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review 2018-07-24 19:18
Ehrliche Liebesgeschichte
Du + Ich = Liebe - Heike Wanner

Die 17jährige Nika hat einen guten Plan. Nach einem Jahr im Ausland will sie nun Schulsprecherin werden, das Abi mit Bravour bestehen und danach ein Studium beginnen. Doch lernt sie den neuen Mitschüler Ben kennen, der nach einem schweren Unfall in sein Leben im Rollstuhl finden soll.

Wieder einmal war mir nach einer Liebesgeschichte und auch in dem Genre suche ich nach dem Besonderem. Zwar hatte ich bei dem Cover und Titel tatsächlich mit so einer richtigen Teenie-Schnulze mit ganz viel Herzschmerz gerechnet, doch ich wurde sehr positiv überrascht!

Natürlich geht es um Nika und Ben und wie sie zueinander finden. Schon hier zeigt die Autorin, dass Liebesgeschichten sehr natürlich und humorvoll erzählt werden können, wofür ich ihr richtig dankbar bin.

Nika kommt nach einem Jahr im Ausland an ihre Schule zurück und kracht gleich einmal mit Ben zusammen. Denn Ben steht ganz und gar nicht auf ihren Charme, doch sie will unbedingt seine Aufmerksamkeit gewinnen. Aus ersten Kabbeleien, wird dann Sympathie bis sie letztendlich zärtliche Gefühle füreinander entwickeln. 

Ben hatte einen schweren Unfall und ist mittlerweile schon längere Zeit im Rollstuhl unterwegs. Dieses Leben hat er weder begrüßt noch sich ausgesucht, aber der Teenager akzeptiert diese Situation und macht das Beste daraus. Gerade diese lebensbejahende Einstellung hat Ben unheimlich viel Natürlichkeit und Esprit gegeben. Er jammert nicht, versinkt ebenso wenig in einer mitleidserregenden Lethargie, sondern er ist ein Mann der Tat und packt ganz einfach wie jeder andere sein Leben an.

"Das was passiert ist, ist scheiße, aber leider nicht zu ändern." (S. 209)

Nika ist beeindruckend bodenständig und falls es solche Mädchen in dem Alter auf dieser Welt gibt, kann man nur den Hut vor ihnen ziehen. Sie mag Ben. Punkt. Alles, was mit seiner Behinderung zusammenhängt, ist ihr absolut egal. Sie akzeptiert Unannehmlichkeiten und nimmt diese als gegeben hin. Dabei hat sie einen sehr natürlichen Zugang zu Körper und Leben, sodass man von ihr tatsächlich etwas lernen kann.

Erzählt wird die Geschichte von Nika und Ben abwechselnd aus ihren Perspektiven, was mir gut gefällt. Als Leser hat man dadurch Einblick in die Gedanken und die Gefühlswelt der Protagonisten, wodurch man in vielen Situationen richtig mitfiebern kann.

Im Großen und Ganzen steht Bens Querschnittlähmung und die anbahnende Liebe zwischen Nika und ihm im Vordergrund. Die Autorin beweist vortreffliches Fingerspitzengefühl, indem sie äußerst gekonnt Hintergrundwissen zur Querschnittlähmung einfließen lässt, ohne der Handlung den Flow zu nehmen. 

Mit der ersten großen Liebe und einer Behinderung ist es aber noch nicht getan, denn diese tiefsinnigen Inhalte werden zusätzlich von den Themenkomplexen Trauer und Depression ergänzt. Im Endeffekt ist es bestens gelungen und gibt ein ausgewogenes Gesamtbild ab. 

Die Handlung an sich ist ebenso rund erzählt und dabei flüssig sowie faszinierend zu lesen. Nur das Finale an sich und die zuspitzende Wendung waren nicht so ganz nach meinen Geschmack. Ich bin eher die Leserin, die relativ wenig Desaster braucht, um in einer Geschichte aufzugehen. Mir ist jedoch klar, dass der Handlungsbogen den Tiefstand benötigt, weil es sonst zu flach geendet wäre.

Alles in allem ist „Du + ich = Liebe“ eine wunderschöne Liebesgeschichte voller Ehrlichkeit, Lebenslust und Akzeptanz, die ich gerne gelesen habe und nur empfehlen kann.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2018-07-21 14:34
Vom Ansatz her richtig, richtig gut, aber ...
Blind Date mit der Liebe - Kari Lessir

Ninas Leben dreht sich um die Arbeit und sogar beim Joggen denkt sie nur daran. Im Anzeigenverkauf muss man eben immer Vollgas geben. Doch sollte man im Park vielleicht seine Umgebung nicht völlig vergessen. Denn auf einmal rennt sie einen richtig heißen Typen um, der ihr daraufhin ordentlich die Leviten liest.

Der heiße Typ ist nämlich blind und sieht es gar nicht ein, dass andere keine Augen im Kopf haben. Schnell erholt sich Nina von ihrem Fauxpas und Jan bandelt mit ihr an.

Mir war mal wieder nach einem Liebesroman und ich dachte mir, dass ich mit "Blind Date mit der Liebe" goldrichtig liege. Mich hat an dem Buch das Thema Blindheit beim Kennenlernen und sich Annähern gereizt, weil es mal etwas anderes zu lesen ist.

Jetzt aber zurück zu Nina und Jan, die in diesem Roman regelrecht aufeinander prallen. Diese Eingangsszene fand ich sehr charmant und ich hoffte, dass die Handlung im weiteren Verlauf ebenso hinreissend erzählt wird. 

Leider musste ich die Hoffnung aufgeben und kann der Autorin derzeit nur ihre ausgezeichneten Ideen zugute halten. 

Jans Blindheit ist natürlich stark im Vordergrund und sämtliche alltägliche Situationen, die damit einhergehen, werden exzellent beschrieben und wunderbar umgesetzt. 

Doch Jans Handicap wird im zwischenmenschlichen Bereich absolut überthematisiert. Nina beginnt für ihn Gefühle zu entwickeln und Jan geht es ebenso. Als Leser habe ich mich gefragt, was die Grundlage für diese Emotionen ist? Denn sie sprechen ausschließlich über die Behinderung. Es dreht sich einfach alles darum! Mir ist schon klar, dass solche Umstände eine große Rolle spielen und man sich beiderseits fragt, ob man überhaupt eine Beziehung eingehen will und zu einem gemeinsamen Leben fähig ist. Jedoch muss man vorher den anderen Menschen kennenlernen, bevor man an mögliche amouröse Entwicklungen denkt. Protagonist Jan wird komplett auf seine Blindheit reduziert und Nina ist schmückendes Beiwerk dazu.

Außerdem haben etliche Handlungen auf mich nicht schlüssig gewirkt. Sei es, dass Jan mal etwas ausprobieren will, was er sich bisher nicht getraut hat und dieses Vorhaben trotz Unsicherheit vor Publikum angeht, in der einen Minute tough und in der nächsten einfach armselig wirkt, oder wie der Antagonist der Story reagiert. 

Leider wird der Strang um Jans ‚Gegenspieler‘ ziemlich abstrus und verliert für mich komplett an Glaubwürdigkeit. Die Grundstory hätte mit Jan und Nina meiner Ansicht nach schon gereicht, weil mit dem Thema Blindheit schon von Vornherein sehr viel Konfliktpotential vorhanden ist.

Hingegen hat sich die Autorin bei anderen Facetten - zum Beispiel Jans emotionalem Verfall - wieder richtig viel Gedanken gemacht und diesen Hergang hervorragend geschildert.

Ganz ehrlich gesagt, dieser Roman hat auf mich einfach unfertig gewirkt und ein professionelles Lektorat wäre für die Autorin bestimmt hilfreich gewesen. Der Spannungsbogen hängt durch, die Zwischentöne fehlen und dramaturgisch wurde gravierend daneben gegriffen, was mir richtig weh in meiner Leserseele tut.

Obwohl das jetzt eine schlechte Kritik an diesem Werk ist, fand ich es vom Ansatz her richtig, richtig gut. Ich würde „Blind Date mit der Liebe“ lieber als Konzept oder Entwurf verstehen, aus dem noch ein fundierter und großartiger Roman entstehen kann. Bedauerlicherweise kann ich keine Leseempfehlung aussprechen, sollte die Geschichte aber eines Tages auf soliden Füßen stehen, würde ich sie sehr gern ein weiteres Mal lesen.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2018-07-08 08:59
Schlussendlich eine nette Liebesgeschichte
Liebe und der erste Blick - Josh Sundquist,Claudia Gray

Wills erster Schultag könnte besser nicht sein: er greift einem Mädchen unabsichtlich an die Brüste und setzt sich in der Mittagspause bei jemanden auf den Schoß. Dabei wollte er allen beweisen, dass er es als blinder Junge genauso gut in einer normalen Schule schaffen kann. 

Will ist seit Geburt an blind und ist bisher auch an eine Blindenschule gegangen. Doch er möchte sich selbst und seinen Eltern beweisen, dass er es auch an einer regulären Schule schaffen kann und setzt sich durch. Schon am ersten Tag tritt er in das eine oder andere Fettnäpfchen, wobei ihm nicht alle davon sofort bewusst sind. 

Protagonist Will ist ein ziemlich selbstironischer Typ, der sich durch's Leben kämpft. Mit seiner Blindheit geht er gut um, immerhin hat er es nie anders gekannt. Doch die neue Schul-Umgebung gibt ihm dann doch zu knabbern, weil er nun mit sehenden Mitschülern mithalten muss. 

Nachdem er sich im neuen Umfeld einigermaßen eingelebt und sogar Freunde gefunden - die Schoßgeschichte - hat, wird ihm eine innovative Operation vorgeschlagen. Sie wird ihm das Augenlicht geben und ihm die Welt der Sehenden sowie ihre Geheimnisse eröffnen. Daraufhin erkennt Will, dass er beinhart angelogen wurde und sein Mädchenschwarm Cecily gar nicht so gut aussieht. 

Allein die Inhaltsbeschreibung nimmt schon einiges von dieser Liebesgeschichte vorneweg, was sich im Lauf des Romans zu entwickeln gedenkt. Doch richtig packend ist gar nicht der Handlungsverlauf, sondern Wills schwarze Welt, in die der Autor einen Einblick gibt.

Wills Leben mit Blindheit ist exzellent beschrieben und der Autor zeigt, wie gut sich blinde Menschen zurechtfinden können. Eingangs erzählt Will, was oft nicht alles passiert, wenn ihm sehende Menschen zur Hand gehen wollen, und wie unhöflich es ist, wenn man einem Blinden ins Ohr schreit. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie sich Will in seiner Umgebung zurechtfindet, woher er weiß, wo er gerade ist und was um ihn herum geschieht, und dass er trotz seiner Behinderung zu einem normalen Leben fähig ist. 

Der Roman wird aus Wills Perspektive in Ich-Form erzählt und hier ist dem Autor Bemerkenswertes gelungen. Obwohl Will nicht sieht und von seinem Umfeld, den Menschen und den Ereignissen aus seiner Sicht erzählt, konnte ich mir das gesamte Geschehen lebhaft und farbenfroh vorstellen. 

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Ängste der Eltern blinder Kinder einbezogen werden. Will muss sich bei vielen Entscheidungen mit seiner Mutter messen, weil sie immer nur das Beste für ihren Sohn will. Diese kleinen Machtkämpfe hatten den Anstrich einer Übermutter, die mit ihrer überbordenden Sorge ihr Kind erstickt. Im Lauf der Handlung und gerade am Ende hat ihr Verhalten durchaus nachvollziehbar und schlüssig gewirkt.

Außerdem ist die Liebesgeschichte zwischen Will und Cecily zentral, die sich nach wenigen Seiten zu entwickeln beginnt. Sie werden rasch Freunde und verbringen viel Zeit miteinander. Bald wird aber klar, dass Cecily nicht so gutaussehend ist, wie Will denkt. 

Die Liebesgeschichte war für mich nett und gehört im Teenie-Alter wohl dazu. Für die Handlung an sich wäre sie meiner Meinung nach gar nicht notwendig gewesen, weil es auch so eine sehr interessante Erzählung war. Den Makel von Cecilys Aussehen hat’s für mich wirklich nicht gebraucht, das war mir einen Hauch zu viel. Natürlich spielt der Autor damit auf das Vertrauen blinder Menschen und die Ehrlichkeit ihres sozialen Umfelds an, aber vielleicht hätte man das auf andere Art, ein bisschen subtiler, lösen können.

Dennoch war die Geschichte in sich rund, schlüssig und gut zu lesen. Gerade Wills Selbstironie und sein lockerer Umgang mit seiner Blindheit hat dem Roman viel Elan gegeben. Ich konnte mich in seine Bedenken einfühlen und habe gern mit ihm gemeinsam den Schritt auf eine normale Schule gewagt.

Schlussendlich ist „Liebe und der erste Blick“ eine nette Liebesgeschichte mit einem blinden Jungen, der die Welt für sich entdeckt und die ich durchaus weiterempfehlen kann. 

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2018-06-27 15:47
Rezension: Gefürchtete Feinde
Verzaubert 3: Gefürchtete Feinde - Anna-Sophie Caspar

Titel: Gefürchtete Feinde

Reihe: Verzaubert

Teil: 3

Autor: Anna-Sophie Caspar

Verlag: Impress

 

Worum es geht: Nach dem Kampf in Nathaniels Reich fliehen die Elementare zu den Priesterinnen des Orakels von Delphi auf die Insel des Phoenix. Dort sollen alle auf den erneuten und endgültigen Kampf gegen Nathaniel vorbereitet werden. Ziel ist es Vespa zu befreien und das Phoenix-Ei wieder an sich zu reißen. Gerade wegen letzterem fühlt sich Effie unnatürlich leer. Sie merkt, wie sich die Phoenix-Seele immer öfter regt und befürchtet die Oberhand in ihrem eigenen Körper zu verlieren. Ihre andere Sorge gilt Eden, der sich immer wieder merkwürdig verhält. Vielleicht kämpft sich auch seine Tierseele in den Vordergrund. Doch was bedeutet das für ihre Zukunft und für den nächsten Kampf?

 

Was ich sage: Von diesem dritten und letzten Teil der Reihe habe ich vor allem erwartet, dass er sich nahtlos an die vorherigen Teile einfügt und die ganze Reihe ohne offene Fragen beendet.

Das ist auch wirklich gut gelungen. Es beginnt genau an der Stelle, an der der zweite Teil aufgehört hat. Als Leser verpasst man also keine wichtigen Ereignisse. Enden tut das ganze mit einer Art Epilog und dem Wissen, dass es tatsächlich endet. Fragen sind zu diesem Zeitpunkt keine mehr offen.

 

Gewählt wurde auch im letzten Teil der Reihe eine personale Erzählperspektive. Hierbei wird wie in den Teilen zuvor wieder Effie verfolgt. Da sie der Held der Geschichte ist, macht das auch durchaus Sinn. Sie bekommt schließlich alles mit.

Die Charakteren selbst sind sehr gut entwickelt. Sie haben ihre Vergangenheit, die sich auf ihr Verhalten auswirkt. Auch eine Motivation für ihre Handlungen ist bei allen Vorhanden.

 

Die Idee für die Geschichte finde ich nach wie vor sehr gut. Die Sache mit den Elementaren und ihren Kampf um ihre Existenz habe ich so noch nie zuvor gelesen und ich finde es als eine gelungene Weiterentwicklung zu den normalen Superkräften. 

Der Schreibstil ist sehr angenehm, sodass man gern weiterliest. Er ist sehr aktiv, was durch viele Dialoge aber auch durch viele Verben erreicht wurde.

 

Fazit: Das Buch Gefürchtete Feinde ist ein gelungener Finale für die Verzaubert-Trilogie. Es ist eine spannende Geschichte, der man gern an der Seite der lebendigen Charakteren folgt. Daher gebe ich an dieses Buch 5 von 5 Sternen.

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review 2018-06-21 10:23
Freude, Herz und Spannung
Smaragdgrün - Kerstin Gier

Die „Edelstein-Trilogie“ wurde von 2013 bis 2016 in Deutschland verfilmt. Kerstin Gier war mit der Umsetzung ihrer Romane zufrieden. Einige ihrer Fans schickten ihr hingegen enttäuschte Nachrichten. Auslöser ihres Unmuts waren die Abweichungen der Filme von den Büchern. Beispielsweise beschwerten sie sich über Leslies falsche Haarfarbe und über die Farbe der Schuluniform, die eigentlich Kartoffelpüree-Gelb ist. Gier selbst empfindet die Unterschiede nicht als dramatisch, da die Filme den Geist ihrer Geschichte vermitteln würden und ohnehin als Ergänzung betrachtet werden sollten, nicht als Ersatz. Ich werde trotzdem darauf verzichten, mir die Filme anzusehen. Die Diskrepanzen sind zu groß, als dass ich einen Mehrwert darin erkennen könnte. Besonders das Finale „Smaragdgrün“ wurde entscheidend umgeschrieben. Ich möchte mich lieber an Kerstin Giers Showdown erinnern, nicht an die Auslegung einer Filmproduktionsfirma.

 

Gwendolyn fühlt sich wie eine Idiotin. Wie konnte sie nur so dumm sein, auf Gideon reinzufallen? Dass ihr ausgerechnet der Graf von Saint Germain die Augen öffnete, macht es nur noch schlimmer. Allerdings ist sie zu beschäftigt, um im Liebeskummer zu versinken. Dank der tatkräftigen Unterstützung ihres Großvaters ist sie der Wahrheit bereits sehr nahegekommen. Lucy und Paul stahlen den Chronografen nicht aus selbstsüchtigen Gründen. Vielmehr misstrauen sie dem Grafen und seinen Motiven. Gwen teilt ihre Vorbehalte. Wie vertrauenswürdig kann ein Mann schon sein, der Mädchenherzen bricht, ohne mit der Wimper zu zucken? Es wird höchste Zeit, die Geheimnisse des obskuren Adligen aufzudecken – die Schließung des Kreises der Zwölf steht kurz bevor. Mutig stürzt sich Gwen erneut in die Vergangenheit, tanzt auf Bällen, schleicht durch unterirdische Gänge und riskiert ihr Leben, um ihren gerissenen Gegenspieler zu überlisten. Denn eine Weisheit hat der Graf nicht bedacht: Liebe geht durch alle Zeiten und überwindet jedes Hindernis.

 

Ha! Ich wusste doch, dass dem Grafen von Saint Germain nicht zu trauen ist! Da ich ziemlich gern Recht habe, empfand ich die Lektüre von „Smaragdgrün“ als angenehm befriedigend. Viele meiner Vermutungen und Theorien wurden bestätigt. Ich könnte jetzt natürlich herumnörgeln, dass die „Edelstein-Trilogie“ insgesamt zu vorhersehbar und das Finale zu hastig geraten ist. Aber das würde keinen Spaß machen. Ich möchte nicht meckern, selbst wenn es vielleicht der Wahrheit entspricht. Lieber möchte ich mich noch ein bisschen länger darüber freuen, dass ich in Giers Geschichte von Anfang an den richtigen Riecher hatte. Ich möchte meine positive Leseerfahrung noch etwas auskosten und Kerstin Gier vergnügt dafür applaudieren, dass ich die entscheidende Wendung in „Smaragdgrün“ eben nicht vorauszusagen vermochte. Ich bin immer noch baff, wie viel Freude ich mit „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ hatte – obwohl ich zweifellos aus dem Alter raus bin, in dem mich Gwens Liebesdebakel zu schmachtenden Tagträumen verleitet hätte. Die Trilogie ist witzig, mitreißend und hinsichtlich der Zeitreisen überraschend clever. Meiner Ansicht nach ist sie die perfekte Lektüre, um einem jungen Publikum das Lesen schmackhaft zu machen, weil sie eine starke emotionale Resonanz erzeugt und ganz sanft die Vorstellungskraft stimuliert. Mir gefielen die Episoden, die in der Vergangenheit spielen, hervorragend. In „Smaragdgrün“ besuchen Gwen und Gideon einen glamourösen Ball im 18. Jahrhundert, den Kerstin Gier wunderbar nutzt, um zu vermitteln, dass die Menschen der damaligen Zeit vermutlich weniger steif und affektiert waren, als wir es uns vorstellen. Im Rahmen der zulässigen Etikette waren sie ebenso genussfreudig und lebenslustig wie wir es heute sind. Ich fand diese Szenen sehr hübsch inszeniert, trotz des drohenden Damoklesschwertes der Gefahr, das über der Protagonistin Gwen schwebt. Was ich an Gwen von Herzen schätze, ist ihre Normalität. Im Kern bleibt sie im gesamten Verlauf der Trilogie das stinknormale Mädchen von nebenan, deren Gefühle leicht nachzuvollziehen sind und die weder übertrieben attraktiv, noch aggressiv, noch nervtötend wehleidig ist. Sogar die liebenswerten Nebenfiguren sind, wenn zum Teil wohl eher ungewöhnlich (Xemerius, alter Kumpel!), erfrischend unspektakulär charakterisiert, was definitiv als Kompliment zu werten ist. Tatsächlich hätte Kerstin Gier für meinen Geschmack etwas dicker auftragen können, da ich es schade fand, dass sie die Assoziation der 12 Zeitreisenden mit Edelsteinen, Tieren, Bäumen, Tonarten und der Alchemie nie erläutert. Ich bedauere das, weil ich glaube, dieses Detail hätte für weitere spannende und mysteriöse Verwicklungen sorgen können. Ich verstehe allerdings, dass die Autorin offenbar einen eher schmalen Rahmen für ihre Geschichte anstrebte und folglich darauf verzichtete, diesen Ansatz zu verfolgen. Ihre Bescheidenheit stand der „Edelstein-Trilogie“ gut zu Gesicht.

 

Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir die „Edelstein-Trilogie“ so gut gefallen würde. Kerstin Gier sagte in einem Interview einmal, dass sie Bücher schreibt, „in denen man sich vor der Welt verstecken kann“. Ich finde diese Herangehensweise an das Schreiben wundervoll und nach der Lektüre der drei Bände „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ bescheinige ich ihr, dass ihre Einschätzung der Wahrheit entspricht. In diese Trilogie kann man sich exzellent flüchten. Die rasch fortschreitende Handlung ergibt kombiniert mit der starken emotionalen Sogkraft der geschickt eingearbeiteten Liebesgeschichte eine bewegende Lektüre, über der man die Realität problemlos vergessen kann. Ich begeistere mich für die leichte und unbeschwerte Ausstrahlung der Bücher und bin bereit, mich in „Silber“ erneut verzaubern zu lassen. Ich pfeife auf die professionelle Literaturkritik. Kerstin Gier weiß sehr genau, worauf es beim Lesen wirklich ankommt: Freude, Herz und Spannung.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/06/21/kerstin-gier-smaragdgruen
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