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review 2017-02-10 15:47
Stimmungsvolles San Francisco der 1940er Jahre
Passing Strange - Ellen Klages

Helen Young ist mit ihren gut 100 Jahren das letzte noch lebende Mitglied einer Gruppe von Freundinnen, die sich in den 1940er Jahren kennengelernt hat. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ist auch ihre Zeit abgelaufen. Doch bevor sie von Alter und Krankheit niedergestreckt wird, gibt es noch etwas zu klären. Ein alter Schwur muss erfüllt und eine Geschichte erzählt werden.

Helen Young went into her bedroom. She changed into a pair of blue silk pajamas, brushed her hair, and put on a touch of lipstick. Then she got into bed, turned out the light, and went to sleep for the last time, humming a Cole Porter tune until she and the melody simply drifted away.
– Three


Vom Film Noir, übers Kabarett, hin zu den Groschenheften (genauer: Pulp Fiction) mit ihren grotesken Illustrationen auf dem Deckblatt: Passing Strange ist ein Buch für NostalgikerInnen und entführt uns in die 1940er Jahre von San Francisco, wo sechs Freundinnen versuchen in einem patriarchalisch bestimmten Alltag ihr Leben zu meistern. Diese Frauen sind intelligent, stehen für Wissenschaft, Kunst und einen Hauch von Mysterium. Viel Spielraum haben sie dabei aber nicht. So schön das Buch ist, so froh bin ich nach dieser Lektüre auch, dass sich die Frauenrechte seither deutlich verbessert haben. Angesichts der aktuellen politischen Lage kann ich nur inständig hoffen, dass wir nicht in diese Zustände der 40er zurückfallen…

Aber genug schwarzmalerische Zukunftssorgen. Passing Strange ist ein kurzweiliges Lesevergnügen mit einem lebendigen Blick auf die damalige Zeit. Die Handlung springt dabei in der Erzählung von der Gegenwart in die Vergangenheit und später wieder zurück. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr viel über die 40er weiß oder über San Francisco, aber die geschilderte Szenerie, die Bars mit ihrem bunten Publikum, die feinen Zwirne und Satinkleider, die feiernden Matrosen auf Landgang, das starke rechtliche Ungleichgewicht zwischen den Geschlechter und denen, die aus der Norm fallen, das alles wirkt überzeugend und sehr lebendig. Genauso lebendig ist auch die Kunst in dieser Geschichte. Sie springt einen in Form der Art Deco Architektur an, in Form der Wände füllenden Malerei eines Pablo Picasso, einer exzentrischen Frida oder der Kreidemalereien einer Loretta Haskel. In Passing Strange stolpert man öfter mal über namhafte Persönlichkeiten, die ganz normal und beinahe ruhmlos erscheinen. Nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass sie erst nach ihrem Tod zu solchen Ikonen der Kunst wurden.

Die Hauptcharaktere dieser Erzählung sind Frauen, die im Verborgenen soziale Normen brechen und ein Leben führen das sie die Freiheit kosten würde, wenn irgendjemand davon erführe. Manche von ihnen müssen sich Rassenvorurteilen unterwerfen, andere dem Verbot von Homosexualität und Cross-Dressing, eine der Freundinnen ist womöglich eine Hexe und wieder andere müssen gegen gewalttätige Ehemänner bestehen. Mit wenigen, aber dafür sehr wohl platzierten Strichen, zeichnet die Autorin eine ebenso kunstvoll schöne, wie deprimierend detaillierte Ära, deren optische Eleganz wir heutzutage bewundern, während wir die Schattenseiten nur zu gerne übersehen. In Passing Strange aber treffen sich beide Seiten der Medaille.

Es gibt in diesem Buch einen leichten Hauch von Magie, den ich leider etwas unglücklich eingepflegt empfand. Der magische Trick, der hier zum Schluss hin ausgeführt wird ist zwar unheimlich interessant und herzerwärmend, wirkt aber nach einem zu 95% magiefreien Plot etwas fehlplatziert. Es wäre schöner gewesen, wenn die Autorin diesen magischen Teil durchgehend eingebracht hätte und nicht nur als praktische Lösung zum Schluss. Es ist aber nur ein kleiner Mangel in einem ansonsten stimmungsvollen und kurzweiligen Lesevergnügen, das seine witzigen Momente hat.

Passing Strange ist ein bitterschöner Ausflug in eine romantisierte Ära, die trotz ihrer harten Züge auch sehr viel Herzlichkeit enthält und eine Art von Zauber, der nichts mit Magie zu tun hat. Ich kann diese Erzählung schon wegen der imposanten Kulisse und der allgegenwärtigen Kunst nur empfehlen.

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/p/passing-strange
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text 2016-11-18 23:50
5 Bücher, welche die Vielfalt feiern
Three Parts Dead - Max Gladstone
The Long Way to a Small, Angry Planet - Becky Chambers
Rebel of the Sands - Alwyn Hamilton
Depth - Lev Ac Rosen
Götter, Molche, Drachenzähmer: Vier phantastische Geschichten - Maike Claußnitzer,Simone Heller,Juliana Socher,Kassandra Sperl

Ohne große Worte gibt es diese Woche ein paar Bücher als Empfehlung, in denen die Vielfalt des Menschseins auf erfreuliche Weise gewöhnlich ist. Egal ob schwul, lesbisch, transgender, schwarz, braun, weiß, gelb, rot, gestreift, männlich oder weiblich und alles irgendwo dazwischen. Wenn uns schon die Realität im Stich lässt, dann hilft es manchmal in Welten abzutauchen die einem zeigen wie normal auch das Unübliche sein kann, wie wertgeschätzt wir alle sind. Mir persönlich gibt es Kraft und Hoffnung, dass sich Menschen Geschichten ausdenken, in der sie die Vielfalt mit offenen Armen einladen. Hier sind ein paar Beispiele, die es sich zu lesen lohnt um die Stimmung wieder hochzutreiben:

 

1. Three Parts Dead, ff – Max Gladstone (Fantasy)
Dieser Roman ist der Auftakt einer Serie, von der aber jedes Buch auch für sich stehen kann. Dieser erste Roman ist dabei sicherlich der bisher beste Teil des Zyklus, was vor allem seiner imposanten Atmosphäre geschuldet ist. In den Romanen dieser Serie spielt es keine Rolle welches Geschlecht man hat oder welcher sexuellen Orientierung man angehört, eine der Hauptfiguren ist zudem eine Farbige. Es gehört einfach alles zum normalen Alltag und daher taucht auch alles Vorstellbare irgendwann ganz selbstverständlich auf.

 

2. The Long Way To A Small Angry Planet – Becky Chambers (Science Fiction)
Stärker noch als im oben genannten Buch, wird auch hier die Vielfalt gefeiert und das Szenario in den Weltraum mit etlichen Alienrassen verlagert. Ein humorvolles Raumschiffabenteuer mit ganz vielen großen und kleinen Gedanken, und unheimlich vielen unterschiedlichen Kulturen die zusammenhalten statt gegeneinander kämpfen. Ein großartiges Buch das man unbedingt lesen sollte, besonders dann wenn man dringend einen Hoffnungsschimmer am Horizont braucht.

 

3. Rebel of the Sands – Amyn Hammilton (Fantasy)
Das einzige Jugendbuch in dieser Liste überzeugt durch seine rebellische Heldin, die sich den männlich dominierten Verhaltensregeln widersetzt und um ihre selbstbestimmte Freiheit kämpft; durch ihren unfreiwilligen Begleiter, der ihren Eigensinn bewundert und durch die vielen gemischtrassigen Nachkommen, die einen Platz finden, an dem sie willkommen sind. Das orientalische Wüstensetting sorgt dabei nicht nur für allgemeine Abwechslung sondern auch für eine seltene Kulisse mit orientalischen Mythen.

 

4. Depth – Lev A.C. Rosen (Science Fiction)
Dieses futuristische Werk ist gleichzeitig modern und trotzdem postapokalyptisch. Die Details der Vielfältigkeit springen einem hier nicht sofort ins Auge. Neben der beiläufig erwähnten Homosexualität einer der Charaktere sind hier auch verschiedene Nationalitäten vertreten. In die Liste geschafft hat es Depth aber hauptsächlich deswegen, weil sich die Bewohner des Handlungsortes (Insel) gegen die radikal konservativen und unterdrückenden Ansichten der Festlandspolitik stellen und ihr eigenes Ding durchziehen.

 

5. Götter, Molche, Drachenzähmer – S.Heller, M. Claußnitzer, J. Socher, K. Sperl (Fantasy)
Wer es lieber mit Kurzgeschichten versuchen möchte mag einen Blick in dieses Indie-Projekt werfen, in dem es vier Geschichten aus allen Himmelsrichtungen gibt. Vom Wisperseidenwald Asiens, wo ein Dämon ewigen Winter über das Dorf gebracht hat, über die Wüste Afrikas, in der sich die kämpferische Ombe trickreichen Göttern stellen muss, hin in den kalten Norden, wo Wikinger auf der Flucht sind, und letztlich eine mittelalterliche, europäisch anmutende Welt, in der ein Monarch sich gegen einen Drachen auflehnt, ist alles vertreten.

Source: moyasbuchgewimmel.de/5-buecher-welche-die-vielfalt-feiern
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