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review 2016-06-16 12:02
Nennen wir sie Eugenie
Nennen wir sie Eugenie (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig

Story:
Eugenies Leben ist perfekt – sie hat liberale Eltern, liebevolle Brüder und in Seraba eine Partnerin, auf die sie bauen kann. Dass ihre Liebe in Senegal unter Strafe steht und mit Gefängnis geahndet wird, stört die beiden Frauen nicht, da sie ihre Beziehung im Geheimen ausleben. Das ändert sich, als ihre Familie einige SMS lesen und herausfinden, dass Eugenie mit einer Frau zusammen ist. Schneller als Eugenie denkt, wird sie fallengelassen – von ihrer Familie und ihren Freunden. Um der Polizei zu entkommen, die schon bald steckbrieflich nach ihr sucht, flieht sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland, in der Hoffnung dort Asyl zu bekommen und ein neues Leben zu beginnen. Doch der Asylprozess ist langwierig und zermürbend, und die Aussichten auf Anerkennung ihres Antrags verschwindend gering …

 

Eigene Meinung:
Mit dem Kurzroman „Nennen wir sie Eugenie“ spricht Maria Braig einmal mehr die Themen Flüchtling und LGBT an. Dieses Mal widmet sie sich der lesbischen Eugenie, die es laut Nachwort wirklich gab. Natürlich sind nicht alle Ereignisse originalgetreu – vieles entspringt der Fantasie der Autorin oder wurde von anderen Schicksal beeinflusst – dennoch dürften Fälle wie Eugenies nicht so selten sein, wie man vielleicht glaubt.

 

Innerhalb weniger Seiten ist an in der Geschichte, lernt die junge Frau kennen, die mit ihrer Freundin Seraba trotz widriger Umstände in Senegal glücklich ist. Sie träumt von einem Studium und hofft darauf irgendwann mit ihrer Partnerin zusammen zu sein. Der Traum platzt binnen weniger Tage – Hass, Verachtung und Ekel schlagen ihr entgegen und zwingen sie dazu ihre Heimat zu verlassen. Im Gegensatz zu „Spanische Dörfer“ hat Eugenie eine recht „leichte“ Flucht, da sie mit Serabas Hilfe nach Deutschland fliegt. Dort gestaltet sich der Asylantrag schwierig, da die junge Frau keinerlei Beweise vorlegen kann, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wird. Zwar findet sie Unterstützung und Freunde, doch im Laufe der Zeit schwindet in den menschenunwürdigen Massenunterkünften die Hoffnung auf eine Zukunft in Europa.
Eugenies Schicksal geht durchaus zu Herz – man leidet mit ihr, als sie von ihrer Familie verstoßen wird und findet es schrecklich, was ihr in Deutschland wiederfährt. Dennoch fehlt mir einmal mehr der Tiefgang, sprich der Einblick in Eugninies Gefühlswelt. Nur hin und wieder erahnt man, was in der jungen Frau vor sich geht und wie sehr die Ereignisse an ihr nagen. „Nennen wir sie Eugenie“ ist einfach zu kurz geraten. Für einen Tatsachenbericht fehlen die realen Belege und Hintergründe, für einen Roman vermisst man die Bindung zum Hauptcharakter. Dabei ist es wichtig die Missstände in Deutschland anzusprechen und auf die Probleme hinzuweisen, die Flüchtlinge haben. Dennoch wäre es schön gewesen, all das noch greifbarer mitzuerleben, als in Form von kurzen Zusammenfassungen und Ausblendungen. Gerade bei en Dialogen ist es schade, wenn sie nicht ausformuliert sind, sondern lediglich nachträglich erzählt werden.

 

Trotzdem kann man sich gut in Eugenie reinversetzen und schließt die junge Frau ins Herz. Man bangt mit ihr und hofft, dass es für sie gut ausgeht. Ebenso mag man Seraba, die alles daran setzt ihrer Partnerin zu helfen, jedoch nur wenig Möglichkeiten hat, da auch sie ihre Liebe verborgen halten muss. Die üblichen Figuren wirken realistisch, jedoch etwas blass, da sie nur am Rande vorkommen und keine besondere Tiefe entwickeln können.

 

Stilistisch bietet „Nennen wir sie Eugenie“ einen leicht lesbare, flüssige Geschichte, die ein wenig umfangreicher hätte ausfallen können. Maria Braig hat einen sehr nüchternen, direkten Stil, der sich auf das wesentliche beschränkt. Wie schon bei den anderen Werken der Autorin wünscht man sich einfach mehr, um noch tiefer in die Geschichte einsteigen zu können und eine größere emotionale Bindung mit Eugenie aufbauen zu können, insbesondere als sie in Deutschland ist und sich in diesem, ihr fremden Land zurechtfinden muss.

 

Fazit:
„Nennen wir sie Eugenie“ ist ein schöner Kurzroman mit Potenzial nach oben. Maria Braig spricht zwei wichtige Themen an: Homosexualität in Afrika (Senegal) und das deutsche Asylverfahren. Sehr nüchtern und direkt schildert sie Eugenies Leben, ihre Ängste, Sorgen und Probleme. Hin und wieder fehlt dem Leser zwar die Bindung zur Hauptfigur, doch man kann sich gut in Eugenie hineinversetzen. Wer sich für die Thematik interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren

Source: www.like-a-dream.de
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review 2016-06-12 12:22
Spanische Dörfer
Spanische Dörfer - Wege zur Freiheit (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig

Story:
Drei vollkommen unterschiedliche Menschen nehmen ihr Leben selbst in die Hand, um ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und in der Ferne neu zu beginnen: eine junge Frau, die sich auf der Flucht aus Afrika den Namen La Marche gibt und deren Ziel es ist in Europa ein neues, freies Leben zu beginnen, der junge Transmann Enrique, der Spanien verlässt um in Deutschland einen Job als Architekt zu finden und sein bester Freund Leon, der von Geburt an ein Chromosom zu viel und als mongoloider Mensch mit etlichen Vorurteilen zu kämpfen hat.

 

Die Wege der drei kreuzen sich immer wieder – gerade Enrique und La Marche treffen mehrfach aufeinander, während sie zunächst allein, später zusammen einen Weg suchen, um in Deutschland einen Platz zu finden. Doch da sie sind genauso große Außenseiter sind wie Leo, fällt es ihnen nicht leicht, sich eine Zukunft aufzubauen.

 

Eigene Meinung:
„Spanische Dörfer“ ist der neueste Roman der Autorin Maria Braig, die sich vorwiegend auf die Themen Flüchtlinge, LGBT und die damit einhergehenden Probleme spezialisiert hat. So erschienen beim Verlag 3.0 bereits die Romane „Amra und Amir“ und „Nennen wir sie Euginie“, die beide von Flucht, Abschiebung und Homo- bzw. Transsexualität handeln.

 

Auch in „Spanische Dörfer“ bleibt sich die Autorin ihrer Linie treu und widmet sich dem Leben und den Problemen unterschiedlicher, gesellschaftlicher Außenseiter. Die Flüchtlingsthematik wird mit La Marches Flucht aus Afrika und den Schwierigkeiten ihrer Reise quer durch Europa sehr eindringlich beschrieben. Enriques Transsexualität bestimmt den zweiten großen Themenkomplex des Buches, da er zwar weitestgehend umoperiert ist, jedoch nicht den letzten Schritt wagen will. Mit Leo führt die Autorin zudem einen sehr intelligenten und offenen Menschen mit Down Syndrom ein, der es sich zum Ziel gesetzt hat Lehrer zu werden. Diese drei Schicksale werden teils sehr geschickt, teils ein wenig konstruiert miteinander verwoben. Im Grunde sind die Themen sehr interessant, da sie viel Potenzial bieten und zum Nachdenken anregen, doch die knapp 200 Seiten sind einfach zu wenig, um wirklich in die Tiefe zu gehen. Im Grunde hätte man zu jeder einzelnen Hauptfigur ein Buch schreiben können, denn genügend Stoff bieten alle drei. So sind die einzelnen Probleme und Schicksale zwar durchaus nachvollziehbar, doch Maria Braig gelingt es leider nicht dem Leser die Hauptfiguren näherzubringen. Viele Dinge werden zusammengefasst, interessante Dialoge ausgeblendet oder nur rückblickend erzählt. So schafft man es leider nicht sich in die Charaktere hineinzuversetzen, denn es fehlen Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt. Zudem stolpert man beim Lesen über einige Logiklücken – La Marches schwimmende Durchquerung der Straße von Gibraltar, Leos Sprache und seine ganze Art, die nur bedingt seinen mongoloiden Charakter widerspiegelt oder auch Enriques Gründung eines Dorfes, das allen Menschen offensteht (wobei das wahrscheinlich der Kürze der Beschreibungen zum Ende des Buches hin zuzuschreiben ist).

 

Auch die Charaktere bleiben recht flach, da man nur schwer Zugang findet. Am ehesten kann man sich noch mit Enrique identifizieren, da seine Gedanken hinsichtlich seiner Transsexualität wirklich nachvollziehbar und interessant sind. Gerade bei transidente Menschen werden von Maria Braig sehr stimmungsvoll und authentisch in Szene gesetzt. La Marche ist durch ihre Unnahbarkeit nur schwer zu fassen, zumal man auch nicht erfährt, was genau in ihrer Vergangenheit vorgefallen ist, um sie zur Flucht zu bewegen. Der dritte Hauptcharakter ist zwar sehr sympathisch und wächst dem Leser durch seine lockere, offene Art schnell ans Herz, hat jedoch nur auf dem Papier das Down-Syndrom. Weder spricht er wie ein mongoloider Mensch, noch hat er die typischen Verhaltensmuster. Im Nachwort werden die Gründe von der Autorin zwar angeführt, doch man fragt sich, warum sie überhaupt einen Charakter mit Behinderung eingefügt hat, wenn diese nicht zum Tragen kommt. Der Leser bekommt ein vollkommen falsches Bild von Menschen mit Down Syndrom, wenngleich die Krankheit natürlich unterschiedlich ausfallen kann.

 

Stilistisch legt Maria Braig einmal mehr ein sehr knappes Werk vor, bei dem viele Szenen und Dialoge zusammengefasst werden. Es ist durchaus gut lesbar, da die Autorin einen angenehmen, flüssigen Stil hat, doch mehrfach wünscht man sich eine ausführlichere Darstellung der Ereignisse. Ein wenig befremdlich ist auch, dass die drei Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird, stilistisch verschieden angelegt sind: Leon berichtet aus der Ich-Perspektive (was diesen lebendiger macht), Enriques und La Marches Geschichten werden in der dritten Person erzählt. Besonders verwirrend wird es allerdings, wenn beide zusammen sind und sich die Perspektiven der beiden vermischen.

 

Fazit:
„Spanische Dörfer“ ist ein interessanter Roman, der einige wichtige Themen zur Sprache bringt, die allzu oft wegignoriert werden. Allein deswegen sollte man „Spanische Dörfer“ eine Chance geben und einen Blick riskieren. Allerdings gelingt es Maria Braig nicht, eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufzubauen – trotz ihrer Eigenarten und Probleme bleiben sie leider recht blass. Schade – hier hätte man mehr draus machen können. Wer sich für die Themen interessiert, sollte in die Leseprobe schnuppern.

Source: www.like-a-dream.de
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review 2016-06-07 11:42
Amra und Amir
Amra und Amir (Ubuntu - Außenseiterthemen, die alle angehen) - Maria Braig
Story:
Kurz nach ihrem 18. Geburtstag entwickelt sich das Amras Leben in einen Albtraum. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, Freunde und einen Ausbildungsplatz besitzt, will man sie in den Kosovo abschieben, aus dem ihre Eltern vor ihrer Geburt geflohen sind. Alle Kämpfe, Klagen und öffentliche Kampagnen nützen nichts – Amra kommt in ein Land, wo sie weder die Sprache beherrscht, noch dem sie sich verbunden fühlt. Ihre Zuflucht ist der Bruder ihrer Mutter, bei dem sie unterkommt. Allerdings wird ihr schnell klar, dass Frauen im Kosovo keinerlei Rechte besitzen und als ihr Onkel sie verheiraten will, läuft sie weg, um auf eigenen Beinen zu stehen. Um zu überleben gibt sich das knabenhafte Mädchen als Junge aus und nennt sie sich fortan Amir …

Eigene Meinung:
Mit „Amra und Amir“ schneidet Maria Braig gleich zwei brisante Themen an: Transgender und Flüchtlinge. Gerade letzteres wird sehr ausführlich umschrieben und dargelegt, da sich die Autorin vorwiegend mit der Thematik Flucht, hiesige Asylverfahren und dem Leben von Flüchtlingen auseinandersetzt. Doch auch Amras/Amirs Schwanken zwischen Mann/Frau machen einen großen Teil der Geschichte aus.
Inhaltlich entwirft Maria Braig ein wahres Horrorszenario für die junge Amra. Auf knapp 200 Seiten schildert sie Amras Abschiebung, ihr Leben im Kosovo und die Probleme, die sie bewältigen muss. Dass es die junge Frau nicht leicht hat, insbesondere weil sie eher wie ein junger Mann denkt und fühlt, wird schnell klar. Zwar arrangiert sie sich mit den Gegebenheiten und schafft es auf eigenen Beinen zu stehen, sieht jedoch keinerlei Zukunft für sich und ihr Leben. Als ihre Freunde Nina und Stefan auch noch zu Besuch kommen und ihre Situation sehen, wird es fast unerträglich für Amra (zumal sie Nina auch noch näher kommt). Doch ein Leben in Deutschland im Schatten der Legalität ist alles andere als einfach …

Was dem Buch fehlt ist die Nähe zu den Figuren und ein wirkliches Eintauchen in die Handlung. So spannend die Thematik sein mag und so realistisch die Autorin das Szenario aufgebaut hat (im Nachwort schreibt sie, dass etliche Dinge zum großen Teil auf wahren Ereignissen beruhen), so schafft sie es doch nicht, dem Leser die Figuren näherzubringen. Dazu schreitet sie zu schnell voran, übergeht wichtige Szenen und Gespräche und fasst Schlüsselmomente zusammen. Man kann sich einfach nicht in die Charaktere hineinversetzen, da die Autorin keine Figur wirklich lebendig gestaltet. „Amra und Amir“ wirkt mehr wie eine Zusammenfassung, ein Tatsachenbericht (der einem zumeist unrealistisch vorkommt, da man nicht sagen kann, ob die Ereignisse wirklich so passieren könnten, oder übertrieben sind), der zwar von der Grundidee spannend ist, jedoch zu unpersönlich zu Papier gebracht wurde. Es fehlen einfach die Reaktionen der Charaktere, das Eintauchen in deren Gefühlswelten und eindringlichere Szenen. Das Buch schafft es zwar zum Nachdenken anzuregen, doch es berührt den Leser nicht, da dafür die persönliche Bindung zu den Charakteren fehlt.

Aus diesem Grund ist es auch schwierig die einzelnen Figuren zu begreifen und nachzuvollziehen. Amra/Amir ist ein toller Charakter, gerade ihre Ansichten bezüglich ihrer Sexualität und der Thematik Transgender ist interessant, doch es fehlt der Tiefgang. Maria Braig kratzt eher an der Oberfläche, wenn es um sie/ihn geht. Auch ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Abschiebung und zu ihrem Leben im Kosovo werden kaum beleuchtet. Sicher, sie ist schockiert, entsetzt und panisch, aber der Leser fühlt diese Dinge nicht. Die übrigen Figuren sind noch blasser – Nina und ihre Gefühle sind nur schwer zu begreifen, und Amras Mutter ist ebenfalls kaum verständlich in Szene gesetzt. Da wird ihre Tochter abgeschoben und sie scheint nichts zu unternehmen – weder fährt sie zu ihrem Bruder und besucht Amra, noch reagiert sie, als ihre Tochter verschwindet. Man hat keine Ahnung, was in ihr vorgeht und warum sie nichts macht. Das betrifft auch das Coming-Out ihres Kindes: sie scheint die Schultern zu zucken und sieht darüber hinweg. Allgemein kommt mir Amras Outing zu einfach vor – kaum einer sagt etwas dazu, alle nehmen es wie selbstverständlich hin. Das ist zwar ein schöner Ansatz, wie es sein sollte, aber es entspricht nicht der Realität. Denn gerade Amra/Amirs Entscheidung hinsichtlich ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung werden nicht so leicht von der Umwelt aufgenommen.

Stilistisch ist „Amra und Amir“ gewöhnungsbedürftig. Die Autorin springt sehr oft zwischen den Perspektiven – mal erzählt Amra/Amir, dann Nina, Stefan, Amras Mutter oder unbedeutende Nebenfiguren, was es zusätzlich erschwert, sich mit den Figuren zu identifizieren. So schön die Ereignisse im Kosovo und Amras/Amirs Überleben geschildert sind und so sehr die Autorin mit ihren Beschreibungen schockiert und zum Nachdenken anregt, es fehlt einfach der Tiefgang. Die Themen sind toll gewählt und teils sehr gut umgesetzt, dennoch hat man das Gefühl, nur an der Oberfläche zu kratzen, weil man einfach nicht Teil der Geschichte ist.

Fazit:
Trotz aller Kritikpunkte ist „Amra und Amir“ ein Buch, das man allein wegen der Flüchtlingsthematik lesen sollte. Maria Braig berichtet von einem Schicksal, das in dieser Form wahrscheinlich jeden Tag in Deutschland passiert und den Leser zum Nachdenken anregt. Leider geht das Buch nicht tief genug um wirklich zu berühren – man ist schockiert, entsetzt und will helfen, aber man kann sich nicht mit Amra/Amir identifizieren. Dafür sind knapp 200 Seiten leider zu wenig. Schade – da hätte man mehr draus machen können.
Source: www.like-a-dream.de
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