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review 2019-02-11 07:45
Kühle Atmosphäre mit vielen Emotionen
Wie Gräser im Wind: Tage des Sturms (Band 1) - Ella Zeiss,Elvira Zeißler

Inhaltsangabe

Eine berührende und authentische Familiensaga über ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. 

1930 wütet das Sowjetregime mit Enteignungen und Verhaftungen in den ehemals wohlhabenden deutschen Dörfern der Krim. Jeder, der noch Land oder Einfluss hat, schwebt in Gefahr. Wilhelm Scholz weigert sich, seinen letzten Grundbesitz an den Staat zu überschreiben. Mitten in der Nacht zerren bewaffnete Männer ihn, seine Frau Anna und ihre kleinen Kinder aus dem Haus. Die Familie wird in die eisige Wildnis des Hohen Nordens gebracht und Baumfällarbeiten zugeteilt. Inmitten von Hunger, Krankheit und klirrender Kälte kämpfen Anna und Wilhelm ums Überleben und um einen Platz in der neuen Weltordnung. Samuel Pfeiffer entgeht einem ähnlichen Schicksal nur durch eine rechtzeitige Flucht. In einer Nacht- und Nebelaktion verlässt er mit seiner Familie das Dorf und lässt alles zurück. Doch die Verschnaufpause währt nicht lang. Als deutscher Lehrer wird er immer wieder verfolgt und denunziert. Eine Odyssee von der Krim bis nach Baku beginnt… 

 

Meine Meinung 

Dieses Buch ist mir über einen gewissen Zeitraum immer wieder im Internet begegnet und bekam dann auch noch den Kindle Storyteller Award 2018.

Schnell war klar, diese Geschichte darf ich mir nicht entgehen lassen.

Dieses Buch ist Teil einer Reihe, welche zwei Bände beinhaltet.

 

Ella Zeiss schreibt hier eine Geschichte nieder, die mir aus mehreren Gründen nahe ging. Zum einen hat die Autorin einen persönlichen Bezug zur Geschichte, zum anderen bringt sie mir hier eine Thematik näher, welche nicht vollkommen an mir vorbei gegangen ist, aber mit welcher ich mich noch nie wirklich beschäftigt habe.

 

Anna und Wilhelm leben mit ihren zwei Kindern in einer deutschen Siedlung auf der Halbinsel Krim in der Sowjetunion. Ohne viel Ankommen konfrontiert uns die Autorin sofort mit viel Schrecken und Fassungslosigkeit.

Es ist eine Zeit des Verlustes.

Der Machtlosigkeit.

Als auch Wilhelms Familie umgesiedelt werden soll, eingepfercht wie Tiere in einen Waggon, ahnt man als Leser, dass dieses Buch viele solcher Momente mit sich bringen wird.

 

„Sie waren machtlos, der Obrigkeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.“

(S. 15)

 

In meiner Überschrift erwähne ich eine kühle Atmosphäre. Damit meine ich nicht, dass mich das Buch kalt lässt, sondern eher, dass es mich unheimlich fröstelte beim Lesen. Die Familie um Anna und Wilhelm wird in den tiefen Norden der Sowjetunion umgesiedelt. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Zudem kein Essen, eine grausame Unterkunft und die große Frage nach der Zukunft.

 

„Du darfst nur nie die Hoffnung aufgeben.“

(S. 92)

 

Ella Zeiss geht im Verlauf darauf ein, mit welchen Aufgaben die Menschen zu der Zeit konfrontiert waren. Die Männer mussten bei diesen Temperaturen körperlich hart arbeiten, um für weitere Menschen, die umgesiedelt werden sollten, neue Siedlungen zu bauen. Die Truppenführer schreckten zudem auch nicht davor zurück Frauen diese Arbeiten vollrichten zu lassen.

Kaum vorstellbar, aber wahr.

 

„Wissen ist Licht, Unwissen ist Dunkelheit.“

(Lenin, S.236)

 

Anna hat Glück und kann bei ihren Kindern bleiben. Aber auch hier kommt es zu Problemen. Immer mehr Menschen in den Baracken werden krank.

Eine Zeit des Bangens steht an. Als Leserin habe ich sehr schnell einen Bezug zu Anna und ihrem Mann Wilhelm gefunden. Beide werde ich als Kämpfer in Erinnerung behalten. Was dieses Ehepaar in dieser Geschichte durchmacht, ist kaum vorstellbar und dennoch herrschte durch weg ein spürbarer Zusammenhalt.

 

„Und doch hatte man ihnen ihre Identität nicht nehmen können, weder ihre Sprache noch ihre Lieder oder ihren Glauben.“ (S. 132)

 

Im zweiten Teil des Buches bringt Ella Zeiss eine weitere Familie in die Geschichte ein. Auch diese Familie um den Sohn Harri begleiten wir durch eine schreckliche Zeit. Niemand scheint mehr sicher zu sein. Die Familie trennt sich und als Leser wechselt man nun in der Perspektive beider Familien.

 

„Es gab keine Sicherheit mehr in dieser Welt, für keinen von ihnen.“ (S.181)

 

Emotional weiß ich nicht, wen dieses Buch nicht berühren sollte.

Man kommt nicht umhin, über diese Zeit und diese Situationen der angesprochenen Familien im Buch nachzudenken. Es hätten auch die eigenen Vorfahren sein können. Es war eine Zeit in der man einfach nicht wusste, wer Freund und Feind ist.

 

„Was auch geschieht, wir werden immer die Fremden sein, die anderen.

Die Deutschen oder die Sowjets, je nachdem, aus welcher Richtung man uns betrachtet.“ (S. 299)

 

Mein Fazit

Mit diesem Reihenauftakt trifft die Autorin nicht nur meinen Lesegeschmack, sondern auch einen ganz besonderen geschichtlichen Nerv.

In „Wie Gräser im Wind“ verbindet sie historische Realität mit vielen Themen, die dieses Buch zu etwas Besonderem machen.

Sie schreibt über Verlust, Trennung, Tod, aber auch über Liebe, Zusammenhalt und Hoffnung. Und genau dieses Wort ist es, welches mich im Titel zu Band 2 hoffen lässt, dass die Geschichte der beiden Familien einen guten Ausgang nimmt und mich nochmal so gut unterhält, wie Band 1 der Reihe.

 

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review 2018-02-12 08:00
Diana überzeugt mit lässiger Frauenpower
Wonder Woman: Warbringer (DC Icons Series) - Leigh Bardugo

Inhaltsangabe

Wonder Woman – als Heldin geboren, zur Legende geworden

Eigentlich will Diana, Tochter der Amazonenkönigin, nur eines: das Rennen gewinnen, in dem sie gegen die schnellsten Läuferinnen der Insel antreten muss. Doch dann erblickt sie am Horizont ein untergehendes Schiff und bewahrt Alia, ein gleichaltriges Mädchen, vor dem Tod. Doch wie Diana vom Orakel erfährt, ist es Alias Bestimmung, die Welt ins Unglück zu stürzen und Krieg über die Menschheit zu bringen. Um dies zu verhindern, reist Diana mit Alia ins ferne New York – und wird unversehens mit einer Welt und Gefahren konfrontiert, die sie bislang nicht kannte... 

 

Meine Meinung 

Ich möchte mich nicht als Superhelden-Fan bezeichnen, aber wenn, dann tendiere ich ganz klar zu den Frauen aus dieser Liga.

Kam ich schon nicht an dem Kinofilm zu Wonder Woman vorbei, so war sehr schnell klar, dass ich auch diesen Reihenauftakt lesen möchte.

Meine Hoffnung lag natürlich darauf, dass das Buch nicht eine identische Wiedergabe zum Film ist. An dieser Stelle kann ich euch schon beruhigen.

Das Buch stellt eine eigene Geschichte um die Amazone Diana dar.

 

Zu Beginn der Geschichte lernt man die 17-jährige Diana auf der Insel der Amazonen kennen. Hier regiert ihre Mutter und Diana hat sich seit ihrer Geburt zu behaupten. Denn sie ist die einzige Unsterbliche auf der Insel. Sie will endlich eine Amazone sein, wie all die anderen Frauen auf Themyscira sein.

 

Sie legt all ihre Energie in dieses Rennen. Will sich beweisen.

Doch als sie das untergehende Schiff am Horizont sieht, zeigt Diana noch eine andere Seite von sich. Sie ist nicht nur ehrgeizig, sondern mit ihren siebzehn Jahren auch leichtsinnig und kopflos. Anstatt das Rennen als Siegerin zu beenden, nimmt sie Anlauf und spring von den Klippen der Insel ins Wasser.

Am Schiffswrack angekommen, entdeckt sie ein junges Mädchen und rettet dieses.

Aus Angst, dass sie von den anderen Frauen der Insel entdeckt werden, versteckt Diana das Mädchen vorerst.

Denn Diana kennt die wichtigste Regel der Amazonen: kein anderer Mensch darf die Insel betreten. Diana weiß um eventuelle Folgen, will dem Mädchen namens Alia aber auch helfen.

 

Plötzlich passieren auf der Insel seltsame Dinge und Diana erfährt wer Alia ist.

„Kriegsbringerin. Procatalysia. Haptandra.“ (S. 156)

Und es gibt nur einen Weg, Alia von ihrem Fluch zu befreien.

Dazu muss Diana die Insel der Amazonen verlassen, eine weitere Regel, die nicht gebrochen werden sollte.

 

Im Verlauf des Buches gelangen Diana und Alia nach New York, Alias Heimat.

In der Stadt konnte Diana bei mir besondere Sympathiepunkte sammeln.

Diese Welt ist ihr einfach fremd und die Autorin verpackt die Geschichte an dieser Stelle mit viel Humor. Dianas Unsicherheit, ihr Auftreten, ihre Sprüche und Dialoge mit anderen Figuren haben mich einfach prächtig unterhalten.

 

Von einem Superheldenroman erwartet man natürlich auch Action und in New York geht es ganz schön zur Sache. Leigh Bardugo setzt die Amazonenprinzessin gekonnt in Szene und ich war voll dabei, als Diana ihr Lasso schwang und Gebäude zum Beben brachte.

 

Neben Diana und Alia treten noch drei weitere jugendliche Charaktere in Erscheinung. Jeder nimmt die Geschichte auf eine spezielle Art und Weise ein und ich mochte wirklich alle Figuren, die die Geschichte um Diana und den Weg zum Ziel begleitet haben. Als Diana merkt, dass sie Alia nicht mehr nur leitet, um den bösen Fluch der Kriegsbringerin von ihr zu nehmen, sondern eine Freundschaft entsteht, wagen sie einen Pakt.

 

„Schwester im Kampfe, ich bin dir Schild und Klinge. Solange ich atme, werden deine Feinde keine Zuflucht kennen. Solange ich lebe, ist deine Sache die meine.“ (S. 223)

 

Ihre Reise führt sie nach Griechenland. Und außer viel Sonne wartet hier ein Lauf gegen die Zeit auf die Jugendlichen. Allerdings lauern Gefahren und ein weiterer Kampf steht bevor.

 

„Sie war bereit, ihre Klinge zu wetzen.“ (S. 227)

 

Natürlich habe ich bei diesem Buch mit einem Showdown gerechnet.

Während des Lesens machte es die Autorin allerdings so spannend, dass ich hin und hergerissen war, wie die Geschichte ausgehen wird.

____________________________________________________________

 

Als Wonder Woman Fan habe ich mir allerdings noch mehr Kampf- und Actionszenen um Diana und ihre Kräfte gewünscht. Der Part kam mir ein wenig zu kurz. Dahingehend fand ich die Geschichte um die Jugendlichen ein wenig zu detailliert. Diese beiden Teile hätten sich mehr die Woge geben müssen.

 

Mein Fazit

Allerdings hat dieses Buch zu viele positive Seiten, als dass ich keine Leseempfehlung aussprechen könnte. Ich mochte die Grundidee um die Kriegsbringerin sehr gerne. Das was mir an Action geboten wurde, war super, aber hätte wie gesagt mehr sein können. Diana überzeugt mich und man merkt, wie Wonder Woman als Charakter im Verlauf der Geschichte zu einer Frau wird.

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, kann mit einer fesselnden Story und viel Witz rechnen.

 

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review 2018-01-28 07:37
Hunter gibt her, was er verspricht
Der Kruzifix Killer - Maja Rößner,Chris Carter

Inhaltsangabe

Er kennt keine Gnade. Er tötet grausam.
Und er ist teuflisch intelligent.
Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und er ist Hunter immer einen Schritt voraus - denn er kennt ihn gut. Zu gut. 

 

Meine Meinung

Robert Hunter ist bei Thriller-Lesern heiß begehrt. Sehr lange schlich ich um die Reihe herum, obwohl mir die ersten beiden Bände schon vor Jahren geschenkt wurden. Lesetechnisch kommt einfach immer wieder etwas dazwischen und so habe ich mich entschieden, den ersten Band der Reihe zu hören.

Dies war absolut keine Fehlentscheidung und ich habe für mich wieder feststellen können, dass meine auditive Aufmerksamkeit bei dem Genre Thriller deutlich größer ist, als bei zum Beispiel Romanen. Das Gehirn kann sich besser auf die Geschehnisse und die Spannung konzentrieren.

 

Der Sprecher Uve Teschner gefiel mir wieder sehr gut. Kennen tue ich ihn bereits durch die Hörbücher um die Reihe D.I. Helen Grace von M.J. Arlidge.

Bei der Recherche fiel mir gleich ins Auge, wie viele verschiedene Autoren Uve Teschner begleitet. Wahnsinn. Fakt ist, dieser Sprecher wird mir noch des Öfteren begegnen und ich freue mich drauf.

 

Zum Einstieg des Hörbuches erhält Detective Robert Hunter einen Anruf.

Sein Kollege Garcia ist in den Fängen eines Mörders.

Und dieser stellt nun Hunter die Aufgabe ihn zu retten.

Tut er dies nicht, stirbt sein Kollege.

Will er ihn retten, fällt aber eine falsche Entscheidung, sterben sie beide.

Das beide den Raum lebend verlassen, davon geht der Täter nicht aus.

 

Natürlich dürfen wir am Anfang nicht gleich den großen Showdown erwarten.

Chris Carter versetzt und dann zeitlich fünf Wochen im Geschehen zurück.

Für ich ein toller Aufbau, einfach weil man als Hörer weiß, worauf man zuarbeitet.

Gott sei Dank vergehen fünf Wochen beim Hören und Lesen immer sehr schnell.

 

Für eine Ermittler-Reihe lege ich immer Wert auf erheiternde und interessante Hauptcharaktere. Mit Hunter und Garcia hat der Autor hier ein gutes Fundament erschaffen. Hunter, der ewige Single, der gerne mal in verschiedenen Betten rum hüpft. So wacht er auch an diesem Morgen neben einer unbekannten Frau auf, als er den Anruf erhält, dass eine Leiche gefunden wurde.

Auch von Garcia erhalten wir einen familiären Einblick und lernen seine Frau kennen. Diese ist noch etwas besorgt um ihren Mann, dass dieser nun im Morddezernat arbeitet. Hier ist er mit Mördern konfrontiert und aufgrund des aktuellen Falls arbeitet er sich fast zu Tode. Das normale Eheleben ist Geschichte.

 

Der Fall an sich konnte mich mit seinem gewalttätigen Potenzial recht schnell begeistern. Eine weibliche Leiche. Bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Nicht unbedingt durch Schnitte und Einschläge, sondern die Frau wurde bei lebendigem Leibe gehäutet. Spannend an dieser Stelle waren die Ermittlerarbeit und auch die pathologischen Untersuchungen. Ich war überrascht wie viel noch über ein Opfer herausgefunden werden kann, wenn sich die Leiche in so einem Zustand befindet.

 

Chris Carter bringt immer wieder neue Figuren in die Geschichte ein, welche dann meist als nächste Opfer herhalten. Einen roten Faden habe ich nicht gefunden. Es wirkt alles so zusammenhangslos, aber dieser Punkt ist gewollt und hier super umgesetzt.

Hunter beweist anhand seines beruflichen Werdegangs das er einen hohen Intellekt hat, aber in diesem Band ist der des Täters auch absolut nicht zu verdenken.

 

Der Verlauf der Geschichte war für mich spannend mit einem nahezu perfekten Spannungsbogen. Chris Carter bringt Action in die Geschichte rein, aber auch nahende Verluste. Wird Hunter seinen Kollegen Garcia retten können?

Diese Frage stand für mich außer Frage, da die Reihe bereits neun Bände umfasst und der Name Garcia weiterhin auftaucht in der Reihenbezeichnung.

Für mich war also eher der Punkt interessant, wie Hunter ihn retten kann und dadurch den Täter überlistet.

 

Das Ende bringt einen Showdown mit sich, aber für mich leider auch eine völlig unerwartete Überraschung.

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Kritisieren möchte ich allerdings, dass der Autor meiner Meinung nach die Fährte hinsichtlich der Lösung mit Absicht falsch gelegt hat. Wenn ich mir verschiedene Szenen nochmal in Erinnerung hole, wurde nie auf so einen Ausgang hingedeutet. Es wurde er die gegenteilige Seite unterstützt.

Dahingehend bin ich natürlich gespannt, ob der Autor seine Bücher immer auf diese Art aufbaut.

 

Mein Fazit

Band 1 der Reihe um den „Kruzifix-Killer“ habe ich nun endlich beendet und ich freue mich auf die folgenden Bände. Da mir der Hörbucheindruck sehr gut gefallen hat, werde ich vorerst bei diesem Medium bleiben und ich vermute dann auch sehr schnell in der Reihe vorankommen.

Wer kein Problem hat mit Gewaltexzessen und prekären Themen in diesem Genre, der sollte, falls er es noch nicht getan hat, unbedingt mal in diese Reihe rein lesen.

Ich zumindest freue mich auf Band 2.

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review 2018-01-07 13:05
Knasterfahrungen eines Autors
Freiheit ist 49: Erkenntnisse aus 4 Jahren Knast - Constantin Himmelried

Diese Überschrift für meine Rezension wähle ich nicht aus dem Grund, dass Constantin Himmelried zum Zeitpunkt seiner Verhaftung bereits Autor war, sondern, weil ihn diese Zeit zum Schreiben gebracht hat und man als Leser ein Buch ganz anders wertschätzt, wenn die Geschichte zum verfassenden Autor gehört.

 

Einige Leser, die den Autor auf Facebook begleiten, werden mitbekommen haben, dass es dort Diskussionen zum Thema Titel und Cover gab.

Ich habe meine Meinung auch kundgetan und bin nach dem Lesen nun sehr glücklich, dass alles anders kam. Ich habe für ein anderes Cover abgestimmt. Allerdings muss ich im Nachhinein sagen, dass solche Entscheidung sehr schwer zu treffen ist, wenn man die Geschichte hinter dem Titel und dem Cover nicht kennt.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass beide getroffenen Wahlen perfekt zu diesem Buch passen. Für viele Leser mag der Titel ein wenig abschreckend sein, einfach weil man diesen nicht wirklich einzuordnen weiß.
Was bedeutet dieses „Freiheit ist 49“?

Ich als Leserin und Rezensentin kann euch nur sagen, dass man dieses Buch allein um dieser Frage auf den Grund zu gehen, lesen sollte. Mich hat die Auflösung überrascht und sehr berührt.

 

Das Buch startet mit einer Einführung, in der der Autor Constantin Himmelried dem Leser sehr private Fakten entgegenbringt. Gleich zu Beginn legt er die Karten, wieso er verhaftet wurde, offen auf den Tisch. Bereits an dieser Stelle zog ich meinen imaginären Hut. Für solche Darlegungen und allgemein für den Mut zu diesem Werk gebührt ihm mein Respekt, denn ich finde, dass gerade das Thema Knast in unserer Gesellschaft noch sehr tabuisiert wird.

 

Im Folgenden berichtet der Autor über die lange Zeit in Untersuchungshaft. Seine Erlebnisse, seine Gefühle, aber auch seine Erkenntnisse spielen eine große Rolle.

Bereits sehr schnell wird ihm klar, dass er nun zuerst zu sich selbst finden muss, um diese Zeit zu überstehen.

 

„…hatte ich doch in meinen Augen überhaupt keine Fehler gemacht. Schließlich hielt ich mich für perfekt. Schuld waren immer die anderen.“ (S. 21f.)

 

Ebenfalls steht er offen zu seiner Persönlichkeit „vor dem Knast“.

Er selbst bezeichnet sich als arrogant. Aufgrund seiner Beschreibungen kann man dem als Leser sehr gut zustimmen. Interessanter ist es jedoch, als der Autor diesen Punkt an vielen Stellen im Buch selbst bemerkt. Wieso verurteilt man arrogante Menschen vorschnell? Constantin Himmelried findet im Knast eine Erklärung.

Diese Personen stellen einen vorgehaltenen Spiegel dar.

 

„Sei ehrlich zu dir selbst und beurteile dich, wie du andere beurteilst.“ (S. 69)

 

Im weiteren Verlauf zeigt der Autor auch Schwäche. Ein Fakt, der bereits in seinen einführenden Worten besprochen wird, ist der Punkt, dass nicht nur er verhaftet wurde, sonder mit ihm auch sein Vater. Dieser Umstand hat Himmelried schwer zu schaffen gemacht. Die Tätertrennung macht es ihm nicht möglich Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen. Und doch gibt es besondere Momente. Momente, in denen der Autor pures Glück empfindet und vor Glück weinen kann.

Auch Wörter wie WERTSCHÄTZUNG UND DANKBARKEIT haben durch die Knasterfahrung einen ganz anderen Stellenwert für den Autor.

Diese beiden Themen und noch ein weiteres, auf das ich gleich noch eingehen werde, haben mich selbst stark zum Nachdenken gebracht.

 

„Es brauchte den Knast, um zu erkennen, dass ich bei ganz vielem ganz falsch lag.“ (S. 77)

 

Für viele Menschen mag es schwer sein, dies zu ertragen, Himmelried bezeichnet im Verlauf des Buches seine „Allein-Zeit“ als Freude. Menschen, denen jegliche Freiheit genommen wurde, bleibt nichts anderes übrig, als sich mit dieser Gegebenheit positiv zu stellen.

 

Der Autor beschreibt in seinem Roman aber nicht nur die Zeit im Knast, sondern auch die Zeit danach. Und gerade diese ist für viele Ex-Inhaftierte eine sehr schwierige Zeit. Auch Constantin Himmelried hat mit der Zeit nach dem Knast zu kämpfen. Und hier spricht er das dritte Thema an, welches mich und viele andere Leser und Menschen zum Nachdenken anregen sollte.

Nach 4 Jahren Knast stellt er fest, dass der Gipfel der Oberflächlichkeit durch Social-Media-Kanäle und andere Plattformen erreicht ist.

Man benutzt Whats-App, anstatt zu telefonieren.

Man ist darauf aus, persönliche Dinge preiszugeben, die man als Kind in ein Tagebuch geschrieben hat, mit dem Hintergedanken, dass diese Einträge niemals jemand zu Gesicht bekommt.

Erschreckende Einsichten, aber wahre Worte.

Allerdings wird dieser Umstand nur Menschen auffallen, die eine Zeit lang ohne diese Technologisierung gelebt haben.

 

„Auf keinen Fall wollte ich meine wertvollen Erkenntnisse, die der Knast mir geschenkt hatte, über Bord werfen, indem ich einfach so in das Leben „draußen“ hineinglitt.“ (S. 154)

 

Im zweiten Teil des Buches geht der Autor zum einen auf typische Vorurteile ein, die man über das Thema Gefängnis im Hinterkopf hat. Hier war ich sehr gespannt, weil uns Menschen vor allem durch Filme oder Dokumentationen über den amerikanischen Knastalltag falsche Bilder eingeimpft werden. Aber er richtet seine Worte auch an Angehörige von Inhaftierten und Opfern, an von Inhaftierung bedrohten und allgemein an unsere Gesellschaft.

 

Das letzte Drittel gibt dem Leser Aufschluss über Knastbegrifflichkeiten.

Constantin Himmelried benutzt in seinem Buch typische Redewendungen, welche im Gefängnis Einzug nehmen. Mich hat dies beim Lesen nicht gestört und ich habe am Ende gerne die eine oder andere Erklärung durchgelesen.

 

Mein Fazit

Solche Bücher sind für uns Rezensenten immer wieder schwer zu rezensieren.

Gerade gemachte Erlebnisse und die daraus mitgenommenen und niedergeschriebenen Erkenntnisse eines Menschen kann man nicht in gut oder schlecht einteilen. Für meine Person muss ein solches Buch leserlich sein und packen können. Dieses kann der Autor zum einen mit einer interessanten Thematik, aber ich mag auch den Aufbau des Buches und den Schreibstil. Ich möchte ihn zum Teil als einfach und sachlich bezeichnen, aber gerade zum Ende jedes Kapitels schwingen Emotionen in seinen Sätzen mit. Vor allem diese letzten Sätze eines Abschnitts haben mich meist zum Nachdenken anregen können und wurden von mir markiert.

Auch mit seinem zweiten Buch kann mich Constantin Himmelried begeistern.

Vielen Dank für diesen Einblick in Ihre ganz persönliche Geschichte.

Ich freue mich auf Weiteres!

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review 2018-01-02 19:30
Traumhaft schöne Weihnachtsgeschichte
Für immer Weihnachten: Roman - Linda Winterberg

Inhaltsangabe

Weihnachten heilt alle Herzen 
Frankfurt, 1951: Eva hat ihren Mann im Krieg verloren, ihre kleine Tochter Lotte wurde schwer verletzt. Nun hofft Eva auf einen Neuanfang mit Paul, aber auch ihn lassen die Erlebnisse des Krieges nicht los, und er verschweigt ihr den Grund für seine Weigerung, Weihnachten zu feiern. Dann begegnet Lotte einem Zwergesel, der ihr Leben vollends auf den Kopf stellt. Einen Tag vor Heiligabend steht Eva mit ihrem Kind auf der Straße, und es ist ausgerechnet der kleine Esel, der den beiden zu einem echten Weihnachtswunder verhilft. Doch wird es ihnen auch gelingen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen – und mit Paul eine Familie zu werden? 

 

Meine Meinung 

Zu allererst möchte ich hier die optische Aufmachung des Büches loben.

Der Verlag hat bereits mehrere Bücher in so einer tollen Winteroptik herausgebracht, wobei „Für immer Weihnachten“ mein erstes Schmuckstück ist.

Des Weiteren mag ich den Einband des Buches sehr gern. Es ist mal was anderes und somit etwas Besonderes.

 

Von Anfang an war mir klar, dass ich bei diesem Buch auf Emotionen treffen werde.

Die Nachkriegszeit passt zu diesem Thema einfach unheimlich gut.

Viele Menschen haben Verluste zu verkraften, andere Menschen hoffen noch, dass ein geliebter Mensch zurückkehrt. So auch Eva, welche am Bahnhof auf ihren Johannes wartet. Nach einer gewissen Zeit, ist der Zug mit den Rückkehrern abgefahren und Eva wartet immer noch.

Ihr wird klar, dass Johannes nicht zurückkehren wird.

Und ihre Tochter Lotte wird niemals ihren Vater kennenlernen.

 

Es ist Weihnachten, 1951. Eva versucht den Verlust ihres Mannes zu verkraften und hat Halt in den Armen von Paul gefunden. Dieser kümmert sich sehr gut um Eva und die kleine Lotte, bis er etwas Gebasteltes von Lotte in die Ecke wirft.

Lauthals verkündet er, dass dieses Jahr kein Weihnachten gefeiert wird.

Für Lotte bricht eine Welt zusammen.

Und Eva kann Pauls Anweisung nicht akzeptieren und flüchtet mit Lotte und ihrem letzten Geld auf den Weihnachtsmarkt. Um jeden Preis will Eva ihrer Tochter nach dem Verlust des Vaters von einem Jahr ein schönes Weihnachtsfest bescheren.

 

Auf dem Weihnachtsmarkt treffen die beiden auf einen Leierkastenspieler, der mit einem kleinen Esel namens Hermann unterwegs ist. Lotte fühlt sich bei Hermann gleich wohl. Nachdem die Kinder in der Schule sie nur hänseln, seit sie nach einem Unfall humpelt, sucht Hermann ihre Nähe und verspottet sie nicht.

 

Als Leserin konnte ich auf den 192 Seiten sehr schnell in die Geschichte, die Zeit und die Umgebung abtauchen. Vor allem die kleine Lotte war mir sehr nah.

Und spätestens als der Esel Hermann in die Geschichte integriert wird, kann man dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Hermann stellt sich als Lotte’s Weihnachtswunder heraus. Warum und wieso?

Diese Fragen möchte ich keinem Leser vorwegnehmen.

Werdet eins mit Lotte und Hermann und taucht ab in diese wunderschön geschriebene Weihnachtsgeschichte, welche Linda Winterberg uns hier erzählt.

 

Mein Fazit

Ein Buch, welches wohl jedes Leserherz berühren wird.

Für mich eine Geschichte, die mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird und mir wahrscheinlich noch das ein oder andere Weihnachtsfest versüßen wird.

Eine ganz klare Leseempfehlung, sowohl für jung, als auch für alt.

 

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