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review 2017-06-21 11:58
Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte
The Crane Wife - Patrick Ness

„The Crane Wife“ von Patrick Ness basiert auf einem japanischen Volksmärchen. Im Nachwort schreibt Ness, dass er die Erzählung bereits seit dem Kindergarten kennt. Ich hingegen musste sie nachschlagen. Die Geschichte existiert in verschiedenen, alternativen Versionen, die grundlegenden Elemente gleichen sich jedoch sehr. Stets geht es um einen verletzten Kranich, der von Menschen gesundgepflegt wird und sich für ihre Hilfsbereitschaft großzügig revanchiert. Ich bin froh, dass mir das Märchen völlig unbekannt war, da ich aufgrund meiner Unwissenheit gänzlich unbelastet an „The Crane Wife“ herangehen konnte.

 

George Duncans Leben lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: unspektakulär. Er ist Inhaber eines kleinen Copyshops, der mäßigen Gewinn abwirft, Vater einer erwachsenen Tochter, die ihn nicht ernstnimmt und geschieden, weil seine Ex-Frau ihn für „nicht Manns genug“ hielt. George ist sich seiner sanftmütigen Durchschnittlichkeit bewusst und hätte niemals erwartet, dass sich daran etwas ändert, doch das Schicksal hat andere Pläne. Eines nachts weckt ihn ein unmenschlicher, herzzerreißender Schrei. Verschlafen taumelt George aus dem Bett und staunt nicht schlecht: in seinem Garten hockt ein großer weißer Kranich. Ein echter Kranich! Ist das ein Traum? Nein, das kann nicht sein, der Kranich wurde angeschossen. Ein Pfeil steckt in seinem Flügel. Kurzentschlossen hilft er dem Vogel. Als das majestätische Tier davonsegelt, ahnt George nicht, dass er soeben den Verlauf seiner Zukunft fundamental veränderte. Am nächsten Tag betritt eine Frau seinen Laden. Sie heißt Kumiko, ist wunderschön und wird all das in Georges Leben bringen, das er bisher vermisste: Liebe, Wunder und Magie.

 

Es ist nahezu unmöglich, „The Crane Wife“ einem Genre zuzuordnen. Patrick Ness tunkt seine Zehen in die Wasser vieler Kategorien, taucht aber niemals unter. Das Buch ist von allem ein bisschen, entzieht sich jedoch einer klaren, eindeutigen Definition. Organisatorisch bereitet mir ein solcher Roman einige Probleme, inhaltlich hingegen liebe ich Grenzgänger dieser Art, weil sie so viele ineinander verschlungene Themen ansprechen. Objektiv betrachtet handelt „The Crane Wife“ von George Duncan, einem durchschnittlichen Mann, dem Wundervolles und Außergewöhnliches widerfährt. Worum es in diesem Buch allerdings tatsächlich geht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es besteht eine hohe Spannung zwischen der oberflächlichen Geschichte und der tiefer liegenden Bedeutung, wodurch sich ein immenser Interpretationsspielraum entfaltet. Ich denke, jeder Leser bzw. jede Leserin liest etwas eigenes, sehr intimes und Persönliches aus Georges Geschichte heraus. Meiner Ansicht nach geht es in „The Crane Wife“ um Liebe und Vergebung, um das Geben und Nehmen in einer Beziehung und um verzehrende Leidenschaft. Inwieweit kann, sollte und darf man eine andere Person besitzen? Wie gut muss man einen Menschen überhaupt kennen, um ihn oder sie lieben zu können? George verliebt sich in Kumiko, obwohl ihm all die Fakten, an denen wir ein „zivilisiertes“ Menschenleben messen, fehlen. Er vertraut seinem Gefühl. Es ist nicht wichtig, woher sie kommt oder wie ihr Leben vor ihrer Begegnung aussah. Wichtig ist nur, was er für sie empfindet und wie er sich in ihrer Gegenwart fühlt. Kumiko verändert Georges Wahrnehmung seiner eigenen Person. Er lernt unheimlich viel über sich selbst; darüber, wer und wie er ist und dass es in seiner eigenen Macht liegt, sein Leben als zauberhaft, überraschend und bedeutsam zu betrachten. Ich denke, im Grunde war er dazu immer in der Lage, er hatte es nur vergessen. Er hatte vergessen, dass eine Geschichte niemals nur eine Geschichte ist, sondern Legion. Egal, was auf der Welt geschieht, es sind immer viele Menschen und dementsprechend auch viele Perspektiven involviert. Dadurch entsteht ein dichtes und weit verzweigtes Netz miteinander verknüpfter, ineinandergreifender Geschichten. Dieses Netz ist ein Wunder, weil es uns als Menschen verbindet. Unsere Leben berühren sich viel häufiger und intensiver, als wir meist annehmen. Ich finde, das ist ein wundervoller Gedanke, den Patrick Ness bis in die elementare Konstruktion von „The Crane Wife“ verfolgt. Auch sein Buch ist eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Jede hat ihren eigenen Helden bzw. ihre eigene Heldin, jede fokussiert andere Sorgen, Nöte und Themen. Ich tue mich daher schwer damit, George als Protagonisten des Romans zu bezeichnen. Er mag der Hauptdarsteller seiner Geschichte sein, aber im größeren Rahmen ist er vielmehr ein Knotenpunkt, ein Schmelztiegel der Milliarden Facetten, die wir menschliches Miteinander nennen.

 

Ich kann in dieser Rezension lediglich einen sehr allgemeinen Eindruck von „The Crane Wife“ von Patrick Ness vermitteln. Man muss es selbst gelesen, selbst erlebt haben, um zu verstehen, wie eindringlich dieses Buch mit Bedeutung aufgeladen ist und wieso es so schwierig ist, es angemessen zu beschreiben. Für mich war es genau die leise, zärtliche und ruhige Lektüre, die ich nach „No llores, mi querida“ von André Pilz brauchte. Ich brauchte ein Buch, das vollkommen ohne Härte und Aufregung auskommt, das mich sanft zum Lächeln und Nachdenken bringt. Der starke philosophische Einschlag von „The Crane Wife“ ließ meine Gedanken fliegen, ich hätte mir allerdings eine etwas deutlichere Richtungsangabe gewünscht. Patrick Ness lässt seinen Leser_innen so viel Freiraum, dass ich lange überlegen musste, was er mir möglicherweise sagen möchte. Etwas mehr Führung hätte mir sehr geholfen, die Gedankenflut in meinem Kopf zu sortieren. Nichtsdestotrotz ist „The Crane Wife“ ein wundervolles Buch, das ich gern weiterempfehle und enthält einige stilistische Perlen, die mich wirklich berührten. Oder ist ein Bücherregal als Zustandsbeschreibung der Seele etwa nicht eines der schönsten Gleichnisse, die euch je begegnet sind?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/06/21/patrick-ness-the-crane-wife
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review 2017-05-18 19:59
Der Tod ist mein - Eve Dallas (8) | J. D. Robb
170518 EveDallas9

Autorin: J.D. Robb (Nora Roberts)
Titel: Der Tod ist mein
Reihe: Eve Dallas (8)
Übersetzerin: Uta Hege
Genre: Thriller, Leidenschaft, Sci-Fi
Verlag: Audible GmbH, [22.10.2009]
Spieldauer: [840 Minuten], ungekürzt
Sprecherin: Tanja Geke
auch im eBook- und TB-Format verfügbar

 

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Inhaltsangabe (Audible):

Er durchstreift die Straßen von New York auf der Suche nach den Ärmsten der Armen und tötet sie mit der Präzision eines Chirurgen. Seine Opfer: die Obdachlosen am Straßenrand. Und immer fehlt den Opfern ein Organ. Selbst eine abgebrühte Polizistin wie Lieutenant Eve Dallas ist über diesen Fall entsetzt. Doch sie ermittelt nach allen Regeln der Kunst, bis mitten in dem hochgefährlichen Katz-und-Maus-Spiel mit dem Killer plötzlich Dallas' Karriere und ihr Leben - in Gefahr ist...

>> Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Meine Meinung:

 

Inzwischen zum Fan avanciert, habe ich mich auf diesen 8. Teil der Eve-Dallas-Reihe sehr gefreut, und das im Hörbuch-Format, weil ich Tanje Geke für ihr großartiges Lesen bewundere und mir keine andere Stimme für diese Reihe vorstellen kann als die ihre. Geradezu perfekt!

 

Eve Dallas ist eine toughe Frau, Polizistin mit Leib und Seele, nicht immer einfach, aber gerecht, und sie hat den absoluten Traummann, den Frau sich nur vorstellen kann. Während Eve in diesem Buch durch die Hölle gehen muss, stehen ihr nicht nur ihr Mann, sondern auch ihre Kollegen und ihre Freunde zur Seite, und so findet sie aus dem tiefen Loch wieder heraus, in das sie ihre Suspendierung gestoßen hat, krempelt die Ärmel auf und geht auch ohne Dienstmarke nach kurzer Pause wieder dazu über, ihren Fall aufzuklären. Denn sie ist überzeugt, dass er mit ihrer Suspendierung zusammenhängt, und sie will unbedingt ihr Leben zurück, vor allem, weil sie sich absolut nichts vorzuwerfen hat.

 

Spannend von Anfang bis Ende, mit vielen leidenschaftlichen Einschüben gespickt, begleiten wir diese besondere Frau auf ihrem Weg, die Drahtzieher hinter den Morden aufzudecken.

 

Mir hat das Hörbuch wieder sehr gut gefallen. Und so gebe ich 09/10 Punkte.

 

09-10

 

Bücher der Reihe:

 

- Rendezvous mit einem Mörder – rezensiert 22.02.2012 – 07/10 Punkte
- Tödliche Küsse – beendet 05.01.2016 – 08/10 Punkte
- Eine mörderische Hochzeit – beendet 28.05.2016 – 09/10 Punkte
- Bis in den Tod – beendet 11.06.2016 – 09/10 Punkte
- Der Kuss des Killers – beendet 22.08.2016 – 08/10 Punkte
- Mord ist ihre Leidenschaft – beendet 26.11.2016 – 09/10 Punkte
- Liebesnacht mit einem Mörder – beendet 23.03.2017 – 09/10 Punkte
- Der Tod ist mein – beendet 18.05.2017 – 09/10 Punkte
- Ein feuriger Verehrer
- Spiel mit dem Mörder
- Sündige Rache
- Symphonie des Todes
- Das Lächeln des Killers
- Tödliche Unschuld
- Einladung zum Mord
- Der Hauch des Bösen
- Das Herz des Mörders
- Ein gefährliches Geschenk
- Im Tod vereint
- Tanz mit dem Tod
- In den Armen der Nacht
- Stich ins Herz
- Stirb. Schätzchen. Stirb
- In liebe und Tod
- Sanft kommt der Tod
- Mörderische Sehnsucht
- Sündiges Alibi
- Im Namen des Todes
- Tödliche Verehrung
- Süßer Ruf des Todes
- Mörderische Hingabe
- Verrat aus Leidenschaft

 

Der Tod ist mein (Eve Dallas 08) - Audible GmbH,J.D. Robb,Tanja Geke 

Source: sunsys-blog.blogspot.de/2017/05/gehort-der-tod-ist-mein-jd-robb.html
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review 2017-04-19 17:04
Rezension | Barney Kettles bewegte Bilder von Kate de Goldi
Barney Kettles bewegte Bilder - Kate de ... Barney Kettles bewegte Bilder - Kate de Goldi,Ingo Herzke

Beschreibung

 

Der 12-jährige Barney Kettle ist ein begeisterter Filmemacher und passend zu seiner Leidenschaft ein bisschen Größenwahnsinnig. Seine jüngere und äußerst kluge Schwester Ren ist davon überzeugt, dass Barney es eines Tages zum weltberühmten Regisseur bringen wird. Sie hingegen liebt es im Hintergrund zu bleiben und all ihr organisatorisches Talent in die Kettle Productions zu stecken, dabei kann sie auch wunderbar ihre Vorliebe für Listen nutzen. Gemeinsam mit Barneys Film-Ideen machen sie die Straßen unsicher.

 

Jedoch steckt Barney zur Zeit in einer kreativen Krise. Was soll er nur nach seinem letzten Werk drehen? Die Besprechung der Geschwister scheint nichts als endlose Listen zu Tage zu fördern. Von einer Filmidee keine Spur, bis Barney und Ren bemerken das sich der Film genau in ihrer geliebten Straße, der „High Street“, unter ihren Freunden und lieben Bekannten abspielt. Die Straße, die Menschen die sie bewohnen und mit Leben erfüllen – genau das ist die Geschichte die Barney erzählen will.

 

Meine Meinung

 

Der Jugendroman „Barney Kettles bewegte Bilder“ von Kate de Goldi aus dem fantastischen Frühjahrsprogramm „Zweisamkeit“ des Königskinder Verlags hat mich molto überwältigt! Schon bei dem kunterbunt gestalteten Cover konnte ich kaum widerstehen, und dann kommt noch diese großartige Geschichte hinzu, bei der man zuerst gar nicht so recht weiß in welche Richtung es gehen wird, um schließlich von einem ebenso spannenden wie auch emotionalen Plot überrascht zu werden. Es ist gar nicht so leicht die richtigen Worte zu finden, die das Leseerlebnis treffend beschreiben. „Barney Kettles bewegte Bilder“ ist einfach anders als andere Romane. Die Geschichte ist bunt, sprüht vor Lebensfreude und ist mindestens genauso Kreativ wie Cover und Buchdeckel auf den ersten Blick versprechen.

 

„Barney Kettles bewegte Bilder“ ist nicht irgendein Jugendroman, auf diese Geschichte muss man sich mit allen Sinnen einlassen, denn nur so wird man etwas molto großartiges erleben!

 

Kate de Goldi hat vor allem bei der Erschaffung ihrer Charaktere ein Goldhändchen bewiesen. Diese strotzen trotz ihrer eigenwillig anmutenden Charakterzüge nur so vor Authentizität. Nur sehr selten finden gleich so viele Figuren aus einem einzigen Buch den Weg zu meinem Herzen. Genau diese Seltenheit durfte ich Dank Kate de Goldi’s Roman erleben. Am liebsten hätte ich mich sofort mit dem unerschütterlichen Barney, seiner klugen und zielstrebigen Schwester Ren, dem Comicladen-Besitzer, Suit, dem unveröffentlichten Dichter, ach was sag ich da nur – am liebsten hätte ich mich gleich mit der gesamten Straße angefreundet. Die Geschichte lässt förmlich den Wunsch erwachen, selbst Teil der kunterbunten „High Street“-Gemeinschaft zu sein.

 

Das man hier einen ganz besonderen Buchschatz in den Händen hält, merkt man recht schnell. Sei es durch die Verwendung außergewöhnlicher Stilmittel, bei denen die Autorin zum Beispiel besondere Orte hervorhebt oder gleich ganze Sätze durch die Aneinanderreihung von mehreren Wörtern eine ganz eigene Dynamik verpasst. Mindestens ebenso beeindruckend ist die Erzählweise selbst. Durch einen (zuerst) unbekannten Erzähler taucht man Schritt für Schritt tiefer in die traumhafte Welt von Barney Kettle ein, lernt die besonderen Ladengeschäfte und Menschen der „High Street“ kennen und lieben. Im Vordergrund der Geschichte stehen die aufregenden Dreharbeiten zu Barney’s erstem Dokumentarfilm bei der die Liebe und Begeisterung für seine Leidenschaft in jeder Zeile zu spüren ist. Als die Geschwister Barney und Ren zufällig auf ein mysteriöses Zine¹ stoßen beginnt eine spannende Schnitzeljagd nach mehr Zines und deren Herkunft.

 

Der Plot entwickelt sich langsam und unaufgeregt, was genügend Raum für eine Entdeckungstour durch die dörflich anmutende Straße bietet. Das Gefühl das da irgendwas großes unter der Oberfläche schlummert begleitete mich die ganze Zeit über – und genau deshalb konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen! Zum Schluss möchte euch nicht zuviel verraten, aber soviel sei gesagt, es gibt eine unglaubliche Wendung die mich völlig überwältigt hat.

 

Fazit

 

Die AufregendeAlchemie dieser Geschichte hat mich voll und ganz erfasst! Ein tiefgehendes Leseerlebnis das vor lauter Kreativität überbrodelt.


¹Ein Zine ist eine Publikation bestehend aus Bildern mit oder ohne Text, die sich über acht gleichgroße Felder auf einem Blatt erstreckt und gefaltet eine Art Büchlein ergibt.

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-barney-kettles-bewegte-bilder-von-kate-de-goldi
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review 2017-04-12 10:05
Meggies Reise zwischen die Worte
Tintenblut (Tintenwelt, #2) - Cornelia Funke

Nach meinem Fiasko mit „Tintenherz“, dem ersten Band von Cornelia Funkes „Tintenwelt“ – Trilogie, brauchte ich lange, um mich zur Lektüre der Fortsetzung zu überwinden. Die Enttäuschung hallte nach. Über ein Jahr traute ich mich nicht an „Tintenblut“ heran, obwohl meine Ausgangssituation wesentlich erfolgsversprechender aussah. Ich wusste nichts über das Buch und hatte daher auch keine übersteigerten Erwartungen, die meine Leseerfahrung negativ beeinflussen konnten. Ich musste meine Zweifel jedoch erst abklingen lassen, bis ich „Tintenblut“ eine faire Chance einräumen konnte. Als ich soweit war, verlor ich keine Zeit mehr.

 

Im Leben der Familie Folchart ist Frieden eingekehrt. Mo, Meggie und Resa sind bei Ellinor eingezogen. Langsam verblasst der Schrecken der furchtbaren Ereignisse in Capricorns Dorf. Für Meggie ist die Faszination der Tintenwelt ungebrochen. Noch immer träumt sie davon, die Magie von Fenoglios Welt am eigenen Leib zu spüren. Sie versuchte sogar – erfolglos und natürlich heimlich – sich selbst in die Geschichte hineinzulesen. Als eines Abends der verzweifelte Farid an ihre Tür klopft, erreicht Meggies unbändige Neugier einen neuen Höhepunkt. Er berichtet, dass Staubfinger nach all den Jahren heimgekehrt ist – ohne ihn. Ein Mann namens Orpheus las ihn in die Tintenwelt zurück. Jetzt wünscht sich Farid nichts sehnlicher, als ihm zu folgen und fleht Meggie an, ihm zu helfen. Unter einer Bedingung sagt sie zu: sie will Farid begleiten, obwohl es ihren Eltern das Herz brechen wird. Gemeinsam öffnen sie die Tür zwischen den Worten und stürzen in das Abenteuer einer Welt, die nicht einmal mehr ihr Schöpfer unter Kontrolle hat.

 

Ich wusste es. Ich wusste, dass sich Millionen begeisterter Leser_innen nicht irren können. „Tintenblut“ gefiel mir viel besser als „Tintenherz“. Durch meine bewusst gewählte Unvoreingenommenheit konnte ich Meggies zweites Abenteuer wahrhaft genießen und verstehe endlich, warum die Trilogie weltweit von Jung und Alt nahezu vergöttert wird. Die Liebe zum Lesen und zu Büchern ist auf jeder Seite spürbar. In ihrem klaren Schreibstil, der von märchenhafter Schlichtheit geprägt ist und bei mir besonders durch die herrlich fantasievolle Namensgebung punktet, spielt Cornelia Funke mit der Idee, Bücherwürmer die Geschichte ihres Lieblingsbuches betreten zu lassen. Folglich dreht sie das Ausgangskonzept der Trilogie, das sie in „Tintenherz“ vorstellte, auf den Kopf, weil es nun nicht länger darum geht, Figuren aus einem Buch herauszulesen, sondern darum, Leser_innen in ein Buch hineinzulesen. Meggie möchte die Tintenwelt selbst erleben; sie möchte sie sehen, riechen, schmecken und fühlen – wer kann es ihr verübeln? Gerade Fantasy-Welten haben eben ihren speziellen Reiz. Die Tintenwelt ist keine Ausnahme – ich kann verstehen, dass Meggie wild darauf ist, ihre Wunder live und in Farbe zu erfahren. Ihre Reise zwischen die Worte ist erwartungsgemäß gefährlich, was in einer spannenden, mitreißenden Handlung mündet, die lediglich auf den letzten 150 Seiten etwas zäh und ziellos wirkt. Die Tintenwelt hat mittlerweile unbestreitbar ein Eigenleben entwickelt, das sich sogar der Kontrolle des Autors Fenoglio entzieht. Dieser spielt in „Tintenblut“ eine wichtige Rolle, ich muss jedoch gestehen, dass ich ihn furchtbar anstrengend fand. Sein arroganter Besitzerstolz der Tintenwelt und ihren Bewohner_innen gegenüber ist meiner Meinung nach vollkommen unangemessen, weil er sich längst nicht mehr in „seiner“ Geschichte befindet. Das sollte ihm klar sein. Sie wurde in dem Moment unabhängig, als Mo seine Frau Resa hinein- und Staubfinger, Basta und Capricorn herauslas. Bedenkt man, wie gravierend diese Veränderungen waren, erscheinen mir die Auswirkungen erstaunlich bescheiden und zurückhaltend. Cornelia Funke gibt sich milde. Die Figuren können von Glück sprechen, dass die wiederholten, schweren Eingriffe in die Geschichte nicht ihre gesamte Welt erschütterten. Selbstverständlich sind Konsequenzen sichtbar, doch weder wurden Naturgesetze außer Kraft gesetzt, noch Verwüstung oder Zerstörung angerichtet. Als Staubfinger zurückkehrt, erkennt er seine Heimat sofort wieder, was der deutlichste Hinweis darauf ist, dass die Seele der Tintenwelt unbeschädigt blieb. Staubfinger ist mit Abstand mein Lieblingscharakter. Ich habe mein Herz an ihn verloren. Er ist mutig, anständig und rechtschaffen, trotz seiner tragischen, unglückseligen Vergangenheit. Seine Ernsthaftigkeit berührt mich; ich habe das Gefühl, es lohnt sich ungemein, ihm zuzuhören. Außerdem ist sein Spiel mit dem Feuer zweifellos eine der faszinierendsten Fähigkeiten, die mir bisher begegnet sind, weil sie so elementar zu sein scheint. Keine Künstlichkeit, keine hart erlernten Lektionen, nur Staubfinger und die Flammen, die mystisch miteinander verbunden sind.

 

Dürfte ich zwischen die Seiten meiner Lieblingsbücher reisen, ich glaube, ich wäre enttäuscht. Vermutlich würde ich mich permanent als Fremdkörper fühlen, der dort nicht hingehört. Auch Meggie hat in der Tintenwelt eigentlich keinen Platz, doch das hält sie nicht davon ab, diese gierig aufzusaugen und jede noch so kummervolle Sekunde auszukosten. Da frage ich mich doch, was Meggie und mich unterscheidet. Vielleicht ist es das Alter. Ich denke, mit 13 Jahren sind Leser_innen zu größerer Hingabe fähig, was auch der Grund sein könnte, warum mir „Tintenblut“ nur 4 statt 5 Sternen wert ist. Wäre ich mit dieser Geschichte aufgewachsen, meine Leidenschaft wäre grenzenlos. Heute fällt es mir schwerer, mich dem kindlichen Abenteuerflair des Buches zu öffnen und mich in der märchenhaften Atmosphäre zu verlieren. Nichtsdestotrotz kann ich erkennen, wie wertvoll „Tintenblut“ besonders für ein jüngeres Publikum ist und bin definitiv in der Lage, Cornelia Funke dafür Tribut zu zollen. Es ist eine tolle Fortsetzung. Ich bin froh, nach „Tintenherz“ nicht aufgegeben zu haben.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/04/12/cornelia-funke-tintenblut
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review 2017-03-23 19:35
Liebesnacht mit einem Mörder - Eve Dallas (7) | J. D. Robb
170323 EveDallas7

Autorin: J. D. Robb (Nora Roberts)
Titel: Liebesnacht mit einem Mörder
Reihe: Eve Dallas (7)
Übersetzerin: Ute Hege
Genre: Krimi mit Leidenschaft
Verlag: Blanvalet, [01.05.2004]
TB: 416 Seiten, ISBN: 3442360269
HC zur Zeit neu nicht bei Amazon verfügbar
Kindle-Edition: 417 Seiten, B004OL2X60
Audible GmbH, [17.09.2009]
Spieldauer: [702 Minuten] (ungekürzt), ASIN: B0085XMI1I
Sprecher: Tanja Geke
Whispersync for Voice verfügbar

 

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Inhaltsangabe (Audible):

Niemand ist gern allein - und schon gar nicht während der Ferien. Dann ist Hochsaison für die New Yorker Partnerschaftsvermittlungen. Diesmal aber wird die Freude getrübt: ein Serienmörder schlägt zu, der alle seine Opfer über eine Agentur sucht. Leutnant Eve Dallas taucht bei ihren Ermittlungen tief ein in eine Welt, in der angeblich jeder nach der wahren Liebe sucht - und doch oft genug nur ein kleines schmutziges Geheimnis verbirgt. Eine Welt, in der irgendjemand schon die Grenze zwischen grenzenloser Liebe und abgrundtiefen Hass überschritten hat...

>> Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Meine Meinung:

 

Die Serie um Eve Dallas wächst mir langsam ans Herz. Dieses ist der 7. Band, den ich mir von Tanja Geke wieder habe vorlesen lassen. So wie David Nathan die ultimative Ergänzung zu Stephen King ist, so ist Tanja Geke sie zu J. D. Robb. Sie liest diese Bücher besonders großartig. Ich würde mir keine andere Sprecherin wünschen.

 

Wir befinden uns in der Zukunft in New York in einem Szenario mit lauter Superlativen und Extremen. Während die Autorin als Nora Roberts reine Liebesromane mit viel Leidenschaft schreibt, nutzt sie ihr Pseudonym, um diese Leidenschaft und eine ganz besondere Liebe zwischen einer Polizeibeamtin der Mordkommission und dem absoluten Traummann mit verschiedenen Kriminalromanen zu koppeln, und dies gelingt ihr wirklich ausgezeichnet. Diese Zusammensetzung ist, soweit ich weiß, einzigartig.

 

In diesem Kriminalfall dreht es sich um eine Mordserie, die vom Weihnachtsmann begangen wird. Wenn der Weihnachtsmann an der Tür klingelt und ein Geschenk dabei hat, machen eigentlich alle die Tür auf und bitten ihn herein. Und so hat er zunächst leichtes Spiel bei den einsamen Herzen. Doch sowie Eve Dallas den Fall übernimmt, dauert es nicht lange, bis er Fehler macht.

 

Die Charaktere bleiben bei J.D. Robb nicht auf der Stelle, sie entwickeln sich weiter. So hat es Eve langsam geschafft, über ihre Vergangenheit zu sprechen, diese zu verarbeiten und die Liebe ihres Mannes nicht nur zu akzeptieren und zu erwidern, sondern diese auch in Worte zu kleiden. Auch die Beziehung zu Peaboddy erfährt in diesem Band eine Tiefe, die hoffentlich noch weiter wächst, denn beide Frauen können eine Freundin brauchen.

 

Ein sehr gutes Buch. Ich gebe 09/10 Punkte.

 

09-10

 

Bücher der Reihe:

 

- Rendezvous mit einem Mörder – rezensiert 22.02.2012 – 07/10 Punkte
- Tödliche Küsse – beendet 05.01.2016 – 08/10 Punkte
- Eine mörderische Hochzeit – beendet 28.05.2016 – 09/10 Punkte
- Bis in den Tod – beendet 11.06.2016 – 09/10 Punkte
- Der Kuss des Killers – beendet 22.08.2016 – 08/10 Punkte
- Mord ist ihre Leidenschaft – beendet 26.11.2016 – 09/10 Punkte
- Liebesnacht mit einem Mörder – beendet 23.03.2017 – 09/10 Punkte
- Der Tod ist mein
- Ein feuriger Verehrer
- Spiel mit dem Mörder
- Sündige Rache
- Symphonie des Todes
- Das Lächeln des Killers
- Tödliche Unschuld
- Einladung zum Mord
- Der Hauch des Bösen
- Das Herz des Mörders
- Ein gefährliches Geschenk
- Im Tod vereint
- Tanz mit dem Tod
- In den Armen der Nacht
- Stich ins Herz
- Stirb. Schätzchen. Stirb
- In liebe und Tod
- Sanft kommt der Tod
- Mörderische Sehnsucht
- Sündiges Alibi
- Im Namen des Todes
- Tödliche Verehrung
- Süßer Ruf des Todes
- Mörderische Hingabe
- Verrat aus Leidenschaft

 

Liebesnacht mit einem Mörder (Eve Dallas 07) - Audible GmbH,J.D. Robb,Tanja Geke 

Source: sunsys-blog.blogspot.de/2017/03/gehort-liebesnacht-mit-einem-morder-j-d.html
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