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review 2017-07-12 11:05
Ich werde wohl nie ein Fan der Chic-Lit
P.S. Ich liebe Dich - Cecelia Ahern,Christine Strüh

Einst schwor ich, sollte mir jemals ein Chic-Lit-Roman begegnen, der mein Interesse weckt, würde ich ihm eine Chance geben. Im April 2017 ging ich an der Buch-Telefonzelle vorbei, die bei uns in der Nähe aufgestellt ist. Einem Impuls folgend schaute ich mir an, welche Bücher dort aktuell auf ein neues Zuhause warteten und hielt plötzlich „P.S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern in der Hand. Ich kannte die Geschichte bereits, denn vor Jahren hatte ich die Verfilmung mit Gerard Butler und Hilary Swank gesehen. Ich mochte den Film, also entschied ich meinem Vorsatz entsprechend, es mit dem Buch zu versuchen. Gekauft hätte ich es sicherlich nicht, aber da ich es umsonst ergatterte, fand ich, ich hätte nichts zu verlieren.

 

Man sagt, stirbt ein geliebter Mensch, stirbt ein Teil von uns mit ihm. Als Gerry starb, verlor Holly nicht nur ihren Ehemann, ihren besten Freund und ihren Seelenverwandten, sondern auch sich selbst. Sie weiß nicht, wie sie allein weiterleben soll. Gerry war ihre ganze Welt, die Sonne ihres Universums. Depression und Trauer haben sie fest im Griff. An den meisten Tagen findet sie nicht einmal die Kraft, aufzustehen. Doch ihr Angetrauter kannte seine Frau besser, als sie dachte. Nach seinem Tod erreicht Holly ein Päckchen, in dem sich 10 nach Monaten beschriftete Briefe befinden. Hollys Herz setzt beinahe aus, als sie Gerrys Handschrift erkennt. Jeder Brief enthält genaue Anweisungen; Aufgaben, die Holly Monat für Monat meistern soll. Zögernd, aber entschlossen, Gerrys Wünsche zu erfüllen, begibt sie sich auf die schwerste und beängstigendste Reise, die sie je unternehmen musste: den Weg zurück ins Leben.

 

Ich denke, ich habe durch „P.S. Ich liebe Dich“ herausgefunden, welches grundsätzliche Problem ich mit Chic-Lit habe. Doch bevor ich euch von dieser bahnbrechenden Erkenntnis berichte, erst einmal ein paar Worte zum Buch selbst. Für das richtige Publikum ist Cecelia Aherns Erfolgsroman garantiert die Erfüllung eines literarischen Traums. Die Idee, dass der verstorbene Gerry seiner Frau Briefe hinterlässt, um ihr zurück ins Leben zu helfen, ist ohne Zweifel süß und – so ungern ich das Wort gebrauche – romantisch. Gerry liebte Holly und kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es ihr schwerfallen würde, sich eine Zukunft ohne ihn vorzustellen. Trauer lähmt. Cecelia Ahern illustriert diesen Fakt elegant, indem sie Hollys Umfeld große Veränderungen durchleben lässt, während sie selbst stillsteht. Um sie herum geht das Leben weiter, nur sie tritt auf der Stelle. Gerrys Tod versetzte sie verständlicherweise in eine Schockstarre, aus der sie erst die Briefe langsam befreien. Sie ist verblendet, vollkommen in ihrer Trauer versunken und nicht mehr in der Lage, sich selbst korrekt wahrzunehmen. Als sie sich in einem Film sieht, den ihr Bruder an einem feuchtfröhlichen Abend mit ihren Freundinnen drehte, ist Holly schockiert, wie unfassbar traurig sie nach außen wirkt. Sie glaubte, sich gut zu schlagen, dabei ist ihr ins Gesicht geschrieben, wie furchtbar unglücklich sie ist. Ahern versäumt es nicht, abzubilden, dass ein Verlust dieser Größenordnung durchaus hässliche Seiten hat. Holly ist selten eine würdevoll trauernde Witwe, oft überkommen sie giftige, eifersüchtige, ungerechte Gefühle und Gedanken, betrachtet sie das Glück ihres Freundeskreises. Ich fand ihren Trauerprozess insgesamt sehr realistisch beschrieben und hatte keinerlei Schwierigkeiten, jede der vier Phasen (nach Kast) zu erkennen und nachzuvollziehen. Trotz dessen berührte mich Hollys Leidensweg nicht in dem Maße, wie er es vermutlich sollte. Zu oft wurde ich daran erinnert, wie abhängig die junge Frau von ihrem Ehemann war. Das Frauenbild, das Holly verkörpert, widerspricht allem, was ich mir für mein Leben wünsche. Ohne Gerry hat Holly nichts: kaum Freunde, keine Hobbys, keinen Job und keinen Lebenssinn. Sie definierte sich über ihre Beziehung; es war ihr genug, Gerrys bessere Hälfte zu sein und er scheint sie nie dazu inspiriert zu haben, mehr erreichen zu wollen. Er ist an ihrer Hilflosigkeit nicht unschuldig, denn er ließ es zu, dass sie sich von ihm abhängig machte. Sie sah sich nie veranlasst, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und steht deshalb jetzt vor der Mammutaufgabe, sich selbst zu erfinden. Ich konnte sie nur bedingt bemitleiden, weil ich das Gefühl hatte, ihre unbestreitbar schmerzhafte und grauenvolle Situation wäre leichter zu ertragen gewesen, hätte sie sich bereits weit vor Gerrys Tod ein eigenes Leben aufgebaut. Außerdem war mir der Druck, Holly bemitleiden zu müssen, viel zu stark. Ich denke, DAS ist mein Problem mit der Chic-Lit. Ich reagiere allergisch auf die allzu plakative Manipulation meiner Emotionen. Ich will Mitgefühl empfinden, weil die Figuren es verdienen, nicht, weil ich gezwungen werde. Ich will aus eigenem Antrieb weinen, nicht, weil ich keine andere Wahl habe. Zwang erstickt jegliches natürliche Gefühl im Keim.

 

„P.S. Ich liebe Dich“ ist ein gutes Buch. Das kann ich reinen Gewissens behaupten. Cecelia Aherns nahbarer Schreibstil liest sich leicht und flüssig; die Geschichte ist einfühlsam und psychologisch realistisch, wenn auch ein wenig kitschig, was ich allerdings erwartet hatte. Ich bereue nicht, es gelesen zu haben, obwohl mich der Film damals besser erreichte. Das wichtigste Ergebnis dieses Lektüre-Experiments ist für mich indes, verstanden zu haben, warum ich der Chic-Lit kaum etwas abgewinnen kann. Alle Autor_innen manipulieren die Gefühle ihrer Leser_innen. Das ist ihr Job als Geschichtenerzähler_innen. Autor_innen wie Cecelia Ahern jedoch spielen berechenbar und unverblümt auf der Klaviatur der Emotionen, was mir persönlich einfach nicht subtil genug ist. Kurz gesagt, ich möchte nicht merken, dass ich manipuliert werde. Daher werde ich vermutlich niemals ein Fan der Chic-Lit. Und das ist okay. Ich habe es versucht, herausgefunden, dass es mir nicht zusagt und die Gründe dafür analysiert. Fall abgeschlossen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/12/cecelia-ahern-p-s-ich-liebe-dich
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review 2017-07-01 08:54
Der Tod des Schmetterlings
Der Tod des Schmetterlings - Matt Dickinson

Als ein Schmetterling im 21. Stockwerk einer Baustelle erschlagen wird, ahnt der Wachmann nicht, welche Kettenreaktion dadurch ausgelöst wird. Für viele Menschen auf der Welt hat der Tod dieses Schmetterlings schwerwiegende Folgen. Manche überleben und viele sterben, und alles nur, wegen eines toten Schmetterlings.

Es handelt sich um die Fortsetzung von Matt Dickinsons „Die Macht des Schmetterlings“, wobei beide Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, weil nur die Grundthematik dieselbe ist. 

Der Autor arbeitet erneut die Chaostheorie (eigentlich handelt es sich dabei um den Schneeballeffekt) ab, welche besagt, dass ein einziger Flügelschlag ausreicht, um eine Katastrophe auszulösen. Diesmal fängt die Katastrophe mit dem Tod eines Schmetterlings an und kaum jemand ahnt, welches Ausmaß ein solch kleines Ereignis auslösen kann.

Denn der Tod des Schmetterlings greift um sich und macht nicht einmal vor Landesgrenzen halt. In Australien ist Hannah auf der Flucht vor der Polizei, Gwen und Tehpoe kämpfen in Liberia gegen Rebellen an, Todd und Isabella sitzen am Amazonas in Brasilien fest und Stian Olberg trägt die Verantwortung für ein ganzes Kreuzfahrtschiff. 

All diese Schicksale - und etliche mehr - finden im Tod des Schmetterlings ihren Zusammenhang und kämpfen unabhängig voneinander gegen die Auswirkungen an.

Der Erzählstil heizt beim Lesen ordentlich ein. In kurzen Kapiteln verfolgt man die Ereignisse. Manchmal wird man in die jeweilige Person versetzt, ein anderes Mal ist man objektiver Beobachter, man zoomt häufig auf kleinste Details oder schaut sich die nahende Katastrophe als Gesamtbild an. Dabei spürt man die ganze Zeit, dass etwas Großes und Schlimmes geschehen wird, während das Schicksal des Schmetterlings um sich greift.

Diesmal mochte ich den Erzählstil sehr gern, weil dadurch eine wahnsinnig mitreißende Dynamik entsteht. Man kann das Buch kaum aus den Händen legen, weil jedes Kapitel mit einer anderen Figur beginnt. Aus normalen Alltäglichkeiten und simplen Entscheidungen spitzt sich nach und nach eine Katastrophe zu, die auf den eher banalen Tod eines Schmetterlings zurückzuführen ist.

Außerdem gefällt mir die Logik hinter den Ereignissen und diese Umsicht, mit der der Autor davon erzählt. Denn es ist kaum zu glauben, wie schlüssig das endgültige Gesamtbild und wie nachvollziehbar jede Entscheidung oder Handlung der Figuren ist. Dennoch war mir der Zufall ein- bis zweimal zu häufig am Werk, wobei das wohl genauso dem echten Leben entspricht. 

Wie bereits beim ersten Band, kann ich dieses Werk jedem empfehlen, der sich für den Butterfly-Effekt interessiert und gerne spannende Bücher liest.

 

Die Dilogie:
1) Die Macht des Schmetterlings [Rezension lesen]
2) Der Tod des Schmetterlings

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2017-05-20 16:28
meist sinnloses Geschwurbel
Der Tod in Venedig und andere Erzählungen - Thomas Mann

Jetzt gleich mal ein Fazit: Thomas Mann und seine Kurzgeschichten sind meiner Meinung nach total überbewertet. Die Germanisten unter Euch mögen mich hinrichten, aber dieses nutzlose verkrampfte geistige Gehirnwichsen ergibt einfach keinen Sinn. Eines muss man dem Autor lassen: Er kann Schachtelsätze, aber das ist auch schon alles. Ausführliche Details ob dieses Trauerspiels in den Einzelbeurteilungen.


1. Tod in Venedig 2,5 Sterne
Der Beginn ist ein unnötiges verkrampftes nichtssagendes Geschwurbel über Kunst (genaue Beschreibung der Schwurbelei bei Tristan). Als sich der Hauptprotagonist Aschenbach nach Venedig aufmacht, wird die Geschichte zwar mit pädophilen homosexuellen Zügen behaftet aber recht erträglich.

2. Tristan 2,5 Sterne
Auch hier läßt es sich der Autor nicht nehmen, über Musik zu schwurbeln. Der Mann'sche Stil um es Euch zu beschreiben, ist so wie bei den Leutchen, die zwar selber keine Künstler sind, sich aber bei den sehr progressiven Kulturfestivals in der Foldertextbeschreibung einen auf pseudo-intellektuell  abonanieren, indem sie versuchen, präpotent mit der Sprache die Kunst nachzustellen, ohne natürlich auch wirklich mit der Sprache umgehen zu können. Eine Aneinanderreihung von wertlosen Fremdwörtern, Wortschöpfungen und Metaphern, die einfach keinen Sinn ergeben, nicht wissend, dass man manche Kunst einfach erleben und nur die Rahmenbedingungen wie Stil Hintergrund etc. beschreiben sollte. Nachdem man die Beschreibung des Theaterstücks, Musikstücks... gelesen hat, hat man gar keine Ahnung was einen erwartet oder was die Scheisse soll.
Nachdem man sich als Leser durch dieses unsägliche nutzlose Elaborat durchgewühlt hat, kommt wieder etwas Plot und Figurenentwicklung und die Geschichte wird recht erträglich.

3. Die vertauschten Köpfe 0-1 Stern (0 kann man ja in Goodreads gar nicht geben weil dies nicht beurteilt bedeutet)
Das ist wirklich der Gipfel an schlechter Literatur. Auf 100 Seiten nur 1 Szene, die es wert ist, erzählt zu werden. Die vertauschten Köpfe sind wieder mal nutzloses Geschwafel in Form eines indischen Märchens über eine Dreicksgeschichte zwischen zwei Freunden und einer Frau, da tun sich literarische Abgründe auf, die man sich gar ned vorstellen möchte - dagegen ist Tod in Venedig ein mittelmäßiger Lercherlschas ;-).
Meine Empfehlung im Originalton an die Protagonisten, die es verdient haben, alle zu sterben, aber ihre Entleibung einfach zu langsam durchgezogen und mich dadurch leider mit ihrem nutzlosen Dasein viel zu lange gequält haben. "Ja bringts Euch alle um, denn Ihr seids sogar zum ordentlichen hinterlistigen Ehebruch zu deppat und brauchts a Kopftausch Ausrede und extrem viel hirnloses Gelaber als Rechtfertigung für Eurer dreieckiges Swingerabenteuer :D unpackbar."

4. Gladus Dei 3,5 Sterne
Ok diese Story ist durchaus gelungen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass dies eine Kurz-Kurzgeschichte von 10 Seiten ist, wäre diese schwerlich auch noch so zu vergeigen, wie die anderen.

5. Schwere Stunde 3 Sterne
Der Hauptprotagonist quält sich bei der Erstellung von literarischer Kunst in einem Schreibprozess einen ab. Nicht schlecht aber eben auch nur 10 Seiten. Eine Geschichte dieses Umfanges können auch Deutschmaturanten in einer Schularbeit.

6. Das Gesetz 3,5 Sterne
Das war die erste Geschichte, die mir im Ansatz ganz gut gefallen hat. Das Gesetz ist die Story von Moses: eine Perlenkette atemberaubender Inkompetenzen - gut angelehnt an die alten Überlieferungen aber aus anderer Sicht erzählt.

Fazit: Wenn ich alles zusammenzähle, kommen 2,5 Sterne raus. Weil es aber der Thomas Mann ist, kriegt er ob seines Namens einen Promibonus, und ich runde sehr gnädig auf.

Ach ja so wie Thomas Mann ständig in seinen Geschichten herumlaviert, möchte ich meine Gefühle bezüglich dieser Lektüre mit dem Zitat von Christian Tramitz aus dem Schuh des Manitu ausdrücken: "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden. [...] ständiges sinnloses herumschleichen und dauernd am Marterpfahl."

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review 2017-04-25 15:16
Rezension | Die Welt ist ein schöner Ort von Deborah Ziegler
Die Welt ist ein schöner Ort: Der Weg me... Die Welt ist ein schöner Ort: Der Weg meiner Tochter in einen würdevollen Tod - Deborah Ziegler,Eva Kemper

Beschreibung

 

Nachdem die 29-jährige Brittany Maynard immer öfter unter starken Kopfschmerzen leidet wird sie schließlich Ende des Jahres 2013 ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose trifft Brittany und ihre Familie völlig unvorbereitet. In Ihrem Kopf wächst seit Jahren ein Hirntumor und es bleiben ihr nur noch wenige Monate zum Leben. Eins ist für Brittany schnell klar, sie wird auf keinen Fall warten bis sie der Tumor auffrisst und ihr ein qualvolles Ende bereitet. Deshalb ist sie entschlossen das medizinische Sterbehilfegesetzt in Oregon in Anspruch zu nehmen. Mit der Unterstützung ihrer Familie reist Brittany an schöne Orte der Welt und nimmt Abschied von ihren Freuden und Verwandten. Schließlich zieht sie von Kalifornien nach Oregon um nicht mal ein Jahr nach der Diagnose in Würde zu sterben.

 

Meine Meinung

 

Deborah Ziegler erzählt in ihrem autobiographischen Roman „Die Welt ist ein schöner Ort“ ihre Geschichte als Mutter und wie sich ihr Leben veränderte, nachdem bei ihrer 29-jährige Tochter Brittany ein unheilbarer Hirntumor entdeckt wurde. In ihrem Buch verarbeitet Deborah Ziegler Trauer, Wut, Angst und Hoffnung die sich im Verlauf von Brittanys Krankheit die Klinke in die Hand drücken.

 

"Brittanys Reaktion – Wut über die Diagnose und Angst vor der Zukunft – war absolut verständlich, aber ich begriff einfach nicht, warum sie direkt zur Akzeptanz übergegangen war. Was war mit den anderen Phasen der Trauer, dem Leugnen und Verhandeln?" (Seite 79)

 

Aufwühlend und berührend schildert Deborah Ziegler das schlimmste Schicksal für eine Mutter/Eltern überhaupt. Das einzige Kind an eine Krankheit zu verlieren, die wie wild um sich wütet und den sicheren Tod bedeutet. In abwechselnden Abschnitten erzählt Deborah Ziegler wie sie als Alleinerziehende Brittany groß zog, welche Entwicklungen und Stationen Brittany auf dem Weg zur Erwachsenen durchlief und wie sich ihr Leben sowie Brittanys Leben nach der Diagnose Hirntumor entwickelte und veränderte.

 

Es ist schon ein komisches Gefühl, ein Buch über eine junge Frau zu lesen die mit ihren 29 Jahren im gleichen Alter ist wie ich. Es fiel mir sehr leicht mich in die Lage von Brittany hinein zu versetzten und mir auszumalen wie schrecklich die Nachricht über einen Hirntumor ist, der schon seit Jahren wächst und gedeiht und schließlich den sicheren Tod bedeutet. Umso beeindruckender finde ich den unglaublichen Mut und die große Stärke die Brittany gegenüber Ärzten, Familie und Freunde bewiesen hat. Vollkommen klar verfolgt sie ihr Ziel eines selbstbestimmten, würdigen Todes. Dieser Weg ist alles andere als einfach, denn es bedeutet einen schweren Abschiedsprozess in Gang zu setzten und den Umzug in einen anderen Bundesstaat. Als Brittany erkrankte gab es in ihrer Heimat Kalifornien kein Sterbehilfegesetzt und so stand ein Umzug nach Oregon ganz weit oben auf ihrer Prioritätenliste.

 

"Sie brachte alle zum Schweigen, die sie mit Sentimentalität von ihrer Entscheidung zu sterben abhalten wollten; sie straffte die Schultern und entschied ganz allein, wann sie mit dem Wind unsere Welt verließ." (Seite 55)

 

Deborah Ziegler kleidet ihre Emotionen in eine wundervolle Sprache, die Mal nüchtern und berührend zugleich ist, mal mit poetischem Charme mitten ins Herz trifft. Dabei vermittelt die Autorin eindrücklich wie viel Stärke und Mut es erfordert, den Weg zu gehen, den ihre Tochter für sich und ihre Familie gewählt hat. Bei mir sorgte die mitreisende Geschichte von Brittany für eine tief sitzende Gänsehaut und Tränen sowie die Gewissheit, dass die Welt wirklich ein schöner Ort ist!

 

"Mittlerweile waren meine Tochter und ich so stark miteinander verbunden wie die Neutronen und Protonen eines Atomkerns." (Seite 92)

 

Besonders eindrucksvoll sind die ungeschönten Schilderungen von Brittanys Krampfanfällen die mit dem Fortschritt ihres Tumors immer heftiger ausfallen. Es ist wahnsinnig erschreckend was diese schlimme Krebsart mit einem noch jungen Körper, der ansonst über intakte Organe verfügt, anstellt. Außerdem lässt Deborah Ziegler noch jede Menge Hintergrundinformationen zu ihre Recherche über die Krankheit ihrer Tochter mit einfließen. Somit fällt es überhaupt nicht schwer Brittanys Entschluss nachzuvollziehen. Auch ich finde es angemessen todkranke Patienten selbst entscheiden zu lassen, ob sie lieber in Würde sterben möchten anstatt einem qualvollen und schmerzhaften Tod ins Auge zu blicken.

 

Fazit

 

Ein tiefgründiger, Mut-Mach-Roman über den bewegenden Weg einer jungen Amerikanerin in den selbstbestimmten Tod.

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-die-welt-ist-ein-schoener-ort-von-deborah-ziegler
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review 2017-03-05 15:22
Ein wirklich witziger Roman mit ernstem Hintergrund
Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman - Juliane Käppler

Max Leif ist grade mal 41 als ihm ein Herzinfarkt ereilt und ihm einen Denkzettel verpasst. Auch sein bester Freund Paul redet auf ihn ein und macht ihm klar das es vielleicht nicht so gut ist sein Leben nur auf der Überholspur zu verleben. Das er auch mal an sich denken soll, und Arbeit nicht alles ist was einen Sinn im Leben bringt. So überredet Paul Max also dazu, eine Woche mit ihm in die Ferien zu gehen, sich auszuspannen, sich zu erholen, es sich einfach mal gut gehen lassen. Doch wie das Leben, diese Schlappe nun mal ist, macht sie den beiden einen gewaltigen Strich durch die Rechnung! Denn Paul stirbt überraschenderweise an einer Lungenembolie in folge einer Thrombose, und das kurz vor dem Urlaub mit Max. Trotz allem geht max nach Sansibar, überlebt mehr den Urlaub als was anderes, und kommt nach einer Woche wieder völlig fertig nach Hause, doch nichts ist mehr wie es war denn wie es scheint steht auch sein Tod unmittelbar bevor.

 

Die Geschichte

Juliane Kuppler hat sich mit diesem Roman über einen Hypochonder wirklich in mein herz geschrieben. Die Idee war für mich neu, denn ich hab noch nie einen Roman über diese Störung gelesen weder als witzige Geschichte noch als Drama. Und ich finde, die Umsetzung ist ihr mehr als gut gelungen! 

 

Die Geschichte ist total nachvollziehbar und man kann mir auch sehr gut vorstellen wie solch ein Erlebnis jemanden so aus der Bahn werfe kann das es zu einer solche Störung kommt. Man muss sich nur der Komplexität im klaren sein. Das Buch, oder eher Max Leif, konnte mich von den ersten Seiten an mitreissen. Er hat mir an seinem Leben teilhaben lassen, ich lachte mit ihm, nicht über ihn, ich hatte Mitgefühl, kein Mitleid, ich freut mich für ihn genau so wie ich mit ihm verzweifelt war. Von der ersten Seite bis zu letzten hat er mich nicht los gelassen.

 

Der Schreibstil von Frau Käppler ist flüssig, witzig, direkt. Es macht Spass durch die Seiten, das Leben von Max zu rauschen. Das Buch ist in 7 Monate aufgeteilt, jeder Monat für einen  Tod. Diese Kaputte wurden auch wieder in Subkapitel eingeteilt die mit passenden Übertitel versehen wurden. Und ich finde das wirklich sehr passend zur Geschichte. Auch von der Stimmung war alles dabei von besorge, über liebevolle und auch ärgerliche und verzweifelten Momenten war alles mit dabei.

Was das Ende angeht, ich war mehr als zufrieden. Zu viel möchte ich dazu eigentlich nicht sagen aber es ist ein passender Abschluss.

 

Am nächsten morgen halt ich am Krankenhaus, um zu sehen , ob es Paul inzwischen gut genug ginge, um doch mitfliegen zu können. Da war er schon eine Stunde tot. Nicht mehr am Leben! Von einem Tag auf den anderen. Eben noch im Meeting. Jetzt schon tot. Nicht.Mehr.Da.

S.11 – Max

 

Prota- und Antagonisten & Co

Klar, der Protagonist ist Max, den um seine 6 Monate nach der Reise geht es. Max ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich kann ihn Förmlich vor mir sehen. Ich kann mir zwar gut vorstellen das manche ihn als nervig empfinden könnten, was aber bei mir nie der Fall war. Er ist ein überaus herzlicher und grosszügiger Mensch, der einfach grade in einer absoluten Kreise steckt. Angst vor dem Tod hat, was eigentlich so nicht mal stimmt, nur oberflächlich gesehen denn die Angst vor dem Tod ist eigentlich mehr die Angst vor dem Leben.

 

Max kämpft sich durch die Tage, Wochen und Monate. Doch er lernt auch viel über sich selber und gibt ein geheimes Preis und wächst doch noch über sich hinaus, was ich einfach toll finde.

 

Juliane Käppler schafft es nicht nur die Emotionen glaubhaft rüber zu bringen sondern auch in mir Emotionen zu wecken. Und das gelingt nicht wirklich jedem Autor. 

 

Klar erfahren wir in der Geschichte ein klein bisschen mehr von Max und diese Häppchen die uns die Autorin zu lesen gibt, reichen aus um uns klar zu werden was in Max ausläuft und warum er manches tut und warum er schlussendlich in diese Krise gerät.

 

Neben Max gibts noch ein paar wenige Nebenfiguren die aber im leben von Max eine ganz wichtig Rolle spielen.

 

Da wäre seine russische Putzfrau Jekatarina Poljakow. Eine resolute aber sehr sympathische Frau, die Max auch mal die Meinung geigt. Sie ist mir eben so ans Herzgewachsen wie Max.

 

Dann haben wir noch Floh, sein Ex-Angestelter. Frau Dr. Bärbeisser, sie bekommt öfters mal das vergnügen sich um Max zu kümmern und Maja… eine verletzliche aber herzliche, ein ach manchmal kratzbürstige Frau, die aber ein grosses Herz hat welches sie zu beschützen weiss. Und die Eltern von Max. Die mir am Schluss dann doch noch sympathisch werden 

 

„Haben Sie eben tatsächlich das Fenster geputzt, oder hab ich mir das eingebildet?“, fragte ich, weil ich mir vor Verlegenheit nichts anderes einfällt.  „Konntest du schreiben Sau darauf“, antwortet sie mit leichtem trotz in der Stimme. „Chabe ich angeschaut zwei Tage und  heute Lappen und Seife gebracht mit.“ Sie beugt sich näher zu mir und tätschelt meinen Arm etwas kräftiger. „Freue ich mich so, dass du wach bist, Max Leif. Chast du uns alle gejagt grossen Schreck! Haben wir in Zeitung gelesen, was passiert ist. War Foto drin mit Auto, das in Schild gesteckt.“

S. 345 Max / Jekaterina

 

Die Sache mit dem Text

Wer die letzten 3 remis hier schon gelesen hat weiss das ich hier noch mit einem anderen Aspekt heran geht. Durch meine Legasthenie, bekommt die Sache mit dem Text eben noch ne andere Komponente, die hier immer Beachtung finden wird.

 

Der Text ist dem Genre angepasst, die Kapitel sind gut von der Länge, so das es immer spannend bleibt und dennoch einen guten und schnellen Lesefluss erzeugt und ich finde das die Länge der Kapitel sehr angenehm ist.

 

Das Buch ist im Blocksatz gedruckt was ich sehr angenehm finde, denn es macht s einfacher die Zeile nicht zu verlieren, also für mich. Mag bei anderen Legastheniker vielleicht etwas anders sein. Aber das ganze scheint Fach etwas ruhiger und aufgeräumter und das macht das lesen etwas entspannter. Die Grösse der Schrift ist auch okay. Auch wenn ich mir manchmal doch eine etwas klarere Schrift wünsche.

 

So ein Hirntumor kann man sah sicher operativ entfernen. Vor ein paar Monaten hab ich zwar gesagt, dass niemand an mir rumschnippelt, aber wenn es um einen Tumor im Kopf geht, sieht das natürlich anders aus.  Der muss auf jeden Fall raus. Der zahlt keine Miete. Selbst wenn ich dabei drauf gehe. Ich will gesund sein oder sterben bei dem Versuch, es zuwenden.

S. 203 – Max

 

Und sonst noch

Das Cover find ich toll, Max der im Regen steht. Irgendwie völlig sinnbildlich für die ganze Kreise. Auch der Titel find ich sehr passend, denn 7 mal hätte es ja sein könne das er stirbt, bis…

 

Das Buch ist mein erstes Highlight dieses Jahr und ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Buch. Es konnte mich berühren, und das auf eine ganz spezielle Weise. Das Buch schaffe es sich mal genauer mit der Thematik auseinander zu setzen, sich selber mal zu reflektieren. Denn es ist wirklich kein einfaches Thema und für den betroffenen muss so eine Neigung wirklich sehr anstrengend sein. Kaum ist man was, denkt man gleich man könnte sterben, es ist ein Auf und Ab von Gefühlen. Und das ist bestimmt ein sehr nervenaufreibendes Leben. Also ja, das Buch konnte mich bis zur letzten Seite fesseln.

Die Autorin konnte mich mit der Geschichte um Max überzeugen und ich bin sehr gespannt wie der 2. Teil ist, den ich natürlich umbedingt haben muss!

 

Wer gerne witzige Bücher mag, die aber dennoch einen ernsten Hintergrund haben, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Lasst Max in euer Leben und erfahrt wie es ist, immer am Rande des Todes zu stehen.

 

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