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review 2017-10-26 10:01
Schuldig oder unschuldig?
Im Traum kannst du nicht lügen: Roman - Malin Persson Giolito,Thorsten Alms

Auf „Im Traum kannst du nicht lügen“ von Malin Persson Giolito wurde ich durch den Newsletter der Lesejury von Bastei Lübbe aufmerksam. Die Mail pries den Thriller, der als bester Kriminalroman Schwedens 2016 ausgezeichnet wurde, für eine Leserunde an. Meine Erfahrungen mit Leserunden waren bisher eher negativ, doch der Klappentext weckte meine Neugier. Ich gab der umfangreichen Leseprobe eine Chance. Die ersten 60 Seiten nahmen mich gefangen. Ich wollte überhaupt nicht mehr aufhören zu lesen und schoss all meine Zweifel spontan in den Wind. Für dieses Buch würde ich die Leserunde in Kauf nehmen. Ich bewarb mich und erhielt etwa 2 Wochen später die Zusage. Was machte ich für Augen, als ich in meinem Briefkasten kein Buch, sondern ein echtes Manuskript vorfand, das extra für mich gedruckt worden war! Mühsam geduldete ich mich bis zum vorgegebenen Termin, um die Lektüre gemeinsam mit allen anderen zu beginnen.

 

Als die Polizei das Klassenzimmer in Stockholm stürmte, saß die 18-jährige Maja Norberg in der Mitte des Raumes. Überall war Blut. Um sie herum lagen die regungslosen Körper ihrer besten Freundin Amanda, ihres Lehrers Christer und ihrer Mitschüler Samir und Dennis. Auf ihren Schoß hatte sie den Kopf ihres Freundes Sebastian gebettet. Sebastian, der Sohn des reichen Unternehmers Claes Fagermann. Sebastian, der langsam kalt wurde. In der Luft hing der Geruch nach faulen Eiern und Pulverrauch. In ihrer Hand hielt Maja eine Waffe. Sie war unverletzt.
Jetzt, Wochen später, muss sich Maja vor Gericht verteidigen, während ganz Schweden von ihrer Schuld überzeugt ist. Doch was ist wirklich in dem Klassenzimmer geschehen? Wie kam es zu dem Massaker, das mehrere Menschen das Leben kostete? Ist Maja eine Mörderin?

 

Was ist das wichtigste Element eines guten Thrillers? Wenn ihr mich fragt, ist es der Spannungsbogen. Ein Thriller darf weder langweilig, noch zu vorhersehbar sein, er sollte den Leser_innen aber trotz dessen die Möglichkeit bieten, mitzurätseln. „Im Traum kannst du nicht lügen“ stellt meiner Meinung nach die geschickteste Konstruktion eines Spannungsbogens dar, die mir in diesem Genre jemals untergekommen ist. Das Buch ist überwältigend. Es lebt von der Frage, was geschehen ist, ob Maja, die eigentlich Maria heißt, tatsächlich in der Lage war, ein Blutbad anzurichten. Die Spannung wird die ganze Zeit aufrechterhalten, flaut niemals ab und riss mich mit. Ich ahnte bereits nach der Leseprobe, dass dieser Thriller außergewöhnlich sein könnte und ich behielt Recht. Malin Persson Giolito lässt ihre Leser_innen grübeln, mitfiebern, abwägen, zweifeln, mutmaßen und hoffen. Die nichtlineare, bruchstückhafte Erzählweise der Protagonistin Maja, der die Autorin erlaubt, ihre Geschichte selbst in Ich-Perspektive zu schildern, wirkt ungemein realistisch und erzeugt eine enorme Nähe, die sich stetig steigert, bis sie im letzten Viertel des Romans sogar die vierte Wand durchbricht und die Leser_innen direkt anspricht. Wir treffen Maja zu Beginn ihres Prozesses und das erste, was mir an ihr auffiel, war die unbändige Wut ihrer kalten, harschen Worte. Sie erschien distanziert, genervt, nahezu desinteressiert am Verlauf ihrer eigenen Verhandlung. Obwohl sie sich dadurch nicht gerade als Sympathieträgerin qualifizierte, hatte mich Malin Persson Giolito auf diese Weise sofort am Haken. Ich wollte wissen, warum Maja so zornig ist und begriff bald, dass sich unter ihrem Zorn ein Meer der Resignation, Schuld und Verzweiflung verbirgt, das mir beinahe das Herz brach. Ihr Charakter, ebenso wie die Chronologie der Ereignisse, die zu dem Massaker im Klassenzimmer führten, schälen sich absichtlich sehr langsam heraus. Ich lernte sie in ihrem eigenen Tempo kennen und entwickelte Stück für Stück Sympathie und Mitgefühl für sie, wodurch sich der emotionale Sog ihrer Erzählung graduell verstärkte. Maja stammt zwar aus einem gut situierten Elternhaus, wofür sie in der sensationslüsternen schwedischen Presse wiederholt angegriffen wird, doch Geld schützt eben nicht vor Schmerz und Kummer. In den Monaten und Wochen vor der Bluttat war sie verloren, überfordert, einsam. Ich sehe euch jetzt bereits wissend mit dem Kopf nicken. Vermutlich ergeht es euch ähnlich wie mir: ihr neigt dazu, zur naheliegenden Schlussfolgerung zu springen und Maja vorzuverurteilen. Haltet ein. So einfach ist es nicht. Diese Geschichte ist viel komplizierter, als sie anfangs erscheint und ich musste tatsächlich den Schlussakt abwarten, um endlich herauszufinden, ob Maja eine Mörderin ist. Für mich steht fest, dass „Im Traum kannst du nicht lügen“ eine Tragödie ist; nicht nur aufgrund des grauenvollen Massakers, sondern auch, weil sie eigentlich nicht ihre Tragödie ist. Schuldig oder nicht – Maja ist ein Opfer.

 

Mein Leseerlebnis mit „Im Traum kannst du nicht lügen“ war fantastisch. Einerseits ist das Buch ein hervorragender Thriller, in dem Malin Persson Giolito munter und unberechenbar mit der Erwartungshaltung der Leser_innen spielt und das brillante, glaubhafte und einfühlsame Bild einer verzweifelten Jugendlichen zeichnet, andererseits gefiel mir auch die Leserunde der Lesejury erstaunlich gut. Ich empfand den Austausch mit anderen Leser_innen als wertvoll, da ich früh einsehen musste, dass ich viele meiner Überlegungen und Theorien in dieser Rezension nicht würde verwenden können, ohne heftig zu spoilern. Die Ungewissheit während des Lesens hält Spannung und Geschichte am Leben; sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Romans, der Neugier schürt und zu eigenen Hypothesen einlädt. Diese Erfahrung möchte ich niemandem nehmen, weshalb ich versucht habe, so vage wie möglich von „Im Traum kannst du nicht lügen“ zu berichten. Meiner Ansicht nach steht der Autorin eine schillernde Karriere bevor und ich bin froh, dass mir Bastei Lübbe die Möglichkeit einräumte, an ihrem Anfang dabei zu sein. Malin Persson Giolito ist ein Name, den man sich unbedingt merken sollte.

 

Vielen Dank an die Lesejury und Bastei Lübbe für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/10/26/malin-persson-giolito-im-traum-kannst-du-nicht-luegen
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review 2017-05-29 18:07
Rezension | Die Geschichte der Bienen
Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde,Ursel Allenstein

Beschreibung

 

Mitte des 19. Jahrhunderts lebt der Samenhändler William Savage mit seiner Familie in England. Als sich sein Mentor Rahm von ihm abwendet, fällt er in eine tiefes Loch, denn William sieht sich als Forscher gescheitert. Seiner Kinder zuliebe rafft sich William jedoch nochmals auf um seine Idee für einen innovativen Bienenstock umzusetzen.

 

Wir schreiben das Jahr 2007. George ist Imker in den USA und arbeitet hart um seinen Betrieb auszubauen, so dass sein Sohn Tom ein zukunftsfähiges Erbe antreten kann. Jedoch hat Tom ganz andere Pläne, bis eines Tages etwas unfassbares geschieht. Die Bienen auf Georges Farm verschwinden.

 

Ein Sprung in die Zukunft zeigt, dass im Jahr 2098 die Weltbevölkerung deutlich geschrumpft ist. In China kämpfen die Menschen um ihr Überleben, denn die Bienen sind schon lange ausgestorben und der Anbau verschiedener Lebensmittel nicht mehr möglich. Die Arbeiterin Tao übernimmt die Arbeit der Bienen und bestäubt Tag für Tag die Bäume in Handarbeit.

 

Meine Meinung

 

Maja Lunde verwebt in „Die Geschichte der Bienen“, ihrem ersten Roman für Erwachsene, drei unterschiedliche Handlungsstränge (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) zu einer bewegenden und aufrüttelnden Geschichte rund um das Aussterben der Bienen und den daraus entsehenden Konsequenzen für die Menschheit.

 

Die drei einzelnen Geschichten an sich sind eher unaufgeregt und werden aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten erzählt. Jedes Kapitel trägt den Namen des Protagonisten, so dass man gleich einordnen kann in welcher Erzählung man steckt. Da wäre der Forscher und Samenhändler William Savage der gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in England lebt, von Depressionen geplagt wird, kaum Selbstvertrauen in sich trägt, sich dennoch aufrafft im Bereich der Bienen etwas erfolgreiches zu Stande zu bringen. Dann gibt es noch den Imker George in den USA der Anfang des 21. Jahrhunderts mit viel Liebe und Leidenschaft seinen Hof leitet und alles daran setzt einen zukunftsfähigen Betrieb in die Hände seines Sohnes geben zu können.

 

Dadurch, dass Maja Lunde in kurz gehaltenen Kapiteln jedoch immer nur ein paar Einzelheiten zu der jewiligen Geschichten einfließen lässt, ergibt sich ein angenehmer Spannungsbogen der sich über das ganze Buch schlängelt. Kapitel für Kapitel fügen sich die einzelnen Puzzelteilchen zusammen, bis sie ein facettenreiches Gesamtwerk ergeben.

 

Die Fragen die Maja Lunde mit ihrem Roman „Die Geschichte der Bienen“ bezüglich dem Umgang mit der Umwelt und wie dies unsere Zukunft verändert aufwirft, haben mich sehr gefesselt. Durch das einweben realer Tatsachen wie z. B. die „Colony Collapse Disorder“ (CCD), eine aus den USA stammende Beschreibung für eine bestimmte Art des Bienensterbens, hat dem Roman zusätzlich Authentizität verliehen.

In meinen Augen spricht dieser Roman ein wichtiges Thema für die Menschen und die Zukunft auf unserem Planeten an. Die fiktive Geschichte über drei Schicksale in verschiedenen Epochen regt zum nachdenken an und wurde zu Recht mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet!

 

Fazit

 

Eine eindrucksvolle Geschichte die ein reales und äußerst wichtiges Thema anspricht. Unbedingt lesen!

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-die-geschichte-der-bienen-von-maja-lunde
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review SPOILER ALERT! 2017-05-06 11:39
Die Zeit der Ruhelosen - Karine Tuil,Maja Ueberle-Pfaff

Die Zeit der Ruhelosen - Karine Tuil,Maja Ueberle-Pfaff 

 

Karine Tuil legt nun mit „Die Zeit der Ruhelosen“ ihren neuesten Roman vor. In Frankreich bereits ein viel diskutierter Bestseller, wird man wohl auch hierzulande nicht um dieses, thematisch sehr aktuelle und tiefgründige Werk herumkommen.
 
Bereits der Beginn des Romans ist sehr emotionsgeladen und fesselnd. Es wird hier zunächst sehr eindrücklich und ungeschminkt aus einer Introspektive heraus die psychische Belastung der kämpfenden Soldaten in Afghanistan beschrieben. Stilistisch auf eine Art und Weise, die dem Leser eigentlich nur die Tränen in die Augen treiben kann. Doch dann gleich der erste abrupte Bruch: im nächsten Schritt findet man sich bereits im gegenwärtigen Paris bei einem der Hauptprotagonisten wieder: Francois Vély. Wechselnde Perspektiven und Erzählstränge werden den Leser von nun an durch den Roman begleiten und machen den Inhalt, bzw. Verlauf abwechslungsreich. Man kommt sehr gut in die Erzählung hinein, jedoch ist „Die Zeit der Ruhelosen“ meiner Meinung nach kein Roman, den man mal kurz nebenher lesen kann oder sollte. Der Schreibstil ist oftmals verzwickt und inhaltlich recht tiefgreifend, manches mal gar weitreichend, so dass man doch mit voller Aufmerksamkeit und Konzentration an das Buch herangehen sollte. Spannend ist die gesamte Erzählung - ohne Zweifel. Die Hauptprotagonisten wirken durchweg sehr authentisch und sind in sich stimmig und gut konzipiert. Die verschiedenen Erzählstränge treffen irgendwann aufeinander und verweben sich miteinander. Ich fand Tuil's Schreibstil sehr beeindruckend, nicht zuletzt wegen der immer wieder herauslesbaren Kritik. Der Roman bietet bei näherer Betrachtung wahrlich viel Brisanz und gibt politisch viele nachdenklich stimmende Aussagen zu unserer Zeit und den aktuellen gesellschaftlichen Umbrüchen wieder. Die Verstrickungen und kritischen Inhalte fand ich wirklich gut verarbeitet und durchweg ansprechend, sie stellen beim Lesen aber meiner Meinung nach auch immer wieder eine gewisse Herausforderung dar! Dramatik, beißende Situationskomik und unerwartete Wendungen hat der Roman definitiv zur Genüge zu bieten, dabei bleiben die Figuren und Inhalte immerzu äußerst interessant!
 
Also kein schlichter Roman, sondern ein umfassend kritisches Werk, das auf ganz eigene Weise unsere Zeit widerspiegelt und nicht mit vielfältig tiefgründigen Verläufen & Aussagen geizt. Somit nicht unbedingt ein "stilles Buch", sondern eher eines, das noch länger nachhallt und dem Leser inhaltlich nicht aus dem Kopf gehen will. Mir gefiel es sehr! Deshalb 5 Sterne. Autor: Karine Tuil

 

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review 2017-05-06 11:38
Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde,Ursel Allenstein

Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde,Ursel Allenstein 

 

Maja Lunde entwirft in „Die Geschichte der Bienen“ ein durchweg schockierendes Szenario. Die Bienenvölker werden im Verlauf der Zeit von Menschenhand ausgerottet – und der Mensch steht in der Zukunft nach Klimakatastrophe, diversen atomaren Unfällen und einer Hungerkrise beinahe vor dem Ende. Dezimiert und ruiniert.
 
Im vorliegenden Roman werden dabei drei unterschiedliche Erzählstränge skizziert, die sich in drei epochalen Zeitfenstern ansiedeln und mit einem jeweiligen Hauptprotagonisten aufwarten: Tao (Sichuan, China, 2098), William (Hertfordshire, England, 1852) und George (Autumn Hill, Ohio / USA, 2007). Immer wieder im Wechsel wendet sich die Autorin hier ihren drei Hauptprotagonisten und deren Zeit zu, gibt so Einblick in die jeweilige Epoche, sowie den dazugehörigen Charakter und dessen Umfeld. Die einzelnen Inhalte und Figuren haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Nur die Bienen verbinden die Lebensentwürfe der jeweiligen Protagonisten auf ganz eigene Weise. Der Schreibstil ist dabei derart eindringlich, intensiv und fesselnd, dass man von Kapitel zu Kapitel hastet und sich von der Tragik der einzelnen Erzählstränge mittragen lässt. Die Figuren scheinen sehr authentisch und wirken in ihrem Denken und Handeln äußerst beeindruckend. Der Verlauf der Geschichten erinnerte zudem beinahe an dystopische Inhalte – bedrückend, düster und niederschmetternd. So z.B. die Zukunft, in der 8-Jährige herangezogen werden, im Arbeitsdrill 12 Stunden täglich Baumblüten per Hand zu bestäuben. Klingt banal, liest sich im Roman aber sehr bedrohlich und spannend. Eine Welt ohne Bienen. Ein Szenario, das wesentlich schlimmer und bedrohlicher ist, als man es vermuten könnte. So begibt man sich mit diesem Roman auf eine Reise, die zum Nachdenken anregt und oftmals auch das eigene Verhalten in Frage stellt. Ein Buch, das absolut realistisch ist, sehr in unsere Zeit passt und eine erschreckende Zukunft vor Augen hält. Nicht nur die Charaktere in Maja Lunds‘ Roman „Die Geschichte der Bienen“ sind meiner Meinung nach großartig konzipiert, auch der eigentliche Inhalt und die Aussagen der Erzählung sind schockierend ehrlich dargelegt.
 
Für mich ein leises Buch, das aufrüttelt, den Leser durch den Verlauf und seine Figuren fesselt und im Grunde deprimiert zurücklässt. Absolut lesenswert. 5 Sterne.

 

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review 2017-04-29 19:15
Brisante Thematik schwach umgesetzt in zähen Geschichten
Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde,Ursel Allenstein
Die Leseprobe zu „Die Geschichte der Bienen“ fand ich sehr interessant. Ich bin zwar kein Bienen-Experte, bin aber fasziniert von meinen Solitärbienen, die in meinem Bienenhotel ihre Brut ablegen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich bei vorablesen.de zum Rezensieren dieses Buches ausgewählt wurde.

Das Cover:

Auf dem Cover ist eine Biene zu sehen, die tot zur Seite gekippt auf dem Boden liegt. Schlichter und aussagekräftiger kann man wohl dieses Cover zu dieser Thematik gar nicht gestalten. Allein das da liegende, unschuldige Insekt hat mich schon sehr erschüttert. Mehr braucht und darf dieses Cover eigentlich gar nicht sagen, um so mehr steckt einfach dahinter. Es geht mir unter die Haut.

Die Handlung:
Maja Lunde erzählt in drei Erzählsträngen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) jeweils die Geschichte von drei Protagonisten, die mehr oder weniger mit Bienen zu tun haben.

Nach einer schweren Depression, ausgelöst durch die Abweisung seines Mentors, schöpft der Wissenschaftler William 1852 neue Kraft und entwirft 1852 in England die Savage Stantard-Beute. Ein Bienenstock mit dem die Gewinnung des Honigs vereinfacht wird, ohne dass die Bienen wie beim Strohkorb sterben müssen. Durch diese Erfindung erhofft er sich wieder neue Anerkennung seines Mentors und seiner Familie, insbesondere seines verzogenen und abtrünnigen Sohnes Edmund.

2007: George ist Imker und besitzt seit Generationen in Ohio eine Honigfarm. Er lässt seine Bienen vor allem zur Honig-Produktion, aber auch zum Bestäuben der Obst- und Nutzpflanzen fliegen. Sein Sohn Tom studiert und möchte sich der Schreiberei widmen. Der griesgrämige George sieht dadurch die Zukunft seiner Farm bedroht und die Beziehung zu seinem Sohn droht noch mehr zu scheitern.

Tao kämpft 2098 in Sichuan mit den dystopischen Auswirkungen, die die radikale Ausrottung der Bestäuberinsekten in der Welt mit sich geführt hat. Alle Bienen und andere Blütenbestäuber sind verschwunden und die Nutzpflanzen müssen per Hand bestäubt werden. Bei einem Ausflug in die Obstplantagen mit ihrem Mann Kuan und ihrem 5 jährgen Sohn Wei-Wen passiert ein Unglück. Ihr Sohn bricht bewußtlos zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Ab da beginnt für Tao die Odysse auf der Suche nach ihrem verschwunden Sohn.

Buchlayout / Haptik:

Die Gebundene Ausgabe kommt sehr einfach daher. Der Schutzumschlag ist aus einem etwas festeren Ökopapier. Die Biene auf dem Umschlag ist in Glanzlack gedruckt. Schön ist das gelbe Lesebändchen. Jedes Kapitel besitzt als Titel den Namen des Protagonisten, der ebenfalls noch mal in der Fußzeile auftaucht. So weiß man immer sofort, in welchem Handlungsstrang man sich gerade befindet.

Idee / Plott:

Spätestens, als das rätselhafte Massensterben der Bienen in unseren Medien schon vor Jahren behandelt wurde, ist das Bewusstsein aufgekommen für die Blütenbestäubenden Insekten als wichtigste und mächtigste Arbeitskraft der Massenproduktion unserer heutigen Zivilisation. Die Idee, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Zivilisation mit der Biene als medienwirksamen Vertreter darzustellen, fand ich persönlich großartig. Auch die Überlegungen, was passiert, wenn tatsächlich alle Bestäuberinsekten verschwunden sind? Wie geht es mit uns und unserer Erde weiter?

Handlungsaufbau / Spannungsbogen:

Da die drei Stories immer in kleinen parallel laufenden Kapiteln erzählt werden, wechseln sich die Handlungen ab. Ist die eine ruhiger, so passiert gerade was in der anderen. Den Reiz des Buches macht tatsächlich diese Form aus. Leider wirkt dieser positive Effekt sich nicht auf die einzelnen Erzählungen aus. Alle Drei wirken für mich allein betrachtet eher zäh und sind an sich unspektakulär. Die Spannung wird nur durch den Wechsel angetrieben, da die meisten Kapitel mit einem Mini-Cliffhanger enden.

Emotionen / Protagonisten:

Williams Verhalten kann ich am allerwenigsten nachvollziehen. William wirkt wie ein geprügelter Knabe, der nach Aufmerksamkeit heischend seine Umwelt und Familie vergisst und ein unglaubwürdiges Verhalten an den Tag legt. Er erwischt seinen 16 jährigen Sohn beim Zechen und Herumhuren in den Gassen, und was macht er? Er läuft wie ein beleidigtes Kind in den Wald und heult sich dort aus.

Und dafür, dass Tao als (für die Zeit) hochbegabt gilt, ist sie mir viel zu unreflektiert und handelt unüberlegt.

Der Einzige, den ich noch am authentischsten fand, war George. Er ist zwar ein Grantler und kann mit dem Snobismus der „Gelehrten“ nichts anfangen. Seine Gefühle seinem Sohn gegenüber kann ich aber noch am meisten nachvollziehen.

Sprache / Schreibstil:

Alle 3 Protagonisten erzählen in der Ich-Perspektive im Präteritum, und auch entsprechend im Sprachstil der Handlungszeit. Bei Tao ist die Sprache abgehakt, schnörkellos und wird begleitet von kurzen Sätzen. Wilhelm hingegen hat eine altertümliche Sprache mit gestochenen, gehobenen Formulierungen. George hingegen spricht dem Jahr 2007 angemessen, direkt und ehrlich. Sprachlich ist es ansonsten insgesamt relativ einfach gehalten. Wenn ich mir da andere Werke anschaue, die mit viel mehr Raffinesse auch feine, leise Geschichten erzählen können, haut mich dieses hier nicht wirklich vom Hocker. Teilweise empfinde ich sie sogar eher berichtartig, und sehr emotionslos.

Meine Meinung:

Ich finde diese Unterscheidung zwischen den Zeiten und Protagonisten absolut passend und richtig ansprechend. Der Einstieg hatte mich gepackt und konnte ich mich mich zunächst in jede einzelne Geschichte gut einfühlen.

Trotzdem hatte ich dann aber ständig das Gefühl nach dem direkten Zusammenhang suchen zu müssen. Bei William und George kristallisierte sich die Gemeinsamkeit relativ früh heraus, Tao passte da lange Zeit nicht hinein.

Die Bienen-Thematik finde ich hier insgesamt viel zu mau. Erst kurz vor Schluß sitzt Tao in der Bibliothek und knallt uns anhand von Lehrfilmen die eigentliche "Geschichte der Bienen" in 2 Seiten vor den Latz, aber insgesamt so gefühllos. Da ist so viel Brennstoff drinnen, das hätte schon viel früher in Taos Geschichte und dem Leser serviert werden müssen. So wird es nur nebenbei „abgehandelt“ - schade.

Wahrscheinlich bin ich einfach mit einer zu hohen Erwartungshaltung an dieses Buch herangegangen. Ich hatte mir viel mehr Gesellschaftskritik und Dramatik erwartet. Aber im Grunde sind es nur drei parallel laufende Geschichten von Familien, mit ihren gekränkten Eitelkeiten und zwischenmenschlichen Problemen. Am Schluß taucht zwar der gemeinsamen Nenner auf, der ist aber meines Erachtens sehr dünn. Dabei sind alle drei Geschichten in ihrer Handlung so vorhersehrbar, dass es das ganze Buch für mich tatsächlich so zäh wie Honig macht. Einzig die Hoffnung, ob Wei-Wen noch lebt, hat mich angetrieben, das Buch zu Ende zu lesen.

Fazit:

Für mich enttäuschend, da ich nicht das gelesen habe, was mir durch Umschlag und Titel versprochen wurde. Zu wenig Dramatik, zu zähe Geschichten, zu einfacher Sprachstil. Das brisante Thema wurde mir hier zu flach und nebenbei angekratzt.
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