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review 2018-07-11 10:36
Mediokre Altherrenfantasie mit viel Geschwafel, platten Figuren aber grandiosem Plot
Der menschliche Makel - Philip Roth,Dirk van Gunsteren

Wenn ich mich bei meinen Buch-Freunden umsehe, dann fällt auf, dass dieses Werk extrem stark polarisiert. Die einen lieben es, die anderen finden kein gutes Haar an ihm.  Ich bin diesmal wie so oft in der Mitte und kann sowohl die Begeisterung als auch die Ablehnung verstehen, so wie ich hier auch die Stärken und Schwächen dieses Werkes anmerken kann.

Im Gesamtplot finde ich die Geschichte echt grandios. Ein sehr heller Schwarzer konsturiert seine Lebenslüge als weiße Identität, inklusive sagenhaftem akademischen und gesellschaftlichen Aufstieg, aus der er nicht mehr herauskann. Irgendwie rächt sich diese Bitch von Karma, da er wegen eines Missverständnisses als Rassist gegen Schwarze diffamiert wird. In dieser von Roth konstruierten Konstellation bekommt der Begriff Zwickmühle eine Bedeutung, die der griechischen Tragödie gleichkommt. In einer Doppelmühle kann der falsche Protagonist SilkySilk wählen zwischen: Weißer Rassist, der akademisch in den neuen politisch korrekten Zeiten einfach erledigt ist oder Neger, der sich durch Schwindel einen ihm nicht angemessenen akademischen Posten erschlichen hat bzw. nur ein verdammter dreckiger Lügner, der auch seine Familie an der Nase herumgeführt hat. Vor allem der Verrat an der Familie und seinen Kindern wiegt so schwer, dass er nicht mehr zurück kann und den weißen Rassisten stehenlassen muss, unpackbar wenn rauskäme, dass er seine Familie lebenslang angelogen hat und die Beziehungen seiner Kinder der Katastrophe ausgesetzt hätte, dass in Filialgeneration 3 ein reinrassiger Neger rausschlüpft. Er hat die Wahl zwischen Pest und Cholera

Auch die Sprachfabulier und Erzählkunst ist streckenweise ausgezeichnet, bis sie in die furchtbar typische amerikanische eitle Schwadronierkunst ausufert, die fast jedem US-Autor im Verlauf seines Romans ein bisschen entgleist. Eine epische Landstraße wäre oft angemessener als ein breiter 10spuriger highway. Vor allem die Kapitel 3-4 strotzen nur so vor epischem sinnlosen Füllmaterial. Das beginnt mit den beschissenen Krähenszenen über das elaborierte oft sehr substanzlose philosophische Geschwafel des amerikanischen Pildungspürgers über Rousseau, Heidegger und andere Philosophen, deren Theorien aber nicht konsistent wirklich in den Plot eingebaut werden, sondern nur zitiert werden, damit man damit prahlen kann, was man alles gelesen hat und wie man seichte Querverweise mit der Mistgabel in den Roman hineinschaufelt. WTF das hier ist Literatur und keine wissenschaftliche Arbeit, in der jener gewinnt, der von den meisten Quellen "abgeschrieben" (natürlich zitiert - das ist ein Wissenschaftswitz) hat.
Es endet übrigens in einem verdammten elitären Kulturpessimismus (Szene Ernestine und Zuckerman), ala früher waren alle klüger, den ich einfach nicht mehr ertragen kann, weil er auch heutzutage von Literaturprofessoren, die offensichtlich noch nie was von lebenslangem Lernen gehört haben und sich gegen jede Literatur- und Medientransformation mit überheblichem eltärem Geschwafel sperren, noch immer angewandt wird.

Die Analogien zur griechischen Tragödie und mehrfache Zitierung derselben halte ich jedoch in zweierlei Hinsicht für wundervoll. Erstens ist der Protagonist Professor für klassische Literatur, die vor allem das griechische Drama umfasst. Zweitens ist das gesamte Werk als ziemlich geniale griechische Tragödie aufgebaut. Am Ende kommen die größten Schurken gottgleich auch noch davon und profitieren sogar vom Unglück des Protagonisten.

Inhaltlich spielt der Roman dann auch noch ein bisschen Gesellschaftskritik an der amerikanischen Scheinheiligkeit der akademischen Schichten. Selbst dort bei den ach so humanitären Wesen wird die political correctness als sehr effektive Waffe gleich einer Atombombe in den Ränkespielen und Intrigen der universitären Welt eingesetzt. Jaja das kenne ich sehr gut. Nirgends fliegen die intriganten Hackln so tief und effizient wie auf den Fluren der Universitätsinstitute.

Was für mich inhaltlich extrem störend ist, sind die geilen unrealistischen Altherrenphantasien, die von ärgerlich über peinlich, grotesk bis total armselig reichen. Ist schon arg traurig, wenn sich fast ein Drittel des Romans über die schwindende Manneskraft, Sex, der Segen von Viagra und die Erhöhung des alten klugen Mannes über die jungen Frauen definiert.

 

Das Bildnis der Frauen in diesem Roman  also die Figuren sind auch voll von Stereotypen und Klischees, die platter und peinlicher gar nicht gehen. Die ungebildete, Katastrophen wie ein Magnet anziehende Hure mit dem goldenen Herzen und die gebildete, etwas einsam verklemmte pöhse Intrigantin. Coleman Silks Frau Iris wird dann sowieso nur mehr ganz flach auf ihre Haare und auf ihren politischen Kampfgeist reduziert. Für einen dritten Frauentypus etwas differenzierter gestaltet hat offensichtlich die Fantasie des Autors nicht mehr gereicht. Ach ja und dann auch noch die brave duldende kulturpessimistische Lehrerin in einer kleinen Nebenrolle.

Etwas ungewöhnlich sind auch die völlig randomisierten Wechsel der Erzählperspektiven. Ich habe lange überlegt, ob sie mich nerven, bin aber draufgekommen, dass sie mich herausfordern, aber irritieren.

Fazit: Die Story ist prinzipiell grandios, hätte man ordentlich lektoriert und das ganze Füllmaterial herausgestrichen, wäre schon mal ein guter Roman herausgekommen. Die Figuren sind klischeehaft und das intellektuelle Geschwafel ist einerseits himmlisch, dort wo es dazupasst und dort wo es als eitles Geschwätz eingesetzt wird, das mit der Handlung nichts zu tun hat, ist es nur unerträglich. So kommt bei Abwägung aller Faktoren für mich in Summe zwar kein schlechtes, aber ein recht mediokres Werk heraus.

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review 2018-07-02 11:02
Zusammenbruch, Umsturz, Hunger, Mord und Totschlag
Schönbrunner Finale: Historischer Kriminalroman (Historische Romane im GMEINER-Verlag) - Gerhard Loibelsberger

Dieser historische k.u.k. Krimi spielt schon wie alle anderen Romane dieser Reihe (Band 1 habe ich erst vor zwei Wochen hier in Booklikes bespochen) im Wien der Vergangenheit, diesmal aber nicht um die Jahrhundertwende, sondern 1918, im letzten Jahr des ersten Weltkrieges und punktgenau zum Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie. Erneut webt der Autor Loibelsberger gekonnt aus historischen Tatsachen und einer Krimi-Handlung im Nebenstrang ein dichtes, lückenloses Netz aus geschichtlichen Fakten und perfekter Fiktion, in dem die Grenzen verschwimmen.

Die Protagonisten, den Kennern der Reihe bereits geläufig, sind wesentlich gealtert, haben sich aber durch die Kriegsumstände derart verändert, dass es sowohl für die Profis spannend bleibt, als auch ein Neuling sehr gut den quasi runderneuerten Charakteren folgen kann.

Polizeioberinspector (ja er wurde befördert) Joseph Maria Nechyba ist nun mit seiner alten Liebe der Köchin Amalia bereits seit Jahren verheiratet, die aus finanziellen und versorgungstechnischen Gründen noch immer für den Hofrat Schmerda aus dem Innenministerium die Küche führt. Der ehemalige Journalist Goldblatt hat die freie Presse verlassen und verfasst als Leutnant Jubelpropaganda, um das Volk vom drohenden Kriegsverlust abzulenken, obwohl die Spatzen die bevorstehende Kapitulation schon von den Dächern pfeiffen.

Die im ersten Band so fröhliche Stimmung und der sprichwörtliche derbe Wiener Schmäh (böser Humor) sind reinem Zynismus, Frustration, Verzweiflung, Hunger und grotesken Lebensmittelbeschaffungsaktionen gewichen, in denen auch Amtsmissbrauch, Korruption, und kleinere nicht nur disziplinarrechtliche sondern auch strafrechtliche Delikte seitens der offiziellen Beamten des Staates an der Tagesordnung stehen. Im Prinzip ist auch die öffentliche Ordnung in Auflösung begriffen. Diese Stimmung ist zwar für den Leser nicht angenehm zu ertragen, beschreibt aber die historische Situation der Donaumornarchie kurz vor dem Zusammenbruch sehr treffend und punktgenau.

Die Figuren des Romans, die ja gourmethafte – was sage ich gourmandhafte – Züge aufweisen, versuchen im hungernden Wien der letzten Kriegstage verzweifelt und gleichzeitig sehr fintenreich, ein bisschen korrupt und erfolgreich etwas wirklich gutes zum Essen aufzutreiben – und zwar einen Lungenbraten, eine halbe Sau, Speck … . Das geht sogar so weit, dass Hofrat Schmerda in der Wiener Stadtwohnung Hühner züchtet, nur um eine Eierspeise zu bekommen. Das Zimmer des toten Sohnes wird ausgeräumt und mit Erde und Stroh für die Hennen bedeckt. Außerdem träumt er von einer Sau im Zimmer seiner Frau, als er sie wegen des Viehs ausquartieren will, bekommt diese einen Tobsuchtsanfall inklusive anschließendem Nervenzusammenbruch. Wie Ihr seht, dreht sich sehr viel der Geschichte wieder um das Thema Essen, diesmal aber von einer Mangelsituation heraus.

Andere Figuren sind noch viel zynischer gezeichnet. Aus relativ nichtigen Anlässen werden ganz normale Menschen wie Du und ich durch das Kriegsgeschehen und die Versorgungssituation in Wien zu Schwerverbrechern, denen ein Leben auf Grund von Kleinigkeiten wie einem Stück Zwieback, ein bisschen Geld, oder einem Verrat an die Polizei gar nichts mehr wert ist. Diese Gelegenheitstäter haben nicht einmal ein Fünkchen von schlechtem Gewissen, wenn Sie jemanden abmurksen, um einen Vorteil zu erlangen. In der gewalttätigen Grundstimmung der Geschichte passieren viele Tötungsdelikte, Oberinspector Nechyba und seine Beamten haben alle Hände voll zu tun, alle aufzuklären, wobei ihm das erste Verbrechen, der Totschlag am Planetenverkäufer (Wahrsager) Stani Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte beschert.

In die Krimihandlung, die diesmal wieder so nebenher konzipiert ist, aber am Ende eine Überraschung bereithält, sind erneut historische Originaldokumente eingebaut, wie zum Beispiel ein Ultimatum von Präsident Wilson oder die aktuellen Zeitungsmeldungen, die sich auf Grund der Entwicklungen im Herbst 1918 tagtäglich überschlagen. Auch die in die Handlung eingeflochtenen historischen Persönlichkeiten sind Legion – viereinhalb Seiten Personenregister, schlussendlich ist Nechyba sogar als abgestellter Leibwächter des letzten Kaisers von Österreich Karl I. bei dessen Abdankung anwesend. Am Ende des Romans der zynischen Grundstimmung und historischen Tatsachen geschuldet rafft auch noch die spanische Grippe sehr tragisch das halbe Personal der Geschichte hinweg, beginnend mit Egon Schiele und seiner Frau Edith, die den Virus als Freunde in die kleine Gesellschaft der Protagonisten hineintragen.

Fazit: Ein sehr guter historischer Krimi, die Fröhlichkeit und Lebensfreude des ersten Romans geht mir zwar sehr ab, aber 1918 war eben gar nichts fröhlich in Wien. Insofern ein genaues, sehr gut beschriebenes authentisches Sittenbild der letzten Kriegstage in der Hauptstadt der untergehenden Donaumonarchie, das auf Umsturz, Mord und Totschlag natürlich nicht verzichten kann.

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review 2018-06-19 05:31
Eine wohltuend unkitschige Liebesgeschichte
Die Reisen des Mr. Leary: Roman - Anne Tyler

Noch einmal habe ich mich todesmutig auf eine der von mir immer verschmähten und gehassten Liebesgeschichten eingelassen und diesmal bin ich - naja wie soll ich sagen - nicht nur gar nicht abgestoßen, sondern auch eigentlich sehr erfreut.

Als aller erstes beweist Anne Tyler, dass man auch als Autorin Beziehungen und das ewige Thema der Liebe fernab von romantisierendem schmalzigen Kitsch durchaus treffend beschreiben kann. Das ist insofern sehr realistisch und trifft den Alltag von uns allen viel punktgenauer, denn Frauen leben und lieben eben einfach in der Wirklichkeit nicht in einem Bianca-Roman. Diese Hefte aus vergangen Zeiten stehen für mich stellvertretend für unrealistische Märchenprinz-Romantik, bei der sich schon seit Urzeiten bei mir sprichwörtlich die feministischen Zehennägel vor Grausen und Empörung aufdrehen.

Aber worum geht es: Die Ehe von Macon Leary ist infolge des Todes des Sohnes, der bei einem Überfall im Feriencamp erschossen wird, in einer veritablen Krise. Beide Ehepartner trauern unterschiedlich, machen sich in ihrem Schmerz gegenseitig Vorwürfe und ziehen sich in sich selbst zurück. Die Beziehung und das Leben der beiden ist in Sprachlosigkeit und Trauer erstarrt, die Ehefrau Sarah zieht die Notbremse und trennt sich. Mr. Leary ist zudem ein bisschen ein monkhafter Zwängler, der aber von der Autorin nicht effektheischend durchgeknallt, sondern eigentlich sehr liebevoll und recht normal beschrieben wird. Fast bricht es einem das Herz, wie sehr der durch die Ehekrise geänderte neue Alltag ihn immer mehr in seine Zwänge hineinschlittern lässt.

Als sich Mr. Leary den Fuß bricht, weil der ungehorsame verhätschelte Hund des toten Sohnes komplett durchdreht, nimmt sein Leben eine neue Wendung. Er lernt Muriel, die sehr chaotische Hundetrainerin kennen und zieht zu seiner Schwester und den Brüdern, die genauso zwänglerisch wie er und ebenso erstarrt in ihren Ritualen sind.

Die Figuren des Romans sind allesamt extrem liebevoll beschrieben, bis auf Sarah, die irgendwie den ganzen Roman über farblos und nichtssagend bleibt, aber das hat auch seine Gründe in ihrem Charakter und in ihrer Funktion als Anker, Gefängnis, Alltagstrott, letzter Ausweg, weil man sich nicht ändern will und Katalysator. Die Alltagszwänge der Familie Leary gipfeln aber nicht in einer auf erzwungener Komik beruhenden Beschreibung von kuriosen total durchgeknallten Achetypen sondern die Familienmitglieder sind relativ banal und recht alltagstauglich skizziert.  Beispielsweise ordnet Rose, die Schwester von Macon die Lebensmittel in den Küchenschränken alphabetisch und ist auch sonst ein unglaubliches Organisationstalent, wenngleich sie überhaupt keinen Orientierungssinn hat. Macon hat seine Zwänge vor dem Trauma mit seinem Sohn vor allem beruflich sehr erfolgreich kanalisiert, indem er Reiseführer für Leute schreibt, die weltweit alles genauso wie in Amerika haben wollen. Er rechcherchiert in fact finding missions überall - vor allem in Europa - quasi für Geschäftsreisende, die den american way of life global wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen.

"Aber Macon! Er ist Dein Arbeitgeber!"
"Er ist ja nur gekommen, weil er hofft, dass wir uns exzentrisch aufführen", sagte Macon. "Er macht sich einseitige Vorstellungen von uns. Ich flehe bloß zu Gott, dass keiner von uns etwas Unkonventionelles äußert. Hörst Du überhaupt zu?"
"Was sollen wir schon äußern?" fragte Rose. "Wir sind die konventionellsten Menschen, die ich kenne."
Das entsprach zwar durchaus der Wahrheit, paradoxerweise aber wieder auch nicht.


Was im Plot dann anschließend folgt, ist ein grandios amüsantes Paradebeispiel an Hundeerziehung und die Hartnäckigkeit der chaotischen Hundetrainerin Muriel, die sich einbildet, eine Beziehung zu Macon aufbauen zu wollen, es auch letztendlich schafft und das Leben von Mr. Leary total umkrempelt. Beide passen eigentlich charakterlich überhaupt nicht zusammen, tun sich aber gegenseitig so wohl, weil sie sich ausgleichen und das beste im Anderen wecken.  Macon bricht dann jedoch wieder aus seinem neuen Leben aus und versucht, in das alte zurückzuschlüpfen. Am Ende gibt es natürlich ein Happy End.

Hier sind wir schon beim einzigen Faktor, der mich dann doch noch etwas gestört hat. Das Ende kommt, wahrscheinlich bewußt von der Autorin so konstruiert, um schmalzige Romantik zu verhindern, viel zu abrupt und ist dann auch für mich wirklich zu knapp und lapidar in zwei bis drei Sätzen abgehandelt.  

Fazit: Wenn alle Liebesgeschichten sprachlich, von der Figurenentwicklung und inhaltlich derart unschwülstig unromatisch und lebensrealistisch wie in der Qualität von Anne Tyler geschrieben werden würden, dann würde ich sagen, "Her damit! Ich will mehr."

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review 2018-06-17 11:28
Weinerliche dilletantische Selbstanalyse, Beziehungspsychologie und ein paar Abenteurgeschichteln
Stiller - Max Frisch

Was ja in der Literaturwelt offensichtlich hinlänglich bekannt sein dürfte, ist der Umstand, dass Max Frisch in diesem Roman einen Kunstgriff - für mich aber quasi eine verlogene Finte - gewählt hat, um über sich selbst zu schreiben und sich selbst von außen zu analysieren, indem er den Protagonisten dem Verdacht aussetzt, die Identität des Herrn Stillers aufzuweisen. Dies weist die Hauptfigur des Romans aber ganz entschieden von sich und geht ihrerseits nun heran, diesen Herrn Stiller, für den er fälschlicherweise beziehungsweise nicht fälschlicherweise gehalten wird, aus der Perspektive des externen Beobachters zu betrachten, allmählich zu erforschen und zu analysieren.

 

Diesen Kunstgriff mag man genial finden, muss man aber nicht. Mir stößt so etwas aus mehreren Gründen sehr sauer auf. Erstens finde ich es extrem eitel, sich selbst zu analysieren, ohne seine eigene Person ins Spiel zu bringen. Natürlich haben oft Figuren von Autoren autobiografische Züge, dann werden sie aber entweder von Innen- oder von der Außenansicht her beschrieben, aber in diesem Fall spielt Frisch gleichzeitig Patient der leidet, Therapeut der interpretiert und versucht zu heilen und Videokamera, die beobachtet (man kann als Analogie auch nicht, Gesetzgeber, Staatsanwalt, Verteidiger, Richter und Exekutive gleichzeitig sein, auch in der Psychologie sollte es sinnvollerweise eine Gewaltenteilung geben). So etwas ist erstens nicht zielführend, kann nicht funktionieren und ist auch ethisch recht verwerflich, deshalb ist es ja auch Therapeuten untersagt, sich selbst zu analysieren, im Gegenteil, sie sind verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen anderen professionellen Therapeuten aufzusuchen. Was also bei dieser sogenannten "Analyse" sinnvollerweise herauskommen kann, ist nie eine richtige Analyse sondern nur eine eitle larmoyante, selbstverliebte peinliche Rechtfertigung des Charakters und der Taten ohne einen Millimeter Weiterentwicklung, die ja bei einer derartigen Selbstzentrierung gar nicht stattfinden kann. Ach ja die gemeinhin oftmals hineininterpretierte Identitätsfindung kann ich nicht finden.

 

Selbst bei einem relativ normalen Menschen funktioniert das nicht, bei einem egozentrischen selbstverliebten Menschen wie dem Herrn Frisch-Stiller, ich will nun nicht das Wort Narzissmus in den Mund nehmen, denn das ist eindeutig eine Persönlichkeitsstörung, die ich mir nicht anmaße zu treffen, (aber 6 meiner wirklich guten Freundinnen könnten das, wenn Sie das Buch gelesen hätten,) ist die ganze hier ausgebreitete therapeutische Geschichte nur ein gähnend langweiliges Kreisen von Rechtfertigungen um eine nicht gerade spannende Persönlichkeit auf Grund ihrer atemberaubenden Egozentrik.

 

Da kommen wir nun zu einem weiteren Ärgerfaktor. Wenn ich mir überlege, wieviele Junge Burschen diese Hauptfigur (Stiller - bzw. Nicht Stiller) und auch den Staatsanwalt Rolf der so ein bisschen aus der NLP-Ecke (die es ja damals als NLP noch nicht gab sondern nur die psychoanalytischen Grundlagen) zu stammen scheint, weil er permanent als krasses Gegenteil zu "Stiller" soviel seiner Partnerin spiegelt und doch soviel manipuliert, als zwei wesentliche männliche Role-Models in den schwierigen Zeiten der Pubertät vorgesetzt bekommen haben, dann steigen mir wirklich die Grausbirnen auf. Ich wundere mich dann wirklich nicht, dass auch noch in so vielen Köpfen ein derart arges unrealistisches duldendes Frauenbild der Frau Julika, die auch noch selbst schuld ist, wenn sie krank am Boden liegt und der man natürlich auch jede Hilfe verwehren muss. Oh ja, da sind wir wieder bei einem grausamen menschenverachtenden Charakterzug, der hier ganz ordentlich bis fast auf die letzten Seiten ausgewalzt und glorifiziert wird, dass man einer Partnerin nicht helfen will, denn erstens hat sie die Kalamitäten durch was auch immer - Gott oder was anderes - selbst verdient, zweitens ist man ja selbst der Leidende, weil man mit der Schwäche des Partners belästigt wird und drittens wenn man hilft, erniedrigt man sich selbst und wird unmännlich. Was für ein Scheißdreck.

 

Das ganze gipfelt sogar in ernstgemeinten nicht widersprochenen Aussagen wie zum Beispiel der Umstand, dass sich eine Frau, die sich intensiv um ihr Kind kümmert, das aus purem Narzissmus tut? WTF für ein egozentrischer MUMPITZ. Hier wird wie vieles andere ein Männerbild propagiert von Typen, die auch in Kauf nehmen würden, dass ihr Baby stirbt, nur weil sie die Nr. 1 Position bei der Frau auch nach der Geburt des Kindes nicht aufgeben wollen. Im Roman das dreißigste Jahr habe ich die Kurz-Geschichten von Ingeborg Bachmann um derartige zahlreiche Figuren stark kritisiert, da ich ein solches allgemeines Männerbild bei all meinen feministischen Ansichten einfach nicht für zulässig halte und Bachmann vier oder fünf unterschiedliche Figuren ausschließlich mit solchen Charakterzügen konzipiert hat. Wäre sie ehrlich gewesen und hätte nur über eine Figur, respektive Max-Frisch oder ein Pseudonym seiner Person geschrieben, dessen charakterliche Einzelaspekte offensichtlich in nahezu alle Figuren im dreißigsten Jahr einflossen, dann hätte ich dieses Werk für viel wahrhaftiger gehalten, denn ein bis zwei faule Äpfel im Meer der männlichen Achetypen sind doch zulässig und realistisch und vernadern nicht die gesamte restliche Männerwelt.

 

So nun komme ich von meiner persönlichen Meinung wieder mal weg in weit objektivere Gefilde. Durch diese stilistische Konstruktion quasi eine autobiografische Rechtfertigung getarnt als Analyse schreiben zu wollen, ohne sich selbst ins Spiel zu bringen, ist der Plot des Romans total unglaubwürdig und komplett verhunzt - so ein richtiger Schwachsinn. Da ich manisch plotorientiert bin und logische Fehler mich zur Weißglut treiben, kann mich mir folgende Anklagen an den Autor nicht verkneifen: Warum wird Stiller von allen in Untersuchungshaft derart hofiert? Warum hat in der Schweiz ein Untersuchungshäftling Freigang? Wenn kein Kapitalverbrechen oder Verdunkelungsgefahr vorliegt, muss er entweder völlig enthaftet werden und sich regelmäßig melden oder er sitzt rund um die Uhr in Einzelhaft - etwas dazwischen ist komplett unlogisch. Einen Freigang unter Tags gibt es nicht vor einer Gerichtsverhandlung, sondern nur danach bei leichteren unbedingten Delikten oder bei schweren Delikten kurz vor der Entlassung mit Reststrafe auf Bewährung. Ich kenne mich da wirklich gut aus. Habe doch fast 35 Jahre in Krems und Steyr gleich neben Justizanstalten für Schwerverbrecher gelebt und gearbeitet.

 

Frisch erzählt also nicht wirklich eine konsistente Geschichte, was für mich aber in einem Roman unabdingbar ist - tut aber so als ob - und das kann ich gar nicht leiden. Gewürzt ist der Plot noch mit abstrusen münchhausischen Abenteuergeschichtln, die nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, die auch das männliche junge Publikum, das offensichtlich noch nicht aus seiner Karl May-Phase herausgewachsen ist, adressiert und verleiten soll, den Roman zu mögen und gnädig zu beurteilen. Die Vierecks-Beziehungsgeschichte ist auf Grund der verkappten und sehr gestörten Persönlichkeiten auch eher mühsam und alles andere als spannend.

 

Das einzige, was Stiller für mich persönlich den zweiten Stern eingebracht hat, ist die brilliante Gesellschaftskritik am Wesen des Schweizers- des Schweizer-Seins. Wenn Max Frisch nach außen analysiert, kann er das plötzlich extrem glaubwürdig, mit spitzer Feder, etwas boshaftem Humor und gnadenloser Brillanz. Ich habe vier Saisonen also insgesamt 12 Monate in diesem Land gelebt und gearbeitet und musste oft herzlich lachen. Zu jeder Aussage des Autors kann ich mehrere Gschichtln aus eigener Erfahrung dazusteuern. Da wird beispielsweise die Affenliebe zum Militär, das überhebliche selbstüberschätzende Großmannstum (quasi wird dem Ausländer [Uslanda] immer die inkompetente kleine Maus, die brüllte vorgeführt, alles ist am besten am schönsten und am intelligentesten in der Schweiz), die Unfähigkeit zur Selbstkritik, der Nationalismus, und die Fiktion von unendlicher nationaler Freiheit in einer total unfreien Gesellschaft voller Konventionen. Alles wird sehr treffend zerlegt oder auch der Umstand thematisiert, dass die Körperpflege der Schweizer in bemerkenswertem Widerspruch zur sonstigen Reinemacherei steht. Wie gesagt, zu jedem dieser Gesellschaftskritikpunkte habe ich mindestens ein eigenes kurioses Erfahrungs-Gschichtl.

 

Was mich auch noch schockiert hat, sind tatsächlich kapitale Deutschfehler des Surkamp-Verlages, so etwas muss ich nicht dem Autor ankreiden, denn wozu gibt es denn Lektoren. Ich versteh das wirklich nicht die Erstausgabe ist auf Deutsch erschienen ergo fallen Übersetzungsfehler weg. z.B.

-Wir [Hier] können wir nicht stehenbleiben S80,

- Daß Ostern waren [war], zeigte sich hier, nach dem Verstummen der [des]morgendlichen Kirchengeläute[s], nur noch an einem übermäßigen Verkehr auf der Überlandstraße.

 

Ihr seht schon, in den eckigen Klammern habe ich gleich den Rotstift angesetzt. Das sind nur zwei krasse Beispiele, andere habe ich nicht angezeichnet, aber noch ein paar Fallfehler und falsche Präpositionen gefunden. Ich bin ja die erste, die drüberliest, weil mein Hirn gern und recht gut antizipiert, aber wenn es sogar mir auffällt, ist es ein gravierendes Problem....

 

Uff! Das war jetzt leider ein bisschen lang - ich hoffe, Ihr habt Euch noch nicht gelangweilt

 

Fazit: Dieser Klassiker ist für mich für die Tonne. Jetzt stellt sich nun aber die Frage, ob dieses Buch wirklich im Vergleich zu anderen von Frischs Werken wie Andorra oder Homo Faber, die ich in der Pubertät begeistert gelesen habe, so abstinkt, oder ich mich vielleicht weiterentwickelt habe. Das ist hier nämlich die Einserfrage. Wiewohl ich mir schenke, Andorra und Homo Faber erneut zu lesen und einer aktuellen Bewertung zu unterziehen. Dazu ist mir einfach meine Lebens- bzw. Lesezeit zu schade und mein SUB ist auch noch bei 280 real verfügbaren Büchern, die gelesen werden wollen. Es einfach gibt zu viele Werke, die so brilliant sind und sehnsüchtig auf meine Endeckungsreise warten. Deshalb schließe ich mit einer Aussage, die ich sicher tätigen kann. Jede Zeit hat auch ihr Buch und ihre spezifische Bewertung. Das kann ich eindeutig sagen.

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review 2018-06-16 12:36
Kaiser, Krenfleisch* und Wiener Würger
Die Naschmarkt-Morde: Historischer Kriminalroman (Historische Romane im GMEINER-Verlag) - Gerhard Loibelsberger

Der Erstlingsroman von Gerhard Loibelsberger wurde 2017 in einer sehr schön gestalteten Jugendstil-Sonderausgabe neu aufgelegt, und ich habe natürlich sehr erfreut zugegriffen. Diese historische Regionalkrimireihe spielt im Wien um die Jahrhundertwende und präsentiert neben viel Lokalkolorit auch noch ein wundervolles Abbild der Zeit des Fin de Siecle. Ich persönlich wurde auf den Autor aufmerksam, als ich letztes Jahr eine Graphic Novel basierend auf dieser Reihe hier in booklikes rezensierte, die mir ausnehmend gut gefallen hat. Nun wollte ich natürlich auch noch die gesamte doch etwas tiefergehende Hintergrundgeschichte erforschen und erleben.

 

Josef Maria Nechyba, ein K&K Polizeiinspector - in seiner Freizeit ein Gourmet vor dem Herrn - kann sehr ungewöhnlich für die Zeit, in der der Roman spielt auch noch recht ordentlich kochen. Er wird mit einer „schenen unbekannten Leich“ konfrontiert, von der sich nach einigen Ermittlungen herausstellt, dass es sich um eine Adelige respektive um eine Frau Baronin handelt, die sich nächtens in der Strizzi-Welt des Naschmarktes (ein historischer Wiener Lebensmittelmarkt am Tage und ein Sündenpfuhl von Prostituierten und Kleinganoven bei Nacht) auf Grund eines „schlamperten Verhältnisses“ (eine amouröse unschickliche Affäre mit einem nicht standesgemäßen Mann) herumgetrieben hat.

 

Wundervoll beschreibt Loibelsberger das historische Biotop der Gegend um den Naschmarkt. Die hochherrschaftlichen reichen Adels- und  Staatsbeamten-Haushalte mit ihren Bediensteten an der linken Wienzeile und der Bodensatz der Gesellschaft in der Mitte am Naschmarkt und auf der rechten Wienzeile. Weiters werden ziemlich grandios mehrere wichtige Hotspots, wie Kaffeehäuser in anderen Bezirken, Heurigenlokale, Ausflugsziele und viele andere Lokalitäten der Stadt Wien und der Umgebung sehr genau - fast schon plastisch - geschildert, sodass der Leser einen recht genauen Einblick ins Wien um die Jahrhundertwende bekommt.

 

Wie Ihr seht, habe ich bereits im zweiten Absatz meiner Rezension mehrere österreichische Spezialausdrücke verwendet, die aus dem Tschechischen, Jiddischen etc. entstammen, dies ist auch dem Roman geschuldet, denn der geneigte deutschsprachige Leser muss sich auf eine andere Welt und eine andere Sprache einstellen, was der Autor aber ziemlich praktisch und großartig unterstützt, da auf jeder Seite in den Fußnoten die österreichischen Wörter, Speisen etc. genau und hinreichend erklärt werden. Dabei habe sogar ich noch einiges gelernt, denn die Speisen zu dieser Zeit, die in den hochherrschaftlichen Haushalten tagtäglich kreiert wurden, unterscheiden sich doch sehr von der modernen österreichischen Küche. Die Sprache - insbesondere der Wiener Dialekt - hat sich zumindest für meine Generation in den letzten 110 Jahren noch nicht wesentlich geändert. Auf jeden Fall kann auch der Leser aus Deutschland durch die guten Erklärungen sehr leicht der Geschichte folgen.

 

Das restliche „Personal“ abseits des Herrn Inspectors wurde in diesem Krimi derart liebevoll konzipiert, dass es die reine Freude ist. Spannend war für mich die Figur des Pospischil, der Assistent von Nechyba, der das krasse Gegenteil des vor Kraft strotzenden etwas fülligen Polizeikommissars darstellt. Rachitisch, mit teigiger Gesichtsfarbe, duckmäuserisch nach oben und nach unten tretend bzw. zu Gewaltausbrüchen gegen Verdächtige neigend, poliert er einerseits im Polizeidienst sein Ego auf und versucht andererseits durch Anbiederung an Vorgesetzte und höhergestellte Persönlichkeiten seine Karriere nicht zu verderben.

 

Auch die Köchin Aurelia, in die sich Nechyba ein bisschen verliebt hat, ist sehr gut gezeichnet. Zudem bereitet sie tagtäglich für die Familie des Herrn Hofrat ein köstliches Essen zu, das derart detailliert beschrieben wird, dass dem Leser das Wasser im Mund zusammenläuft. Ich empfehle, das Buch keinesfalls hungrig zu lesen, denn die Koch- und Essorgien sind mit leerem Magen kaum zu ertragen.

 

Zudem existieren auch noch die typischen reichen nutzlosen Lebemann-Charaktere im Stile des Joseph Roth, wie zum Beispiel der spielsüchtige Baron, der in der ganzen Stadt Schulden gemacht hat, der wegen seiner Ehre schon überlegt, sich zu entleiben und dann dennoch zu seiner Mutter betteln geht, damit diese seine Ehrenschuld begleicht.

 

Einer der größten Pluspunkte des Krimis ist der Umstand, dass auch historische Persönlichkeiten konsistent in die Handlung eingebaut auftreten. Da gibt es zum Beispiel einen köstlichen Dialog zwischen Gustav Klimt himself und Baron Schönthal-Schrattenbach, in dem sich der Künstler aufpudelt (aufregt), dass die feinen Leut immer über seine Bilder reden wollen, anstatt die Augen aufzumachen und sie einfach anzuschauen. Auch Otto Weininger und ein paar andere Persönlichkeiten werden glaubwürdig mit ihrer Biografie in den Plot integriert.

 

So könnte ich ewig weiter die Figurenentwicklung loben, aber ich möchte nun nicht mehr weiterspoilern, auf jeden Fall wird dem Leser ein genaues Bild der Bevölkerung sowohl aus der Unterschicht als auch von den oberen Zehntausend und auch von vielen irgendwo dazwischen, wie dem angestellten Hauspersonal, gegeben.

 

Sprachlich ist der Krimi wundervoll und der etwas bodenständigere derbe Wiener-Schmäh (Humor) blitzt auch aus allen Kapiteln reichlich hervor. Ich habe mich köstlichst amüsiert. Die Szene mit dem Hund Seppi oder die Beschreibung des Katers (im Sinne von Hangover) vom Redakteur Goldblatt inklusive der morgendlichen Körperfunktionen, die in einem solchen Zustand zu tragen kommen, haben mich vor Lachen fast vom Sessel gerissen.

„Eine Frauenstimme keifte: „Seppi! Hierher! Sapperlot! Seppi, du Rabenvieh, wirst herkommen? Seppi, hier! Wenn du jetzt nicht sofort parierst, kommst du ins Gulasch!“
Diese Drohung machte Eindruck, denn knurrend und fletschend trollte sich der Seppi zurück in den Hof, aus dem er wie ein Deus ex Machina hervorgeschossen war.
Nechyba versuchte, sich den Geschmack eines Hundegulaschs vorzustellen. Dabei kam ihm der pelzig ranzige Geruch, der den meisten Hunden im Sommer eigen ist, in den Sinn. Ob sich diese Ausdünstungen mit dem würzig-süßen Paprika-Zwiebel-Aroma eines ordentlichen Gulaschs vertragen würden? Ein Gedanke, bei dem der Inspector erschauerte.

Bei all der wundervollen Übererfüllung von erzähltechnischen Anforderungen ist der Kriminalfall letztendlich zwar ordentlich ausgeführt, aber dient irgendwie nur als Nebenhandlung zur Beschreibung des historischen Wiens. Das fand ich dann schon ein bisschen schade, denn für mich war der Täter recht schnell erkennbar.

 

Fazit: Ich serviere Euch ein echtes Wiener-Schmankerl mit wärmster Leseempfehlung von mir – ein wundervolles Sittenbild von Wien um die Jahrhundertwende quer durch alle Schichten inklusive kulinarischer Reise und mit ein bisschen Mord und Totschlag garniert.

 

*Kren: = Meerrettich

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