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review 2017-11-29 10:36
Charakterstudie eines Antihelden
Emperor of Thorns - Mark Lawrence

Mark Lawrence ist nicht nur Autor mehrerer erfolgreicher Fantasy-Romane aus der Grimdark-Ecke, er betätigt sich darüber hinaus als Dichter. Unerwartet, oder? Ich hätte ihm eine Ader für Gedichte nicht zugetraut. Während ich seine Werke auf seiner Website las, legte sich meine Überraschung. Diese Art der Lyrik passt wie die Faust aufs Auge. Melancholische Formulierungen, die in mir Assoziationen von Trauer und Depression wecken, ein düsterer Grundtenor, Naturthemen – Lawrence bleibt seinem grundlegenden Stil treu, obwohl seine Gedichte selbstverständlich keinerlei Gewaltdarstellungen enthalten, im Gegensatz zu seinen Romanen. „Emperor of Thorns“ ist das Finale der „The Broken Empire“ – Trilogie und schließt die Geschichte rund um den ehrgeizigen, fragwürdigen Protagonisten Jorg von Ancrath ab.

 

Man könnte behaupten, der Thron des Zersplitterten Reiches sei verwaist. Jorg von Ancrath bevorzugt es, ihn als „frei“ zu betrachten – der Thron wartet nur darauf, von ihm in Besitz genommen zu werden. Leider kann die Würde des Imperators nicht erobert werden. Es handelt sich um ein gewähltes Amt. Wie unwillkommen. Um Imperator zu werden, muss Jorg genügend Stimmen für sich unter den Königen und Königinnen während des Kongresses in Vyene sammeln. Bereits Jahre zuvor schloss er unwahrscheinliche Allianzen, die seinen Sieg garantieren sollen. Als König von sieben Nationen stehen seine Chancen überraschend gut. Vorausgesetzt, er erreicht Vyene gesund und munter. Die lebenden Toten bedrängen die Ländereien des Reiches. Nekromantie breitet ihre giftigen Klauen aus. Der Einfluss des Toten Königs erstarkt. Niemand kennt seine Identität oder Ziele. Doch eines ist deutlich: sein rätselhaftes persönliches Interesse an Jorg…

 

Die Lektüre des Finales eines Mehrteilers ist für mich normalerweise mit einer latenten Anspannung verbunden. Gelingt es dem Autor bzw. der Autorin, einen würdigen Abschluss zu konstruieren? Im Fall von „Emperor of Thorns“ empfand ich diese Anspannung nicht. Ich zweifelte nicht daran, dass Mark Lawrence diese Aufgabe zufriedenstellend meistern würde, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, in welche Richtung er Jorg schicken wollte. Ich behielt Recht. „Emperor of Thorns“ ist ein voll und ganz rundes, befriedigendes und überraschendes Finale, das in mir die Gier nach mehr schürte, wie von Lawrence beabsichtigt. Erstaunlicherweise erlitt ich trotz dessen keinerlei Abschiedsschmerz. Es fiel mir nicht schwer, Jorg gehen zu lassen, weil ich mich niemals mit ihm identifizieren konnte und – wenn überhaupt – lediglich eine sehr vorsichtige, komplizierte Form von Sympathie für ihn empfand, die sich hauptsächlich aus seiner brutalen Ehrlichkeit sich selbst gegenüber speiste. Meiner Meinung nach kann man Jorg nicht einfach mögen. Auch im letzten Band der „The Broken Empire“ – Trilogie erwischte mich seine grenzenlose Skrupellosigkeit kalt. Ich hätte nicht mehr verblüfft sein sollen, hätte wissen müssen, dass er niemals zögert, harte, bedenkliche Entscheidungen zu treffen, um seine Ziele zu erreichen – und doch war ich es. Vielleicht hegte ich noch immer einen Funken Hoffnung für ihn, den Lawrence durch die beeindruckende Entwicklung unterstützte, die er seinen Protagonisten durchleben ließ. Die Handlung ist erneut in Gegenwart und Vergangenheit unterteilt: in der Gegenwart beobachten die Leser_innen Jorgs Reise nach Vyene, in der Vergangenheit begleiten sie ihn auf einer erschöpfenden Solo-Expedition über die Grenzen des Zersplitterten Reiches hinaus, das als erschreckendes Spiegelbild und beklemmende Zukunftsvision unserer Realität fungiert. Diese Expedition veränderte ihn. Er reifte deutlich, fand zu einer gewissen inneren Balance und kann der gewalttätigen Abwärtsspirale seines Lebens doch nicht entfliehen. Jorg ist ein anschauliches, überzeugendes Beispiel dafür, dass Menschen dieselben Muster stetig zwanghaft wiederholen. Er wird vom Schlüsselmoment seiner persönlichen Vergangenheit, dem Mord an seinem kleinen Bruder, gnadenlos eingeholt. Paradoxerweise sind sein kaltblütiger Charakter und seine verkrüppelte Seele allerdings genau die Eigenschaften, die ihn als beste Chance der Welt im Kampf gegen den Toten König kennzeichnen. Sein einzigartiges Talent, ausweglose Situationen zu seinen Gunsten zu drehen, seine Bereitschaft, genau das zu tun, was diese Situationen seiner Ansicht nach von ihm verlangen, egal wie verrückt oder abstoßend die Anforderungen sein mögen, versetzen ihn in „Emperor of Thorns“ in die Position des Helden. Diese Verschiebung seines Status in der übergreifenden Geschichte ist Mark Lawrences brillanter Geniestreich. Natürlich ist Jorg die Verkörperung des ultimativen Antihelden, der eher versehentlich selbstlos und niemals ehrenhaft handelt – aber er rettet die Welt, daran gibt es nichts zu rütteln.

 

„The Broken Empire“ ist eine ungemein figurenzentrierte Trilogie. Oh, selbstverständlich sind Worldbuilding und Handlungskonstruktion bemerkenswert, feinsinnig und intelligent. Doch all diese Elemente verblassen neben dem einnehmenden Protagonisten. Meiner Meinung nach ist Jorg von Ancrath mehr als die Hauptfigur der Romane, er ist ihr (schwarzes) Herz und Anker. Ich glaube, Mark Lawrence wollte Jorgs Geschichte erzählen, um gezielt dessen Entwicklung zu untersuchen. Er wollte sein Potential gemeinsam mit den Leser_innen erforschen, experimentieren und herausfinden, wie er auf die Herausforderungen seiner Welt reagiert. Betrachtet man die Trilogie aus dieser Perspektive, erschließt sich, dass es sich dabei um eine umfangreiche Charakterstudie handelt. Deshalb ist es kein Hindernis, dass Jorg kein Sympathieträger ist. Erst seine seelischen Abgründe eröffnen zahllose Möglichkeiten. Er faszinierte mich und brannte sich in mein Gedächtnis. So schnell werde ich Jorg nicht vergessen: Prinz, König, abschreckendes Beispiel und Held wider Willen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/11/28/mark-lawrence-emperor-of-thorns
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review 2017-09-24 19:51
Ein alter Fluch und Hypnose
Das Vermächtnis des Hypnotiseurs: Der zw... Das Vermächtnis des Hypnotiseurs: Der zweite Coco-KatzenKrimi - Marianne Kaindl

Inhalt:

 

Ein oppulentes Fest, gestaltet wie ein Ball im venezianischen Karneval, bildet einen schönen Rahmen. Und dann stirbt die Gastgeberin! Was zunächst nach einem lupenreinen Selbstmord aussieht, bedingt durch einen uralten Fluch, mit einer Legende verbunden, entpuppt sich denn doch zu einem aufregenden, interessanten Fall für die Krimikatzen rund um Coco.

 

Meine Meinung:

 

Ein alter Fluch und Hypnose

 

Ich hatte mich wirklich sehr auf den 2. Band rund um Coco und ihre Krimikatzenbande gefreut. Und was soll ich sagen, ich bin noch begeisterter, wie schon vom ersten Teil :)

 

Allein der Beginn mit diesem Fest im Stil eines Maskenballs zum venezianischen Karneval, ein tolles Setting, bei dem einfach irgendwas passieren MUSS! Und das tut es dann ja auch. Und wie ich finde, ein „tolles“ Verbrechen, mit dem die cleveren und mit allen Wassern gewaschenen Krimikatzen sich da beschäftigen!

 

Man sagt ja schon mal so leicht hin, dass unsere Samtpfoten uns hypnotisieren wollen, wenn sie so vor einem sitzen, einen niederstarren zu scheinen. Vielleicht wollen sie uns da tatsächlich zu irgendwas kriegen. Oder uns auch einfach so nur was sagen. Auf alle Fälle seh ich mich in dieser Story sehr bestätigt :) Katzen sind nicht nur die besseren Ermittler, nein, sie sind auch ganz großartige Hypnotiseure!

 

Wie auch schon im ersten Fall kommen hier die ganz unterschiedlichen Talente der einzelnen Miezen zum tragen. Sie haben alle ihre Aufgabe beim Lösen des Falls und zeigens gemeinsam den Zweibeinern wieder so richtig. Mir macht das wirklich Spaß!

 

Ein bisschen was lernen tut man denn auch noch ganz nebenbei und fast, ohne dass mans merkt ;-) Oder wusstet Ihr, woher der englische Begriff „to mesmerize“ stammt? Nein? Seht Ihr, ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht. Aber jetzt weiß ichs :)

 

Die süße Coco und ihre ganze Rasselbande, samt ihren unzähligen Geburtstagsgästen (ja, eine richtig tolle Party gibt’s auch noch!), ihren süßen Kindern sind mir ziemlich ans Herz gewachsen und ich wünschte, ich könnte alle mal kraulen!

 

Danke für eine schöne Unterhaltung mit einem echt gut ausgedachten Kriminalfall, liebe Marianne!

 

Fazit:

Wiederum ein ganz bezaubernder Katzen-Kriminalfall mit einem ungewöhnlichen Verbrechen.

 

Bewertung:

 

5 von 5 Nilpferden

 

© Sabine Kettschau/Niliversum

 

 

 

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review 2017-09-06 04:39
Rezension | Töte mich von Amèlie Nothomb
Töte mich - Amélie Nothomb,Brigitte Groß... Töte mich - Amélie Nothomb,Brigitte Große

Beschreibung

 

Graf Neville hat Anlass zur Sorge um seine siebzehnjährige Tochter Sérieuse. Nachdem das Mädchen die Nacht im Wald verbrachte wurde sie von einer Wahrsagerin gefunden und in Obhut genommen. Als Graf Neville seine Tochter abholt, wird ihm prophezeit, dass er auf seiner Garden Party einen Menschen ermorden wird. Die schreckliche Vorstellung auf seiner letzten Party im Château du Pluvier einen solchen Fauxpas zu begehen bereitet dem Grafen Kopfzerbrechen, bis schließlich Sérieuse ihn davon überzeugt das perfekte Opfer zu sein.

 

Meine Meinung

 

Amélie Nothombs neuster Roman „Töte mich“ zieht schon alleine durch seinen provokanten Titel die Blicke auf sich (welcher meiner Meinung nach auch perfekt zum Inhalt der Geschichte passt).

 

Im Mittelpunkt der Szenerie steht die schrullige Adelsfamilie um den Grafen Henri Neville und seine Frau Alexandra. Gemeinsam haben sie drei Kinder, den ältesten Sohn und die älteste Tochter haben sie Oreste und Électre genannt, ihre jüngste Tochter trägt den Namen Sérieuse. Bedenkt man die Herkunft der Namen aus der griechischen Mythologie erschließt sich einem auch gleich, warum Henri und Alexandra Neville ihre jüngste Tochter nicht nach Iphigenie benannten. Die gewagte Mischung aus Mythologie, Moderne und dem hochtrabenden Gebaren der adeligen Oberschicht sorgt für ein eindrucksvolles Setting.

 

"Das einzige seiner Kinder, in dem er sich wiederfand, war die schweigsame linkische Sérieuse, die sich so unwohl fühlte in ihrer Haut." (Töte mich, Seite 17)

 

Genau wie Agamemnon kann auch der Graf seinem Schicksal nicht entfliehen. Durch die Prophezeiung der Wahrsagerin, die besagt dass er auf seiner nächsten Party jemanden ermorden wird, nimmt die Story deutlich Fahrt auf. Der Graf zerbricht sich über die anstehende Garden Party den Kopf, die er als erfahrener und etikettentreuer Gastgeber auf keinen Fall absagen will, schon aus dem Grund dass es sein letztes Fest im Château du Pluvier sein wird ist dies vollkommen ausgeschlossen. Welche Optionen bieten sich ihm? Wen wird die Prophezeiung ereilen? Wen soll er als Opfer erwählen?

 

"Das Vorhaben, das Neville am Morgen noch so berauscht hatte, erschien ihm schon am Nachmittag zweifelhaft." (Töte mich, Seite 54)

 

Das temporeiche Zwiegespräch zwischen Vater und der Tochter Sérieuse bildet das Herzstück des Romans. Die skurrile Situation die sich durch den Opferwunsch der Tochter und die moralischen Bedenken des Vaters ergeben sorgen für einen leserlichen Hochgenuss. Eine zusätzliche Portion schwarzen Humors sorgt für den einnehmenden Charme der Geschichte.

 

Amélie Nothomb hat in „Töte mich“ ihre schriftstellerische Originalität und Einzigartigkeit unter Beweis gestellt. Ich habe wirklich jede einzelne Seite dieser einfallsreichen und kreativen Komposition genossen.

 

Fazit

 

Ein modernes und skurriles Märchen das für hochkarätige Unterhaltung sorgt.

Source: www.bellaswonderworld.de/rezensionen/rezension-toete-mich-von-amelie-nothomb
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text 2017-08-30 11:07
Taugt maximal als Trinkspiel
Schwarzes Blut - Roger Smith,Max Wilde

„Schwarzes Blut“ von Max Wilde ist ein Mängelexemplar vom Grabbeltisch, das ich vor einigen Jahren erbeutete. Ich erinnere mich, dass der wenig aussagekräftige Klappentext meine Neugier entfachte. Damals wusste ich nicht, dass Max Wilde das Pseudonym des erfolgreichen südafrikanischen Thriller-Autors Roger Smith ist, dessen Roman „Kap der Finsternis“ 2010 den zweiten Platz beim Deutschen Krimipreis belegte. „Schwarzes Blut“ erschien bei Heyne Hardcore, einer gesonderten Sparte des Verlags, die neben einem Angebot von Musik- und Erotikliteratur auf grenzwertige, sehr blutige und brutale Horrorliteratur spezialisiert ist. Kurz, ich wusste, worauf ich mich einließ.

 

Skye weiß, dass sie verfolgt wird. Sie kann die Männer hinter sich hören. Sie hat Angst. Nicht davor, dass sie ihr wehtun könnten, sondern davor, dass der Andere die Kontrolle übernimmt, wenn sie sie verletzen. Seit sie zurückdenken kann, teilt sie ihren Körper mit diesem… Ding, einem Monster, das sich unter ihrer Haut verbirgt und unerträgliche Gelüste hat. Skyes Wachsamkeit darf niemals nachlassen, denn die Konsequenzen wären furchtbar. Für sie selbst, für ihren Adoptivbruder Gene und für ihren kleinen Neffen Timmy. Ist der Andere frei, sterben Menschen. Skye ahnt nicht, dass ihre Verfolger erst der Anfang sind. Da draußen lauert jemand, der die Wahrheit über sie kennt. Jemand, der mehr über ihre Herkunft weiß, als sie selbst. Jemand, der nur ein Ziel verfolgt: er will den Anderen.

 

Herzlichen Glückwunsch Max Wilde aka Roger Smith! „Schwarzes Blut“ ist meine erste 1-Stern-Bewertung des Jahres 2017! Jawohl, ich schrieb, ich wusste, worauf ich mich einließ, als ich mir dieses Buch vornahm. Ich hatte vorher sogar wohlweislich einige Rezensionen gelesen, die tendenziell stark auseinanderdrifteten. „Faszinierend und erschreckend“ hieß es da, aber auch „eklig“ und „bestialisch“. Als stolze Schlachten-Veteranin bin ich wahrlich nicht zartbesaitet; ich nahm an, dass die negativen Rezensionen von Leser_innen stammten, die sich versehentlich ins falsche Genre vorgewagt hatten. Kann ja mal passieren. Ich hätte nicht erwartet, dass ich mich ihrem Urteil anschließen muss. „Schwarzes Blut“ ist buchstäblich das widerlichste, abstoßendste, ekelerregendste Buch, das ich jemals gelesen habe. Es ist ein Fall für Trigger- und Jugendwarnungen auf dem Cover. Es löste in meinem Kopf eine hitzige Debatte mit mir selbst hinsichtlich einer FSK für Bücher aus. Zugegeben, ich habe mit Hardcore-Literatur keine Erfahrung, aber wenn die entsprechenden Bücher alle so sind wie dieses, möchte ich diesen Umstand keinesfalls ändern. Bäh. Würg. Ich habe mit Gewaltdarstellungen keine Schwierigkeiten, ich kann Horrorfilme (für die Kenner: Exploitation) bereits zum Frühstück sehen, doch dieses … nennen wir es mal neutral Werk, sprengt selbst meine Grenzen. Das Problem ist, dass „Schwarzes Blut“ Gewalt um der Gewalt willen abbildet und ansonsten grottenschlecht ist. Die Story ist fadenscheinig, absurd und völlig sinnentleert. Selbst wenn man akzeptiert, dass die Protagonistin Skye ihren Körper mit einer Art Dämon teilt, der einen gesunden Appetit für Menschenfleisch pflegt, ist das ganze Konstrukt rettungslos unrealistisch. Skyes Verwandlungen (jap, Plural) in den Anderen sind lächerliche HULK-Gedächtnis-Momente, samt schwellenden Muskeln und reißenden Klamotten. Es gibt eine Vielzahl aufgesetzter, unechter Charaktere, die in schöner Regelmäßigkeit abgeschlachtet werden, eine psychiatrische Abteilung aus der Hölle und einen undefinierbaren Brei aus Okkultismus, Korruption, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Drogenhandel. Es wird gefoltert, aufgeschlitzt, gewürgt, erschossen, zerstückelt, enthauptet, vergiftet, gefressen. Die extrem expliziten, voyeuristischen Beschreibungen sollen die Leser_innen schockieren, das ist die Quintessenz von „Schwarzes Blut“. Alle Elemente der Handlung dienen lediglich dazu, dieses Schlachtfest, diese Gewaltorgie irgendwie zu verbinden, komme was wolle. Max Wilde aka Roger Smith schmeißt einfach alles, was irgendwie gruselig, gefährlich und abartig ist, in einen großen Topf, stellt die Flamme auf Anschlag und rührt kräftig durch. Was dabei herauskommt, ist dieses Buch. Ich hangelte mich von Kapitel zu Kapitel, verlor immer mal wieder den Faden und konnte einfach nicht fassen, dass irgendein Verlag diesen Dreck überhaupt mit der Kneifzange anfassen würde. Nein, ich entschuldige mich nicht für das Wort „Dreck“, denn ein Manuskript, das dermaßen gewaltverherrlichend ist, verdient es nicht besser. Es ist eine Sache, scheußliche Darstellungen zu verwenden, um etwas zu vermitteln, irgendeine Botschaft, ein Motiv, eine Moral, eben IRGENDETWAS, aber wenn es dabei offenbar nur um eine perverse Freude an Blut, Folter, Mord und Tod geht, läuft meiner Meinung nach etwas falsch. Da drängt sich die Frage auf, nein, sie springt mir geradezu ins Gesicht, was es über den Autor aussagt, dass er so etwas schreibt.

 

Ihr mögt es blutig? Ihr mögt es brutal? Nur zu, ich urteile nicht über euch. Aber bitte, bitte, bitte lasst die Finger von „Schwarzes Blut“, die Begeisterung für grenzwertige Literatur in allen Ehren. Das Buch ist schlecht, so einfach ist das. Da kann es noch so explizit und farbenfroh sein oder eine spezielle Zielgruppe ansprechen, eine miese Geschichte bleibt eine miese Geschichte. Ich muss zugeben, dass ich von einem etablierten, preisgekrönten Krimi-Autor weit mehr erwartet hatte. Wenn er seine verdrehten Fantasien literarisch verarbeiten möchte, ist das für mich vollkommen in Ordnung, weil dieses Ventil zumindest harmlos ist, aber ein gewisser Qualitätsanspruch muss gestattet sein. In dieser Form taugt „Schwarzes Blut“ meiner Ansicht nach nur als Trinkspiel für Hartgesottene. Kippt man bei jedem Toten einen Kurzen, ist man am Ende der 320 Seiten garantiert ordentlich betrunken. Und vielleicht ein wenig traumatisiert.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/08/30/max-wilde-schwarzes-blut
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review 2017-08-15 11:07
Lieber der Teufel, den man kennt
Circus of the Damned - Laurell K. Hamilton

Die „Anita Blake“-Reihe ist der umfangreichste Mehrteiler, den ich kenne. Laurell K. Hamilton schreibt seit 24 Jahren daran. Im Schnitt erscheint jedes Jahr ein neuer Band. Mittlerweile besteht die Hauptreihe aus 25 Bänden, Nummer 26 befindet sich aktuell im Lektorat und soll 2018 erscheinen. Rechnet man die Kurzgeschichten hinzu, bewegen wir uns steil auf ein Gesamtwerk von 30 Bänden zu. Ich weiß ehrlich nicht, wie Hamilton das macht. Hat sie denn nie genug von Anita? Ich liebe Anita sehr, aber ich kann mir nicht vorstellen, mich ein Vierteljahrhundert lang ständig mit ihr zu beschäftigen. Glücklicherweise muss ich das auch nicht, sondern kann sie besuchen, wann immer mir danach ist.

 

Eine blutleere Leiche im Morgengrauen zu untersuchen, gehört nicht gerade zu Anita Blakes bevorzugten Arten, einen neuen Tag zu beginnen. Die Bissspuren am Körper des Toten deuten darauf hin, dass dieser das Opfer von fünf Vampiren wurde: ein Meister und seine Gefolgschaft. Hält sich ein neuer Meister in St. Louis auf, weiß der Meister der Stadt darüber Bescheid. Anita muss mit Jean-Claude sprechen, obwohl sie sich lieber den rechten Arm abhacken würde, als ihn aufzusuchen, seit sie von seinem Plan weiß, sie zu seiner menschlichen Dienerin zu machen. Sie ist die einzige, die Informationen aus ihm herauskitzeln kann, um weitere Morde zu verhindern. Keinesfalls darf er den Gewissenskonflikt bemerken, der in ihr tobt. Denn nur Stunden zuvor wurde sie bedrängt, Jean-Claudes Identität und Schlafplatz einer radikalen Anti-Vampir-Bewegung preiszugeben. Sie weigerte sich, doch die Zweifel nagen an ihr. Ohne Jean-Claude wäre sie frei. Kann sie es verantworten, ihn aus persönlichen Gründen ans Messer zu liefern?

 

Viele Leser_innen waren von „Circus of the Damned“ enttäuscht. Das wird deutlich, liest man die Rezensionen auf Goodreads. Ich kann die Kritik verstehen, bin allerdings anderer Meinung. Ich halte diesen dritten Band für extrem wichtig hinsichtlich der Etablierung und Ausarbeitung des Universums. Nachdem Laurell K. Hamilton im letzten Band „The Laughing Corpse“ einen Ausflug in Anitas Fachgebiet, die Totenerweckung, wagte, stehen in „Circus of the Damned“ nun wieder die Vampire im Vordergrund. Ein unbekannter Meister mordet sich munter durch St. Louis‘ Straßen. Die Blutspur, die er hinterlässt, ist eine direkte Beleidigung und Herausforderung für den Meister der Stadt. Es obliegt Jean-Claude, ihn zu stoppen und seine Position zu verteidigen. Laurell K. Hamilton nutzt das Eindringen des neuen Meisters in Jean-Claudes Revier demzufolge geschickt, um die Hierarchie und Strukturen der Vampirgemeinschaft zu verdeutlichen. An Anitas Seite lernen die Leser_innen, dass unter den Blutsaugern ein permanenter Machtkampf wütet und Jean-Claude noch ein vergleichsweise kleines Übel ist. Oh, es könnte viel, viel schlimmer sein. Leider ist er weder der älteste, noch der mächtigste Vampir, der unter dem Nachthimmel dahinschreitet, weshalb sein Status ständig in Frage gestellt wird. Er kann sich nur aus einem einzigen Grund an der Spitze halten: er ist ein verdammt cleverer Mistkerl. Er weiß, wie er sich vorteilhaft in Szene setzt, was die gewiefte, medienwirksame Vermarktung der Übernatürlichen in St. Louis beweist und wählt seine Allianzen sorgsam. Deshalb will er Anita als menschliche Dienerin. Natürlich verhält er sich unerträglich aufdringlich, bevormundend und besitzergreifend, aber ich muss zugeben, dass ich mich hin und wieder bei dem Gedanken erwischte, dass eine Verbindung zu ihm vielleicht nicht das Schlechteste für Anita wäre. Selbst sie erkennt die Verlockung dieses Angebots. Ihr Geplänkel ist meines Erachtens nach eher darin begründet als in der sexuellen Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrscht. Als menschliche Dienerin wäre sie sehr schwer zu töten und einem normalen Menschen in allen Belangen überlegen. Gar nicht so übel, muss man zum Beispiel gegen eine unsterbliche Lamia und ihren Meister, einen Millionen Jahre alten Vampir, antreten. Ich fand nicht, dass dieser unvorstellbar alte Vampir nicht beängstigend genug ist, was von einigen Leser_innen bemängelt wurde. Meiner Ansicht nach sind seine scheinbare Passivität und seine indirekten Manipulationen vollkommen plausibel. Er ist ein Puppenspieler, kein Frontsoldat und dadurch umso bedrohlicher.
Anita begegnet in „Circus of the Damned“ jedoch nicht nur neuen Bösewichten, sondern auch neuen Gefährten. Außer ihrem neuen Kollegen Larry, den sie mehr schlecht als recht ausbildet, trifft sie eine der wichtigsten Figuren der ganzen Reihe: Richard Zeeman. Ich hatte fast vergessen, was für ein interessanter, witziger, schlagfertiger und charmanter Mann Richard anfangs war. Es knisterte herrlich zwischen ihnen. Unglücklicherweise weiß ich, dass es so nicht bleiben wird. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

 

All die Kritikpunkte, die andere Leser_innen an „Circus of the Damned“ stören, empfinde ich als Stärken dieses dritten Bandes. Das Tauziehen zwischen Anita und Jean-Claude ist wichtig für die Entwicklung ihrer Beziehung und die Vorstellung eines Feindes, der so mächtig ist, dass er Anita zum Narren hält und nicht einmal mehr selbst in Erscheinung treten muss, um seine Pläne zu verwirklichen, hebt die Geschichte auf ein neues Level. Er ist älter, kultivierter und anpassungsfähiger, ein Vampir 2.0 und eine Vision dessen, was Jean-Claude eines Tages werden könnte. Ich finde das wahnsinnig aufregend und bewundere Laurell K. Hamilton für die weitsichtigen Perspektiven, die sie in „Circus of the Damned“ beleuchtet. Natürlich eröffnet mir der Reread andere Betrachtungsweisen und vielleicht weiß ich deshalb zu schätzen, was andere verteufeln. Woran auch immer es liegt, ich hatte viel Spaß mit diesem actionreichen, rasanten dritten Band und ich freue mich auf die Fortsetzung „The Lunatic Cafe“. Schließlich weiß ich, dass es jetzt erst so richtig interessant wird.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/08/15/laurell-k-hamilton-circus-of-the-damned
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