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review 2018-09-24 19:41
Hochemotional und sehr ergreifende Schicksale - Ein Sturm der Gefühle
Mitten im Sturm - Jessica Winter

Erfreulicherweise habe ich dieses Buch über Vorablesen.de als Rezensionsexemplar erhalten. Von Jessica Winter kenne ich bereits die ersten beiden “Julia & Jeremy” Bücher und “Wenn Du mich sehen könntest”. Ich bin von ihrem Sprachstil absolut begeistert, mit dem sie sehr tiefgründige Schicksale in Liebesgeschichten verpackt erzählt. Deswegen habe ich mich sehr über diese Möglichkeit gefreut.

 

Coverbild

 

Auf dem Cover sieht man ein sich umarmendes, glückliches Pärchen in der oberen Hälfte, darunter eine Küste mit rauschenden Meereswellen. In der Mitte ist der Autorenname und der Buchtitel platziert. Leider gefällt mir das Cover durch die etwas unglückliche Aufteilung und Umsetzung nicht so gut. Aber es passt zu den anderen Julia & Jeremy Büchern.

 

 

Handlung

 

Die Vollwaise Grace ist vom Leben gezeichnet. Nach einer Odysee durch Heime und Pflegefamilien mit erschütternden Erlebnissen, möchte sie endlich selbständig in ihrer kleinen Wohnung leben. Doch die Dämonen und Schatten ihrer Vergangenheit suchen sie nicht nur nachts auf. Und nicht nur das, auch ein Stalker stellt ihr nach und setzt sie massiv durch Psychospielchen unter Druck.

 

Eric kehrt von seinen 4 Jahren Dienst in der Army zurück und möchte eigentlich nur das Studieren anfangen. Aber auch er hat sein Päckchen zu tragen, und als hätte er nicht schon genug Probleme, kommt Grace in sein Leben, die im Moment nur Schwierigkeiten hat. Doch der Beschützerinstinkt lässt bei Eric nicht lange warten und er beginnt tiefer in Graces Leben einzutauchen.

 

Buchlayout / eBook

 

Die Gestaltung des eBooks ist eher simpel. Die Kapitelnummer wird in Kapitälchen ausgeschrieben und darunter der Name, in dessen Perspektive das Kapitel geschrieben ist. Mehr gibt es nicht. Da das Thema aber hochemotional und sehr tiefgreifend ist, wäre hier eine verspielte Aufmachung auch eher deplatziert gewesen. Trotzdem hätte hier man mit verschiedenen Schriftarten oder anderen stilistischen Mitteln die Kapitelanfänge optisch ansprechender machen können.

 

Idee / Plot

Vor allem Vertrauen ist ein Gut, welches man sich erst erarbeiten und unter Beweis stellen muss. Grace hat das Vertrauen in ihre Mitmenschen verloren. Eric ist jemand, wenn man sein Vertrauen gewonnen hat, er bedingungslos zu einem steht - außer man mißbraucht sein Vertrauen. Eine wunderbare und tiefgreifende Liebesgeschichte zwischen 2 Menschen, die unterschiedliche dramatische Situationen durchleben mussten, die ihre ganz persönlichen Dämonen bekämpfen, aber langsam ihr Vertrauen zueinander aufbauen. Und beide lernen, dass nicht Rache oder Vergebung einen die Dämonen bekämpfen lassen, sondern man seinen Dämonen ins Gesicht sehen muss um erhobenen Hauptes einen Schlussstrich ziehen zu können.

 

 

Emotionen / Protagonisten

Grace kämpft mit der Ambivalenz ihrer Gefühle. Sie weiß, dass sie keine Schuld am Unfall trägt. Doch es ist jedesmal eine Gratwanderung zwischen dem, was ihr Verstand sagt, aber ihr Körper fühlt und reagiert. Durch ihren Beschluß zu schweigen und zu hoffen, dass es irgendwann mal aufhört, schlitterte sie unbemerkt immer mehr in Psychosen. Grace schließt ihre Gefühle ein und hat kein Vertrauen mehr in die Polizei und ihre Umwelt. Keinem kann sie erzählen, was wirklich passiert ist, denn aus der Vergangenheit musste sie lernen, dass sie nicht ernst genommen wird.

 

Eric möchte immer die Kontrolle über sein Leben und seine Familie haben, auch wenn einiges schief läuft. Aber bei Grace ist er verzweifelt, denn zum ersten Mal hat er keine Kontrolle und muss sich an Graces Tempo anpassen.

 

“Du behältst eben gern Dinge unter Kontrolle, verfolgst klare Linien. Und das ist okay. Ich bin da halt anders und bekomme Lust, einen Haufen Büroklammern vor dir zu verstreuen, um etwas Chaos in dein Leben zu bringen”

 

Jessica Winter “Mitten im Sturm”, S. 37 (eBook Edition, 2018 Jessica Winter)

 

Die Entwicklung der beiden ist so toll, so sanft und so tiefgreifend! Trotz einiger kleiner Rückschläge, beginnt Grace mehr Vertrauen zu Eric zu entwickeln und er muss lernen nicht über seine Kontrollwut übergriffig zu werden, dabei will er sie eigentlich nur beschützen.

 

Es sind so viele und geballte emotionale Momente, die mir extrem unter die Haut gegangen sind und mir oft einfach die Tränen über die Wangen liefen.

 

 

Handlungsaufbau / Spannungsbogen

Die Handlung entwickelt sich sanft über das Buch hinweg. Dabei helfen die abwechselnden Perspektiven das Geschehen aus beiden Blickwinkeln zu betrachten. Der Spannungsbogen beruht nicht darauf besonders aufregend zu sein, sondern indem man sich in diese tiefe emotionale Geschichte einlässt und mitreißen lässt. Die Autorin hat hier sehr gekonnt die Informationen über das Buch verteilt, so dass man, wie die Protagonisten selber, das Schicksal der Protagonisten erst Stück für Stück begreift. Grandios!

 

 

Szenerie / Setting

Dieses Buch lebt vom inneren Setting, der Gefühle und Schicksale der Protagonisten. Jessica Winter hat für mich die Ambivalenz der Gefühle, die Zwiespältigkeit und Zerrissenheit der beiden Personen perfekt wiedergegeben.

 

“Weil es Zeiten in meinem Leben gab, in denen ich mir gewünscht hätte, dass jemand genauer nachgefragt hätte.”

Ihre Worte hängen in der Luft, aber die Message dahinter fällt so laut zu Boden wie Blei.

 

Jessica Winter “Mitten im Sturm”, S. 63 (eBook Edition, 2018 Jessica Winter)

 

Sprache / Schreibstil

Sprachlich ist es atemberaubend und ergreifend. Jessica Winter hat einen unglaublich tollen Sprachstil, mit vielen wunderschönen aber treffenden Beschreibungen. Sie versteht es Gefühle direkt auf den Punkt zu bringen, auch mit Charme und Witz. Ich liebe die abwechselnde Perspektive als Ich-Erzähler, passend dazu auch im Präsens. Das Thema Missbrauch wird hier sehr sensibel aufgegriffen, und sehr respektvoll verarbeitet.

 

 

FAZIT

Sehr ergreifende und emotionale Liebes- und Lebensgeschichte. Sie hat mich mehrfach mitgenommen und oft zu Tränen gerührt. Aber das Ende hat mich nun doch glücklich zurückgelassen. Es ist ein toller Abschluss der Julia & Jeremy Reihe, obwohl ich den 3. Band noch gar nicht kenne. Für mich ein absolutes Lese-Highlight 2018!

 

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review 2018-06-28 19:55
Brodelt vor Spannung, entlädt sich aber noch nicht
Sturm der Schwerter (A Song of Ice and Fire #3.1) - George R.R. Martin

Inhaltsangabe

Die Sieben Königreiche befinden sich im blutigen Bürgerkrieg. Einer der Anwärter auf den Thron ist bereits tot, ein anderer in Ungnade gefallen, doch der blutige Machtkampf in Westeros tobt erbitterter denn je. Robb Stark, der Herr von Winterfell, leistet dem tyrannischen Haus Lennister hartnäckig Widerstand, obgleich seine Schwester als Geisel am Hof des Kind-Königs Joffrey gefangen gehalten wird. Da sehen sich die Streiter von Winterfell plötzlich einer ganz neuen Gefahr gegenüber: Aus dem Norden drängen unbekannte Kräfte zur Grenze vor…

 

Meine Meinung

  1. Band

(kann Spoiler enthalten!)

 

Gleich zu Beginn des 5. Bandes der Reihe entwickelt sich eine Hass- Freundschaft, wenn man dies so bezeichnen mag zwischen zwei Charakteren, die mir dadurch wieder mehr in den Fokus rücken. Brienne von Tarth und Jamie Lennister.  Unterschiedlicher könnten sie nicht sein und dennoch gelang durch deren Weg in Richtung Königsmund und der schnippischen Konversationen ein super Start in die Geschichte. Jedoch werden sie auf ihrer Reise aufgegriffen und dies hat vor allem für den Königsmörder schwerwiegende Folgen.

 

Robb Stark versucht weiterhin Widerstand zu leisten. Während seine Mutter auf ein Versprechen mit dem Haus Frey setzt, welche die Starks bei ihrem Kampf unterstützen wollen, bricht Robb das Versprechen. Welche Folgen dies für die Starks wohl haben wird? Dass sein Handeln folgenlos bleibt, daran glaube ich in dieser Reihe nicht mehr.

 

Wer mir in diesem Teil ein wenig zu kurz gekommen ist, wobei dafür andere Charakter und Charaktergruppen Vollgas gegeben haben, ist Arya Stark, Robb’s Schwester. Aber sie trifft auf einen alten Bekannten und lernt die Bruderschaft um Lord Beric Dondarrion kennen.

 

In Königsmund regiert weiterhin ein Kind. Allerdings beschließt der Rat, dass seine Verlobung zum Hause Stark gelöst werden soll. Der Rat sieht größeres Potenzial, wenn sich das Haus Lennister mit dem Haus Tyrell verbindet.

Die Auserwählte Margery Tyrell mag ich sehr gern. Ich mag ihre frischen Charakterzüge und wie sie mit ihrer Großmutter, der Dornenkönigin und Sansa Stark umgeht. Für Sansa ist allerdings ganz schnell ein neuer Heiratskandidat gefunden. Die Lennisters versuchen wirklich mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben.

 

Etwas kleine Rollen zugesprochen werden dieses Mal der Sturmtochter Daenerys, welche ihre Armee für den Kampf um den Eisernen Thron vergrößert und Brandon Stark zugesprochen. Bran, der aus der Ruine Winterfell im letzten Band flüchtete, macht sich mit seinen Freunden auf in den Norden.

Was hat es mit dem 3-äugigen Raben auf sich, nach dem er suchen soll?

 

Und nun zu den beiden Handlungssträngen, die mir in diesem Band am meisten gefallen haben. Die Nachtwache heimst Verluste ein. Hier kommt es zu einigen actionreichen Szenen und die Anderen rücken immer weiter ins Bild. So langsam bekomme ich eine Vorstellung, war mir dieser Teil bisher immer noch sehr suspekt erschienen. Auch die Geschichte um Jon Schnee geht spannend weiter.

In diesem Teil vermischt sich bei ihm Verrat und Liebe.

Beim Hören treibt es mich immer weiter weg vom Süden. Ich mag die Beschreibungen des Nordens und nun auch des eisigen Teils des Nordens hinter der Mauer sehr.

 

Abschließend ein Mann, der zum Schluss meine ganze Aufmerksamkeit hatte.

Oberyn Martell aus Dorne reitet in Königsmund ein zu Ehren der bevorstehenden Hochzeit zwischen Joffrey und Margery. Aber in seinem Inneren hat er ganz andere Dinge vor, als dieses Ereignis zu feiern. Tyrion bekommt einen kleinen Einblick in sein Vorhaben und ist nicht allzu abgeneigt von dem, was eventuell kommen wird.

 

Mein Fazit

In dem 5. Teil der Reihe spürt man wieder, wie der Autor jegliche Spannung wieder erst aufbaut, um diese dann im kommenden Teil zu entladen.

Lange kann ich mit diesen vielen Cliffhangern und Eventualitäten nicht leben.

Das Hörbuch zum 6. Band muss schleunigst zu mir finden.

Wie der Autor es schafft, fast alle erschaffenden Charakteren auf der Seitenanzahl bzw. den Hörminuten seine Aufmerksamkeit zu schenken, ist einfach grandios.

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review 2018-05-15 14:51
Hinein in den Sturm
Die Hexenholzkrone 2 - Tad Williams,Cornelia Holfelder-von der Tann,Wolfram Ströle

Tad Williams‘ neue Trilogie „Der Letzte König von Osten Ard“ wird für Fans wieder einmal zu einem Geduldsspiel. Nachdem „Das Herz der Verlorenen Dinge“ und „Die Hexenholzkrone“ (für den deutschen Markt gesplittet) 2017 zügig nacheinander erschienen, heißt es nun warten. Hodder & Stoughton, Williams‘ Verlag in Großbritannien, kündigt den zweiten Band „Empire of Grass“ für September 2018 an. Ein deutsches Veröffentlichungsdatum existiert bisher nicht. Wahrscheinlich wird dieser Band erneut geteilt, da das Originalmanuskript ca. 1.200 Seiten umfasst. Ich bin guter Hoffnung, dass Hobbit Presse | Klett-Cotta zeitnah reagieren werden. Schließlich waren sie auch mit dem zweigeteilten ersten Band fix und darüber hinaus so freundlich, mir Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen.

 

Der Frieden in Osten Ard wankt. Nabban steht am Rande eines Bürgerkriegs. Der hernystirische Blutkult breitet sich aus wie ein Geschwür. Wieder paktieren Menschen aus Habsucht und Machtgier mit den Nornen der Sturmspitze. Als Hochkönigspaar bemühen sich Miriamel und Simon, die schwelenden Brände in ihrem Reich einzudämmen, doch sie können nicht überall zugleich sein. Sie brauchen Hilfe. Mit gemischten Gefühlen entsenden sie ihren Enkel Prinz Morgan in den magischen Wald Aldheorte, um die Sithi aufzusuchen. Sie hoffen, von ihren alten Verbündeten Antworten und Unterstützung gegen die Hikeda’ya zu erhalten. Leider war das lange Schweigen zwischen den Völkern kein Missverständnis. Die Sithi weigern sich, den Menschen beizustehen. Werden Simon und Miriamel ihr Volk allein vor der unheilvollen Magie der finsteren Nornenkönigin Utuk’ku schützen können?

 

Eigentlich habe ich meiner Rezension zu „Die Hexenholzkrone 1“ nicht viel hinzuzufügen. „Die Hexenholzkrone 2“ ist eine unbeabsichtigte Fortsetzung. Ihre Existenz ist den Normen des deutschen Buchmarktes geschuldet, der ungern Bücher produziert, die mehr als 1.000 Seiten umfassen. Unter anderen Umständen hätte ich mich garantiert dazu entschieden, die beiden Teile als Gesamtband zu rezensieren, aber da ich sie einzeln als Rezensionsexemplare erhalten habe, was sehr großzügig von Hobbit Presse | Klett-Cotta war, sehe ich mich verpflichtet, sie getrennt zu besprechen.
Grundsätzlich änderte sich in „Die Hexenholzkrone 2“ für mich nichts: die Lektüre erinnerte emotional an Heimkehren. Allerdings ist dieses Heim nicht länger ein geborgener, sicherer Ort. Düsternis erfasst Osten Ard. Wer in „Die Hexenholzkrone 1“ daran zweifelte, dass unseren geliebten Figuren schwere Zeiten bevorstehen, kann es nun nicht länger leugnen. Tad Williams steuert seine Geschichte unbeirrt in einen gewaltigen Sturm und die ersten heftigen Böen lassen die Segel bereits ordentlich knattern. Er erzeugt Spannung, indem er seinen Leser_innen erstaunlich freigiebig viele Details verrät, die seinen Charakteren bisher verborgen sind. Ich fand mich in der privilegierten Position wieder, als einzige das Ausmaß des zerstörerischen Unwetters, das sich am Horizont abzeichnet, erahnen zu können. Es erschreckte mich zutiefst, dass es nach 30 Jahren des Friedens erneut Menschen gibt, die bereit sind, mit den Nornen zu konspirieren. Wie weit diese Verschwörung reicht, offenbart Williams (noch) nicht, doch allein die Andeutung eines faustischen Paktes ließ mir alle Haare zu Berge stehen. Haben sie denn nicht dazu gelernt? Begreifen sie nicht, dass die Hikeda’ya und ihre unheimliche Königin Utuk’ku die Auslöschung der Menschheit anstreben? Offenbar benötigt sie dafür die mysteriöse Hexenholzkrone, die leider nur vereinzelt am Rande erwähnt wird. Für mich wäre ihr Wunsch nach diesem geheimnisvollen Objekt bereits Grund genug, sie daran zu hindern, es zu bekommen, weshalb mich Simons und Miriamels Entscheidung, Prinz Morgan zu den Sithi zu schicken, sehr erleichterte. Trotz des unerfreulichen Ausgangs dieses Besuches, der mich davon überzeugte, dass die Sithi das Hilfegesuch nicht allein aus Zorn ablehnen, sondern rätselhafterweise vollkommen verängstigt sind, beruhigte es mich, dass das Königspaar die Gefahr ernstnimmt. Der zunehmende Druck auf die beiden war greifbar; besonders Simon ist die Verantwortung, die sein Titel mit sich bringt, leid. Er wünscht sich, sein Amt ruhen zu lassen, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können – sogar mit Morgan, der wirklich einzigartig talentiert darin ist, seinem Gegenüber auf die Nerven zu gehen. Unglücklicherweise erfüllt ihm Tad Williams diesen Wunsch nicht, stattdessen trennt er die Gruppe und verteilt sie in ganz Osten Ard, um Bewegung in die Handlung zu bringen. Die Spieler sind in Position. Das Spiel hat begonnen.

 

Auf der Verlagsseite von „Das Herz der Verlorenen Dinge“ heißt es, es biete „für alle neuen Leser den Einstieg in die Welt von Osten Ard“. Dem stimme ich nach der Lektüre von „Die Hexenholzkrone 1“ und „Die Hexenholzkrone 2“ nicht zu. Ich glaube nicht, dass „Das Herz der Verlorenen Dinge“ ausreicht, um die Dimension des nachfolgenden Auftakts zu begreifen. Um die drängende Bedrohlichkeit der aktuellen Situation zu erfassen, braucht es meiner Meinung nach den Kontext des Sturmkönigskrieges in „Das Geheimnis der Großen Schwerter“. Ich denke, die beabsichtigte Wirkung der dunklen Vorzeichen in „Die Hexenholzkrone“ entfaltet sich nur, wenn man weiß, durch welche Opfer die Menschheit 30 Jahre zuvor vor der Auslöschung bewahrt wurde. Wenn ihr Lust auf „Der Letzte König von Osten Ard“ bekommen habt, empfehle ich euch daher eindringlich, zuerst „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ zu lesen. Die erste Trilogie wird euch das Wissen vermitteln, das ihr benötigt, um die Raffinesse der Geschichte und Tad Williams‘ formidable Entwicklung als Autor wertzuschätzen, sodass ihr in „Die Hexenholzkrone 1“ und „Die Hexenholzkrone 2“ das sehen könnt, was ich sehe: einen köstlichen Vorgeschmack dessen, was Leser_innen und Figuren in „Der Letzte König von Osten Ard“ erwartet.

 

Vielen Dank an den Verlag Hobbit Presse | Klett-Cotta für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/05/15/tad-williams-die-hexenholzkrone-2
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review 2018-05-03 15:54
Windiger Katastrophen-Thriller
Sturm - Der Hörverlag,Gabriel Laub,Stefan Kaminski

Auf der ganzen Welt kommt es zu unerklärlichen Wetterphänomenen. Hagelstürme bersten durch Hannover. Berlin wird von einem Tornado niedergemäht. Und auf die USA rast ein unvorstellbarer Hurrikan zu. Handelt es sich um natürliche Phänomene oder steckt etwas anderes dahinter?

"Sturm" ist ein Katastrophen-Thriller, der auf Verschwörungstheorien und dem aktuellen Thema des Klimawandels basiert.

Weltweit kommt es zu Wetter-Kapriolen, die im Großen und Ganzen auf den Klimawandel geschoben werden. Allerdings nimmt das Wetter von einem Moment auf den anderen nie dagewesene Ausmaße an. Hagelkörner, so groß, wie man sie noch nie gesehen hat, ein Tornado in Berlin, was eigentlich nicht sein dürfte, und ein Hurrikan, der sich nicht einmal mehr in altbewährte Skalen einstufen lässt.

Lauras Vorgesetzter wird tot aufgefunden und sie bemerkt, dass er mit dem bedrohlichen Wetterumschwüngen zutun hatte. Denn ihre Firma ist auf die Entwicklung von Software spezialisiert, die sogar das Wetter beeinflussen kann.

Dann tritt Daniel Bender auf den Plan, der gemeinsam mit Laura der Wetter-Verschwörung auf den Grund gehen will.

Zur Handlung möchte ich gleich einmal sagen, dass sie mich absolut nicht beeindruckt hat. Es war so etwas von langweilig, dass ich dem Ende entgegen gefiebert hat, damit ich dieses Hörbuch endlich abschließen kann.

Dabei geht Uwe Laub von interessanten und spannenden Themen aus, die er exzellent umgesetzt hat. Wetterphänomene, Ausmaße, die das Wetter annehmen kann, und Wettermanipulationen werden faszinierend beschrieben und sorgen für Gänsehaut. Die Hagelkörner konnte ich mir vorstellen, wie sie Menschen niedergeschossen und bewusstlos geschlagen haben, die Situation mit dem Tornado war bedrohlich und nachvollziehbar, und der Weg des Hurrikans hat mir Angst gemacht.

Gestört hat mich allerdings, dass die Handlung vorhersehbar war. Wer schon einmal einen Katastrophen-Film gesehen oder einen Thriller dieser Art gelesen hat, weiß jetzt schon, wie es weitergehen und enden wird. Ein bisschen mehr Finesse hätte mir mehr Freude gemacht.

Die Protagonisten sind ebenso aus der Form gegossen, dass es manchmal schon weh getan hat. Laura Wagner ist mir ordentlich auf die Nerven gegangen. Die junge Mutter ist als Sekretärin in diesem Konzern angestellt und kommt durch Zufall an Informationen, die diese Verschwörung betreffen. Es bleibt nicht viel zu ihr zu sagen, außer, dass sie von der Sekretärin zur kämpferischen Superheldin mutiert.

Daniel Bender ist der missverstandene Wissenschafter, der schon immer gewusst hat, wo der Hase im Pfeffer liegt. Endlich hat er die Chance, diese Verschwörung aufzudecken und allen zu zeigen, wie richtig er gelegen hat. 

Zumindest spart Uwe Laub die prickelnde Liebesgeschichte aus, womit er mir doch imponiert hat. 

Ich möchte keinen falschen Eindruck erwecken, weil das Buch insgesamt nicht schlecht zu hören bzw. zu lesen ist. Aber der Wow-Effekt hat mir einfach gefehlt. Es wurde über das faszinierende Wetter-Thema die übliche Verschwörungsthriller-Schablone gestülpt, was mich im Endeffekt nicht überzeugen kann.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch dennoch großartig zu lesen, wenn man eben solche Verschwörungs-Thriller mag bzw. noch kaum welche gelesen hat.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2017-11-14 10:13
Überbewertet
American Gods - Neil Gaiman

Mein erstes Date mit Neil Gaiman wollte ich ursprünglich mit „Neverwhere“ bestreiten. Jahrelang schlich ich um den populären Fantasy-Autor, der eng mit Terry Pratchett befreundet war, herum. Ich hatte Respekt vor seinem Ruf und traute mich einfach nicht, ihn kennenzulernen. Dann sahen der Lieblingsmensch und ich den Trailer zur Amazon-Serie „American Gods“. Ich wusste, dass es sich dabei um die Verfilmung von Gaimans gleichnamigen Roman handelt und als der Lieblingsmensch äußerte, dass er der Serie eine Chance geben wollte, entschied ich spontan, zuerst das Buch lesen zu wollen. Mein erstes Date mit Gaiman sollte nicht länger „Neverwhere“ sein. Es sollte „American Gods“ sein.

 

Nach 3 trostlosen Jahren im Gefängnis wünscht sich Shadow nur noch eines: er möchte nach Hause, zu seiner Ehefrau Laura. Als ihn der Gefängnisdirektor in sein Büro bestellt, ahnt er, dass ihn schlechte Nachrichten erwarten. Betäubt lauscht er den Worten des Direktors, der ihm mitteilt, dass Laura bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben kam. Er wird verfrüht entlassen, um an ihrer Beerdigung teilnehmen zu können. Von einem surrealen Gefühl der Unwirklichkeit begleitet besteigt er ein Flugzeug, das ihn an einen Ort bringen soll, der nicht länger sein Zuhause ist. Neben ihm sitzt ein gut gekleideter älterer Herr. Er stellt sich als Mr. Wednesday vor. Obwohl sie sich gerade erst kennenlernen, weiß er Dinge über Shadow, die er unmöglich wissen kann und bietet ihm einen Job an. Shadow findet ihn seltsam, doch er hat kein Leben, zu dem er zurückkehren könnte. Er hat nichts zu verlieren. Er schlägt ein, unwissend, dass er schon bald in einen kosmischen Sturm hineingezogen werden wird. Um sich zu schützen, muss Shadow den Funken wiederfinden, der mit Laura starb: seinen Glauben.

 

Warum schreibt ein Brite ein Buch über die Götter der Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem er zum Zeitpunkt dessen Erscheinens bereits selbst seit 9 Jahren in den USA lebte? Welche Mission verfolgt er? Welche Botschaft möchte er vermitteln? Ich denke nicht, dass ich „American Gods“ durchschaut habe, denn ich finde keine Antworten auf diese Fragen. Neil Gaiman wollte mir mit diesem Roman etwas sagen, dessen bin ich fest überzeugt. Er schrieb „American Gods“ nicht ausschließlich zur Unterhaltung seiner Leser_innen. Grübele ich über seine Motivation nach, taucht in meinem Kopf das Wort „Identität“ auf, doch es schwebt frei in meinen Gedanken herum, ohne Anker, ohne Begründung, ohne Erklärung. Ich vermute, dass es in der Tiefe dieses Buches um die Identität der USA geht, aber ich kann meinen Finger nicht darauflegen, welche Aussage Gaiman diesbezüglich tätigt. Ich empfand „American Gods“ als irritierend und verwirrend, weil ich all die kryptischen Untertöne der Geschichte nicht zu deuten wusste. Ich hatte das Gefühl, enorm viel zu verpassen und gar nicht allen Details die nötige Aufmerksamkeit schenken zu können. Ich fand nicht in den Rhythmus des Buches und musste mich nach jeder Lesepause wieder neu einfinden. Ich denke, worauf Neil Gaiman abzielte, ist ein Roman mehrerer sich überlappender Ebenen. Leider schätze ich, dass ich dessen Kern, die Ebene, die alle anderen verbindet, nicht begriffen habe. Daher begleitet mich seit der Lektüre ein Gefühl diffuser Ratlosigkeit, obwohl ich den offensichtlichen Grundgedanken der Geschichte durchaus interessant fand. Der sympathische Protagonist Shadow, dessen Funktion und Rolle undurchsichtig bleiben, gerät zwischen die Fronten eines Krieges der Götter um den Glauben des amerikanischen Volkes. Anhand von ergreifend geschilderten Einzelschicksalen, die betonen, dass Glaube und Leid Partner sind, erfahren die Leser_innen, dass die alten Götter von Siedlern verschiedener Epochen in die Neue Welt gebracht wurden. Der Glaube der Menschen belebte sie; Opfer, die in ihren Namen erbracht wurden, verliehen ihnen Macht und Substanz. Unglücklicherweise vergaßen die Gläubigen über die Jahrhunderte jedoch die Gebräuche ihrer alten Heimat, womit auch ihre Götter Macht einbüßten oder sogar ganz verschwanden. Nun kämpfen die Götter um die letzten religiösen Almosen, die die USA auszugeben bereit ist; erschleichen und ergaunern sich unbewusste Anbetungen und Preisungen. Aus allmächtigen Wesen wurden verblasste, bedauernswerte Bittsteller, die von der Schnelllebigkeit der Moderne überholt werden. Auf diese Weise beleuchtet Neil Gaiman die Beziehung zwischen Göttern und Menschen von einem spannenden Blickwinkel aus: die wahre Macht liegt nicht bei den Göttern. Sie liegt bei den Gläubigen. Was ist ein Gott ohne Anhänger_innen? Überflüssig. Ihre tragische Abhängigkeit von den Menschen zwingt sie, die Konfrontation zu suchen, weil die USA einfach nicht genug Raum für alle bieten. Ein Land abenteuerlicher geografischer Weite – doch spirituell ein Stecknadelkopf.

 

Meiner Ansicht nach ist „American Gods“ überbewertet. Es ist ein faszinierendes Buch, das eine ungewöhnliche Geschichte erzählt, aber das Meisterwerk, das mir von zahlreichen Lobpreisungen versprochen wurde, kann ich darin nicht erkennen. Das Konzept der vom Glauben abhängigen Götter war mir bereits durch niemand geringeren als Terry Pratchett bekannt, der sich weitaus früher mit diesem fesselnden Gedankenspiel auseinandersetzte. Neil Gaiman versäumte es, mir nachvollziehbar den größeren Rahmen seines Romans zu vermitteln, sodass ich für all die leisen Untertöne und Bedeutungen zwischen den Zeilen taub und blind blieb. Wahrscheinlich gingen viele Anspielungen unbeachtet an mir vorbei. Ich weiß einfach nicht, was er mir sagen wollte und wartete während der gesamten Lektüre auf die große Erleuchtung, die sich niemals einstellte. Ich empfinde ein Schulterzucken. Vielleicht habe ich mit der Serie mehr Glück. Vielleicht helfen mir bewegte Bilder, zu verstehen, worauf er hinauswollte. Vielleicht hätte ich aber auch meinem Entschluss, zuerst „Neverwhere“ zu lesen, treu bleiben sollen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/11/14/neil-gaiman-american-gods
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