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review 2015-08-11 12:13
Humorvoll, märchenhaft, großartig!
Uprooted - Naomi Novik

Agnieszka liebt das einfache Leben in ihrem Dorf, doch es wird überschattet von einem düsteren verwunschenen Wald, in dem eine Boshaftigkeit existiert die nach den Menschen greift. Die Dorfbewohner sind auf die Hilfe des Zauberers angewiesen, den alle nur als den Drachen kennen. Doch der Preis für seine Hilfe ist hoch: alle zehn Jahre fordert er ein Mädchen aus dem Dorf als Tribut. Die nächste Auswahl steht kurz bevor und Agnieszka fürchtet sich um ihre beste Freundin. Niemand weiß genau nach welchen Kriterien der Drache seine Wahl trifft, doch jeder weiß, dass der Drache kommen und die schöne Kasia auswählen wird. Es gibt keinen Weg sie vor ihrem Schicksal zu bewahren, nur dass es am Ende nicht Kasias Schicksal ist.

 

»What an unequaled gift for disaster you have.«
- Two

 

Meine Liebe zu Uprooted begann mit einem Cover-Kauf und kam entsprechend unerwartet. Mit einer von Beginn an ruhigen aber fesselnden Erzählstimme und liebenswerten Figuren entführt Autorin Naomi Novik ihre Leser in eine düster-schaurige Märchenwelt, in der Blut fließt und Köpfe rollen. Wer also bei dem Wort »Märchen« an ein Kinderbuch dachte der irrt zwar, doch die Autorin schafft es dafür erwachsene Leser in eine zauberhafte und magische Welt zurückzuführen, die einem als Erwachsenem manchmal verloren scheint.

Uprooted nimmt einen schon auf den ersten Seiten gefangen und lässt einen kaum mehr los. Man muss sich sehr zusammenreißen, um nicht die Nacht durchzumachen, weil man dringend noch dieses eine Kapitel zu Ende lesen will. Die Autorin hat für ihre Geschichte auf Figuren aus dem polnischen Volksglauben zurückgegriffen und einige ihrer liebsten Figuren daraus erhalten einen kleinen Cameo-Auftritt in dem Roman. Vielleicht hat hier schon einmal jemand von Baba Jaga gehört?
Davon einmal abgesehen ist Uprooted aber keine Märchennacherzählung die für erwachsene Leser angepasst wurde, sondern ein ganz eigenständiges Werk. Es gibt neben schonungslosem Kriegsgemetzel zudem ca. 1,5 Sexszenen in diesem Roman, die weder kitschig noch lächerlich ausgefallen sind, sondern im Gegensatz sehr erwachsen und sinnlich geschildert werden. Allein diese Szenen sollten aber schon dafür sorgen, dass man das Buch keinem Kind in die Hand gibt. ;)

Die Figuren in Uprooted wissen wie die Geschichte selbst, einen auf Trab zu halten! Nicht etwa wegen actionreicher Szenen, von denen es durchaus einige gibt, sondern weil sie einfach mit schrulligen, liebenswerten und hassenswerten Facetten versehen wurden. Fangen wir bei Agnieszka an, die so herrlich chaotisch ist, dass man kaum genug von ihren zahlreichen Fehltritten bekommt. Wenn es etwas gibt, dass Agnieszka kann, dann ist es Unordnung und allgemein Chaos zu verursachen. Nicht, dass sie es mit Absicht täte, es scheint eher ein zweifelhaftes Talent zu sein. Als sich der Drache plötzlich mit ihr allein im Turm herumschlagen muss, kann er einem schon fast leid tun, denn Agnieszka bringt sein ordentliches und schön strukturiertes Leben gut durcheinander. Da hilft auch keine noch so abweisende harte Schale. Die beiden sind wie Feuer und Wasser, was für einen höllischen Spaß sorgt. Dabei kommt der Humor überraschend in die Geschichte und in wohl portionierten Dosen. Agnieszka folgt meist intuitiven Impulsen und improvisiert was da Zeug hält. Sie ist eine gänzlich unperfekte Heldin die erst in ihre Rolle hineinwachsen muss, was ihre Figur umso unterhaltsamer macht.
Im Gegensatz dazu ist der Drache ein Mann, dessen Absichten zunächst unklar bleiben. Er kommt zwar alle zehn Jahre ins Dorf um eines der Mädchen mitzunehmen, scheint davon aber überhaupt nicht begeistert zu sein und man gewinnt schnell den Eindruck es sei eine lästige Pflicht. Er holt sie auch nicht zu seinem persönlichen Vergnügen, wie man schon in den ersten Sätzen lernt, so dass man neugierig Seite um Seite umblättert, um endlich hinter sein Geheimnis zu gelangen.
Er ist eine spannende Figur, die man mal lieben und mal ohrfeigen möchte. Gute 100 Jahre in der Abgeschiedenheit seines Turms haben ihn etwas wunderlich und zu praktisch werden lassen. Deswegen ist man geneigt ihm manch ruppige Bemerkung zu verzeihen. Es gibt aber auch Momente da hilft es nur zu sagen »was für ein Arsch!«. Er umgibt sich gerne mit schönen und glanzvollen Dingen, ist stets gut gekleidet und jedes Haar sitzt wo es sein soll. Das Essen ist perfekt, die Ordnung ist perfekt, die Aussprache seiner Zaubersprüche sind perfekt. Und dann kommt Agnieszka und bringt das Chaos direkt in seinen Turm. Ihre Streitereien sind herrlich mitzuerleben und nach einer Weile wird einem der grantige Zauberer dann richtig sympathisch.
Spannend ist außerdem an ihm, dass er zwar weiiiiit älter als Agnieszka ist, durch die Isolation oder vielleicht auch durch das Alter selbst, ist er aber irgendwie auf einem ähnlich unbeholfenen Level hängen geblieben, zumindest was seine sozialen Fähigkeiten angehen. Das hebt die beiden auf ein ähnliches Level, so dass man bei ihrer weiteren Entwicklung selten das Gefühl hat hier wäre etwas seltsam oder gar verwerflich.

Selbst die weiteren Nebenfiguren sind vielschichtig und nicht immer rein gut oder böse wie man zuerst glauben mag. Am Ende entscheidet sich natürlich jede Figur mehr das eine oder das andere zu sein, aber sie sind nicht eindeutig durchschaubar und spielen mit der Urteilsfindung des Lesers. Man hat sogar das Gefühl der Wald selbst sei eine lebendige Figur, was seine Boshaftigkeit und seine Präsenz in diesem Roman umso stärker macht.
Es geht in Uprooted auch um Freundschaften und Opfer die man bringen muss. Das Verhältnis zwischen Kasia – die im übrigen auch eine tolle Figur ist, aber das darf man hier zur Vermeidung von Spoilern leider nicht näher erklären – und Agnieszka ist ein wunderbares Beispiel dafür. Den Bechdel-Test besteht Uprooted entsprechend ganz locker nebenbei.

Uprooted bietet einen handwerklich wundervollen Umgang mit der Sprache, der es schafft eine altbekannte Formel in ein kunstvolles neues Kleid zu verwandeln. Es wäre wünschenswert, dass es mehr solcher erwachsenen Märchen gäbe, die ihren nostalgischen Zauber bewahren können. Ein spannender, liebevoller, grausamer und versöhnlicher Roman, indem Gut und Böse immer auch einen Funken des anderen in sich tragen. Uprooted hat jeden seiner 5 Sterne redlich verdient und wandert ohne Umwege auf meine Bestenliste für dieses Jahr.

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/u/uprooted
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review 2015-04-12 09:45
Rezensiert: The Martian
The Martian - Andy Weir

Astronaut Mark Watney ist auf dem Mars gestrandet, nachdem seine restliche Crew ihn für tot halten musste. Seine Kommunikation ist abgeschnitten, die Crew längst wieder auf dem Weg zur Erde, da bleiben nicht viele Optionen. Statt sich nun aber seinem wahrscheinlichsten Schicksal – dem baldigen Tod – zu ergeben, sammelt Mark die verbliebenen Utensilien zusammen und plant sein Überleben, bis die nächste Marsfähre landet. Das einzige Problem dabei ist, die nächste Mission liegt noch vier Jahre entfernt und seine Lebensmittelvorräte reichen noch für maximal ein Jahr. Höchste Zeit also, um der erste Farmer auf dem Mars zu werden.

 

 

»Duct tape is magic and should be worshiped.«

 

The Martian (Der Marsianer) von Andy Weir ist ein höchst gelungener Debütroman der überraschend viel Spaß macht. Wenn man rein nach der Beschreibung geht, so erwartet man vielleicht eher eine Art Robinson Crusoe auf dem Mars. Mit viel Verzweiflung und Einsamkeit, etc. Da kommt es sehr überraschend, dass Mark Watney ein smarter Klugscheißer ist, der die Situation mit reichlich Sarkasmus und Galgenhumor angeht. Es macht großen Spaß ihm dabei zuzusehen, wie er mehrmals knapp dem Tod entrinnt, nur um sich dann selbst etwas später darüber kaputt zu lachen, wie er dieses Kunststück vollbracht hat.

-> weiterlesen

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/m/the-martian
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review 2014-11-24 11:38
Ahoi, fleischfressende Meerjungfrau.
The Mermaid's Crown - Andrea Phillips

Captain Lucy Smokeheart und ihre Crew befinden sich auf dem Weg nach Port St. Never, als sie von Meerjungfrauen besucht werden. Die Königin selbst ersucht Lucys Hilfe, denn ein Spanner hat ihre Krone geklaut und es heißt ein großes Unglück bricht über das Meervolk herein, wenn die Krone nicht wieder beschafft wird.

 

The monkey was a menace. It was widely agreed. Almost as soon as he was aboard, he began a campaign of mischief and thievery that struck terror into the hearts of the crew (or, to be more precise, extreme irritability).

In der zweiten Episode von The Daring Adventures of Captain Lucy Smokeheart begegnen wir fleischfressenden Meerjungfrauen und tauchen in einer altmodischen Tauchglocke zum Meresboden hinunter. Die Nostalgie lässt grüßen!

Lucys Aufgabe diesmal ist die Rückbeschaffung der königlichen Krone, die von einem alten Herren mit Fernglas entwendet wurde, der sich selbst für eine Art Wissenschaftler und Forscher hält. Sein Forschungsobjekt sind natürlich die hübschen Meerjungfrauen und es erfordert eine nicht zu überraschende List, um das Versteck der Krone aufzudecken.

Schon in der ersten Episode hatte ich irgendwie das Gefühl eine Art Fabel mit moralischen Lehren zwischen den Zeilen zu lesen. Bei The Mermaid’s Crown verstärkt sich dieser Eindruck noch einmal und ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir das gefällt. Einerseits ist die humorvolle Aufbereitung durchaus unterhaltsam, auf der anderen Seite fehlt mir ein bisschen Spannung und der Verdacht ein Kinderbuch zu lesen wird stärker. Immernoch nett das Ganze, nur leider bin ich kein so großer Fan von Kinderbüchern. Mal schauen was Episode 3 so mit sich bringt.

Was die Bilderrätsel angeht steigt die Schwierigkeitsstufe dann wieder von Esel auf Einstein. Da werde ich mit meinem Primatenhirn wohl in Zukunft passen, die machen einfach keinen Spaß. Es gibt wieder keine Hinweise in der Geschichte selbst, das kryptische Bild wird wieder einfach hinein geworfen und auch diesmal kann man nur raten und herum probieren, bis vielleicht irgendetwas zufällig passt.

Möchtet ihr mal eine Kostprobe der Bilderrätsel? Hier kommt sie:
Rätsel: The Mermaid's Crown
Und? Wer kennt die Antwort (oder die Frage …)?

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/m-titel/the-mermaids-crown
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review 2014-11-10 12:58
Arrr Treasure Hunt!
Book of Secrets - Andrea Phillips

Als Kapitän eines Piratenschiffes hat man alle Hände voll zu tun. Erst recht dann, wenn einem ein schwer verliebter Governeur auf den Fersen ist der einem das Schiff mit Blumen verunstaltet. Lucy Smokeheart, Kapitänin der Relentless, hat dabei eigentlich ganz andere Probleme, denn ihr Bruder ist bei der Suche nach einem großen Schatz verschwunden und möglicherweise in den Fängen dunkler Magie.

 

For those of you who have the pleasure of being unfamiliar, low tide has a distinctive bouquet of dead fish, rotting seaweed, and salt.

 

Book of Secrets ist die erste Episode aus dem Projekt The Daring Adventures of Captain Lucy Smokeheart. Dabei handelt es sich um insgesamt 12 Episoden, die monatlich als eBook erscheinen – bisher sind 9 Episoden erhältlich.

 

Und was bietet uns Captain Smokeheart nun? In erster Linie ein Piratenabenteuer der alten Schule mit einer ordentlichen Prise Humor und einer Piratin, die sich in jedes Abenteuer stürzt. Nicht nur zum Spaß, sondern auch, um ihren verschollenen Bruder und einen verwunschenen Schatz zu finden. Bei ihrer Suche begegnen sie und ihre Crew Kannibalen, sie schlagen sich durch den Dschungel und treffen auf schwarze Magie. Hier wird zwar nicht das Rad neu erfunden, aber die Geschichte macht Spaß und hat noch viel Platz ihr Potential auszunutzen. Die Charaktere haben auf gerade einmal 30-40 Seiten noch nicht so schrecklich viele Möglichkeiten sich zu entfalten, die bisher gelegte Basis ist aber recht gut. Bisher kommt mir das Ganze auch eher wie der Anfang eines Kinderbuchs vor, ich hoffe das wird noch interessanter.

 

Grob zusammen gefasst ließt sich diese erste Episode wie eine Verschriftlichung des Computerspiels Monkey Island, auch Lucys Stationen und Prüfungen in der Handlung ähneln diesem Konzept. Vielleicht ist das nicht ganz überraschend, da die Autorin selbst Spieleentwicklerin ist und hier auch nicht einfach nur eine Geschichte schreibt. The Daring Adventures of Captain Lucy Smokeheart ist eine interaktive Geschichte, deren fortschreitende Episoden sich mit dem Feedback der Leser ändern. Darüber hinaus enthält jede Episode aber auch ein Bilderrätsel, welches die Leser in die Schatzsuche mit einbezieht. Errät man die Lösung, so kann man sich auf der Website zum Projekt in den geschützten Bereich einloggen. Dort liegt dann ein neuer kryptischer Hinweis auf den Schatz versteckt.

 

Eigentlich ist diese interaktive Rätselsache eine richtig spannende Idee, ich muss allerdings sagen, dass ich zuerst einmal etwas genervt war. Warum ist leicht erklärt: hat man das Bilderrätsel entdeckt, weiß man leider überhaupt nicht was die Frage dazu ist. Da hat man also nun diese Grafik vor sich und fragt sich, was möchte die Autorin denn nun wissen? Was das Symbol bedeutet? Wie es heißt? Wo es verwendet wird? Bezieht es sich auf irgendetwas im Text? Man weiß es nicht. Auch die Website verrät einem nur, dass das Bild das Rätsel ist. Keine Fragen, keine Hinweise, keine Umschreibungen. Hmm …

Nachdem ich dann eine Weile hin und her überlegt habe und alle Worte eingetippt hatte die mir möglich erschienen, saß ich noch immer vor verschlossenen Türen. Die Lösung des Problems lag dann in der Schreibweise der gesuchten Antwort. Davon gab es im aktuellen Fall nämlich verschiedene korrekte Schreibweisen, die Log-In Eingabe erlaubt aber leider nur eine einzige davon.

An sich mag ich Rätsel wirklich gerne, wenn man allerdings nur durch pures herum raten weiterkommen kann, dann macht das wenig Spaß.

 

Für die Geschichte selber scheinen die Bilderrätsel übrigens nicht wichtig zu sein. Falls man also partout nicht hinter die Lösung kommt, kann man die Erzählung dennoch ohne Wissenslücken weiterlesen.

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review 2014-10-20 12:39
Ein MI6 für übernatürliches? Da bin ich dabei!
The Rook - Daniel O'Malley

Myfanwy Thomas erwacht inmitten eines Parks, der Regen prasselt unbarmherzig auf sie nieder, sie hat Prellungen und Verletzungen am ganzen Körper … und keine Ahnung wer sie eigentlich ist oder weshalb ein Ring toter Menschen mit Latexhandschuhen bekleidet um sie herum liegt.

Um eine frische Amnesie reicher, findet sie in ihrer Jackentasche einen Brief von ihrem alten Ich an sich selbst, der vor allem eines rät: bring dich sofort in Sicherheit!

Dear You,
The body you are wearing used to be mine.

 

The Rook ist ein Buch das mich gleich zu Beginn überrascht hat. Eine halbe Ewigkeit lag es unbeachtet auf meiner Wunschliste herum, weil ich annahm es handle sich dabei wieder um eines dieser Jugendbücher, in denen die Protagonistin Boyfriend-Issues und romantisches Geschnulze durchlebt das einem dann als phantastisches irgendwas verkauft wird. Herrschaften, was lag ich falsch!

Der Roman bietet eine grandiose Mischung aus Akte-X, James Bond und Monthy Python. Mit ganz viel trockenem und sarkastischem Humor, mysteriöser Ausgangslage, übernatürlichen Geheimagenten und Intrigen in den eigenen Reihen, schickt Autor Daniel O’Malley die Leser auf eine abenteuerliche und sehr unterhaltsame Reise in die urbane Phantastik. Es scheint ja doch eher Tradition zu sein, dass London bzw. Großbritannien nur noch für Geschichten im viktorianischen Zeitalter mit Gaslicht-Atmosphäre herhalten darf. The Rook bricht mit diesem Schema und verfrachtet die Leser in ein modernes London, in dem das Übernatürliche längst nicht der Vergangenheit angehört.

Die Protagonistin ist insgesamt sehr ungewöhnlich. Schon ihr Erscheinungsbild ist so erfrischend normal, dass man Myfawny einfach ins Herz schließlich muss. Anfang dreißig, nicht gerade groß gewachsen, mit braunem Haar, ein paar Speckpölsterchen und einem Allerweltsgesicht - wie sie selbst feststellt, als sie sich das erste Mal im Spiegel sieht. Keine Granate, aber hübsch, so ihr objektives Fazit nach dem Check. Eigentlich ist sie zudem ein Bürohengst und kümmert sich um den ganzen administrativen Kram, während ihre Kollegen im Außeneinsatz die wirklich gefährlichen Dinge tun. Naja, das war zumindest die alte Myfanwy, die sich vor ihrer eigenen beeindruckenden Gabe gefürchtet hat und sich nicht einem unbekannten Feind in den eigenen Reihen stellen musste.

Als "Rook" ist Myfanwy Thomas eine hochrangige Spezialagentin der geheimen Checquy Gruppe. Die Checquy bestehen allein zu dem Zweck, die Öffentlichkeit vor den übernatürlichen Gefahren zu schützen und sie in glückseliger Unwissenheit über die Existenz solcher Dinge zu lassen. Bei den Checquy darf niemand etwas von Myfanwys Amnesie erfahren, andernfalls würde man sie vermutlich einfach weg sperren oder gar etwas dauerhafter "unschädlich" machen. Um dies zu verhindern hat die alte Myfawny, die durch Prophezeiungen verschiedener Personen gewarnt war und wusste, dass sie ihrer Erinnerungen beraubt werden würde, einen ganzen Koffer voller Briefe und sauber sortierter Informationen für die neue Myfanwy hinterlassen. Durch diese Briefe und Notizen findet sich nicht nur die Protagonistin unentdeckt in das Leben ihrer Vorgängerin ein, auch die Leser werden so auf unaufdringliche Art durch die Geschichte gezogen und mit Informationen versorgt. Es macht großen Spaß beide Figuren, die ja eigentlich eins sind, kennenzulernen und festzustellen, wie unterschiedlich sie in manchen Punkten sind und wie ähnlich in anderen. Sie besitzen beide die gleichen Talente und eine organisierte Denkweise. Dadurch, dass Myfanwy aber verschiedene traumatische Erlebnisse ihrer Vorgängerin fehlen, erlebt man sie viel selbstbewusster, stärker und den Ton angebend, während die Vorgängerin sehr scheu, duckmäuserisch und ängstlich war. Damit gibt einem der Autor auch etwas zum Nachdenken darüber, was eigentlich die Persönlichkeit ausmacht und formt.


Was mich sehr überrascht hat ist wie gut es Daniel O’Malley gelingt eine weibliche Heldin zu erschaffen. Oft stolpere ich in Romanen in denen Autoren Protagonisten des anderen Geschlechts beschreiben, weil es immer mal wieder Dinge gibt die einfach „knapp daneben“ wirken. Dinge bei denen ich denke „so etwas würde eine Frau so nicht sagen oder tun“ oder auch im umgekehrten Fall „so etwas würde ein Mann so nie machen“. Da kann man noch so gleichberechtigt orientiert sein, es gibt Dinge, die gehen Männer und Frauen unterschiedlich an. Bei The Rook jedenfalls ist die Protagonistin so konstant glaubhaft, dass ich zwischendurch gemutmaßt habe Daniel O’Malley müsse das Pseudonym einer Autorin sein.

Nachdem ich nun so viel über Myfanwy geredet habe, könnte man meinen die übrigen Charaktere hätten nicht viel zu bieten. Aber das wäre ein echter Trugschluss. Der Autor hat viele, unheimliche und spannende und beeindruckende Figuren erschaffen, die allesamt sehr lebendig sind. Zum Beispiel Myfanwys direkten Kollegen „Gestalt“, der (oder die) vier Körper mit einem einzigen Geist ist. Oder das machomäßige Ekelpaket, das vor Myfanwy die Büroräume bewohnt hat und giftige Substanzen durch die Haut ausscheidet. Oder aber die Grafters, die alten Feinde der Checquy, die es mit den Experimenten eines Dr. Frankenstein viel, viel weiter getrieben haben und inzwischen organische Materie nach Belieben zerlegen und zusammensetzen können. Da gibt es eine Szene mit dem Oberhaupt der Grafters … gleichermaßen abstoßend wie zum Brüllen komisch!

Fazit:
The Rook ist ein wirklich rundum gelungenes Buch das ich jedem empfehlen werde, der gerne in der urbanen Fantasy unterwegs ist, actionreiche Handlungen sucht, Geheimagenten bei der Arbeit mag und dabei, trotz zum Teil trauriger Begebenheiten die den Ernst des Lebens so ausmachen, auch mal lachen darf. Definitiv eine der besten Entdeckungen in meinem Buchregal.

Wissenswerte Nebeninfo:
Der Roman ist zwar der erste Teil einer Reihe, kann aber getrost als Einzelband gelesen werden. Die Haupthandlung wird vollständig abgeschlossen, es gibt aber genügend Ansatzmöglichkeiten für eine hoffentlich ebenso spannende Fortsetzung.

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