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review 2017-11-02 04:13
Zäh wie Kelloggs Maisbrei
Willkommen in Wellville - T.C. Boyle

Das ist definitiv der schlechteste oder zweitschlechteste Boyle, den ich jemals gelesen habe. Von den 620 Seiten kann man mindestens 300 ungeschaut in den Mistkübel werfen, vielleicht wäre es sowieso besser gewesen, T.C. hätte gleich auf Seite 280 aufgehört, diesen Roman zu schreiben. Seit dem Moralkapitel und dem ersten Live-Toten im Strombad mit seinen Konzequenzen war die Story so zäh, als wäre ich mit klatschnassen schweren medizinischen Fußwickeln durch Maissirup gewatet.

Die beiden Erzählstränge laufen dem Schriftsteller mit dem normalerweise unvergleichlichen erzählerischen Talent, für den ich Boyle immer schon gehalten habe, völlig aus dem Ruder. Sie verhalten sich wie ein Hochgeschwindigkeits-Intercity-Zug zu einem Regional-Bummerlzug, der an jedem Misthaufen anhält. Sie halten einfach beide nur gelegentlich in ein paar Stationen gemeinsam und dann auch noch zu völlig unterschiedlichen Zeiten. So verpasst der Leser einfach immer den Anschluss und friert frustriert in den zugigen Wartehallen des Plots. Dieser Umstand nervte mich derart, dass ich völlig das Interesse am Handlungsstrang Per-Fo mit Charly Ossinig und Bender verlor, oft wollte ich schon widerwillig diese Kapitel überblättern, hab mich aber dann doch mühevoll durchgebissen. Zugegeben nach mehr als 600 Seiten an der Endhaltestelle wird alles konsitent zusammengefügt, aber das ist viel zu spät und hat außerdem einiges von meiner wertvollen Leseaufmerksamkeit sinnloserweise und schändlich vergeudet.

Ansonsten gibt es natürlich nicht nur Schlechtes von Willkommen in Wellville zu berichten. Die moralinsauren Gesundheitskapitel sind wundervoll und hacken in gewohnter TC-Manier bösartig satirisch und enlarvend auf die bessere Gesellschaft ein. Alle Figuren insbesondere Dr. Kellogg und die Lighthouses sind wundervoll gezeichnet. Die Szenen der Lighthouse-Ehe muss man sich überhaupt mal auf der Zunge zergehen lassen, die strotzen nur so von Einfallsreichtum und tiefenpsychologischen Einsichten, was man sich durch kleine impertinente Nadelstiche gegenseitig antun und wie man sich das Leben schwermachen kann.

Witzig grotesk wütet Dr. Kellogg gleich einem Ritter in Rüstung gewappnet mit moralischer und medizinischer Empörung mit unverrückbarer Meinung gegen jegliche Bedürfnisbefriedigung. Das fängt beim lustfeindlichen Essen an, verteufelt Alkohol und Tabak, entzieht allen Menschen in seiner Umgebung auch seinen Kindern irgendwelche Gefühle der Zuwendung und hört beim Schlafen und bei Sex auf.  

Alles ist nicht nur moralisch verwerflich und unnötige Zeitverschwendung, Kellogg legt für sich und seine Patienten auch medizinische Gründe zurecht, fälscht Fakten und Daten wie unter dem Mikroskop, das alles ungesund sei, obwohl er genau weiß, dass er alle für dumm verkauft.  Die berechtigte Frage nach dem Aussterben der gesamten Menschheit beim gänzlichen Verzicht auch auf ehelichen Sex wiegelt er ab. Sie sollte offensichtlich aussterben. Kellogg adoptiert, anstatt diesen grauslichen Sex zu praktizieren, wie ein Wilder irgendwelche Kinder und fühlt sich dadurch auch noch zum Empfänger von unendlicher Dankbarkeit berechtigt.

Alles dient seiner Mission, die tierquälerische Erziehung eines Wolfes zum Vegetarier (der ihm letztendlich auch undankbar ins Bein beißt), die Manipulation des Publikums, Bakterien und Würmer im Fleisch unter dem Mikroskop zu entdecken, dieser unvergleichliche Sauberkeitswahn mit mehr als 5 Darmspülungen am Tag und das operative Herumgestochere in den Därmen der Patienten. Wenn man die Figur Kellogg entwicklungspsychologisch analysiert, muss man sagen, dass bei diesem Herrn in der annalen Phase nicht nur ein bisschen was schiefgegangen, sondern der Schaden quasi derart gravierend irreparabel und nur durch eine Lobotomie behebbar wäre. Diese Zwangsstörung lebt er aus und transferiert sie auch gleich mit medizinischen Theorien garniert auf die Umwelt - sowas nennt man in der Psychologie Übertragung. Dabei werden seine verrückten unverrückbaren Theorien auch nach einigen Toten im Sanatorium (sowohl auf menschlicher als auch auf tierischer Seite) nie auf Fehler untersucht, ein bisschen Fehleranalyse und Skrupel leistet sich der große Zampano nie. Da wird ordentlich die Realität verdrängt, Fakten mit der Mission geglättet, uminterpretiert und wieder in Einklang gebracht. Ein großartiger Ungustl - wirklich gut beschrieben.

Auch der Boylsche Humor blitzt natürlich in diesem ewig langen Roman in gewohnter Manier durch:
"Will klammerte sich an die Speisekarte, als wäre sie ein Seil, das über eine Grube mit Krokodilen gespannt war. Seine Tischnachbarn waren verstummt, konzentrierten sich auf seine gedankenreichen Erwägungen. Hier ging es nicht einfach ums Essen, das war Wissenschaft."

Letztendlich bleiben bei diesem Werk nur 2,5 Sterne auf der Guthabenseite, weil es einerseits eben gar so lang war. Andererseits hat es mich nicht ganz so schlimm wie die Korrekturen von Franzen  genervt, da zwar der Plot grottenschlecht, aber die Figuren in gewohnter Qualität konzipiert sind.  Aus diesem Grund bzw. weil ich auch ein Fan vom T.C. bin, runde ich wohlwollend auf 3 Sterne auf.

Fazit: Wie ich schon bei meiner Asterix-Besprechung diese Woche ausgeführt habe: Lest einen Boyle, aber bitte einen anderen.

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review 2017-08-07 01:32
Dunkirk: A Miracle of Deliverance
Dunkirk: A Miracle of Deliverance - David Boyle

With historical accuracy, Dunkirk: A Miracle of Deliverance describes the evacuation of the British forces from the beaches of Dunkirk.  I have always enjoyed reading about historical events, especially when they are brought back into the spotlight by pop culture; I like knowing the facts from the fiction.  This was a concise overview of the events leading up to the evacuation and the evacuation itself. I learned about Vice Admiral Bertram Ramsey along with the difficult decisions and unique calls that he had to make. I was very interested in the planning and decisions made on Ramsey's end and Hitler's end and the eventual outcome, since this book provided a general overview, I'm sure there is much more to learn and discover when delving into those specifics.  I was also amazed at how many people were willing to use their boats to deliver the soldiers from Dunkirk and I would definitely like to delve more into their stories.  Overall, I was amazed simply by the facts of how many people were able to escape.  I would have loved to have seen pictures, maps and any other historical artifacts included in the book; however, this was a wonderful primer of the overall event.

 
This book was received for free in return for an honest review. 
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review 2017-04-24 18:42
Good premise but a disappointing execution
The Terranauts: A Novel - T.C. Boyle

I got to around 150 pages into this book and realized this one was just not for me. I gave up the fight and returned it back to the library. I had such high hopes and thought the premise sounded really great but it felt completely flat to me. I figure I gave it enough of a shot though to see that it wasn't the book for me. :-/

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review 2017-03-31 05:32
save me from the egoism
The Terranauts: A Novel - T.C. Boyle

Honestly a well written book, but I found the overwhelming egoism of the characters unpalatable (even if it was realistic).

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review 2017-03-28 17:48
An insightful and clear introduction to Laing’s life and work in time for his rediscovery
Ronald Laing: The rise and fall and rise of a radical psychiatrist - David Boyle

I’m writing this review as a member of Rosie’s Book Review Team. I was provided with an ARC copy of the book that I voluntarily chose to review.

I’m a psychiatrist and although I studied Medicine in Spain I have trained as a psychiatrist in the UK. Despite that, R.D. Laing and his ideas weren’t a part of our curriculum (I don’t know if things have changed now, as that was almost 25 years ago). During one of my training jobs, one of the psychotherapy tutors showed us a recording of an interview with R.D. Laing and he talked to us about him. He came across as a fascinating man with very interesting ideas, quite contrary to the standard focus on biological psychiatry, evidence-based interventions and emphasis on classification and symptoms rather than people. I read several of his books at the time and although I was fascinated by his ideas I didn’t have the time to study his figure and the rest of his work in detail.

This short book (the text takes up around 88% of the book as after that there are some extracts from other books from the same publisher, The Real Press) does an excellent job of highlighting both the person (the biography is succinct but it manages to include the salient points of his family life, his work experience and how both influenced his ideas) and his works. It also places Laing’s figure in its historical and socio-political era, linking it to other thinkers and movements of the time (hippy movement, antipsychiatry, existentialism, LSD culture…). Due to its length, it is not an exhaustive study of the individual works but it presents a good overview that will allow those who’ve never heard of R.D. Laing to gain some familiarity with his life and his work, and will bring together loose ends for those who might have read some of his works but don’t know how they fit into his career (because, as the author points out, some of Laing’s books are very difficult to understand). This text also provides a good guide to students interested in going deeper into Laing’s work and offers suggestions for further reading (both of Laing’s own works and of works about him). The book is being launched to coincide with the premier of a movie about Laing called ‘Mad to Be Normal’ starring David Tennant, and it should be a great complement to those who might come out of the movie intrigued and wanting to know more without embarking on complex theoretical books (that are very much of their time).

Boyle does a great job of extracting the most important aspects of Laing’s work and life and shows a good understanding and empathy towards the man and his ideas. Rather than focus exclusively on the most scandalous aspects of his life, he emphasises his care for patients, his own disturbed childhood, and how he insisted patients were unique and not just cogs in a machine that had to learn to show the required and accepted behaviour. Although many of his ideas have been discredited, his feelings about the profession and his insistence on listening to patients and putting their needs first resonate today as much as they did at the time. Personally, I’m pleased to see his figure is being re-evaluated. Never too soon.

Laing is one of these people whose life and scandals throw a big shadow over his work, but this book and, hopefully, the movie, might help new generations to rediscover him.

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