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review 2018-08-17 03:36
Abstieg in den Keller eines verwirrten Geistes
Bis ans Ende, Marie - Barbara Rieger

Puh, der Plot dieses Romans hat was von einem Roofies-Trip: wirr, nur Fetzen von Erinnerungen und Eindrücken, die sich allmählich sehr mühsam zu einem Ablauf des Geschehens zusammensetzen. Das ist auch durchaus beabsichtigt und soll den völligen Kontrollverlust der Protagonistin dokumentieren. Dieser Trip ist dramaturgisch etwas à la Hangover gestaltet, aber nicht lustig augenzwinkernd wie der Hollywoodfilm, sondern live von einer total widerlichen abgeranzten Psychopathenfront.

 

Die Protagonistin ohne Namen, eine Psychologiestudentin, ist völlig auf die lebenslustige Marie und ihren unerreichbaren Schwarm, den Studienkollegen Dominik fixiert und irrt orientierungslos mit ihren Freunden meist besoffen durch Wien, inklusive zweier Kurztrips – einer Landpartie ins Salzkammergut und zu einem Festival nach Venedig. Der Gegenstand der Obsession der Studentin, die Freundin und Kellnerin Marie, ist eigentlich gar kein Katalysator der Handlungen, sie bewirkt so gut wie gar nichts, sondern lebt nur ihr Leben und versucht, der Hauptfigur vor allem eine gute Freundin zu sein und ihr ein bisschen Lebenslust beizubringen. Das ist aber sehr schwer, denn die Protagonistin hat von Anfang an einen extrem tiefen Sprung in der Schüssel, der sehr weit von einer jugendlichen Verwirrtheit entfernt ist. Ganz subtil wird auch auf den sehr lockeren Umgang des Vaters mit rezeptpflichtigen Psychopharmaka hingewiesen, ob sich dieser aber irgendwann als Langzeitschaden in der Jugend oder in der gegenwärtigen Geschichte auf die Psychologiestudentin ausgewirkt hat, bleibt auch ungelöst, würde aber vieles erklären.

ALS ICH WIEDER zu Bewusstsein komme, steckt etwas in meiner Vagina. Ich ziehe es aus mir heraus, beginne die Fäden der Erinnerung zu entwirren, ich suche die Spinne in meinem Netz (1. Satz und Einstieg in diesen Roman)

Eines muss ich der Autorin ja lassen: Chapeau! Sie hat diesen wirren Stil sehr konsequent und konsistent durchgezogen. Leider ist die Protagonistin derart kaputt im Oberstübchen, dass das für einen normalen Menschen (Ok, das ist jetzt sehr überheblich, denn was ist schon normal) extrem verwirrend und undurchschaubar ist. Somit war – zumindest für mich als Leserin – die Rezeption der Handlung, des genauen Ablaufs der Ereignisse und die Motivationslage der Psychologiestudentin kaum verständlich, zumal sich der dekonstruierte, wirre Stil vom Beginn bedauerlicherweise zum Ende des Romans auch nicht zu entflechten und mäßigen vermochte. Bis zum Schluss war mir nicht klar, was wirklich passiert ist, und was mir die Autorin mit diesem Buch abgesehen von dieser Verwirrtheit sonst noch als Inhalt mitgeben wollte. So klappte ich letztendlich auf Seite 203 sehr fassungslos und mit einem fragenden Gesichtsausdruck die Buchdeckel zusammen und fragte mich, was zur Hölle ich da überhaupt gelesen habe. Und ehrlich gesagt, es war zwar wirklich, wie auf dem Buchrücken versprochen, eine emotionale Achterbahnfahrt (insofern ist der Verlag Kremayr & Scheriau immer punktgenau ehrlich bei der Bewerbung und Beschreibung seiner herausgegebenen Werke), aber ich wusste weder wohin ich gefahren bin mit dieser Achterbahn, wer mit mir im Wagen saß, noch was wirklich während der Fahrt passiert ist.

 

Fazit: Die komplette Dekonstruktion von Hirn, Wahrnehmung und Geist. Kann man mögen, war aber für mich doch nicht nur um eine Nuance, sondern viel zu abgedreht. Schräg, innovativ und unorthodox ist er auf jeden Fall, dieser Erstlingsroman der Autorin.

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review 2018-08-01 09:29
Zeit, erwachsen zu werden
The Kingdom of Gods - N.K. Jemisin

Eines der ersten Bilder, das N.K. Jemisin veranlasste, die „Inheritance Trilogy“ zu schreiben, war das eines Kindes, das mit Planeten spielt. Angesichts dieser frühen Inspiration ist es wohl nicht verwunderlich, dass sich Sieh zu einem ihrer Lieblingscharaktere entwickelte. In einem Interview erklärte sie, sie liebe es, dass er tausende von Jahren alt und trotzdem entschlossen sei, das Leben aus der Perspektive eines Kindes anzugehen. Mit „The Kingdom of Gods“ schenkte sie Sieh ein ganzes Buch. Sie beschreibt das Finale der Trilogie als einen „verdrehten Bildungsroman“, der das Heranwachsen eines uralten Jungen thematisiert, der stirbt, wenn er erwachsen wird. Klingt verrückt und paradox? Dank Sieh in der Hauptrolle keine Überraschung. 

 

Seit Itempas‘ Ketten gesprengt wurden, ist Sieh langweilig. Ihn erfüllt eine Ziellosigkeit, die ihn verunsichert. Wieder und wieder kehrt er zurück in die Himmelsfestung Sky. Er ertappt sich dabei, die Arameri zu beobachten. Er empfindet eine unerklärliche Faszination für die königliche Familie, die ihn jahrhundertelang quälte und misshandelte. Seine Aufmerksamkeit gebührt den Kindern, jenen unvollendeten Seelen, die der seinen so ähnlich sind. Tief in den Eingeweiden der Festung begegnet er dem 6-jährigen Geschwisterpaar Shahar und Deka. Nach einigen Jahren der Besuche äußern sie den unschuldigen Wunsch, gemeinsam einen Eid auf ihre Freundschaft zu schwören. Ihre verbundenen Hände lösen eine gewaltige Energiewelle aus, die Sieh ins Nichts schleudert. Als er erwacht, sind acht Jahre vergangen. Etwas… hat sich verändert. Seine Magie schwindet. Er altert. Sieh muss herausfinden, was damals geschehen ist und wie er es aufhalten kann. Ihm läuft die Zeit davon. Denn für den Gott der Kindheit bedeutet erwachsen zu werden den Tod.

 

Ich stimme N.K. Jemisin vollkommen zu. Ich liebe Sieh ebenfalls. Wie könnte ich den Gott der Kindheit und des Schabernacks nicht lieben? Er ist Peter Pan. Er ist das Kind, das niemals erwachsen wird. Oder doch? „The Kingdom of Gods“ ist ein fabelhaft facettenreiches Buch, dessen theologische, philosophische Reife überwältigt und das die Botschaft der „Inheritance Trilogy“ mühelos transportiert: es gibt keinen Dualismus. Eine Einteilung in Schwarz und Weiß verkennt die Realität. Niemand könnte diesen Gedanken besser verkörpern als Sieh, weshalb ich Jemisins Entscheidung, ihn in den Mittelpunkt des letzten Bandes zu stellen, Beifall zolle. Durch seine Rolle als Ich-Erzähler untersucht sie neugierig die Grenzen des Konzepts der Kindheit und konfrontiert ihn unnachgiebig mit seiner größten Angst – der Angst, erwachsen zu werden, die in seinem Fall mit der Angst vor dem Tod, der Sterblichkeit gleichzusetzen ist. Sieh ist eine haarsträubend paradoxe Hauptfigur; er vereint zahllose widersprüchliche Eigenschaften, sodass seine Existenz einem Drahtseilakt gleicht. Er perfektionierte seine Identität als Schutzpatron der Kinder, aus der er Macht bezieht. Sieh tritt als Kind auf, ist aber definitiv kein Kind. Ihn zu unterschätzen, wäre ein Fehler. Die Spannung zwischen der Rolle, die er verkörpert und seiner wahren Persönlichkeit stellt einen wichtigen Aspekt der Geschichte dar. Es gelang ihm, sich selbst zu täuschen. Er wollte nicht einsehen, dass er längst erwachsen ist. Er konnte nicht so lange leben, Krieg, Verlust und Schmerz erfahren und die Unschuld eines Kindes bewahren. In seinem Bestreben, seine Lebenslüge aufrechtzuerhalten, distanzierte er sich vom Leben selbst und verlor den Kontakt zu seinem Ich. Diese Entwicklung erinnert an eine andere Figur in Jemisins Universum: Itempas. Die Parallelen zwischen Sieh und seinem Vater sind sicherlich kein Zufall, da sie ihre schwierige Beziehung untermalen. Das Finale betont noch einmal, dass sich Götter und Sterbliche viel ähnlicher sind, als es den Anschein hat. Göttliche lieben, hassen, trauern und leiden ebenso wie Menschen, ihre Beziehungen untereinander sind in ihrer Komplexität durch und durch menschlich, was die Frage aufwirft, wer eigentlich nach wessen Abbild geschaffen wurde. „The Kingdom of Gods“ zwingt Sieh in die menschliche Perspektive von Sterblichkeit, wodurch er erneut Kontakt mit dem Leben aufnimmt und sich endlich seinen Erinnerungen und Gefühlen stellt. Daher ist dieser finale Band meiner Meinung nach der emotionalste der Trilogie. Jemisin schildert Siehs Aufarbeitungsprozess einfühlsam, ohne sentimental zu werden, was nicht zu ihrem Protagonisten gepasst hätte. „The Kingdom of Gods“ überzeugt jedoch nicht nur auf der emotionalen Ebene, sondern auch inhaltlich. Die Leser_innen verlassen dieses hinreißende Universum, das stets nach Balance strebt, an der Schwelle bedeutender Veränderungen, die im ersten Band nicht möglich schienen. Alles fließt. Das Leben ist zyklisch: es wiederholt dieselben Muster ohne Unterlass. Dieses Finale ist nicht nur ein Ende, es ist auch ein Anfang.

 

Ich halte „The Kingdom of Gods“ für den besten Band der „Inheritance Trilogy“. Die Thematik harmoniert und schwingt mit einer Saite meiner Persönlichkeit. Das Finale ist ein wundervolles Buch und der perfekte Abschluss einer Trilogie, die mehr als ein schnöder Dreiteiler ist. N.K. Jemisin holte das Maximum aus der Struktur heraus und kreierte eine echte Dreieinigkeit, deren feminine, nachdenkliche Ausstrahlung und poetische, ästhetische Ausgestaltung bezauberte. Die „Inheritance Trilogy“ ist weniger Hammer auf Amboss, als ich es aus der High Fantasy gewohnt bin und enthält keinerlei Schlachten, aber ich habe während der Lektüre nichts vermisst. Ich empfehle euch die drei Bände ohne Vorbehalte. Besucht Jemisins Universum und lernt sie kennen: die wiedergeborene Göttin, deren Schöpfungskraft einen gigantischen Baum aus einer Festung im Himmel wachsen lässt; die blinde Künstlerin, in deren Geist Magie verschlungene Muster bildet und das uralte Kind, das mit Planeten spielt, um nicht erwachsen zu werden.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/08/01/n-k-jemisin-the-kingdom-of-gods
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review 2018-04-01 14:45
Stirb, Mutter!
Am Ende bist du still: Kriminalroman - Herbert Dutzler

Dieser Roman gibt eine gute und glaubwürdige Sicht auf die allmähliche Entwicklung einer Mörderin, beginnend mit einer übergriffigen lieblosen Mutter, die permanent psychischen Missbrauch verübt und einem duldenden Vater, der als Co-Täter nie eingreift – Schritt für Schritt – bis zur Verübung der ultimativen Tat – dem Elternmord.

Laut den Untersuchungen des Profilers und Psychologen Thomas Müller, der viele Mörder, vor allem Massenmörder analysiert, verglichen und darüber auch zwei Bücher publiziert hat, unterscheidet sich das Täterprofil eines weiblichen Mehrfachmörders enorm vom männlichen Täterbild, denn Frauen morden sehr häufig zur Abgrenzung und nicht aus Lust. Dabei spielen andere Motive wie Geldgier Rache etc. zwar eine wesentliche, aber nur untergeordnete Rolle.

Auch in dieser Geschichte wird genau das offenbar. Sabine kann sogar als Erwachsene ihrer Mutter nicht die Grenzen aufzeigen, obwohl sie diese mehrfach kommuniziert, ignoriert sie die Mutter immer wieder und setzt den psychischen Missbrauch der Kindheit mit noch viel subtileren Mitteln im Erwachsenenalter fort. Ganz gut konnte ich als Leserin nachvollziehen, wie sich allmählich diese Ohnmacht und Wut aufbaute, die zur Entladung und zur ultimativen Tat führte. Als Leserin litt ich richtig mit Sabine, der Mörderin, und ehrlich gesagt konnte ich dem widerlichen psychopatischen „Opfer“, der Mutter, die ja eigentlich auch eine missbrauchende Täterin ist, wirklich recht wenig Mitleid entgegenbringen.

Bis zum letzten Drittel des Romans habe ich mich dann gewundert und auch ein bisschen geärgert, warum der Verlag in seinem von mir vermuteten Drang nach reißerischem Marketing unbedingt Kriminalroman vorne draufschreiben muss, wenn das ganze eigentlich ein Psychogramm einer Mörderin fast aus Innensicht ist. Denn ein Krimi mit eindeutigen Krimi-Merkmalen war die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Täterin, Tat und Opfer sind sonnenklar, die Motive liegen auch auf der Hand und bauen sich allmählich auf. Nur weil es Ermordete gibt, muss man ja nicht alles Krimi nennen. Aber dann musste ich im letzten Drittel meine Meinung doch noch revidieren und dem Verlag Recht geben. Völlig überraschend drehte sich der Plot nochmals und weitere mögliche Täter und neue Straftaten traten auf. Dieser Knalleffekt hat mir sehr gut gefallen, denn ich liebe es, unvorhergesehene Wendungen zu erleben und im Dunkeln zu tappen.

Leider bin ich mit dem Ende des Romans und der psychologischen Motivlage gar nicht einverstanden. Bedauerlicherweise kann ich Euch nicht erklären, was mich gar so gestört hat, ohne den Inhalt zu verraten. Deshalb setze ich auch genau an diesem Punkt der Rezension eine eindeutige Spoilerwarnung. Wer sich überraschen lassen möchte, der breche genau hier mit dem Lesen ab, alle anderen fahren auf eigene Gefahr fort: 

 

Sabine, die Täterin, ist eigentlich schon aus dem Schneider, hat sogar zur Verdeckung des Mordes an ihrer Mutter relativ abgebrüht noch einige weitere Kapitalverbrechen begangen, die man ihr aber nicht nachweisen kann. Im Gegenteil, für einige gibt es sogar andere dringende Verdächtige. In dem Moment, als sie ohne Not glücklich davongekommen ist, bricht sie zusammen und gesteht der Kommissarin den Elternmord? Also das ist für mich völlig an den Haaren herbeigezogen und psychologisch auch sehr unverständlich. Da würde ich gerne den Profi Herrn Müller fragen, ob so etwas überhaupt vorstellbar ist.

(spoiler show)



Fazit: Ein spannender ungewöhnlicher psychologischer Roman, der sich tatsächlich zu einem Krimi entwickelt, der aber ein für mich sehr unplausibles Ende aufweist.

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review 2018-03-05 22:52
Have you ever wished for a luckdragon?
The Neverending Story - Roswitha Quadflieg,Michael Ende,Ralph Manheim

There are some books that I can re-read over and over again. The Neverending Story by Michael Ende is one of them. Some of you (or most of you who knows) are aware that the 1980's film of the same name was based off of a book. I can say with absolute confidence and conviction that the book is superior in every way. The story is centered around a little boy named Bastian Balthazar Bux (one of the most fantastic names in literature) who is not your typical hero. He's chubby and spends the majority of his time buried in books. He has a strained relationship with his father and he is bullied at school. This character is real. He is tangible. I empathized with this character on a lot of levels. He comes upon a book (I'm definitely leaving a lot out here on purpose) titled The Neverending Story and from this moment on he is changed forever. This isn't a regular book. It's alive. The reader (us) is taken on a journey with the reader (Bastian). We are introduced to the land of Fantastica with characters that range from the Childlike Empress who is the ruler of the land to Atreyu who is on an epic quest. This might be one of the first books that caused me to weep with grief...or maybe it's just the first one that I remember. Whatever the case, I still cry every single time I read this book and I try to read it once a year. It's an adventure story that is layered with magic, friendship, and self-discovery. There's a reason why it's one of my favorite books of all time.

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review 2017-10-25 09:43
Prinzessin Davy sucht heißen Bodyguard mit Zusatzleistungen
Unleashed - Sophie Jordan

„Uninvited“ von Sophie Jordan brauchte ziemlich lange, um den deutschen Markt zu erreichen. Ich habe das Buch im Juli 2015 gelesen; die deutsche Version wurde erst im Februar 2016 unter dem Titel „Infernale“ bei Loewe veröffentlicht. Auf seiner Website bietet der Verlag einen Test an, durch den Leser_innen herausfinden können, welcher Figur der Geschichte sie ähnlich sind. Ich habe den Test aus Jux und Tollerei durchgeführt: angeblich bin ich wie die Protagonistin Davy. Na danke. In meiner Rezension zu „Uninvited“ beschrieb ich Davy als hilflose Mary Sue. Ich konnte nur hoffen, dass sie in der Fortsetzung „Unleashed“ etwas mehr Feuer erhält.

 

An der Grenze zu Mexiko warten Davy, Sean, Gil und Sabine auf ihre Gelegenheit. Als Träger_innen des HTS, des Homicidal Tendency Syndrome, sind sie in den USA Freiwild, erst recht, seit sie aus Mount Haven flohen. Nun müssen sie sich auf die Hilfe des Widerstands verlassen, um als Flüchtlinge ein neues Leben zu beginnen. Doch verdient Davy überhaupt eine zweite Chance? Das Gesicht des Mannes, den sie auf Befehl im Camp erschoss, verfolgt sie. Ihre Schuld frisst sie auf und entfernt sie weiter und weiter von ihren Freunden. Trotzdem geht sie mit ihnen, als der Zeitpunkt ihrer Grenzüberquerung gekommen ist. Der Plan scheitert. Davy wird von den anderen getrennt und angeschossen, entkommt nur knapp und ist schwer verletzt auf sich allein gestellt. Zu ihrem Glück findet sie der charismatische Caden, Leiter eines unterirdischen Stützpunktes des Widerstands. Er bringt sie in Sicherheit und stellt ihre Gefühle, ihr Selbstverständnis und ihre Loyalität auf eine harte Probe. Hat sie als Trägerin ein Recht auf eine glückliche Zukunft oder sollte sie als die Mörderin behandelt werden, die sie ist?

 

Ich hatte von Anfang an niedrige Erwartungen an „Unleashed“. Ich ging nicht davon aus, dass sich die Kritikpunkte des ersten Bandes in der Fortsetzung auflösen würden. Sophie Jordan brachte trotz dessen das Kunststück fertig, meine bescheidene Erwartungshaltung noch zu untertreffen. Dieses Buch ist weit schlechter, als ich angenommen hatte. Es ist banal und beschränkt. Meiner Meinung nach hätte sie sich den zweiten Band definitiv sparen können, weil er den Leser_innen überhaupt kein neues Wissen verschafft und sich die Geschichte permanent im Kreis dreht. Es gibt darin keine Fortschritte, sondern nur ermüdende, enervierende Wiederholungen. Der theoretische Kern der Handlung, das HTS, wird vollständig von den Liebeseskapaden der Protagonistin Davy verdrängt und dient maximal als Rahmen. Es geht kaum noch um die Diskriminierung von Träger_innen in den USA, sondern nur um Davys persönliches Schicksal. Ich durfte eine zimperliche, naive Heulsuse begleiten, die ununterbrochen im Selbstmitleid badet. In Ich-Perspektive. Großartig. Hätte ich mich noch ein bisschen mehr über sie aufgeregt, hätte ich vermutlich ins Buch gegriffen, um ihr alle Zähne auszuschlagen. Ich hasse ihre psychische, mentale Schwäche und Hilflosigkeit. Ich verabscheue ihren grenzenlosen Egoismus, der sie ihre Freunde vergessen, Caden ausnutzen und sich selbst als Mittelpunkt des Universums verstehen lässt. Sie hat ihre Vorurteile über HTS-Träger_innen noch immer nicht überwunden und Sophie Jordan bemüht sich weiterhin nach Kräften, ihr verzerrtes Weltbild zu bestätigen. In einer Szene wird Davy beinahe von einem Träger vergewaltigt – ein überflüssiger und abstoßender Moment, der lediglich verdeutlichen soll, wie furchtbar die Welt ist, in der Davy lebt. Selbst im Lager des Widerstands, über dessen Organisation Jordan so gut wie nichts offenbart, nimmt Davy eine Sonderposition ein, weil sie dort als Bedrohung aufgefasst wird. Bullshit. Sie bleibt in „Unleashed“ eine hilflose Mary Sue, ein Mädchen, das sich, obwohl sie sich für ach so gefährlich hält, dem ersten hübschen Kerl an den Hals wirft, der ihr begegnet, weil sie in Wahrheit nicht in der Lage ist, irgendetwas allein zu regeln. Sie hat keinerlei Gewissensbisse, mit Caden anzubandeln, obwohl sie meinem Verständnis nach mit Sean zusammen ist. Sie haben zwar nie Schluss gemacht, aber für sie ist die Beziehung beendet. Seans Gefühle spielen keine Rolle. Davy ist weder stark, noch mutig oder ein besonders wertvoller Mensch, sie ist eine egozentrische Dramaqueen, die sich ständig selbst belügt und nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, wie ihr Verhalten ihre Mitmenschen beeinflusst. Ich fand es ätzend, wie hemmungslos Sophie Jordan unglaubwürdige Klischees bedient, die die emotionalen Knöpfe der Leser_innen drücken sollen und darüber die grundlegende Handlung ihrer Geschichte sträflich vernachlässigt. Jegliche Chancen, inhaltliche Wendungen für ein Mindestmaß an Bedeutsamkeit zu verwenden, blieben ungenutzt. Das Ende von „Unleashed“ war eine Zumutung, irrationales, unrealistisches Gefasel, das ich ihr nicht einmal unter Einfluss schwerer Sedativa abgekauft hätte. Es war eine Beleidigung meiner Intelligenz.

 

Ich bin so wütend auf Sophie Jordan, dass mir beinahe Rauch aus den Ohren quillt. Ich habe ja keine großen Sprünge von „Unleashed“ erwartet, aber das… Das ist einfach unverfroren. Dreist. Billig. Kitsch und Drama werden es schon richten, wen interessieren da inhaltliche Substanz und Plausibilität? Mich interessiert es, verflixt und zugenäht noch mal! Wie konnte die Autorin wagen, solchen Schund zu veröffentlichen? Was fällt ihr ein? Ich habe das Buch überhaupt nur deshalb gelesen, weil ich hoffte, dass sie sich intensiver mit dem HTS auseinandersetzen würde! Ich wollte keine Neuauflage von „Prinzessin Davy sucht heißen Bodyguard mit Zusatzleistungen“! Mir hat diese Fortsetzung nicht das Geringste gebracht. Die Dystopie ist nicht mehr als ein leeres Versprechen, die Figuren sind in Klischees gefangene, unechte, starre Schaufensterpuppen und die Geschichte… Ja, welche Geschichte eigentlich? Die Lektüre war Zeitverschwendung. Schämen Sie sich, Sophie Jordan, schämen Sie sich.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/10/25/sophie-jordan-unleashed
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