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review 2018-04-15 09:46
Verwirrend und verstörend
Seht, was ich getan habe: Roman - Sarah Schmidt,Pociao

Inhaltsangabe

Ein ungeklärter Mordfall, der bis heute die Gemüter erhitzt

»Vater ist tot!« Zutiefst verstört starrt Lizzie Borden ihren Vater an, der blutüberströmt auf dem Sofa liegt. Auch ihre Stiefmutter wird tot aufgefunden – ebenfalls hingerichtet mit einer Axt. Eindeutige Spuren sind an jenem schicksalhaften Morgen des 4. August 1892 kaum auszumachen, dafür häufen sich die Fragen. Denn während die Nachbarn in Fall River, Massachusetts, nicht begreifen, wie einer so angesehenen Familie etwas derart Grausames zustoßen kann, erzählen diejenigen, die den Bordens wirklich nahestehen, eine ganz andere Geschichte: von einem jähzornigen Vater, einer boshaften Stiefmutter und zwei vereinsamten Schwestern. Schnell erklärt die Polizei Lizzie zur Hauptverdächtigen, deren Erinnerung jedoch lückenhaft ist. Wo war sie zum Zeitpunkt der Morde? Saß sie wie so oft unter den Birnbäumen und träumte vor sich hin? Oder ist sie doch verantwortlich für diesen Albtraum? 

 

Meine Meinung 

Es war der 4. August 1892 als die 32- jährige Lizzie Borden ihren toten Vater im Wohnzimmer entdeckt. Blutüberströmt liegt er da. Lizzie geht näher, betrachtet seine Leiche, berührt seine blutige Hand. Sie geht langsam und völlig ruhig aus dem Zimmer, schließt die Tür und ruft:

„Schnell! Jemand hat Vater getötet!“ (S. 12)

 

Bereits auf diesen ersten Seiten wird dem Leser durch die eindringlichen Beschreibungen um den Charakter Lizzie Borden klar, dass man es hier mit einer sehr seltsamen Frau zu tun haben.

 

Der historische Name Lizzie Borden und der Fall waren mir natürlich bekannt.

Die Präsenz darum ist meiner Meinung auch heute dank Internet und fachspezifischen Büchern noch immer sehr aktuell.

Allerdings füllte dieser Roman noch einige meiner Lücken zu diesem Fall.

Was wohl ein jeder schon mal gehört oder gelesen hat, ist folgender Abzählreim.

 

Lizzie Borden took an axe
And gave her mother forty whacks.
When she saw what she had done,
She gave her father forty-one

 

Denn im Haus der Bordens wurde an diesem Tag nicht nur eine Leiche entdeckt.

Das Hausmädchen Bridget entdeckt kurze Zeit später im Gästezimmer des Hauses den leblosen Körper von Abby Borden, Lizzie’s Stiefmutter.

 

„Seht, was ich getan habe“ ist der Debütroman der australischen Autorin Sarah Schmidt. In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte um den oben genannten Doppelmord aus vier Erzählperspektiven.

Lizzie, 32 Jahre, Tochter des Hauses Borden

Emma, 42 Jahre, ebenfalls Tochter des Hauses Borden

Bridget, 26 Jahre, Hausmädchen der Familie Borden

Benjamin, Bekannter des Onkels der beiden Bordengeschwister

 

Der Roman wird in drei Teile unterteilt und enthält insgesamt 17 Kapitel, welche hauptsächlich den Zeitraum um die Tat behandeln. Als Leser bekommt man sehr viele Einsichten in dem 4. August des Jahres 1892. Aus allen vier Perspektiven beschreibt die Autorin eingehend die Geschehnisse, die Handlungsweisen und die Emotionen einer jeden Figur.

Jedes Kapitel ist durch eine optisch sehr ansprechende Überschrift mit Name der Person und einem Datum versehen.

 

Die Autorin schafft es trotz der Verbindung von historischen Fakten und fiktiven Fakten eine sehr authentische Atmosphäre zu erschaffen. Man erhält sehr detaillierte Einblicke in die handelnden Personen. Sie kann sehr bildhaft das Haus der Bordens und das gesamte Umfeld beschreiben. Und sehr eindringlich und gleichzeitig empfand ich die Beschreibungen um die familiären Verbindungen.

Lizzie Borden war mit Sicherheit keine einfache Persönlichkeit, umso spannender fand ich die Beziehung zu ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Emma.

Die besondere und gesonderte Rolle in der Familie nahm eindeutig Lizzie ein.

 

„Sie gab mir dasselbe Gefühl wie Vater, ich schämte mich dafür, was ich war: das ewige Kind.“ (Lizzie, S. 277)

 

„Als ich Lizzie ansah, meine sonderbare, fremde Schwester…“ (Emma, S. 343)

 

Da es ein Debüt ist, fiel mir beim Lesen sofort der besondere Schreibstil auf.

Eine meiner Überlegungen dazu war, ob sich die Autorin ihrer Geschichte mit diesem historischen Aspekt angepasst hat oder ob sie diesen Stil auch bei folgenden Werken einbringen wird. Vor allem die Verwendung von personifizierenden Adjektiven ist mir beim Lesen sehr stark ins Auge gefallen. Für mich eine Seltenheit in letzter Zeit und umso bewegender konnte ich mir die einzelnen Personen situativ vorstellen.

 

Der Mordfall der Eheleute Borden konnte nie geklärt werden.

Lizzie Borden wurde zwar angeklagt und am 5.6.1883 begann die Gerichtsverhandlung, allerdings wurde sie freigesprochen. Lediglich von den Anwohnern der Stadt Fall River wurde sie bis an ihr Lebensende verachtet.

Auch Sarah Schmidt lässt in ihrem Roman alles offen.

Dass sie den fiktiven Charakter Benjamin in die Geschichte eingebracht hat, machte es beim Lesen umso spannender und undurchsichtiger.

Beim Lesen fiel mir durch den Wechsel in der Erzählperspektive immer wieder erst im Nachhinein auf, dass die Autorin immer noch denselben Tag beschreibt.

Dass ihr dies möglich war, lag einer sehr guten Recherchearbeit zu Grunde. Dieser Punkt könnte aber bei einigen Lesern auch eine Langatmigkeit hervorrufen. Dazu schreibe ich im unteren Teil noch ein wenig mehr.

 

Positiv zu erwähnen, ist, dass man zum Ende des Buches noch einen kurzen Einblick in das Danach bekommt. Ein Kapitel bespricht die Zeit 13 Jahre nach den Geschehnissen und die letzten Seiten umfassen eine sehr ausführliche Zeitleiste, die es lohnt, durchgelesen zu werden.

____________________________________________________________

 

„Seht, was ich getan habe“ kann ich nicht als leichte Lesekost bezeichnen.

Man muss sich auf die Geschichte und den Schreibstil einlassen können.

Auf einer Seite konnten mich die sehr ausführlichen Beschreibungen den Figuren näher bringen, auf der anderen hätte ich mir manchmal einen ständigeren Wechsel der Sichtweisen gewünscht. Zum einen um die Spannung noch ein wenig zu steigern, zum anderen, weil es manchmal doch schwer war, dem erzählenden Charakter über 30 Seiten lang zu folgen.

Diese Einschätzung ist aber subjektiv. Hier sollte sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden.

 

Mein Fazit

Dieser Roman wird mir als sehr bedrückend in Erinnerung bleiben.

Die Autorin setzt hier auf sehr viel kühle Emotionen, die der Fall an sich, aber auch die Charaktere im Buch mit sich bringen. Mit einem sehr speziellen Schreibstil und einer sehr gut recherchierten Geschichte kann sie den Lesern den ungelösten Fall im Hause Borden näherbringen lässt einen jeden mit der Frage zurück, was damals wirklich in Fall River passierte.

Nach diesem eindrücklichen Roman bin ich sehr gespannt, auf weitere Werke der Autorin. Vor allem, ob sie in diesem Genre bleibt oder ob man als nächstes etwas völlig anderes von ihr lesen wird.

 

 

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review 2018-04-12 07:07
Eine keltische Legende super umgesetzt
Sieben Pfeifer - Christopher Golden,Amber Benson,Bernhard Kleinschmidt

Inhaltsangabe

In alten Legenden heißt es, man höre in stürmischen Nächten manchmal ein seltsames Pfeifen, gefolgt vom Erscheinen riesiger schwarzer Hunde. Aber dies sind keine gewöhnlichen Kreaturen, sondern dämonische Wesen, entfesselt von der wilden Jagd auf verlorene Seelen. Nur selten sieht man mehr als einen von ihnen zur selben Zeit, doch wenn alle sieben gemeinsam erscheinen sollten, sei das Ende der Welt gekommen.

In der malerischen Stadt Kingsbury mitten in Vermont betrauert Rose Kerrigan den Tod ihres Großvaters, eines liebenswürdigen, aber seltsamen alten Mannes. Schon bald wird sie von der Legende der Sieben Pfeifer erfahren, denn die gespenstischen Hunde sind nach Kingsbury gekommen und jagen eine Seele, die man vor ihnen verborgen hat. Zuerst ist es nur einer, doch es werden mehr, je länger sie nicht finden, wonach sie suchen.

Und wenn alle sieben Dämonen zusammenkommen… 

 

Meine Meinung 

Die Novelle „Sieben Pfeifer“ von dem Autorenduo Benson und Golden ordnet sich im Genre Mystery- Horror ein.

 

Als ich vor Erscheinen von dem Titel hörte, hatte ich keinerlei Vermutung, was da inhaltlich auf mich zukommen wird. Christopher Golden‘s Händchen fürs Schreiben und dem Erschaffen einer passenden Atmosphäre kenne ich bereits aus dem Horrorroman „Der Fährmann“, mit dem der Buchheim Verlag sich in der Buchszene etablieren konnte. Nun war ich sehr gespannt auf das Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Autorin und Schauspielerin Amber Benson.

 

„Der Tod ist auf der Jagd nach mir, Rose“ (S. 18)

 

Dies sind die Worte des völlig verschreckten Walter Hartung zu seiner Enkeltochter Rose Kerrigan. Walter lebt in einem Pflegeheim in Kingsbury und als Leser wird schnell klar, dass die beiden Autoren den Leser sofort in die Haupthandlung einführen. Es geht los…

 

Als Rose an diesem Tag das Pflegeheim verlässt und sich auf den Weg zu einem Treffen macht, hört sie dieses Geräusch zum ersten Mal. Sie kann es zuerst kaum in Worte fassen, aber es klingt nach einem Pfeifen.

Parallel hört auch ihr Großvater das Pfeifen, der allerdings eine ganz andere Reaktion zeigt als seine Enkelin.

 

Nach diesem Abend macht Rose eine weitere seltsame Entdeckung.

Von der Hütte ihrer Eltern aus sieht sie einen silbernen Hirsch und hört wieder dieses Pfeifen. Was hat das alles nur zu bedeuten. Plötzlich schlägt Lucy, der Hund ihrer Eltern, auf etwas an. Folgen tut ein schreckliches Szenarium, welches Rose nicht mehr loslässt.

 

Im Mittelteil der Haupthandlung konnte das Duo mit einer Auflockerung der Rahmenhandlung punkten. Nicht nur Rose wird von seltsamen Ereignissen verfolgt, in ganz Kingsbury geschehen den Einwohnern seltsame Dinge. Dass dies in die Geschichte mit eingeflossen ist, machte die ganze Thematik für mich nur umso schauriger.

 

Was es mit diesem Pfeifen auf sich hat, erfährt Rose erstmals häppchenweise von ihrer Großmutter Isobel. Eine keltische Sage besagt, dass es sich bei den Sieben Pfeifern um Unheilsbringer handelt, welche von der Hölle ausgesandt worden sind.

Ein persönlicher Besitz ihres Großvaters lässt Rose weitere Rückschlüsse ziehen, aber schafft sie es, das Rätsel noch rechtzeitig zu lösen?

Vier Pfeifer wurden bereits gesichtet. Sollten alle sieben zusammenkommen, wartet Schreckliches auf sie.

 

Ich hätte niemals damit gerechnet, dass mir Hunde in Kombination mit einem schrillen Pfeifen eine Gänsehaut verschaffen können. Die Covergestaltung vom Illustrator John Howe versetzt den Betrachter und Leser in die gewünschte Stimmung. Man weiß nicht was kommt und die beiden Autoren schaffen es, den gewünschten Höhe- und Wendepunkt in die 165-seitige Novelle perfekt einzuarbeiten. Mich konnten vor allem das provozierte Kopfkino und die Grundidee um die existierende Legende begeistern.

 

Meiner Meinung nach fehlt diesem Buch nichts.

Es bringt einen mysteriösen Start mit sich, einen schaurigen und spannenden Mittelteil und ein alles klärendes Ende mit sich.

Die Autoren beschränken sich auf ein Mindestmaß an Charakteren, welche alle auf ihre Art und Weise zur Geschichte beitragen.

 

Mein Fazit

Wieder einmal erschafft Christopher Golden, hier in Zusammenarbeit mit der Autorin Amber Benson etwas Großes. Über eine wiederholte Kooperation der beiden würde ich mich sehr freuen. Die Chemie passt einfach, dass merkt man beim Lesen, und auch bei dem eingefügten Interview vorab der Geschichte, sofort.

Die Legende um die „Sieben Pfeifer“ wird mir noch lange im Kopf herum schwirren und wieder ist dieses Buch der Beweis dafür, welche tollen Geschichten aus mythologischem Hintergrundwissen entstehen können.

Der Buchheim Verlag hat in dieses Werk wieder sehr viel Herzblut und Arbeit hinein gesteckt und ich freue mich bereits auf das kommende Projekt.

 

 

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review 2018-03-18 17:47
Hier weiß sich auch eine Kommissarin zu behaupten
Kalte Haut: Thriller - Martin Krist

Inhaltsangabe

Mit einem Schmunzeln streckte der Mann die Hand nach dem Kind aus. Liebevoll strich er ihm übers Haar. »Und tot bist du«, flüsterte er.

Berlin wird von einer Mordserie erschüttert. Der Täter stellt Filme ins Internet, auf denen zu sehen ist, wie er seine Opfer quält. Dann lockt er Journalisten zu den Leichen. Vieles deutet auf einen Zusammenhang mit den Ausländerhetzkampagnen des Innensenators hin.
Kommissarin Sera Muth und ihr Ermittlungsteam ziehen den Polizeipsychologen Dr. Babicz hinzu. Diesem kommt das Vorgehen des Täters vertraut vor. In den USA hatte er bei der Überführung eines Mörders mitgewirkt, der seine Opfer bei lebendigem Leib häutete. Ist der »Knochenmann« zurück? 

 

Meine Meinung 

Ich kann behaupten, dass ich schon einige Bücher vom Autor gelesen habe.

So fiel es mir natürlich sehr schnell ins Auge, dass in „Kalte Haut“ die Kommissarin Sera Muth, welche ich bereits aus „Märchenwald“ kenne, das ermittelnde Oberhaupt ist. Freut mich, denn ja, auch Frauen können einen Thriller anführen.

 

Der Einstieg in ein Buch ist mir persönlich immer recht wichtig, wenn er ein Statement beinhaltet. Es gibt Prologe, die machen neugierig und regen zum Nachdenken an, aber es gibt auch diese, die einfach nichtssagend sind für die Story. Der erste Eindruck von „Kalte Haut“ gefiel mir super, denn dieses geflüsterte „Und tot bist du“ hat beim Lesen schon etwas ausgelöst.

Aber der Prolog hatte auf mich auch noch eine andere Wirkung, dazu im Verlauf meiner Rezension mehr.

 

Das Polizistenteam um Sera Muth erleben wir zu Beginn in einem Fall, der vor allem für Sera eine persönliche Note mit sich bringt. Eine junge türkische Frau wird niedergestochen. Das Motiv: ihre Beziehung zu einem Deutschen.

Sera Muth, selbst Türkin, konnte ihr Leben so ausrichten, wie sie es wollte und ist nun Kommissarin. Am Tatort wird sie von einer älteren türkischen Frau angeklagt

„Frauen wie du sind schuld“ (Pos. 805)

Sera kann nicht anders, als sich dies zu Herzen zu nehmen.

 

Typisch für die Thriller von Martin Krist ist es, dass er nie nur einen Fall behandelt.

Ob die Fälle am Ende zusammen spielen oder gar nichts miteinander zu tun haben, lässt der Autor bis zum Ende offen. Da habe ich wirklich aufgehört einen Zusammenhang zu finden, denn ich habe noch nie den richtigen Riecher gehabt.

Der angesprochene zweite Fall behandelt die Thematik aus dem Klappentext.

Es geht um eine Entführung, ein Video, auf dem Folterszenen gezeigt werden und der Einsicht, dass der Täter schneller ist, als der Rest.

Bei dem Entführungsfall bringt der Autor eine weitere Frau ins Spiel.

Tania Herzberg, Journalistin, wird zum Tatort gelotst und entdeckt Schreckliches.

Anfänglich habe ich ihr gar nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber da war der Plan von Herrn Krist natürlich ganz anders als meiner.

Schnell zeigt sich, wie gut er den Leser wieder bei der Stange halten kann.

 

Kapitel für Kapitel zog er mich tiefer in die Story hinein.

Mein Brainstorming war wieder in vollem Gange und dann brach es auch wieder komplett zusammen. Denn ganz großes Kopfzerbrechen machte mir der zum Fall hinzugezogene Polizeipsychologe Dr. Robert Babicz.

Hier war schnell klar, dass das die Figur mit den Geheimnissen ist.

Wirklich nur stückchenweise bringt der Autor hier Licht ins Dunkle.

Der Bezug zu seinen toten Eltern, sein Bruder, der ständig auftaucht und aufzeigt, welch komisches Geschwisterverhältnis die beiden haben.

Vor vier Jahren verließ Babicz aus privaten Gründen schlagartig Berlin.

Nun ist er zurück und viele Fragen mit ihm.

 

Die Frage, welche ich mir beim Lesen am häufigsten gestellt habe, war

WER IST DAS EIGENTLICHE OPFER IN DEM BUCH?

 

Ein Punkt, den ich in all meinen Rezensionen immer wieder als positiv bezeichne, ist der Aufbau und der Stil des Autors. Kurze, knackige Kapitel und jedes endet beinahe mit diesem ganz fiesen Cliffhanger.

Hier passt der Ausspruch „ich lese nur noch ganz schnell ein weiteres Kapitel“ super, denn aus einem werden hier locker zehn bzw. versucht euch erst gar nicht solche Grenzen zu setzen, denn es ist echt schwer, sich daran zu halten.

 

Das Ende war wieder überraschend und nein, auch hier gingen alle Spürnasen nicht an mich. Gekonnt fädelt Krist wieder vieles zusammen, so dass es Sinn und einen in sich abgeschlossenen Thriller ergibt.

_______________________________________________________________

 

Und nun zum Meckern auf höchstem Niveau.

Hier möchte ich noch ein paar Worte zum am Anfang angesprochenen Prolog loswerden. Ich bleibe dabei, dass ich ihn super fand. Zum Ende des Buches fand ich auch endlich den Zusammenhang zum Einstieg.

Aber gerade diese vier Worte „Und tot bist du“, welche mir zu Beginn einen kleinen Schauer über den Rücken jagten, haben mir im Verlauf der Story tatsächlich gefehlt. Für mich brachte der Einstieg eine gewisse Erwartung, vor allem in Bezug auf die seltsamen Ähnlichkeiten zum Fall des „Knochenmanns“ mit sich.

Soll kurz und knapp heißen, dass ich mit einer Täterperspektive gerechnet habe, welche aber nicht Inhalt des Thrillers war.

 

 

Mein Fazit

Wieder einmal konnte mich der Autor sehr gut unterhalten.

„Kalte Haut“ beinhaltet eine Thematik um Macht und Kontrolle, aber auch viele Themen, welche sich auf die dargestellten Figuren beziehen. Für mich eine super Mischung, um beim Lesen am Ball zu bleiben.

Ein Hoch, dass sich auch Frauen, wie Sera Muth behaupten können. Danke für das kurze Wiedersehen mit Paul Kalkbrenner und ich freue mich, dass sich der Autor nun entschieden hat, seine Werke in einem einheitlichen Design unter die Leser zu bringen. Mich regt es zum Kaufen an!

Leseempfehlung für alle Martin Krist Leser und für die, die es werden wollen, ein super Einstiegsbuch.

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review 2018-03-14 12:58
Hamburger Trümmermorde 1947
Trümmerkind: Roman - Mechtild Borrmann

Inhaltsangabe

Hamburg 1946/47 - Steineklopfen, Altmetallsuchen, Schwarzhandel. 
Der 14jährige Hanno Dietz kämpft mit seiner Familie im zerstörten Hamburg der Nachkriegsjahre ums Überleben. Viele Monate ist es bitterkalt, Deutschland erlebt den Jahrhundertwinter 1946/47. 
Eines Tages entdeckt Hanno in den Trümmern eine nackte Tote - und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen. Der Kleine wächst bei den Dietzens in Hamburg auf. Monatelang spricht der Junge kein Wort. Und auch Hanno erzählt niemandem von seiner grauenhaften Entdeckung. Doch das Bild der toten Frau inmitten der Trümmer verfolgt ihn in seinen Träumen.
Erst viele Jahre später wird das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur kommen, das auf fatale Weise mit der Geschichte seiner Familie verknüpft ist… 

 

Meine Meinung 

Zu Beginn möchte ich ein paar Worte zum Klappentext loswerden.

Nicht immer lese ich sie, da viele Inhaltsangaben bereits zu viel verraten.

Bei diesem Buch habe ich mir den Klappentext durchgelesen und ich muss sagen, dass er doch ein wenig unpassend wirkt. Ein paar Details sind in der Geschichte einfach anders verwoben worden.

 

Ein Punkt, der mich gleich auf den ersten Seiten überraschte war, dass die Autorin in ein Buch mit knapp 300 Seiten drei Handlungsstränge packt.

Dieses stilistische Mittel hätte Verwirrung stiften können, tat es aber nicht.

Durch den Wechsel der Erzähler und der Jahreszahl konnte Mechtild Borrmann eine gewisse Spannung und Neugierde aufbauen.

Im Buch enthalten ist der Erzählstrang von Clara Anquist im Jahre 1945.

Der Erzählstrang von Hanno Dietz im Jahre 1947.

Und der Part um Anna Meerbaum im Jahre 1992.

 

Im Jahre 1945 begegnet man als Leser der Familie Anquist auf deren Gutshof in der Uckermark. Als Mitglied der NSDAP steht dem Familienoberhaupt Heinricht Anquist seine Grundstücksenteignung bevor. Er will seine Familie und deren Erbe schützen, aber sehr schnell muss er auf seine Tochter Clara Anquist vertrauen.

 

Der kleine Hanno Dietz erzählt seine Geschichte im Nachkriegs-Hamburg.

Nachdem der Vater im Krieg geblieben ist, liegt es an ihm und seiner kleinen Schwester für einen gewissen Lebensstandard zu sorgen. Zusätzlich versucht seine Mutter die Familie mit Näharbeiten über Wasser zu halten. In diesem Strang wird die Geschichte einer Familie erzählt, welche am Existenzminimum lebt. Aber die Familie Dietz kämpft und das macht sie sympathisch. Eines Tages macht Hanno in den Trümmern der Stadt eine schreckliche Entdeckung, die ihn seines Lebtages nicht mehr loslässt. Schnell wendet er sich ab und entdeckt einen kleinen Jungen bei seiner Schwester. Sie nehmen ihn mit nach Hause und Agnes Dietz kann nicht anders, als den kleinen Jungen bei sich aufzunehmen.

 

Und in der Gegenwart macht sich Anna Meerbaum 1992 auf der Suche nach der Vergangenheit ihrer Mutter Clara Meerbaum, geborene Anquist. Sehr schnell schließt sich hier also der Bogen und ich war sehr gespannt, ob man durch diese Suche mehr über den Strang im Jahre 1945 erfährt. Sogleich war vor allem meine Neugierde um den Verbleib der Familie Anquist entfacht.

Wie die Geschichte um Familie Dietz ins Bild passte, blieb ein wenig länger im Unklaren. Allerdings hatte ich auch hier sehr schnell eine Vermutung.

 

Die Autorin Mechtild Borrmann schickt den Leser hier also auf eine Reise in die Vergangenheit, in der es einige Geheimnisse zu geben scheint. Die einzelnen Handlungsstränge wurden meiner Meinung nach durch einen tollen Schreibstil und einem gelungenen Aufbau des Buches miteinander verbunden.

 

Das Ende, welchem ich von Anfang an entgegengefiebert habe, kam nicht ganz überraschend, aber es passt zur Geschichte. Denn man sollte nicht vergessen, dass es sich hier um einen Kriminalroman, nicht um einen Thriller handelt.

 

Ein besonderer Punkt ist für mich immer nach Nachwort. Hier hörte ich zum ersten Mal von den tatsächlich geschehenen Trümmermorden in Hamburg. Die Autorin nahm den Tatsachenbericht als Grundlage für ihr Buch und fügte es durch eine fiktive Geschichte zusammen.

 

Als Fazit bin ich dankbar über dieses Buch. Es greift eine Thematik auf, welche es nun einmal gab. Der Schrecken und die Nachwehen des Zweiten Weltkrieges waren da und die Autorin nimmt in vielerlei Hinsicht Bezug zu dieser schwierigen Zeit. Ob es das Thema Armut, Enteignung oder Familientrennung ist, dieses Buch ist themenspezifisch sehr kompakt. Und es zeigt, was Menschen in schwierigen Zeiten in der Lage sind zu tun.

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Im letzten Drittel des Buches wurde mit ein Thema allerdings zu schnell abgearbeitet. Es kam überraschend, wurde für meinen Geschmack aber zu schnell abgehandelt, so dass es sehr kühl und emotionslos wirkte. Für die Geschichte hätte ich mir an dieser Stelle ausführlichere Beschreibungen gewünscht. Dies mag Geschmackssache sein, aber im Nachhinein hätten es gerne 50 Seiten mehr sein dürfen.

 

Mein Fazit

Ein Buch, welches ich nicht missen möchte.

In „Trümmerkind“ wird um eine Tatsache eine spannende Geschichte erfunden.

Vor allem der stete Wechsel der Erzählstränge brachte zu keinem Zeitpunkt Längen in die Geschichte.

Für alle historisch Interessierten kann ich eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen.

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review 2018-03-13 07:42
Verlorene Seelen
Die andere Schwester: Roman - Kristin Hannah,Hedda Pänke

Inhaltsangabe

Seit Jahren haben die Schwestern Claire und Meghann kaum Kontakt. Dann möchte Claire einen Mann heiraten, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt hat. Davor will sie die ältere Meg unbedingt bewahren – ist sie doch selbst zu oft enttäuscht worden, als dass sie noch an Liebe glauben könnte. Ausgerechnet jetzt lernt Meg jemanden kennen, der es wert wäre, ihre Angst vor Nähe zu überwinden. Doch dann droht den Schwestern ein erneuter Verlust, und sie werden gezwungen, sich ihrer schwierigen Vergangenheit zu stellen.

(Quelle: )

 

 

Meine Meinung

Verlorene Seelen

 

Eventuell kommt einigen Lesern die Inhaltsangabe vertraut vor. Das kann sehr gut möglich sein, wenn ihr die alten Werke der Autorin kennt. Dieser Roman wurde nämlich erstmals 2006 unter dem Titel „Wer zu lieben wagt“ veröffentlicht.

 

Aus dem Klappentext des neuaufgelegten Romans von Kristin Hannah, in wunderschöner Optik, geht bereits hervor, dass hier vor allem bei den beiden Schwestern einiges im Argen liegt. Schnell erfährt man, wie unterschiedlich Meghann und Claire sind. Meghann ist Anfang 40, eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, lebt in der City von Seattle und hat die Suche nach der großen Liebe schon lang aufgeben.

„Nicht Selbstbefriedigung machte blind, wie ein alter Spruch behauptete, sondern die Liebe.“ (S. 77)

 

Claire hingegen lebt mit ihrer 5-jährigen Tochter Alison bei ihrem Vater in einem Wohnmobilpark. Hier beherrschen die Natur und ein geregelter Tagesablauf das Leben der 35-jährigen. Beim jährlichen Ausflug mit ihrer Highschoolclique trifft Claire auf Bobby und es ist um sie geschehen.

 

Bereits an dieser Stelle im Roman wird klar, dass Claire das Leben genießt und keine Angst vor Eventualitäten hat. Wohin gehend Meg’s Leben von Arbeit und Verzicht geprägt ist. Meg hat Geld ja, aber ihr fehlt das Soziale total.

Was die beiden allerdings verbindet und was zugleich das Geheimnis im Buch darstellt, ist ihre Vergangenheit. Was ist vor ca. 25 Jahren geschehen, dass die beiden Schwestern sich so voneinander entfernt haben? Waren sie als Kinder doch ein Herz und eine Seele.

Schnell teilt Claire ihrer Schwester ihr Vorhaben mit. Sie will schnellstmöglich und ganz schlicht heiraten. Wie vermutet ist Meg skeptisch und macht sich auf den Weg zu Claire, um Bobby unter die Lupe zu nehmen.

 

„Was ich mir von dir wünsche, ist Vertrauen.“ (S. 193)

 

Da bleibt Meg nichts anderes übrig, als ihre Meinung hintenan zu stellen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Völlig überraschend möchte sie Claire’s Hochzeit sogar organisieren.

 

Dieser Roman konnte mich allerdings nicht nur wegen der Story um die beiden Schwestern gut unterhalten. Die Autorin zeigt uns eine weitere verlorene Seele auf. Joe Wyatt tritt als Aussteiger in dieser Geschichte auf. Vor 3 Jahren kehrte er seiner Heimat den Rücken und ließ alles zurück.

Was geschah damals? Seine Schuldgefühle spürte man zu jedem Zeitpunkt.

Auch er hat mit der Liebe abgeschlossen, bis er in einer Bar auf Meghann trifft.

 

„Ahnungslos hatte sie eine Tür mit der Aufschrift >>unverbindlicher Sex<< geöffnet und fand sich nun in einem Raum voller Möglichkeiten wieder.“ (S. 332)

 

„Es war, als hätte jemand in einem bisher kalten und dunklen Raum ein Licht angezündet.“ (S. 333)

 

Ich habe bereits mehrere Bücher der Autorin gelesen und muss sagen, dass ich von Stil her immer wieder zu ihren Büchern greifen würde. Bereits zwei Mal hat mir die Autorin ein Jahreshighlight beschert. Dazu im unteren Teil ein wenig mehr.

Für viele mag die Geschichte anfänglich nur so dahinplätschern, aber ich weiß, dass mich die Autorin im letzten Drittel der Geschichte immer wieder fesseln kann, so auch hier. Warum? Weil Kristin Hannah dann die große Emotionsschublade aufmacht. Die Frau kann mich einfach zum Weinen bringen, wie keine andere.

 

Auch charakterlich fand ich die Geschichte wieder stark.

Am Anfang dachte ich, dass ich mit Claire durch die Geschichte gehen kann, aber sehr schnell zeigten sich bei ihr Eigenschaften, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. So war es Meghann, die mich mit ihrer Entwicklung total begeistern konnte. Hier gab es eine große Gratwanderung und sie ist meine Sympathieträgerin im Roman. Der Platz im meinem Herzen gehört aber wiederum der kleinen Alison. Ich weiß nicht wieso, aber Hannah hat ein Händchen dafür die kleinen Figuren in ihren Büchern ganz groß darzustellen.

 

Mein Fazit

Ich möchte keine großen Töne spucken, aber ich glaube, wer den Stil der Autorin kennt und mag, der wird auch diesen Roman mögen. Für mich war er vor allem wegen dem letzten Drittel wieder ein empfehlenswertes Buch. Der Schreibstil, die Charakterentwicklungen und die große Schublade voller Emotionen, ermutigen mich auch noch die nicht gelesenen Werke der Autorin zu lesen.

Vor allem zu Beginn und in der Mitte der Geschichte hätte ich mir allerdings noch mehr von der Figur Claire erhofft, war sie es doch, die mir den Anfang der Geschichte mit ihrer Art sehr versüßt hat.

Allerdings sollte man sich als Leser auf einen Frauenroman einlassen können, der mit Sachen aufwartet, die nicht immer hundert prozentig realistisch sind.

Für mich war der Lesezeitpunkt perfekt, ich hoffe, dass kann man aus meiner Rezension herauslesen.

 

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