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review 2017-03-24 19:13
Nicht perfekt, aber unterhaltsam
The Northern Heart - Sasha L. Miller

The Northern Heart ist der zweite Teil einer klassischen Fantasyreihe. Elfen, Magie, ein Fluch und ein alter Konflikt treffen in einem mittelalterlich anmutenden Szenario aufeinander. Die zugrundeliegende Handlung ist einfach aufgebaut, bietet aber nette Unterhaltung. Vor allem die Dynamik zwischen Pearce und Emmerich ist es, die einen neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht.

 

Das Wichtigste vorweg: Ich hätte dem Buch gerne 4 Sterne gegeben, weil es eine durchaus solide und unterhaltsame Basis hat. Was es für mich aber dann letztlich doch etwas verdorben hat, waren die vielen textlichen Fehler. Wortwiederholungen, Satzwiederholungen, inhaltliche Wiederholungen. Sprachlich hätte man mit einem halbwegs ordentlichen Lektorat locker noch einen Stern herausholen können. Leider scheint der Verlag das generell nicht anzubieten, denn ähnliche Probleme habe ich auch schon bei anderen Büchern dieses Verlagsteams gefunden. Sehr schade.
Auch der Weltenbau kommt etwas kurz. Oft hatte ich das Gefühl, die gesamte Handlung spielt sich auf drei Quadratmetern ab, mit kurzen Ausflügen in ein anderes drei-Quadratmeter Zimmer.

 

Warum hat mir das Buch trotzdem gute Unterhaltung geboten? Weil es eine zwar einfache, aber auch leicht wegzulesende Geschichte ist mit einer süßen Romanze zwischen Pearce und Emmerich. Man erlebt The Northern Heart aus wechselnden Perspektiven der beiden Hauptcharaktere, was es einem als LeserIn ermöglicht in die Köpfe und jeweiligen Sorgen und Ängste der beiden Figuren vorzudringen. Dadurch lässt sich leichter nachvollziehen, wie es zu bestimmten Missverständnissen zwischen beiden kommt, weshalb sie diese oder jene Hemmung davor haben ein bestimmtes Thema mit dem anderen anzusprechen. Man ist also gewissermaßen in einer allwissenden Position als Leser, während die Figuren durch ihr Halbwissen lange im Dunkeln tappen. Man beobachtet, wie die beiden Männer unbewusst umeinander herumschleichen und lauert darauf, dass sie endlich die Wahrheit erkennen.


Man ahnt es also schon: Natürlich werden sich Emmerich und Pearce im Laufe des Romans kriegen, der Weg dahin ist aber mit einigen Hürden gepflastert, die auch ihrer eigenen Unsicherheit geschuldet sind. Ich für meinen Teil war neugierig auf den Moment, da es endlich Klick bei ihnen macht.

 

Interessant fand ich auch das Magiesystem. Ich habe es nicht vollständig verstanden, was auch damit zusammenhängen könnte, dass ich unbewusst zum zweiten Teil einer Buchreihe gegriffen habe. Vieles erschloss sich im Laufe des Textes dennoch und die Szenen, in denen Magie gewirkt wurde, fand ich sehr plastisch und lebendig. Da die Hauptfiguren des Vorgängerromans außerdem andere waren glaube ich nicht in der Hinsicht zu vieles verpasst zu haben. Der Neugier halber werde ich mir den ersten Teil aber auch noch zu Gemüte führen.

 

Was ich auf jeden Fall positiv fand ist die Tatsache, dass wir hier trotz mittelalterlichem Setting keine Vorurteile gegenüber Homosexualität finden. Pearces Vater geht sogar soweit, dass er seinem Sohn eine Scheinehe mit Emmerich aufdrücken will, weil das in der Öffentlichkeit verschiedene Probleme bezüglich Emmerichs Magiefähigkeit erklären würde – es ist normalerweise nur der Königsfamilie und ihren Ehepartnern möglich Magie auszuüben, da man dazu ein besonderes Artefakt braucht (Juwele die als Herzen bezeichnet werden).


Auch die wenigen, aber recht ausführlichen Sexszenen zwingen einem kein Augenrollen auf. Die gemeinsamen Momente machen einen liebevollen Eindruck. Der Konflikt zwischen Menschen und Elfen und Emmerichs Trancewanderungen sorgen aber ohnehin dafür, dass man nicht in einer schnulzigen Dauerschleife gefangen ist, sondern auch mal Gefangene macht oder wackelige Allianzen mit einer eigentlich verfeindeten Fraktion eingeht.

Kurzum: The Northern Heart ist keine wahnsinnig innovative Erzählung, aber sie hat all die essentiellen Bestandteile einer klassischen Fantasyqueste mit einer warmherzigen Romanze. Irgendwie schafft es das Buch – trotz seiner sparsamen Beschreibung von Äußerlichkeiten bei Welt und Figur – eine unterhaltsame Lesezeit zu bescheren. Auch wenn es äußerlich nicht perfekt ist, kann ich das Buch empfehlen.

Source: moyasbuchgewimmel.de/rezensionen/titel/n/the-northern-heart
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review 2016-10-14 10:12
Wann funkt es endlich?
Das blutige Land - Richard Schwartz

Havald, Engel des Soltar, der Wanderer, ist endlich wieder er selbst. Nach seiner Wiedererweckung sind seine Erinnerungen nun vollständig zurückgekehrt – und mit ihnen Havalds unkonventionelle Art und Weise, Probleme zu lösen. Während die Truppen des Nekromantenkaisers Illian weiterhin bedrohen und Askirs Militär nicht schnell genug aufgerüstet und ausgebildet werden kann, um gegen sie im Feld zu bestehen, reist Havald als einfacher Rekrut unerkannt in die Ostmark. Seit Jahrhunderten ist die Ostmark Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen mit den Barbaren, die immer wieder gegen die Bollwerke des Reiches anrennen. Warum, weiß niemand. Die Kämpfe bündeln Truppen und Ressourcen, die gerade jetzt dringend benötigt werden. Havald glaubt, dass der Schlüssel zur Befriedung der Ostmark im Verständnis der Motivation der Barbaren liegt. Die Stämme müssen geeint werden, um den Einfluss des Nekromantenkaisers auszuhebeln, der seinen schwarzen Schatten bereits auf das ungastliche Land wirft und mit süßen Versprechungen lockt. Hoffnung prophezeit die Legende eines uralten Artefakts: eine Krone, geschmiedet von Elfen, die ihrem Träger die Herrschaft über die Stämme verleihen soll. Doch die Krone wurde zerbrochen, die Bruchstücke in alle Winde zerstreut. Wird Havald die Stücke ausfindig machen und wieder zusammensetzen können, um der Ostmark den Frieden zu bringen, den sie seit Jahrhunderten verdient?

 

Bergfest! Die Hälfte von „Die Götterkriege“ ist geschafft. Drei Bände habe ich gelesen, drei liegen noch vor mir. Meiner Ansicht nach ist die Metapher der Bergbesteigung durchaus passend für diese Reihe, weil mich hinsichtlich der ersten drei Bände definitiv das Gefühl beschlich, bergauf gelesen zu haben. Die Haupthandlungslinie entwickelt sich so schwerfällig, dass die Lektüre an einen langgezogenen Anstieg erinnert. Ich hoffe sehr, dass ich den Zenit nun erreicht habe und es ab sofort nur noch rasant bergab geht, ausnahmsweise einmal im positiven Sinne. Die Handlung muss Fahrt aufnehmen und endlich richtig durchstarten. Eigentlich hatte ich erwartet, dass das bereits in „Das blutige Land“ der Fall wäre, doch unglücklicherweise wurde ich diesbezüglich enttäuscht. Obwohl ich unheimlich erleichtert war, dass Havald erneut als Ich-Erzähler agiert und ich mich mit seinen Schilderungen der Ereignisse deutlich wohler fühlte als mit der auktorialen Erzählperspektive der vorangegangenen Bände, entwickelt sich „Das blutige Land“ meinem Empfinden nach unfokussiert. Der Klappentext vermittelt, dass die Handlung ausschließlich in der Ostmark angesiedelt ist – ich freute mich darauf, dieses harte Land Seite an Seite mit Havald zu erkunden. Ihr könnt euch meine Überraschung vorstellen, als Havald die Ostmark nach nicht einmal der Hälfte des Buches wieder verlässt. Zugegeben, die Geschehnisse zwingen ihn dazu, aber einen schalen Beigeschmack hinterließ diese Wendung dennoch. Es fühlte sich an, als wäre Richard Schwartz nicht in der Lage, einen begonnenen Handlungsstrang gradlinig zu Ende zu führen, als ließe er sich permanent ablenken und neige dazu, sich zu verzetteln. Vielleicht tue ich ihm Unrecht, vielleicht kann ich das große Ganze noch nicht überblicken, doch im Moment habe ich den Eindruck, dass all die Nebenschauplätze (wie z.B. Illian) zu viel des Guten sind und Schwartz sich zu viel aufbürdete. Ich vermisse die Eleganz und Souveränität, die ich von anderen Autor_innen des Genres gewohnt bin. „Die Götterkriege“ wirken verworren und chaotisch, was unter anderem auch daran liegt, dass Schwartz offenbar Hemmungen hat, Figuren sterben zu lassen. Die Handlung quillt über vor Charakteren, die wiedererweckt wurden, tausende von Jahren alt sind oder totgeglaubt waren, letztendlich aber doch erneut auftauchen. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich zu einem schier undurchdringlichen Dickicht verschiedenster Einzelschicksale, in dem es schwierig ist, den Überblick zu behalten. Zahllose Anspielungen auf den ersten Zyklus „Das Geheimnis von Askir“ erschwerten diese Aufgabe zusätzlich, da diese selten konkret genug waren, um mein Gedächtnis zu stimulieren. Ich wünschte wirklich, Schwartz würde sich stärker auf die aktuellen Entwicklungen konzentrieren, statt sich in Hinweisen auf Vergangenes zu verlieren, denn gerade die Einführung der Barbaren bietet meiner Ansicht nach immenses Potential. Havald ist seit Jahrhunderten der erste, der versucht, die Stämme zu verstehen. Mir gefielen seine Toleranz und seine Bereitschaft, seine Meinung von diesem Volk zu revidieren. Er kämpft mutig gegen uralte Vorurteile, was ihn in meiner Achtung enorm steigen ließ. Ich gehe davon aus, dass die Barbaren im nächsten Band „Die Festung der Titanen“ eine bedeutende Rolle spielen werden und hoffe, dass Schwartz ihnen mehr Raum zugesteht und all die Irrungen und Wirrungen in Askir und Illian vielleicht einmal ruhen lässt. Ein wenig Fokus wäre zur Abwechslung nett.

 

Seit ich begonnen habe, „Die Götterkriege“ zu lesen, frage ich mich, ob „Das Geheimnis von Askir“ besser war oder ob mir bloß die Erfahrung fehlte, um Makel zu erkennen. In meiner Erinnerung sind die Bände des ersten Zyklus nahezu perfekt, „Die Götterkriege“ hingegen… Richard Schwartz kommt einfach nicht in die Gänge, er umkreist die Haupthandlungslinie, springt hierhin und dorthin und verlangt mir einiges an Geduld ab. Ich mag nicht mehr warten. Ich hatte mir viel von „Das blutige Land“ versprochen, freute mich diebisch auf Havald und hoffte so sehr, dass die Geschichte nun endlich ins Rollen käme, doch leider stockt und stottert sie weiterhin, sodass ich das Buch insgesamt lediglich als durchschnittlich empfand. Trotzdem werde ich nicht aufgeben. Ich werde versuchen, optimistisch zu bleiben und daran zu glauben, dass mein großer Moment mit „Die Götterkriege“ kommen wird. Irgendwann muss es ja mal funken, oder nicht?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/10/14/richard-schwartz-das-blutige-land
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review 2016-07-21 11:05
Humor mit der Brechstange
Die Anderen - Boris Koch

„Die Anderen“ von Boris Koch ist der Beweis dafür, dass ein gut gefülltes Bücherregal samt monströsem SuB meiner Ansicht nach ein Segen ist. Nachdem ich „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath gelesen hatte, musste ein leichte, lockere Lektüre her, die ich mir für jede meiner Challenges anrechnen konnte. Ich brauchte einen High Fantasy – Roman von einem deutschen Autor oder einer deutschen Autorin mit einem grünen Cover. Vier Anforderungspunkte sollten erfüllt sein. Mit meiner Privatbibliothek ist das kein Problem. „Die Anderen“ passte einfach perfekt, weshalb ich mich von etlichen negativen bzw. durchschnittlichen Rezensionen nicht einschüchtern ließ.

 

Das Orakel. Die Prophezeiung. Ein unbekanntes Volk, das die Welt bedroht und nur durch die Zusammenarbeit der vier Völker besiegt werden kann. Der Stoff, aus dem Helden gemacht sind!
Halt, halt, halt! Zusammenarbeit? Helden? Dass ich nicht lache! Zweckgemeinschaft egoistischer Chaoten trifft es eher. Zwei Elfen, die ihre Angebetete aus der Verbannung retten wollen, ein Trupp Orks, der sich bei der sadistischen Königin einzuschmeicheln versucht, ein Troll, der Medizin für den erkälteten Finstergeist des Berges sucht und zwei Zwerge, der eine auf der Suche nach seiner Herkunft, der andere auf einer obsessiven Mission zur Vernichtung aller Monos, gehen wohl kaum als Weltrettungskommando durch. Oder doch? Was als loser Verbund individueller Ziele begann, entwickelt sich schnell zu einer Gemeinschaft, die mit allen Wassern gewaschen ist. Sind sie bereit, es mit dem gefährlichsten Feind aufzunehmen, den die Welt je gesehen hat? Sind sie bereit für die Anderen?

 

Ich verstehe, warum sich die Begeisterung für „Die Anderen“ bei vielen Leser_innen in Grenzen hielt. Es ist stumpf, es ist reißerisch, es spielt auf billigste Art und Weise mit den Klischees des Fantasy – Genres. Es ist ganz und gar überflüssig, sinnlos und grundsätzlich Zeitverschwendung. Es gelesen zu haben, hat mich in meinem Leben weder vorangebracht, noch hat es selbiges nachhaltig beeinflusst. Aber wisst ihr was? Ich habe trotzdem gelacht. Und wie ich gelacht habe. Man will es kaum glauben, doch manchmal lese ich wirklich ausschließlich zum Spaß. Berücksichtigt man meine Ausgangssituation, hätte ich mir keine passendere Lektüre zum Durchatmen wünschen können. „Die Anderen“ ist ein Buch zum Abschalten, eine Parodie voller Anspielungen auf die großen Werke der Fantasy. „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Die Orks“, „Die Zwerge“ – sie alle werden mächtig durch den Kakao gezogen. Boris Koch macht noch nicht einmal vor dem verstorbenen Sir Terry Pratchett Halt und bedient sich seiner Vorliebe für ausschweifende Fußnoten, um klugscheißerische Kommentare zu seinem eigenen Manuskript abzugeben. Es gibt Werbeunterbrechungen, Kanalwechsel und Illustrationen. In einer Szene wird aus dem Prosatext plötzlich ein Comic, was sogar den Figuren auffällt. Da fragt man sich, wie Koch neben all den Ablenkungen überhaupt eine zusammenhängende Geschichte erzählen kann, oder? Nun, genau das ist der Punkt: die Handlung von „Die Anderen“ spielt keine Rolle. Es ist völlig unwichtig, was in dem Buch geschieht, weil es lediglich darum geht, eine typische High Fantasy – Geschichte möglichst absurd zu parodieren. Vor diesem Hintergrund finde ich „Die Anderen“ äußerst gelungen. Objektiv betrachtet enthält das Buch alle traditionellen Elemente, von der Quest über die Heldengruppe bis hin zur Legende eines alten Relikts, das in sich die Macht zur Rettung der Welt trägt. Aber was Koch daraus macht, ist ganz und gar untypisch. Er verdreht die üblichen Handlungsstrukturen, bis sie kaum wiederzuerkennen sind, lässt seine Figuren beispielsweise versehentlich in die Realität (Mallorca oder die Ostsee) stolpern und stellt die unumgängliche finale Schlacht als surreale Prügelei dar, in der Verluste mit einem Schulterzucken abgetan werden. Man erfährt nie, in welcher Welt man sich eigentlich befindet und kann über die absichtlich klischeehaften Figuren nur den Kopf schütteln. Fragwürdige Slapstick-Einlagen unterstreichen die gewollte Komik der Szenen, sodass sich eine Atmosphäre der Unberechenbarkeit entwickelt, weil man nie weiß, wann Boris Koch das nächste Mal jemanden eine Treppe herunterfallen, auf einer Banane ausrutschen oder auf eine Harke treten lässt. Diese Art von Humor gefällt nicht allen Leser_innen, aber mir kam der Stumpfsinn des Ganzen sehr entgegen. Ich habe mich köstlich amüsiert, weil „Die Anderen“ wirklich keinen Funken Ernsthaftigkeit enthält. Ich lese so oft ernste, strenge, komplexe, bedeutsame und/oder eindringliche Literatur, dass mir ein Ausflug in die Banalität einfach guttat. Es tat gut, über all das, was ich sonst ehrfürchtig bestaune, aus voller Kehle zu lachen und sich darüber lustig zu machen. Dieser Roman hat mir genau das geboten, was ich in diesem Moment gebraucht habe.

 

Bei der Lektüre von „Die Anderen“ sind der Zeitpunkt und das Erwartungsmanagement immens wichtig. Kann man von Boris Koch erwarten, dass er seine Leser_innen zum Lachen bringt? Definitiv. Kann man von ihm feinsinnigen, subtilen, intelligenten Humor erwarten? Himmel, nein. Humor mit der Brechstange, das ist sein Metier. Deswegen ist es essenziell, dass man in der richtigen Stimmung ist, wenn man dieses Buch zu lesen beabsichtigt. Sicherlich hilft auch eine Vorliebe für flache, doofe Witze und für das Spiel mit Stereotypen. Meiner Ansicht nach muss man nicht unbedingt ein Fan der Fantasy sein, um sich von „Die Anderen“ unterhalten zu fühlen, aber es ist garantiert von Vorteil, weil sonst all die Anspielungen auf andere Werke unbeachtet verpuffen und die Absicht hinter diesem Roman verloren geht. Für mich war das Buch mentaler Urlaub, eine Erholung von allem Bedeutungsvollen und eine Gelegenheit, intellektuell endlich mal wieder alle Viere gerade sein zu lassen. Was könnte dafür besser geeignet sein als hochkarätiger Schwachfug?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/07/21/boris-b-b-b-koch-die-anderen
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review 2016-06-02 11:56
Sie Sturmfalken von Olbian
Die Sturmfalken von Olbian - Amber Leann Porter

Story:
Als Sidhe Metra (Zwitterwesen) ist Jaweds Leben auf Kronnor nicht leicht – als Mädchenjunge verspottet, mag er zwar der illegitime Sohn des Magoden sein, hat aber nur Kaylin, die zu ihm steht und ihn vor den Angriffen Gleichaltriger beschützt. Sein Leben nimmt eine rasante Wendung, als der Kämpfer Caron von Olbian ihn seinen Schwestern vorzieht und mit ihm eine eheähnliche Bindung eingeht. Jawed hat anschließend gar keine andere Wahl, als Caron nach Sanka zu begleiten – der Hauptstadt der Sidhe, wo die Sankanischen Spiele stattfinden, an denen sein Ehemann teilnehmen will. Auch Kaylin findet (als Junge verkleidet) ihren Weg in die Goldene Stadt, kommt dort jedoch bei dem Norrlänischen Kämpfer Thore unter, der sie als Knappen anstellt.

 

Während Jawed seinen Mann besser kennenlernt und sich recht schnell in den wortkargen Mann verliebt, entdeckt er, dass Sidhe Metra keine Seltenheit sind und nicht überall verfolgt werden. Allerdings werden die Tage vor den großen Wettkämpfen durch eine grausame Mordreihe getrübt, der fremdländische Teilnehmer der Sankanischen Spiele zum Opfer fallen und die schon bald Jawed, Kaylin und ihre neuen Gefährten in Atem halten …

 

Eigene Meinung:
„Die Sturmfalken von Olbian“ ist der erste Band einer längeren Fantasy-Reihe, die aus der Feder Leann Porters stammt. Bereits in ihrem Debüt „Die Rache des Sidhe“ entführt die Autorin in die Fantasywelt Danu, mit dem vorliegenden Buch wagt sie sich jedoch in ein anderes Land. Zudem wagt sie sich mit Jawed an einen intersexuellen Charakter, da er sowohl weibliche, als auch männliche Geschlechtsmerkmale hat.

 

Inhaltlich wartet Leann Porter mit einer sehr farbenprächtigen, gut durchdachten und sehr komplexen Fantasywelt auf, in die man schnell Eintauchen kann. Wer ihr Debüt bereits kennt, weiß um die Halbsidhe, die in den meisten Ländern aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten gejagt und versklavt werden. Auch Jawed, der heilen kann, und Kaylin, die auf Tiere einwirken kann, wachsen als unfreie Halbsidhe in Kronnor auf, wenngleich Jawed als Sohn des Magoden ein paar wenige Freiheiten genießt. Erst das Auftauchen der Olbianer markiert den Anfang größerer Abenteuer, da beide ihre Heimat verlassen, um in Sanka ihr Glück zu finden. Die Goldene Stadt ist ebenfalls sehr lebendig und gut nachvollziehbar gestaltet – die unterschiedlichen Viertel, die Bewohner und das politische System im Hintergrund. Leann Porter gelingt es, die Stadt greifbar zu machen und man hat mehr als einmal das Gefühl mit Kaylin durch die Straßen zu streifen.

 

Die Mordreihe, die ab der zweiten Hälfte zunehmen Raum einnimmt, sorgt für Spannung, kommt aber insgesamt ein wenig zu kurz. Gerade Gespräche und Überlegungen über die Vorfälle werden oftmals rückblickend oder zusammenfassend erzählt, was schade ist – es wäre schöner gewesen, wenn dieser Punkt stärker ausgearbeitet worden wäre. Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf Jaweds Gefühle für Caron und deren Beziehung, die zu Beginn durch Missverständnisse geprägt ist. Dementsprechend lange dauert es, bis sich die beiden zusammenraufen. Wesentlich spannender und interessanter ist es jedoch Kaylin und Thore zu begleiten, die zunächst Freunde und später ein Paar werden. Es macht einfach Spaß die beiden Dickköpfe zu begleiten und an ihrer Seite die Stadt zu entdecken.

 

Ein großer Pluspunkt sind die toll ausgearbeiteten Charaktere – der sanfte, sehr schüchterne Jawed, der im Laufe der Geschichte Selbstvertrauen gewinnt und lernt seine Natur als Sidhe Metra zu akzeptieren. Seine Partner Caron ist ebenfalls sympathisch, wenngleich ruhiger und ernster, was an den Geheimnissen liegt, die er vor Jawed verbirgt. Die freche, selbstbewusste Kaylin kann ebenfalls durch ihre Stärke und ihr offenes Naturell überzeugen, ebenso der offenherzige, lockere Thore, der mit fast der ganzen Stadt befreundet ist und Wein, Weib und Gesang liebt.
Auch die Nebenfiguren sind sehr authentisch und bleiben dem Leser im Gedächtnis: Gared, der Lehrmeister von Jawed und Kaylin, Moran Al’Thane – Anführer der Wache und Hauptmann bei den Mordermittlungen, die übrigen Sidhe Metra, die Jawed im Laufe der Zeit kennenlernt. Sie geben den passenden Rahmen, wenngleich es fast zum Ende hin ein wenig zu viele Sidhe Metra gibt, die mit ihren Männern in Sanka sind. Da vermisst man fast ein wenig schwule, lesbische und heterosexuelle Pärchen, denn davon lernt man im Grunde keine kennen.

 

Stilistisch bewegt sich Leann Porter auf gewohnt hohem Niveau. Gerade die Beschreibungen der Goldenen Stadt und der einzelnen Stadtviertel ist wirklich toll – man kann sich Sanka beinah bildlich vorstellen. Auch die Figuren werden natürlich beschrieben und sind sehr gut nachvollziehbar. Das betrifft sowohl die Dialoge untereinander, als auch die einzelnen Aktionen und Reaktionen, und natürlich die erotischen Szenen. Letztere haben genau die richtige Länge – sind nicht zu lang, aber dennoch sehr gefühlvoll beschrieben. Zudem scheut sich die Autorin nicht auch Hetero-Erotik zu beschreiben, was in einem Gay Fantasy eher selten der Fall ist (wobei ich „Die Sturmfalken von Olbian“ nicht einmal als Gay Fantasy bezeichnen würde, da im Grunde kein wirklich schwules Paar vorkommt. Vielmehr handelt es sich bei dem Roman um einen queeren Fantasy, der mehr zu bieten hat als die üblichen stereotypen Geschlechterrollen).

 

Fazit:
„Die Sturmfalken von Olbian“ ist ein gelungener, gut geschriebener Fantasy, der mit ungewöhnlichen Charakteren und einer spannenden Handlung aufwartet. Ein wenig mehr hätte sich Leann Porter zwar auf den Kriminalfall konzentrieren können, anstatt auf die Beziehungsprobleme der Charaktere, doch das stört nicht, da man Jawed, Kaylin und ihre Freunde gerne begleitet und Spaß daran hat die Entwicklung der Helden zu erleben. Wer ungewöhnliche Fantasy mag und kein Problem mit queeren Figuren hat, sollte sich „Die Sturmfalken von Olbian“ nicht entgehen lassen. Zu empfehlen.

Source: www.like-a-dream.de
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review 2016-05-31 11:19
Elfenprinz - Verrat
Elfenprinz: Verrat - Fantasy Romance (Elfenprinz-Reihe 2) - Ray van Black

Story:
Der Elf Elyon hat nahezu sein ganzes Leben in einem Turm verbracht und von der Welt außerhalb seines Zimmers geträumt. Als eines Nachts ein Fremder auftaucht und ihn kurz darauf mit einigen Männern aus der Einsamkeit befreit, kann Elyon sein Glück kaum fassen. Delavar schenkt ihm nicht nur die Freiheit und zeigt ihm die Stadt, er lässt sich auf den naiven Elyon ein, beantwortet dessen Fragen und beschützt ihn vor den Gefahren, die überall lauern. Schon bald empfindet der junge Elf mehr für seinen Retter, ohne zu ahnen, das Delavar seine eigenen Pläne verfolgt …

 

Eigene Meinung:

„Verrat“ ist der zweite Band der „Elfenprinz“-Reihe von Ray van Black. Die Bücher erscheinen im Eigenverlag und können unabhängig voneinander gelesen werden, da in jedem Buch ein anderer Prinz im Mittelpunkt steht. Lediglich als Nebenfiguren können die Charaktere anderer Romane in Erscheinung treten.

 

Aus diesem Grund fällt der Einstieg ein wenig schwer, denn wer darauf gehofft hat, dass die Geschichte von Telyrs und Nathraen fortgeführt wird, wird enttäuscht – Ray van Black konzentriert sich auf ein gänzlich anderes Pärchen. Leider kommt man als Leser wesentlich schlechter in die Handlung, als es in „Verführung“ der Fall war. Das liegt zum einen an der recht seltsamen Grundidee, zum anderen an den vielen Logiklücken, die sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte ziehen. Da kann Elyon plötzlich ohne Probleme den Schutzschild des Zimmers durchdringen (obwohl das davor nur zu einer bestimmten Zeit möglich war) und der Fliehende wird von den Wachen sofort als Prinz identifiziert, obwohl er doch vor Jahrzehnten als tot erklärt wurde. Auch sonst war die Geschichte dieses Mal sehr inkonsistent, die Intrigen nur schwer nachvollziehbar und die Charaktere unheimlich kindisch und naiv. Gerade Elyons Naivität war mit der Zeit wirklich nervend, zumal er Dinge tut, die absolut idiotisch sind. Mal will er unbedingt auf ein Schiff, weil er noch nie dort war und Delavar fast schon bedrängt, dann setzt er absichtlich die Bibliothek in Brand, weil er seine Kräfte ausprobieren will und hofft sogar auf ein Lob von Delevar! Spätestens da konnte man den Helden nicht mehr ernst nehmen – Naivität schön und gut, aber Elyon wurde extrem kindisch und nervend dargestellt. Dementsprechend befremdlich waren die Erotikszenen, da man Elyon nicht als Erwachsenen sieht, sondern als 10 bis 12-jährigen Jungen.

 

Auch Delevar war in sich völlig unlogisch aufgebaut. Einerseits Weiberheld und durch und durch heterosexuell, dennoch schläft er mit Elyon, weil … warum wird leider nicht so ganz klar. Auch sonst hat einen extrem sprunghaften Charakter – man weiß nicht auf welcher Seite er steht, allerdings ist dieser Punkt nicht mysteriös oder spannend, sondern mitunter recht enervierend. Das liegt auch daran, das er extrem schnell seine Meinung ändert und man seinen Stimmungsumschwung fast nicht mehr nachvollziehen kann.

 

Auch sonst gibt es unheimlich viele Füllszenen, die nichts mit der Geschichte zu tun haben – unsinnige Aktionen in der Stadt, unglaubwürdige Reaktionen seitens Delevar und eine Menge Szenen, in denen sich die Figuren näherkommen sollen, obwohl sie eigentlich nicht zueinander passen. Es wird mehrfach deutlich, dass Delevar keinerlei Interesse an Männern hat, Elyon dementsprechend harsch zurückweist und versucht sich von ihm fernzuhalten. Elyon klammert sich jedoch wie ein verzogenes Kind an seinen Retter, was mit der Zeit immer schwerer nachzuvollziehen ist. Leider trifft das auf die meisten Szenen des Buches zu.

 

Stilistisch ist „Elfenprinz – Verrat“ in Ordnung – Ray van Black hat einen flüssigen Stil, der durch schöne Beschreibungen besticht. Leider fehlen trotz allem die wirklich bildhafte Darstellung der Stadt, das Miterleben der Abenteuer, in die Elyon stolpert und das flirrende Leben der Elfen. Einzig die Beschreibungen rund um den Palast der Sonnenelfen waren sehr stimmungsvoll, auch wenn sich hier mitunter die meisten Logiklücken tummelten.
Auch die Dialoge konnten dieses Mal nicht überzeugen – zu kindisch war Elyon dargestellt, zu wechselhaft Delevar. Die Gespräche zwischen ihnen waren nur schwer nachvollziehbar, was dafür gesorgt hat, dass sich das Buch ungemein in die Länge zog.

 

Fazit:
Leider markiert „Verrat“ einen Tiefpunkt der „Elfenprinz“-Reihe. Ray van Black kann leider nicht an die solide Geschichte des ersten Bandes anknüpfen, was an den unglaubwürdigen Charakteren, den vielen Logiklücken und dem unrealistischen Handlungsbogen liegt. Schade – es wäre besser gewesen, den ersten band fortzusetzen, anstatt mit Elyon und Delevar ein neues Pärchen einzuführen. Leider nicht zu empfehlen.

Source: www.like-a-dream.de
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