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review 2018-10-31 21:06
Es war wie verhext
Der Märchenerzähler - Antonia Michaelis,Kathrin Schüler

Recherchiere ich Autor_innen für meine Rezensionen, freue ich mich immer, wenn ich in ihren Biografien und Interviews etwas finde, das mich mit ihnen verbindet. Bei Antonia Michaelis ist der Kitt zwischen uns allerdings so unwahrscheinlich, dass ich mir ungläubig die Augen rieb. In einem Interview wurde sie gefragt, ob sie sich noch an das erste Buch erinnere, das sie je gelesen habe. Sie antwortete, das wäre mit 5 Jahren ein Buch über drei kitschige kleine Katzen gewesen, die mit einem Wollknäuel spielten. Ich kenne das Buch! Es war auch eins meiner Kinderbücher! Zugegeben, ich weiß nicht, ob wir dasselbe Buch meinen, aber mir gefällt die Vorstellung. Glücklicherweise ist „Drei Kätzchen“ kein Hinweis auf die Qualität von Michaelis‘ eigenen Büchern. Sie überzeugte mich mit „Die Worte der Weißen Königin“ – nun wollte ich sie mit „Der Märchenerzähler“ erneut auf die Probe stellen.

 

Auf dem Schulhof kursieren über den polnischen Kurzwarenhändler die wildesten Gerüchte. Er schwänzt die Schule. Er lebt in einem Plattenbau. Er verkauft Drogen. Für Anna war ihr schweigsamer Mitschüler kaum mehr als ein verschwommener Schemen am Rande ihrer Wahrnehmung. Bis zu dem Tag, an dem sie die Puppe findet. Plötzlich erhält der polnische Kurzwarenhändler einen Namen. Er heißt Abel Tannatek und verfügt über eine magische Stimme. Er ist ein Märchenerzähler, der sich rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert, für die er wundervolle Geschichten erfindet. Schon bald ist Anna von ihm verzaubert und entdeckt Gefühle, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Doch sie spürt auch, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Märchen nimmt eine beängstigende Wendung. Welche finsteren Geheimnisse verbirgt Abel? Tiefer und tiefer versinkt Anna in einem undurchsichtigen Strudel von Fantasie und Realität und erkennt, dass das Märchen vielleicht kein Happy End haben kann…

 

Wie soll ich euch nur erklären, was ich für „Der Märchenerzähler“ empfinde? Als ich diese Rezension begann, dachte ich, sie würde ein Klacks. Einleitung und Inhaltsangabe schrieben sich flüssig und ich war optimistisch, auch den Hauptteil zügig fertig zu bekommen. Jetzt sitze ich vor der gefühlt hundertsten Version und möchte am liebsten laut schreien. Es ist wie verhext. Meine Gedanken stecken fest. Ich komme nicht voran. Dieses Buch macht mich fertig. Meine Emotionen sind so widersprüchlich, dass ich nicht weiß, wie ich sie in einen kohärenten Text verwandeln soll. Ich schreibe jetzt einfach drauf los und schaue, was dabei herauskommt. Also verzeiht, wenn diese Rezension etwas anders ist als meine üblichen Ergüsse.
Einerseits sehe ich in Antonia Michaelis eine der sozialkritischsten Autor_innen, die Deutschland zu bieten hat. Ich schätze ihren Mut, auf das Leid hinter verschlossenen Türen zu blicken. Ihr Talent, ernste, traurige und unangenehme Tabuthemen in poetische Geschichten mit einer traumähnlichen Atmosphäre zu kleiden, ist beeindruckend und ihr Schreibstil ist irrsinnig schön. Ich erkenne, wie besonders „Der Märchenerzähler“ ist und würde lügen, würde ich behaupten, die melancholische, tragische Geschichte von Abel und Anna habe mich nicht berührt. Die begleitende Binnenerzählung des Märchens, das Abel für seine kleine Schwester Micha erfindet, ist bezaubernd und erzeugt auf einzigartige Art und Weise Spannung, weil sie Realität und Fantasie verschwimmen lässt. Ich wollte herausfinden, welche Ereignisse der Wirklichkeit Abel darin spiegelt und bangte um ihn und die entzückende Micha, die er mit bedingungsloser Aufopferung liebt. Ich fieberte mit, das möchte ich nicht leugnen.
Andererseits empfand ich jedoch nicht so intensiv, wie ich es mir gewünscht hätte. Meine Tränenkanäle blieben fest verschlossen, obwohl „Der Märchenerzähler“ prädestiniert dafür ist, wahre Sturzbäche auszulösen. Ich konnte das Buch nicht richtig spüren. Ich kam nicht an meine Emotionen heran, weil die surreale, ätherische Atmosphäre sie bedeckte und dämpfte. Ich fühlte mich in Watte gepackt. Für mich ist es zu rücksichtsvoll, zu sanftmütig. Oftmals erreicht mich die harte Realität besser als jede lyrische Metapher. Ich verstehe, dass kalte Fakten nicht in diese Geschichte passen, weil das Märchen für Abel, Micha und Anna eine Realitätsflucht darstellt, durch die sie die schreckliche, mitleidlose Welt vergessen können. Aber für mich gestaltete sich meine Leseerfahrung dadurch als zu entrückt. Deshalb erlebte ich während der gesamten Lektüre eine unüberwindbare Distanz, die ich gern abgeschüttelt hätte.
Und dann war da noch die Vergewaltigung. Ich möchte nicht zu viel verraten, doch ich finde es wichtig, diesen Punkt anzusprechen. Ich begreife nicht, was sich Antonia Michaelis dabei dachte, wieso sie glaubte, diese Szene sei notwendig. Meiner Ansicht nach war sie es nicht, weil sie deren Effekt auch anders hätte erreichen können. Der Autor Robert Jackson Bennett schrieb einmal in einem Essay, dass Vergewaltigungsszenen nur dann eingesetzt werden sollten, wenn sie absolut unvermeidlich sind. Das ist sehr, sehr selten der Fall. Eine Vergewaltigung als inhaltliches Stilmittel zu missbrauchen, ist inakzeptabel. In „Der Märchenerzähler“ konnte ich nicht erkennen, inwiefern diese Szene die Geschichte entscheidend beeinflusste. Ich mutmaße, dass Michaelis eine Aussage über die Beziehung der beteiligten Figuren treffen wollte, was meiner Meinung nach keine überzeugende Rechtfertigung ist. Zusätzlich schürt der nachfolgende Umgang des Opfers mit diesem Erlebnis Vergewaltigungsmythen. Mir stieß diese Szene daher sehr sauer auf. Sie beschäftigte mich so, dass ich das Buch kaum noch von ihr trennen und für sich selbst betrachten kann. Mag sein, dass ich überempfindlich bin. Vermutlich wollte Antonia Michaelis vermitteln, dass Liebe eigenen Regeln folgt. Eine Vergewaltigung sollte jedoch niemals im Rahmen dieser Regeln liegen.

 

Meine Güte, bin ich erleichtert. Endlich habe ich diese blöde Rezension fertig und einen halbwegs brauchbaren Text zustande gebracht. Ich erlebe immer mal wieder Buchbesprechungen, die sich schwerfällig schreiben, besonders dann, wenn meine Notizen nutzloser Murks sind. Doch ich glaube, eine Situation, in der meine Gedanken zu einem Buch so fest ineinander verdreht sind, dass ich ernsthafte Schwierigkeiten habe, sie zu entwirren und auszuformulieren, habe ich noch nie erlebt. Der Knoten ist auch immer noch nicht geplatzt. „Der Märchenerzähler“ wird für mich wohl auf ewig mit widersprüchlichen Gefühlen und einem generellen Eindruck von mentalem Chaos verbunden sein. Ich hätte niemals angenommen, dass dieses unschuldig daherkommende Buch solche Komplikationen auslösen könnte. Ich hoffe, dass diese Rezension trotzdem hilfreich für euch war, denn eine faire Empfehlung erscheint mir unmöglich. Wie „Der Märchenerzähler“ auf mich wirkte, ist eine Ausnahmeerscheinung, die weder Rückschluss darauf gibt, wie ich eine Lektüre normalerweise erfahre, noch, wie sie euch beeinflussen würde. Es ist ein Sonderfall. Deshalb kann und möchte ich euch nur eines raten: falls ihr sensibel auf das Thema Vergewaltigung reagiert, solltet ihr Abstand von „Der Märchenerzähler“ nehmen. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich faktisch (statt emotional) begründen kann. Diese Szene war unnötig und enttäuschte mich sehr. Von einer Autorin, die mutig gesellschaftliche Missstände anprangert, habe ich definitiv mehr erwartet.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/10/31/antonia-michaelis-der-maerchenerzaehler
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review 2018-10-30 04:26
Rezension | Das Geheimnis der Muse von Jessie Burton
Das Geheimnis der Muse: Roman (insel tas... Das Geheimnis der Muse: Roman (insel taschenbuch) - Jessie Burton,Peter Knecht

Beschreibung

 

London, 1967. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin reiste Odell Bastien von Trinidad nach England um sich ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, zu erfüllen. Zunächst müht sie sich mit der Arbeit in einem Schuhgeschäft ab, doch dann wird sie von Mrs. Quick als Schreibkraft an der Skelton Kunstgalerie angenommen. Nachdem ihr Freund ein Bild seiner verstorbenen Mutter in die Kunstgalerie gebracht hat, um mehr über seine Herkunft und seinen Wert in Erfahrung zu bringen, erweckt Mrs. Quicks Reaktion auf das Gemälde Odells Neugierde. Die geheimnisvolle Herkunft des Gemäldes, dass in 1930er Jahre in Andalusien entstand, verbirgt eine spannende Geschichte über Revolution und die Liebe.

 

Meine Meinung

 

Jessie Burtons Roman “Das Geheimnis der Muse” ist durch das detailverliebte Cover ein wahrer Blickfang. Eine von Schlangen, Pinseln, Blumen und Parfumflakons umrahmte Schreibmaschine deutet bereits auf eine kunstvolle Geschichte hin, und zwei Revolver versinnbildlichen die nötige Spannung.

 

"Die Meinung, dass nur ein Mann zur wahren Kunst berufen sein konnte, war so weit verbreitet, dass Olive es manchmal sogar selbst glaubte." (Das Geheimnis der Muse, Seite 74/75)

 

Der Roman ist in zwei Handlungsstränge aufgespalten die sich während des Hadlungsverlaufes einander stetig annähern. Zum einen wird die Geschichte der Immigrantin Odell, die in den Swinging Sixties in England einwanderte, um dort als Schriftstellerin Fuß zu fassen erzählt. Zum anderen begleitet man in den 1930er Jahren die junge Künstlerin Olive Schloss mit ihren Eltern nach Andalusien wo sich der spanische Bürgerkrieg anbahnt und sich ihr die Gelegenheit bietet einzigartige Bilder zu erschaffen.

 

Gleich auf Anhieb haben mir diese zwei außerordentlich starken Protagonistinnen imponiert. Beide kämpfen Sie für ihre Leidenschaft in einer von Männern bestimmten Welt. Während Olives künstlerisches Talent von ihrem Vater, der selbst als Kunsthändler tätig ist, keine Anerkennung findet, benötigt Odell mehr Selbstvertrauen um ihre Schreibkunst an die Öffentlichkeit zu bringen.

 

"Nicht jeder erhält am Ende, was er verdient." (Das Geheimnis der Muse, Seite 13)

 

Jessie Burton hat einen angenehmen Schreibstil. Man möchte sich einfach nur in ihre dicht verwobene Geschichte fallen lassen und träumt sich schnell an andere Orte und vergangene Zeiten. Die Hitze Andalusiens ist beim Lesen genauso spürbar wie die Atmosphäre der pulsierenden Stadt London zu den 60er Jahren. Clubs, Musik und der Aufbruch in ein neues Zeitalter. Besonders beeindruckt hat mich die geheimnisvolle Figur von Mrs. Quick, die so viel Selbstvertrauen ausstrahlt und Odelle sogleich unter ihre Fittiche nimmt. Nicht jeder Mann und schon gar nicht jede Frau hätte eine Immigrantin die Chance auf solch einen Job gegeben.

 

“Das Geheimnis der Muse” setzt sich aus vielen kleinen Puzzleteilchen zusammen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen genauso wie um familiäre Banden und natürlich die Liebe, Inspiration und schicksalhafte Umstände die das Leben lenken. Der Roman ist so vielseitig, dass man ihn auch getrost lesen kann, ohne einen Bezug zu Kunst und Gemälden zu haben.

 

"[…]je länger sie schwieg, desto schwerer fiel es mir, zum Telefon zu greifen. Alles was ich sagen wollte, war, dass sie mir fehlte. 2 (Das Geheimnis der Muse, Seite 55)

 

Die Dynamik der zwei einzelnen Ebenen hatte etwas mitreißendes und lebendiges an sich. Vor allem der spannenden Plot um Olive Schloss hat mir stellenweise den Atem genommen. Daher kann ich für diesen Roman nur eine dringende Leseempfehlung aussprechen!

 

Fazit

 

Ein prächtiger Roman über zwei starke Frauen auf dem steinigen Weg zur Emanzipation.

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-das-geheimnis-der-muse-von-jessie-burton
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review 2018-09-10 07:06
Familie Lejongård lüftet weitere Geheimnisse
Die Frauen vom Löwenhof - Mathildas Geheimnis: Roman (Die Löwenhof-Saga, Band 2) - Corina Bomann

Inhaltsangabe

Südschweden, 1931. Mathilda ist 16 und nach dem Tod ihrer Mutter Waise. Völlig überrascht steht sie plötzlich der beeindruckenden Agneta Lejongård gegenüber. Die ihr unbekannte Gutsherrin ist ihr Vormund und nimmt sie mit auf den Löwenhof. Mathilda ahnt nicht, dass Agneta ihre Tante ist. Und noch bevor sie die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt, bricht in Europa ein neuer Krieg aus. Das Leben auf dem Löwenhof verändert sich für immer, und Mathilda muss auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück ganz neue Wege gehen. 

 

Meine Meinung 

An erster Stelle ein ganz großes Lob an die Sprecherin Karoline Mask von Oppen.

Wer sich noch unsicher ist, ob er zum Buch oder zum Hörbuch greift, sollte den Hörbuchgenuss nicht außer Acht lassen.

Die Sprecherin haucht sowohl Mathilda, als auch der Geschichte so viel Leben ein.

Interessant ist auch, dass für jeden Teil der Reihe eine andere Sprecherin gewählt wurde. Agneta im ersten Band wurde von Nora Jokhosha gesprochen und hat mir auch sehr gut gefallen.

 

Seit dem Ausgang des ersten Bandes sind 16 Jahre vergangen.

So glücklich wie Band 1 endete, so traurig beginnt der zweite Teil der Reihe. Die junge Mathilda verliert ihre Mutter, welche man bereits aus Band 1 kennt und wird zur Waise. Sie sieht sofort ihr zukünftiges Leben den Bach hinunter gehen, möchte sie doch mit Paul glücklich werden und mit ihm gemeinsam ein Möbelhaus eröffnen. Bei der Testamentseröffnung ihrer Mutter erwartet Mathilda dann eine überraschende Wendung ihres Schicksals. Vor ihr steht Agneta Lejongård, zu deren Mündel sie werden soll. So kommt es, dass wir als Hörer/Leser gemeinsam mit Mathilda zurück an den Löwenhof kehren.

 

Dort wird Mathilda allerdings nicht von allen herzlich empfangen. Agneta’s Söhne Ingmar und Magnus reagieren sehr unterschiedlich auf die neue Bewohnerin des Hauses. Vor allem der ruhige Magnus hat im Verlauf des Buches noch einiges in petto. Seinen Unmut gegenüber Mathilda konnte ich von Anfang bis Ende nicht verstehen und durch sein nicht nachvollziehbares Verhalten nimmt er sehr schnell die Rolle des unsympathischsten Charakters ein. Sein Verhalten habe ich während des Hörens auf Eifersucht geschoben, ob es wirklich so ist, wird in diesem Teil nicht bestätigt.

 

Ansonsten gibt es einige Wiedersehen mit bereits bekannten Hausangestellten, was mir an Buchreihen immer besonders gut gefällt. Wie bereits im ersten Band herrscht unterschwellig eine geheimnisvolle Stimmung. Sobald man den ersten Band der Reihe kennt, ist man Mathilda hier im Vorteil. Man ahnt, mit welcher Wahrheit sie im Verlauf konfrontiert wird, kann lediglich ihre Reaktion nicht abmessen.

 

Auch im zweiten Teil darf es nicht an Liebe, Intrigen, Geheimnissen und Schicksalsschlägen mangeln und das tut es auch nicht. Corina Bomann zeigt ihr Händchen diese Geschichte fortzusetzen. Als Hörer/Leser hat man durch etwas größere Zeitsprünge auch das Gefühl im der Story voran zu kommen.

 

In diesem Band schlittert man als Hörer/Leser in die Zeit des 2. Weltkrieges hinein. Einige interessante Themen schneidet die Autorin in ihrer Geschichte an, aber konstant bleibt die Geschichte um Mathilda und Agneta auf dem Löwenhof im Fokus. Gerne hätte ich noch ein wenig mehr von der Rolle Schwedens in dieser Zeit erfahren, aber das war nicht das Vorhanden von Corina Bomann und daher werde ich schauen, ob sich dazu vielleicht andere Lektüre finden lässt.

 

Was mir während des Lesens immer gefehlt hat, war ein zeitlicher Überblick. Die Autorin versucht die Jahreszahlen geschickt zu umgehen und als Hörer/Leser aber ich versucht mich sehr stark auf den Jahreszeitenwechsel und den Jahresübergang durch die Silvesterfeier zu orientieren. Enden tut dieser zweite Teil der Löwenhof Saga im Mai 1945 und mit dem Weg der Sonne.

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Hinsichtlich eines Punktes wählte die Autorin ebenfalls eine andere Herangehensweise, wie ich es mir gewünscht hätte. Im ersten Band lernen wir einen Mann kennen, der im zweiten Band nochmal eine sehr interessante Rolle gespielt hätte, leider nur in der dritten Person erwähnt wird und keinen eigenen Auftritt mehr hat.

 

Mein Fazit

Auch Band 2 konnte mich mitnehmen an den Löwenhof. Corina Bomann konnte mich wieder durchgängig mit Interesse an der Geschichte packen. Ein großes Lob ist auch in meinem Fazit der Sprecherin zu zukommen, welche mir die Geschichte wirklich sehr schön vorgetragen hat.

Mit Aussicht auf den dritten und letzten Band der Reihe bin ich gespannt auf die Protagonistin, die Zeit in der das Buch spielen wird und auf die Ereignisse, die auf die Familie Lejongård warten.

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review 2018-06-21 10:23
Freude, Herz und Spannung
Smaragdgrün - Kerstin Gier

Die „Edelstein-Trilogie“ wurde von 2013 bis 2016 in Deutschland verfilmt. Kerstin Gier war mit der Umsetzung ihrer Romane zufrieden. Einige ihrer Fans schickten ihr hingegen enttäuschte Nachrichten. Auslöser ihres Unmuts waren die Abweichungen der Filme von den Büchern. Beispielsweise beschwerten sie sich über Leslies falsche Haarfarbe und über die Farbe der Schuluniform, die eigentlich Kartoffelpüree-Gelb ist. Gier selbst empfindet die Unterschiede nicht als dramatisch, da die Filme den Geist ihrer Geschichte vermitteln würden und ohnehin als Ergänzung betrachtet werden sollten, nicht als Ersatz. Ich werde trotzdem darauf verzichten, mir die Filme anzusehen. Die Diskrepanzen sind zu groß, als dass ich einen Mehrwert darin erkennen könnte. Besonders das Finale „Smaragdgrün“ wurde entscheidend umgeschrieben. Ich möchte mich lieber an Kerstin Giers Showdown erinnern, nicht an die Auslegung einer Filmproduktionsfirma.

 

Gwendolyn fühlt sich wie eine Idiotin. Wie konnte sie nur so dumm sein, auf Gideon reinzufallen? Dass ihr ausgerechnet der Graf von Saint Germain die Augen öffnete, macht es nur noch schlimmer. Allerdings ist sie zu beschäftigt, um im Liebeskummer zu versinken. Dank der tatkräftigen Unterstützung ihres Großvaters ist sie der Wahrheit bereits sehr nahegekommen. Lucy und Paul stahlen den Chronografen nicht aus selbstsüchtigen Gründen. Vielmehr misstrauen sie dem Grafen und seinen Motiven. Gwen teilt ihre Vorbehalte. Wie vertrauenswürdig kann ein Mann schon sein, der Mädchenherzen bricht, ohne mit der Wimper zu zucken? Es wird höchste Zeit, die Geheimnisse des obskuren Adligen aufzudecken – die Schließung des Kreises der Zwölf steht kurz bevor. Mutig stürzt sich Gwen erneut in die Vergangenheit, tanzt auf Bällen, schleicht durch unterirdische Gänge und riskiert ihr Leben, um ihren gerissenen Gegenspieler zu überlisten. Denn eine Weisheit hat der Graf nicht bedacht: Liebe geht durch alle Zeiten und überwindet jedes Hindernis.

 

Ha! Ich wusste doch, dass dem Grafen von Saint Germain nicht zu trauen ist! Da ich ziemlich gern Recht habe, empfand ich die Lektüre von „Smaragdgrün“ als angenehm befriedigend. Viele meiner Vermutungen und Theorien wurden bestätigt. Ich könnte jetzt natürlich herumnörgeln, dass die „Edelstein-Trilogie“ insgesamt zu vorhersehbar und das Finale zu hastig geraten ist. Aber das würde keinen Spaß machen. Ich möchte nicht meckern, selbst wenn es vielleicht der Wahrheit entspricht. Lieber möchte ich mich noch ein bisschen länger darüber freuen, dass ich in Giers Geschichte von Anfang an den richtigen Riecher hatte. Ich möchte meine positive Leseerfahrung noch etwas auskosten und Kerstin Gier vergnügt dafür applaudieren, dass ich die entscheidende Wendung in „Smaragdgrün“ eben nicht vorauszusagen vermochte. Ich bin immer noch baff, wie viel Freude ich mit „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ hatte – obwohl ich zweifellos aus dem Alter raus bin, in dem mich Gwens Liebesdebakel zu schmachtenden Tagträumen verleitet hätte. Die Trilogie ist witzig, mitreißend und hinsichtlich der Zeitreisen überraschend clever. Meiner Ansicht nach ist sie die perfekte Lektüre, um einem jungen Publikum das Lesen schmackhaft zu machen, weil sie eine starke emotionale Resonanz erzeugt und ganz sanft die Vorstellungskraft stimuliert. Mir gefielen die Episoden, die in der Vergangenheit spielen, hervorragend. In „Smaragdgrün“ besuchen Gwen und Gideon einen glamourösen Ball im 18. Jahrhundert, den Kerstin Gier wunderbar nutzt, um zu vermitteln, dass die Menschen der damaligen Zeit vermutlich weniger steif und affektiert waren, als wir es uns vorstellen. Im Rahmen der zulässigen Etikette waren sie ebenso genussfreudig und lebenslustig wie wir es heute sind. Ich fand diese Szenen sehr hübsch inszeniert, trotz des drohenden Damoklesschwertes der Gefahr, das über der Protagonistin Gwen schwebt. Was ich an Gwen von Herzen schätze, ist ihre Normalität. Im Kern bleibt sie im gesamten Verlauf der Trilogie das stinknormale Mädchen von nebenan, deren Gefühle leicht nachzuvollziehen sind und die weder übertrieben attraktiv, noch aggressiv, noch nervtötend wehleidig ist. Sogar die liebenswerten Nebenfiguren sind, wenn zum Teil wohl eher ungewöhnlich (Xemerius, alter Kumpel!), erfrischend unspektakulär charakterisiert, was definitiv als Kompliment zu werten ist. Tatsächlich hätte Kerstin Gier für meinen Geschmack etwas dicker auftragen können, da ich es schade fand, dass sie die Assoziation der 12 Zeitreisenden mit Edelsteinen, Tieren, Bäumen, Tonarten und der Alchemie nie erläutert. Ich bedauere das, weil ich glaube, dieses Detail hätte für weitere spannende und mysteriöse Verwicklungen sorgen können. Ich verstehe allerdings, dass die Autorin offenbar einen eher schmalen Rahmen für ihre Geschichte anstrebte und folglich darauf verzichtete, diesen Ansatz zu verfolgen. Ihre Bescheidenheit stand der „Edelstein-Trilogie“ gut zu Gesicht.

 

Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir die „Edelstein-Trilogie“ so gut gefallen würde. Kerstin Gier sagte in einem Interview einmal, dass sie Bücher schreibt, „in denen man sich vor der Welt verstecken kann“. Ich finde diese Herangehensweise an das Schreiben wundervoll und nach der Lektüre der drei Bände „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ bescheinige ich ihr, dass ihre Einschätzung der Wahrheit entspricht. In diese Trilogie kann man sich exzellent flüchten. Die rasch fortschreitende Handlung ergibt kombiniert mit der starken emotionalen Sogkraft der geschickt eingearbeiteten Liebesgeschichte eine bewegende Lektüre, über der man die Realität problemlos vergessen kann. Ich begeistere mich für die leichte und unbeschwerte Ausstrahlung der Bücher und bin bereit, mich in „Silber“ erneut verzaubern zu lassen. Ich pfeife auf die professionelle Literaturkritik. Kerstin Gier weiß sehr genau, worauf es beim Lesen wirklich ankommt: Freude, Herz und Spannung.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/06/21/kerstin-gier-smaragdgruen
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review 2018-06-20 08:03
Gier hält meinen Kitschradar zum Narren
Saphirblau - Kerstin Gier

Kerstin Gier widmete sich erst spät in ihrer Karriere der fantastischen Jugendliteratur. Sie war bereits seit mehr als einem Jahrzehnt als Autorin erfolgreich, bevor sie 2009 den Genrewechsel wagte. Sie wollte eine romantische Liebesgeschichte schreiben, die Humor und Fantasy vereint, Abenteuer, historische Kostüme und Degenkämpfe involviert und kein historischer Roman ist. Ambitioniert. Zusätzlich verlangte die damalige Programmchefin des Arena-Verlags, dass Giers neustes Projekt international vermarktbar sein sollte. Mit anderen Worten: es sollte nicht in Deutschland spielen. Die Lösung hieß Zeitreisen, das Ergebnis ist die „Edelstein-Trilogie“. „Saphirblau“ ist der zweite Band dieses Welterfolgs, den ich direkt im Anschluss an „Rubinrot“ las.

 

Lange macht Gwendolyn den Zeitreise-Zirkus ja noch nicht mit, aber eines hat sie bereits begriffen: als Zeitreisende lebt man gefährlich. In den letzten Tagen ist sie nur knapp einem Attentat entgangen, ihre verschollene Cousine Lucy lauerte ihr auf und zu allem Überfluss scheint sie nun in eine Verschwörung mit ihrem gegenwärtig verstorbenen Großvater verstrickt zu sein. Von der sie keinen blassen Schimmer hat. Jedenfalls noch nicht. Offenbar hat ihr zukünftiges Ich ein Treffen mit Lord Lucas Montrose im Jahr 1948 arrangiert, um herauszufinden, warum Lucy und Paul den zweiten Chronografen stahlen. Es muss einen Grund haben, dass die beiden glaubten, der Kreis dürfe sich nicht schließen. In der Loge erklärt Gwen ja niemand jemals irgendetwas, also muss sie sich selbst helfen. Vielleicht kann die zukünftige Gwen ihr auch gleich einen Rat in Liebesdingen geben, denn aus Gideon wird sie einfach nicht schlau. Zwischen den Zeiten ist eben alles doppelt kompliziert.

 

Am Ende von „Rubinrot“ hatte ich das Gefühl, dass der erste Band hauptsächlich der Orientierung dient. Die Protagonistin Gwen entpuppt sich als Trägerin der Zeitreise-Gens und erlebt ihre ersten Zeitsprünge, doch worum es in der Handlung der Trilogie eigentlich gehen sollte, konnte ich noch nicht determinieren. Folglich erwartete ich von der Fortsetzung „Saphirblau“ Aufklärung. Ich hoffte, den Kern der Geschichte freilegen zu können. Ich schätze, es ist mir gelungen, aber ich kann nicht behaupten, dass die Autorin Kerstin Gier dabei hilfreich gewesen wäre. Obwohl ich mit „Saphirblau“ ebenso viel Spaß hatte wie mit „Rubinrot“ und erneut ratzfatz durch war, weil es aufregend und fesselnd ist, erscheint es mir rückblickend äußerst unfokussiert. Szene für Szene musste ich Gwens romantische Eskapaden mit Gideon demontieren, sie bewusst ignorieren, um zum harten Gerüst der Handlung vorzudringen. Das anstrengende Hin und Her des Teenager-Dramas lenkt massiv vom tatsächlichen Geschehen ab. Ich musste das Buch für die Inhaltsangabe noch einmal querlesen. Interessant daran ist, dass mir erst im Nachhinein bewusstwurde, wie lückenhaft sich die Handlung in meinem Gedächtnis festsetzte. Während der Lektüre fiel mir gar nicht auf, dass das Liebesleben der Protagonistin deutlich dominanter ist als die Entwicklung der Ereignisse. Nun könnte man Kerstin Gier vorwerfen, dass „Saphirblau“ unausgewogen geriet und diese Kritik wäre berechtigt. Trotz dessen spricht es für Fortsetzung und Autorin, dass ich mich beim Lesen selbst nicht daran störte. Gier versetzt sich so überzeugend in die 16-jährige Gwen hinein, dass ich die Gesellschaft der Ich-Erzählerin genoss und mich nostalgisch lächelnd daran erinnerte, wie es war, in diesem Alter zum ersten Mal verliebt zu sein. Ich fand es nur ein bisschen schade, dass Gier Gideons Perspektive ausklammerte, da sein sprunghaftes Verhalten dadurch unerklärlich wirkte. Ich vermutete allerdings, dass sein rätselhaftes Benehmen irgendwie mit den Plänen der zukünftigen Gwen zusammenhing. Gemeinsam mit ihrem Großvater versucht sie herauszufinden, warum ihre Cousine Lucy und deren Freund Paul den zweiten Chronografen stahlen und arbeitet somit aktiv daran, die Geheimnisse der Loge und des Grafen von Saint Germain aufzudecken. Die blinde Loyalität und Ergebenheit der Wächter für den Grafen konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wie ist es ihm gelungen, sich selbst in eine Position zu manövrieren, aus der er fähig ist, intelligente, erwachsene Männer aus der Vergangenheit heraus zu kontrollieren? Das stinkt doch. Nie im Leben ist er der Wohltäter, als der er sich präsentiert. Ich fand es bezeichnend, dass ein 16-jähriges Mädchen die einzige ist, die den Mut besitzt, ihm die Stirn zu bieten. Gwen ist die einzige, die sich nicht mit seinen kryptischen Antworten zufriedengibt und die Vergangenheit auf eigene Faust nach der Wahrheit durchforstet. Es beeindruckte mich abermals, wie simpel Kerstin Gier das Zeitreisethema gestaltet. Sie geht nur auf Zeitsprünge ein, wenn es absolut notwendig ist und erklärt alle daraus resultierenden Situationen transparent und einleuchtend. Sie beweist, dass ein kompliziertes Leben zwischen den Zeiten mitnichten kompliziert beschrieben sein muss.

 

Die „Edelstein-Trilogie“ ist überwältigend feminin. Die weibliche Note ist auf jeder Seite spürbar, sei es in der detaillierten Beschreibung der historischen Kostüme oder in Gwens Herzschmerz-Drama mit Gideon. Normalerweise habe ich für Bücher, die das Liebesleben der Hauptfiguren dominanter thematisieren als die tatsächliche Handlung, wenig übrig. Ich leide unter einer ausgeprägten Kitsch-Allergie. Es ist ein kleines Wunder, dass mir weder „Rubinrot“ noch „Saphirblau“ Ausschlag verursachten. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach die Mischung: „Gidolyns“ Eiertanz ist erträglich und sogar unterhaltsam, weil Kerstin Gier die romantische Ebene der Geschichte in einen rasanten, actiongeladenen Strom handfester Ereignisse integrierte. Von wegen seichte, flache Unterhaltungsliteratur. Meinen hypersensiblen Kitschradar hält sonst niemand so leicht zum Narren. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/06/20/kerstin-gier-saphirblau
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