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review 2017-07-11 09:06
Stoff für die Leinwand
Artificial - Jadah McCoy

„Artificial“ von Jadah McCoy fand seinen Weg über den Newsletter des Verlages Curiosity Quills Press zu mir. Ich erhalte schon seit letztem Jahr regelmäßig Informationen über zur Verfügung stehende Rezensionsexemplare – seit mich „Don’t Eat the Glowing Bananas“ von David D. Hammons begeisterte. Meinem Gefühl nach konzentriert sich der Verlag auf ungewöhnliche, fantasievolle Geschichten, die immer ein bisschen abseits des sogenannten Mainstreams liegen. Ich hoffte, dass „Artificial“ ähnlich unkonventionell sein würde.

 

Der Planet Kepler ist eine Einöde, das beschämende Zeugnis des verheerenden Konflikts zwischen Menschen und Maschinen. Die Menschheit ist beinahe ausgerottet; zur Beute degradiert von den Cull – riesige, an Insekten erinnernde Prädatoren, das Ergebnis der genetischen Kriegsführung der Androiden, bevor diese spurlos verschwanden. Die Cull jagen Menschen. Sie fressen Menschen. In dieser feindseligen Welt kämpft die junge Syl ums Überleben. Als sie auf einem Streifzug entführt wird, bringt man sie an einen Ort, den es eigentlich gar nicht geben dürfte: ein Labor in einer Stadt voller Androide. Dort erfährt sie am eigenen Leib, dass die Roboter skrupellos mit Menschen experimentieren. Sie muss fliehen, aber wie sie soll sie aus einer Stadt entkommen, in der sie auffällt wie ein bunter Hund? Ihre einzige Hoffnung ist der Android Bastion, der zu einer Untergrundbewegung gehört, die Menschen über die Stadtgrenze schmuggelt. Ohne zu wissen, ob sie Bastion trauen kann, lässt sie sich auf ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel ein, während sie eine Frage quält: ist sie nach den Experimenten überhaupt noch ein Mensch?

 

Obwohl ich „Artificial“ von Jadah McCoy insgesamt nicht unbedingt als unkonventionell bezeichnen würde, enthält dieser Reihenauftakt einige interessante, ausgefallene Ideen. Die Ausgangssituation des Krieges zwischen Menschen und Maschinen ist zwar nicht neu, doch die Gründe für diesen Krieg empfand ich als angenehm originell. Als die Erde starb, beschloss die Menschheit, den Planeten Kepler zu besiedeln. Für die Reise dorthin erfanden sie Androiden, die über die Körper der vermutlich in Kryostase versetzten Menschen wachen sollten. Doch während des langen Fluges geschah etwas mit den Androiden: sie entwickelten Gefühle. Auf Kepler angekommen, hatten die Androiden ihren Zweck erfüllt und wurden durch Menschen ersetzt. Niemand erwartete, dass dieses Verhalten die Roboter verletzen oder erzürnen könnte. Ihre Ignoranz war verhängnisvoll – die Androiden begannen den Krieg, der Kepler in das Schlachtfeld verwandelte, das er heute, im Jahr 2256, noch immer ist. Sie erschufen die Cull erfolgreich als ultimative Waffe gegen ihre ehemaligen Herren. Diese Insektoiden sind wirklich zum Fürchten. Richtig gruselig. Die Vorstellung, von diesen Wesen gejagt zu werden, verursachte mir eine Gänsehaut. Jadah McCoy bebildert ihre Geschichte heftig und extrem; sie zeigt Situationen, die mir das Gefühl vermittelten, es mit einem literarischen Horrorfilm zu tun zu haben. Deshalb weigere ich mich, das Buch als Young Adult zu kategorisieren. McCoy will schockieren. Leider konnten die blutigen, brutalen Szenen nicht verschleiern, dass „Artificial“ gravierende Defizite aufweist. Meiner Ansicht nach ist das Worldbuilding des ersten Bandes der „Kepler Chronicles“ dermaßen lückenhaft, dass es sich auf die Handlung auswirkt. McCoys futuristisches Universum erschloss sich mir nicht, wodurch ich viele inhaltliche Entwicklungen nicht verstand. Gigantische Fragezeichen schwirrten durch meinen Kopf. Wieso wussten die Menschen nichts von New Elite, der Stadt der Androiden? In welcher Beziehung stehen die Androiden und die Cull heute? Warum experimentieren sie mit Menschen? Wie kann es sein, dass moderne Androide die Fähigkeit ihrer Vorfahren, Emotionen zu empfinden, verurteilen und sogar unter Strafe stellen? Wichtige Informationen fielen unbeachtet unter den Tisch; zu viel musste ich mir selbst zusammenreimen und konnte daher kein Vertrauen zur Autorin aufbauen. Wiederholt stolperte ich über ihre Inkonsequenz und war folglich nicht in der Lage, mich an den Figuren zu orientieren, trotz der wechselnden Ich-Perspektive der menschlichen Protagonistin Syl und des Androiden Bastion. Mit Bastion kam ich ganz gut zurecht, ich fand ihn liebenswürdig und nahbar, aber Syl… Furchtbar. Es ist keine Seltenheit, dass vermeintlich taffe Hauptdarstellerinnen gemein und übertrieben aggressiv dargestellt werden, doch Syl erreicht einen neuen, traurigen Tiefpunkt. So eine rotzig unsympathische „Heldin“ habe ich selten erlebt. Wie sie mit anderen Charakteren umspringt, ist ekelhaft. Keine Ahnung, wie Bastion es schafft, Syl zu mögen. Ich konnte es nicht und halte ihre seltsame Freundschaft für unmotiviert und künstlich erzwungen. Ich hätte das Miststück ihrem Schicksal überlassen.

 

„Artificial“ bietet hervorragenden Stoff für einen actionreichen SciFi-Horrorfilm. All die logischen, inhaltlichen und strukturellen Löcher würden auf der Leinwand vielleicht gar nicht groß auffallen, wenn Spezialeffekte davon ablenken, dass die Geschichte mäßig Sinn ergibt. Als Buch funktioniert sie für mich bedauerlicherweise nicht, weshalb ich die Reihe auch nicht weiterverfolgen werde. Ich vermute, dass Jadah McCoy ihre Inspiration für „Artificial“ durch Bilder erhielt, die vor ihrem inneren Auge auftauchten, nicht durch Handlungssequenzen, die sich in ihrem Geist abspulten. Wobei ich wirklich nicht in ihrer Haut stecken möchte, sollten diese gewalttätigen Bilder sie tatsächlich mental überfallen haben. Wer möchte schon sehen, wie jemandem in einer bizarren Operation bei Bewusstsein der komplette Torso aufgeschlitzt und auseinander geklappt wird oder einer jungen Frau bei lebendigem Leib die Beine von einem insektenartigen Monster weggefressen werden? Nein, danke, mein Hirn produziert schon von allein genug Material für schillernde Albträume.

 

Vielen Dank an den Verlag Curiosity Quills Press für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/11/jadah-mccoy-artificial
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review 2017-03-10 17:12
Roboter, Cyborgs und Bienen: 4 dystopische Kurzgeschichten


Das Clarkesworld Magazine ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, Autoreninterviews und anderen thematisch passenden Beiträgen. In der Ausgabe 125 treffen sich vier neue (neben zwei nachgedruckten) Geschichten verschiedener Autoren, zum Thema dystopische Zukunft.

AssassinsJack Skillingstead and Burt Courtier Bewertung: 4 von 5 Sterne
Sonia ist Programmiererin. Sie arbeitet für die Editoren, die Charaktere für die virtuelle Welt Labyrinthian erschaffen. Zuschauer besuchen diese Welt mithilfe ihrer besonderen Brillen und erleben dort Freundschaften und Beziehungen mit fiktiven Figuren. Doch seit die Editoren Sonias Lieblingscharakter »gestrichen« haben, ist sie nicht mehr dieselbe. In der Rolle ihres Avatars Simone The Slayer rächt sie sich an den Editoren, indem sie die beliebtesten Charaktere der virtuellen Welt ermordet.
Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Umgebung sind in dieser Geschichte fließend. Die Menschen stecken eine intensive Zuneigung in fiktive Figuren und manchmal werden sie so große Fans von ihnen, dass sie ihr Äußeres an diese Figuren in der realen Welt angleichen. Spannend ist dabei, dass die emotionalen Auswirkungen über den Tod einer virtuellen Figur, dennoch sehr real und schmerzlich für die Menschen ist, die einen geliebten »Menschen« verlieren.
Eine spannende und lesenswerte Geschichte, die ich als Buchwurm, der sich regelmäßig in fiktive Figuren verliebt oder ihren Tod beweint, mehr als nachempfinden kann.

Prosthetic DaughterNin Harris Bewertung: 2 von 5 Sterne
Mit Prosthetic Daughter hatte ich leider große Schwierigkeiten. Grob betrachtet geht es um Identitätsdiebstahl und zwar einen, der tatsächlich jegliche Erinnerungen an das eigene Ich stielt. Möglich ist es dadurch, dass alle Menschen Cyborgs sind und so eine Art Erinnerungschip im Gehirn haben. Erinnerungen sind also rein digital gespeichert und löscht jemand diese Erinnerung, weiß man absolut nichts mehr über sich, nicht einmal die Familie erinnert sich an einen. Soweit so gut. Was ich nicht verstanden habe ist der Einwurf von Zeitreise-Aufträgen, wobei nie wirklich in der Zeit gereist wird. Dafür springt aber die Handlung immer wieder an verschiedene Momente der Protagonistin, mal vor, mal zurück, aber dann doch in Erinnerungen, obwohl die Erinnerungen ausgelöscht sein sollten. Das ganze wirft mehr Fragen auf, als Antworten geboten werden. Was ist der ominöse Auftrag, der gelegentlich erwähnt wird? Was war nun die ausgebuffte Falle, in die die Identitätsdiebin offenbar munter hineingetappt ist? Was genau hat die Erwähnung von Zeitreisen in dieser Geschichte zu suchen? Ich hatte den Eindruck viele angefangene Ideen zu vor mir zu haben, die auf zu wenig Raum komprimiert werden mussten. Es war mir alles zu bruchstückhaft und es hätte nicht geschadet ein paar »glatte« Übergänge vom einen zum anderen Ereignis zu schaffen und hier und da auch mal eine Antwort zu geben. Schade, denn die Grundidee finde ich eigentlich recht spannend.

How Bees FlySimone Heller Bewertung: 5 von 5 Sterne
Als Fan der Autorin und von post-apokalyptischen Szenarien, hat mich How Bees Fly mit seiner etwas düsteren und dystopischen Stimmung gleich in ihren Bann gezogen. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der nicht menschlichen Salpe, die ihre von kleinauf angelernten Ängste und Vorurteile gegenüber der »Dämonen« auf die Probe gestellt sieht als sie zwei solcher Kreaturen begegnet. Selbst verletzt, wäre sie ein leichtes Opfer, doch die Dämonen sind anders als in den Geschichten und während sie Salpe pflegen, sieht die zu, wie liebevoll die beiden Dämonen auch miteinander umgehen. Salpe bekommt Zweifel an dem, was man ihr all die Jahre beigebracht hat.
Ich finde die Grundaussage dieser Geschichte gerade wieder brandaktuell, geht es doch darum über die eigenen festgefahrenen Ansichten hinauszublicken und nicht blind Parolen nachzubrüllen oder Feindbilder einfach nur hinzunehmen. In How Bees Fly werden wir daran erinnert, dass die Dinge aus der Nähe betrachtet oft anders sind als wir zu wissen glauben, und dass wir uns die angelernten Ängste und Feindbilder genau ansehen sollten, bevor wir ihnen blind vertrauen. Denn manchmal steckt hinter dem Vermeintlichen nichts weiter als Mythos und Aberglaube.
Als Bonus zu dieser unaufdringlich tiefgründigen Aussage gibt es auch noch verlorenes Wissen um technische Gimmicks, wie etwa Bienen, die ihre Energiezellen durch Sonnenlicht aufladen. Ein sprachgewandtes und emotional rührendes Stück SF das mir wirklich gut gefallen hat.

Rain ShipChi Hui Bewertung: 4 von 5 Sterne
In ferner Zukunft ist die Menschheit verschwunden. Stattdessen gibt es nun eine Rasse von intelligenten Ratten, welche die archäologischen Reliquien der Menschheit erforscht. Als ein riesiges Menschenschiff gefunden wird, dessen Technologie noch zu funktionieren scheint, ruft das Grabräuber und Archäologen auf den Pan. Im Handumdrehen entsteht eine tödliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien.
Bei dieser durchaus phantasievollen und temporeichen Story wurden etliche Fußnoten in den Anhang gepackt. Ich empfehle diese einmal vor der Lektüre von Rain Ship zu lesen. Es genügt vollkommen die Infos grob im Hinterkopf zu haben, da sich die Geschichte prima ohne ständiges Blättern zum Anhang verstehen lässt, das doch eher den Lesefluss stört. Insgesamt ein unterhaltsames und gewitztes Weltraumabenteuer mit einer etwas anderen Heldin.

Unterm Strich eine qualitativ hochwertige Sammlung von Kurzgeschichten, die für mich nur einen Ausreißer hatte.

Div. Autoren: Clarkesworld Issue 125
Verlag: clarkesworldmagazine.com, 2017
ISBN: 9781890464820
143 Seiten, TB
Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/c/clarkesworld-issue-125
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review 2017-03-04 17:39
Die Schöne und das Biest und Roboter!
Ensnared - Rita Stradling

»No need for a tow truck,« Alainn yelled. With another black cloud backfiring its farewell, her piece of scrap metal turned back onto the street.
– Chapter 1


Mit Ensnared begeben wir uns in die Welt einer neuen Märchen-Neuinterpretation, diesmal anhand der Geschichte von Die Schöne und das Biest! Dabei liefert das Buch mehr als man zunächst erwartet und verlegt die Handlung in eine nicht näher definierte Zukunft, in der künstliche Intelligenzen und Roboter zum Alltag gehören. Trotzdem wirkt die Szenerie nicht zu weit entfernt und trägt einen Hauch altmodischen Steampunks mit quietschenden Schrauben und tropfenden Ölkännchen in sich.

Die Schöne in Ensnared wird hier von Alainn verkörpert, der Tochter des etwas schusselig wirkenden Erfinders. Mit ihrem Charakter warm zu werden ist mir ein wenig schwer gefallen, da sie sich zu oft als Spielball benutzen lässt, obwohl sie eigentlich nicht auf den Kopf gefallen ist. Sie macht es ein wenig wett dadurch, dass sie einen knackigen Humor hat. Sowohl Alainns Vater als auch ihr Bruder Colby gehören dagegen zur Gattung »verrückter Professor«. Sie versinken so tief in ihren Forschungen, dass sie ihre Umwelt nicht recht zu bemerken scheinen und gerade zu Beginn kaltherzig und egoistisch wirken. Die häusliche Arbeit bleibt an Alainn hängen und die Fürsorge für ihren Vater führt schließlich dazu, dass sie sich freiwillig als Ersatz für den Roboter Rose in Lorccans Turm schicken lässt. Weder Vater noch Bruder protestieren in irgendeiner Form, dass Alainn für die Fehler ihres Vaters geradestehen will.

Neben den bereits bekannten Elementen der ursprünglichen Geschichte, fügt die Autorin Ensnared immer wieder auch eine bittere Note hinzu. Sie entfernt erfreulicherweise das oft kritisierte Stockholmsyndrom von „Belle“ und erzählt stattdessen die Geschichte zweier Menschen die jeder für sich, und letztlich beide gemeinsam, in ihrer jeweiligen Vergangenheit und Gegenwart gefangen sind. Die Figuren haben alle irgendeine Form von mentaler oder körperlicher Schädigung erlitten, viele von ihnen kämpfen seit Jahren gegen ihre Traumata an. Aus meiner Sicht hat es Lorccan, das Biest, am Schlimmsten erwischt. Rose 76GF hatte er in Auftrag gegeben, um zu lernen wie man mit Menschen spricht und umgeht, denn er hat sein Leben bisher ohne echten menschlichen Kontakt, zurückgezogen in seinem Turm, geführt. Die Gründe dafür habe ich als unglaublich traurig empfunden, weil sie oft weniger dramatisch gesehen werden als andere Dinge, aber sie zeugen von einem so tiefen und prägenden Vertrauensbruch, dass ich nicht umhin konnte einen gewissen Beschützerinstinkt zu empfinden. Überhaupt gibt es in Ensnared viele innovative Ideen und Änderungen an der Vorlage, es gibt aber auch Dinge die ich als moralisch richtig falsch empfinde. Die Beziehung zwischen Lorccan und Alainn ist gleichzeitig süß und traurig, an bestimmten Entwicklungsstufen aber auch einfach nur verwerflich, was Alainns Verhalten angeht.

Ich fand es teilweise schwierig zu glauben, dass man einen Menschen für einen Roboter halten kann. Auf die Distanz betrachtet vielleicht noch möglich, aber wie im Märchen entwickelt sich auch zwischen Lorccan und Alainn im Laufe der Zeit eine ebenso emotionale wie körperliche Nähe und da hatte ich dann meine Probleme. Man mag argumentieren, dass Lorccan keine Vergleichsmöglichkeit hat, da er außer seinen Eltern, nie einem Menschen tatsächlich real gegenüber gestanden hat. Trotzdem muss man sich etwas zwingen, ab einem gewissen Grad an Intimität, beide Augen zuzudrücken. Inhaltlich ist hier auch wieder eine kleine Warnung angebracht in Hinblick auf das Lesealter: es gibt recht blumig geschilderte Sexszenen, die zwar geschmackvoll umgesetzt sind, aber eben trotzdem nicht in Kinderhände gehören.

Da ich dieses Buch in einer noch unveröffentlichten Rezensionsfassung erhalten habe, hoffe ich, dass manche Mängel bis zum Release noch ausgemerzt werden. Denn es gibt stellenweise Längen die nicht sein müssten, Erzählperspektiven von Randfiguren die keinerlei Mehrwert haben und hier und da spröde Übergänge in der Handlung oder unzureichend geklärte Fragen. Es steckt aber so viel Potential in dieser Fassung, dass es trotzdem schon jetzt eine bewegende Geschichte mit unerwarteten Wendungen ist. Außerdem jagt einem diese ganze K.I. Sache einen Schauer über den Rücken, dass man die gruselige Wirkung schon wieder bewundern muss.

Fazit: Ensnared hat in der gegenwärtigen Fassung noch ein paar Defizite, trotzdem habe ich es in zwei Tagen weginhalieren müssen. Das Szenario macht Spaß und die nach und nach herausgeschälten Wahrheiten fügen diese Prise Kummer hinzu, die eine Geschichte bittersüß machen. Wer also Märchenneuerzählungen, Roboter und künstliche Intelligenzen mag, der wird mit Ensnared nichts falsch machen können und gelegentlich auch mal einen Lacher loslassen.

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/e/ensnared
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review 2015-08-18 10:19
Rachsüchtige künstliche Intelligenz
Ein Roboter namens Klunk (Science Fiction. Bastei Lübbe Taschenbücher) - Simon Haynes,Winfried Czech
„Wofür stehen all diese roten Lichter?“
 
Das kostbare Schiff auf’s Spiel setzen? Oh bitte! Das Ding ist ein fliegendes Wrack, das es überhaupt noch einen Hypersprung ausführen kann liegt wahrscheinlich einzig und allein an der Hoffnung seines Besitzers! Und vielleicht an der ein oder anderen mit Kaugummi geflickten Stelle in der Außenbordhülle! Ganz abgesehen davon, dass es so marode ist, dass einem sämtliche Knöpfe, Schalter, Hebel und Klinken beim benutzen in der Hand liegen bleiben! Was auch Klunk direkt zu Anfang erfährt! Während Hal nämlich noch mal eben ins Hafenamt tingelt bricht das Chaos aus, welches er unvermeidlich hinterlässt wo auch immer er auftaucht. Und dabei wollte der Co-Pilot Roboter nur kurz klar Schiff machen! Aber die 'schwarze Möwe' ist eben alles andere als in einem Zustand. Im Grunde sollte Hal seine Lieferung, sein Schiff und den Roboter am besten gleich auf dem nächsten Schrottplaneten entsorgen!

Aber dieser Typ hat einen Dickschädel! Das geht auf keine Muhkuu-Haut!
Ich hole dann mal Teil 1 nach. Denn Teil 2 dieser Serie: „Helden heulen nicht“ habe ich euch ja schon kredenzt. Das zweite Buch kam auch prima alleine zu Recht, so die Lektüre dieses Taschenbuches für mich jetzt eher wie ein Prequel wirkte. Wer aber in der richtigen Reihenfolge liest, wird das Gefühl wohl nicht haben. Wir erfahren, wie die beiden Protagonisten Freundschaft schliessen. Es gibt eine voll abgeschlossene Geschichte die man weiter führen kann, aber nicht muss. Ich bin dennoch dankbar, dass Haynes weiter gemacht hat. Denn es ist kurzweilig und lustig, aber oberflächig.



 „ Da ist (...) ein Fußabdruck auf meinem Handrücken!“

Kennt ihr den Film: „Renegate“ mit Terence Hill? Das biete ich zum Vergleich. Im Film tingelt der Protagonist mit seinem Auto nebst Anhänger durch die Gegend und wenn er knapp bei Kasse ist verkauft er seinen Gaul, der immer hinten mit drauf fährt. Der Film lebt dann von seiner Komik, die vor allem der Hauptdarsteller darbringt. Same here: Hal tingelt mit seinem Frachter durch die Gegend und ein Inkasso-Hai nebst Schläger-Roboter will ihm ans Leder. Also sieht er sich gezwungen irgendeinen Auftrag anzunehmen. Riskant genug, Hal weiß nämlich alles besser und reitet sich damit immer in Schwierigkeiten. Aber Fortuna meint es gut mit ihm und hilft ihm immer aus der Klemme, von den lebensbedrohlichsten Situationen bemerkt er nicht einmal etwas, weil seine Aufmerksamkeit sich in andere Richtungen verfährt. Er schustert sich Pläne zusammen und zur Not verkauft er eben Klunk für 1000 Kredite und wartet an der Ecke, bis XG-99 flieht und er ihn wieder einsammeln kann.

Wie schon in der anderen Rezi gelobt, gefällt mir die Tatsache gut, dass hier nichts liegen bleibt. Da werden Hinweise platziert zu Anfang, die später noch mal wichtig werden. Ich weiß nur nicht, was es mit dieser Obsession mit Kühen auf sich hat. Wie mir in letzter Zeit häufiger auffällt, scheinen Autoren Kapitelunterteilungen wie Abblendungen in Filmen zu verwenden. Ich fand es kürzlich noch eine furchtbare Abart, mitten in Gesprächen die Kapitelnummern und Zwischenüberschriften reinzuknallen. Hier aber wirkt es eben wie verglichen: Die Filmsequenz blendet Schwarz aus und setzt genau wieder dort ein. Wie ein Luftholen. Ich mag es nicht so in Büchern. Bei der Lektüre finde ich, sollten Kapitel nicht wieder mitten im Gespräch einsetzen. Wozu denn? Es ist doch eine fortlaufende Szene.



 „ weiß, blau, grün, rot
orange, lila, gelb, purpur
rot, grün, blau, weiß, purpur, purpur, rosa, grün, rot
orange, orange, orange, rosa, grün, rot, orange, gelb, blau, indigo, violett.“

Ansonsten gibt’s von meiner Seite nicht viel zu maulen. Das Buch ist unterhaltsam, die Charaktere sympathisch, jedoch stereotypisch. Besonders freut es mich, dass Roboter (und sämtliche andere K.I.s) besonders menschlich wirken. Klunk, Brutus, Clyde und Albion können sogar lächeln und verfügen über weitere charakteristische Eigenschaften und Möglichkeiten über Gestik und Mimik hinaus. Sie haben eine eigene Meinung und Sinn für Humor, allerdings können sie auch rachsüchtig sein. Ich hab’ mich gekringelt vor Lachen, wenn es darum ging, dass die Menschen hier ständig Streit mit den Robotern haben. Sei es der Inkasso-Typ, dessen Aufzug rum heult, er sei zu dick geworden und er hätte da grad nen SuperSonderAngebot des FitnessStudios für ihn; sei es der Auftraggeber dessen ‚Feuerzeug-Roboter‘ ihm den ausgestreckten Zeigefinger anzündet, statt der Zigarre; das ‚Nav-Com‘ was der Meinung ist Hal nach Strich und Faden verarschen zu müssen, aber zu Klunk direkt eine Art Flirt entwickelt - oder sei es eben Hal selbst… der sich mit einer Luftschleuse, dem Schuhverkäufer-Droiden oder dem Kellner-Droiden anlegt. Nachtragend diese Biester!

Über allem aber liegt die Beziehung Hal - Klunk. Von Anfang an ist Klunk der Schlauere, immerhin weiß er was er alles in seinen Schaltkreisen hat. Er kann voraus denken, planen, berechnen. Er rettet den Tag - mehrfach an einem. Wie das Cover schon zeigt, Hal macht nur Unsinn und Klunk hechtet immer hinterher. Aber scheinbar scheint Klunk das total zu gefallen! Es überrascht mich daher nicht, dass Hal wie vom Affen gebissen - Blutrauschmäßig jeden anfällt, der dem Roboter ans Metall will. Und Hal ist auch nicht so naiv, einzusehen, dass der Bot ihm den Allerwertesten gerettet hat! Auch wenn er das nicht offen zu gibt. Und während für diese Piraten, die ihm seine Fracht klauen wollen das Karma a bitch ist, überrollt Hal das Glück.


Fazit:
Ich fand’ Teil 2 besser, lustiger, abenteuerlicher. Ob das aber auch so wäre, wenn ich die korrekte Reihenfolge eingehalten hätte, weiß ich nicht. Ich hoffe, der Verlag übersetzt und veröffentlicht noch mehr Bände. Denn ausnahmsweise finde ich die Cover einfach mal toller als die Originale. Vom Titel her, muss ich den Kopf wiegen: „Helden heulen nicht“ ist ein absolut toller Titel! „Ein Roboter namens Klunk“ eher langweilig. Die Originale: „Hal Spacejock“ und „Hal Spacejock: Second Curse“ sind allerdings noch schlimmer!

Ganz ehrlich? Ich würd’ beide Teile all jenen empfehlen, die Science Fiction für ‚blöd‘ und ‚langweilig‘ und voller ‚Technik‘ halten. Die immer noch denken SF wäre ‚kompliziert‘ und man bräuchte dafür das Verständnis von Albert Einsteins Relativitätstheorie. Es ist wohl eher weniger etwas für eingefleischte SF-Fans die die große Space-Saga brauchen. Aber gerade für die kann ich nur sagen: Muss ja nich immer das volle Programm sein. Eine Romanze gibt es hier nicht - es sei denn ihr seid so wie ich und empfindet Freundschaft und Treue als Liebe par excellence. Hal ist ein Idiot und man muss ihn nicht mögen, nicht einmal als Leser. Und doch schafft es der Kerl, dass man ihm Augenrollend sein Glück gönnt. So einer wie er hat es vielleicht auf den ersten Blick nicht verdient, aber auf den zweiten will man einfach auch nicht, dass er das verliert was er hat - weil das echt zu gemein wär'! Weil man kann Hal ja viel vorwerfen, aber er ist kein böser Mensch - er mogelt sich nur so durch und lässt sich ungern Grenzen setzen.


Ein Fleischball- Urteil: "Yeee-hah!"
Source: lesekatzen.blogspot.de/2015/08/rezension-ein-roboter-namens-klunk.html
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text 2015-05-29 10:38
Unterm Strich...der Mai
Einmal Rupert und zurück (Hitchhiker's Guide to the Galaxy, #5) - Douglas Adams
Alle Roboter-Geschichten - Isaac Asimov,Wulf H. Bergner

Diesmal gibt's von mir eine vorgezogene Monatsrückschau, da ich in den nächsten Tagen wahrscheinlich nicht dazu kommen werde und sich an den gelesenen Büchern auch nichts ändern wird. Kurioserweise kann ich im Mai nur von zwei Büchern berichten, da ich das dritte, das ich Anfang des Monats gelesen habe, noch in die April-Rückschau gepackt habe, aber nun gut...

Einmal Rupert und zurück von Douglas Adams war der sehr enttäuschende Abschluss der Anhalter-Reihe und konnte mich irgendwie so gar nicht überzeugen. Ich werde jetzt mit Adams' zweiter Reihe 'Dirk Gently's hollistische Detektei' anfangen und sehen, ob diese Story wieder was rausreißen kann.

Lange beschäftigt hat mich außerdem Alle Roboter-Geschichten von Isaac Asimov, das mich von vorne bis hinten mitgerissen und absolut positiv überrascht hat. Eben weil es sich um Kurzgeschichten handelt, konnte man gut immer mal eine zwischendurch einschieben und hatte seine Freude.

So viel von mir. Ich wünsche Euch einen guten Start in den Juni.

Bis dahin,

Eure Laura

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