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review 2018-06-08 16:24
Emmerichs zweiter Fall
Die rote Frau: Ein Fall für August Emmerich (Die Kriminalinspektor-Emmerich-Reihe, Band 2) - Alex Beer,Cornelius Obonya

Wien nach dem 1. Weltkrieg. Das Stadtbild wird von Hunger, Elend und Kriegsveteranen geprägt. Die Kriminalbeamten von Leib und Leben sind mit dem unfassbaren Mord am geschätzten Stadtrat Fürst betraut, währen sich Kriminalinspektor August Emmerich und sein Assistent mit Schreibarbeit quälen. Allerdings entdecken sie einen bisher unbekannten Zusammenhang und fangen mit eigenen Ermittlungen an.

"Die rote Frau" ist der zweite Teil der historischen Krimireihe um Kriminalinspektor August Emmerich, der in der Donaumetropole nach dem 1. Weltkrieg angesiedelt ist.

Polizeiagent Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter sind vom Regen in der Traufe gelandet. Zwar dürfen sie nun endlich in der begehrten Abteilung "Leib und Leben" ermitteln, sie haben sich darunter allerdings keine Schreibtischarbeit vorgestellt. 

Den Einsatz als Tippse im Hintergrund haben sie Emmerichs Starrsinn zu verdanken. Denn dieser legt sich gern mit Vorgesetzten an und hat es sich zur Regel gemacht, seine Kompetenzen zu überschreiten, was von höheren Beamten natürlich nicht gerne gesehen wird.  

In seiner Sturheit ist Emmerich aber auch genial, weil genau dieser Wesenszug meistens sehr hilfreich bei Ermittlungen ist. Außerdem ist er blitzgescheit, verfügt über eine umfassende Kombinationsgabe und setzt seinen Hausverstand ein.

Im Fall um die rote Frau legt sich Emmerich nicht nur mit Vorgesetzten sondern gleich mit dem Umfeld von Stadtrat Fürst an, wo er prekären Geheimnissen auf der Spur zu sein scheint.

Die Krimihandlung ist solide, interessant und entführt in die problematischen Tage dieser Zeit. Mordopfer Fürst ist ein Wohltäter gewesen und hat sich allseits großer Beliebtheit erfreut. Deshalb kann sich die Polizei das Mordmotiv nicht erklären. War es die Verzweiflungstat eines armseligen Kriegsinvaliden? Oder steht sogar politische Motivation dahinter?

So steckt Emmerich bei seinen Ermittlungen die Rahmenbedingungen des Mordhergangs ab, kommt zu vielen Theorien und entkräftet sie auch wieder. Mir persönlich waren Tathergang, Überführung und Motivation etwas zu weit hergeholt, was aber nur ein kleiner Kritikpunkt meinerseits ist. Denn die Ermittlungsarbeit selbst ist gut und spannend zu lesen, allein, weil Alex Beer mit dem historischen Setting besticht.

Mit August Emmerich verliert man sich im Wien der 1920er-Jahre. Man kann kaum fassen, in welchem Elend die einst strahlende Donaumetropole erstickt. Die Straßen sind von Entstellten und Verstümmelten, Verhungernden und Verzweifelten geprägt. Die Menschen leben unter schwierigsten Bedingungen und vegetieren meist eher dahin.

Zudem steuert die Autorin gut bekannte Ecken, Straßen und Gebäude an, wodurch das Wiener Stadtbild absolut authentisch wirkt. 

Meiner Meinung nach hat Alex Beer damit eine exzellente Melange aus Ermittlungstätigkeit, historischem Rahmen und Kriminalhandlung kreiert, die den Leser in das alte Wien entführt.

Unbedingt erwähnen möchte ich noch die Mundartphrasen, die quer durch die gesamte Handlung anzufinden sind. Nach wie vor wird genauso gesprochen und ich musste oft schmunzeln, weil mancher Dialog dadurch noch glaubhafter wirkt.

Meiner Ansicht nach hat Alex Beer ihre Reihe spannend, historisch interessant und gekonnt fortgesetzt. Ich freue mich, wenn es mit August Emmerich wieder etwas zu ermitteln gibt.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2018-03-28 10:42
Plenty of lessons to learn in a twisty mystery with a jaw-dropping ending
The Sanctuary on Cayman Brac: Key to the Truth (Fraud or Miracle? Book 3) - Christoph Fischer

This is book three in the Fraud and Miracle Trilogy, and after reading it, I confess I’ll miss the characters and the twists and turns.

The series deals in subjects that seem more relevant now than ever. In a world dominated by fake news, where elections are doctored, and the future of a nation might be in the hands of people who manipulate data to benefit the highest bidder, the status of the information we take for granted, who deserves our trust and how far we would be prepared to go to learn the truth have become pressing matters we all must seriously think about.

Author Christoph Fischer brings together the cast of the two previous novels, delighting the many readers who felt, like Erica, that things were not settled and they wanted to know what would happen next. Had she really discovered the truth, and was she going to let it go at that? Like we did in The Healer, we follow Erica, who has managed to locate Arpan in Cayman Brac, and has decided to confront him, gun in hand. But, no matter how determined she is, she cannot resist the connection she felt to Arpan, and she accepts his version of the truth. Of course, that might be “his” truth, but is it what really happened? Erica once again cycles from belief to doubt and back again, and although her feelings for Arpan intensify, she needs to know if she was ever “healed” or not. Thanks to her insistence we get to meet Hilda, but like many other characters in the story, appearances can be deceptive.

Readers of the series will recognise some of the characters from The Gamblers and that will make them keep a close eye on what they do. But even with the advantage we have over Erica (we follow her and share in her clues, but have good reason to doubt some of the events, as we know who some of the students at Arpan school really are), the author once more keeps adding twists to the story, and the final reveal scene (worthy of an Agatha Christie novel) is as tense as any of the poker games in The Gamblers. I will not reveal the many bluffs, but if I had to summarise it I’d say… Wow.

I particularly enjoyed meeting Erica again. Although the nature of her healing might not be what she had initially expected, she is much more open and human, able to recognise her own limitations and weaknesses, and prepared to experiment and enjoy life. While some of the other characters might not have changed much (and continue to play for high stakes), others, like Ben, have learned their lessons and now focus on what really matters. Beyond the twists and turns of the plot, there are solid characters that grow and change throughout the series and we root for them and care for their well-being.

The island and the retreat, which we enjoy both as visitors and as participants thanks to Erica, are beautiful and inspiring and although most of us would find it difficult to cope with some of the rules and restrictions of the sanctuary, we’d all love to visit it and spend some time recovering and reenergizing. Personally, I would love to experience the inner workings of such a place and perhaps even to bear witness to some of the mind games.

A great ending to the trilogy, entertaining, satisfying, and surprising, that will leave readers feeling hopeful and confident. Sometimes the teachers are the ones who need to learn the lessons and letting go of control is the way to progress and evolve. My congratulations to the author.

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review 2018-02-04 00:00
Frau Faust, Vol. 1
Frau Faust, Vol. 1 - Kore Yamazaki Frau Faust, Vol. 1 - Kore Yamazaki 3.75 stars
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review 2017-12-21 13:50
Scharade in Moskau
The Girl in the Tower - Katherine Arden

Von Trauer überwältigt flieht Vasja vom Hof ihres Vaters. Sie möchte ihre Zukunft selbst bestimmen, sehnt sich nach Abenteuern. Begleitet von ihrem treuen Hengst Solovey streift sie durch die Wälder, sucht nach einem erfüllenden Leben. Um nicht aufzufallen, verkleidet sie sich verbotenerweise als Mann. Als Vasja drei entführte Mädchen aus den Händen räuberischer Tartaren befreit und mit ihnen in ein Kloster flüchtet, ahnt sie nicht, dass ihrer Verkleidung eine harte Probe bevorsteht. Denn im Kloster trifft sie auf ihren älteren Bruder Sasha, der an der Seite des Großfürsten von Moskau nach eben jener Räuberbande fahndet, der Vasja die Mädchen entriss. Der Großfürst ist vom Mut des furchtlosen jungen „Mannes“ begeistert. Unbekümmert lädt er Vasja nach Moskau ein und bringt sie damit in eine gefährliche Zwickmühle: sie kann sich nicht als Frau offenbaren, die Einladung aber keinesfalls ablehnen. Wird ihre Täuschung enttarnt, riskiert sie nicht nur ihr Leben, sondern auch Sashas. In Moskau angekommen, verschlägt es Vasja schier die Sprache. Doch schon bald erkennt sie, dass sich hinter der prunkvollen Fassade eine Schlangengrube politischer Intrigen verbirgt. Und die größte Bedrohung ist übernatürlichen Ursprungs…

 

„The Bear and the Nightingale” hätte wunderbar als Einzelband funktioniert. Das Ende bietet genau die richtige Mischung aus offen und geschlossen, sodass Katherine Arden frei entscheiden konnte, ob sie die Geschichte weiterführt oder es den Leser_innen überlässt, zu spekulieren, was als nächstes geschieht. Ich glaube, was sie letztendlich dazu bewog, den Nachfolger „The Girl in the Tower“ zu schreiben und eine Trilogie zu forcieren, war ihre eigene Neugier. Sie wollte wissen, wie es mit ihrer Protagonistin Vasja weitergeht. Sie wollte die Limitationen ihres Universums erforschen, das einzigartig lebendig mit der slawischen Folklore verbunden ist. Im ersten Band konnte sie viele Sagengestalten nicht involvieren, weil der inhaltliche Rahmen dies nicht zuließ – ohne Fortsetzung hätte sie ganz darauf verzichten müssen. Das erschien ihr offenbar inakzeptabel, was mich als Leserin natürlich sehr freut. „The Girl in the Tower“ taucht noch tiefer in die russische Mythologie ein. Neben den entzückenden Hausgeistern stellt Katherine Arden bedeutende Märchenfiguren vor, die sich erst aufgrund der Öffnung des Horizonts ihrer Geschichte homogen in diese einfügen, ohne sie zu dominieren. Vasjas Welt ist gewachsen. Sie verließ den väterlichen Hof, wagt sich in die Weite des Landes hinaus, das eines Tages „Russland“ heißen wird und begibt sich auf die Suche nach ihrer Identität. War „The Bear and the Nightingale“ eine 16 Jahre umspannende, beherrschte Schilderung von Vasjas Kindheit und Jugend, zieht das Tempo in „The Girl in the Tower“ nun deutlich an. Arden packt eine ordentliche Schippe Action drauf und erhöht den Spannungsbogen mit rasanten Verfolgungsjagden, Kämpfen, Intrigen und Vasjas riskanter Tarnung als Mann. Trotz dessen wirkt die Handlung niemals gehetzt oder überhastet, weil die Autorin die inhärenten Konflikte ihrer Geschichte weiterhin eingehend ergründet. Vasjas Konflikt mit den Normen der Gesellschaft tritt explizit in den Vordergrund. Sie widerspricht der damaligen Vorstellung einer demütigen, gottesfürchtigen und vor allem unsichtbaren Frau; ihre couragierten Taten werden nur akzeptiert, weil sie sich als Mann ausgibt. Ich habe mich über die Ungerechtigkeit dieses Rollenbilds fürchterlich geärgert, obwohl es selbstverständlich der Realität des 14. Jahrhunderts entspricht. Ich konnte mich mit Vasjas hilfloser Zerrissenheit voll identifizieren, fand allerdings auch die Perspektive ihrer Geschwister Sasha und Olga sehr interessant. Es fällt ihnen schwer, die kaum zu zügelnde Wildheit ihrer Schwester zu tolerieren. Sie bewundern Vasjas Talente widerwillig, zum Beispiel ihren beeindruckend realistisch dargestellten sensiblen Umgang mit Pferden, doch sie können nicht damit umgehen, dass Vasja alle Konventionen verweigert. Ich konnte ihre Empörung zum Teil verstehen, denn freilich bringt Vasjas sorglose Hitzköpfigkeit sie alle durch ihre Nähe zum Großfürsten in Gefahr. Leider hatte ich Schwierigkeiten, Moskau im 14. Jahrhundert zu visualisieren. Während Arden ihre Leser_innen erneut mit traumhaft atmosphärischen Beschreibungen der Wildnis verwöhnt, wollte sich bei mir einfach kein konstantes Bild der Stadt einstellen. Es flackerte. Nichtsdestotrotz habe ich durch die Lektüre abermals viel gelernt. Mir war nicht bewusst, dass es sich bei Großfürst Dmitrii Ivanovich um eine reale historische Persönlichkeit handelt und er der erste Regent war, der sich gegen die Herrschaft der Mongolen über Moskau auflehnte. Katherine Arden kombiniert diese explosive politische Situation mit einer übernatürlichen Bedrohung, wodurch „The Girl in the Tower“ reifer als der Vorgänger wirkt.

 

Ich kann das Finale der „Winternight Trilogy“ kaum erwarten. So viele ungeklärte Fragen warten darauf, beantwortet zu werden. Vasjas Wurzeln liegen noch immer im Dunkeln, ebenso wie die Rolle des Winterkönigs. Wieso erwählte er ausgerechnet Vasja? Ich vermute, dass sein Interesse an ihr mit dem Geheimnis ihrer Familie mütterlicherseits zusammenhängt. Laut Goodreads wird der dritte Band „The Winter of the Witch“ heißen und im August 2018 erscheinen. Ich werde mich gedulden müssen. Vielleicht nutze ich die Wartezeit, um meine Kenntnisse der russischen Geschichte aufzupolieren. Katherine Arden weckt in mir eine beharrliche Neugier hinsichtlich dieses weiten, mysteriösen Landes, das auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickt. Ihre Faszination ist ansteckend. Ich habe Lust, Russland von einer ganz neuen Seite zu entdecken, in seiner magischen, leidenschaftlichen Mythologie zu versinken. Ich möchte das Russland kennenlernen, das Katherine Arden so liebevoll porträtiert: Vasjas Russland.

 

Vielen Dank an den Verlag Ebury Publishing und Netgalley für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

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review 2017-12-05 09:15
Ein Autor, der Worten Taten folgen ließ
Tausend strahlende Sonnen - Michael Windgassen,Khaled Hosseini

Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul als Sohn eines Diplomaten geboren und wuchs als Asylant in Kalifornien auf, da seine Familie nach einigen Jahren in Paris aufgrund der politischen Lage nicht nach Afghanistan zurückkehren konnte. 2001 begann er, „Drachenläufer“ zu schreiben, das 2003 veröffentlicht wurde und die weltweiten Bestsellerlisten im Sturm eroberte. 2007 folgte sein ebenso erfolgreiches zweites Werk „Tausend Strahlende Sonnen“. Hosseini schreibt über die Menschen Afghanistans, öffnet den Blick der Welt für ihr unfassbares Leid. Seine Stiftung The Khaled Hosseini Foundation unterstützt afghanische Frauen, Kinder und Flüchtlinge mit Bildung und Wohnungsbau. Kaum zu glauben, dass ich „Tausend Strahlende Sonnen“ auf der Straße fand.

 

Mariams Welt zerbricht 1974, als sie 15 wird. Gezwungen, den 30 Jahre älteren Raschid zu heiraten und in die afghanische Hauptstadt Kabul umzuziehen, beginnt für sie ein Leben voller Leid und Schmerz. Raschid betrachtet sie als sein Eigentum. Er schlägt sie, demütigt sie bei jeder Gelegenheit. Die Zeit vergeht für Mariam hinter dem Schleier einer Burka, ungesehen und stumm. Die politischen Erschütterungen in Afghanistan – blutige, furchtbare Kriege – haben wenig Einfluss auf ihre persönliche Hölle. Erst nach 18 Jahren einer lieblosen, gewalttätigen Ehe tritt Laila in ihr Leben. Lailas gesamte Familie wurde bei einem Bombenanschlag ausgelöscht. Sie hat keine andere Wahl, als Raschids Ehefrau zu werden. Anfangs betrachtet Mariam Laila als unerwünschten Eindringling. Doch schon bald erkennt sie, dass das junge Mädchen ebenso eine Gefangene ist wie sie. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Gemeinsam trotzen sie allen Grausamkeiten, die ihnen ihr Ehemann und der Krieg entgegenschleudern.

 

Ich kann nicht verstehen, wie jemand ein wundervolles Buch wie „Tausend Strahlende Sonnen“ auf der Straße aussetzen konnte. Hat dieser Mensch denn kein Herz? Ich bin sehr froh, dass ich Khaled Hosseinis zweiten Roman retten und ihm ein neues Zuhause geben konnte, weil mich die Lektüre wirklich berührte. Das Buch ist ein feinfühliges, ehrliches, liebevolles Portrait eines kriegsversehrten Landes und seines Volkes. In Afghanistan herrscht seit 40 Jahren Krieg. 40 Jahre. Europäer_innen können sich vermutlich gar nicht vorstellen, was das bedeutet. Ich kann es nicht. Aber dank Khaled Hosseini, der sich überzeugend in seine weiblichen Protagonistinnen hineinversetzt, sie glaubwürdig charakterisiert und Mariams und Lailas Schicksal fest mit der Geschichte des Landes verschweißt, habe ich zumindest eine Ahnung davon, wie sehr die Bevölkerung seit Jahrzehnten leidet, speziell Frauen und Kinder. Teile der politischen Historie Afghanistans waren mir bereits bekannt; ich wusste von der sowjetischen Besatzung und den Bemühungen, den Kommunismus zu etablieren. Ich wusste jedoch nicht, dass mit dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 erst recht Chaos ausbrach. Rivalisierende Mudschaheddin-Gruppen bekämpften sich bis aufs Blut, natürlich auf dem Rücken des Volkes. Die Situation wurde so schlimm, dass die Taliban, die Kabul 1996 eroberten, als größte Hoffnung auf Frieden verstanden wurden. Es ist traurig, wie schnell sich diese Hoffnung ins Gegenteil verkehrte. Die radikal-islamischen Taliban erließen Gesetze, die jegliche Kreativität unterdrückten, strenge religiöse Vorschriften diktierten und die Rechte der Frauen massiv beschnitten. Hosseini zeigt diese hässliche Seite des Islams, die aus westlicher Sicht oft paradox, ungerecht und schlicht grausam ist, authentisch und eindringlich. Es ist schwer zu begreifen, wie viel Elend Mariam und Laila aushalten, ohne zu zerbrechen. Weder ihr Ehemann, noch die Mudschaheddin, noch die Taliban vermögen, ihre Stärke, die sich aus ihrer kostbaren, tiefen Beziehung zueinander nährt, zu verkümmern. Bevor sie sich kennenlernen, werden beide Frauen ausführlich vorgestellt, sodass die Leser_innen nachvollziehen können, dass sie sich aufgrund ihrer Unterschiede ergänzen. Mariam, die ältere der beiden, wurde als uneheliches Kind geboren. Ihr wurde stets vermittelt, wertlos zu sein, weshalb sie sich zu einer stillen, introvertierten und unsicheren Frau entwickelte. Es erschütterte mich, dass sie trotz all der Jahre unter Raschids Misshandlungen, der den Albtraum eines muslimischen Ehemanns verkörpert, keinen Funken Bitterkeit in sich trägt. Ihre sanfte Persönlichkeit steht in krassem Kontrast zu Lailas mutigem Selbstbewusstsein, die aus einem liebenden, progressiven Elternhaus stammt und fortwährend gefördert wurde. Sie besitzt ein Feuer, das nicht einmal Raschid ersticken kann. Ich fand es nicht überraschend, dass Laila am Ende des Buches eine von einer Million Afghanen ist, die 2003 den Wiederaufbau ihrer Heimat vorantrieben. Es brach mir das Herz, zu wissen, dass all das Leid und die Gewalt bis heute kein Ende gefunden haben.

 

„Tausend Strahlende Sonnen“ ist ein ergreifendes, bestürzendes Buch, das die tiefe Liebe des Autors Khaled Hosseini zu seinem Geburtsland intensiv abbildet. Tragischerweise ist die fiktive Geschichte von Mariam und Laila vermutlich kein außergewöhnliches Schicksal. Zwangsehen, brutale häusliche Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen sind noch immer Realität in Afghanistan. Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen wie Khaled Hosseini für Aufklärung und humanitäre Hilfe einsetzen. Es ist bewundernswert, dass er seinen Worten Taten folgen ließ und seine Stiftung gründete. Tatsächlich beeindruckt mich seine Konsequenz sogar ein wenig mehr als „Tausend Strahlende Sonnen“, dem meinem Empfinden nach das gewisse Etwas zu einer 5-Sterne-Bewertung fehlt. Es ist zweifellos aufwühlend, doch es brachte mich widererwartend nicht zum Weinen. Trotz dessen kann ich euch das Buch wärmstens empfehlen. Das Leid des afghanischen Volkes muss gehört und gesehen werden.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/12/05/khaled-hosseini-tausend-strahlende-sonnen
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