen kann.

 

Florian bringt mit seiner Geheimniskrämerei die Mystik des sagenumwobenen Bernsteinzimmers, dass die Nazis während des 2. Weltkriegs geraubt haben sollen, in die Geschichte. Ein fast magisches Element das der Geschichte einen besonderen Touch verleiht.

 

All diese Geschichten steuern unaufhörlich auf die Katastrophe des Untergangs der Wilhelm Gustloff zu. Während ich über das Buch nachdenke und diese Sätze schreiben überkommt mich schon wieder die Gänsehaut, die Ruta Sepetys Geschichte anhaftet.

 

"Die Wilhelm Gustloff war schwanger mit den vielen verlorenen Seelen, die der Krieg hervorgebracht hatte. Sie würden sich im Schiffsbauch drängen und das Schiff wäre die Gebärerin ihrer Freiheit und Sicherheit." Seite 231, Emilia

 

„Salz für die See“ ist ein gut recherchierter Roman, der trotz der fiktionalen Lebensgeschichten der Charaktere erschreckend authentisch über den Krieg und das Schicksal der Flüchtlinge berichtet.

 

Über die Autorin

 

Ruta Sepetys wurde in Michigan geboren und hat litauische Vorfahren. Ihren Wurzeln ging sie in ihrem ersten Buch, „Und in mir der unbesiegbare Sommer“, nach. Für ihren zweiten Roman, „Ein Glück für immer“, hat sie ihre Lust an historischer Recherche mit dem Interesse an New Orleans und seinem schillernden French Quarter verbunden. (Quelle: Königskinder Verlag)

 

Fazit

 

Eine Geschichte über Krieg, Freundschaft und Zusammenhalt. Bewegend und aufwühlend wie die See!

 

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-salz-fuer-die-see-von-ruta-sepetys
Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2015-10-12 21:57
Dörte Hansen: Altes Land (Hörbuch)
Altes Land - Dörte Hansen,Hannelore Hoger,Deutschland Random House Audio

Eigentlich bin ich kein Hörbuch-Mensch. Zwar finde ich es unglaublich toll, wenn mir vorgelesen wird, vor allem dann, wenn ich einschlafen möchte, denn irgendwie gibt es nichts Beruhigenderes, oder? Mit einer Ausnahme. Autofahrten. Wenn man konzentriert am Steuer sitzt und alle Radiosender nur Müll spielen, dann sind Hörbücher das Beste.

 

Die letzten Wochen musste ich sehr viel Autofahren. Und das in bester Begleitung...

 

Knorrig. Das ist das erste Wort, das mir einfiel, als Hannelore Hoger anfing zu lesen. Knorrig ist auch ein sehr gutes Wort, um die Bewohner des kleinen Dorfes im Alten Land bei Hamburg zu beschreiben, in dem der Roman "Altes Land" von Dörte Hansen hauptsächlich spielt.

 Auch das alte Haus, das als wichtigster Schauplatz selbst lebendig zu werden scheint, knarzt und knurrt: "Dit Huus is mien und doch niet mien", weiß bereits die alte Bäuerin (Ida Eckhoff), als sie erst den vom Krieg traumatisierten Sohn und dann auch das Haus der geflohenen Hildegard von Kahmke überlassen muss. Doch auch diese strenge Ostpreussin zieht weiter. Zurück bleibt Tochter Vera Eckhoff mit ihrem Adoptivvater, während Hildegard von Kahmke eine neue Familie gründet. Jahre später landet Veras Nichte Anne mit ihrem Fünfjährigen wieder im Alten Land bei Vera und ein Kreis schließt sich. Dazwischen liegen witzige, prägnante und berührende Momente, meist ohne Kitsch (dazu ist die Zunge von Dörte Hansen zu scharf und Hannelore Hoger viel zu gut - kann ich nicht anders beschreiben).

Es ist ein Familienroman und eine Geschichte kleiner und größerer Fluchten. Eine wunderbar unterhaltsame Geschichte, die aufs kitschige Happy End verzichtet und einige dunkle Momente einschließt. Hinterrücks werden diese Momente vorbereitet und bevor man sich versieht ists auch schon passiert und weiter gehts in flottem Schritt.

 

Für ein Hörbuch sind es - gerade anfangs und noch dazu für eine ungeübte Hörerin wie mich - sehr viele Personen, aber das trübt das Vergnügen höchstens kurz - man hört Hannelore Hoger auch gern ein zweites Mal zu, wie sie "Altes Land" liest.

 

Like Reblog Comment
review 2015-05-13 10:35
Extrem temporeich und vollgestopft mit Kämpfen
Hexed - Kevin Hearne

Seit ich Kevin Hearne getroffen habe, nehme ich die Iron Druid Chronicles anders wahr. Mein Blickwinkel hat sich nicht grundsätzlich geändert, aber schon ein bisschen. Ich habe eine intensivere Beziehung zu der Reihe, weil ich den Autor erlebt habe. „Hexed“ hatte ich bereits vor meinem Abend mit Kevin Hearne ausgelesen; der direkte Effekt dieser Begegnung wird also vermutlich erst mit dem nächsten Band eintreten. Trotzdem, wenn ich jetzt im Nachhinein über „Hexed“ nachdenke, höre ich in jedem Witz, den Atticus gerissen hat, Kevin Hearnes Stimme. Eine schöne Erfahrung.

 

Man kann keinen Gott töten, ohne dass andere Götter hellhörig werden. Seit Atticus Aenghus Óg zur Strecke brachte, kann er sich kaum vor Angeboten retten, die verschiedensten Gottheiten in ihr jeweiliges Jenseits zu befördern. Ein Name fällt jedoch häufiger als alle anderen: Thor. Sogar Atticus‘ vampirischer Anwalt Leif bittet ihn, den Donnergott zu beseitigen. Für solche Abenteuer hat der Druide allerdings weder Zeit noch Lust. Er hat alle Hände voll zu tun, denn ein neuer Hexen-Coven ist in der Stadt, der es nicht nur auf die polnischen Hexen des ansässigen Covens abgesehen hat, sondern auch auf Atticus selbst. Zeitgleich fallen Dionysos‘ Bacchanten in Tempe ein, angezogen von der Verschiebung des Machtgefüges und drohen, die ganze Stadt ins Chaos zu stürzen. Zwischen Kämpfen mit wildgewordenen Dionysos-AnhängerInnen, Dämonen und gefallenen Engeln muss Atticus irgendwie die Zeit finden, eine Hexenjagd zu veranstalten. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als seine Kräfte mit dem polnischen Coven zu bündeln. Dabei stellt sich heraus, dass er den neuen Hexen bereits begegnet ist: im Zweiten Weltkrieg, auf Seite der Deutschen.

 

Wie viel Action passt in einen einzelnen Roman? Eine ganze Menge, wie ich anhand von „Hexed“ lernen durfte. Der zweite Band der Iron Druid Chronicles ist extrem temporeich und vollgestopft mit Kämpfen. Er bietet kaum Zeit zum Durchatmen; es passiert so unglaublich viel, dass ich nur so durch das Buch flog – nicht aufgrund von Komplexität, sondern weil Atticus permanent beschäftigt ist. Ich hatte sehr viel Spaß mit seinen Abenteuern, muss allerdings zugeben, dass „Hexed“ mich den Figuren kaum näher brachte. Charakterentwicklung stand nicht gerade weit oben auf Kevin Hearnes To-Do-Liste. Gestört hat mich das nicht, denn für mich sind die Iron Druid Chronicles definitiv brain candy. Ich lese diese Romane, weil sie mich hervorragend unterhalten und nicht, weil ich erwarte, tiefgreifende Einblicke in Atticus‘ Seele zu bekommen. Außerdem ist es nicht so, dass man gar nichts Neues über den knackigen Druiden erfährt. Die Handlungslinie mit den deutschen Hexen ist nicht nur äußerst interessant, sie festigt auch die Rolle des polnischen Covens in der Geschichte und offenbart einige spannende Details aus Atticus‘ Vergangenheit. Er ist satte 2.100 Jahre alt, natürlich war er bei all den großen Momenten der Geschichte dabei. Die Vorstellung, dass er im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hat, faszinierte mich sehr. Er war dort. Er hat das Dritte Reich aufsteigen und fallen sehen und hatte seinen ganz eigenen Anteil daran, dass der Faschismus erfolgreich bekämpft wurde. Überhaupt gefiel es mir unglaublich gut, wie Kevin Hearne die Verstrickung der Übernatürlichen in diesem furchtbaren Krieg darstellte. In einer Realität, in der es Supras gibt, ist es durchaus wahrscheinlich, dass sie sich in die großen Konflikte der Menschen einmischen und Partei ergreifen. Ihre eigene Politik spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle; ein Punkt, der in „Hexed“ eher andeutungsweise zum Tragen kommt. Ich glaube, dass Kevin Hearne in diesem Band die Vorbereitungen für zukünftige politische Verwicklungen in der Götterwelt traf und freue mich jetzt schon darauf, diese in den Folgebänden zu erleben. Speziell Atticus‘ Beziehung zu der Morrigan dürfte für einigen explosiven Zündstoff sorgen. In diesem Zusammenhang muss ich noch einmal betonen, wie großartig ich es finde, dass in Hearnes Universum die Götter aller Glaubensrichtungen parallel existieren. Das bietet so viele spannende Möglichkeiten, die er meiner Meinung nach fabelhaft nutzt. Atticus triff begleitet von Kojote (aus der Mythologie der indigenen Stämme Nordamerikas) auf die Jungfrau Maria – wie aberwitzig ist das bitte? Ich liebte diese Szene, unter anderem auch, weil die Witwe MacDonagh nicht ganz unschuldig an dieser Begegnung war. Diese religiöse Aufgeschlossenheit, geschildert mit einem kräftigen Augenzwinkern, ist unerreicht und unvergleichlich. Ich bin überzeugt, genau diese Eigenschaft macht die Iron Druid Chronicles so besonders.

 

Wenn ihr den ersten Band der Iron Druid Chronicles (Hounded“) mochtet, könnt ihr „Hexed“ ohne weiteres ebenfalls lesen. Kevin Hearne behält sein Niveau bei; es bleibt spannend, aufregend und herrlich witzig. Atticus ist ein beeindruckender Protagonist, der mich stets aufs Neue mit seiner Leichtigkeit, seiner lässigen Nonchalance überzeugt. Aber natürlich ist es nicht Atticus allein, der mich begeistert, es sind auch all die liebevoll gezeichneten Nebencharaktere. Ob Leif, Granuaile oder Oberon – ich habe sie alle ins Herz geschlossen und freue mich wahnsinnig darauf, weitere Abenteuer mit ihnen zu bestehen!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2015/05/13/kevin-hearne-hexed
More posts
Your Dashboard view:
Need help?