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review 2019-02-07 19:24
Vom warmen Licht im Leben
Das warme Licht des Morgens: Roman - Franziska Fischer

Levi rettete ein Kind aus den Flammen und hat dabei sein Augenlicht eingebüßt. Er weiß nicht, was ihn angetrieben hat, das brennende Haus zu stürmen. Seither schließt er sich in seiner Wohnung ein, sperrt die Welt aus, und will nicht einmal mehr Bücher schreiben. Denn als Schriftsteller braucht er all seine Sinne, um die richtigen Worte zu finden. Bis das Kennenlernen mit Rea wieder Licht in sein Leben bringt.

"Das warme Licht des Morgens" ist ein melancholischer Roman der leisen Töne, der sich mit den Widrigkeiten des Lebens, den Entscheidungen die wir treffen, und den Menschen, die uns umgeben auseinandersetzt.

Levi ist Mitte Vierzig und hat im Schreiben seine Berufung gefunden. Doch als der Schriftsteller in einem Anfall von Heldentum ein brennendes Haus stürmt, ist er mit Blindheit geschlagen. Er schließt sich in der Dunkelheit seiner Wohnung und seines Lebens ein, und will an der Welt keinen Anteil mehr haben. Nur seine Tochter geht ihm bei ihren regelmäßigen Besuchen zur Hand. Sie hilft im Haushalt, kocht und versucht ihm Gesellschafterin zu sein.

Eines Tages lernt Levi die Kellnerin Rea kennen. Sie hat ein robustes Naturell und merkt schnell, dass der Autor Hilfe braucht. Schon allein, um die Tochter zu entlasten, schleicht sich Rea in Levis Alltag ein, und bringt damit Licht in sein Leben retour, auch wenn es anders strahlt als er es von früher kennt.

Dieser Roman ist ruhig und melancholisch geschrieben und hat nichts vom flotten Ton ähnlicher Werke. Die Geschichte ist ernst, bedacht und geht auf die Widrigkeiten des Lebens ein.

Damit ist allerdings nicht Levis Unfall gemeint, sondern dieses Werk beschäftigt sich mit all den Entscheidungen, die uns dahin führen, wo wir angekommen sind. Sei es, dass man sich von geliebten Menschen zurückzieht, weil einem anderes als wichtiger erscheint, oder man wild entschlossen einen großen Schritt auf seinem Weg wagt, der einem am Ziel vorbeilaufen lässt.

Es wird aus zwei Perspektiven erzählt. Den Hauptteil trägt Protagonist Levi, der dem Leser sein dunkles Leben näher bringt. Man lernt seine finstren Tage kennen, die Wohnung, durch die er sich bewegt, die kleinen Kniffe, durch die er den Alltag bewältigt, und Situationen, die er unmöglich allein schaffen kann.

Außerdem kommt Levis Tochter Robin zu Wort. In mehreren Passagen beleuchtet sie den Vater, den sie kannte, und den Mann, der er vor der Erblindung war. Robins Part ist überaus melancholisch. Meinem Gefühl nach liegt viel Wahrheit in ihren Worten. Sie arbeitet ihre Beziehung heraus, und zeigt, dass sie ihn immer liebt, egal wie sehr er sie enttäuscht.

Mir hat die Geschichte von Levi und Rea besonders gut gefallen. Lange Zeit ist nicht nachvollziehbar, wer Rea überhaupt ist. Sie strömt eine geheimnisvolle Aura aus, die mit Gutmütigkeit und Besonnenheit vollgesogen ist. Zudem hat sie einige Überraschungen parat, die der Story kleinere Höhepunkte verleihen.

Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich um einen ruhigen Roman, der weder mit Dramen noch großen Wendungen dient. Die Autorin erzählt gleichförmig und fesselnd zugleich, was den Leser an die Seiten bannt.

Robins Part - die Rückblenden der Tochter und ihre Emotionen zu den Ausschnitten der Vergangenheit - hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Dennoch wird dadurch Levis Charakter und sein bisherigen Leben ergänzt, was für die Geschichte ein rundes Gesamtbild schafft. 

Im Endeffekt ist es eine melancholische Geschichte, die trotzdem frohem Mutes ist und Hoffnung verspricht. Wer mit Levi seiner dunklen Welt entfliehen will, sollte Reas Hand ergreifen und das warme Licht des Morgens in sein Leben lassen. 

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com
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review 2018-12-18 13:36
Dóra Gudmundsdóttir ermittelt wieder
Das gefrorene Licht (Dóra Guðmundsdóttir 2) - Argon Verlag,Christiane Marx,Yrsa Sigurðardóttir

Auf der Hablinsel Snæfellsnes in Island wird die Leiche einer Architektin am Strand entdeckt. Die Frau wurde vergewaltigt, übel zugerichtet und Nadeln wurden in ihre Fußsohlen gesteckt.  Dóra Gudmundsdóttir ist zufällig vor Ort und kommt einem Geheimnis auf die Spur.

Dóra wird von einem Mandanten übers Wochenende in sein Hotel eingeladen, um eine mögliche Klage zu besprechen. In der bereits angespannten Atmosphäre geschieht ein Mord und Dóra steckt mittendrin. 

Mordopfer ist die junge Architektin, die am Hotel weitere Anbauten vornehmen sollte. Warum wurde die Frau brutal ermordet? Ist das Motiv privater Natur? Oder ist sie mit ihren Bauplänen jemanden in die Quere gekommen?

Dóra Gudmundsdóttir  ist Rechtsanwältin und hat die Neigung, eigene Ermittlungen anzustellen. So stolpert sie diesmal mitten in diesen Fall rein. Unüberlegt nimmt sie sich des Falls ihres Kunden - des Hotelbesitzers - an, und hat es von einem Moment auf den anderen mit Mord zutun. 

Diese Vorgehensweise ist bei dieser Reihe absolut im Rahmen. Denn man hat nie das Gefühl, dass sie sich der Polizei überlegen fühlt. Dóra verfolgt lediglich Spuren, die der Polizei nicht bewusst sind, und geht dabei der Geschichte der Insel auf den Grund. 

Allerdings spielt Dóras Privatleben maßvoll ins Geschehen rein. Einerseits sind da ihr Ex-Mann und die Kinder, die nach Aufmerksamkeit schreien, ihre anstehende Oma-Rolle, weil sich ihr Sohn in seinen Teenie-Jahren fortzupflanzen gedenkt, und natürlich ist Dóra selbst eine Frau, die mit dem Deutschen Matthias ein Techtelmechtel laufen hat.

Die amouröse Spannung zwischen Dóra und Matthias gibt dem Krimi auf zweierlei Weise Schwung. Auf der einen Seite wird Matthias Part des Ermittlerteams, andrerseits lockern private Situationen die Handlung auf. Zudem werden anhand der unterschiedlichen Nationalitäten isländische und deutsche Kultur einander gegenübergestellt, was meiner Meinung nach sehr interessant zu hören ist. Insgesamt verschwindet mir Matthias’ Charakter allerdings zu sehr im Gesamtgeschehen. Ich fände es schon interessant, mehr über den Deutschen mit einer Schwäche für Isländerinnen zu erfahren. 

Alles in allem rundet Dóras Leben mit Kindern und der aufkommenden Liebschaft den Fall und die Handlung wunderbar ab. Obwohl manche Situationen ungewöhnlich sind, werden sie maßvoll und als ansprechender Rahmen eingesetzt. 

Dóra als Charakter ist geradlinig und mit beiden Beinen am Boden verankert. Sie versucht ihre Schwächen zu überwinden, ihre Stärken setzt sie gekonnt ein, und gibt sich keinerlei träumerischen Illusionen hin. 

Der Fall geht über mehrere Ecken und wird als solider Krimi aufgezogen. Dabei geht Sigurdardóttir gekonnt das Farbenspiel der Mordmotive und Verdächtigungen an. Sie stellt abwechselnd mögliche Täter in den Vordergrund und schafft es, Erwartungen zu übertrumpfen. Zusätzlich arbeitet sie isländische Geschichte heraus, was dem Roman neben der Handlung eine weitere interessante Note verleiht. Das Spannungsniveau ist krimimäßig gleichförmig, und regt in erster Linie zum Rätseln an.

Bestechend ist das Island-Setting, indem man sich durch Land und Leute bewegt. Konfrontiert mit einer faszinierenden Umgebung und einer ungewohnten Gesellschaftsstruktur, wird man mitten auf Island ausgesetzt. Hierzu zählen eben historische Fakten, die Sprache, der Umgang miteinander aber auch die Natur und die isländische Sagenwelt.

Unterm Strich handelt es sich um einen befriedigenden Krimi, der ein Ratespiel mit atmosphärischen Island-Faktor ist. 

 
 
Dóra Gudmundsdóttir ermittelt:
1) Das letzte Ritual [Rezension lesen]
2) Das gefrorene Licht
3) Das glühende Grab
4) Die eisblaue Spur
5) Feuernacht
6) Todesschiff
Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com
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review 2017-11-14 08:00
Rood Licht
Rood licht - Milou van der Will

A quick and easy read, but nothing special or very memorable.

 

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Ik had Rood Licht gewonnen bij Ezzulia (de leesclub) en daarvoor heb ik het ook gelezen. Ik zou het zelf niet zo snel hebben meegenomen van de boekwinkel, maar ik was toch wel benieuwd naar het boek.

Het onderwerp, loverboys en andere foute mannen, spreekt me normaal gesproken niet zo aan. En dat was ook deze keer niet wat ik erg goed vond aan het boek. Maar ik vond het wel makkelijk en lekker lezend geschreven. Ik heb het in een paar dagen uitgelezen en voor een debuutverhaal vond ik het best oké. Ben zeker bereid het tweede boek van haar ook te lezen...

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review 2017-10-25 05:59
Ein Buch, das in der Seele trifft
Alles Licht, das wir nicht sehen: Roman - Anthony Doerr,Werner Löcher-Lawrence

In Frankreich sieht die blinde Marie-Laure dem 2. Weltkrieg entgegen. Gerüchte, Gerüche und Angst begleiten sie durch das besetzte Land. In Deutschland bereitet sich der Waisenjunge Werner auf eine Eliteausbildung vor. Nur die besten Jungen sind auserwählt, für Führer und Vaterland Spezialaufträge zu erfüllen, die ihn an die Grenze seiner Menschlichkeit bringen werden.

Mit „Alles Licht, das wir nicht sehen“ hat Anthony Doerr ein erzählerisches Meisterwerk geschaffen, das einem gebannt in die Zeiten des 2. Weltkriegs versetzt. Anhand der Jugendlichen Marie-Laure und Werner gibt er den Menschen ein Gesicht, treibt sie aufeinander zu und lässt sie wieder ziehen. Und man sieht, dass sie ihrem Schicksal gnadenlos ausgeliefert sind.

Marie-Laure ist blind und hat sich zu arrangieren gelernt. Ihr Vater hat sich stets gut gekümmert, das wissbegierige Mädchen mit allerhand Finessen versorgt und will natürlich gerade in Kriegszeiten das Beste für sie. 

Werner hat es schwer im Leben. Als hochtalentiertes Waisenkind ist er eine Ausnahmeerscheinung, die es weg von den Kohlengruben hin zur Eliteschule schafft. Großes steht ihm bevor - sagen sie. Doch Werner ist sich nicht sicher, ob er diese große Taten wirklich vollbringen will. 

Die Schicksale dieser Jugendlichen sind von der ersten Seite an miteinander verwoben, obwohl sie sich kaum berühren. Abschnittsweise wird von Marie-Laure und Werner erzählt, wie sie ihre Kindheit verbrachten und mit welchen Gefühlen sie dem Krieg gegenüberstehen. 

Dabei hat Doerr einen meisterhaften Erzählstil gefunden, in dem er wie in einem Labyrinth durch die Windungen der beiden Schicksale führt.

Die Geschichte von Marie-Laure und Werner geht unter die Haut. Ich bewundere Autoren, die es schaffen, nicht nur Geschichten sondern Geschichte zu erzählen. Sie geben uns ein Gefühl für die Gegenwart, schärfen den Blick und weisen daraufhin, dass das Leben nicht selbstverständlich ist.

Der 2. Weltkrieg wird in seiner unnachahmlichen Brutalität beschrieben: Luftangriffe, Hungersnöte, Krankheiten und verschwundene Elternteile. Gleichzeitig stempelt der Autor nicht ab, sondern zeigt, warum die Menschen zu ihren Überzeugungen gelangen. Er veranschaulicht, wer sie waren, was sie sind und wie sie sein werden - ohne sich dabei in Schwarzmalerei zu verlieren.

Außerdem gibt er den Besonderheiten dieser Zeit entsprechenden Raum. Abseits vom Kriegsgeschehen stachelt das Radio nicht nur den Fanatismus sondern auch die Wissbegier an. Es überträgt Botschaften, lässt Musik erklingen und rettet oder beendet sogar Menschenleben.

„Alles Licht, das wir nicht sehen“ lässt mich den Hut vor Anthony Doerr ziehen und ihm tief empfundene Anerkennung aussprechen. Dieses Werk berührt, bannt und fesselt. Es ist ein Buch, das mich mitten in der Seele trifft.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2017-08-22 11:53
Ein Klassiker der High Fantasy
Erdsee (Trilogie in einem Band) - Ursula K. Le Guin

Obwohl ich kürzlich feststellte, dass Frauen in der erwachsenen High Fantasy unterrepräsentiert sind, gibt es doch den einen oder anderen bedeutenden weiblichen Namen, der mit diesem Genre verbunden ist. Ursula K. Le Guin sollte diese Namensliste möglicherweise anführen. Kaum eine andere Autorin kann sich auf die Fahnen schreiben, so viel für die weibliche Fantasy und Science-Fiction geleistet zu haben. Kaum eine andere Autorin wird ehrfurchtsvoll mit Tolkien verglichen. Ihre „Erdsee“-Saga wurde mir vor Jahren von meiner Mutter vermacht. Der Sammelband „Erdsee“ enthält die ersten drei Romane: „Der Magier der Erdsee“, „Die Gräber von Atuan“ und „Das ferne Ufer“. Ich beschloss, alle drei direkt nacheinander zu lesen.

 

Dies sind die Geschichten von Sperber, dessen wahrer Name Ged lautet. Es sind die Abenteuer eines jungen Ziegenhirten, der zum mächtigsten Zauberer in ganz Erdsee wurde. Eine Geschichte erzählt von seiner Jugend, in der er sich der Angst selbst stellte und sie in ihre Schranken wies. Eine weitere berichtet von seinen Wanderjahren, während derer er weit in den Osten reiste, um seinem Land Frieden zu bringen und eine junge Frau kennenlernte, die das Licht in sich trug, obwohl sie für die Dunkelheit geschaffen wurde. Die letzte enthüllt die Kunde seiner schwersten Stunde, als er auszog, das Gleichgewicht des Lebens wiederherzustellen und das Reich der Toten betrat. Es sind Geschichten von Mut, tiefer Freundschaft und unvorstellbaren Opfern. Lauscht ihren Worten und folgt Ged nach Erdsee, in eine Welt, die von Magie geformt wurde und in der Drachen noch immer lebendig sind.

 

Der Auftakt der „Erdsee“-Saga, „Der Magier der Erdsee“, wurde 1968 erstveröffentlicht. Liest man High Fantasy aus dieser Zeit, sollte man darauf vorbereitet sein, dass sie nach anderen Regeln spielt als die modernen Vertreter des Genres. Aktuell liegen handfeste Action und komplexe Intrigengeflechte im Trend; Leser_innen sollen aufgeregt auf der Stuhlkante balancieren und an ihren Fingernägeln kauen, während sie sich fragen, wer als nächstes stirbt. Figuren gewinnen Stück für Stück an Ambivalenz und Realismus, Charakterentwicklung steht im Fokus. Als Ursula K. Le Guin „Erdsee“ zu schreiben begann, herrschten in der spekulativen Fiktion andere Prioritäten. Es ist wichtig, diesen Fakt im Hinterkopf zu behalten, um die altmodische Konstruktion nicht als irritierend zu empfinden. Ich wusste glücklicherweise, dass „Erdsee“ alt ist. Die Erzählweise ist eindeutig anders, weniger auf mitreißende Dramatik ausgerichtet, aber da ich darauf eingestellt war, konnte ich den traditionellen Charme der Romane genießen und mich ihrem ganz speziellen Sog hingeben, der trotz des niedrigen Spannungsbogens entsteht. Die Lektüre erinnerte mich an die vielen Male, als meine Mutter mir selbst Geschichten erzählte. Sie vermittelte mir immer das Gefühl, über ein endloses Repertoire zu verfügen und genau diesen Eindruck weckt auch Ursula K. Le Guin. Es wirkte, als hätte sie „Der Magier der Erdsee“, „Die Gräber von Atuan“ und „Das ferne Ufer“ bewusst aus einer Vielzahl von Geschichten ausgewählt, um ihren Leser_innen einen Querschnitt von Geds Leben zu präsentieren. Es sind lediglich Episoden, die längst nicht alles berichten, was es über ihn zu erfahren gibt. Durch große Zeitsprünge beschreiben sie grob Geds Entwicklung: von einem naiven Jüngling, dessen arroganter Hochmut ganz Erdsee gefährdet, zu einem unerschrockenen Weltenbummler in der Blüte seiner Jahre, zu dem weisen, integren und verantwortungsvollen Erzmagier, der das Schicksal der Welt gestaltet. Jede dieser Geschichten verkörpert eine eigene, individuelle Botschaft – zusammen zeichnen sie das Bild eines bezaubernden, faszinierenden Universums, das – dem Prinzip des Nicht-Handelns des Daoismus folgend – wie kein anderes nach Harmonie und Gleichgewicht strebt. Es ist daher nicht überraschend, dass die Erzählungen aus Erdsee (fast) komplett gewaltfrei sind. Für mich war diese Erfahrung zweifellos ungewöhnlich, aber auch seltsam befreiend. Das Lesen war ohne Anspannung, ohne das Versprechen von Gewalt, angenehm sorglos. Le Guins gemäßigter, würdevoller, leicht zugänglicher Schreibstil unterstreicht diese solide, friedvolle Atmosphäre. Ich mochte die entspannende Ruhe, die „Erdsee“ ausstrahlt, zu der das konventionelle, schlichte Magiesystem, das die Macht der Sprache fokussiert, hervorragend passt. Trotzdem sehe ich das Worldbuilding nicht unkritisch. Es ist positiv, dass Le Guin eine interessante Mischung verschiedener Kulturen und Hautfarben vorstellt. Leider ist ihre Welt jedoch erschreckend sexistisch. Es gibt keine weiblichen Magier; Frauen werden nicht in der Magie geschult, ob sie nun talentiert sind oder nicht. Magisch begabte Frauen können maximal den fragwürdigen Weg einer Hexe einschlagen, was von einer weiblichen Autorin definitiv enttäuschend ist. Von der Grand Dame der spekulativen Fiktion hatte ich mehr erwartet.

 

„Erdsee“ ist unbestritten ein Klassiker der High Fantasy. Liebt man das Genre, sollte man Ursula K. Le Guins Romane meiner Ansicht nach unbedingt lesen, ebenso wie „Der Herr der Ringe“, weil diese Bücher die Anfänge einer literarischen Kategorie darstellen, die sich über die Jahrzehnte stark verändert hat. Es ist gut, zu wissen, welche Werke all die Geschichten von Magie, Drachen und fantastischen Welten, die wir heute kennen, ermöglichten. Obwohl „Erdsee“ wohl niemals zu meinen Lieblingsbüchern gehören wird, weil es nicht meinen persönlichen Ansprüchen an die HF entspricht, sind die drei Geschichten „Der Magier der Erdsee“, „Die Gräber von Atuan“ und „Das ferne Ufer“ mit ihren unmissverständlichen Botschaften und Motiven zeit- und alterslos. Natürlich mag ich es normalerweise lieber etwas aufregender, zupackender – aber es war nett zu sehen, dass die High Fantasy einst ohne fiese Intrigen und blutrünstige Schlachten auskam.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/08/22/ursula-k-le-guin-erdsee
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