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review 2018-12-12 16:52
Rolltreppe abwärts von der Park Avenue in die Bronx
Fegefeuer Der Eitelkeiten. Roman (Taschenbuch) - Tom Wolfe

Dieser Tom Wolfe kann wirklich gut erzählen und ich bin froh, dass ich mit einem Goodreads Lesefreund dieses Buchprojekt letztendlich in Angriff genommen habe. Das ist der dritte Roman des Schriftstellers und so begeistert war ich noch nie.

 

Im Prinzip ist dem Autor ein grandioses Sittenbild des New York der späten 80er Jahre gelungen - was er auch genau so geplant hat. Dieses umfasst die ganze Stadt, die Menschen, die darin wohnen, arbeiten und vegetieren von der Upperclass bis zum Lurch der tiefsten Gesellschaftschichten der Bronx und das erweiterte Verwaltungspersonal der checks and balances am Rande wie Legislative, Exekutive, Presse und Politik inklusive natürlich der Geschichten, die in diesem realen New York passieren.

 

Von der Konstruktion des Plots hat sich Wolfe aber eine innovative großartige aber ungewöhnliche Entwicklung einfallen lassen. So wie viele Schwarze auf Grund der Umstände, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, zwangsläufig in vielen Vierteln quasi ohne ihr zutun in die Bredoullie kommen und vom System zermalmt werden, erwischt es diesmal einen weißen WASP Wall-Street-Heini, der komplett unschuldig zum Handkuss kommt.

 

Sherman McCoy, erfolgreicher Wertpapierhänder, Sproß einer angesehenen Familie, mutiert in Wolfes Setting zu einem Hiob der Wallstreet, dessen einziger Fehler es ist, als WASP seine Frau mit der falschen Geliebten zu bescheißen und zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Na so alles, was viele US-Schwarze eigentlich täglich erleben. Bei einem erfolglosen Raubüberfallsversuch überfährt die Geliebte McCoys in Panik auf der Flucht einen der beiden Täter (wahrscheinlich auch einen eher unschuldigen Mitläufer, der zufällig in der Gegend herumstand).

 

Was dann folgt ist ein atemberaubendes Spiel, in dem jeder lügt und betrügt, dass sich die Balken biegen und jeder sein Süppchen aus politischem Kleingeld, Karriere- bzw. Geldgeilheit und Vertuschung kocht: Staatsanwalt, Presse, Polizei, der schwarze Reverend, die eigentliche Täterin, das überlebende vermeintliche Opfer (eigentlich der Räuber), neu eingesetzte Richter, die Grand Jury, sein Arbeitgeber, Immobilienmakler... . Sogar sein eigener recht bemühte Anwalt und seine Familie tricksen ihn auf gewisse Weise letztendlich aus als das Geld nicht mehr fließt. Auf der Strecke bleibt unser "Underdog", Sherman von seiner Ausgangsposition her privilegiert, der als Sündenbock für alle herhalten muss und wie mit einer Rolltreppe abwärts immer tiefer in den Sumpf unverschuldeter Kalamitäten fährt.

 

Sherman kann einem richtig leid tun und ehrlich gesagt tut er mir das als Person auch, als politisches Statement ist er aber grandios plaziert, denn endlich dreht mal ein Autor fiktional den Spieß um und denkt die Diskriminierung in einem grandiosen "Was wäre Wenn Spiel" mal spiegelverkehrt von der anderen Seite.

 

Was noch zu erwähnen ist sind die derart pointierten bis zur Bösartigkeit getriebenen Skizzierungen der zahlreichen handelnden Personen, die in Summe sowohl ein Sittenbild der Upperclass, der Wall Street und Finanzwirtschaft, des Gerichtssystems, der Politik, und der Bronx, der Religion, des Wohlfahrtssystems und natürlich der Presse ergeben. Also den Makrokosmos New York City als Moloch fand ich äußerst gut getroffen.

 

Natürlich schreibt Wolfe episch breit, wie viele Amerikaner, aber durch die treffenden Figuren und Milieubeschreibungen habe ich mich keine Sekunde gelangweilt. Gewürzt wird das ganze dann noch mit tiefschwarzem grotesken Humor, der sich in völlig absurden Szenen entlädt.

Da ist zum Beispiel der Auftakt mit dem Dackel, der als Gassi-Geh-Alibi zum Anruf bei der Gliebten herhalten muss und ums verrecken bei dem Regen nicht hinausgehen will. Also wird der Hund dramatisch über die Fliesen durch die Lobby gezerrt (Die Filmszene mit Tom Hanks ist köstlich).

Oder die groteske Schuhputz-Szene als Göttin Karma plötzlich zurückschlägt:
"Sherman genoss es wie der Lappen gegen seine Mittelfußknochen drückte [...] dieser große, stämmige braune Mann zu seinen Füßen der ihm die Schuhe polierte, blind für die Hebel, mit denen Sherman eine andere Nation, einen anderen Erdteil bewegen konnte, alleine indem er ein paar Worte via Satellit in die Gegend schleuderte."
Im Anschluss an diesen Gedanken als Sherman sich wie Gott fühlt, blickt er zu Boden und findet sein Konterfei als Beschuldigter in der täglichen Lokalzeitung, die dieser in Shermans Augen unbedeutende Schuhputzer neben seiner Arbeit liest.

Die Sterbeszene im Restaurant schlägt sowieso alles - aber jetzt bin ich still, die müsst Ihr selber lesen, denn ich will nicht zu viel spoilern.

 

Fazit: Das pure Lese-Vergnügen. Diese Mischung aus Gier, Macht, Politik, Vertuschung, Lüge, Geldgeilheit, Puritantertum, Snobismus, Geilheit und Testosteron gepaart mit Humor.

 

P.S.: Tja eigentlich eignet sich das Buch auch für meine Book2moviechallenge 2019 in der Kategorie Hollywood Blockbuster. Mal schaun, ob ich den Film auswähle

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review 2018-12-11 08:55
Sechs Jahre aus dem Leben einer Ü30 Single-Frau
Mein Geburtstag Und Andere Katastrophen - Merrill Markoe,Ursula Walther

Ich habe keine Ahnung, wie es „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ von Merrill Markoe in mein Bücherregal geschafft hat. Das Buch passt so gar nicht in mein Beuteschema, daher vermute ich, dass es irgendwann einmal Gegenstand einer Rettungsmission war. In meiner Teenagerzeit habe ich häufig Bücher mitgenommen, die andernfalls auf dem Müll gelandet wären, unabhängig vom Inhalt. Das heißt, ich besitze dieses Buch schon sehr, sehr lange. In den letzten Jahren zweifelte ich daran, ob ich es jemals lesen würde, aber die heutige Rezension beweist, dass jedes Buch seine Zeit hat. Selbst ein Chic-Lit-Roman, der meinem Geschmack eigentlich widerspricht.

 

Wie ist es nur möglich, dass jedes Jahr gleich verläuft? Es kann doch nicht sein, dass man als erwachsene Frau von 36 Jahren ständig dieselben Fehler wiederholt und sich von den spitzen Kommentaren nörgelnder Eltern, gutmeinenden Ratschlägen ahnungsloser Freundinnen und verwirrenden Signalen kryptischer Männer langsam in den Wahnsinn treiben lässt. Etwas muss sich ändern! Eine neue Tradition muss her: einmal im Jahr, am Geburtstag, einen Brief an sich selbst zu verfassen, das Jahr Revue passieren zu lassen und sich daran zu erinnern, was man alles nicht mehr tun wollte, klingt wie eine gute Idee. Bestandsaufnahme und Vorsatzsammlung in einem. Dummerweise ist es gar nicht so leicht, sich zu ändern. Katastrophen scheren sich nicht um gute Vorsätze. Da helfen nur noch entschlossenes Krisenmanagement und der feste Glauben daran, dass irgendwann alles besser wird. Wird es doch, oder?

 

Die verzweifelte Stimme meines moralischen Gewissens hofft inständig, dass Merrill Markoe „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ ironisch meinte. Das Buch enthält so viele sexistische Klischees, dass ich unbedingt an eine absichtliche Überspitzung glauben muss. Ich möchte nicht in Betracht ziehen, dass diese Parade platter Vorurteile über Frauen, Männer und Beziehungen ernst gemeint ist. Ich muss an eine spottende Kritik glauben, an eine bewusste Überzeichnung. Andernfalls müsste ich mich nämlich dafür schämen, dass ich das Buch mochte. Ja, oh Wunder, ich fand es gut. Es ist natürlich kein literarisches Meisterwerk, doch unterhaltsam, amüsant und kurzweilig. Halb handelt es sich um einen Briefroman, halb um einen Tagebuchroman, denn die Protagonistin schreibt sich selbst einmal im Jahr an ihrem Geburtstag einen Brief, in dem sie das vergangene Jahr zusammenfasst und Verhaltensvorsätze für das nächste Jahr aufstellt. Ihr Name bleibt unbekannt, weil sie keine Anrede verwendet und dank der strikten Ich-Perspektive ihrer Briefe keine Notwendigkeit besteht, ihn zu nennen. Über sechs Jahre, von ihrem 36. bis zu ihrem 42. Geburtstag, durfte ich sie durch die Irrungen und Wirrungen ihres Lebens begleiten. Mir gefiel diese Struktur sehr gut; das Buch las sich flott und angenehm, weil ich nicht gezwungen war, jedes Jahr im Detail zu erleben, sondern bloß eine knappe Rekapitulation ihrer Highlights geboten bekam. Leider sind diese Highlights meist negativ, was mich animierte, über mich selbst nachzudenken. Der Frau passiert selten etwas Gutes. Hauptsächlich berichtet sie von ihrer katastrophalen Beziehung zu ihren Eltern und ihren unglücklichen Männergeschichten. Hin und wieder spielen ihre Freundinnen eine Rolle, die ihr mit wohlgesinnten, aber häufig umnachteten Ratschlägen zur Seite stehen, wodurch klar wird, dass sie ebenso blauäugig und einsam sind wie sie selbst. Vereinzelt erwähnt sie ihren Job als Kunstlehrerin an einer High-School, mit dem sie zufrieden ist, über den sie sich allerdings kaum zu definieren scheint. Ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. Wir haben nichts gemeinsam. Sie verkörpert jedes Vorurteil, das jemals über Frauen jenseits der 30 formuliert wurde: sie hadert mit ihrem Aussehen, kann sich nicht gegen ihre Eltern durchsetzen, überanalysiert männliches Benehmen, hört eher auf ihre Freundinnen als auf ihre Intuition, manövriert sich wiederholt in ungesunde Liebschaften und hält an einer unrealistischen Erwartungshaltung an sich selbst und ihren Lebensentwurf fest. Obwohl sie weiß, was sie falsch macht, ist sie unfähig, ihre eigenen destruktiven Verhaltensmuster zu durchbrechen und sich aus ihren dysfunktionalen Beziehungen zu befreien. Sie tat mir leid und ihre Konzentration auf die negativen Aspekte ihres Lebens erschien mir tragisch. Dennoch fand ich „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ lustig. Was sagt es über mich aus, dass mich das klägliche Leben einer bedauernswerten Ü30 Single-Frau erheiterte? Der betont witzige Erzählstil hatte natürlich seinen Anteil daran – die Leser_innen sollen lachen. Eine gewisse Schadenfreude spielte zugegeben sicher auch mit rein. Aber ich glaube, der Hauptgrund ist der parodierende, karikierende Tenor des Buches. Ich konnte die Schilderungen der Protagonistin nicht ernstnehmen. Niemand ist so offensichtlich ein wandelndes Klischee. Mit dieser Überzeugung kann ich mein Gewissen beruhigen und deshalb fühle ich mich nicht schlecht, weil ich „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ mochte.

 

Offenbar muss ich in meinem Bücherhirn eine neue Kategorie gründen: akzeptable Chic-Lit. „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ lehrte mich, dass ich in diesem Genre durchaus fündig werden kann, obwohl ich vermutlich nicht beginnen werde, gezielt nach entsprechender Literatur zu suchen. Als erfrischende, unkomplizierte Lektüre für Zwischendurch, die mir nichts abverlangte, war Merrill Markoes Brief-Tagebuchroman definitiv passend und amüsierte mich mühelos. Ich denke, der Unterschied zu Büchern wie „P.S. Ich liebe Dich“ besteht darin, dass Markoe völlig auf kitschiges Melodram verzichtete. Sie bringt ihre Leser_innen lieber zum Lachen als zum Weinen. Das kam mir eindeutig entgegen. Es zahlt sich eben aus, manchmal außerhalb meiner Komfortzone zu lesen. Wieder was über mich gelernt.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/12/11/merrill-markoe-mein-geburtstag-und-andere-katastrophen
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review 2018-12-08 01:48
A nostalgia trip
Peanuts Volume Nine - Charles M. Schulz

You can't go wrong with some classic Peanuts cartoons, am I right? Peanuts Vol. 9 created by Charles Schulz (and written by Jason Cooper with illustrations by Vicki Scott and Paige Braddock) is a collection of our favorite kids and their antics. (Do you recall the sound of the incomprehensible droning of the adults in the cartoon?) This (being volume 9) is obviously one of a series of collections like this that put together some of the best of the best of the Peanuts gang. From what I can tell they don't have specific themes and it doesn't matter which order you decide to read them. This was such a trip down memory lane for me and it made me vividly recall Sunday mornings and reading the newspaper cartoons in color. If you've never experienced the hopelessness of Charlie Brown, the ingenuity of Snoopy, or the wisecracking Lucy you owe it to yourself to settle down for some lighthearted hilarity. Pick up something sweet and fun to settle down with for the weekend! 10/10

 

PS When did Marcie fall in love with Charlie Brown?! I knew about Peppermint Patty but Marcie threw me for a complete loop!

 

PPS Do kids know about the Legionnaires? Do you? Well, I suggest you do a little homework because there's a whole set of jokes about them in this volume and you'll surely be lost if you don't.

 

Gotta love Peppermint Patty. [Source: Simon & Schuster]

 

What's Up Next: Star Trek Destiny #1: Gods of Night by David Mack

 

What I'm Currently Reading: Guns, Germs, and Steel by Jared Diamond

Source: readingfortheheckofit.blogspot.com
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review 2018-12-06 19:58
Take it or leave it? I'll leave it, thanks.
Tucker Grizzwell's Worst Week Ever - Bill Schorr,Ralph Smith

Tucker Grizzwell's Worst Week Ever by Bill Schorr and Ralph Smith was borne from a comic strip and is (supposedly) aimed at children. However, I found it to be so full of word play and puns that I think it would be better suited to an adult audience. In my opinion, it was a little too densely packed with jokes to the point of being somewhat annoying and obnoxious. This wasn't marketed as a collection of comic strips but it was lacking in a coherent plot beyond the bare bones 'lesson learned' tale of a cub realizing that adults may not necessarily have all of the answers to the world's questions. 

 

Apologies for the shortness of this review but some books don't lend themselves to a lengthy analysis especially when they're so middle of the road like this one. 2/10

 

 

Sorry this isn't clearer and easier to read. :-/ [The Phoenixed Forums]

 

What's Up Next: Peanuts Vol. 9 by Charles Schulz (and others)

 

What I'm Currently Reading: Guns, Germs, and Steel by Jared Diamond

 

Source: readingfortheheckofit.blogspot.com
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review 2018-12-05 15:00
24 Festive Tasks: Door 4 - Diwali, Book -- as well as Discworld December Group Read
The Light Fantastic - Terry Pratchett
The Light Fantastic - Terry Pratchett

The book where we learn how the Librarian of the Unseen University ended up as an orang-utan.  (This happens on the very first pages and anyone who's read at least one Discworld book knows this anyway, so I'm officially not considering it a spoiler.)  Other than that, more fun with Rincewind, Twoflower and the luggage, and more send-ups of  the1980s' life and times on our round blue planet, complete with Conan Cohen the Barbarian and a doomsday cult.  The picture box makes a reappearance, too, and we learn what Death is like when he's at home

and hanging out with the other three horsemen of the apocalypse -- and with his daughter.

(spoiler show)

  Also, there are dine chewers (say that one aloud).  And trolls with a Scottish accent in the audio version.  And there's this, on the usefulness of books:

"Cohen was shocked.

'Bonfires of books?'

'Yes.  Horrible, isn't it?'

'Right,' said Cohen.  He thought it was appalling.  Someone who spent his life living rough under the sky knew the value of a good thick book, which ought to outlast at least a season of cooking fires if you were careful how you tore the pages out.  Many a life had been saved on a snowy night by a handful of sodden kindling and a really dry book.  If you felt like a smoke and couldn't find a pipe, a book was your man every time.

Cohen realized people wrote things in books.  It had always seemed to him to be a frivolous waste of paper."

To put this one to optimum use, since it's got the word "light" in the title I'll use it as my book for the Diwali square of 24 Festive Tasks.  In addition to which, of course, it is the Discworld group read book for December 2018.

 

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