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review 2016-03-26 13:45
Mo Hayder hat eine kranke Fantasie
Die Sekte - Mo Hayder,Rainer Schmidt

Mo Hayder ist eine Entdeckung meiner Eltern. Sie mögen ihre Thriller sehr, sortieren die Bücher jedoch direkt nach dem Lesen aus Platzmangel wieder aus. Krimis und Thriller liest man ja eher selten mehrfach. Da ich (noch) kein Platzproblem habe, gebe ich den Romanen gern ein neues Zuhause, wenn sie bei meinen Eltern ausziehen müssen. Ich besitze demzufolge eine kleine Hayder-Sammlung, obwohl ihre Bücher nie auf meiner Wunschliste standen. Daher dauerte es allerdings recht lange, bis ich das erste Mal einen ihrer Thriller auf dem Regal zog. Ich entschied mich für „Die Sekte“, weil es sich dabei um einen Einzelband handelt und ich vermutete, dass dies eine gute Möglichkeit wäre, die Autorin kennenzulernen.

 

Schenkt man den Gerüchten Glauben, ist die kleine schottische Insel Cuagach Eilean, Pig Island, die Heimat des Teufels und seiner Jünger. Seit Jahren wird wild darüber spekuliert, was auf der Insel vor sich geht, denn die dort lebende, etwas obskure Glaubensgemeinschaft schätzt die Isolation. Umso überraschter ist der Journalist Joe Oakes, dass ausgerechnet er Pig Island besuchen soll. Ein unheimliches Amateurvideo brachte die Insel in die Medien und bescherte der ansässigen Sekte ein unerwünschtes Maß an Aufmerksamkeit. Joe verdient sein Geld damit, Mysterien aufzudecken. Für ihn zählen Fakten, nicht der Aberglaube der Massen. Hochmotiviert nimmt er die Einladung an, um den Gerüchten um Pig Island ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Doch als er auf der Insel eintrifft, geraten seine rationalen Überzeugungen ins Wanken. Schon bald versinkt Pig Island in Blut und Joe muss sich fragen, ob nicht doch der Teufel seine Finger im Spiel hat.

 

Mo Hayder hat eine kranke Fantasie. Einige der Ideen, die sie in „Die Sekte“ präsentiert, grenzen meiner Meinung nach definitiv an Perversität. Nicht, weil das Buch unangemessen blutig, brutal oder grausam wäre, nein, es waren bestimmte Aspekte der dargestellten zwischenmenschlichen Beziehungen, die mich abstießen. Bei der Lektüre eines Thrillers war das eine neue Erfahrung für mich, denn normalerweise legen Autor_innen dieses Genres viel Wert darauf, dass ihre Figuren Sympathie erzeugen. Ich konnte keinen einzigen Charakter aus „Die Sekte“ leiden – für die Geschichte war das allerdings kein Hindernis. Ich denke, dass Hayder darauf abzielte. Der Protagonist Joe ist ein widerlicher Mensch, egoistisch und skrupellos. Durch seine Rolle als Journalist bietet er zwar eine interessante Herangehensweise an die Vorgänge der Handlung, weil er kein Ermittler ist, doch meiner Ansicht nach besitzt er keinerlei Berufsethik. Seine Ehefrau Lexie, die ebenfalls ihre eigene Perspektive und Stimme erhielt, ist kein Stück besser. Sie hat das Zeug zum Stalker, verhält sich obsessiv und realitätsfern. Die beiden verdienen einander. Ich war nicht in der Lage, auch nur einen Funken Mitgefühl für Joe und Lexie zu empfinden, obwohl die Ereignisse, die Mo Hayder sie durchleben lässt, wirklich schrecklich sind. Die mysteriöse, unheimliche Aura, die die Autorin um Pig Island herumwebt, gefiel mir außerordentlich gut. Selbstverständlich habe ich nie daran geglaubt, dass es dort tatsächlich mit dem Teufel zugeht, aber dem Grauen, dass die Insel ausstrahlt, konnte auch ich mich nicht entziehen. Anfangs war ich ein wenig enttäuscht davon, dass die Sekte vollkommen normal wirkte, ja sogar freundlich und einladend. Dieser Eindruck verflüchtigte sich jedoch schnell; es zeigte sich, dass die Inselbewohner_innen durchaus das eine oder andere pikante Geheimnis verstecken. Ich fand es spannend, diese aufzudecken, weil die Geschichte der Sekte recht ungewöhnlich ist. Solange die Handlung auf der Insel spielte, machte mir die Lektüre viel Spaß. Das Buch fesselte mich und löste in mir genau die Anspannung aus, die ich beim Lesen eines Thrillers erwarte. Leider verlässt Joe Pig Island an einem gewissen Punkt – von diesem Moment an wurde die Geschichte seltsam. Ich wusste nicht, was ich mit dieser Wendung anfangen sollte, weil sie die bizarre Gefühlswelt des Protagonisten fokussiert, die so weit von meiner eigenen entfernt ist, dass es mir unmöglich war, seine Empfindungen nachzuvollziehen. Das bedeutet nicht, dass sie mir unrealistisch erschienen, ich konnte sie nur einfach nicht verstehen. Ich hatte von Anfang an Probleme, mich in Joe hineinzuversetzen, doch diese Entwicklung trieb meine Distanz zu ihm auf die Spitze. Ich wollte ihm gar nicht nahe sein. Daher fiel es mir auch schwer, während des für ihn zugegebenermaßen dramatischen Höhepunkts der Geschichte mit ihm zu fühlen. Durch diesen stellte sich heraus, dass ich erstaunlicherweise mit meinen Vermutungen hinsichtlich der wahren Natur der Ereignisse auf Pig Island gar nicht so falsch lag. Ich war auf der richtigen Spur, nahm unterwegs allerdings gedanklich eine falsche Abzweigung, die mich in die Irre führte. So hätte ich das Ende niemals voraussehen können. Es war eine positive Überraschung, die mich die Handlung nach dem Lesen noch einmal rekapitulieren ließ, um zu überprüfen, welche Hinweise ich übersehen hatte.

 

Ich bin nicht sicher, ob „Die Sekte“ nun tatsächlich exemplarisch für Mo Hayders Schaffen steht oder eher ungewöhnlich ist. Mein Gefühl sagt mir, dass dieser Thriller aus ihrem übrigen Werk heraussticht, weil er ziemlich eigenwillig ist und nicht den gängigen Normen des Genres entspricht, doch ich werde es wohl erst herausfinden, wenn ich weitere Romane aus ihrer Feder gelesen habe. Daher war „Die Sekte“ vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl für die Annährung an Hayders Bücher. Ich fand es spannend und zeitweise sogar richtig unheimlich, hatte allerdings Schwierigkeiten mit der Wendung gegen Ende des zweiten Drittels. Ich denke, Hayder wollte ihre Leser_innen nicht nur durch grausame, blutige Morde schockieren, sondern auch durch ihre Charakterisierung krankhafter zwischenmenschlicher Beziehungen. Ich rate euch, euch darauf einzustellen, solltet ihr „Die Sekte“ lesen wollen. Thrill kann auf viele Weisen entstehen – nicht alle haben mit körperlicher Gewalt zu tun.

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review 2016-02-09 10:54
Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch! - Ach ja?
Und Gott sprach: Der Teufel ist auch nur ein Mensch! (Die Jakob Jakobi Bücher) - Hans Rath

Zur Geschichte
Wisst ihr noch? Vor genau 3 Jahren, zu gleichen Zeit? Kurz vor Weihnachten? Immer noch nicht? Nun, da traf ich doch diesen wahnhaften Typen, dem ich mich angenommen habe, der behauptete Gott zu sein. Abel Bauman war sein Name.
Jetzt?
Endlich!

Also, bis heute zweifle ich noch immer daran ob dieser Mann wirklich wahnhft oder doch Gott war. Jaja, ich weiss schon, ich bin Psychiater. Ich sollte es wissen. Nur, ich bin einfach weder vom einen, noch vom anderen 100% überzeugt. Egal, darum geht es jetzt nicht.

Wir haben jetzt wieder kurz vor Weihnachten. Es schneit, es ist kalt, vieles hat sich verändert. Ich bin geschieden wie ihr ja wisst und doch befreundet mit meiner Ex und ich hab eine Affäre. Jaja, auch dass weiss ich. Aber wir sind alle Erwachsen, oder etwa nicht? Jeder muss für sich entscheiden was richtig ist oder eben nicht, aber auch darum geht's hier nicht, ich schweife schon wieder ab...

Also, die agnze Situation erinnrt mich an den Tag, an dem ich Abel Baumann traf. Ne, ich hab ihn seit damals nicht mehr gesehen noch was von ihm gehört. Komisch, wenn er doch Gott wäre dann... Egal. Gestern quatschte mich ein Anton Auerbach an. So weit so gut. Doch irgendwie muss dieser Abel Bauman kennen, oder, es ist ein schlechter Scherz, oder ... Ach keine Ahnung, auf alle Fälle teilen die zwei sich die selbe Wahnsvorstellung. Nur das Anton behauptet der Leibhaftige, der Teufel zu sein. Ja ja... ich weiss, lass dich nicht mehr mit solchen Menschen ein. Ich sollte es wirklich besser wissen aber irgendwie bin ich auch neugierig. Das Beste kommt ja erst noch!

Er will meine Seele kaufen!! Können sie sich das vorstellen? Ähm, auch wenn er der Teufel wäre, nur mal so angenommen, würde ich meine Seele nie und nimmer, für nichts und kein Geld auf dieser Welt verkaufen. Das musste er gestern auch schon lernen, nur, jetzt hab ich den an der Backe. Ob ich ihn therapieren und ihm klar machen kann das er NICHT der Teufel ist?

Ich glaube so leicht wird das nicht werden...

Anfang...
"Glauben sie eigentlich an den Teufel, Dr. Jakobi?"
Gute Frage. Mal überlegen. An einen feuerroten Superschurken mit Hörner und einem Dreizack glaube ich schon mal nicht. Und dass man seiner Sünden wegen über dem Fegefeuer gegrillt wird, halte ich auch für ein Ammenmärchen. Gut möglich aber, dass es eine Hölle gibt.



Meine Gedanken zum Buch
Ich hab mich ein Jahr gefreut auf diesen 2. Band. Tja aus dem Jahr wurden dann halt 2 *gg* Aber ich wurde nicht enttäuscht. Das Cover passt natürlich zum 1. Teil, nur das es dieses mal in Rot gehalten ist und nicht Gott auf dem Cover mit Jakob zu sehen ist sondern der Teufel höchst persönlich. Auch der Schreibstil, der Humor und das bissige ist im Buch erhalten geblieben. Ich mag den Schreibstil von Hans Rath wirklich sehr und ich freu mich mega auf den 3. Teil. Der muss aber noch bis zum Herbst warten, denn ich werd mir da auch das TB holen.

Die Geschichte um Dr. Jakobi geht 3 Jahre später weiter. Es ist ebenfalls kurz vor Weihnachten, es schneit. Nur das die Ausganslage etwas besser daher kommt. Er ist zwar immer noch geschieden, aber die Praxis läuft. Er ist kein Singel mehr, meistens auf alle Fälle nicht, ausser seine Affäre macht grade wieder mal schluss... Eine on off Affäre ist anstrengend aber dennoch will er sie selber nicht beenden, noch nicht. Mit seiner Ex kommt er gut aus und so gehts ihm eigentlich recht gut, auf alle Fälle wehsentlich besser als vor 3 Jahren. Tja, bis eben dieser Anton Auerbach auftaucht der behauptet der Teufel zu sein und grosses Interesse hätte an seiner Seele. Dieser tut wirklich alles um an diese zu kommen, doch Jakob will für nichts auf der Welt seine Seele hergeben. Nicht mal als der Teufel im 100 Millionen dafür bietet.

Wie schon damals ist er sich nie sicher ob es nun einfach ein wahnhafter Patient ist, oder doch das Böse in Person. Er erinnert sich an die Sache mit Abel Baumen, schliesslich ist er bis heute nicht sicher ob dieser nicht doch Gott war. Egal, er sieht die Sache erst mal aus der psychiatrischen Seite, doch schnell wird ihm klar das er mit dem üblichen blabla und der Logik eines Psychiaters bei ihm nichts ausrichten kann. Auch als er versucht ihn los zu werden, denkt der Teufel nicht daran ihn einfach so gehen zu lassen, das Spiel verhärtet sich, wird schmutzig und Jakob versucht verzweifelt aus dem Schlamassel raus zu kommen.

Auch dieses mal finde ich die Geschichte gelungen, es geht nicht darum mit Moralfinger in der Luft zu wedeln. Es geht um die Sicht der Dinge im Ganzen. Und es regt einfach wieder zum nachdenken an. Wie viel Wert wäre dir deine Seele, für was würdest du deine Selle an den Teufel verkaufen. Kann man sie eigentlich verkaufen? Egal was du dir wünscht, er würde nur mit den Fingern schnippen, und deine Wünsche wären erfüllt? Wäre es Geld? Macht und Ruhm? Den Hunger von der Erde vertreiben und wass wenn du deine Wünsche erfüllt bekämst, was würde dann passieren? Was wären die Konsequenzen? Gäbe es die überhaupt? Oder, würdest du wie Jakob daran zweifeln das es den Teufel gibt? Oder eben Gott, egal welche Beweise du hast?

Jakob ist mir wirklich sympatisch, obwohl er eigentlich nichts dazu gelernt hat seit Abel Baumann, denn er ist ein Zweifler geblieben. Obwohl, vielleicht ein klein wenig weniger, als er es davor war. Auch der Teufel fand ich sehr amüsant. Nicht nur weil er nicht dem Klischee vom fiesen, gemeinen Typen entspricht, mit Hörenern und so weiter, sondern weil er menschlich ist. Nur mit einem anderen Job *gg* Er ist einnehmend, charmant, manchmal etwas schmierig und trotzig aber eben, menschlich.

Mein Schlussfazit
Eine wirklich gelungene Fortsetzung, die uns wieder drüber nachdenken lässt ob es Gott und den Teufel gibt und wenn ja, in welcher Form. Gibt es Gut und Böse? Oder sind das nur 2 Seiten einer Medailie? Braucht es beides oder sind wir Menschen dazu verdammt mit beiden Seiten dieser Geschichte auskommen zu müssen? Egal wie man es dreht und wendet, auch wenn man es nur als Unterhaltungsliteratur ansehen mag, dann ist die Geschichte einfach toll zu lesen.

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review SPOILER ALERT! 2015-12-29 14:45
Teufel von Gerd Schilddorfer & David Weiss
Teufel - David G. L. Weiss,Gerd Schilddorfer

"Teufel" ist der bislang letzte Roman der Sina-Reihe, die mit "Ewig" und "Narr" begann. Und leider endet die Serie nicht wirklich mit einem Höhepunkt, sondern eher mit einem (drastisch ausgedrückt) Rohrkrepierer... vor allem verglichen mit seinen Vorgängern. Und das liegt an der Fülle von Handlungsfäden, die ausgelegt werden - zunächst ohne scheinbaren Zusammenhang -, die sich später zwar schon verdichten, aber letztendlich zu einer unbefriedigenden Lösung gebracht werden. Ewig und Narr zeichneten sich dadurch aus, dass natürlich Mythen und Legenden verfolgt wurden, aber am Ende auch etwas Greifbares übrig blieb. Und genau dieses Handfeste fehlt mir hier. Aber kurz zum Inhalt:

 

Im Zuge seiner Untersuchungen des Archivs von Jauerling, das am Ende von Narr gefunden wurde, kommt Sina einem Rätsel auf die Spur, das ihn in diverse Kirchen und Klöster in NÖ, Wien und Deutschland führt und das die Grundfesten des Christentums erschüttern könnte. Doch er wird vom Jäger zum Gejagten. Zur gleichen Zeit entdecken Berner und Burghardt in einem alten von Burghardt gekauften Weinkeller in Niederösterreich einen verwaisten Koffer mit SS-Material. Der zum Abtransport des umherliegenden Mülls gerufene Lastwagen rammt eine alte Kriegerstatue, in der 2 Leichen eingemauert sind. Die 2 Polizisten und der hinzugeholte Wagner starten die Recherche und hören von mysteriösen Vorgängen Ende des 2. Weltkriegs just in diesem kleinen Weinort. Angeblich sei ganz in der Nähe ein Zug vorbeigekommen, dessen Güter Himmler unbedingt auf "geheiligter Erde" sehen wollte. Zeugen dieser Ereignisse werden nach der Reihe umgebracht. Denn nicht nur Sina auf der einen Seite und das Trio auf der anderen interessieren sich für diese Rätsel, die sich erst nach und nach in Zusammenhang zeigen. Auch im Vatikan agieren verschiedene Kräfte an unterschiedlichen Seiten, was auch hier zu Toten führt und schließlich auch noch den Mossad und damit Valerie Goldmann ins Spiel bringt.

 

Man kommt nicht umhin, sich bei der Lektüre zu fragen, ob die Autoren nicht zuviel wollten. Hätte nicht die Frage um das Gottsein Jesu gereicht? Musste wirklich auch noch der Teufel in konkreter, aber doch sehr abstrakter Form hinein? Wozu? Ich glaube, dass dieser Roman besser funktioniert hätte, wenn man diese Elemente der "Schwarzen Magie" draußen gelassen hätte. Nicht, weil ich den "Teufel" per se verachte, sondern weil die letzten Passagen, eigentlich ja der Höhepunkt eines Romans, dadurch ins Fantastische abgleiten, was der Handlung schadet. Denn es gibt schlussendlich keinerlei Konsequenz aus den Abschnitten in Turin - ja, Schock, Greuel, Unglauben für den Moment, aber danach geht jeder wieder seiner Wege, praktisch ohne Folgen. Und das ist ein bisschen wenig. Ich hätte mir da eine konkretere Auseinandersetzung mit dem Christentum gewünscht, die durchaus auch diese 600 Seiten allein füllen hätte können, die aber schlussendlich fast ein wenig neben den Schockelementen zu kurz kommt. Schließlich wurde beim Konzil von Nicäa mehr oder weniger willkürlich beschlossen, was zukünftig Teil der Glaubenslehre sein sollte... das und was nicht Teil derselben ist, füllt genügend Mythen und Legenden. Stoff genug, ohne noch das allgegenwärtige Böse zu bemühen.

 

Dazu kommt, dass dieser Roman wegen der vielen Schauplätze einiges an Zeit braucht, bis er in Fahrt kommt. Wenn ich mich an die 2 Vorgänger erinnere, wo man von Beginn an voll im Geschehen war, dann zieht sich das hier ein wenig wie ein Strudelteig. Auch stört es mich, dass die beiden Protagonisten für drei Viertel der Geschichte getrennt ihren Spuren nachgehen, mehr oder weniger ihr eigenes Süppchen kochen, ohne Kontakt. Und da kann die Handlung noch so packend sein, ein wichtiges Element - vor allen Dingen einer Romanserie - sind die Charaktere und ihre Interaktion. Das kommt leider ebenfalls zu kurz.

 

Und letztlich waren die Anspielungen auf Dan Browns Werke einfach sehr übertrieben - klar ist der Aufbau ähnlich, und Ewig ist wohl nicht zufällig im Fahrwasser von Da Vinci Code und Konsorten so erfolgreich geworden. Aber hier jetzt auch "Das letzte Abendmahl" nach irgendwelcher Symbolik zu durchsuchen, die Blutlinie mehrfach zu erwähnen etc., wirkt ausgesprochen billig. Dabei konnten die Sina-Romane bisher doch ausgezeichnet auf eigenen Füßen stehen, warum also hier diese deutlichen Anbiederungen?

 

Warum "Teufel" trotzdem 2.5 Sterne erhält? Weil es trotz der genannten Schwächen und Totalfehlschläge immer noch ein recht spannender Roman ist mit Hauptfiguren, die ich in der Zwischenzeit liebgewonnen habe. Da das Ende durchaus weitere Abenteuer mit den Charakteren ermöglicht, werde ich die Augen offen halten (auch wenn ich nicht viel Hoffnung hege). Allerdings hoffe ich sehr, dass dann wieder ein wenig mehr Struktur und Bodenständiges Eingang in die Handlung finden werden - denn "Teufel" zeigt von beidem eindeutig zu wenig.

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review 2015-12-09 09:58
Ein Comic ohne Bilder
Basaltblitz - Geburt eines Helden - Markus Tillmanns

Anfang November trat der junge Autor Markus Tillmanns an mich heran und bat mich, seinen Kurzroman „Basaltblitz: Geburt eines Helden“ zu lesen und zu rezensieren. Der Klappentext versprach eine witzige, aufregende Lektüre, also schaute ich mir an, was das allwissende Internet zu dem Buch zu sagen hatte. Dabei fand ich heraus, dass Markus Tillmanns bereits auf meiner Wunschliste vertreten ist. Zwar nicht mit „Geburt eines Helden“, sondern mit „Teufel“, aber da ich offenbar schon von selbst entschieden hatte, eines seiner Werke lesen zu wollen, nahm ich die Bitte um eine Rezension natürlich mit Freuden an.

 

Nick ist die Personifizierung des Wortes Loser: schmächtige Statur, keine Freunde und eine Superhelden-Comic-Sammlung, mit der er sein gesamtes Zimmer mehrschichtig tapezieren könnte. Hoffnung? Nicht in Sicht. Eine Besserung der Umstände? Unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Denn als eines Tages plötzlich ein Meteorit in Nicks direkte Nachbarschaft kracht, zeigt sich, dass das Leben auch für einen hageren Nerd noch die eine oder andere Überraschung bereithält. Nicht nur schafft es Nick wie durch ein Wunder, sich mit dem Neuen in der Klasse anzufreunden, ihm unterläuft auch ein Fauxpas, der die Karten völlig neu mischt. Versehentlich verspeist er ein Stück des Meteoriten – und entwickelt über Nacht Superhelden-Fähigkeiten! Ein Traum geht in Erfüllung! Nick ist begeistert. Eine Kleinigkeit vergisst er allerdings. Jeder Superheld hat einen Gegenspieler…

 

Wenn Markus Tillmanns ebenso gut zeichnen wie schreiben könnte, wäre „Geburt eines Helden“ dann ein Comic? Ich glaube schon, denn selbst ohne bunte Bildchen liest sich dieses spezielle Stück Literatur wie ein Comicheft: flüssig, klar und gradlinig. Genau deshalb hat mir die Lektüre sehr viel Freude bereitet. Dieses kurze Buch ist genau das Richtige für Zwischendurch, wenn man mal nicht weiß, was man als nächstes lesen soll oder sich ein wenig leichte Ablenkung wünscht. Es ist witzig, rasant und kurzweilig; die typische Geschichte des sympathischen Underdogs, der sich durch unvorhersehbare Umstände in einen Superhelden verwandelt. Dank des Fangirls in meinem Herzen konnte ich Nicks Verwandlung begeistert verfolgen, was wohl auch daran lag, dass es so einfach ist, ihn zu mögen. Am Anfang der Geschichte ist er ein dermaßen bemitleidenswertes Häufchen Elend, dass man ihm die Kräfte, die er durch das Stück des Meteoriten erhält, wirklich gönnt. Auch hat es mich gefreut, dass er in Bruce (kurz Be), dem neuen Schüler in seiner Klasse, einen Freund findet, obwohl ich nicht so ganz begreife, wie man mit Be überhaupt befreundet sein kann. Meiner Ansicht nach ist er nicht von dieser Welt. Er wirkt ständig so fehl am Platz, dass ich mittlerweile vermute, dass in ihm wesentlich mehr steckt, als ich bisher erfahren durfte. Schließlich ist es schon ein gigantischer Zufall, dass Be ausgerechnet einen Tag nach dem Meteoriteneinschlag in Nicks Klasse auftaucht und dabei auch noch den Eindruck macht, als wüsste er nicht, warum er dort ist. Er macht mich neugierig und ist für sich allein schon ein Grund, die Reihe weiterzulesen.
Wie ihr jedoch seht, hat es trotz meiner Begeisterung nur für 3,5 Sterne gereicht. Ich finde „Geburt eines Helden“ toll, aber es ist nicht mit herkömmlichen Büchern oder Romanen vergleichbar. Viele der Punkte, die ich normalerweise von einer überzeugenden Lektüre erwarte, sind auf diesen Reihenauftakt gar nicht anwendbar. Es fühlte sich nicht richtig an, ihn höher zu bewerten und damit auf eine Stufe mit wahren Meisterwerken wie „A Game of Thrones“ von George R.R. Martin oder „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel zu stellen. Auf seine Weise ist dieser erste Band sehr unterhaltsam, nur bewegt er sich nun einmal in einem völlig anderen Rahmen als die Bücher, die ich sonst lese. Ich empfinde „Geburt eines Helden“ nicht als vollwertiges Leseprojekt, denn dafür ist es viel zu kurz und nicht handlungsintensiv genug. Die Ausrichtung auf zahlreiche schmale Episoden entspricht eben wirklich eher einem Comic als einem Roman.

 

Markus Tillmanns hat das Fangirl in mir sehr glücklich gemacht und dafür bin ich ihm dankbar. Leider teilt sich das Fangirl mein Inneres mit einer Hobby-Literaturkritikerin, die während des Lesens von „Geburt eines Helden“ ständig die Stirn gerunzelt hat, weil es so anders war als alles, woran sie sonst gewöhnt ist. Diesen Zwiespalt konnte ich nicht einfach ignorieren und musste ihn in meine Bewertung einfließen lassen. Ich möchte aber noch einmal betonen, dass ich Spaß an der Lektüre hatte und auf jeden Fall weiterlesen möchte. Ich werde allerdings davon absehen, weitere Rezensionen für „Basaltblitz“ zu schreiben. „Basaltblitz“ reserviere ich mir als privates Vergnügen, das ich mir gönne, wenn ich eine Pause von der weiten Welt der Literatur brauche. Ich denke, es wird mir guttun, eine kleine Nische zu besitzen, in der ich nicht über Handlungsaufbau, Charakterkonstruktion und all den ganzen Schmu nachdenken muss, aus dem sich eine Rezension normalerweise zusammensetzt.
Wenn ihr ebenfalls einfach mal abschalten wollt und Superheld_innen liebt, dann besorgt euch „Basaltblitz: Geburt eines Helden“. Nicks Geschichte ist ein Comic ohne Bilder – vielleicht nicht besonders geistreich, dafür aber besonders entspannend.

Vielen Dank an Markus Tillmanns für dieses Rezensionsexemplar!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2015/12/09/markus-tillmanns-basaltblitz-geburt-eines-helden
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review 2015-09-04 10:58
Flavia, die Dritte
Flavia de Luce 3 - Halunken, Tod und Teufel: Roman - Alan Bradley

Wie immer eine quirlige, etwas seltsame Geschichte, die ein paar schön Lesestunden beschert. Ich frage mich, ob ich Flavia mögen würde, träfe ich sie. Immerhin hat sie ein paar echte Macken. Zum Beispiel das notorische Lügen. Aber lesenderweise macht sie das und ihre manchmal krassen Gedankengänge zu einer super Kumpanin.

Band eins mit dem Briefmarkenfall fand ich immer noch am besten, weil so schön skurril, aber die Fortsetzungen sind auch sehr unterhaltsam.

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