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review 2016-01-14 11:36
Damals ist vorbei
Damals Ist Vorbei Roman - Paul Senftenberg

Story:
Nur einen einzigen Sommer dauert die heftige Liebesgeschichte zwischen den Jugendlichen Thomas und Martin an, die sich unweit der Donau kennenlernen und fortan auf dem „Friedhof der Namenlosen“ treffen. Die Beziehung scheitert an Martin, der sich seine Homosexualität nicht eingestehen will, während Thomas sich nach und nach outet.

 

Erst 22 Jahre später begegnen sich die beiden wieder – Thomas lebt offen schwul und arbeitet als freischaffender Künstler, Martin hat eine Studienkollegin Margit geheiratet, mit ihr zwei Kinder und sich eine Existenz als Buchhändler aufgebaut. Das Wiedertreffen ruft bei beiden die alten Gefühle wach, doch noch immer fällt es Martin schwer dazu zu stehen. Dennoch beginnt er eine Affäre mit Thomas. Schnell muss er erkennen, wie sehr er sich im Grunde nach männlicher Gesellschaft gesehnt hat und dass sein Herz noch immer an seiner ersten Liebe hängt. Als er schließlich seine Frau Margit einweiht, kommt es zu einer Katastrophe …

 

Eigene Meinung:
Der Roman „Damals ist vorbei“ ist das Debüt des österreichischen Schriftstellers Paul Senftenberg. Die Erstauflage erschien 2009 im Bruno Gmünder Verlag und wurde 2014 in einer überarbeiteten Neuauflage bei Himmelsstürmer herausgebracht. Wie bei einigen seiner späteren Bücher hat „Damals ist vorbei“ ein offenes Ende, das zum Spekulieren und Nachdenken anregt.

 

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, ebenso springt der Autor zwischen zwei Zeitebenen: dem Sommer, in dem sich Thomas und Martin kennen und lieben lernen und die Zeit des Wiedertreffens, 22 Jahre später. Wie man es von Paul Senftenberg gewohnt ist verknüpft er die einzelnen Passagen geschickt miteinander und lässt den Leser in eine facettenreiche Geschichte über Liebe, Vertrauen, Angst und Toleranz eintauchen. Dabei wird er nie kitschig, sondern erzählt auf sehr ernste, direkte und authentische Art und Weise von Thomas und Martins Beziehung und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Dabei lässt er auch Margits Sicht nicht aus dem Auge, denn als gehörnte Ehefrau ist sie ebenfalls von den Ereignissen getroffen, die ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen. Alle Charaktere müssen sich auf die geänderte Situation einstellen, doch am meisten haben die Ehepartner mit Martins Homosexualität zu kämpfen: Margit sieht ihr Leben zerbrechen und sucht nach Schuldigen, ihr Mann sehnt sich danach, sich nicht mehr zu verstecken, sondern zu dem zu stehen, was er empfindet. Thomas steht gewissermaßen zwischen den Stühlen, wird jedoch mit in die Tiefe gerissen, als die Ereignisse eskalieren.

 

„Damals ist vorbei“ ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und das man nur schwer aus der Hand legen kann. Es berührt den Leser und lässt ihn nicht mehr los, was sowohl am puzzleartigen Aufbau des Romans, als auch an den authentischen Charakteren liegt.

Diese sind für den Leser sehr gut nachvollziehbar und realistisch. Man kann sich problemfrei mit Thomas, Martin und Margit identifizieren, da ihre Gedanken und Gefühle sehr gut beschrieben und dargelegt werden. Die Charaktere wirken lebendig, was „Damals ist vorbei“ noch greifbarer macht. Sei es Thomas‘ Jugendprobleme und seine schwierige Kindheit, Martins Ängste und Unsicherheiten oder Margits Zorn und Panik – man versteht jeden einzelnen von ihnen. Paul Senftenberg erschafft Charaktere jenseits des üblichen schwarz/weiß-Schemas, reale Persönlichkeiten, die ihre Stärken und Schwächen haben. Sie sind dafür verantwortlich, dass man so gut in die Geschichte eintauchen und die Ereignisse direkt miterleben kann.

 

Stilistisch beeindruckt Paul Senftenberg auch mit seinem Debüt – er hat einen sehr schönen, belletristisch hochwertigen Stil, der sich von der breiten Masse der Gay Romance Werke abhebt. Selbst die erotischen Szenen sind sehr ansprechend umgesetzt, was unterstreicht, dass es dem Autor um die Gefühle und Gedanken seiner Protagonisten und die ernste, dramatische Handlung geht, und nicht um Sex und gekoppelt mit kurzweiliger Unterhaltung. Dank seiner lebendigen, berührenden Sprache ist man sofort im Geschehen und bei den Charakteren, fiebert mit ihnen mit und wünschte allen ein Happy-End. Dass dies reines Wunschdenken ist, wird nicht nur den Charakteren klar, auch der Leser weiß, dass es für diese Geschichte kein glückliches Ende gibt. Dahingehend überrascht Paul Senftenberg zumindest damit, dass er ein offenes Ende gewählt hat, anstatt eine Lösung zu präsentieren. So bleibt es jedem selbst überlassen, wie „Damals ist vorbei“ endet.

 

Fazit:
Paul Senftenbergs „Damals ist vorbei“ ist ein wundervolles, sehr berührendes Buch, das mit starken, authentischen Charakteren, einer ruhigen, fesselnden Geschichte und einem wundervollen Schreibstil aufwartet. Dem Autor gelingt ein komplexes, tiefgründiges Werk, das fernab des Mainstream spielt und für Leser ernster, realistischer schwuler Romane ein Muss ist. Sehr zu empfehlen …

Source: www.like-a-dream.de
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review 2016-01-13 11:56
Hände
Hände - Paul Senftenberg

Story:
Von klein auf assoziiert Paul Killian mit männlichen Händen etwas schlechtes, da sein Vater ihm gegenüber zumeist sehr aggressiv und verletzend war und seinen Sohn geschlagen hat. Liebe und Zuneigung erhielt er nicht, erst als Pauls Vater seine Hände verliert und Prothesen tragen muss, wandelt sich ihr Verhältnis ein wenig, da die gewohnte Gewalt ausbleibt. Dies prägt Paul so sehr, dass er fortan glaubt, nur noch Erfüllung bei Männern zu finden, die eine Prothese tragen, was natürlich zu etlichen Problemen führt. Als er den alleinerziehenden Alexander kennenlernt, dessen Sohn er unterrichtet, stürzt Paul in einen Strudel der Gefühle. Alexander besitzt nicht nur zwei gesunde Hände, Paul fürchtet sich auch vor den Reaktionen des Mannes, sollte seine geheime, fetischartige Obsession jemals entdeckt werden …

 

Eigene Meinung:
Mit dem ungewöhnlichen Roman „Hände“ legt Paul Senftenberg sein fünftes Werk vor. Erschienen ist das Buch beim Homo Literra Verlag, die bereits die Novelle „Der Stammbaum“ herausbrachten. Seine übrigen Werke wurden bei Himmelsstürmer verlegt.

 

Die Geschichte ist etwas vollkommen Neues, da sie ein ungewöhnliches Thema aufgreift und mitunter recht verstörende Elemente enthält. Daher sollte man als Leser darauf gefasst sein, dass man hier keinen Roman mit gewöhnlichen Charakteren und stereotypen Inhalt vorgesetzt bekommt, sondern etwas schwergängigere Kost. Wer Paul Senftenbergs Werke kennt, weiß, dass seine Bücher zumeist sehr belletristisch sind und man beim Lesen durchaus gefordert wird. So wird die Geschichte nicht chronologisch erzählt, sondern weist mitunter starke Sprünge auf, sowohl im zeitlichen Ablauf, als auch bei den erzählenden Figuren. Zumeist wird aus Pauls Sicht erzählt, mal die Gegenwart, mal die Vergangenheit beleuchtet, je nachdem welcher Abschnitt für die Erklärung der Hintergründe wichtig ist. Auch Alexander oder Manuel (der jedoch nur am Anfang einen längeren Auftritt hat) kommen zu Wort – über Manuel hätte man gern mehr erfahren, denn leider geht sein Schicksal in „Hände“ vollkommen unter. Somit sieht sich der Leser mit einem wahren Puzzle konfrontiert, das sich erst nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Daher sollte man Zeit und Geduld mitbringen, den viele Fragen werden erst im Laufe der Zeit beantwortet, Hintergründe mitunter sehr spät aufgedeckt und Zwischenelemente teilweise gar nicht präsentiert, so dass man sich selbst darum bemühen muss, Pauls Hintergründe und Gedankengänge zu erkennen und zu verstehen. Daher empfiehlt es sich, „Hände“ mit der nötigen Aufmerksamkeit zu Lesen, denn Paul Senftenbergs Roman ist definitiv kein Buch für Zwischendurch.

 

Die Charaktere sind, wie bereits erwähnt, recht gewöhnungsbedürftig, da sie keinesfalls dem üblichen Klischee entsprechen. So ist Paul ein schwieriger Charakter, an den man sich nur schwer gewöhnt. Zwar versteht man die Ursachen für seinen Fetisch und seine Beweggründe, doch es fällt recht schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Dafür ist Paul Senftenberg ein sehr realistischer und authentischer Charakter gelungen, der in keiner Form unglaubwürdig erscheint. So krankhaft sein Verhalten auch ist, man versteht ihn.
Ebenso verhält es sich mit den übrigen Figuren, die in der Geschichte eine Rolle spielen. Dabei wird auch auf Alexander und dessen Sohn eingegangen, die eine gänzlich andere Sichtweise auf die Ereignisse haben. Dadurch erhält der Roman eine gewisse Dreidimensionalität, so dass man die agierenden Charaktere sehr gut verstehen und nachvollziehen kann.

 

Stilistisch legt Paul Senftenberg einmal mehr einen beeindruckenden Roman vor, der sich nur schwer mit aktuellen Veröffentlichungen auf dem schwulen Buchmarkt messen lässt. Am ehesten lässt sich „Hände“ mit den Werken von Hermann Hesse, Jana Walther oder Florian Tietgen vergleichen, da diese ähnlich anspruchsvoll und belletristisch sind. Der Autor verfügt über einen großen Wortschatz und überzeugt mit tollen Beschreibungen, ansprechenden Dialogen und dem sehr eindringlichen Charakterportrait eines schwulen Mannes, der von einer Obsession besessen ist und sich nur schwer davon lösen kann.

 

Fazit:
„Hände“ von ist ein beeindruckendes, sehr intensives Buch, das sich einem ungewöhnlichen Thema widmet: krankhafter Fetisch. Dabei gelingt es Paul Senftenberg eine fesselnde Geschichte zu erzählen und mit authentischen Charakteren und einem soliden, flüssigen Schreibstil zu überzeugen. Wer ernste, erwachsene schwule Romane mag und mit den gängigen seichten Gay Romance Werken nichts anfangen kann, sollte sich Paul Senftenbergs Bücher zu Gemüte führen. Es lohnt sich!

Source: www.like-a-dream.de
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review 2016-01-13 11:53
Der Stammbaum
Der Stammbaum - Paul Senftenberg

Story:
Alle zwei Wochen treffen sich Paul und Stefan in Wien, um ihre Sehnsucht nach schwuler Zweisamkeit auszuleben. Beide sind verheiratet, doch während Stefans Gattin von den heimlichen Neigungen ihres Mannes weiß und diese auf ganz pragmatische Weise toleriert, ahnt Pauls Frau Edith nichts. Das Arrangement der beiden funktioniert – sie haben sogar etwas Ähnliches wie eine feste Beziehung. Das sensible Gleichgewicht zwischen den beiden Männern wird gestört, als Edith eines Tages tödlich verunglückt und Paul urplötzlich mit seinen beiden Kindern allein dasteht. Unter Schock stehend klammert er sich mehr und mehr an Stefan, der sich schon bald von Pauls Nähe erschlagen fühlt. Dennoch liegt es ihm fern seinen Freund in der schweren Zeit allein zu lassen, was bei Paul jedoch vollkommen falsch ankommt …

 

Eigene Meinung:
Mit „Der Stammbaum“ wagt sich Paul Senftenberg an die klassische Gattung Novelle, was sich nicht nur anhand des geringen Umfangs erkennen lässt, sondern auch an den zentralen Elementen, wie zum Beispiel das Leitmotives und das (Ding)-Symbol, das im Laufe der Geschichte immer wieder zum Tragen kommt. Damit wagt sich der Autor an eine schwierige, literarische Gattung, die heutzutage fast schon in Vergessenheit geraten ist.

 

Inhaltlich bietet Paul Senftenberg seinen Lesern keine leichte Kost, denn einmal mehr wagt er sich an ein ernstes, aber nur selten angesprochenes Thema – spät entdeckte Homosexualität in einem heterosexuellen Lebensumfeld. So sind die beiden Protagonisten verheiratet und haben Kinder, wollen sich jedoch nicht von ihren Familien trennen. Während Stefan sich mit seiner Frau diesbezüglich abgesprochen hat, schweigt Paul über seine geheimen Sehnsüchte und lebt diese im Verborgenen aus. Dass sich die beiden Männer gerade deswegen zueinander hingezogen fühlen, spürt man mit der Zeit: Ihre Beziehung wird immer intensiver und geht schon bald über eine normale Sexfreundschaft hinaus. Dennoch ist sie nicht gefestigt genug, um Paul aufzufangen, als dessen Frau stirbt und dieser sich nach mehr sehnt. Bei der folgenden Katastrophe schließt sich der Bogen, den der Autor mit Ediths Tod begonnen hat. Obwohl das offene Ende Absicht gewesen sein dürfte, vermisst man doch ein wenig die Erklärungen und Hintergrundinformationen. In diesem Punkt lässt Paul Senftenberg seine Leser unwissend zurück, denn weder erfährt man, ob es sich bei Ediths Tod nur um einen Unfall handelt, noch weiß man, wie es Paul letztendlich ergeht, endet die Novelle doch sehr offen.

 

Nichtsdestotrotz ist „Der Stammbaum“ lesenswert, insbesondere wenn man Wert auf authentische und lebendige Charaktere legt. Sowohl Paul, als auch Stefan sind in sich logisch, handeln vollkommen nachvollziehbar und sind sehr gut portraitiert. Die Geschichte wird von beiden abwechseln erzählt – der Autor gibt sowohl Paul als auch Stefan eine Stimme, zeigt ihre Vergangenheiten und lässt den Leser an ihren Gedankengängen teilhaben. Ein wenig befremdlich ist die Perspektive von Stefans Frau, die zwar wichtig ist, um ihre Beweggründe zu verstehen, jedoch etwas überflüssig erscheint (was womöglich aber auch daran liegt, dass Edith leider keine eigene Passage zugestanden wurde). Nichtsdestotrotz fügen sich ihre Passagen gut in das Gesamtbild ein.

 

Stilistisch gibt es kaum etwas zu bemängeln – Paul Senftenberg hat einen sehr soliden, intensiven Stil, der sich angenehm von der breiten Masse der heutigen Gay Literatur abhebt. Auch gelingt es ihm die klassische Novelle wiederzubeleben und eine ungewöhnliche Thematik sehr konzentriert und dicht zu Papier zu bringen. „Der Stammbaum“ beweist einmal mehr, wie wandlungsfähig Paul Senftenberg ist und dass er seine Leser mit ungewöhnlichen Themen und stets aufs Neue überraschen und zum Nachdenken anregen kann.

 

Fazit:
„Der Stammbaum“ ist eine gelungene Novelle, die mit einer interessanten Geschichte, authentischen Charakteren und einer sehr dichten sprachlichen Umsetzung punkten kann. Einige Punkte hätten durchaus etwas tiefgründiger ausgearbeitet werden können, da viele Fragen (und das Ende) offen bleiben, doch dies passt zu den Merkmalen der klassischen Novelle. Wer sich davor nicht scheut, sollte sich Paul Senftenbergs Novelle nicht entgehen lassen. Es lohnt sich.

Source: www.like-a-dream.de
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review 2014-06-23 07:00
Narben
Narben - Paul Senftenberg

Story:
Seitdem der siebzehnjährige Thomas mit seiner Mutter vom Dorf in die Stadt gezogen ist, ist sein Leben die Hölle. Noch immer macht ihm der Unfalltod seines Vaters schwer zu schaffen, für den er insgeheim seine Mutter verantwortlich macht, und in der Schule ist er der Außenseiter schlechthin, der von seinen Mitschüler drangsaliert und fertiggemacht wird. Als er zufällig erfährt, dass ein wohlhabender Mann mit Ehefrau für mehrere Wochen wegen Erbschaftsangelegenheiten in den Staaten ist, bricht er in die leerstehende Villa ein und erschafft sich dort eine Art Refugium. Anstatt zur Schule zu gehen, hält sich Thomas in dem Haus auf, kümmert sich um den Garten und schaut Filme.

 

Eines Tages lernt er in der Nachbarschaft der Villa Jakob kennen, den eine üble Narbe im Gesicht zeichnet, die ihm ein Hund als Kind beigebracht hat. Fortan vergiftet er jeden Hund, der ihm über den Weg läuft, um mit seinem Kindheitstrauma fertig zu werden. In der Villa kommen sich die beiden ungleichen Jungen näher und lernen erstmals wieder Vertrauen zu fassen …

 

Eigene Meinung:
Mit seinem dritten Roman legt Paul Senftenberg ein sehr berührendes und tiefgehendes Buch vor, das von der Atmosphäre her nur wenig mit „Eine ganz andere Liebe“ gemein hat. Da der Roman in der Reihe „Junge Liebe“ des Himmelsstürmer Verlag erschienen ist, kann man sich denken, dass jugendliche Charaktere und deren Probleme im Zentrum der Geschichte stehen.

 

Inhaltlich ist „Narben“ dramatischere und damit auch intensive Kost, die tiefer geht und dem Leser keine sommerlich leichte Liebe präsentiert, wie es bei „Eine ganz andere Liebe“ der Fall war. Sicherlich gibt es Überschneidungen, so ist beispielsweise das Thema Mobbing in beiden Büchern wichtig für den Handlungsverlauf und sorgt dafür, dass jeweils einer der Protagonisten eine extreme Entscheidung trifft, doch der gesamte Handlungsaufbau und die Atmosphäre der Geschichte ist anders. Thomas und Jakob sind beide gezeichnet, kämpfen mit ihren eigenen Probleme und Sorgen, auch wenn diese vollkommen unterschiedlicher Natur sind, und bieten damit einen gänzlich anderen Rahmen. Sicherlich ist auch in „Narben“ die Liebesgeschichte unverkitscht und realistisch, doch eine leichte Sommerliebe wird man hier nicht finden. Stattdessen geht es in diesem ernster zur Sache und hin und wieder beschleicht den Leser fast schon ein beklemmendes Gefühl. Seien es die Hänseleien gegen Thomas oder Jakobs Ängste vor Hunden – Paul Senftenberg lässt seine Charaktere leiden und gibt ihnen lediglich einen Ort, wo sie zur Ruhe kommen können – die Villa.

 

Dennoch ist das Buch nicht vollkommen schlüssig – viele Fragen bleiben offen. Diese sind vielleicht für die Entwicklung der Jungen und das Überwinden der unterschiedlichen Traumata zweitrangig, doch es stört ein wenig, das diese Punkte am Ende übergangen werden. So wird man weder eine Auflösung hinsichtlich der Villa finden (in die Thomas immerhin eingebrochen ist), noch wird das Vergiften der Hunde zu einem Ende geführt, oder das Mobbing. Letztendlich hängt man als Leser in der Luft, da Jakob und Thomas viele Dinge tun, die nicht zu einer entsprechenden Reaktion der Umwelt führen. Das dämpft das Lesevergnügen durchaus, da man nicht das Gefühl hat, dass die Geschichte wirklich beendet ist. Es ist durchaus verständlich, warum der Autor diese Einschnitte vorgenommen hat, doch das Buch wirkt dadurch dennoch unfertig. Die beiden Protagonisten haben sich im Laufe der Zeit zwar weiterentwickelt, und einige persönliche Hürden überwunden, jedoch gleichzeitig neue Probleme heraufbeschworen, denen leider keine Beachtung geschenkt wird.

 

Wie bereits in dem Roman „Eine ganz andere Liebe“ ist Paul Senftenbergs Stil vollkommen eigen und in seiner Gesamtheit sehr belletristisch angehaucht. „Narben“ besticht durch einen sehr klaren, präzisen Schreibstil und kommt vollkommen ohne Kitsch und romantische Ausschmückungen klar. Allein dieser Punkt hebt das Buch angenehm aus der breiten Masse der aktuellen Veröffentlichungen heraus, da sich der Autor weder auf den romantischen, noch auf den erotischen Aspekt versteift, sondern eine neutrale, beobachtende Stellung bezieht und es dem Leser überlässt, zwischen den Zeilen zu lesen.
Am ehesten kann man das Buch mit Werken von Jana Walther vergleichen, die einen ähnlich nüchternen, dichten Stil hat. Wer also die Romane dieser Autorin kennt und mag, den können auch die Bücher von Paul Senftenberg überzeugen.

 

Fazit:
Alles in allem ist „Narben“ ein solider Roman, der mit seiner atmosphärischen, ernsten Geschichte, den realistischen Figuren und dem ungewohnten, aber präzisen Schreibstil punkten kann. Leider bleiben einige Punkte offen, die das Buch zum Ende hin ein wenig schwächen, doch wer sich nicht daran stört, dass nicht alle Fragen beantwortet werden, und keine Probleme damit hat, dass der Roman nur einen kleinen Teil von Jakobs und Thomas Welt beleuchtet, sollte einen Blick riskieren. Paul Senftenberg ist ein beeindruckendes Buch gelungen, und man darf gespannt sein, mit welchen Büchern der Autor als nächstes überrascht.

Source: www.like-a-dream.de
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review 2013-12-16 17:22
Eine ganz andere Liebe
Eine ganz andere Liebe - Paul Senftenberg

Story:
Michaels Leben läuft perfekt - er hat in Anna die hübscheste und verständnisvollste Freundin, die man sich wünschen kann, mit dem Schulstoff hat er keine Probleme und auch in seinem Elternhaus läuft alles perfekt. Zudem sind Sommerferien, die er vorwiegend mit Anna zusammen verbringt. Sein beschauliches Leben ändert sich schlagartig, als Daniel in der kleinen Stadt auftaucht, und seinem Großonkel hilft, das alte Kino wieder zum Leben zu erwecken. Dass Daniel einen Haufen Probleme hat, von seinen Mitschülern gemobbt wird und in einen unschönen Vorfall an dessen Schule verwickelt ist, ahnt Michael nicht.

Dennoch fühlt er sich von dem anderen Jungen angezogen und Michael muss sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob hinter seinem Interesse an halbnackten Surfern und gut gebauten Männern nicht mehr steckt, als bloßer Neid auf die muskulösen Körper. Zudem scheint auch seine Familie nicht ganz der friedlichen Idylle zu entsprechen, die er kennt und plötzlich ist nichts mehr, wie es war ...

Eigene Meinung:
"Eine ganz andere Liebe" ist der zweite Roman von Paul Senftenberg, der mit "Damals ist vorbei" die Geschichte einer Dreiecksbeziehung erzählt, in der wie schon im vorliegenden Buch eine Frau einen wichtigen Part spielt. Im Gegensatz zu seinem Debüt stellt er in "Eine ganz andere Liebe" jugendliche Charaktere ins Zentrum, was gut in die "Junge Liebe" Reihe des Himmelsstürmer Verlages passt.

Inhaltlich spielt sich die Geschichte innerhalb weniger Tage in der sommerlichen Idylle einer Kleinstadt ab. Es passiert essentiell wenig, da sich der Autor vorwiegend auf die wachsende Beziehung zwischen Daniel und Michael und die damit einhergehenden Probleme konzentriert, was durchaus nicht negativ zu werten ist. "Eine ganz andere Liebe" ist ein ruhiges Buch, das wenig Wert auf Action, Spannung und Dynamik legt, sondern vielmehr durch ruhige Passagen und Charakterentwicklung punktet. So lernt der Leser Daniel in den vielen Rückblenden kennen, erfährt mehr über seine Probleme mit seinen Mitschülern, seiner Familie und seinem Leben, was ihn zu einem unsicheren, schwachen und ängstlichen jungen Mann gemacht hat, der nur schwer Vertrauen fassen kann. Erst im Laufe der Zeit findet Daniel die Stärke, die er braucht, um sich seinen Problemen zu stellen, anstatt davonzulaufen.
Michael auf der anderen Seite hat in dieser Richtung wenig Tiefgang zu bieten, da sein bisheriges Leben unauffällig verlief und in vielen Punkten der Norm entspricht - ein gutes Elternhaus, keine Schwierigkeiten in der Schule und eine Vorzeige-Freundin. Seine Charakterentwicklung setzt erst im Laufe der Geschichte ein, doch es ist nicht nur Daniel, der Veränderungen mit sich bringt. Vielmehr gleicht der Junge einem Auslöser, der Michael die Augen öffnet und ihn zwingt über einige Dinge nachzudenken. Dazu gehören vorwiegend seine Eltern, die er auf ganz neue Art kennenlernt.

Allerdings ist die eigentliche Liebesgeschichte zwischen Michael und Daniel fast ein wenig zu schnell herbeigeführt, was mir beim Lesen ein wenig negativ aufgefallen ist - Michael und Daniel begegnen sich einige Male in der Stadt, spüren durchaus die Anziehung, die sie füreinander verspüren und schon beim zweiten Gespräch reden sie über ihre Beziehung und sogar über die Probleme, die sie miteinander haben, als hätten sie einige Punkte im Rahmen des Kennenlernen übersprungen. Ich habe keine Liebesschwüre oder kitschige Romantikszenen erwartet, doch man hat das Gefühl, dass der Autor einige Passagen übersprungen hat und dem Leser einiges vorenthält. Dass dies trotzdem nicht unrealistisch oder aufgesetzt wirkt, liegt daran, dass Paul Senftenberg sehr lebendige, greifbare Charaktere geschaffen hat, zu denen diese rasche Entwicklung passt. Von daher ist dieser Aspekt reine Geschmackssache - mir persönlich ging es einfach zu schnell.

Paul Senftenberg hat einen schönen, stimmungsvollen und sehr ruhigen, aber auch ungewöhnlichen Schreibstil. Man braucht eine Weile, um sich in das Buch hineinzulesen, gerade wenn man eher aktuelle Gay Romance Bücher und Liebesromane gewöhnt ist. Die Wahl der Gegenwartsform ist für belletristische Bücher nicht unbedingt selten, aber dennoch dauert es einige Seiten, bis man sich an den Stil des Autors gewöhnt hat. Dies liegt vor allem an der Herkunft des Autors. In Österreich werden viele Sätze anders aufgebaut und auch Präpositionen anders gesetzt, was deutsche Leser stolpern lässt und ein wenig verwirrt. Dennoch erschafft der Autor mit seinen Beschreibungen doch durchaus stimmungsvolle Bilder, so dass man sich die sommerliche Kleinstadt sehr gut vorstellen kann. In diesem Punkt kann man "Eine ganz andere Liebe" am besten mit Jana Walthers Romanen "Benjamins Gärten" und "Phillips Bilder" vergleichen, die in einem ähnlichen Umfeld spielen, und die ähnliche Bilder beim Lesen heraufbeschwören.

Fazit:
"Eine ganz andere Liebe" ist ein ruhiges, stilles Buch, das durch sehr realistische, greifbare Charaktere und eine nachvollziehbare Liebesgeschichte punktet. Paul Senftenberg gelingt es sowohl die Beziehung zwischen Daniel und Michael glaubhaft in Szene zu setzen, als auch die Probleme, die eine solche Liebe mit sich bringt. Dabei geht er sehr sensibel vor und verzichtet auf übermäßigen Kitsch, aufgesetzte Dramatik oder unpassende Erotikszenen. "Eine ganz andere Liebe" ist schwer mit den gängigen Gay Romance Büchern zu vergleichen, bietet es doch eher Lesestoff für Leser, die keine kitschigen Romantikgeschichten lesen, sondern eher Wert auf die Figuren und deren Entwicklung legen. Wer ruhige Geschichten wie die von Jana Walther oder Alain Sulzer mag, dem wird die Geschichte von Michael und Daniel gefallen - wer mehr Wert auf Erotik und viel Romantik legt, sollte dennoch einen Blick riskieren. "Eine ganz andere Liebe" lohnt sich.

Source: www.like-a-dream.de
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