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review 2019-02-01 08:43
Spannendes brandaktuelles Justizdrama in mühsamer mittelalterlicher Sprache
Michael Kohlhaas - Heinrich von Kleist

Mein Anstoß, Kleists Drama als Erwachsene erstmals zu lesen, kam übrigens von Marc-Uwe Kling aus seinem Roman Qualityland, der seinen Protagonisten Peter Arbeitsloser mit Michael Kohlhaas verglich, und ich glaube, mein Lesefreund Manuel tat dies auch gleich zu Beginn meiner Statusmeldungen, obwohl er Qualityland noch nicht gelesen hatte. Hier musste ich erstmals feststellen, dass ich dringend und schleunigst eine echte Bildungslücke zu stopfen hatte. Als Österreicherin englische Literatur nicht zu lesen (nicht mal Shakespeare),  halte ich nicht für eine Bildungslücke, wenn mir aber im Deutschsprachigen etwas fehlt, das auch noch in der heutigen Zeit oftmals zitiert wird, muss ich so etwas sofort reparieren...

Puh die Sprache ist wirklich extrem mühsam: Eine Novelle geschrieben um 1800 mit der Sprache des 16. Jahrhunderts. Bei der wenig adäquaten Sprache rede ich übrigens nicht von den verschachtelten Bandwurmsätzen, die sich oft sogar über die ganze Seite des Reclamheftes ziehen - im Gegenteil, so etwas liebe ich sogar und nehme das ganze immer als sportliche Herausforderung an. Ich spreche von den unzähligen mittelalterlichen Vokabeln dieses Justizdramas, die einfach so fern von unserer heutigen Sprache sind, dass sie wie chinesisch anmuten. Auch aus dem Kontext heraus sind sie schwierig zu erraten, da sie des öfteren einen juristischen Hintergrund haben. Ehrlich gesagt, bei einem jiddischen Buch verstehe ich mehr als doppelt so viel. Wenn ich die Sprache nicht gut genug kann, ist mir immer der Lesefluss vergällt, weil ich dauernd soviel nachschlagen muss, das ist auch der Grund, warum ich nicht gerne fremdsprachige Literatur (auch keine englische lese). Wenn so etwas dann auch noch auf ein deutschsprachiges Werk zutrifft, ist es doppelt so unangenehm.

Kein Wunder, warum so viele Schüler es hassen, diese Pflichtlektüre zu absolvieren, denn kein Mensch kann heutzutage diese Sprache. Mir ist die Novelle ja als Liebling des Deutschlehrers ( :-) das war ich wirklich - habe ihn erst vor 2 Jahren anläßlich meines 30jährigen Maturajubiläums getroffen und er schwärmt immer noch von mir als Schülerin) erspart geblieben, denn mein Deutschlehrer war stets zufrieden mit der Auswahl meiner Wahl-Bücher zu den Buchbesprechungen und drückte mir somit nie eine Zwangslektüre aufs Auge, aber ich kann mich vage erinnern, irgendwen in der Klasse hat es mit dem Kleist erwischt.

Nun aber zum Inhalt des Werks, der im Gegensatz zur Spache wirklich außergewöhnlich großartig ist und auch in heutigen Zeiten Jahrhunderte später derart modern anmutet, dass es eine Freude ist. Gerade in der heutigen Zeit als in Österreich und in Ungarn der Rechtsstaat gegenwärtig abmontiert wird, ist das Thema aktueller denn je. (Siehe Staatsanwaltliche Untersuchungen gegen Innenminister Kickl FPÖ, die auf Weisung eingestellt werden, oder Politiker, die im Parlarment brüllen "Niemals haben wir uns damit abzufinden, dass Gesetze uns in unserem Handeln behindern" Dagmar Belakovitsch FPÖ)

Wenn durch Korruption, Unterschlagung von Dokumenten, Freunderlwirtschaft und Rechtsbrüche der Rechtsstaat ausgehobelt wird, darf man sich nicht wundern, dass irgendwann ein Untertan durchdreht, sich dies alles nicht mehr gefallen lässt und zur Selbstjustiz greift.  

So passiert es in einer mittelalterlichen Gesellschaft. Der Pferdehändler Michael Kohlhaas hat Recht in seiner relativ geringfügigen juristischen Angelegenheit gegen den Junker von Troncka, aber da die Verwandten dieses Nichtsnutzes überall an den Schalthebeln der Justiz und der Verwaltung sitzen und sich nicht genieren, diese Ämter auch zu Gunsten des entfernten Verwandten zu missbrauchen, hat Kohlhaas keine Chance. Dabei geht es ursprünglich nur um zwei Pferde, die sich der Junker unerlaubt einverleibt hat. Der Pferdehändler besteht auf seinem Recht, wird zwar irgendwie als starrsinnig und spießig dargestellt, aber wenn man sich die Zeit ansieht, dann waren damals zwei Pferde auch grad keine Petitesse im Vermögen eines Bürgers. Und wenn jemand Recht hat, darf er auch auf diesem Rechtsweg bestehen, die niedrigen Adeligen sind der Gerichtsbarkeit genauso unterworfen, wie alle anderen Bürger. Als die Frau von Kohlhaas so nebenbei lapidar bei der Einreichung eines Bittgesuchs getötet wird und sein Diener zusammengeschlagen, dreht Kohlhaas verständlicherweise durch und greift zur Selbstjustiz, die auch noch recht erfolgreich ein Heer von gewaltbereiten Anhängern findet, denn es ist ziemlich viel faul im Staate Sachsen, in dem die niederen Adeligen meinen, sie könnten sich über das Gesetz stellen und mit den Bürgern machen, was sie wollen.

Von Martin Luther persönlich überredet und durch eine Amnestie vom Kurfürsten pardonniert, legt er die Waffen nieder und bestreitet seinen Rechtsweg erneut. Durch Intrigen der Verwandten von Troncka werden aber alle Abmachungen seitens der Adeligen und der Gesetzgeber durch juristische Finten, Dokumentenunterschlagungen, Fristenverkürzungen, Korruption etc. gebrochen. Mittlerweile sind nicht nur die Tronckas involviert, das juristische Tohuwabohu wird auch noch durch unterschiedliche Zuständigkeiten der Kurfürstentümer Brandenburg  und Sachsen verschlimmert - bis zum Kaiser in Wien geht die Angelegenheit, die natürlich von den Adeligen falsch dargestellt wird und ein Todesurteil für Kohlhaas nach sich zieht.

Am Ende bekommt er groteskesterweise in der Ausgangs-Petitesse Recht - nämlich seine zwei Pferde werden ihm retourniert - er selbst wird jedoch wegen Selbstjustiz zum Tode verurteilt. Der Staatenbund übernimmt keine Verantwortung für die Korruption, die das Leben von Kohlhaas Frau gekostet hat. Ein großartiges, nicht gut endendes Justizdrama, das auch 2019 spielen könnte.

Fazit: Inhalt topmodern - Sprache einfach nicht mehr zeitgemäß und richtig mühsam deshalb 3,5 Sterne. Da ich persönlich immer Inhalt vor der Präsentation bewerte, selbstverständlich auf 4 Sterne aufgerundet.

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review 2019-01-28 20:16
Ich küss dich tot | Ellen Berg
190128 IchKüssDichTot
Autorin: Ellen BergTitel: Ich küss dich totReihe: nicht wirklichGenre: Frauenroman, LiebesromanVerlag: Aufbau Verlag, [09.11.2018]Kindle-Edition: 396 Seiten, ASIN B07CJD8M79auch im TB-Format und ungek. Hörbuch erschienenVielen Dank an den Verlag und NetGalley.de #IchKüssDichTot #NetGalleyDE gelesen auf dem Kindle PaperwhiteWhispersync for Voice verfügbarklick zu Amazon.de

Inhaltsangabe (Amazon):

Endlich wird gemordet!
Hotelmanagerin Annabelle hat gerade einen Superjob in Singapur ergattert, als sie das Alpenhotel ihrer Eltern retten soll. Fest entschlossen, den maroden Familienbetrieb zu verkaufen, reist sie in die verschneite Heimat – und findet eine Leiche im Straßengraben. Ist es einer der Investoren, die das verträumte Bergdorf touristisch aufmöbeln wollen? Welche Rolle spielt Andi, der charmante Sohn der Nachbarn, mit denen ihre Eltern eine alte Fehde verbindet? Als eine weitere Leiche auftaucht, beginnt für Annabelle ein Wettlauf um Liebe und familiäres Glück.
Ein mörderisch komischer Roman über die Tücken des Familienlebens und die wahre Liebe am falschen Ort.

Meine Meinung:

 

hm-hm… Dieses Mal bin ich nicht überzeugt oder begeistert. Das war nicht so wirklich meins. Warum? Es war mir viel zu überspitzt, zu sehr auf “Theater-Stadel” getrimmt. Nicht wirklich mein Humor. Aber es gibt sie ja doch, die Leserinnen, die einen völlig anderen Geschmack haben als ich und dieses Buch lieben werden.

 

Annabelle hat es geschafft. Sie klettert die Karriereleiter immer höher und höher, und da sie ein Workaholic ist, macht ihr die quasi nicht existente Freizeit auch nichts aus. Freunde hat sie dennoch. Gerade ist sie im Begriff, nach Singapur zu fliegen und das Ziel ihrer Träume in puncto Job anzutreten, da bekommt sie einen Hilferuf aus der Heimat: Ihr Vater hatte einen Schlaganfall, sie müsse sofort nach Hause kommen.

 

Mit dem Umbuchen ihrer Flüge schon beginnt sich ihr Leben vollständig zu ändern. Sie will in der Heimat eigentlich nur ihren Eltern unter die Arme greifen und dann sofort wieder verschwinden, aber dann kommt alles anders als erwartet.

 

Der Schreibstil ist diesmal richtig gehend weitschweifig und mit vielen wirren Gedanken gespickt, die ich mal der Torschlusspanik einer Mitdreißigerin zuschiebe. Es gibt Längen, die nicht hätten sein müssen. Die Charaktere sind interessant und vielfältig, von charmant über öko und nerdig bis hin zu unverschämt und geldgeil. Insgesamt 4 Leichen gibt es in diesem Roman, einige Familiengeheimnisse und eine laxe Handhabung der Gesetze. Und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Für meinen Geschmack zu kitschig, aber wieder passend zum Gesamteindruck des Buches.

 

Ich gebe nach langem Nachdenken 06/10 Punkte.

 

Zitate:

“Dies ist ein Verhör. Gestehen Sie alles”
Pos. 4215 – Kapitel 20

Jeder Tag ist ein Geschenk, dachte sie, aber manche sind einfach mies verpackt.
Pos. 5961 – Kapitel 29

190128 IchKüssDichTot1

 

Weitere Bücher der Autorin:

 

1. Du mich auch – beendet 22.06.2015 – 09/10 Punkte
2. Das bisschen Kuchen: (K)ein Diät-Roman
3. Den lass ich gleich an: (K)ein Single-Roman
4. Ich koch dich tot: (K)ein Liebes-Roman  - beendet 09.07.2015 – 07/10 Punkte
5. Gib’s mir Schatz: (K)ein Fessel-Roman
6. Ich will es doch auch: (K)ein Beziehungs-Roman
7. Zur Hölle mit Seniorentellern!: (K)ein Senioren-Roman
8. Alles Tofu, oder was?: (K)ein Koch-Roman
9. Mach mir den Garten, Liebling!: (K)ein Landlust-Roman
10. Ich schenk dir die Hölle auf Erden: (k)ein Trennungs-Roman – beendet 17.06.2017 – 10/10 Punkte
11. Blonder wir’s nicht: (k)ein Friseur-Roman – beendet 01.09.2016 – 08/10 Punkte
12. Manche mögen’s steil: (k)ein Liebes-Roman – beendet 31.10.2017 – 09/10 Punkte
13. Ich küss dich tot: (k)ein Familien-Roman – beendet 28.01.2019 – 06/10 Punkte

 

Ich küss dich tot: (K)ein Familien-Roman - Ellen Berg 

Source: sunsys-blog.blogspot.com/2019/01/gelesen-ich-kuss-dich-tot-ellen-berg.html
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review 2019-01-08 07:03
Book2movierezension - Das finstere Tal
Das finstere Tal - Thomas Willmann

Book2moviechallenge 2019
Kategorie 3: ein Film/Buch aus dem Genre Krimi/Thriller:

Das Buch habe ich erstmals 2011 auf der Frankfurter Buchmesse gelesen, ich glaube sogar, das war mein erstes Rezensionsexemplar überhaupt. Es hat mich auf jeden Fall restlos begeistert. Als der Film in die Kinos kam, wollte ich ihn unbedingt als Open Air Veranstaltung im Juni sehen. Leider war es aber damals so saukalt, dass ich mich nicht überwinden konnte, draußen vor der Filmbar der der Donau-Uni mehr als eine Stunde mit einer Decke auszuharren, das war mir dann zu blöd. Als die DVD-rauskam, habe ich sie mir sofort gekauft, sie dann in ein Regal gestellt und bis zum Start der Book2moviechallenge 2019 total vergessen. Ich bin froh, dass ich all das nun nachgeholt habe und das Buch im Schnelldurchlauf nochmals überflogen bin.  

Zum Buch: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Sterne
An meiner ursprünglichen Bewertung hat sich nichts geändert, also lassen wir die Originalrezi von 2011 wirken und so stehen beziehungsweise fügen nur ein bisschen Inhalt hinzu, um Buch und Film perfekt vergleichen zu können.

Wow! Der letzte Satz des Nachwortes ist wirklich bezeichnend und charakterisiert treffend den grenzgenialen Genre-Mix: Ludwig Ganghofer trifft Sergio Leone.

Verpackt in die Enge und Bedrohlichkeit eines anspruchsvollen Heimatromans mitten in den Bergen wird dieses Buch perfekt nach und nach mit den Handlungssträngen eines guten Italo-Westerns vermischt. Die Motive des dem Showdown vorausgehenden Dramas sind nicht durch das Western-Genre, sondern durch die Gesetzmässigkeiten und Grausamkeiten des Lebens in abgeschiedenen Bergtälern geprägt. Die finale Abrechnung findet jedoch im Stile des Westens "Auge um Auge - Zahn um Zahn" statt.

Die Sprache dieses Werkes ist wunderbar und fabuliert episch breit die dumpfe Gefahr und die sich zum Leser neigenden drohenden Berggipfel mit ihrer Enge und Unausweichlichkeit nahezu herbei. Man sitzt in diesem Dorf, der -gemeinschaft in den Regeln und der Engstirnigkeit gleichermaßen in der Falle und fiebert dem unabwendbaren Ende entgegen.

Der Amerikaner Greider kommt Ende des 19. Jahrhunderts als Gast und Maler in ein abgeschiedenes Bergdorf in den Alpen. Nach und nach entpuppt er sich als Rächer, der mit der Dorfgemeinschaft abrechnet, um das Verbrechen an seinen Eltern zu tilgen. Im Dorf ist vieles seit Jahrzehnten im Argen: Machtmissbrauch, Gewalt, Ius primae noctis, Vertuschung, Mord, Folter und Totschlag unter  Billigung der Dorfelite gehören zur Lebensrealität, mit der Greider nach und nach aufräumt.

So jetzt hoffe ich, dass ich nicht zuviel verraten habe.

Fazit: Unbedingt lesen! Sowohl für Fans von dunklen Geschichten als auch für Literaturfreunde.

Der Film: 4,5 Sterne aufgerundet auf ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Der Film steigt nicht so wie das Buch allmählich, sondern von Anfang an ganz punktgenau in die Bildsprache des Westerns ein. Obwohl die Handlung in den Südtiroler Bergen spielt, wurde das Western-Genre sofort in einer konsistenten Mischung aus Western und Heimatfilm umgesetzt: Die Pferde, die Gewehre, die Attitüde der Schauspieler, die Hüte (es gibt keinen einzigen Almseppelhut) und auch die sehr international anmutende Musik verorten den Film in diesem kongenialen Genremix, der keine Sekunde irgendwie unhistorisch oder unecht wirkt. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Alpen schon immer ein bisschen was von Western hatten. Zum Genremix des Buches zwischen Ludwig Ganghofer und Sergio Leone möchte ich bezüglich des Films auch noch einen gehörigen Schuss Quentin Tarrantino hinzufügen, um den modernen visuellen Stil vor allem bei den Gewaltszenen und dem Einsatz von Sound komplett abzudecken.

Die Filmusik und der Sound sind übrigens eine eigene Kategorie für sich. Die Soundtrack Songs klingen sehr amerikanisch, sind aber allesamt aus Österreich. Sehr gefallen hat mir der Titelsong von Clara Luzia Sinnerman und How dare you von den Steaming Satellites, sie könnten genausogut auch Quentin Tarantinos Opus Kill Bill oder Django Unchained begleiten. Aber auch die Soundeffekte, das Orchester aus Mostar, die dumpfen Hörner und die bedrohlichen Trommeln sind punktgenau eingesetzt und determinieren das Grauen und die Enge der Berge.

Eine kleine Änderung im Film-Drehbuch gegenüber der literarischen Vorlage hat mir besonders gut gefallen. Greider ist nicht mehr Maler, das lässt sich im Medium Film nicht so gut umsetzen, sondern eine Technologiestufe weiter. Er ist Daguerrotypist, einer der ersten Fotografen, der mit der neuen Technologie in die Berge kommt. Das Metronom wurde auch optisch kongenial in Szene gesetzt, indem es die Belichtungszeit misst zudem wird die Daguerrotypie von den Dorfbewohnern als Spiegel mit Gedächtnis bezeichnet.

Ansonsten ist optisch alles grandios umgesetzt. Die Berge, die Enge, der Regen, der Dreck, der Schnee, die Düsternis, die Armut, die harte Arbeit, die sich auf den verbrauchten Gesichtern der Dorfbevölkerung spiegelt, die Ausweglosigkeit, die Gewalt der Herrschenden, die bigotte Unterstützung der Verbrechen und der feudalen fundamentalistischen Machtstrukturen durch die katholische Kirche.

Die Schauspieler sind allesamt großartig, Tobias Moretti spielt sich zwar wieder mal selbst, aber da seine Figur ein Arschloch darstellt, kann er das brilliant, aus Erwin Steinhauer in der Rolle des bigotten Pfarrers haben sie fast einen Helmut Qualtinger gemacht, das ist grandios, die Luzi ist wundervoll und zuallerletzt auch noch die authentisch besetzte Rolle des Greiders durch den großartigen englischen Schauspieler Sam Reiley, der den Rächer so genial spielt und mit seiner knappen mit englischem Akzent gefärbten Sprache auch noch punktgenau verkörpert.

Bei der Sprache muss ich auch noch ein bisschen genauer ansetzen. Fast alle Schauspieler haben sich bemüht, das Tirolerische zumindest in Ansätzen rüberzubringen, in diesem Film gibt es keinen Mischmasch aus Wiener, Steirer, Niederösterreicher und Bayerndialekt - Hauptsache irgendwie Süddeutsch oder Österreichisch, bei dem es mich immer irritiert reißt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die Leute den Unterschied nicht hören können. Hier möchte ich auch mal der deutschen Schauspielerin Paula Beer in der Rolle der Luzi meine Hochachtung zollen. Die hat sich so perfekt ins Tirolerische hineingetigert, dass nur einheimische Ohren einen Unterschied werden feststellen können.

So aber nun muss ich noch den halben Punkt erklären, den ich bei aller Lobhudelei ausgerechnet in den letzten 10 Minuten des Filmes noch abziehen musste. Der Showdown von Greider und Brenner an dessen Krankenlager ist so ein typischer Hollywood Scheißdreck. Kennt Ihr das? Da ist die Rache schon eiskalt angerichtet, die Situation für das zukünftige Opfer ausweglos, die Puffe geladen, schussbereit der Finger am Abzug und dann labern Täter und potentzielles Opfer ewig lang rührselig herum wechseln auch noch bedeutungsschwangere Blicke und man denkt sich augenrollend: "Du Trottel drück doch ab, bevor noch was dazwischenkommt." James Bond laviert sich auch oft noch aus ausweglosen Situationen heraus, weil die Bösewichte ewig lang labern, sich rechtfertigen und nie zu einem Ende kommen. Das war eben im Film um einen Tick zu hollywoodesk, bedeutungsschwanger und langatmig.

Hab dann auch noch im Buch nachgelesen. Da wurde das Finale trotz des letzten Täter-Opfer Gesprächs und der Rechtfertigung auf vier Buchseiten kurz und knackig abgehandelt. Zumal im Buch auch noch die Motive von Brenner für die Verbrechen der Vergangenheit aufgedeckt werden, was im Film bedauerlicherweise total unter den Teppich gekehrt wurde.
"Weil ich bleiben wollt'! Weil ich alles sein sollt', ich!"
Dieser sehr philosophische Ansatz des Buches über den aussichtslosen männlichen Kampf gegen die Vergänglichkeit des Lebens bleibt dem Cineasten leider komplett verwehrt.

Fazit Film: Ein absoluter Blockbuster, und zudem von extrem hoher Qualität.

Fazit Buch gegen Film.
Im Fotofinish geht das Buch mit einem hauchdünnen Vorsprung eines Wimpernschlages über die Zielgerade. Wäre das etwas verpatzte Finale nicht gewesen, hätte ich sogar dem Film den Vorzug gegeben.

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review 2018-12-30 10:40
Die Gefährlichkeit von Männersticken
Stick oder stirb! Kommissar Seifferheld ermittelt (HAYMON TASCHENBUCH) - Tatjana Kruse

Ja, Ihr habt richtig gelesen, Ex-Kommissar Siggi Seifferheld leitet eine Männerstickgruppe im Knast und kommt dadurch in ärgste Kalamitäten, als er und sein Hund von einem russischen Mafiaboss entführt werden.

 

Die Autorin hat ein Faible, kuriose Figuren zu zeichnen, ungewöhnliche Hobbies zu kreieren, die alten Männern in der Pension gegen die Langeweile einfallen und ihre Protagonisten in total groteske Situationen zu bringen, um sich dann gemeinsam mit dem Leser auch noch an der aufkommenden Verzweiflung köstlichst zu laben. Das hat mir an diesem Regionalkrimi richtig gut gefallen, wie auch die von anderen gesammelten und zusätzlich selbst erfundenen Zitate. Also sprachlich wie humoristisch war der Roman sehr ansprechend.

 

Zum Beispiel wird der Hund zwecks Tarnung von den relativ netten Entführern, weil er ja Gassi gehen muss und in dem kleinen Ort nicht erkannt werden soll, statt erschossen komplett kahlgeschoren.

Oder auch die Szenen der Seifferheldschen Ehe sind höchst vergnüglich:

So war die Ehe: Eben noch romantisches Kuscheln auf Augenhöhe, gleich darauf die hierarchische Kampf-Ansage von Amazonenkönigin an Toyboy, wer hier die Hosen anhatte. […] Siggi seufzte und sah an sich hinunter. Der Revoluzzer in ihm fiel in sich zusammen. Er musste sich endlich angewöhnen, unter seinem Morgenmantel lange Hosen zu tragen. Feinrippträger waren bei Verbalattacken klar im Nachteil.

Auch die brutale Wahrheit wird sehr humoristisch in knackige Zitate verpackt:

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Außer Menschen, denen man Bücher geliehen hat, die lösen sich einfach in Luft auf.

Wie Ihr seht, fliegen die Wuchteln sehr tief* in diesem Roman. Wenn ich es persönlich vergleichen möchte, würde ich sagen, dass Kruses Roman um Klassen witziger ist als Rita Falks Eberhofer-Reihe (ich glaub jetzt muss ich mich virtuell vor einigen in Sicherheit bringen ;-) und um eine Nuance schlechter als Jörg Maurers frühe Werke. Die späteren muss ich erst lesen, aber sie liegen schon bei mir zu Hause.

 

Der Krimiplot ist wie bei vielen dieser Regionalkrimis leider nicht sehr spannend, recht absehbar und durchsichtig. Aber wer eine vergnügliche leichte Lektüre sucht, wird wahrscheinlich begeistert sein.

 

Fazit: Witzig.

 

* Wuchtl kommt im Österreichischen aus dem Fußballerischen und ist ein gekonnt platzierter Schuss. Im Humoristischen sitzt der Gag bzw. das witzige Wortspiel punktgenau.

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review 2018-12-19 17:08
Plätzchen, Tee und Winterwünsche - Winterglanz (1) | Stina Jensen
181219 Plätzchen1
Autorin: Stina JensenTitel: Plätzchen, Tee und WinterwünscheReihe: Winterglanz (1)Genre: Gegenwartsliteratur, LiebesromanVerlag: Books on Demand, [02.11.2018]Kindle-Edition: ASIN B076XBTSGR, [318 Seiten]Adventsgeschenk von Hugendubel.degelesen auf dem Kindle Paperwhiteauch im TB-Format erschienenklick zu Amazon.de

Inhaltsangabe (Amazon):

Gäbe es nicht ihre Zwillingsschwester Sina, hätte Milla schon längst den Kopf in den Sand gesteckt. Oder viel eher in den Schnee, wenn denn welcher fallen würde.
Der Winter war jedenfalls noch nie so trostlos.
Zwar hat sie endlich einen neuen Job in einem entzückenden Teeladen, nachdem sie ihre Arbeit als Friseurin aufgeben musste.
In der Liebe hat Milla allerdings schon seit Jahren kein Glück, und auch der Kontakt zu ihren Eltern ist wegen eines dummen Streits abgebrochen.
Doch kaum hat sie den Wunsch nach der ganz großen Liebe und der Versöhnung mit Vater und Mutter ausgesprochen, überschlagen sich die Ereignisse.
Plötzlich muss Milla sich zwischen den Menschen entscheiden, die ihr am meisten bedeuten.
//Die perfekte herzerwärmende Geschichte für einen Wintertag auf dem Sofa mit Tee und Gebäck.//

Meine Meinung:

 

Dieses Buch war eine Überraschung im doppelten Sinn für mich, denn zum einen bekam ich es von Hugendubel zum 2. Advent kredenzt und zum anderen entpuppte sich diese interessante, keineswegs alltägliche Story als turbulenter Mix aus Liebesroman, Gegenwartsliteratur, Humor und vielem mehr. Es war spannend und hat mir ein paar wirklich nette Lesestunden beschert, tatsächlich bei Tee und Gebäck, wobei es da eher Lebkuchen waren als Ingwerkekse (die ich allerdings auch sehr gern mag).

 

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut, sie schreibt hier in der 1. Person als Milla und lässt uns an fast all ihren Gedankengängen teilhaben. Aus einem grauen Mauerblümchen wird eine verliebte Frau, ohne sich selbst verbiegen oder verwandeln zu müssen. War ihr Leben noch trostlos ohne nennenswerte besondere Momente, verwandelt es sich binnen weniger Wochen in das einer engagierten Frau, die sogar ohne lange zu überlegen ganz plötzlich nach Wien reist, um dem Sohn ihrer Chefin aus der Patsche zu helfen. Sie trifft viele Entscheidungen, die ihr Leben verändern, und das zum Guten.

 

Allein der Schluss, 6 Monate später, das ging mir zu schnell. Ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum ihr Vater plötzlich über seinen Schatten springt. 20 Jahre lang war er verbohrt und verstockt, und das wird mit zunehmendem Alter eher noch schlimmer. Reine Überredungskunst kann es also nicht gewesen sein. Und auf einen naheliegenden Schluss, was Jochen/Jay betrifft, bin ich bedeutend schneller als die Protagonistin gekommen.

 

Aber dieses Buch ist absolut lesenswert. Ich vergebe 08/10 Punkte und lege es jedem ans Herz, der im Winter gern leichte Lektüre mit spannenden Wendungen und dem gewissen Etwas lesen mag. Einen 2. Teil der Reihe gibt es auch.

 

181219 Plätzchen2

 

Bücher der Autorin:

 

1. Plätzchen, Tee und Winterwünsche – beendet 19.12.2018 – 08/10 Punkte
2. Misteln, Schnee und Winterwunder

 

1. INSELblau
2. INSELgrün
3. INSELgelb
4. INSELpink
5. INSELgold

 

1. GIPFELblau
2. GIPFELgold

 

Plätzchen, Tee und Winterwünsche: Liebesroman - Stina Jensen 

Source: sunsys-blog.blogspot.com/2018/12/gelesen-platzchen-tee-und-winterwunsche.html
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