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review 2018-09-08 16:06
Castle Rock hautnah
In einer kleinen Stadt "Needful Things" - Stephen King,Christel Wiemken

Inhaltsangabe

Eine Kleinstadt gerät außer Kontrolle

Der Zugereiste Leland Gaunt eröffnet den Laden „Needful Things“. Die Kunden finden dort Raritäten, mit denen sie ihre geheimen Sehnsüchte und Wünsche erfüllen. Aber alles hat seinen Preis: Neben einer symbolischen Bezahlung verlangt Leland von ihnen, anderen Einwohnern harmlose Streiche zu spielen. Bald schon eskaliert der Spaß, und in Castle Rock herrscht das blanke Chaos... 

 

Meine Meinung 

Da sich ein paar Leserinnen für diesen Roman zu einer Leserunden zusammengeschlossen hatten, ließ ich Kings Chronologie nochmal aus den Augen und sprang vom Jahr 1982 ins Jahr 1991, den hier erschien das Buch „In einer kleinen Stadt“, welches auch unter dem Namen „Needful Things“ bekannt ist.

 

Erwartungen an das Hörbuch hatte ich keine großen, außer natürlich, dass es gefällt. Vom Kontext her hatte ich keine Ahnung, was es mit Needful Things auf sich hat. Ich wusste lediglich, dass es in diesem Werk zurück in das beschauliche Städtchen Castle Rock geht, und dort halte ich mich ziemlich gerne auf.

 

Der Einstieg in dieses Buch ist ganz King-like nahezu perfekt. Als Hörer/Leser wird man sofort wieder in diese spürbare Energie des kleinen Städtchens hineingezogen. Gemeinsam mit dem elfjährigen Brian Rusk erkunden wir die Stadt und plötzlich fällt uns dieser neue Laden auf.
ERÖFFNUNG DEMNÄCHST!

Brian vermutet einen ganz gewöhnlichen Trödelladen dahinter, doch sehr schnell wird ihm klar, dass dies ein besonderer Laden ist.

 

Leland Gaunt, der Besitzer des Needful Things begrüßt Brian als ersten Kunden in seinem Laden. Stephen King erschafft hier wieder einen sehr interessanten Charakter. Mr. Gaunt erscheint auf der einen Seite unheimlich nett, auf der anderen Seite aber einfach nur unheimlich. Er weiß Dinge von jedem einzelnen Bewohner der Stadt. Mit der Zeit betreten einige davon seinen Laden und der Autor bringt die Geschichte nach und nach ins Rollen.

Neben dem kleinen Brian Rusk sind es Sheriff Alan Pangborn und Schneiderin Polly Chalmers, welche der Story einen tieferen Sinn geben. Beide Figuren erzählen nicht nur ihre Geschichte hinsichtlich Mr. Gaunt, sondern beide tragen ein Geheimnis mit sich herum, welches tief in ihnen an ihrer Seele nagt.

 

Im Verlauf der Geschichte dreht sich alles um den neuen Laden, aber auch um die Beziehungen der Anwohner Castle Rocks untereinander. Seitdem Leland Gaunt in der Stadt ist, geschehen seltsame Dinge. Ich bezeichne es als Streiche, welche einen mehr oder minder langen Rattenschwanz nach sich ziehen.

Hier beweist King, dass er diese zielgenauen Verflechtungen von Handlungselementen einfach beherrscht.

Als Hörer/Leser ist man mittendrin, lernt gefühlt jeden Bewohner der Stadt kennen und verfolgt die einzelnen Geschichten hautnah mit.

 

Wieder erschafft King vor allem durch Leland Gaunt eine düstere Atmosphäre.

Der Mann scheint zwei Gesichter zu haben und zeigt diese auch.

An dieser Stelle kann ich allen das Hörbuch zum Buch empfehlen.

David Nathan setzt den Bösewicht Gaunt nahezu perfekt in Szene, so dass mir der ein oder andere Schauer über den Rücken zog, wenn er in Aktion war.

 

Und beim Hören die ganze Zeit die Frage, wer kommt dem mysteriösen Besitzer auf die Schliche?

 

„Das habe ich nicht getan. Ich habe gehandelt, wie ich es immer tue. Ich zeige den Leuten, was ich zu verkaufen habe – und lasse sie dann selbst entscheiden.“

(S. 846)

 

Die Ausgänge seiner Romane sind nicht immer nach meinem Geschmack. Hier bin ich sehr zwiegespalten. Der Kontext um Mr. Gaunt war nicht ganz meins, dafür der, der anderen Figuren umso mehr.

Action könnt ihr auf jeden Fall erwarten, denn ein Spannungsbogen kann Stephen King auf jeden Fall anbringen. Beim Hören prasselten die kurzen Kapitel am Ende nur so auf mich ein. Lesend verspricht dies ein schnelles Umblättern im Buch.

 

Eine kleine Macke, die hoffentlich noch andere KingLeser teilen, ist, dass sich mir in jedem seiner Bücher ein Name eines Charakters besonders festsetzt.

Bei „In einer kleinen Stadt“ ist es eindeutig Andy Clutterbuck.

Klingt förmlich nach einem Mantra oder?

 

Weitere Beispiele

Carrie – Sue Snell

Shining – Dick Hallorann

The Stand – Randall Flagg

F, S, H und Tod – Kurt Dussander

 

Mein Fazit

Den Gerüchten zu Folge stellt dieser Roman das Ende des Castle Rock Zyklus dar. Da ich ein paar Bücher übersprungen habe, werde ich in STARK nochmal nach Castle Rock zurückkehren und ja, ich freue mich drauf. Der Autor hat für Fans hier ein beschauliches Städtchen erschaffen. Eigentlich könnten hier doch alle Geschichten spielen oder was meint ihr?

Ihr ward noch nicht in Castle Rock?

Dann aber schnell!

Ich kann euch auch dieses Buch vom King empfehlen.

Wer allerdings Leland Gaunt in realer Aktion erleben möchte, der sollte wie ich zum Hörbuch greifen.

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review 2018-08-29 18:53
Needful Things
In einer kleinen Stadt [Needful Things] - Stephen King,Christel Wiemken

Es ist ein neuer Laden in der Stadt! "Needful Things" öffnet seine Türen und lädt seine Kunden zur Erfüllung innigster Wünsche und Sehnsüchte ein. Der Preis ist verhandelbar, jedoch darf man die Rechnung nicht ohne das Grauen machen!

Mit "In einer kleinen Stadt" heißt Stephen King seine Leser erneut in Castle Rock willkommen - und das, im wahrsten Sinne des Wortes! Gleich auf den ersten Seiten wird man als alter Bekannter in Castle Rock begrüßt, und freut sich, dass man sofort wieder erkannt wurde. 

Thematisch hat sich King voll und ganz auf das Geschehen in der Stadt fokussiert. Hierzu ist der Laden "Needful Things" zentral, wo es schreckliche Albträume zu Schleuderpreisen gibt. 

Leland Gaunt hat diesen bizarren Laden nach Castle Rock gebracht. Als Geschäftsführer hat er sich auf Raritäten spezialisiert, die nicht immer greifbar sind. Denn er erfüllt intimste Wünsche und stillt heimliche Sehnsüchte, indem er seine Ware zu einem guten Preis an die Damen und Herren von Castle Rock bringt.

" ... weil jeder gern ein Schnäppchen machen möchte. Jeder möchte etwas umsonst haben - selbst wenn es ihn alles kostet." (S. 629)

Der Clou an der Geschichte ist, dass der wahre Preis im Verborgenen liegt, und an eine harmlose Tat gebunden ist.

Allein der Charakter von Leland Gaunt bringt das Horror-Herz zum Schlagen. Ich habe ihn als unheimlichen Mann empfunden, der in seinem Geschäft sitzt, und auf Kundschaft wartet. Besonders gut ist King die mysteriöse Aura des Ladenbesitzers gelungen, weil ich mich bis zum Ende hin gefragt habe, wer oder was dieser Gaunt eigentlich ist.

Weitere Charaktere dirigieren durch das Geschehen, wobei ich Sheriff Alan und seine Freundin Polly eher als Protagonisten empfunden habe. 

Alan ist als Sheriff der Stadt um das Wohlergehen seiner Bürger besorgt und spürt, dass "Needful Things" wohl nur Unannehmlichkeiten bringen wird. Er ist ein Mann, der seinem Bauchgefühl traut, und dabei meistens auf der richtigen Fährte ist. Doch Gaunt weiß schon, wie er ihn von sich ablenken kann  ...

Alans Freundin Polly besitzt selbst ein Geschäft in der Stadt, wird aber von einer boshaften Arthritis geplagt. Ihre sympathische Art hat sofort mein Mitleid mit ihr und ihrer Krankheit geweckt, und außerdem hat ihre geheimnisvolle Vergangenheit das Interesse an ihr entfacht. Es gab eine Zeit, in der Polly in San Francisco gelebt hat, und die für ganz Castle Rock im Dunkeln liegt.

Andere Figuren sind zum Beispiel der kleine Brian, der mir sofort ans Herz gewachsen ist, und den ich mit seiner kindlichen Jungenart auf der Stelle lieb gewonnen habe. Außerdem ist die alte Nettie erwähnenswert, die sich dezent unter der Oberfläche hält, dennoch äußerst brutal werden kann.

Die Handlung an sich ist ein Meisterstreich, weil King hier Gigantisches geleistet hat. Gefühlt hat er jedem Bewohner von Castle Rock einen Handlungsverlauf geschenkt, der sich um „Needful Things“ dreht, und nach und nach im Gesamtwerk zusammenläuft. Meiner Meinung nach hat er damit wieder gezeigt, dass er der absolute Meister seiner Zunft ist, und als Schicksalsfee in Castle Rock die Puppen tanzen lässt.

"Was ist das eigentlich für eine Stadt, die sie hier haben, Deputy? Sämtliche Einwohner sind verrückt geworden."(S. 652)

Kritik von meiner Seite aus gibt es kaum, und wenn, dann ist sie nicht dem Autor geschuldet. Ich habe festgestellt, dass mir Kings „Stadt-Geschichten“ weniger Spaß als andere Romane von ihm machen, obwohl das Wirbelstrom-Phänomen exzellent zu lesen ist.

"Es hat einen Ausverkauf gegeben. Den größten Total-Ausverkauf, den Sie je erlebt haben ..." (S. 685)

Alles in allem ist „In einer kleinen Stadt“ ein großartiger Roman von einem meisterlichen Autor, den man bei Interesse oder als Horror-Leser beim besten Willen nicht umgehen darf.

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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text 2018-04-27 14:12
Erster Satz | Tad Williams: Otherland - Stadt der goldenen Schatten
Otherland Teil 1 / Stadt der goldenen Schatten - Hans U Möhring,Tad Williams

Vorspann:


Im Schlamm fing es an, wie so vieles.

 

In einer normalen Welt wäre Frühstückszeit gewesen, aber in der Hölle wurde offenbar kein Frühstück serviert; das Bombardement, das vor Tagesanbruch losgegangen war, sah nicht danach aus, als wollte es nachlassen. Dem Gefreiten Jonas stand der Sinn ohnehin nicht nach Essen.

 

 

 

Kapitel 1


Einer der anderen Dozenten stieß die Tür der Bürozelle auf und beugte sich hinein.

 

Der Lärm vom Korridor kam mit hereingeschwappt, lauter als gewöhnlich.
»Bombendrohung.«
»Schon wieder?« Renie stellte ihr Pad auf den Tisch und nahm ihre Tasche. Dann fiel ihr ein, wie viele Sachen während des letzten Alarms auf Nimmerwiedersehen verschwunden waren, und sie griff sich noch das Pad, bevor sie in den Flur trat. Der Mann, der ihr Bescheid gesagt hatte – sie konnte sich einfach seinen Namen nicht merken, Yono Soundso –, war ihr mehrere Schritte voraus und im Strom der gemütlich zu den Ausgängen schlendernden Studenten und Dozenten schon kaum mehr auszumachen. Sie ging schneller, um ihn einzuholen.

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review 2018-03-14 11:13
Ab in den Papierkorb
Beasts Made of Night - Tochi Onyebuchi

Tochi Onyebuchis Leben ist ein Spagat zwischen seinem Beruf als Anwalt für Bürgerrecht und seinen Bemühungen als Autor. Beide Karrierezweige verfolgt der US-Amerikaner nigerianischer Herkunft mit beeindruckender Professionalität. Er verfügt über Abschlüsse aus Yale, der Columbia Law School und der NYU. Seine Kurzgeschichten und Novellen erschienen in Asimov’s Science Fiction, im Nowhere Magazine und in der Anthologie Panverse Three. „Beasts Made of Night“ ist sein Debütroman, ein Traum, den er sich nach 15 Jahren harter Arbeit erfüllte und der Gerüchten zufolge der Auftakt einer umfangreichen, gleichnamigen Saga sein wird.

 

Der 17-jährige Taj ist ein Aki, ein Sündenfresser. Sein Körper ist übersäht mit Tattoos, die beweisen, wie viele Sünden-Bestien er erschlug. Diese Manifestationen der Sünde, hervorgerufen durch einen Magier, können zwar getötet werden, erscheinen anschließend jedoch auf der Haut des Aki, während die Schuld der Tat auf den Sündenfresser übergeht. Die meisten Aki verfallen eines Tages dem Wahnsinn. Taj weiß, dass er irgendwann den Preis für sein Talent bezahlen muss, doch noch gilt er als der beste Aki in ganz Kos. Leider ist seine Reputation wertlos, da seinesgleichen als verdorben geächtet werden. Niemand möchte zugeben, die Dienste eines Sündenfressers zu benötigen, schon gar nicht die königliche Familie. Als Taj in den Palast bestellt wird, um den König selbst von einer Sünde zu befreien, ahnt er nicht, dass er in eine abscheuliche Intrige hineingezogen wird, die nicht nur die Beseitigung aller Aki zum Ziel hat, sondern auch Kos zerstören soll. Taj muss handeln. Kann er den Wahnsinn, der bereits in ihm wütet, lange genug zurückhalten, um seine Freunde und ganz Kos zu retten?

 

Ich finde Tochi Onyebuchi sehr sympathisch. Ich bewundere sein Engagement im sozialen Bereich und seinen Ehrgeiz, parallel zu seinem fordernden Beruf eine Karriere als Autor anzustreben. Ich weiß, dass er mit einer Bipolar-II-Störung lebt und seine Alkoholsucht überwand. Deshalb bedauere ich die folgenden Worte von Herzen: „Beasts Made of Night“ ist eine Katastrophe. Nach der Lektüre war ich völlig geschockt, ich fragte mich ernstlich, ob in meinem Rezensionsexemplar vielleicht Teile fehlten, denn die Geschichte dieses Reihenauftakts fühlte sich dermaßen unvollständig und fragmentarisch an, dass ich ihr nicht einmal folgen konnte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Onyebuchi konnte sich offenbar überhaupt nicht in seine Leser_innen hineinversetzen. Er beschreibt nichts, er erklärt nichts, er schubste mich in dieses löchrige Gebilde hinein und erwartete, dass ich mich ohne seine Hilfe darin zurechtfand, während er munter riesige Gedankensprünge vollzog und keinen einzigen Aspekt verlässlich ausarbeitete. Ich stürzte im freien Fall durch die Löcher in Handlung, Chronologie, Worldbuilding und Charakterkonstruktion und konnte zuschauen, wie mir „Beasts Made of Night“ rasant egal wurde, weil ich es nicht begriff. Diese Entwicklung betrübt mich, denn ich ahne, welche Geschichte Onyebuchi eigentlich erzählen wollte und wie sie sich in seinem Kopf abspielte. Er konnte seine Fantasie wohl nicht auf Papier bannen. In einem Interview erwähnte er, dass das Setting Kos von der nigerianischen Stadt Lagos inspiriert sei. Diesen Eindruck teilte ich nicht, mir erschien die ummauerte Stadt wie eine krude Version des antiken Roms, erweitert durch einen wilden Mix östlicher Kulturen und Gebräuche. Was hinter Kos‘ Mauern liegt – keine Ahnung. Da sind Bäume. Mehr weiß ich nicht. Die Gesellschaft, die dieses inkonsistente Bild bevölkert, erschloss sich mir ebenfalls nicht. Hat die königliche Familie nun Macht oder wird Kos in Wahrheit von Magiern regiert? Ich weiß es nicht. Ebenso fehlte mir eine Begründung, wieso die Aki verabscheut werden, obwohl ihr Wert unschätzbar ist. Sie erweisen den Menschen einen unverzichtbaren Dienst, da Sünden nicht nur ideologisch abgelehnt werden, sondern auch „krank machen“. Inwiefern und wieso – ich weiß es nicht. Da sie nun schon als Bodensatz der Gesellschaft gelten, läge es nahe, ihre Tattoos, die sie offen brandmarken, zu verstecken. Tun sie nicht. Warum – ihr ahnt es – weiß ich nicht. Gern hätte ich mich in diesem verwirrenden Ansturm bruchstückhafter Informationen zumindest am Protagonisten Taj festgeklammert, ja, ich wäre bereit gewesen, ihn emotional in einem Todesgriff zu halten, um mich durch „Beasts Made of Night“ hindurchzubringen. Es ging nicht. Ich kann ihn nicht leiden. Er ist arrogant und aggressiv, kein bisschen empathisch und kurz gesagt ein Widerling, der viel zu große Stücke darauf hält, bisher nicht verrückt geworden zu sein. Tolle Leistung. Applaus. Kurz vor Schluss versucht Tochi Onyebuchi dann, die Handlung dieses Schweizer Käses durch eine überraschende Wendung aufregend und unvorhersehbar zu gestalten. Unglücklicherweise war dieser Dreh inhaltlich vollkommen unlogisch. Das fällt allerdings nur marginal ins Gewicht, weil das Vorspiel kaum glaubwürdiger ist.

 

Es tut mir sehr leid, dass mir „Beasts Made of Night“ nicht gefiel. Ich glaube fest daran, dass Tochi Onyebuchi ein toller Mensch ist, freundlich und hilfsbereit. Seine Pläne, ein erfolgreicher Autor zu werden, würde ich an seiner Stelle jedoch noch ein paar Jahre auf Eis legen. Was diesen Reihenauftakt betrifft, kann ich leider nur einen möglichen Rat aussprechen: ab damit in den Papierkorb und noch einmal ganz von vorn anfangen. In ihrer aktuellen Form hat die Geschichte meiner Ansicht nach nicht einmal Potential, da sie zu viele offene Baustellen aufweist. Ich begreife nicht, wieso das Manuskript überhaupt von einem Verlag angenommen wurde. Aufgrund mehrerer Rezensionen, die ich gelesen habe, weiß ich, dass ich nicht die einzige bin, die so empfindet. Man hätte Onyebuchi vor diesen Negativmeinungen bewahren müssen. Niemand sollte erleben müssen, wie der eigene Debütroman von den Leser_innen in Stücke gerissen wird.

 

Vielen Dank an Netgalley und den Verlag Razorbill für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/03/14/tochi-onyebuchi-beasts-made-of-night
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review 2018-03-06 10:26
Die Cop Buddies der High Fantasy
The Fifth Ward: First Watch - Dale Lucas

Eine Mischung aus „Herr der Ringe“ und „Lethal Weapon“ – so beschreibt Dale Lucas seinen Roman „First Watch“. Der Auftakt der Reihe „The Fifth Ward“ vereint die Action eines Cop Buddy – Films mit den klassisch-epischen Elementen eines High Fantasy – Schmökers. Ich verrate euch ein Geheimnis: ich liebe die Lethal Weapon“-Filme. Riggs und Murtaugh sind für mich der Inbegriff des cineastischen Ermittler-Duos, das ich seit meiner Kindheit feiere. Ich konnte nicht widerstehen, ihre HF-Äquivalente kennenzulernen und stürzte mich mit Freuden auf „First Watch“.

 

Sich der Stadtwache Yenaras anzuschließen, um aus dem Gefängnis freizukommen, schien Rem eine brillante Idee zu sein. Schließlich wollte er keinesfalls noch länger hinter Gittern versauern und brauchte dringend einen Job. Doch als er seinen Partner kennenlernt, beschleicht ihn das Gefühl, dass seine spontane Entscheidung vielleicht nicht ganz so raffiniert war. Der polternde, übellaunige Zwerg Torvald ist alles andere als begeistert, sich um den Frischling kümmern zu müssen. Widerwillig schleppt er Rem in die Straßen der multikulturellen Metropole, in der Orks mit Drogen dealen, Magier_innen ihren dubiosen Geschäften nachgehen und die Präfekten der Bezirke offen ihre Feindseligkeit für einander ausleben. Unter der grimmigen Führung Torvalds erlebt Rem einen turbulenten ersten Tag, dessen trauriger Höhepunkt ihn am Ende ihrer Schicht erwartet. Unter einer Brücke wird eine Leiche entdeckt. Torvald genügt ein Blick, um festzustellen, dass es sich bei dem Toten um seinen Stammpartner Freygaf handelt. Er wurde ermordet. Wer würde ein Mitglied der Stadtwache heimtückisch umbringen und warum? In welche schmutzigen Geheimnisse war Freygaf verwickelt? Hängt sein Tod mit dem Verschwinden mehrerer Töchter und Söhne aus wohlhabenden Familien zusammen? Torvald schwört, Freygafs Mörder aufzuspüren und Rache zu nehmen. Rem hat keine andere Wahl, als seinen Partner bei seiner Jagd zu unterstützen. Mitgehangen, mitgefangen.

 

Meiner Meinung nach hat „First Watch“ eindeutig mehr mit „Lethal Weapon“ gemeinsam als mit „Herr der Ringe“. Mal davon abgesehen, dass ich nicht glaube, dass J.R.R. Tolkien diese Entwicklung der von ihm mitbegründeten High Fantasy vorausgesehen hätte, ist „episch“ nicht die Formulierung, die ich nutzen würde, um den Reihenauftakt zu beschreiben. Für dieses Attribut ist der Horizont der Geschichte meinem Empfinden nach zu eng. Ich meine das nicht negativ, denn heutzutage muss High Fantasy nicht zwangsläufig gigantische Dimensionen abbilden oder gewaltige Geschichten von Heldenmut erzählen. Ein kleinerer Rahmen ist für mich völlig in Ordnung und wie ich in der Einleitung bereits erwähnte, liebe ich „Lethal Weapon“, sodass es mich überhaupt nicht stört, dass die Parallelen zwischen der Filmreihe und diesem Buch prägnanter sind als die Gemeinsamkeiten mit Tolkiens weltberühmtem Epos. Natürlich greift „First Watch“ gewisse klassische Elemente des Genres auf; der multikulturelle, brodelnde Schmelztiegel Yenara wird von den üblichen Verdächtigen bevölkert. Orks, Elfen, Zwerge, Magier_innen und Menschen, die in jedem Kontext ein besonderes Talent für kriminelle Energie aufweisen – sie alle sind in den aufregenden, bis zum Bersten mit Leben gefüllten Straßen zu finden. Ich hatte das Gefühl, erfreulich viel von der Stadt zu sehen, weil unsere beiden sympathischen Helden Rem und Torvald ausschließlich zu Fuß unterwegs sind und dadurch beiläufig ein verlässliches Gesamtbild des Settings vermitteln. Trotz dessen hätte ich mir eine Karte gewünscht, um Aufbau, Organisation und Aufteilung der Metropole in Bezirke besser visualisieren zu können. Die Idee, ein High Fantasy – Setting bürokratisch aufzuziehen und umfangreiche Regeln und Gesetze zum Zusammenleben der einzelnen Völker zu formulieren, fand ich sowohl naheliegend als auch amüsant. Dale Lucas scheint sich genau überlegt zu haben, wie er die Dynamik der Stadt gestalten möchte und das beeindruckte mich definitiv. Die Handlung hingegen überzeugte mich nur mäßig. Ich fand „First Watch“ inhaltlich wenig substanziell, weil die Ermittlungen des ungleichen Duos zu lange feststecken und kaum Fortschritte verzeichnen. Stattdessen erlebte ich zahlreiche Prügeleien, die meist von Torvald provoziert werden. Der wehrhafte Zwerg wirkt im ersten Band von „The Fifth Ward“ plump konstruiert, ihm fehlt wahre Tiefe und daher auch Individualität. Eine tragische Vorgeschichte soll seine übertriebene Gewaltbereitschaft relativieren und bei den Leser_innen Mitgefühl wecken. Ich kann ihn mit vier Worten charakterisieren: harte Schale, weicher Kern. Dem gegenüber steht der unerfahrene Rem, dessen Biografie Dale Lucas bisher nur andeutet. Ihre oberflächliche Gegensätzlichkeit erschien mir affektiert und stereotyp, wodurch sie den Verlauf ihrer Beziehung bereits vorzeichnet. Insgesamt fand ich „First Watch“ recht vorhersehbar. Lediglich das Ende entpuppte sich als echte Überraschung, weil die Auflösung des Falls wesentlich komplexer und intelligenter geriet, als ich der Geschichte und Dale Lucas zugetraut hätte.

 

Ihr mögt das Cop Buddy – Schema à la „Alter Haudegen trifft jungen, unerfahren Frischling und muss mit ihm einen sehr persönlichen Fall lösen“? Dann seid ihr mit „First Watch“ von Dale Lucas gut beraten, ihr solltet allerdings nicht erwarten, dass der Autor das Rad neu erfindet. Nein, dieser Reihenauftakt erzählt dieselbe Geschichte, die wir längst aus zahlreichen Filmen kennen und verpasst ihr mit dem High Fantasy – Charakter des Settings lediglich einen frischen Anstrich. Das ist per se natürlich nicht schlecht, wenn man Lust auf eine Erzählung dieser Art hat. Wie so oft kommt es auf das Timing an. Ich hatte durchaus Spaß mit der locker-luftigen Lektüre und werde „The Fifth Ward“ weiterverfolgen. Ich lauere nämlich darauf, dass Torvald irgendwann den einen berühmten Satz sagt: „Ich bin zu alt für diesen Sch***“.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/03/06/dale-lucas-first-watch
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