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review 2017-06-21 11:58
Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte
The Crane Wife - Patrick Ness

„The Crane Wife“ von Patrick Ness basiert auf einem japanischen Volksmärchen. Im Nachwort schreibt Ness, dass er die Erzählung bereits seit dem Kindergarten kennt. Ich hingegen musste sie nachschlagen. Die Geschichte existiert in verschiedenen, alternativen Versionen, die grundlegenden Elemente gleichen sich jedoch sehr. Stets geht es um einen verletzten Kranich, der von Menschen gesundgepflegt wird und sich für ihre Hilfsbereitschaft großzügig revanchiert. Ich bin froh, dass mir das Märchen völlig unbekannt war, da ich aufgrund meiner Unwissenheit gänzlich unbelastet an „The Crane Wife“ herangehen konnte.

 

George Duncans Leben lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: unspektakulär. Er ist Inhaber eines kleinen Copyshops, der mäßigen Gewinn abwirft, Vater einer erwachsenen Tochter, die ihn nicht ernstnimmt und geschieden, weil seine Ex-Frau ihn für „nicht Manns genug“ hielt. George ist sich seiner sanftmütigen Durchschnittlichkeit bewusst und hätte niemals erwartet, dass sich daran etwas ändert, doch das Schicksal hat andere Pläne. Eines nachts weckt ihn ein unmenschlicher, herzzerreißender Schrei. Verschlafen taumelt George aus dem Bett und staunt nicht schlecht: in seinem Garten hockt ein großer weißer Kranich. Ein echter Kranich! Ist das ein Traum? Nein, das kann nicht sein, der Kranich wurde angeschossen. Ein Pfeil steckt in seinem Flügel. Kurzentschlossen hilft er dem Vogel. Als das majestätische Tier davonsegelt, ahnt George nicht, dass er soeben den Verlauf seiner Zukunft fundamental veränderte. Am nächsten Tag betritt eine Frau seinen Laden. Sie heißt Kumiko, ist wunderschön und wird all das in Georges Leben bringen, das er bisher vermisste: Liebe, Wunder und Magie.

 

Es ist nahezu unmöglich, „The Crane Wife“ einem Genre zuzuordnen. Patrick Ness tunkt seine Zehen in die Wasser vieler Kategorien, taucht aber niemals unter. Das Buch ist von allem ein bisschen, entzieht sich jedoch einer klaren, eindeutigen Definition. Organisatorisch bereitet mir ein solcher Roman einige Probleme, inhaltlich hingegen liebe ich Grenzgänger dieser Art, weil sie so viele ineinander verschlungene Themen ansprechen. Objektiv betrachtet handelt „The Crane Wife“ von George Duncan, einem durchschnittlichen Mann, dem Wundervolles und Außergewöhnliches widerfährt. Worum es in diesem Buch allerdings tatsächlich geht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es besteht eine hohe Spannung zwischen der oberflächlichen Geschichte und der tiefer liegenden Bedeutung, wodurch sich ein immenser Interpretationsspielraum entfaltet. Ich denke, jeder Leser bzw. jede Leserin liest etwas eigenes, sehr intimes und Persönliches aus Georges Geschichte heraus. Meiner Ansicht nach geht es in „The Crane Wife“ um Liebe und Vergebung, um das Geben und Nehmen in einer Beziehung und um verzehrende Leidenschaft. Inwieweit kann, sollte und darf man eine andere Person besitzen? Wie gut muss man einen Menschen überhaupt kennen, um ihn oder sie lieben zu können? George verliebt sich in Kumiko, obwohl ihm all die Fakten, an denen wir ein „zivilisiertes“ Menschenleben messen, fehlen. Er vertraut seinem Gefühl. Es ist nicht wichtig, woher sie kommt oder wie ihr Leben vor ihrer Begegnung aussah. Wichtig ist nur, was er für sie empfindet und wie er sich in ihrer Gegenwart fühlt. Kumiko verändert Georges Wahrnehmung seiner eigenen Person. Er lernt unheimlich viel über sich selbst; darüber, wer und wie er ist und dass es in seiner eigenen Macht liegt, sein Leben als zauberhaft, überraschend und bedeutsam zu betrachten. Ich denke, im Grunde war er dazu immer in der Lage, er hatte es nur vergessen. Er hatte vergessen, dass eine Geschichte niemals nur eine Geschichte ist, sondern Legion. Egal, was auf der Welt geschieht, es sind immer viele Menschen und dementsprechend auch viele Perspektiven involviert. Dadurch entsteht ein dichtes und weit verzweigtes Netz miteinander verknüpfter, ineinandergreifender Geschichten. Dieses Netz ist ein Wunder, weil es uns als Menschen verbindet. Unsere Leben berühren sich viel häufiger und intensiver, als wir meist annehmen. Ich finde, das ist ein wundervoller Gedanke, den Patrick Ness bis in die elementare Konstruktion von „The Crane Wife“ verfolgt. Auch sein Buch ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Jede hat ihren eigenen Helden bzw. ihre eigene Heldin, jede fokussiert andere Sorgen, Nöte und Themen. Ich tue mich daher schwer damit, George als Protagonisten des Romans zu bezeichnen. Er mag der Hauptdarsteller seiner Geschichte sein, aber im größeren Rahmen ist er vielmehr ein Knotenpunkt, ein Schmelztiegel der Milliarden Facetten, die wir menschliches Miteinander nennen.

 

Ich kann in dieser Rezension lediglich einen sehr allgemeinen Eindruck von „The Crane Wife“ von Patrick Ness vermitteln. Man muss es selbst gelesen, selbst erlebt haben, um zu verstehen, wie eindringlich dieses Buch mit Bedeutung aufgeladen ist und wieso es so schwierig ist, es angemessen zu beschreiben. Für mich war es genau die leise, zärtliche und ruhige Lektüre, die ich nach „No llores, mi querida“ von André Pilz brauchte. Ich brauchte ein Buch, das vollkommen ohne Härte und Aufregung auskommt, das mich sanft zum Lächeln und Nachdenken bringt. Der starke philosophische Einschlag von „The Crane Wife“ ließ meine Gedanken fliegen, ich hätte mir allerdings eine etwas deutlichere Richtungsangabe gewünscht. Patrick Ness lässt seinen Leser_innen so viel Freiraum, dass ich lange überlegen musste, was er mir möglicherweise sagen möchte. Etwas mehr Führung hätte mir sehr geholfen, die Gedankenflut in meinem Kopf zu sortieren. Nichtsdestotrotz ist „The Crane Wife“ ein wundervolles Buch, das ich gern weiterempfehle und enthält einige stilistische Perlen, die mich wirklich berührten. Oder ist ein Bücherregal als Zustandsbeschreibung der Seele etwa nicht eines der schönsten Gleichnisse, die euch je begegnet sind?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/06/21/patrick-ness-the-crane-wife
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review 2017-05-29 18:07
Rezension | Die Geschichte der Bienen
Die Geschichte der Bienen: Roman - Maja Lunde,Ursel Allenstein

Beschreibung

 

Mitte des 19. Jahrhunderts lebt der Samenhändler William Savage mit seiner Familie in England. Als sich sein Mentor Rahm von ihm abwendet, fällt er in eine tiefes Loch, denn William sieht sich als Forscher gescheitert. Seiner Kinder zuliebe rafft sich William jedoch nochmals auf um seine Idee für einen innovativen Bienenstock umzusetzen.

 

Wir schreiben das Jahr 2007. George ist Imker in den USA und arbeitet hart um seinen Betrieb auszubauen, so dass sein Sohn Tom ein zukunftsfähiges Erbe antreten kann. Jedoch hat Tom ganz andere Pläne, bis eines Tages etwas unfassbares geschieht. Die Bienen auf Georges Farm verschwinden.

 

Ein Sprung in die Zukunft zeigt, dass im Jahr 2098 die Weltbevölkerung deutlich geschrumpft ist. In China kämpfen die Menschen um ihr Überleben, denn die Bienen sind schon lange ausgestorben und der Anbau verschiedener Lebensmittel nicht mehr möglich. Die Arbeiterin Tao übernimmt die Arbeit der Bienen und bestäubt Tag für Tag die Bäume in Handarbeit.

 

Meine Meinung

 

Maja Lunde verwebt in „Die Geschichte der Bienen“, ihrem ersten Roman für Erwachsene, drei unterschiedliche Handlungsstränge (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) zu einer bewegenden und aufrüttelnden Geschichte rund um das Aussterben der Bienen und den daraus entsehenden Konsequenzen für die Menschheit.

 

Die drei einzelnen Geschichten an sich sind eher unaufgeregt und werden aus der Sicht des jeweiligen Protagonisten erzählt. Jedes Kapitel trägt den Namen des Protagonisten, so dass man gleich einordnen kann in welcher Erzählung man steckt. Da wäre der Forscher und Samenhändler William Savage der gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in England lebt, von Depressionen geplagt wird, kaum Selbstvertrauen in sich trägt, sich dennoch aufrafft im Bereich der Bienen etwas erfolgreiches zu Stande zu bringen. Dann gibt es noch den Imker George in den USA der Anfang des 21. Jahrhunderts mit viel Liebe und Leidenschaft seinen Hof leitet und alles daran setzt einen zukunftsfähigen Betrieb in die Hände seines Sohnes geben zu können.

 

Dadurch, dass Maja Lunde in kurz gehaltenen Kapiteln jedoch immer nur ein paar Einzelheiten zu der jewiligen Geschichten einfließen lässt, ergibt sich ein angenehmer Spannungsbogen der sich über das ganze Buch schlängelt. Kapitel für Kapitel fügen sich die einzelnen Puzzelteilchen zusammen, bis sie ein facettenreiches Gesamtwerk ergeben.

 

Die Fragen die Maja Lunde mit ihrem Roman „Die Geschichte der Bienen“ bezüglich dem Umgang mit der Umwelt und wie dies unsere Zukunft verändert aufwirft, haben mich sehr gefesselt. Durch das einweben realer Tatsachen wie z. B. die „Colony Collapse Disorder“ (CCD), eine aus den USA stammende Beschreibung für eine bestimmte Art des Bienensterbens, hat dem Roman zusätzlich Authentizität verliehen.

In meinen Augen spricht dieser Roman ein wichtiges Thema für die Menschen und die Zukunft auf unserem Planeten an. Die fiktive Geschichte über drei Schicksale in verschiedenen Epochen regt zum nachdenken an und wurde zu Recht mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet!

 

Fazit

 

Eine eindrucksvolle Geschichte die ein reales und äußerst wichtiges Thema anspricht. Unbedingt lesen!

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-die-geschichte-der-bienen-von-maja-lunde
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review 2017-05-27 06:53
Habsburgischer Ehepoker
Maria Theresias Kinder - Hanne Egghardt

Maria Theresias Geburtstag jährt sich heuer zum dreihundersten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums beschäftigen sich zahlreiche Dokumentationen z.B. auf 3Sat und Bücher wie dieses mit der interessanten Grande Dame der österreichischen bzw. europäischen Geschichte.

Als Österreicherin habe ich mich natürlich im Geschichtsunterricht sehr ausführlich mit der ganzen Familie beschäftigen müssen, ich bin mir aber nicht sicher, ob die Biografie und die geschichtliche Bedeutung der Dynastie der Habsburger auch in Deutschland so ausführlich thematisiert wurde, wie bei uns.

Dieses Buch analysiert detailliert treu des Mottos Maria Theresias „Tu felix Austria nube“ (Du glückliches Österreich heirate) das "Rohmaterial" der Regentin  - im wahrsten Sinne des Wortes - nämlich ihre Kinder, die anstatt Kriege zu führen, in ganz Europa zwecks politischer Bündnisse und Friedensstiftung - oftmals auch gegen den Willen des Heiratskandidaten - regelrecht verschachert wurden. Sechzehn Kinder hatte die Regentin, die ihren Mann zum Kaiser krönen ließ, obwohl sie ja die eigentliche Kaiserin war, als Unterpfand ihrer politischen Ränkespiele zur Verfügung, elf davon überlebten die Kindheit.

Sehr detailliert mit vielen kaum bekannten Quellen beschreibt die Autorin zuerst kurz die Biografie von Maria Theresia und anschließend den Lebenslauf eines jeden einzelnen Kindes. Obwohl ich schon sehr viel wusste, wurden mir dennoch sehr viele Neuigkeiten vermittelt, die mir in der Schulzeit nicht dargelegt wurden (wen wunderts ;-).

Da wäre beispielsweise die erste Gattin des späteren Kaisers Joseph II, Isabella von Parma, die Joseph innig liebte, die jedoch dem weiblichen Geschlecht und vor allem auch Josefs Schwester mehr als zugetan war. Ganz Wien zerriss sich über die Lesbe das Maul, nur der angetraute Gatte Josef bekam oder wollte anscheinend nix mitbekommen. Auch mit ein paar anderen Mythen über den angeblichen Reformkaiser der Aufklärung, räumt dieses Sachbuch auf. Josef war planlos und unausgegoren in seinen Konzepten und Reformvorhaben. Alle Visionen wurden erst von seinem Bruder und anschließendem Kaiser Leopold nach dem Tode Josefs innerhalb kürzester Zeit auf den Boden der Tatsachen gebracht und erfolgreich umgesetzt. Vor allem das positive Bild des in Österreich sehr verehrten Josefs hat mir die Autorin nachhaltig zertrümmert. Ich wusste zwar bereits, dass er sich Marie Antoinette gegenüber schäbig verhalten hatte, und es unterließ, sie zu retten, da er den revolutionären Ideen der Franzosen anhing, aber dass er sich gegenüber allen Geschwistern als Erstgeborener mit allen Privilegien aus Narzissmus und Eifersucht gleichermaßen schäbig verhalten hat, war mir völlig unbekannt. Wann immer eines seiner Geschwister im Rampenlicht stand, startete Josef eine Vernichtungsintrige. Seine Sünden reichten vom Klau von kleinen Erbschaften zur Existenzsicherung der Geschwister – er hatte ohnehin als Haupterbe fast alles vom Kuchen abbekommen – bis zur Verweigerung der Aufnahme seiner Geschwister, die als Flüchtlinge vor Napoleon in Österreich um Asyl ansuchten. Viele durften das Land nicht betreten, denn offensichtlich hatte er Angst, dass ihm die Show gestohlen wird.

"Der kleine Josef wurde von den Eltern und vom Kammerpersonal regelrecht hofiert und verwöhnt. Glücklich machte ihn das nicht. Sobald er sprechen konnte, wurde "I mog ned" zu seinem Lieblingssatz."

So geht es weiter in grandiosen Enthüllungen ausführlichst Kind für Kind, lediglich über die Enkelin von Maria Karolina, die Frau von Napoleon, hätte ich als wichtige historische Persönlichkeit noch gerne ein bisschen mehr gelesen.

So großartig der Inhalt dieses Sachbuchs zu verzeichnen ist, so katastrophal ist der strukturelle Aufbau des Werkes. Da jeder Lebenslauf von Maria Theresias Kindern solitär konzipiert wurde, strotzt das Sachbuch nur so von völlig entbehrlichen Redundanzen. Der Gemahl Maria Theresias ist gefühlte 17 Mal gestorben (obwohl die Anzahl natürlich Blödsinn ist, da ein paar Kinder nicht lange überlebt haben) und auch andere Ereignisse werden immer wiedergekäut. Aber nicht nur die Redundanzen stören sehr, sondern auch der korrekte historische zeitliche Ablauf bzw. die zeitliche Einordnung gehen dem Leser komplett verloren, da bei jedem Kind mit der Geburt die Geschichte von vorne begonnen wird. Ich habe zwar keine Ahnung, wie man dieses Problem hätte besser lösen können, denn das Buch lebt davon, die Kinder Maria Theresias einmal einzeln und intensiver zu betrachten und gerät damit natürlich in einen Zielkonflikt mit einem korrekten biografischen Ablauf, in dem alle Kinder auf einmal und ihre Lebensereignisse entlang einer korrekten Zeitschiene aufgebaut sind.

Fazit: Inhaltlich wundervoll, über die strukturellen Schwächen muss man hinwegkommen. Alle, denen die konkrete zeitliche Einordnung der Ereignisse nicht so wichtig erscheint, werden eine helle Freude an diesem Sachbuch haben. Die Geschichte, die Gschichtln und Anekdoten eignen sich sowohl für Neulinge, die die Habsburger näher kennenlernen möchten, als auch für Kenner der Materie.

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review 2017-05-11 11:15
Nebbich
Der gefrorene Rabbi - Steve Stern,Friedrich Mader

Dieser Roman hat eigentlich alle Ingredienzien, die mich zu Begeisterung hinreissen könnten.

Jiddische Geschichte einer Familie quer durch die Jahrhunderte ganz so wie ich es mag, in Rückblenden a bissal polnisches Ghetto, a bissal Shoa, a bissal Auswanderung nach USA, a bissal kabbalistische Mystik versus gottloses kapitalistisches amerikanisches Judentum, a bissal Israel, Terrorismus (sorry Freiheitskampf) bei Staatengründung und Kibbutz - über mehrere Generationen verteilt. Jiddische Witze meist sexuell anzüglich bis fast schon unverschämt dreckig, ausschweifend erzählt mit Anekdöteln gespickt,  jüdisches Leiden in jeder Situation und eingeflochtene jiddische Sprach. Dazu noch ein Familienfluch und das Versprechen einer skurrilen Familiengeschichte.

Leider waren diese wundervollen Komponenten für mich im völlig falschen Mischungsverhältnis vorhanden. Die Story zog sich permanent und zäh wie Strudelteig und ich habe lange gerätselt, was mich tatsächlich so derart gestört hat bei einer für mich so perfekten Ausgangessituation: Es war  der Skurillitätszwang, den sich der Autor bei der Erzählung der jiddischen Familiengeschichte selbst auferlegt hat, der mich derart nervte. Sobald irgendwas in der Familienchronik einen Hauch von (spiessiger) Normalität versprühte, wie beispielsweise eine klassische Liebesgeschichte mit Hochzeit, normalen Kindern mit normalen Problemen und relativ normaler glücklicher Ehe wurde vom Autor sofort weggeblendet, ein paar Jahre übersprungen und das nächste Kuriosum erzählt. Somit ergab sich keine normale Familiengeschichte, sondern lediglich eine Aneinanderreihung im Kuriositätenkabinett. Ich fand den Autor einfach zu bemüht und angestrengt, sich bei all den Generationen nur die Skurillitäten herauszupicken, die mehr oder weniger doch jede Familie hat. Kuriositäten sollten wie Gewaltsszenen in einem Roman wohldosiert, in den Plot eingewebt und teilweise überraschend eingesetzt werden, sonst stumpft der Leser einfach ab und langweilt sich nur.

In die andere Richtung bin ich natürlich auch geneigt, Romane mit totalem fiktionalen Wahnwitz, der sich bei schwarzhumorigen Irrsinnspunkten ganz vorne einreiht, sehr zu schätzen zu wissen. In dem Fall war aber dann die Story eigentlich wieder viel zu normal, um in diese Kategorie zu fallen. So pendelte für mich das Werk permanent auf der Kippe zwischen Fisch und Fleisch (im Jiddischen selbstverständlich zwischen Fleisch und Milchprodukten herum). Was ich durch diese Erkenntnis aber gewonnen habe ist, dass ich verstehe, das dieses Buch sehr polarisierend rezensiert wurde, und dass es die einen lieben und die anderen hassen. Für mich war es gleichzeitig zu wenig und zuviel Skurrilität und deshalb bleibt meine Bewertung genauso wie die Geschichte auf dem Grad auf der mediokren Mittellinie.

Fazit: Nebbich mit guten Ansätzen hätte 2 komplett unterschiedliche gute Romane ergeben können.

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review 2017-05-10 11:54
Rezension | Die Schöne und das Biest von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve
Die Schöne und das Biest - Gabrielle-Suz... Die Schöne und das Biest - Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve,Sonja Häußler

Beschreibung

 

Erfolglos tritt der verarmte Kaufmann und Vater von sechs Töchtern und sechs Söhnen seine Heimreise an, als ein Unwetter ihn zur Rast zwingt. Schutz findet er in einem geheimnisvollen Schloss in dem er auf mysteriöse Weise mit Nahrung versorgt wird. Kurz bevor er zur Weiterreise aufbricht, pflückt er eine Rose und wird von eim gar scheußlichen Biest aufgehalten. Der Kaufmann kann erst weiterziehen, nachdem er das Versprechen abgegeben hat, eine seiner Töchter zu schicken, die aus freiem Willen zu dem Biest ins Schloss zieht.

 

Die jüngste Tochter des Kaufmanns, die einfach nur „Die Schöne“ genannt wird, und sich von ihrem Vater eine Rose wünschte, nimmt diese Aufgabe völlig selbstlos an, indem sie aus freien Stücken die Schuld ihres Vaters bei dem Biest abträgt. Die Schöne rechnet fest damit vom Biest verspeist zu werden, doch auf dem Schloss erwartet sie etwas völlig anderes…

 

Meine Meinung

 

Als ich auf diese bibliophile Ausgabe des Märchenklassikers „Die Schöne und das Biest“ aufmerksam wurde, stand für mich sogleich fest, dass dieses schöne Buch unbedingt in mein Buchregal einziehen muss. Bisher kannte ich nämlich nur die diversen (Film-)Adaptionen von Disney, ARD und Co. sowie das Musical. Schon seit meiner Kindheit bin ich in die unglaublich romantische Geschichte, den Charakter von Belle, sowie in die wundervolle Musik verliebt.

 

Bei dieser Ausgabe handelt es sich allerdings um die ursprüngliche Geschichte über „Die Schöne und das Biest (bzw. das Tier)“ von der französischen Schriftstellerin Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve, die bereits Mitte des 18. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass diese ursprüngliche Geschichte nur in den grundlegenden Dingen mit der allseits bekannten Interpretation von Disney übereinstimmt.

 

Wer hier nach den lebendigen Schlossgegenständen wie Herrn von Unruh, den Kerzenständer Lumière, Madame Pottine und ihren Sohn Tassilo Auschau hält wird nicht auf seine Kosten kommen. Bei der Originalgeschichte wird das Augenmerk viel mehr auf Tiere im Schloss sowie wundersame Einrichtungsextras gelegt. Außerdem spielen Feen und die wahre Abstammung von der Schönen im Vordergrund.

Auch wenn ich, zugegebener Maßen, zuerst etwas enttäuscht über die großen Differenzen war, konnte mich die wunderschöne Sprache und Stil der Schriftstellerin sowie die märchenhaft magische Geschichte in ihren Bann ziehen. Es bereitete mir nur umso mehr Freude, diese unbekannten Seiten der Geschichte kennen und lieben zu lernen. „Die Schöne und das Biest“ ist wirklich ein toller Märchenklassiker der auf allen Ebenen überzeugt!

 

Die wunderschönen Illustrationen und interaktiven Details der Designkünstler MinaLima machen „Die Schöne und das Biest“ zu einer ganz besonderen Buchperle die man nicht mehr aus der Hand legen möchte! Falls ihr Liebhaber schön gestalteter Bücher seid, und Geschichten nicht nur lesen sondern erleben wollt, dann solltet ihr hier definitiv zugreifen. (Psst: Eine ebenso wundervoll gestaltete Ausgabe gibt es bereits von „Peter Pan“ und „Das Dschungelbuch“ folgt im Juli!)

 

"Du hast selbst erkannt, dass es dich zärtlich liebt; und es ist weit besser, einen liebevollen Ehemann zu haben, als einen, dessen einziger Vorteil seine schöne Erscheinung ist." (Seite 91/92)

 

"Niemand anders als du hätte den Mut aufgebracht, sein Wort auf Kosten der eigenen Neigung zu halten oder sein Leben in Gefahr zu bringen, um das des eigenen Vaters zu retten. Und niemand außer dir darf hoffen, dass ihm zur Belohnung ein solches Glück beschieden wird wie das, das dir deine Tugend eingebracht hat." (Seite 114)

 

Fazit

 

Die ursprüngliche Geschichte des beliebten Märchenklassikers ist zauberhaft und urromantisch zugleich!

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-die-schoene-und-das-biest-von-gabrielle-suzanne-barbot-de-villeneuve
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