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review 2017-04-12 07:59
ES und ICH
Smoke: Roman - Katrin Segerer,Dan Vyleta
"Ein Geruch wie ausgekochte Geschirrtücher." (S.439)
Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, das Rauchen aufzuhören. Jetzt gerade tue ich es nicht. Liegt mit an dem Buch. Obwohl das Buch Bonbons und Zigarettenkonsum sehr stigmatisiert und für schlecht erachtet. Dennoch: Rauch ist gut. Zu dem Entschluss bin ich jetzt gekommen. Ich bin mir zwar nicht sicher, wieso es ihn gibt und warum er die Sünden anspringt (nicht auf alle), aber ich weiss wo er seinen Sitz hat und dass er nicht nur teerschwarz ist. Er ist Ausdruck der Gefühle, das ES im ICH. Die schönste Nebeneigenschaft ist jedoch eine Art Verbundenheit. Eine Art Erkennen des anderen, welche einem bestätigen kann zu wem man gehört. Wer zurück liebt mit dem ganzen ICH. „Riechst du es nicht?“ Nennen wir es: Smoke-Punk, statt Steam-Punk. Und wo Punker sind, dort finden wir Revolution.

An das Buch gekommen bin ich sogar zufällig. Habe ein kleines Suchspiel mitgemacht und das Cover tauchte in meiner Empfehlung auf. Das Cover finde ich hässlich, passt aber atmosphärisch. Tatsächlich wanderte es aber nicht auf meine Wunschliste. Über den Verlag kam es dann doch noch einmal auf mich zu. Und ich konnte mich diesem ‚Fingerzeig’ des Schicksals nicht erwehren. Wozu auch, manche Bücher finden dich, nicht umgekehrt. Manche Geschichten finden auch ihre Autoren, wenn diese nicht zwingend danach suchen. Und manchmal wirst du gefunden, wenn du rauchst. Manchmal findest du jemanden nur, wenn es stockfinster ist und du alles was dir beigebracht wurde: Normen, Werte, Erziehung, das Hand-in-den-Schoß-legen abstreifst, nackt bist aber nicht entblößt. Demnach Danke.


"Es geht um Gehorsam." (S.104)
So wie die Jugendlichen in diesem Buch. Schnell wird klar: Charlie und Thomas sind keine x-beliebigen Internatsschüler im 19.Jahrhundert. Sie sind auf einem Elite-Internat voller anderer Jungen. Kinder rauchen pausenlos und sind noch nicht ‚erzogen‘ genug. Kinder sind, bis sie lernen mit ihrem Rauch umzugehen, auch nichts wert, werden gemieden. Um die Brut also in ihr Werte-Korsett zu zwängen, werden sie auf die Schulen verfrachtet. Ihre Kleider, ihre Laken untersucht, wer raucht wird bestraft. Zum Glück verlassen wir dieses ungemütliche Gefängnis schnell. Es reicht, um uns die beiden Jungs und ihre außergewöhnlich innige Freundschaft beizubringen. Und einige andere Charaktere in kurzes Scheinwerferlicht zu tauchen, um sie später aus dem Kader der Charaktere hervorzuheben.

Stattdessen erleben wir eine Hinrichtung und folgen der Handlung zu einem anderen Schauplatz. Der nicht weniger düster ist, einem aber Raum zum Atmen lässt. Dort lernen wir Livia kennen, sie ist ebenfalls adelig und auf einem Mädcheninternat untergebracht, wenn nicht gerade - wie jetzt - Weihnachtsferien sind. Sie ist ‚die Heilige‘ die alle Gefühle unterdrückt, die Tugend, die Disziplin und Selbstbeherrschtheit verkörpert. Ihre Mutter, ihren Halbbruder, die Dienerschaft in den Schatten stellt, dem Leser viel Geduld abringt, um mit ihr warm zu werden.


"Stell dir eine Welt vor, in der du irrst,
und niemand bemerkt es,
nicht einmal du selbst
.
"
(S.143)
Was dort hinter verschlossenen Türen geschieht, bleibt auch dort. Handlungstechnisch werde ich auch gar nicht tiefer gehen als: Wir kehren über Umwege zurück nach London. Doch nicht mehr als adelige Sprösslinge, mit halben Schritt durch die Tür zum Mannsein. Wir erleben hautnah mit, wie die drei Jugendlichen geschliffen werden. Allerdings nicht zu Diamanten. Aus Rauch kann man keine Diamanten pressen, so sehr man sich auch bemüht. Aus Rauch entsteht etwas anderes. Ur-substanztielleres, Animalisches, nicht immer Gutes. Aber und darum geht es: Eben auch nicht nur Schlechtes. Diese drei Charaktere werden viel über sich und ihre Liebe lernen in den kommenden Z-/Seiten. Ich finde sie wachsen dabei nicht über sich hinaus, sie erblühen auch nicht: Keine Geschichte über die Ästhetik hinter dem mit Dreck verschmierten Gesicht. Sie finden jeweils ihren eigenen Kern, wie verdorben der auch sein mag.

Ist denn alles wirklich Sünde? Fragt dieses Buch. Und welche dieser Sünden engt uns mehr ein, als dass sie uns lehrt ein guter (Christ) Mensch zu sein? Wären diese Emotionen so flüchtig wie Nebel und würden aus unserer Haut hervorquellen, wie wirke jemand, der „eine reine Weste“ trüge? Wer ist schlimmer? Der der ohne Reue Böses tut oder der der ohne Scham lügt? Ist es so verwerflich unter all dem Dreck einen Menschen zu finden oder viel schlimmer unter der sauberen Kleidung schlackigen, aufgebrauchten Ruß? Wie viel verkraften wir täglich, unterdrücken uns, schämen uns über unser frugales Mahl gebeugt?

 

Fazit: 
Gegenwartsform, Ich-Perspektiven (! ja Mehrzahl) und ‚eigentlichs‘ und ‚Achselzucken‘ - da hört’s bei mir ja schon auf, wie einige vielleicht wissen über mich. Ich hab’ aber meine kleinen Rauch-Schluckaufs wieder weggewedelt und sie hingenommen. Wobei es mir am Anfang sehr schwer fiel. Ich-Perspektive mag ich deshalb nicht, weil mein ICH ja vielleicht einfach nicht das Ich im Buch ist. Aber hier ist jeder mal Ich und ICH kann mir aussuchen, ob ich einer von ihnen sein kann. Wirklich gestört hat es mich zum Ende deswegen nicht mehr so arg. Man sieht, man kann auch entgegen meiner Präferenzen bei mir punkten. Wenn man es überzeugend macht.

Das schafft Vyleta. Seine Idee ist hervorragend. Dunkel, fies und ständig hinterfragend. Er erschafft einen verzerrten Weltenentwurf mit veränderter Zeitlinie weit in der Vergangenheit, so dicht an unserer, mit Täuschung, Arglist und Hohn, nur um ihn wieder einzureissen. Die Daguerreotypie einer Gesellschaft, die sich im Moment der Aufnahme bewegt hat. Nichts ist wie es gelehrt wird, nichts wie es scheint, du musst die zentimeterdicken schwarzen Schichten abkratzen, um dahinter zu blicken. Niemand ist weiß oder schwarz ODER grau. Hundertmal kann man das schreiben, schreien, dozieren, dennoch fallen wir immer in unsere Muster zurück und vorverurteilen, urteilen, stellen uns in unseren eigenen Käfig, ins Hamsterrad, in die Norm, unterwerfen uns den Zwängen, den Zwingen und dem Korsett.


Urteil: Karnevalswochen, jetzt weiss ich warum wir die wirklich brauchen.
 
Source: lesekatzen.blogspot.de/2017/04/rezension-smoke-by-key.html
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review 2014-05-29 09:27
[REZENSION] Der Tod fährt Audi - Kristian Bang Foss

Klappentext:
Der Werbetexter Asger wird nach einer grandios verpatzten Kampagne gefeuert und fühlt sich von der Welt betrogen. Als er einen Pflegejob bei einem Mann im Rollstuhl annehmen soll, will er sich am liebsten drücken. Aber dann freunden sich Asger und der todkranke Waldemar an. Mit gnadenlosem Zynismus und viel schwarzem Humor betrachten sie ihr tristes Dasein. Bis Waldemar Asger zu einer verrückten Reise von Dänemark bis nach Marokko überredet, wo es einen Wunderheiler geben soll.
Die Fahrt mit einem schrottreifen VW-Bus durch ganz Europa wird zu einem unvergesslichen Erlebnis voller skurriler Begegnungen und ungeahnter Hürden. Und was hat es mit dem mysteriösen Audi auf sich, der an den unterschiedlichsten Orten der Reise immer wieder auftaucht? Der Tod fährt Audi ist ein herrlich unterhaltsamer, tragikomischer Roman über eine einzigartige Freundschaft und die Abenteuer, die das Leben bis zuletzt bereithält.(Textquelle: amazon.de)

Zum Buch:
Das Cover gefällt mir sehr gut.Die übergroße Titelbeschriftung fällt direkt ins Auge des Betrachters und macht Neugierig auf mehr. Der VW-Bulli lässt einen ans Reisen denken und spielt nicht nur auf dem Cover eine große Rolle. Die Farbgestaltung ist perfekt aufeinander abgestimmt und wurde im Buchinneren ebenfalls präsent. Kurze Kapitel geben dem Leser Zeit zum Nachzudenken um das Gelesene auf sich wirken zu lassen

 

Erster Satz:
„Anfangs lief alles noch glatt.“

Meine Meinung:
Der Autor Kristian Bang Foss erzählt hier über einen ganz besonderen Roadtrip zweier Menschen zwischen Neuanfang und Hoffnung.

Diese Geschichte hat mich anfangs total gepackt und ich war mittendrin im Geschehen. Doch als der eigentliche Roadtrip begann, flachte meine Neugierde ab und es kam keine richtige Fahrt mehr auf.

Die beiden männlichen Protagonisten sind sehr verschieden und wir lernen hier einen arbeitslosen, verlassenen Mann und einen todkranken jungen Mann kennen. Zwischen den beiden entsteht eine besondere Freundschaft. Der Autor erzählt über ihre Erlebnisse und deren Hoffnung auf Heilung.

Sehr angenehm fand ich die kurzen Kapitel, in denen man sich Zeit zum Nachdenken geben konnte um das Gelesene auf sich wirken zu lassen. Zudem schaffte der Autor eine bildhafte Vorstellung der Reise und die Protagonisten wurden authentisch beschrieben.

Die Idee zwei solche verschiedene Personen eine Reise unternehmen zu lassen, fand ich wirklich klasse und es machte mich sehr neugierig auf die Umsetzung. Doch gegen Ende des Buches wurde ich in meiner Euphorie etwas gestoppt.

Der eigentliche Roadtrip sowie das Ende des Buches ging mir zu schnell zu einem Abschluss hin. Als Leser kam es mir im Gegensatz zum ersten Teil des Buches so vor, als müsste das Buch nun schnell abgeschlossen werden. Dies fand ich sehr schade und somit flachte der Spannungsbogen enorm ab.

Als Leser beginnt man zudem über Glaube und Hoffnung neue persönliche Einsichten zu entwickeln.

Fazit: In „Der Tod fährt Audi“ werden wir als Leser auf einen besonderen Roadtrip zwischen Neuanfang, Glaube und Hoffnung entführt. Sehr authentisch und mitfühlend. Doch auch humorvoll erzählt der Autor Kristian Bang Foss von einer besonderen Freundschaft. 

Source: katis-buecherwelt.blogspot.de/2014/05/rezension-der-tod-fahrt-audi-kristian.html
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text 2012-12-28 14:46
Rezension | 80 Days: Die Farbe der Lust von Vina Jackson
80 Days - Die Farbe der Lust (#1) - Vina Jackson

Beschreibung

 

Summers größte Leidenschaft ist die Musik, ihre größte Liebe ihre Violine und die Musikstücke von Vivaldi. Als Summers unbefriedigende Beziehung zu Ende geht spielt sie nachmittags an ihrem Stammplatz in der Londoner U-Bahn und gerät in eine Auseinandersetzung hinein wobei ihre heißgeliebte Violine zu Bruch geht. Das Geld ist knapp und eine gute Violine teuer – so kommt das Angebot eines fremden Verehrers, der ihr eine neue Violine schenken will, gerade recht.

 

Obwohl Summer nicht genau weiß auf was sie sich einlässt, nimmt sie das Angebot von Dominik an. Sie spielt für ihn nackt und mit verbundenen Augen in einer Krypta und taucht schon bald in ein erotisches Abenteuer ein bei dem sie jegliche Tabus bricht.

 

Meine Meinung

 

Nachdem die Shades of Grey Reihe von E. L. James die Bestsellerlisten belegte folgt nun mit 80 Days von Vina Jackson eine weitere Erotikreihe die in die BDSM Szene eintaucht.

 

Ich möchte jedoch gleich am Anfang darauf hinweisen, dass "80 Days – Die Farbe der Lust" nicht wirklich mit Shades of Grey verglichen werden kann. Meiner Meinung nach sind es zwei paar Schuhe, während in Shades of Grey die Entwicklung einer leidenschaftlichen Beziehung im Vordergrund steht wird man in "80 Days – Die Farbe der Lust" in einen Erotikroman geworfen, der zu neunzig Prozent aus unterschiedlich harten Sexszenen besteht, Beziehung und Gefühle stehen ganz hinten an.

 

Die Geschichte an sich fand ich im Grunde recht interessant gestaltet, die junge Summer mit ihrer Leidenschaft zur Musik und der Neugier auf erotische Abenteuer trifft auf einen unberechenbaren Unbekannten der ihr mit seinen Spielchen mächtig einheizt. Dadurch, dass Summer von Anfang an einen großen Hunger auf Sex hat und nicht als nichtsahnende Jungfrau in die Szene reinrutscht bekommt die Story einen authentischen Anstrich. Am spannendsten war es, mitverfolgen zu können, was sich Dominik als nächstes ausdenkt und wie Summer darauf reagieren wird.

 

Leider hält diese Spannung nicht während des ganzen Romans an – die Geschichte fährt sich nach einer geraumen Zeit ein und die Story entwickelt sich nicht wirklich weiter. Eine Sexszene jagt die Nächste, und obwohl ich erotische Bücher mit knisternden und aufgeheiztem Sex gerne lese kommt mir bei "80 Days – Die Farbe der Lust" die Handlung der Geschichte zu kurz.

 

Da ich vom Schreibstil und der Kombination der beiden Hauptprotagonisten sehr angetan bin, vergebe ich trotz der flachen Handlung 3 von 5 Grinsekatzen. Außerdem bin ich neugierig, ob Vina Jackson im Folgeband "80 Days – Die Farbe der Begierde" mit etwas mehr Geschichte auftrumpfen kann.

 

 

Über die Autorin

Vina Jackson ist ein Pseudonym hinter dem sich zwei etablierte Autoren verbergen, die bei diesem Buch zum ersten Mal zusammenarbeiten. Er ist ein bekannter Lektor, Radiojournalist, Kolumnist, der bereits neun Romane veröffentlicht hat und eine große Sammlung von Erotika besitzt. Sie hat ebenfalls bereits Bücher geschrieben, arbeitet im Finanzsektor und ist eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene. (Quelle: carl's books)

 

 

Information zur Reihe

1. 2012 Die Farbe der Lust 2012 Eighty Days Yellow
2. 2012 Die Farbe der Begierde 2012 Eighty Days Blue
3. 2013 Die Farbe der Erfüllung (erscheint am 14.01.13) 2012 Eighty Days Red
4. 2013 Die Farbe des Verlangens (erscheint am 01.04.13) 2012 Eighty Days Amber
5. 2013 Die Farbe der Sehnsucht (erscheint am 28.05.13) 2013 Eighty Days White (erscheint am 31.01.13)

 

Cover

 

Deutsche Cover

 

Englische Cover

 

Fazit

 

"Sex sells" ist hier die Devise. Leider geht das Konzept nicht ganz auf da die Liebesgeschichte neben Sex und BDSM zu kurz kommt. Für eingefleischte Fans solcher Erotikbücher dürfte "80 Days – Die Farbe der Lust" jedoch ein wahrer Leckerbissen sein!

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-80-days-die-farbe-der-lust-von-vina-jackson
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