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review 2019-01-08 14:34
Sa-Tierische Schreibversuche
Menschen, Tiere und andere Dramen: Warum wir Lämmer lieben und Asseln hassen - Peter Iwaniewicz

Der Autor Peter Iwaniewicz hat es schon schwer mit mir, denn ich habe im August hier im Blog bereits Helmut Höges Werk Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung sehr begeistert rezensiert und der Stil wie auch die Intention beider Sachbücher ist sehr ähnlich: nämlich dem Leser populärwissenschaftlich, humorvoll und über den Tellerrand der Biologie hinausgehend, die Welt der Tiere nahezubringen. Ein Leser auf lovelybooks nannte dieses Konzept Sa-Tiere, was eigentlich kurz, knackig und in einem Wort punktgenau beschreibt, worum es sich handelt.

 

Nun ist bei einer ähnlichen Idee der erste Vertreter und Vorreiter nicht immer der bessere, aber in diesem Fall gilt bedauerlicherweise diese Regel, wobei ich mich tatsächlich sehr bemüht habe, die beiden Werke sehr fair und objektiv miteinander zu vergleichen und den Neuigkeitsbonus von Höge nicht in die Beurteilung einfließen ließ.

 

Menschen, Tiere und andere Dramen beginnt schon mal sehr vielversprechend. Der Einstieg von Iwaniewicz bezüglich seines Werdegangs als Biologe war sehr gut, aber ab dem Zeitpunkt, als er zu den eigentlichen Tieren kommt, flacht das Geschriebene ganz schön ab. Auch wenn es vom Stil her sehr ähnlich wie Helmut Höges Tierwelt daherkommt, ist dieses Sachbuch aber bei weitem nicht so brillant und witzig geschrieben.

 

Der Autor verliert bei seinem humoristischen fächerübergreifenden Rundumschlag, den ich als populärwissenschaftlichen Stil im Prinzip immer sehr schätze, da er die Kernmaterie aufpeppt, bedauerlicherweise total den Fokus auf sein eigentliches Thema Tier. Da geht es zwei Seiten lang um die weibliche menschliche Brust, dann auch noch um die humanoiden männlichen Penisvarianten und anschließend kapitelweise um Kunst, in der das Tier nur die Rolle des dargestellten Opfers einnimmt – das ist nur mäßig spannend aus der Sicht der tierischen Biologie. In der Intention witzig zu sein und sukzessive fächerübergreifend von Kalauer zu Kalauer zu galoppieren, hat der Autor sich verirrt und seinen eigentlichen Weg, seine Kernkompetenz und seinen Bezug zum Thema Tier ganz schön verloren.

 

Zudem leidet natürlich auch noch die konsistente Struktur durch die Sprünge in Siebenmeilenstiefeln von Witz zu Witz und durch die Fächer . Er hat sich zu Beginn kein Gerüst gebaut, wie er methodisch vorgehen will, sondern plaudert nur ganz unstrukturiert dahin. Somit bleibt erstens beim Leser sehr wenig hängen, bis auf die störenden Ärgerfaktoren, und wenn man nochmals etwas nachschlagen will, findet man es einfach nicht mehr in dieser sequentiellen Wurst von witzigen Fakten. Auch da hat sich Höge mehr überlegt, denn zusätzlich zum Umstand, dass er immer wieder zum Fokus Tier zurückkehrt, hat er sein Sachbuch thematisch auch noch in Form eines alphabetischen Registers strukturiert, was vor allem dem Leser sehr viele Ankerpunkte bietet.

 

Fazit: So bleibt noch zu sagen, dass dieses Werk über die Oberflächlichkeit, Unstrukturiertheit und Zerrissenheit wahllos aneinandergereihter Zeitungskolumnen (die der Autor ja tatsächlich schreibt) nicht hinauszugehen vermag und das ist mir für ein Sachbuch, das mich begeistern soll, einfach zu wenig.

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review 2018-12-05 16:08
Unterschätze niemals ein Kind
Wenn Kinder töten: Wahre Verbrechen - Deutschlands bekanntester Serienmordexperte klärt auf - Stephan Harbort

Inhaltsangabe

Stephan Harbort erzählt acht spektakuläre Fälle von Kindern, die zu Mördern wurden. Er erklärt, was die Kindheit der Täter beschwerte, was sie außer Kontrolle geraten ließ und was sie dazu brachte, Taten zu begehen, die sonst nur Erwachsene verüben. 
Dabei stellt der Kriminalexperte fest, dass die Motive der kindlichen Täter denen der erwachsenen Mörder sehr ähnlich sind - es geht um Alltags- und Beziehungskonflikte, Macht, Habgier und sexualisierte Gewalt. Und obwohl die Kinder strafunmündig sind und juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden können, bedeutet das nicht, dass sie bei ihren Taten kein Schuldbewusstsein hatten oder nicht wussten, was sie taten. 

 

Meine Meinung 

Der Klappentext weist den Leser auf acht Fälle hin, sieben an der Zahl sind es allerdings nur. Hinzukommen ein gelungenes Vorwort als Einstieg, mit dem der Autor interessante und kritische Fragen in den Raum wirft und ein informatives Nachwort mit den bekannten Wahrscheinlichkeitstabellen in den Büchern des Autors, welche ich mir im Nachhinein immer sehr gerne näher anschaue.

 

Mein erster Gedanke, als ich dieses Buch in der Vorschau erblickte und es dann dank des Autors zeitnah in den Händen gehalten habe, war, dass wahrscheinlich viele Fälle in den USA spielen.

Warum?

Einfach weil viele Leser, da stehe ich glaub ich nicht alleine da, sofort an die USA denken, wenn es um Gewalt von Kindern geht. Ob es nun um die leicht greifbaren Waffen geht oder daraus resultierende Amokläufe, welche im großen Stil durch sämtliche Medien gehen.

Umso überraschter war ich, dass Stephan Harbort auf drei Fälle, welche in Deutschland geschehen sind, eingeht. Zwar liegen alle schon eine gewisse Zeit zurück, für mich ist dieser Fakt einfach greifbarer und einen Ticken spannender. Vor allem der letzte Fall, bei dem eine Stadt genannt wird, in der ich mich vor allem als Kind sehr oft aufgehalten habe.

 

„Er beschloss, das Leben des Jungen zu beenden,

und er entschied sich dafür, es auf eine Weise zu tun,

die weit mehr war, als nur zu töten.“

(S. 15)

 

Zu den einzelnen Fällen möchte ich tatsächlich an dieser Stelle nichts im Einzelnen verraten. Nehmt dieses Buch zur Hand und taucht selbst ab in eine Welt voller Schrecken, Gewalt und Kindern.

 

Natürlich regt es mich beim Lesen solcher True Crime-Fälle immer wieder an, dass Netz zu befragen, aber aufgrund der Persönlichkeitsrechte setzt Harbort hier wie immer auf Verfremdungen von Orts- und Zeitangaben und die Namen wurden teilweise pseudonymisiert. Dafür muss man als Leser Verständnis haben, dennoch gebe ich so schnell nicht auf

 

Kann man dieses Thema mit dem Wort Faszination beschreiben?

Man will diese Fälle nicht befürworten, dennoch bin ich beim Lesen immer wieder gebannt. Bereits bei seinen Büchern „Killerfrauen“ und „100 Prozent tot“ konnte ich einfach nicht aufhören zu lesen.

 

„Hast du den Film >Natural Born Killers< gesehen?

Es ist die beste Liebesgeschichte aller Zeiten.

Ich finde sie so gut, dass ich sie nachmachen will!“

(S. 174)

 

Man ist neugierig, WIE die Kinder getötet haben. Versinkt in dem Setting, welches der Autor beschreibt. Ist schockiert, welche Gewalt kleine Kinder an den Tag legen können.

Die familiären Umstände im Hintergrund vermuten wahrscheinlich viele beim Lesen und zum Teil treten diese Vermutungen auch ein, dennoch erfahre ich auch vom Umfeld sehr gern mehr.

Mit am Meisten interessieren mich allerdings die Motive.

In diesem Buch sind es Neid, Wut oder auch Habgier.

Von einigen Fällen war ich sogar extrem geschockt.

Wie können Kinder ohne eine gewisse Lebenserfahrung SO handeln?!

 

„Warum hast du ihn getötet?“

Stirnrunzeln. Achselzucken.

„Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht.“

(S. 35)

 

Mein Fazit

Must-Read-Status!

Stephan Harbort wählt hier Fälle aus, welche sehr unterschiedlich sind und demnach auf siebenfacher Linie schockieren und faszinieren.

„Wenn Kinder töten“ war mein drittes Buch des Autors und absolut nicht das Letzte! Ich mag die Themen, die einen als Leser wahnsinnig interessieren und dass Habort uns den passenden Lesestoff beschert. Des Weiteren mag ich seinen Schreibstil. Auch wenn die Geschehnisse auf kriminalpolizeilichen Ermittlungen bzw. prozessualer Wahrheit entsprechen, ist es nicht leicht, diese in den Akten niedergeschriebenen Fakten in eine so detailreiche Story zu verpacken.

Allen meiner Freunde, die sich noch nicht sicher sind, ob sie Kinder haben möchten, werde ich dieses Buch schenken.

(kleiner Scherz am Rande)

 

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review 2018-11-19 10:32
Bausatz und Anleitung für die Liebe – ohne Schrauben, auf Schwedisch*
Lieben!: Über das schönste Gefühl der Welt – für Anfänger, Fortgeschrittene und Meister - Rotraut A. Perner

Eine psychotherapeutische Abhandlung und Betrachtung über die Liebe, Liebesfähigkeit und Liebesbeziehungen fand ich schon immer sehr spannend, viel interessanter als den philosophischen Blickwinkel. Insofern war ich schon sehr neugierig auf das Buch meiner Lieblingstherapeutin, die sich auch noch ab und an sehr erfolgreich als Journalistin in meiner vielgeliebten Straßenzeitung Augustin betätigt, denn auf Grund der Qualität ihrer Reportagen wusste ich zudem, dass sie gut und pointiert zu formulieren vermag.

 

Im ersten Kapitel Lieben für Anfänger startet sie auch schon sehr ambitioniert und analysiert die kindliche Prägung von Liebe. Gut erklärt, recht strukturiert aufgebaut und spannend aufbereitet thematisiert sie, wie die Erziehung der Eltern bereits vom Mutterleib über die frühkindliche Prägung bis zur Pubertät die Liebesfähigkeit im Erwachsenenalter beeinflusst und warum, beziehungsweise inwiefern, schon in dieser Phase bei vielen Menschen bezüglich der Defizite beim Thema Liebesfähigkeit im Erwachsenenalter der Hund begraben liegt, der nur mit einer ausreichenden Auseinandersetzung und Therapie wieder repariert werden kann.

Bereits in dieser Phase bemerkte ich jedoch etwas konsterniert, dass Begriffe nicht im Text, sondern in Endnoten – also am Ende des Buches – erläutert wurden, und der Leser somit für eine ausreichende, eigentlich gar nicht so in die Tiefe gehende Auseinandersetzung mit dem Thema vor und zurückblättern musste. Versteht mich nicht falsch, wir reden hier nicht von Fuß- / Endnoteninformationen wie Quellen oder fade wissenschaftliche Definitionen, sondern tatsächlich von essentiellen therapeutischen Erklärungen, die eigentlich der Fließtext unbedingt liefern sollte.

 

Hält sich diese konzeptionelle Unsitte und rezensionsmäßige Katastrophe im Kapitel Lieben für Anfänger in homöopathischen Dosen noch in einem gewissen Rahmen, so entgleitet und eskaliert dieser Irrsinn (sorry für diese nicht therapeutische falsche Metapher sie fungiert hier vielmehr als literarische Übertreibung) in den folgenden Kapiteln total. Wenn ich auf einer kleinen Seite bis zu fünf Mal hin und her blättern muss, hört sich der Spaß und somit auch der Lesegenuss auf, so eine Struktur hat im sequentiellen Medium Buch einfach nix verloren. Vor allem weil ich im Jahr ca. zehn Fachtexte und wissenschaftliche Abschlussarbeiten betreue, lese und bewerte, kann ich so etwas wirklich sehr gut beurteilen.

 

So habe ich im Kapitel Lieben für Fortgeschrittene, in dem es um Paarbeziehungen ging, irgendwann einmal aufgegeben zu blättern, weil es mir einfach zu mühsam war und ich mich von einer schlechten Struktur nicht verarschen lasse – und – welche Überraschung – mir fehlten wirklich wesentliche Inhalte, die mir die Konzepte und Gedanken der Autorin erläuterten. Die herangezogenen Analogien, die zu weit hergeholt waren, die nicht erklärten Konzepte und die an den Haaren herbeigezogenen bzw. aus der Mottenkiste hervorgekramten Zitate aus Musik, Literatur, Philosophie etc. prasselten blitzlichtartig im Telegrammstil auf mich ein.

Je weiter man von der Lichtquelle über uns entfernt ist, desto größer ist der Schatten, erst wenn man direkt unter ihr steht, wirft man keinen mehr weil man ihn integriert.

Heute kommen zu diesen üblichen mahnenden Besserwissern die schnell „laufenden Bilder“ (movies) aus Film und Fernsehen dazu (damit dem Publikum nicht langweilig wird und es einen anderen „Sender“ – im Doppelsinn des Wortes – sucht. Sie sind beteiligt an dem Phänomen der „ruhelosen“ (Buchtitel von Vance Packard), „beschleunigten“ (Buchtitel von Peter Glotz) oder „flüchtigen“ Gesellschaft (Buchtitel „Flüchtige Moderne“ von Zygmunt Baumann), in der viele Gefühle „auf der Strecke bleiben“ – denn Fühlen braucht Zeit.

Man beachte, dass weder die Autorin noch das Lektorat bei diesem Einschubwahnsinn den Überblick über die aufgerissenen Klammern behalten konnte, denn die Klammer vor dem Wort damit in der zweiten Zeile wird niemals geschlossen.

Wenn man dann aus diesem abgebrannten Feuerwerk an nebensächlichen, aber intellektuell eitlen Belanglosigkeiten aus anderen Genres und schlechten Strukturmerkmalen einmal den psychotherapeutischen Nukleus extrahiert, kommen schon spannende Erkenntnisse aus den unterschiedlichst kranken und gesunden Paarbeziehungen heraus, aber dieser ist derart völlig verschüttet, dass er erst mühsam aufgestöbert und vom ganzen Tand befreit, beziehungsweise fast schon mit dem Hochdruckreiniger gesäubert werden muss.

 

Ehrlich gesagt habe ich im dritten Kapitel – Lieben für Meister*innen dann ob der oben genannten Mühsehligkeiten geistig ein bisschen abgeschaltet und kann nur mehr sagen, dass hierzu dann viel Osho (Bhagwan)- und Tantrageplänkel bei mir eben genau nicht hängengeblieben ist, denn bei diesem Thema schalte ich sowieso auf Durchzug. Den Rest des meisterlichen Liebens habe ich leider vergessen. So werde es auch im Alter bedauerlicherweise nie zur Meisterschaft in dieser Disziplin bringen ;-)

 

Fazit: Eigentlich recht gute Inhalte, die durch eine total verhunzte Struktur und durch einen unsäglichen Stil total schlecht präsentiert werden.

 

*das ist ironisch gemeint – nichts gegen die schwedischen Bedienungsanleitungen

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review 2018-11-12 05:05
Royale Dachschäden von Klein bis Groß
Habsburgs schräge Vögel - Gabriele Hasmann

Eines gleich vorweg über dieses Habsburger-Sachbuch: Es hat keine historische Struktur, und trotzdem hat es mich hier gar nicht gestört. Die Autorin Gabriele Hasmann präsentiert im Plauderton eine wundervolle Sammlung von teilweise mir bekannten aber auch vielen unbekannten Anekdoten über die Habsburger. Da sie nach der Art des „Dachschadens“ von der kleinen Marotte bis zur ernsthaften pathologischen Störung strukturiert und damit quer durch Jahrhunderte und Verwandtschaftslinien springt, ist somit ein chronologischer Aufbau überhaupt nicht gewährleistet. Für mich war diese etwas schräge Struktur kein Störfaktor bei der Rezeption, denn ich wusste meist ganz genau, wer wann wie mit welcher Verwandtschaft gemeint ist, da ich im österreichischen Geschichtsunterricht ohnehin sehr viele Haupt- aber auch Nebenlinien der kaiserlichen Familie lernen musste.

 

Hasmann präsentiert in einzelnen Kapiteln: Aberglauben, Magie und Hellsicht, Sado-Maso-Persönlichkeiten, echten Wahn und Wahnsinn, Ticks und Zwangsneurosen, Phobien und Süchte, Narzissmus, Dominanz und Fanatismus versus Laissez-faire, Lug, Betrug und Schurkenstücke und schlussendlich auch noch die sexuellen Eskapaden bzw. amourösen Auffälligkeiten.

 

Irgendwie ist das fast so, als könnte der Leser unter dem intellektuellen Deckmantel der historischen Forschung wie ein lüsterner Paparazzo und Boulevardmedienschreiber in die Stuben und Schlafzimmer der gekrönten Häupter schauen und einfach schamlos auch noch darüber tratschen und Witze reißen. Ich gestehe, da ja alle schon tot sind und es keinem mehr schadet, genieße ich mitunter so eine voyeuristische Nabelschau auf ganz tiefem Niveau sehr. Schließlich muss man sich ja auch mit den Schattenseiten der österreichischen Geschichte befassen ;-)

 

Die Anekdoten waren wie gesagt teilweise ganz neu: Zum Beispiel wurde das Geheimnis von 007 gelüftet, der wahre Van Helsing identifiziert (das wusste ich schon) und die amourösen Abenteuer des Mannes von Maria Theresia mit seinem besten Buddy, Giacomo Casanova, durch das Hurenviertel am Spittelberg und durch die Bums-Droschken geschildert, inklusive wütender Gegenmaßnahmen der Ehefrau.

Es gab auch eine derart abgefahrene Story über mehrere afrikanische Menschen (Mohren), die dem Kaiser geschenkt wurden und die infolge der ungewohnten Kost und des Klimas nicht lange überlebten. Der Kaiser ließ ihnen die schwarze Haut abziehen und stellte sie als Figuren gekleidet und geschmückt aus. Da viele starben, hatte er bald eine ganze Rotte von Schwarzen beisammen.

 

Auch die – wie soll ich es höflich formulieren – extrem hässlichen Habsburgermerkmale, die sich durch die andauernde Inzucht gleichsam wie der Wahnsinn in manchen Linien vervielfachten, wurden von der Autorin mit spitzer Zunge erläutert. Im Rahmen des pathologischen Irrsinns war der Wurm schon seit dem 16. Jahrhundert in der Genetik der Familie durch die spanische Linie, respektive durch „Juana la Loca“, verankert.

 

Eine Geschichte hat mich am meisten verblüfft: Maximilian, der Kaiser von Mexiko, wurde offensichtlich nur zum Schein exekutiert, zumindest ist bewiesen, dass die neue Republik nicht seine Leiche überführt hat und ein Bürgerlicher in Salvador namens Justo Armas dieselbe Handschrift hatte.

 

Ach ja, im Kapitel Völlerei gibt es ein Rezept für Krebsgermnudeln, die Leibspeise von Maria Theresia. Das möchte ich unbedingt mal kochen.

 

Fazit: Für Anfänger im Hause Habsburg leider etwas verwirrend, wenn man auf historische Chronologie Wert legt. Für Profis in diesem Bereich und für Royal Watchers, die auf sensationelle Geschichten abzielen, aber doch sehr vergnüglich.

 

P.S.: Eine Kleinigkeit ist mir noch aufgefallen. Der Verlag hat sich beim Coverbild von Leopold I. noch eine kleine Impertinenz einfallen lassen. Die hässlichen, wulstigen Habsburgerlippen wurden mit Folie oder Lack überzogen und springen dadurch dem Leser förmlich ins Auge. Das ist sooo böse und köstlich! :D

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review 2018-08-27 18:32
Kulinarische Herbstsinfonie
Herbst - Die Jahreszeiten-Kochschule - Richard Rauch,Katharina Seiser,Joerg Lehmann

Der Herbst naht mit Riesenschritten und aus diesem Grund möchte ich Euch termingerecht ein wundervolles grandioses Kochbuch zu diesem Thema empfehlen.

Die in Österreich sehr bekannte Kochbuchautorin und Foodjournalistin Katharina Seiser (www.esskultur.at), die aus meiner Heimatstadt stammt, hat sich mit dem Sternekoch Richard Rauch zusammengetan, den ich übrigens anlässlich seines ersten Kochbuchs vor einigen Jahren ganz schön arg verrissen habe, und gemeinsam haben sie 2017 diese wundervolle Reihe der Jahreszeiten-Kochschule herausgebracht. Diese Kombi ist wirklich genial und funktioniert großartig. Für jede Jahreszeit: Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt es punktgenau die richtigen saisonalen Rezepte, die nicht nur unsere Ressourcen schonen, sondern die Zutaten schmecken ja auch am besten, wenn die Zeit dafür reif ist.

 

Seiser, die anerkannte Verfechterin einer regionalen, saisonalen, biologischen Küche ist meiner Meinung nach sowieso die Queen der Kochbuchschreiberinnen, denn sie geht an die Aufgabe derart strukturiert und immer mit Fokus auf die Zielgruppe der Hobbyköch*innen heran, dass der kochaffine Mensch sich sofort die Küchenschürze umbinden möchte. Richard Rauch hat die Rezepte dazu geliefert, und sie sind manchmal so reduziert, einfach innovativ und genial, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft.

 

Puh! werdet Ihr sagen: „Was soll diese Lobeshymne auf das zweihundertfünfzigtausendste Kochbuch, in dem wieder nur dieselben Variationen von Rezepten etwas verändert lauwarm präsentiert werden!“.
Weit gefehlt! Auch ich habe ca. 150 Kochbücher und bin ob dieser Reihe völlig von den Socken. Dazu muss ich nun aber genauer ausholen, um Euch das nahezubringen.

 

Zuerst ist hier mal der regionale, saisonale, biologische ressourcenschonende Gedanke, der auch die Resteverwertung anspricht. Und dann diese Klassifizierungen. In welchem Kochbuch gibt es schon eine Taxonomie der Kartoffel-(Erdäpfel)- und Kürbissorten. Und ich spreche hier nicht nur über diese unsägliche Einteilung festkochende, mehlige und vorwiegend festkochende Kartoffeln, sondern über die Verwendung von echten alten Kartoffelsorten, die es übrigens auf den Märkten und durch die regionale Nachfrage bei uns in Österreich in den Supermärkten als Bioware auf einmal wieder gibt. Auch wenn die Verkäufer*innen nie das Produktwissen haben, was man mit den einzelnen Sorten anfangen kann. Hier findet man nicht nur die Klassifizierung und den Verwendungszweck sondern auch die richtige Lagerung.

Illustration: Katharina Ralser/Brandstätter Verlag

 

Dann sind auch die Rezepte nicht mit high-sophisticated Kochmethoden aus der Sterneküche sondern genau für den Hobbykoch angelegt und nicht basierend auf unsäglichen Zutaten, die man sowieso nur in Großstädten wie in Wien und Berlin bekommt. Das höchste der Gefühle bezüglich Gerätschaften ist hier ein gutes Messer, ein Stabmixer, sowie eine Küchenmaschine und eine Nudelmaschine, damit man sich leichter tut und ein Fleischthermometer, um den Garpunkt nicht raten zu müssen.

Richard hat für die Rezeptfotos so angerichtet, wie er es zu Hause – nicht im Restaurant – macht, das war Katharinas Wunsch. […] Die Rezepte in diesem Buch sind für die Haushaltsküche abgestimmt. Uns beiden war wichtig, dass die Rezepte nicht nur nachkochbar sind, sondern auch dazu einladen, sie wirklich auszuprobieren.

Die Rezepte von Richard Rauch sind von sehr traditionell einfach – aber innovativ – bis zu größeren und aufwändigeren Speisen gestaltet, die sich auch eignen, vor den eingeladenen Gästen mit sehr großer Kochkompetenz zu glänzen. Die Themenbereiche bzw. ausführlichen Kapitel reichen von Kartoffel- (Erdäpfel)-, Kürbis-, Trüffelgerichten über Geflügelspeisen wie Gans, Ente, Wachtel und Wildgerichte wie Hirsch, Reh, Wildschwein und Hase bis zu Kochen mit Wein, Trauben, Äpfeln, Birnen und Wildfrüchten. In den einzelnen Rubriken gibt es nicht nur ein Rezept sondern ganze Kapitel lang eine ausführliche Beschäftigung mit der einzelnen Zutat.

 

Ihr könnt Euch schon vorstellen, in welche Rezepte ich mich verliebt habe – nämlich in die ganz einfachen innovativen und regionalen. Da ist zuerst mal der Kartoffel-Sauerkrautpuffer (in Bayern auch Reiberdatschi) und das Kürbis Cordon Bleu, der Kartoffel-Kastanienstrudel, die Kürbistorte, die Trüffel Kasnocken, der Wildschweinburger mit Kürbischutney, die Ganslfrühlingsrollen mit Erdnusssauce, die Wildschweinbolognese mit Rote-Rüben Pasta und die Krautfleckerl mit Trauben. Naa, wie geht es der Pfütze auf Eurer Zunge? 

 

Die Rezeptbeschreibungen sind ganz klar und einfach gehalten, alles ist gut erklärt, inkl. Tipps und Begleitgetränksempfehlung. Katharina Seiser ist sowieso die Königin der Sachregister, sie strukturiert alles perfekt für die Zielgruppe Hobbykoch. Das ist auch der Grund, warum ich sie eigentlich schon länger als Kochbuchkönigin bezeichne. Alles ist immer und überall schnell auffindbar, man muss nicht das gesamte Buch durchblättern, sondern hat auf wenigen Seiten alles parat. Neben einem Rezeptregister, gibt es auch ein Zutatenregister, ein Register nach Speisenart und ein Glossar Österreichisches Küchendeutsch, denn die Ausdrücke weichen vor allem in der Küche sehr stark von den deutschen Bezeichnungen ab.

 

Und nun kommt auch noch der allerletzte Faktor, der mich begeistert hat, nämlich das, was ich in diesem Kochbuch NICHT gefunden habe. Kein einziges eitles riesiges Porträtfoto der beiden Autoren, sondern auf der letzten Seite, die kleinen Bilder des gesamten Teams gleichberechtigt nebeneinander inkl. Lektorat, Grafik, Illustrationen und Fotografie. Bravo, das ist perfektes Understatement.

 

Fazit: Wer Kochbücher mag oder eines verschenken will und auf regionale, saisonale, nachhaltige Bioküche Wert legt, sollte unbedingt noch einen Regalplatz freiräumen und sich genau diese Reihe besorgen. Ich werde auf jeden Fall ab Anfang September, wenn es nicht mehr so heiß ist, mir zuerst einen Kürbis und mehlige Kartoffeln schnappen, den Löffel schwingen und loslegen.

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