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review 2017-10-28 13:54
Eine bewegende Geschichte über Musik und Bruderliebe
Drei Worte auf einmal - Maria Knissel

Chris ist ein normaler Junge. Er mag Fußball, seine Noten sind ok und endlich darf er wie sein Vater das Saxophon spielen. Immer schaut er zum großen Bruder Klaus auf, der lässig in seinem verrauchten Zimmer sitzt und die Beatles liebt. Doch dann klopft es eines Nachts an der Tür und damit ändert sich das ganze Leben. Klaus hatte einen Motorradunfall und wird nie mehr derselbe sein.

Maria Knissel hat einen ergreifenden Roman geschrieben. Es geht um Behinderung, um Perspektiven und um die menschliche Würde. Gleichzeitig spielt Musik eine wichtige Rolle, die dem tristen Alltag eine schöne Note gibt.

Chris ist ein kleiner Junge als der ältere Bruder Klaus mit dem Motorrad verunglückt. Er weiß noch wie Klaus ganz leger in seinem Zimmer saß, eine Zigarette im Mundwinkel und voller Optimismus in die Zukunft sah. An mehr erinnert er sich von damals nicht. Klaus hat es schlimm erwischt und er hat es grad noch so geschafft. Geistig und körperlich behindert, wird nun das familiäre Leben von seinen Bedürfnissen bestimmt und die Familie ergibt sich der Hilflosigkeit.

Die Geschichte von Chris und Klaus spielt in den 70er-Jahren und beruht auf einer wahren Begebenheit. Zwar sind etliche Elemente erfunden, dennoch gab es Klaus wirklich, der hier stellvertretend für verunfallte Koma-Patienten steht. Dabei erstreckt sich die Erzählung über mehrere Jahrzehnte und man sieht, dass sich bei der Behandlung und Therapie solcher Patienten etliches getan hat.

Zuerst erlebt man die erschreckende Situation, wie aus dem vitalen, großen Bruder mit den langen Haaren ein hilfloses, kahlrasiertes Bündel geworden ist. Der Mund steht offen, Sabber rinnt ihm aus dem Mundwinkel und Chris kann nicht begreifen, was da geschehen ist. 

Mich hat gewundert, dass die Eltern nicht mit ihm über Klaus gesprochen haben. Niemand hat ihm erklärt, was ihm zugestoßen und wie nun mit dem großen Bruder umzugehen ist. Sie haben Chris einfach ausgeklammert und sich nur mehr auf Klaus konzentriert. Chris ist keinesfalls böse auf Klaus, sondern ich hatte das Gefühl, dass er der Einzige ist, der ihn genauso liebt wie er ist. Als Musiker weiß er wie wichtig es ist, zuzuhören und dringt dadurch zu seinem großen Bruder vor.

So spielt die Musik durchgehend eine große Rolle. Chris ist begeisterter Saxofonist und gibt sich im späteren Berufsleben der Musik hin. Dabei ist es immer Klaus, an den er denkt, weil ihm der große Bruder sehr wichtig ist.

Die Musik an sich sind die wenigen fröhlichen Momente, denn der gesamte Roman ist von einer schwermütigen Atmosphäre durchtränkt: die Mühe der Eltern, das harte Leben, das dadurch entsteht, und die Hilflosigkeit gegenüber der Behinderung, mit der sie umgehen müssen. 

Maria Knissel geht vor allem auf den Umgang mit behinderten Menschen ein. Sie zeigt, dass sie für die Gesellschaft häufig gar nicht mehr ‚menschlich‘ sind. Sie werden selten persönlich angesprochen oder ihnen wird kaum echte Hilfestellung gewährt. Es gilt, das ‚Problem‘ so rasch wie möglich aus den Augen zu schaffen, weil sich niemand damit auseinandersetzen will.

Chris begehrt sein Leben lang gegen diese Einstellung auf und schafft es, dass sich Klaus zumindest in seiner Gegenwart als Mensch fühlen kann.

„Drei Worte auf einmal“ ist daher eine bewegende Geschichte über Musik, Behinderung und Bruderliebe, die ich interessierten Lesern ans Herz legen kann.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2017-10-24 12:02
Wie eine Tat im Affekt ein Leben voller Schuld bestimmt
Drei Tage und ein Leben: Roman - Pierre ... Drei Tage und ein Leben: Roman - Pierre Lemaitre,Tobias Scheffel

An einem Tag im Dezember 1999 verschwindet im französischen Dorf Beauval der sechsjährige Rémi. Mit einer großen Aktion wird nach dem vermissten Jungen gesucht. Am dritten Tag zwingt ein schwerer Sturm die Einwohner des Ortes in ihre Häuser. Nur der zwölfjährige Antoine, der mit seiner Mutter in der Gemeinde lebt, weiß, was wirklich passiert ist: Er hat das Kind im Affekt durch den Schlag mit einem Stock getötet, weil er wegen des plötzlichen Todes eines geliebten Hundes außer sich war. Antoine entschließt sich, zu schweigen und die Tat zu vertuschen. Er hat Angst davor, entdeckt zu werden. Doch wie lässt es sich mit dieser schweren Schuld leben? Und wird man ihm auf die Schliche kommen?

Mit „Drei Tage und ein Leben“ schildert Pierre Lemaitre eine beklemmende und tiefgründige Geschichte eines sehr jungen Mörders.

Meine Meinung:
Die Handlung spielt in drei unterschiedlichen Jahren. Erzählt wird mit Zeitsprüngen erst aus dem Jahr der Tat, also 1999, und später aus den Jahren 2011 und 2015. Die Geschichte beginnt mit einem langsamen Erzähltempo. Die Spannung steigert sich aber allmählich, als es zu dem tragischen Ereignis kommt.

Mir hat der leise, aber dennoch eindringliche Schreibstil des Romans sehr gut gefallen. Dem Autor gelingt es, eine intensive, etwas düstere Atmosphäre zu schaffen. Berühren konnte mich das Buch aber nicht zuletzt wegen des Inhalts. Trotz der grausamen Tat schaffte der Autor es, dass ich – vor allem anfangs - Mitgefühl für Antoine entwickeln konnte. Auch die übrigen Personen des Buches wie die Bewohner des Dorfes werden authentisch geschildert.

Obwohl der Täter schon vom ersten Kapitel an klar ist, ist der Roman fesselnd und besonders aus psychologischer Sicht sehr interessant. Daher habe ich gespannt weitergelesen, obwohl der Inhalt nur schwer aufzunehmen und zu verdauen war. Gut gefallen haben mir auch die unerwarteten Wendungen.

Gestört haben mich letztlich nur einige Kleinigkeiten. Die Übersetzung ins Deutsche wirkte auf mich an einigen Stellen holprig bis leicht fehlerhaft. Meinen Lesefluss ein wenig ausgebremst hat außerdem der Tempuswechsel zwischen dem ersten und zweiten Kapitel.

Mein Fazit:
Es handelt sich um ein ungewöhnliches Buch, das aufwühlt und nachdenklich macht. Obwohl oder gerade weil es keine leichte Kost ist, ist die Geschichte lesenswert. Ein Roman, der sicher noch eine Weile bei mir nachhallen wird.

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review 2017-06-10 16:46
Gänsehaut trotz zäher Stellen
Die Drei - Sarah Lotz

Der Tag, an dem vier Flugzeuge abstürzen und drei Kinder überleben geht als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte ein. Eigentlich waren es vier Überlebende, doch Pamela May Donald lebt nur gerade so lange, dass sie eine Nachricht hinterlassen kann, die die Welt aus den Angeln hebt.

Dieses Buch ist ein Mystery-Thriller mit Schauer-Horror-Faktor, der nicht unbedingt leicht zu lesen ist. Es geht um mysteriöse Flugzeugabstürze, geheimnisvolle Überlebende und einen Hauch aus einer anderen Welt, der für permanente Gänsehaut sorgt.

Vier Flugzeuge sind gleichzeitig abgestürzt und drei Kinder haben überlebt. Diese Kinder sind offensichtlich gut aus der Situation herausgekommen, passen sich den neuen Lebensumständen an und sind absolut unauffällig - außer, dass sie sich irgendwie verändert haben.

Es ist kein typischer Roman, sondern wie ein Sachbuch aufgemacht. Transkripte, Interviews, Chats und Website-Einträge werden zu einem großen Ganzen vereint, was Licht auf die Ereignisse werfen soll. 

Allerdings habe ich es als sehr schwierig empfunden in die Story reinzukommen. Da es als Sachbuch getarnt ist, setzt die Geschichte Vorwissen voraus, was man natürlich nicht hat, weil diese Flugzeugabstürze und die begleitenden Ereignisse nie geschehen sind. Also musste ich mich erst einmal durch etliche Seiten wühlen, bis ich erfasst hatte, was geschehen war und warum die (fiktive) Autorin ein Buch darüber schreibt.

Dieser Umstand hat der Geschichte meiner Meinung nach den Thrill genommen. Hätte man schon von Anfang an von Gerüchten, seltsamen Vorkommnissen und Begebenheiten gewusst, hätte mir das Lesen weitaus größeren Spaß gemacht. Ich habe es streckenweise als mühsam empfunden, mir die Zusammenhänge zu erarbeiten, dabei hat die Geschichte an sich sehr großes Potential.

Es wird lange Zeit nur angedeutet, was im Argen liegen könnte. Genauso lange bleibt unklar, wie die interviewten und geschilderten Personen zusammenhängen und warum sie einen Platz in diesem Buch gefunden haben.

Trotzdem wird ständig eine unterschwellige Faszination gehalten, die einen trotz der zähen Stellen oft Gänsehaut über den Rücken jagt. Sarah Lotz spielt mit sehr vielen Mystery-Elementen, die sie schon fast auf geniale Weise zu einem Gesamtbild zusammenfügt - wäre nicht durch meine Unwissenheit und manch überflüssiger Kapitel die Spannung auf der Strecke geblieben. Denn die Autorin schlägt manchmal Wege ein, die nirgends hinführen oder deren Ziel ich nicht erkennen konnte.

Meiner Meinung hat Sarah Lotz einen großartigen Roman geschrieben, den ich aber leider nur bedingt weiterempfehlen kann. Ich denke, wer sich an einen ungewöhnlichen Mystery-Thriller als Sachbuch verpackt versuchen will, sollte sich unbedingt darauf einlassen, weil es trotz der genannten Kritikpunkte auf jeden Fall ein besonderes Buch ist, das eine Chance verdient hat.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2017-05-10 15:00
Čechov at his best
Три сестры / Drei Schwestern - Антон Павлович Чехов,Wolfgang Schriek

Three sisters is an amazing play. Although plot-wise there is not so much going on, language-wise and artistically this is superb. Čechov had this incredible talent to depict his contemporary every-day life in a way, that it still seems contemporary nowadays (if you overlook the carriages and letter writing, for instance). But the basic human interaction and our failing in being able to communicate with each other is still the same and I haven’t found any other dramatist who could depict it as accurately and as funny as Čechov did.

 

But the most amazing feature of his plays is, that every time, I read them, I find some new facet, which I haven’t noticed before.

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review 2017-05-09 14:33
[Rezension] Fiona Blum - Liebe auf drei Pfoten
Liebe auf drei Pfoten: Roman - Fiona Blum

Beschreibung:

Das ideale Geschenk für alle Büchernarren, Rom-Liebhaber und Katzenfreunde.
 
Eine schüchterne junge Frau, die versucht, sich hinter Büchern und Geschichten zu verstecken und dem Leben aus dem Weg zu gehen. Ein herrenloser Kater, der das letzte seiner sieben Leben schon aufgegeben hatte, als ihn ein Geruch unversehens in die Welt zurückholt. Zwei Kinder, deren Mutter ihre Tage unter einem Tisch zubringt, um der Angst zu entfliehen, und eine verrückte alte Frau, die ein großes Geheimnis hütet. Sie alle treffen während eines glühend heißen Sommers aufeinander, in Rom, dieser lauten, staubigen Stadt, deren unvergleichliche Schönheit sich nur demjenigen erschließt, der morgens um vier den Steinen zuhört und nicht an Zufälle glaubt.
 
Details:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Page & Turner (23. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344220447X
ISBN-13: 978-3442204472
Größe: 13,4 x 2,4 x 20,8 cm
 
Eigene Meinung:
Das Cover ist wirklich süss gemacht, man erkennt im Hintergrund die Silhouette von Rom und ganz im Vordergrund schaut einem keck der Kater entdecken, der mit seinem Blick sagen zu scheint, lest mich. Leider ist die Katze auf dem Buch nicht wirklich Bruno, der dann im Buch beschrieben wird, was etwas komisch anmutet.
Federica Mazzanti ist eine junge Frau von 27 Jahren, die ihren Sommer in Rom, der ewigen Stadt, zwischen drei Jobs verlebt, aber sie lebt sehr zurückgezogen, sie hat kaum soziale Kontakte, aber dann begegnet sie dem Kater, der nur noch drei Beine hat und kümmert sich um ihn. Ein Kümmern zeigt ihr aber auch, dass etwas in ihrem Leben fehlt, aber auch, dass sie ihr Leben durchaus bereichen kann...
Federica hat zu Beginn des Buches ein nicht wirklich einfaches Leben, drei Arbeiten halten sie über Wasser, aber der Traum einer Bibliothek lässt sie immer wieder alles schaffen, aber erst mit dem Auffinden des Katers Bruno, der mehr tot als lebendig zu ihr kommt, schafft sie es, ihr Leben wirklich zu ändern.
Fiona Blum hat einen wirklich flüssigen und sehr lebendigen Schreibstil, sie zieht den Leser nach Rom mitten in das Leben und beschreibt dabei Charaktere, die einfach nur authentisch und liebenswert sind. Fiona Blum gestaltet ihre Charaktere auch sehr detailiert, was beim Lesen wirklich gut Bilder im Kopf entstehen lässt. 
Die Verstrickungen zwischen den Charakteren und auch die  Entwicklung der Protagonisten sind gut durchdacht und wirken sehr authentisch. Zudem ist ihre Beschreibung des Charakters von Bruno wirkt sehr glaubhaft und gefällt deswegen wirklich gut, weil er nicht ein zu zahmer Kater ist und eben auch mal die Krallen zeigen kann.
Leider bleibt der Erzähler, der durch das Geschehen führt, an manchen Stellen etwas zu nüchtern, aber wenn man sich richtig in die Geschichte fallen lässt, dann kann man das mal so stehen lassen, aber es fällt etwas beim Lesen auf. 
 
Fazit:
Ein Kater, viele sympathische Charaktere und eine Geschichte, die einfach nach Rom mitten in den Sommer passt, "Liebe auf drei Pfoten" bietet das alles und zeigt, dass man nicht immer die großen Geschichten braucht um ein paar tolle Lesestunden zu verleben.
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