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review 2017-11-21 05:58
Kaleidoskopblick auf ein weites Land
Mein Russland: Begegnungen in einem widersprüchlichen Land - Carola Schneider

Die Autorin macht gleich im Vorwort klar, welches Sachbuch sich der Leser nicht erwarten soll. Es beinhaltet keine allgemeine politische Analyse Russlands, sondern stellt einen sehr persönlichen Blick auf dieses widersprüchliche Land dar, der durch die Brille von Carola Schneider und der breiten Auswahl an interviewten Bekannten geworfen wird. Ich mag solche klaren Ansagen, wenn Schriftsteller*Innen gleich zu Beginn die Grenzen abstecken und dem Leser nicht zu viel versprechen.

…. und dann wird tatsächlich genau das Zugesagte geliefert: Ein buntes Kaleidoskop an persönlichen Geschichten, Lebenssituationen, Meinungen und Problemen, die jedoch in Summe dennoch einen wirklich guten realistischen nachhaltigen Eindruck von diesem weiten, sehr heterogenen Land vermitteln. Die Wahl der Interviewpartner wurde klug vorgenommen. Da gibt es eine Menschenrechtsaktivistin, zwei Künstler, Jungunternehmer in Moskau, zwei Bauern in Sibirien, zwei Journalisten, einen Putin Propagandisten, einen prorussischen Fußballmanager von der Krim, einen Moskauer Pensionisten … So wie die Auswahl der Beispiele nicht tendenziös vorgenommen wurde, denn es werden die Geschichten und Meinungen von Putin-Fans über Putin-Indifferente bis ausgewiesene Putin-Gegner dargelegt, ist auch die Verortung der Beiträge sehr ausgewogen: es gibt sowohl einen Blick auf Sibirien, Moskau aber auch auf die Krim. Diese Struktur des Sachbuchs hat mir wirklich ausnehmend gut gefallen. Dazu zählt auch die Vorgehensweise, einige Gesprächspartner in einem Abstand von zwei Jahren erneut zu interviewen, um die Entwicklung im Land abzubilden.

Einen der dargestellten Künstler kenne und schätze ich übrigens seit längerem. Die Autorin hat doch tatsächlich den russischen Künstler Wassilij Slonow interviewt, den ich bei der Viennafair 2013 (größte Kunstmesse in Wien) so mutig gefunden habe, da er Sotschi ironisch kritisierte und dessen Namen ich vergessen hatte, mir zu notieren.

 description

Leider endet das Buch völlig abrupt mit dem letzten Satz des letzten Interviews, und dies ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem ansonsten so hervorragenden Werk. Am Ende hätte ich mir eine inhaltliche oder strukturelle Klammer von Carola Schneider gewünscht. Ein Resümee, ein Fazit, eine persönliche Meinung, einen Ausblick, eine Begründung, warum die Autorin die Interviewpartner genauso ausgewählt hat – einfach irgendwas, das einer persönlichen Stellungnahme gleichkommt, auch wenn sie möglichst neutral formuliert sein mag, aber nicht sein muss. Hier tritt mir die Autorin einfach viel zu sehr anonym in den Hintergrund des Gesagten und fungiert quasi nur als Herausgeberin eines Straußes an Meinungen und Geschichten. Es ist mir einfach zu wenig, wenn ihr Name draufsteht, sie sollte sich einfach nicht vor einer kurzen persönlichen Stellungnahme drücken. Wahrscheinlich hätte mir sogar schon eine Danksagung an die Interviewten als strukturelle Klammer gereicht, um das Werk abzurunden.

Fazit: Ein sehr gutes Sachbuch über Russland, das gerade weil es persönliche Geschichten und Meinungen darlegt und keine politische Analyse liefert, so einzigartig und erhellend dieses Land beschreibt.

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text 2017-11-05 06:29
Mein Russland: Begegnungen in einem widersprüchlichen Land - Carola Schneider

Ha! die Autorin hat doch tatsächlich den russischen Künstler interviewt, den ich 2013 bei der Viennafair so mutig gefunden habe, da er Sotschi sehr ironisch kritisiert. Jetzt weiß ich endlich wie er heißt: Wassili Slonow.

 

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review 2017-10-25 18:46
Wiener Sterbenachhelfer
Böse Samariter. Ein Fall für Alma Liebekind. Wien-Krimi (HAYMON TASCHENBUCH) - Constanze Dennig

Dieser Wien-Krimi der Psychiaterin und Neurologin Constanze Demming hat mir zu Beginn ausnehmend gut gefallen. Er entspricht zwar der offensichtlich notwendigen Anpassung an das weibliche Zielpublikum durch die unabdinglichen Sex- und Liebesszenen, aber oh Wunder, ich fühlte mich ausnahmsweise so gar nicht abgestoßen, da die Autorin ungewöhnlich innovativ in der Damenhöschenabteilung operiert.

Anstatt der von mir so verachteten romantischen Schmachtfetzen inklusive Herzschmerz, Märchenprinzsyndrom und weichen Knien, werden dem Leser realistische, recht lapidare, teilweise sehr ironische Sexszenen – ein bisserl satirischer Porno à la Bum Zack – serviert. Zuzüglich Frauen-Geschichten, die eben nicht romantisch, sondern aus dem Leben gegriffen sind: Sex, ein total schlampiger Künstlerliebhaber, der zu sonst nix taugt, das Aufwachen in seiner siffigen Wohnung, in der es wie bei den Sioux unterm Sofa aussieht, die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft …

    Das Begehren blockiert alle anderen Empfindungen. Wie sonst würde ich mich nackt in einer schlecht beheizten Wohnung auf das Sofa werfen, um mich von einem anderen Körper halbherzig bedecken zu lassen?

    Ein gemeinsames Baby würde bei ihm erfrieren, verdursten, ertrinken, unter den Tisch fallen und als verhungerte Mumie in einem Schuhkarton landen.


Auch sonst spart die Autorin nicht mit Selbstironie und gutem Sprachwitz wenn sie die Wiener Schicki-Micki Gesellschaft, den Umgang  mit dem Tod und die Abnabelungsprobleme der Protagonistin von Mutti pointiert, psychologisch seziert aufs Papier bringt. Sie brachte mir sogar neue Wörter bei: Zum Beispiel das früher in Tirol, Salzburg und Kärnten übliche Ahnlvertilgen durch das seinerzeit mit Hüttrach (Arsenik) die Pensions-Problematik sehr flugs und effizient erledigt wurde. Heute erzielt man dasselbe Ergebnis österreichweit mit der Überdosierung des Diabetesmedikaments – man erzeugt einen Hypo und betet einen Rosenkranz.

    Die "Natur" ist der einzig wirkliche Massenmörder. Es ist unbegreiflich, dass gläubige Menschen einen Gott verehren, der ein System erschaffen hat, das nur zum Ziel hat, das Erschaffene wieder zu zerstören.[...] Alle Religionen dienen nur dazu, den Menschen die Angst vor dem Sterben zu nehmen, indem sie ihnen ein weiteres Leben versprechen, ohne es einhalten zu können. Ein Betrug der tadellos funktioniert.

Im Krimiplot geht es um einen dubiosen Sterbehilfeverein, der seine alternden siechen Mitglieder vor allem im gehobenen Kunst-Milieu akquiriert. Kann möglicherweise irgendjemand das Unausweichliche nicht abwarten und entleibt mehrere Mitglieder vorzeitig, um die nicht unerheblichen Mitgliedsbeiträge in Form von Erbschaften und Gebühren schneller zu verwerten? Oder sind die unheilbar Kranken doch freiwillig aus dem Leben geschieden, also die Tötung war auf Verlangen, ein humanitärer Akt, der auch im Sinne der Vereinsstatuten durchgeführt wurde? Das ist die Elferfrage, die die Psychiaterin Alma Liebekind, in Konkurrenz und auch noch in Form einer unzulässigen und ungesetzlichen Einmischung zu ihrer besten Freundin, der Kriminalkommissarin Erika Sacherl lösen möchte. Der Konflikt zwischen den beiden Damen, in dem sich die Psychiaterin permanent hinterrücks in die beruflichen Agenden der Polizistin einmischt, ist zu Beginn höchst vergnüglich, nervt aber dann gegen Ende ein bisschen, da Alma gar so unverbesserlich nicht einsehen will, dass für manche Aufgaben dilettierende Amateure einfach nicht geeignet sind.

Am Ende wird zu Gunsten eines effektheischerischen Show-Downs à la Dan Brown auf der Kanalinsel Guernsey viel zu sehr auf den Krimiplot und auf die ausführliche Erklärung der Motivlage verzichtet. Die Täter kristallisieren sich zwar relativ klar und auch teilweise leicht durchschaubar heraus, aber das Ganze wird erstens zu viel zu überhastet im Telegrammstil dargelegt und zweitens gibt mir zumindest ein schlampig präsentiertes, an den Haaren herbeigezogenes Motiv tatsächlich psychologische Rätsel auf. Da erwarte ich mir einfach von der Autorin Constanze Demming als Fachfrau und Psychiaterin, die ja eigentlich Spezialistin auf diesem Gebiet sein sollte, viel mehr Beschreibung und Expertise. Mehr Details kann ich zu dieser Angelegenheit leider nicht genauer ausführen, denn sonst müsste ich ausgiebig spoilern. Aus diesem Grund, und da bin ich immer sehr streng, stürzte der ansonsten sprachlich und inhaltlich gut gemachte witzige Krimi doch noch letztendlich von vier Sternen auf drei Sterne ab.

Fazit: Gut gemachter, humorvoller Kriminalroman - qualitätsmäßig über dem Durchschnitt mit einem bedauerlicherweise schlampig konzipierten Ende.

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review 2017-10-18 08:10
Bildgewaltiger k.u.k. Monarchie-Krimi
Der Bankert vom Naschmarkt: Ein Kriminalfall aus dem alten Wien (Graphic Novel) - Gerhard Loibelsberger,Reinhard Trinkler

Im Jahr 1911 wird auf dem  Wiener Naschmarkt, einer auch noch heute sehr beliebten Sehenswürdigkeit, ein erfrorenes Baby gefunden. k.u.k. Polizeiinspector Joseph Maria Nechyba, ein korpulenter Genussmensch, wird mit dem Fall betraut und klärt mit viel Herz und Hirn dieses und andere Verbrechen auf.

Gerhard Loibelsberger, der mit der Figur des Inspectors schon eine erfolgreiche Reihe von klassischen Krimis im Gmeiner-Verlag entwickelt hat, ist mit dieser innovativen Graphic Novel, gezeichnet von Reinhard Trinkler, ein wundervoller Einblick in das historische Wien gelungen. Fernab vom Kitsch der Sisi-Filme wird das wahre Wien zur Zeit von Kaiser Franz Josef geschildert.

Die stimmungsvollen Bilder von Trinkler lassen die Zeit vor dem ersten Weltkrieg sehr authentisch wiederauferstehen. Im Milieu des sechsten und siebten Wiener Gemeindebezirks mit seinen mondänen Jugendstilhäusern auf der einen Seite der Wienzeile und den Arbeiterquartieren auf der anderen Seite des Naschmarktes werden die Archetypen dieser Zeit großartig aber mitunter auch sehr uncharmant bis unbarmherzig skizziert: Die Marketenderin Roserl, der man bis zum Gaumenzapferl in den schreienden Schlund sehen darf, als sie das erfrorene Baby findet, das überhebliche Ehepaar von Odenthal, denen die Bosheit und der Sadismus, mit dem es ihrem Personal begegnet, am Gesicht abzulesen ist, der Bandlkramer Giulio, dem man seine Alkoholsucht auf den ersten Blick durch die blutunterlaufenen Augen ansehen kann ... Das ist zwar nicht hübsch aber grandios; die Armut der dienenden Unterschicht im Gegensatz zu den Hochwohlgeborenen wird gekonnt in Szene gesetzt. Lediglich Inspector Nechyba, seine geliebte Ehefrau Aurelia und der Kaiser Franz Josef sind in dieser Geschichte sehr wohlwollend gezeichnet. Leider hat mich diese grafische Überstilisierung, die mich im Rahmen der Figurenentwicklung so begeistert, bei der Darstellung der Gebäude ein bisschen gestört – hätte ich doch glatt das Polizeihauptquartier im zweiten Bezirk, die Rossauerkaserne, an der ich mindestens einmal wöchentlich vorbeifahre, nicht erkannt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Der eigens von Loibelsberger für die Graphic Novel entwickelte Kriminalfall ist - obwohl kurz - dennoch sehr spannend. Im Stakkato kann der Leser spannendes Mörderraten spielen, denn der Verdächtigen, die das Baby scheinbar kurz in ihrer Obhut hatten, gibt es unzählige. Auch die Auflösung der Kindestötung ist sehr gut entwickelt. Lediglich das Motiv für den zweiten Mord erschloss sich mir einfach nicht so richtig.

Fazit: Ein guter Krimi - grandios grafisch in Szene gesetzt – sehr innovativ. In dieser Qualität ist es ein herrliches Vergnügen, in das Genre der Graphic Novel einzutauchen.

* Vielleicht sollte ich auch noch den österreichischen Dialektausdruck Bankert im Titel dieser Graphic Novel näher erklären: Bankert ist eine altmodische abfällige Bezeichnung für ein uneheliches Kind, das quasi auf einer Bank gezeugt wurde.

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review 2017-10-01 06:42
Großartiger Inhalt, der ob der stilistischen Mängel schlecht vermittelt wird
Stille Machtergreifung: Hofer, Strache und die Burschenschaften - Hans-Henning Scharsach

Ich stelle hiermit das <b>Fazit </b> für dieses Buch erstmals gleich voran: Inhalt großartig und von einer investigativen Kraft: 5 Sterne - Stil furchtbar - eine sehr unstrukturierte Analyse inklusive Aufzählungswüste gespickt mit Wiederholungen: 1 Stern - ergibt in Summe 3 Sterne.

Warum ist mir eigentlich bei den alten Haider-Büchern vom Herrn Scharsach dieser Stil nicht aufgefallen? Die habe ich nämlich damals uneingeschränkt geschätzt. Ist der Autor schlechter geworden, oder habe ich damals ob des Umstandes, dass er als erster Journalist sich dieses Themas angenommen hat, auf Grund des Innovationsfaktors einfach darüber hinweggeschaut?

Aber nun zu den Details meiner stilistischen Ärgerfaktoren. Das Sachbuch beginnt schon mal mit den unzähligen Aufzählungen der Burschenschaften und ihrer Untergruppierungen, die bei jedem erwähnten Namen eines Politikers komplett inflationär, unübersichtlich und verwirrend dabeistehen (wer war wo bei welchem Ableger unzähliger schlagender Verbindungen). Diese prasseln hintereinander auf den Leser in einer zu großen Fülle ein. Das ist langweilig und kann sich keiner merken. So ein Infowust gehört strukturiert, vereinfacht und die Details in den Anhang gesteckt. Ich bin ja auch der Meinung, dass die Zugehörigkeit von Politikern zu den Burschenschaften und die Verflechtungen der Burschenschaftsnetzwerke unbedingt aufgedeckt werden sollen, aber hat vielleicht Herr Scharsach schon mal was von einer Grafik gehört? Die würde nämlich dieses Gewimmel (ja die Analogie zu einem Kinderwimmelbild ist korrekt) - sofern sie gut gezeichnet ist - übersichtlich und verständlich strukturieren. Wer hat eigentlich Sachbuchautoren verboten, Organigramme in ihren Inhalt aufzunehmen?

So geht es leider munter weiter im Kapitel Fakenews und Hasspostings wird mehr als eine ganze Seite der Hassbotschaften einzeln im Batch-Verfahren heruntergebetet. Echt jetzt? Schon nach 6-7 Zeilen kann sich jeder Leser genau vorstellen, wie schlimm diese sind, und dann nervt eben so eine Aufzählung nur mehr.  Auch im Rahmen der Medienverflechtungen der FPÖ und Burschenschafts-Online Medien hätte eine Grafik etwas Sinn, Licht und Überblick in das dunkle Gewimmel der Aufzählungen des Autors gebracht.

Wenn ich das Gesamte Sachbuch als wissenschaftliche Arbeit bewerten müsste, würde ich dringend empfehlen, die Datenwüste, mit der der Leser in der Analyse permanent konfrontiert wird, in den Anhang der Arbeit zu verlegen. In der Analyse hat so etwas wenig - also wirklich nur beispielhaft in homöopathischen Dosen - bis gar nichts verloren. Lediglich die umfangreichen Quellenangaben, die heutzutage in so einem Buch unabdinglich sind, würde ich sehr positiv bewerten.   

Auch im Aufbau des gesamten Buches hätte ich mir mehr roten Faden, und logische Struktur erwartet. Da wird von strukturellen Überblicksanalysen der Burschenschaftsverflechtungen nach Detailbiografien von Politikern und wieder zurück gesprungen, unterbrochen von einem Nationalsozialismus- und Frauenkapitel, dann zu den Medien und wieder zu Einzelbiografien. Versteht mich nicht falsch, alle Inhalte sind sehr wichtig und kein einziges Kapitel ist entbehrlich aber die Anordnung ist einfach unlogisch und verwirrend. Durch den fehlenden Aufbau kommt es natürlich auch vom Autor ungewollt zu Wiederholungen von Sachverhalten, was ich gar nicht leiden kann.

Am ärgerlichsten an diesem Sachbuch ist aber der Umstand, dass der Autor seine selbst gesteckten Ziele nicht erreichen und die Zielgruppe, die er selbst in seinem Nachwort beschreibt, einfach nicht ansprechen wird. Das Werk ist einfach ob der stilistischen Mängel viel zu mühsam zu lesen, als dass sich so etwas jemand antun würde, der von diesen Ideen verführt werden könnte. Dabei wäre es so extrem wichtig, diese großartig recherchierten Fakten von Scharsach mit Quellenbelegen (also eindeutig als Fakten belegt statt Fakes) an diese Zielgruppe zu bringen. Meiner Meinung nach ist es sehr schade um diese verschwendete gute Arbeit - die Präsentation zerstört hier leider den Inhalt und den Zweck des Werkes.

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