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review 2019-01-14 21:35
Rezension | Jasper Fforde: Eiswelt
Eiswelt: Roman - Kirsten Borchardt,Jasper Fforde

Es beherrscht eine Eiszeit die Welt. Menschen überwintern, indem sie einen Winterschlaf halten. Es überlebt, wer sich vor dem Schlaf die nötige Speckschicht angefuttert hat: Dünn sein ist kein Schönheitsideal, sondern ein Todesurteil. Wer Glück hat, bekommt eine Droge zur Verfügung gestellt, Morphinox, doch die kann massive Nebenwirkungen haben. Zwar betrifft es nur wenige Prozente der Bevölkerung, doch es kann passieren, das man zum Nachtwandler wird: Eine quasi hirntote Hülle, die vielleicht gerade noch in der Lage ist einfache Tätigkeiten auszuführen wie eine Tür zu öffnen. (Abgesehen von einem Hang zum Kannibalismus.) Manche wollen wach bleiben und manche müssen wach bleiben, denn irgendjemand muss auch im Winter für Ordnung sorgen. Einer davon ist Charlie. Er wird aus einem Waisenhaus als Winterkonsul rekrutiert und landet durch eine Verkettung der Ereignisse in Wales, im berüchtigten Sektor 12.

 

Eiswelt ist lange damit beschäftigt die Welt zu etablieren; gut die Hälfte des Buches führt Dich durch den Winter und zeigt, wie die Dinge hier laufen. Was wie riesiges Infodump klingt ist von Jasper Fforde so interessant verpackt, dass ich das dem Buch nicht anlaste. Er spielt hier wieder mit vielen kleinen Details und kruden Kleinigkeiten, die Dich bei der Stange halten. Im Gegensatz zu seinen anderen Werken hat er diese Detailverliebtheit hier jedoch zurückgeschraubt. Du merkst, dass Du Dich hier wieder in einem erwachsenen Genre befindest.

 

Eiswelt ist seltsam. Die Handlung hat es wieder in sich, bei genauerem Hinsehen ist es eine Gesellschaftskritik, eine Gesellschaftssatire, und auch eine Kritik an Pharmaunternehmen, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Nichtsdestotrotz hat das Buch einen eher gemütlichen Verlauf. Mir war an keiner Stelle langweilig, aber es ist kein Pageturner, den Du nicht mehr aus der Hand legen kannst. Das große Plus war, dass ich die Figuren allesamt entweder ungemein sympathisch fand, allen voran Charlie, oder sie waren faszinierend wie Aurora und Toccata. (Die Figur hat es in sich. ;) )

 

Die Geschichte ist gut, manchmal seltsam lustig, manchmal richtig dunkel, aber das Tempo ist langsam. Du folgst Charlie bei seiner Aufgabe, es gibt Rätsel zu lösen, Twists und Überraschungen, die mich tatsächlich überrascht haben, doch alles dröselt Fforde so nach und nach auf, ganz gemütlich. Dadurch entwickelte das Buch für mich einen hypnotischen Sog. Ich wollte es nicht jeden Tag weiter lesen, aber wenn ich es wieder in die Hand nahm, war ich sofort drin. Es ist ein Buch, dass Dich auf eine Reise mitnimmt, in die du jederzeit ein- und wieder aussteigen kannst.

 

Als Fazit kann ich sagen, dass ich das Buch nicht hätte lesen müssen, aber ich bereue es nicht, es getan zu haben. Es ist etwas für lange Winterabende, bei denen man mit heißem Tee in eine Decke gehüllt am Lieblingsleseplatz sitzt und einfach ein bisschen vor sich hin schmökern möchte, mit einer Geschichte, die bei genauerem Hinsehen alles andere als seicht ist, aber streckenweise so tut, als wäre sie es und Dich so wohlig in ihren Bann zieht.

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quote 2019-01-06 12:45
Mein Kind, die Liebe zwischen Dir und mir ist bedingungslos. Wir werden uns vielleicht unwissentlich verletzen, die Entscheidungen der jeweils anderen, Freunde und Vorlieben missbilligen, aber egal, was geschieht, Du kannst Dich auf mich verlassen. Egal, wie alt Du bist, Dein Kummer wird auch mein Kummer sein, Dein Glück meine Freude. Die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau ist kein Riesenbetrug, wie Oriana behauptete, aber sie ist nicht bedingungslos. Sie hängt davon ab, ob die Chemie stimmt, ob Ihr zusammenpasst, ob Temperament, Lebensstil, ja sogar das Einkommen passen, doch wenn Du Dich verliebst und diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, dann ist das eine überaus mächtige Kraft. Die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau kann großzügig sein, und das sollte sie auch. Leider, mein liebes Kind, wirst Du viele Geschichten hören, die von dem Wunsch handeln, sich gegenseitig zu besitzen, zu verändern, zu kontrollieren. Genau das aber tötet die Zuneigung und die Leidenschaft. Wenn Du kannst, vermeide das.
Ich bin eine Nomadin (German Edition) - Büro Mihr,Hirsi Ali, Ayaan

Kap. Epilog; 98%

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quote 2019-01-06 12:22
In der realen Welt führt gleicher Respekt für alle Kulturen nicht zu einem prächtigen Mosaik bunter und stolzer Völker, die friedlich miteinander auskommen und gleichzeitig eine wunderbare kulinarische und kunsthandwerkliche Vielfalt bewahren. Vielmehr entstehen isolierte Inseln der Unterdrückung, der Ignoranz und des Missbrauchs.
Ich bin eine Nomadin (German Edition) - Büro Mihr,Hirsi Ali, Ayaan

Kap. Schluss; 94%

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quote 2019-01-06 09:06
Angst wirkt.
Und so gewöhnen sich die Menschen langsam – und manchmal auch ganz schnell – daran, bestimmte Dinge nicht zu sagen, oder sie vielleicht noch zu sagen, aber ganz sicher nicht aufzuschreiben. Die Spinnenfinger der Selbstzensur schnüren allmählich das Denken des Einzelnen ab, dann ganzer Gruppen, dann die Ideen selbst und das Äußern dieser Ideen. Wenn die freie Meinungsäußerung so zusammenfällt, wenn die Menschen des Westens bestimmte Praktiken, bestimmte Aspekte des Islam nicht kritisieren oder hinterfragen, lassen sie jene Muslime im Stich, die diese Dinge ebenfalls hinterfragen wollen. Sie geben ihre eigenen Wertvorstellungen auf. Dann ist ihre Gesellschaft verloren.
Ich bin eine Nomadin (German Edition) - Büro Mihr,Hirsi Ali, Ayaan

Kap 14; 79%

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quote 2019-01-06 08:37
Sozialarbeiter im Westen werden Ihnen sagen, dass Einwanderer den Zusammenhalt in der Gruppe aufrechterhalten »müssen«, um ihre geistige Gesundheit zu bewahren, denn sonst würden sie verunsichert und ihr Selbstwertgefühl würde zerstört. Das stimmt nicht.
Die Vorstellung, dass für Immigranten der Zusammenhalt in der Gruppe so wichtig ist, trägt vielmehr dazu bei, dass sie als Opfergruppen wahrgenommen werden, die besondere Wohnformen, einen ganzen Wirtschaftszweig, besondere Hilfsmittel und besondere Unterstützung brauchen. Wenn diese Menschen sich an der Kultur ihrer Vorfahren orientieren sollen, folgt daraus, dass man ihnen dabei helfen sollte: mit eigenen Schulen, von der Regierung finanzierten Einrichtungen und sogar mit eigenen Schiedsgerichten. Diese Art von romantisch verklärtem Primitivismus hat der australische Anthropologe Roger Sandall »designer tribalism« genannt: Man geht automatisch davon aus, dass nichtwestliche Kulturen entsprechend den ursprünglicheren, tief im Menschen angelegten Geboten in Harmonie mit Tieren und Pflanzen leben und eine elementare Spiritualität pflegen.
Jetzt kommt etwas, das ich auf die harte Tour gelernt habe, das aber viele wohlmeinende Menschen im Westen einfach nicht einsehen wollen. Alle Menschen sind gleich – aber das gilt nicht für alle Kulturen und Religionen. Eine Kultur, die die Weiblichkeit feiert und Frauen als Herrinnen über ihr Leben sieht, ist besser als eine Kultur, die die Genitalien von Mädchen verstümmelt und sie hinter Mauern und Schleiern gefangen hält oder sie auspeitscht oder steinigt, nur weil sie sich verliebt haben. Eine Kultur, die von Gesetzes wegen die Rechte der Frauen schützt, ist besser als eine Kultur, in der ein Mann völlig legal bis zu vier Frauen gleichzeitig haben kann und den Frauen die Alimente und ihr halbes Erbe verweigert werden. Eine Kultur, die Frauen in ihren Obersten Gerichtshof beruft, ist besser als eine Kultur, in der die Zeugenaussage einer Frau nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes. Es gehört zur muslimischen Kultur, Frauen zu unterdrücken, und zu allen Stammeskulturen, Patronage, Nepotismus und Korruption zu institutionalisieren. Die Kultur der westlichen Aufklärung ist besser.
In der realen Welt führt gleicher Respekt allen Kulturen gegenüber nicht zu einem bunten Mosaik farbenprächtiger und stolzer Völker, die friedlich miteinander umgehen und dabei eine wunderbare Vielfalt von landestypischen Gerichten und Kunsthandwerken bewahren, sondern vielmehr zu abgeschlossenen Inseln der Unterdrückung, des Unwissens und des Missbrauchs.
Viele Menschen verspüren echten Schmerz bei dem Gedanken, dass ganze Kulturen aussterben könnten. Ich erlebe das immer wieder. Sie fragen: »Gibt es denn gar nichts Schönes in diesen Kulturen? Gibt es nichts Schönes im Islam?« Natürlich gibt es schöne Bauten, und natürlich ist die Aufforderung zu Wohltätigkeit etwas Schönes; doch der Islam gründet auf sexueller Ungleichheit und auf der Aufgabe individueller Verantwortung und Entscheidungsfreiheit. Das ist nicht einfach hässlich, es ist ungeheuerlich.
Zweifellos hatte die somalische Clankultur einmal ihre wildromantischen Seiten. Die Menschen trugen farbenprächtige Kleidung, hatten einen schwarzen und beißenden Humor, sie kannten Überlebensstrategien in einer lebensfeindlichen Wüstenumgebung, von denen die Welt vielleicht etwas hätte lernen können. Doch die Überzeugung der Multikulturalisten, dass die somalische Clankultur irgendwie bewahrt werden sollte – selbst wenn die Menschen, die sie hervorgebracht hat, sich entschließen, in westlichen Gesellschaften zu leben –, ist die Garantie für soziales Scheitern. Der Multikulturalismus hilft Einwanderern, die schmerzhafte Aufgabe von anachronistischen und unangemessenen Traditionen hinauszuschieben. Er bewahrt die Kunst und die traditionsreichen Handwerke um den Preis, dass er Menschen in korrupten, ineffizienten und ungerechten Gesellschaftssystemen gefangen hält. Er schreibt Armut, Elend und Missbrauch fort.
Ich bin eine Nomadin (German Edition) - Büro Mihr,Hirsi Ali, Ayaan

Kap. 14; 76%

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