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review 2017-09-11 17:56
Rezension | Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Roman - Lydia Rode,Walter Moers
Diese Rezension ist lang. Und nicht positiv. (Ja, nur ein Stern.) Sie enthält Hinweise auf die Handlung. Wer das Buch völlig blind lesen will, sollte nach der Lektüre diese Rezension lesen. 
 
Das Buch las ich in einem Rutsch durch, allerdings nicht, weil es so toll war, sondern weil ich wusste: Wenn ich jetzt aufhöre, dann lese ich es niemals fertig. 
 
Schauen wir uns die Katastrophe Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr mal genau an:
 
Wenn man dieses Buch und diese Rezension verstehen möchte, ist es wichtig, den Hintergrund zu kennen:
 
Walter Moers kam in Kontakt mit einer jungen Frau aus Berlin namens Lydia Rhode. Sie leidet an der Krankheit CES (Chronische Erschöpfungssyndrom) oder Chronisches Müdigkeitssyndrom (englisch: chronic fatigue Syndrome (CFS)), auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME). (Danke Wikipedia!) Ich werde nicht zu viel dazu erklären, doch es lohnt sich, danach zu googeln. Dies ist eine Krankheit, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünscht. Symptome sind unter anderem: Ständige völlige Erschöpfung, Schmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit. Moers entschied mit Lydia Rhode zusammen zu arbeiten. Er verfasst den Text, sie würde die Illustrationen übernehmen. Das Ganze war ursprünglich als Kurzgeschichte geplant und hier liegt das größte Problem:
 
Als Kurzgeschichte in Form einer Zusammenarbeit zwischen Walter Moers und Lydia Rhode hätte die Geschichte wunderbar funktioniert. Moers Art mit Worten zu spielen, seine Ideen und Vorstellungskraft sind bestens dazu geeignet sich einem Thema wie CES zu nähern. Lydia Rhode, die an dieser Krankheit leidet, kann durch ihn andere Menschen an ihrem Schicksal teilhaben lassen und sich selbst durch ihre Illustrationen Gehör verschaffen. Als Kurzgeschichte, die auf CES Aufmerksam machen will, wäre diese Idee genial gewesen.
 
Also was läuft falsch?
 
Für mich gibt es zwei große Punkte, an denen alles hängt. 
 
 
1. Die Handlung trägt keinen Roman.
 
 
Das Problem zeigt sich bereits in den ersten Kapiteln. Wir lernen Dylia kennen, die an etwas leidet, dass alle nur „die Krankheit“ nennen. Dazu gehört eine extreme Form von Schlaflosigkeit, die Dylia dazu bringt Nacht für Nacht durch ihr Schloss zu tapern und sich irgendwie zu beschäftigen. Unter anderem rezitiert sie die Namen ihrer liebsten Mondkrater in alphabetischer Reihenfolge. (Das nimmt fast eine ganze Seite in Anspruch.) Ein weiterer Zeitvertreib ist das Sammeln von „Pfauenwörter.“ Dies sind ungewöhnliche Wörter aus allen möglichen Sprachen, die schwer in alltägliche Sätze einzufügen sind, weswegen sich Dylia jeden Tag eine Liste mit solchen Wörtern erstellt mit der Aufgabe bis zum Ende des Tages jedes Wort mindestens einmal zu benutzen. Es folgen ein paar Gedanken zu ihrem Zustand und, in fiktiver Form, zu ihrer Krankheit, welche, wie der Leser weiß, CFS ist.
 
Manche der Ideen sind clever und liebenswert. Die Pfauenwörter sind interessant und die späteren Versuche sie einzubauen sind amüsant. Ungefähr die ersten zwei Male. (Es gibt 12 davon, und manche werden mehrfach genutzt...) Dylia stellt sich ihre Symptome, wie zum Beispiel Übelkeit und Schmerzen als Besuche von ungeliebten Verwandten vor, die man gerne loswerden möchte, aber man muss sie eben erdulden. Immerhin ist es die Verwandtschaft und man mag nicht unhöflich sein. Es ist ein warmherziger Humor, aber auch eine große Stärke in diesem Bild; es zeigt die Geduld, mit der jemand, der eine solch lähmende Krankheit hat, mit seinen Symptomen umgeht. Moers Ideen funktionieren an dieser Stelle perfekt, so, wie man es von ihm gewohnt ist. Aber das ist leider nur ein kleiner Teil der ersten Seiten.
 
Denn Dylia ist in ihrer Schlaflosigkeit und in ihrer Krankheit entweder gelangweilt oder von den Symptomen zu gelähmt, um etwas zu tun. Was passiert, wenn man einer Figur folgt, der permanent langweilig ist? Es ist langweilig! Jemandem dabei zuzusehen wie er sich langweilt ist langweilig. Bis derjenige sich interessante und witzige Dinge einfallen lässt, damit ihm nicht mehr langweilig ist. Aber das passiert hier nicht: Ja, Dylia lässt sich Dinge einfallen, aber eben Dinge wie die Auflistung von Mondkratern oder das Erfinden von irgendwelchen Dingen und Farben. Man merkt trotzdem eines: Dylia langweilt sich zu Tode, ergo sehe ich jemanden, der sich langweilt. 
 
Ich könnte hier schreiben, dass ich, wenn ich mich langweile, anfangen mir Hunderassen vorzustellen und mir für jede Rasse zu überlegen, welche Namen solche Hunde haben könnten. Das könnte eine nette Idee sein, heißt aber nicht, dass ich in allen Details jede einzelne existierende Hunderasse hier auflisten muss, zu jedem den Namen schreiben und dann noch die Erklärung dazu, warum es diesen Namen gibt. Spätestens nach zwanzig Hunden ist die nette Grundidee verpufft und man blättert weiter, um diese Liste nicht komplett lesen zu müssen.
 
Auch hat jemand, der durch schwere Krankheit ans Bett gefesselt ist, ohne Frage einen schweren Kampf auszufechten. Trotzdem ist es nicht sehr spannend jemanden stundenlang dabei zu beobachten, wie er im Bett liegt. Wenn man in einem Krankenhaus eine Kamera installiert, sieht man, dass der Mensch krank ist, sieht ihn vielleicht leiden, weiß, dass er eine Schlacht schlägt … aber trotzdem schaut sich niemand zwei Stunden lang eine Kameraaufzeichnung an, in der jemand einfach nur (krank) im Bett liegt und ab und zu Wörter oder Farben auflistet. 
 
Und das geht so für fast 60 Seiten. 60 Seiten, auf denen man im Prinzip eben nur jemandem dabei zusieht, wie er sich langweilt oder krank im Bett liegt. Da sind ein paar gute Einfälle, ja, aber die tragen keine 60 Seiten. 
 
Dann erscheint endlich der titelgebende Nachtmahr: Havarius Opal. 
 
Jetzt fängt die Geschichte an! Richtig? Richtig …? (Bitte! Bittebittebittebitte!) 
 
 
Ich wünschte ... 
 
 
Also: Havarius Opal, der Nachtmahr, stellt sich vor und erklärt Dylia, dass er nun ihr persönlicher Nachtmahr ist und sie nie mehr verlassen wird, bis sie sich umbringt. Was eine ziemlich düstere Ausgangssituation ist, die eigentlich eine Menge verspricht. (Ja, vergesst das. Das Potential erstickt schneller als die Würmer in 'Evolution'.) 
 
Dylia ist fest entschlossen ihrem Schicksal zu entgehen. Der Nachtmahr nimmt sie mit auf eine Reise zum dunklen Herz der Nacht, eine Reise, in ihr eigenes Gehirn. 
 
Warum suchen sie das dunkle Herz der Nacht? Ich habe keine Ahnung. Es muss irgend einen wichtigen Grund geben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. 
 
Opal und Dylia machen sich auf den Weg durch Dylias Gehirn. Diese Idee ist bei Walter Moers nichts Neues; er nutzte sie bereits in anderen seiner Geschichten. Dort sind es kurze Kapitel oder kurze Teile der Geschichte, da die Idee zwar interessant ist und etwas aus sich machen lässt, aber sie hat ihre Grenzen. Grenzen, die man hier nur all zu deutlich spürt. 
 
Es funktioniert nicht als Idee für einen ganzen Roman . Erstens weil die Idee für Moers Leser schon zu bekannt ist, zweitens, weil man dem Text deutlich anmerkt, dass die Ideen und Vergleiche an sich nicht genug hergeben.
 
Ich muss etwas korrigieren: Die Idee würde funktionieren, wenn es mehr Handlung gäbe. Die Handlung hier ist aber: Wir laufen durch. Jawohl. Das ist es. Wir laufen durchs Gehirn. Und Moers macht den größten Fehler, den er in meinen Augen machen konnte: Er fängt an seine Ideen und Bilder zu erklären. 
 
Solche Bilder funktionieren,  weil sie ein Bild durch ein anderes ersetzen. Man redet von etwas und meint eigentlich etwas anderes. Das Bild muss clever sein, damit jeder versteht, was eigentlich gemeint ist. Und wenn ein guter Autor, wie Moers eigentlich einer ist, damit arbeitet, dann schafft er es Bilder zu erfinden, die der Leser begreift. Doch weil dies nun einmal keine Kurzgeschichte ist, sondern ein Roman mit über 300 großformatigen Seiten, lässt er seine Bilder nicht für sich alleine sprechen: Er erklärt sie. Er erklärt jedes kleinste Detail. 
 
Die Figuren stoßen auf einen cleveren Einfall: Lieber Leser, lass mich dir genau erklären, was du hier siehst, wie mein Bild funktioniert und dann lass die Figuren noch ein paar Seiten lang darüber reden. 
 
Oh, die Protagonisten geraten in Gefahr? Nun, lass uns erst mal erklären, was hier nun genau passiert und dann lass die Figuren darüber reden. Wir bannen dann mal kurz die Gefahr, damit wir erklären können, wie genau die Gefahr gebannt wurde und damit die Figuren darüber reden können.
 
Diese Reise durch Dylias Gehirn ist so spannend wie eine Bedienungsanleitung. 
 
Das sind ein paar gute Ideen, wie zum Beispiel die Seitenhiebe auf Bürokratie und Beamten, aber es fühlt sich an, als läge man in einem wachkomaartigen Halbschlaf, und dann und wann piekst einer dich mit einer Nadel, was dich kurz aufschrecken lässt, nur um dich zurück in die Lethargie fallen zu lassen. 
 
Jeder Punkt in der Handlung, der auch nur einen Hauch von Spannung verspricht, wird komplett ruiniert durch die endlosen Erklärungen und das endlose Gelaber der Figuren. Jede Idee, jedes Wortspiel wird durchgekaut wie Kaugummi, lang gezogen, von allen Seiten betrachtet und noch mal durchgekaut. 
 
Zum Ende dieses Buches war ich nah dran einzuschlafen. Ich wollte dieses Buch so gerne zuschlagen und an die Wand pfeffern. Es war geradezu hypnotisierend einschläfernd. Ich war nicht mal mehr daran interessiert, wie die Geschichte ausgeht. Alles was ich wollte war, dass das Elend ein Ende hat! 
 
Das Ende übrigens, - abgesehen davon, dass sie das dunkle Herz der Nacht nur kurz ansehen und dann wieder gehen …. (*bitte frustrierten Schrei hier einsetzen*) - soll einen Twist beinhalten und wohl auch berührend sein. Glaube ich. Denn ich wollte nur noch, dass die Figuren endlich die Klappe halten. Es hat mich nicht mehr im Mindesten interessiert was mit den Figuren passiert. (Und die angebliche Liebesgeschichte, wie sie auf dem Umschlag angekündigt wird, erschließt sich mir nicht. Aber vermutlich war ich nach dem Lesen einfach vor Langeweile zu benebelt, um das zu kapieren. ) 
 
So viel zum Inhalt und zur Handlung. 
 
Aber das Schlimmste, das absolut Schlimmste an diesem ganzen Buch und der Hauptgrund Nummer 2 warum ich nach der Lektüre wirklich angepisst war. Nicht verärgert, sondern richtig sickig? 
 
 
2. Es ist kein Zamonien - Roman. 
 
 
Ich verstehe die grundlegende Idee und ich mag sie. Ehrlich. Walter Moers Einfallsreichtum, sein Gefühl für Bilder und Worte dazu zu nutzen um auf eine noch fast gänzlich unbekannte und bis dato unheilbare Krankheit aufmerksam zu machen ist eine großartige Sache. Jemand, der an etwas wie CES leidet eine Plattform zu bieten, Menschen wie Lydia Rhode eine Stimme zu geben; ihr einen Weg zu ermöglichen sich durch ihre Kunst zu zeigen und Gehör zu verschaffen, ist eine verdammt gute Sache. Am Geist dieser Idee gibt es nichts auszusetzen. 
 
Wäre die Geschichte als Kurzgeschichte veröffentlicht worden; als eigenständige Geschichte, indem Moers auf CES Aufmerksam macht, gäbe es daran nichts auszusetzen. 
 
Aber es wurde als neuer Zamonien-Roman beworben. 
 
Bis auf ein paar Erwähnungen von zamonischen Dingen am Rande hat das Buch nichts, aber auch gar nichts mit Zamonien zu tun. 
 
Ich hätte kein Problem damit gehabt eine von Walter Moers geschriebene Geschichte zu kaufen, in der er über CES schreibt. Ich hätte gern eine Geschichte gekauft, in der eine junge Frau, die an CES leidet, ihre Kunst und ihre Sicht auf die Welt mit mir teilt. 
 
Aber ich lasse mich nicht gerne hinters Licht führen. 
 
Schreibt drauf, was drin ist und versucht keine Bücher zu vermarkten, indem eine populäre Romanserie als Werbung genutzt wird, wenn das Buch im Endeffekt nichts mit dieser Serie zu tun hat. 
 
All die guten Hintergedanken, all die guten Vorsätze, all der löbliche Geist, der hinter der Idee steckt wird dadurch pervertiert. Diese Art von Verkaufsstrategie und Buchvermarktung regt mich auf. 
Ihr möchtet auf eine Krankheit Aufmerksam machen und einer jungen Frau eine Plattform geben? 
Okay, tut das. 
Aber versteckt das nicht hinter einem großen, werbewirksamen Namen. 
 
Kurz: Steht zu dem, was es ist und versucht nicht Leser unter Angaben falscher Tatsachen dazu zu tricksen das Buch zu kaufen.
 
 
 
 
 
 
Fazit:
 
 
Das ist Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Eine Kurzgeschichte, die schmerzvoll zum Roman aufgeblasen wurde. Figuren, die jede Spannungskurve zu Tode labern. Eine Handlung, dünn wie ein zu oft gekautes Kaugummi und ein Erzähltempo jenseits von Scheintod. KEIN Zamonienroman. 
 
 
Walter Moers ist bekannt dafür mit Worten zu spielen, dutzende Begriffe aneinander zu Reihen. Aber seine anderen Bücher haben eine Handlung. Sie sprühen nur so von Einfällen und Ideen, von Wendungen und cleveren Erfindungen, vor skurrilen Figuren, die, so kurz ihr Auftritt auch sein mag, alle liebenswerte oder interessante Charaktere sind. Hier gibt es nichts davon. Die selben Wortspiele, die selben Begriffe, der selbe Streit, der wohl als „Konflikt“ dienen soll, alles in einer endlosen Wiederholung, schlimmer als Fernsehen im Sommerloch. Bis auf zwei Figuren hat hier nichts einen nennenswerten Charakter, bis auf ein paar Ideen gibt es hier nichts, das zündet, nichts, dass fesselt. Es gibt keine Substanz, keinen Plot, der in der Lage ist das Buch zu tragen. Es gibt nichts außer ein Haufen aneinander gereihter Worte auf einem Fundament, dass so dünn und wacklig und löchrig ist, dass man nur einbrechen kann. Einbrechen und absaufen. 
 
 
Wenn die Geschichte auch versucht mich mit dem Namen „Walter Moers“ und „Zamonien“ zu blenden, ich sehe sie als das, was sie für mich ist: Ein großes, langweiliges, fade Aneinanderreihung aus Belanglosigkeiten. Wie ein Spaziergang, durch das Gehirn von jemandem, der sich zu Tode langweilt, und so schlimm CES ist, so sehr Lydia Rhode und all die anderen Menschen, die an so einer Krankheit leiden meinen Respekt und meine Hochachtung genießen: 
 
 
Dieses Buch ist so "spannend" wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Und die Vermarktung-Strategie ist ... eine Schande. 
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review 2017-09-11 14:56
Rezension | Joe Hill: Fireman
Fireman: Roman - Ronald Gutberlet,Joe Hill
Wer den Klappentext verfasst hat las den Titel und nicht das Buch. 
 
Was habe ich erwartet: 
Eine Geschichte über eine apokalyptische Krankheit und einen mysteriösen Fireman. Irgendwas mit einem coolen Endzeithelden, gespickt mit feinen Mystery- und Horror - Elementen. (Entschuldige, Joe Hill, aber ja, ich messe dich an Daddy.) 
 
Was habe ich bekommen:
Ja, was habe ich bekommen? Ein Endzeit-Dschungelcamp? Eine Gesellschaftsstudie am Rande einer Apokalypse? 
 
Man hätte es genau so gut „Marlborough -Mann“ nennen können und behaupten, eben jener wäre die größte Gefahr der Menschheit.  Ja, ein „Marlborough- Mann“ kommt vor und ja, er ist eine Gefahr. Zumindest für einen Teil der Menschheit. Damit wären wenigstens zwei Aussagen des Klappentextes als wahr erfüllt, denn es gibt tatsächlich einen „Fireman“ in diesem Roman, aber er ist nicht die letzte Rettung der Menschheit. 
 
Die Krankheit ist cool. „Dragonscale“, feine Muster, die auf deiner Haut erscheinen und dazu führen, dass du in Flammen aufgehst. Mit dem Menschen nach und nach die ganze Welt. Gut, dieKrankheit zu haben ist nicht so cool, aber die Idee ist gut.  Verschwendet, aber gut. 
 
Harper, die Protagonistin folgte ich sehr gern durch den Verlauf der Geschichte. Sie ist erfrischend normal, nicht perfekt, aber auch keine Damsel-in-Distress. 
 
Der Firmen war am Anfang als mystischer Retter interessant, wurde aber sehr schnell de-mystifiziert. Er ist nett. Also nicht im Sinne von „nett ist die kleine Schwester von…“, sondern nett. Mehr aber auch nicht. Er kommt nicht so oft vor und er macht auch nicht sonderlich viel. Aber er ist … nett. 
 
Die Romanze fand ich zu erzwungen und fehl am Platz. Sie tut nichts für die Geschichte und macht wenig Sinn. Lass die beiden sich mal verlieben, weil … Keks. Das ist eine „Thor“ - Romantik. Kennen sich ein paar Stunden und verlieben sich unsterblich weil es der Plot so will. Nein, nicht der Plot, der Autor. 
 
Joe Hill arbeitet mir epischer Vorausdeutung. Das erfüllt seinen Zweck, man möchte weiter lesen, aber es verrät auch viel. Zu viel Info zu früh nimmt Überraschung weg. Ich mag es lieber, wenn ich nach und nach herausfinde, wer die Antagonisten sind, als wenn ich vorweg mit der Nase darauf gestoßen werden. Ein oder zwei Wendepunkte der Geschichte lässt er offen, die größten, aber weniger vorweg greifender Erklärung hätte dem Buch gut getan. 
 
Längen gibt es. Der Mittelteil im Camp zieht sich hin, während das aktionsreichere Ende im Vergleich recht kurz ausfällt. Ich wünschte mir mehr und früher Aktion und weniger Aufbau. Die Etablierung des großen Personals braucht Zeit, ja, aber Joe Hill sollte auf sein Talent vertrauen viele Figuren differenziert darzustellen. Das kann er nämlich. Hat gut von Daddy gelernt.
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review 2017-06-19 13:19
Tiefgreifendes Thema in einer sehr einfühlsamen Geschichte, ehrlich und berührend.
Splitterleben - Jenna Strack
Cover:
David Tondl zeichnet sich für das Cover verantwortlich und präsentiert ein märchenhaftes Bild in einem sattem Blau. Ein wie im Wind tanzendes Mädchen schwebt vor einem blauen Himmel und Sterne glitzern am Firmament. Der Titel ist mittig in einer Bandzug-Schrift gehalten. Der Clou sind die Splitter, die vor allem von der rechten oberen Ecke sich über das Cover erstrecken und an einem gesprungenen Spiegel erinnern. Die ganze Kombination ist harmonisch und für mich sehr schön. Hat eher etwas aus dem Bereich Fantasy, das könnte einige Leser, die nach Covern ihre Bücher aussuchen vielleicht etwas verwirrend sein.
 
Handlung:
Die 17 jährige Mia lebt für ihren Sport, zu dem sie ihre erste große Schwärmerei Tobi gebracht hat. Sie ist die große Hoffnung und trainiert hart für ihren großen Traum, von ihrem Schwarm endlich ernst genommen und geliebt zu werden. Nach der gewonnen Qualifikation zu Deutschen Meisterschafft beginnt Tobi sich endlich für sie zu interessieren, doch bei einer Party bricht Mia quasi in seinen Armen zusammen. Durch die Diagnose einer seltenen und unheilbaren Krankheit, zerspringt ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes in viele kleine Splitter. Alles, wofür sie gekämpft und geträumt hat liegt wie ein Scherbenhaufen vor ihr. 
 
Buchlayout (eBook)
Die inhaltliche Gestaltung ist für ein eBook sehr ansprechend und hochwertig. Jedes Kapitel wird mit einem Song aus Mias Playlist im Untertitel begleitet. Die Kapitel selber tragen keine Ordnungsnummer sondern die Anzahl der Tage von Mias „zersplitterten Lebens“. Daneben rundet die Illustration eines indianischen Traumfänger die Kapiteleinleitung ab.
 
Idee / Plot
Was ist, wenn jemand unheilbar Krank ist, und unter qualvollen Schmerzen leidet, aber Du siehst es der Person nicht an? Sie ist nicht abgemagert wie zum Beispiel Krebspatienten kurz vor dem Tode, und hat sonst keinen körperlichen Makel wie zum Beispiel ein amputiertes Bein? Und doch lungert diese Person Tag ein Tag aus nur zu Hause rum und jammert bei jedem Schrittchen die sie schon alleine auf dem täglichen Gang zur Toilette macht? 
 
Hier wird ein ganz schwieriges und wichtiges Thema behandelt, welches Jenna Strack auf eine sehr feinfühlige und sanfte Art in einem Roman gepackt hat. Es gibt sie, die Patienten, die an einer schweren Krankheit leiden. Die vielleicht mit sich und ihrer Krankheit inzwischen im Reinen sind, aber der eigentliche Kampf vor der Haustüre stattfindet: Das Unverständnis und die Intoleranz der Umwelt, Freunde und Nachbarn. So lange man eine Krankheit nicht sieht, existiert sie nicht. 
 
"So langsam beschleicht mich das Gefühl, dass das Anstrengendste am Lupus nicht der Kampf des eigenen Körpers gegen sich selbst ist, sondern der Kampf gegen das fehlende Verständnis der anderen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 1299 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Dieses Buch war für die Autorin Jenna Strack ein Herzensprojekt, erzählt anhand eines jungen Mädchens, das auf dem Weg war ihre Träume zu verwirklichen und ihre Anerkennung über sportliche Erfolge definiert hat. Und dabei verlernt hat, wahre Freunde und wahre Bedürfnisse zu erkennen. Eine wunderbare Geschichte, die mir unter die Haut gegangen ist. Sie ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Toleranz und Öffnung des eigenen Horizonts.  
 
 
Emotionen / Protagonisten
Mia ist ein sehr ehrgeiziges 17 jähriges Mädchen, das aber im Grunde schüchtern und unsicher ist. Sie trainiert hart und fiebert jedem Erfolg entgegen mit der Illusion damit näher an ihren Schwarm Tobi heranzukommen. Einerseits kann ich mich sehr gut in Mia hineinversetzen, ihre Verbissenheit ist aber manchmal schon sehr stoisch. Es ist ein langer Prozess, in dem sie begreifen muss, was wirklich mit ihr passiert. Ich fand sie einen tollen Charakter, der sehr willensstark war, aber auch manchmal etwas verbohrt. Sie erkennt erst spät, was wirklich wichtig im Leben ist:
 
"Ich hätte laufen sollen, um zu leben, und nicht leben, um zu laufen.“ 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 49 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Tobi, Nele und Tessa sind Mias Laufkameraden und ihre enge Freundschaft verbindet das harte Training und die Erfolge bei den Wettkämpfen. Tobi ist älter und studiert schon, ist aber extrem ehrgeizig auf seine Erfolge fokussiert. Er findet Mia auch erst wirklich interessant, als sie die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft schafft. Aber Mia ist so sehr in Tobi verliebt, dass sie seine Selbstverliebtheit akzeptiert. Er bleibt sehr arrogant und überheblich, vor allem nachdem Mia ihre Diagnose erhalten hat. Nele und Tessa versuchen zumindest Mia zu verstehen, begreifen aber nicht, was die Krankheit wirklich bedeutet:
 
"Meinst du nicht, dass du dir deine ›Krankheit‹ mittlerweile nur noch einbildest? Schon klar, es ist toll, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 103 eBook (kindle Edition, 2017)
 
In der Reha lernt Mia die resolute und toughe Anh kennen, die ich gleich in mein Herz geschlossen habe. Da sie schon lange mit der gleichen Krankheit kämpfen musste, findet Mia in Anh endlich die Freundin, die sie ohne große Erklärungen versteht. Mia ist herrlich frisch und kann auch recht sarkastisch sein und hat in dem Buch und in Mias Leben doch noch eine humorvolle Seite hineingebracht:
 
»Nein, ich wohne nur hier, weil meine Eltern sich die Studiengebühren für Hogwarts nicht leisten können«
 
Jenna Strack, „Splitterleben“, Pos. 2125 eBook (kindle Edition, 2017)
 
Die Mutter und der Bruder werden wenig erwähnt, obwohl das kindliche Unverständnis eines 10 Jährigen, warum die große Schwester nicht zur Schule muss, gut hervor kommt. Der Vater wird nur ganz am Anfang angedeutet, auch das angespannte Verhältnis zwischen Mia und ihm. Aber ich vermisse da das Familiengeflecht, und die Wandlung der Beziehungen innerhalb der Familie. Das kommt mir tatsächlich leider zu kurz und macht die Geschichte um die Person Mia nicht ganz rund. 
 
Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Dieses tiefgründige Thema bedarf keine große Spannungsbogen und Showdowns. Es ist eine sanft erzählte Geschichte, die in sehr einfühlsame Art und Weise den Werdegang von Mia und ihrer Krankheit zeigt. Auch wenn im Grunde die Handlung vorhersehbar ist, ist man von Mias verzweifelten Kampf um Anerkennung gefesselt. Anerkennung zunächst im Sport und in der Liebe, aber dann um die eigene Akzpetanz ihrer Krankheit und bei ihren Freunden. In der Mitte zieht es sich für mich ein bisschen und wir lesen sehr viele Wiederholungen über ihren Selbstmitleid und ihrer Wut über das Nichterkennen ihrer Krankheit. Zum Ende hin hat es mich doch noch mal sehr ergriffen und zeigt vor allem, dass es in diesem Buch nicht um die Lovestory, oder um den Krankheitsverlauf geht, sondern um die Intoleranz der Mitmenschen. Und dass man manchmal von seinem angestrebten Weg abkommen muss um sein Ziel zu erreichen.
 
Szenerie / Setting
Die Umgebung beschreibt Jenna Strack unglaublich bildhaft und ausschmückend, aber genau passend ohne überschwänglich zu werden. Ich konnte mir die einzelnen Szenen sehr gut vorstellen und mich in Mia prima einfühlen. Es passt auch gut, dass Mia vor ihrer Diagnose Leistungssport betreibt, so wird die innere Dramatik klar und deutlich hervorgehoben. Es ist ein harter Lernprozess für Mia, nicht mehr an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen zu können und sogar nie wieder auf den Leistungsstand zu kommen, den sie noch die Wochen vorher hatte:
 
"»Weil das die Vergangenheitsform ist. Ich mache Leistungssport. Wenn das hier vorbei ist, dann gehe ich wieder auf die Bahn. Dann mache ich da weiter, wo ich aufgehört habe.«“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“, Pos. 131, eBook (kindle Edition, 2017)
 
Sprache / Schreibstil
Jenna Strack erzählt uns die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Mias Sicht im Stil eines Tagebuches. Das gewählte Tempi des Präsens lässt uns direkt die Gefühle und Gedanken miterleben und hervorragend mitfühlen. Das ganze Buch ist flott gelesen, und zieht einen schnell in den Bann. 
 
Die Sprache ist unglaublich bildhaft, metaphernreich und die Autorin flechtet gekonnt sehr eingehende Weisheiten ein, die aber nicht belehrend wirken, sondern noch lange nachhängen.
 
So beschreibt sie sehr schön bildhaft, wie der Physiotherapeut in der Reha ihr im Gespräch erklärt, dass es sinnlos ist sein Ziele und Träume unbarmherzig zu erzwingen. Damit spielt er auf Mias eigene Nicht-Akzeptanz ihrer Krankheit an.
 
"Es kommt vor, dass man zielstrebig auf eine Tür zu rennt und einem erst klar wird, dass es die falsche ist, wenn man den Türknauf herunterdrückt und sie verschlossen ist. Man darf eine Tür nicht gewaltsam aufbrechen, nur weil man ursprünglich geplant hatte, hindurch zu gehen.“
 
Jenna Strack: „Splitterleben“ Pos. 127 eBook (kindle Edition, 2017) 
 
Fazit
 
Ohne erhobenen Zeigefinger aber ergreifend, ehrlich und direkt. Ein paar kleinere Schwächen, habe es aber gerne gelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen kann. 
 
 
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review 2017-04-04 10:26
Wunderheiler, Alchemie und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Dr. Potter's Medicine Show - Eric Scott Fischl

Wisst ihr, was eine Medicine Show ist? Im 19. Jahrhundert reisten selbsternannte Wunderheiler in Pferdewagen durch die USA und versuchten, selbstzusammengerührte Heilmittelchen an die Leute zu bringen. Meist waren diese Verkaufsveranstaltungen mit einem Unterhaltungsprogramm verbunden. Eine Mischung aus Zirkus, Kirmes und Kaffeefahrt. Da Herstellung und Vertrieb von Medikamenten noch keinen gesetzlichen Regelungen unterworfen waren (erst ab 1906), konnte sich jeder zum Quacksalber aufschwingen, der den Willen und die finanziellen Voraussetzungen besaß. Dementsprechend waren diese Mittel oft wirkungslos oder sogar schädlich – großzügig versetzt mit Alkohol, Opium oder Kokain. Eine Geschichte, die in diesem Umfeld spielt, erschien mir äußerst vielversprechend. Ich konnte nicht widerstehen, als ich „Dr. Potter’s Medicine Show“ von Eric Scott Fischl bei Netgalley entdeckte.

 

Hereinspaziert, hereinspaziert! Kommen Sie näher, kommen Sie näher! Überzeugen Sie sich selbst von der wundersamen Wirkung von Dr. Hedwiths Chock-a-saw Sagwa Tonikum! Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Rheuma – dieses großartige Elixier heilt jede geistige oder körperliche Krankheit!
Diese oder eine ähnliche Ansprache hält Dr. Alexander Potter in jeder neuen Stadt, die er mit seiner Medicine Show besucht, obwohl er weiß, dass das Tonikum im besten Fall lediglich abhängig macht. Im schlimmsten Fall… erweckt es die Menschen. Zu viele Jahre arbeitet der Sezessionskriegsveteran schon für Dr. Hedwith und seinen grausamen Handlanger Lyman Rhoades, trägt eine alte Schuld ab, die ihn auf ewig an den Doktor fesselt und in dessen alchemistische Experimente verstrickt. Zu lange schon wartet Alexander darauf, seine Freiheit zurückzugewinnen. Seine Chance kommt, in Person des verzweifelten Zahnarztes Josiah McDaniel, dem das Sagwa Tonikum alles nahm und der nun schwört, sich an Dr. Hedwith zu rächen. Gemeinsam stellen sie sich dem Kampf gegen einen Mann, der nichts zu verlieren hat – außer der Unsterblichkeit.

 

„Dr. Potter’s Medicine Show“ ist ein Erstling. Leider spürt man das beim Lesen. Das Buch ist auf skurrile Weise unfertig, ja gar unvollkommen. Es ist oberflächlich, besitzt so gut wie keine Tiefe und wirkt folglich wie eine grobe Skizze. Eric Scott Fischl konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Handlung; es fehlen all die liebevollen Details, die diese lebendig hätten werden lassen. Atmosphäre? So gut wie nicht vorhanden. Es fühlte sich an, als hätte ich lediglich die Hälfte einer grundsätzlich interessanten Geschichte vor Augen. Die andere Hälfte… Tja, wer weiß, vielleicht schwirrt die immer noch durch den Äther. Das ist wirklich schade, weil die Hälfte, die ich lesen durfte, durchaus über Potential verfügte und im Ansatz sogar ziemlich clever konstruiert ist. Die Leser_innen treffen Dr. Alexander Potter 1878 in Oregon, während einer weiteren seiner zahllosen Verkaufsveranstaltungen. Ihm ist nur allzu bewusst, dass alles, was er den Leuten über das Chock-a-saw Sagwa Tonikum erzählt, hausgemachter Mumpitz ist. Er ist ein weltverdrossener, kranker, müder, alter Mann und seine Crew besteht aus ähnlich abgerissenen Gestalten. Bereits in den ersten Kapiteln wird deutlich, dass niemand freiwillig Teil der Show ist (mit Ausnahme des jungen Ausreißers Ridley) und hinter den Kulissen seltsame Dinge vor sich gehen. Im Verlauf der Handlung stellt sich dann heraus, dass die Show lediglich als Tarnung für Dr. Hedwiths alchemistische Experimente dient; als Bezugsquelle für unwissende Versuchsobjekte, die ihm helfen sollen, eine Formel für ein bahnbrechendes Wunderelixier zu finden. Hedwiths Methoden sind skrupellos und überraschend okkultistisch. Fischl erwähnt im Nachwort, dass die Alchemie in vielerlei Hinsicht als Vorläufer der modernen Chemie angesehen werden kann, obwohl einige Versuche definitiv magischen oder religiösen Praktiken ähnelten. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor erklärt, welche Annahmen oder Prinzipien hinter Hedwiths Experimenten stecken, denn ich habe nicht verstanden, warum das Elixier durch ein kompliziertes Ritual aktiviert werden muss, um seine Wirkung zu entfalten. Hedwiths Forschung, deren Zweck und Umsetzung, ist eine der zwei zugrundeliegenden Komponenten von „Dr. Potter’s Medicine Show“. Die andere Komponente ist die Aufklärung der Frage, wie die einzelnen Figuren in Hedwiths Machenschaften involviert wurden, wie sie sich kennenlernten und an einen toten Punkt der Verzweiflung getrieben wurden, der sie zwingt, Zeuge und Mittäter monströser Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werden. Mir gefiel diese Herangehensweise an die Geschichte, die Kombination zweier Hauptlinien, doch unglücklicherweise ließ mich die Vergangenheit der Figuren meist kalt. Ich fand die Rückblenden willkürlich eingesetzt, ohne erkennbaren Kontext und mochte keinen einzigen Charakter wirklich gern. Im Großen und Ganzen waren sie mir alle egal, ich schloss niemanden ins Herz. Wie hätte ich da Anteil an der Geschichte nehmen sollen?

 

„Dr. Potter’s Medicine Show“ hat insgesamt sehr wenig Eindruck bei mir hinterlassen. Ehrlich gesagt bin ich sogar erleichtert, dass ich überhaupt eine Rezension zustande gebracht habe, denn mein vorherrschendes Gefühl der Geschichte gegenüber ist ein herzhaftes Schulterzucken. Bereits beim Lesen wollte ich das Buch lediglich so schnell wie möglich beenden. Ich denke, Eric Scott Fischl ist bedauerlicherweise einfach kein besonders talentierter Erzähler. Meiner Empfindung nach hat er kein Händchen dafür, seine Leser_innen zu fesseln und emotional einzubinden. Er rasselt die Ereignisse herunter, ohne sie auszukosten und versucht, mit nett gedachten, im Endeffekt aber eher platten Methoden Spannung zu erzeugen. Dementsprechend kann ich leider keine Empfehlung für „Dr. Potter’s Medicine Show“ aussprechen. Es lohnt sich schlicht nicht, diesen Roman zu lesen.

 

Vielen Dank an Netgalley und Angry Robot für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/04/04/eric-scott-fischl-dr-potters-medicine-show
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review 2017-03-05 15:22
Ein wirklich witziger Roman mit ernstem Hintergrund
Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman - Juliane Käppler

Max Leif ist grade mal 41 als ihm ein Herzinfarkt ereilt und ihm einen Denkzettel verpasst. Auch sein bester Freund Paul redet auf ihn ein und macht ihm klar das es vielleicht nicht so gut ist sein Leben nur auf der Überholspur zu verleben. Das er auch mal an sich denken soll, und Arbeit nicht alles ist was einen Sinn im Leben bringt. So überredet Paul Max also dazu, eine Woche mit ihm in die Ferien zu gehen, sich auszuspannen, sich zu erholen, es sich einfach mal gut gehen lassen. Doch wie das Leben, diese Schlappe nun mal ist, macht sie den beiden einen gewaltigen Strich durch die Rechnung! Denn Paul stirbt überraschenderweise an einer Lungenembolie in folge einer Thrombose, und das kurz vor dem Urlaub mit Max. Trotz allem geht max nach Sansibar, überlebt mehr den Urlaub als was anderes, und kommt nach einer Woche wieder völlig fertig nach Hause, doch nichts ist mehr wie es war denn wie es scheint steht auch sein Tod unmittelbar bevor.

 

Die Geschichte

Juliane Kuppler hat sich mit diesem Roman über einen Hypochonder wirklich in mein herz geschrieben. Die Idee war für mich neu, denn ich hab noch nie einen Roman über diese Störung gelesen weder als witzige Geschichte noch als Drama. Und ich finde, die Umsetzung ist ihr mehr als gut gelungen! 

 

Die Geschichte ist total nachvollziehbar und man kann mir auch sehr gut vorstellen wie solch ein Erlebnis jemanden so aus der Bahn werfe kann das es zu einer solche Störung kommt. Man muss sich nur der Komplexität im klaren sein. Das Buch, oder eher Max Leif, konnte mich von den ersten Seiten an mitreissen. Er hat mir an seinem Leben teilhaben lassen, ich lachte mit ihm, nicht über ihn, ich hatte Mitgefühl, kein Mitleid, ich freut mich für ihn genau so wie ich mit ihm verzweifelt war. Von der ersten Seite bis zu letzten hat er mich nicht los gelassen.

 

Der Schreibstil von Frau Käppler ist flüssig, witzig, direkt. Es macht Spass durch die Seiten, das Leben von Max zu rauschen. Das Buch ist in 7 Monate aufgeteilt, jeder Monat für einen  Tod. Diese Kaputte wurden auch wieder in Subkapitel eingeteilt die mit passenden Übertitel versehen wurden. Und ich finde das wirklich sehr passend zur Geschichte. Auch von der Stimmung war alles dabei von besorge, über liebevolle und auch ärgerliche und verzweifelten Momenten war alles mit dabei.

Was das Ende angeht, ich war mehr als zufrieden. Zu viel möchte ich dazu eigentlich nicht sagen aber es ist ein passender Abschluss.

 

Am nächsten morgen halt ich am Krankenhaus, um zu sehen , ob es Paul inzwischen gut genug ginge, um doch mitfliegen zu können. Da war er schon eine Stunde tot. Nicht mehr am Leben! Von einem Tag auf den anderen. Eben noch im Meeting. Jetzt schon tot. Nicht.Mehr.Da.

S.11 – Max

 

Prota- und Antagonisten & Co

Klar, der Protagonist ist Max, den um seine 6 Monate nach der Reise geht es. Max ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich kann ihn Förmlich vor mir sehen. Ich kann mir zwar gut vorstellen das manche ihn als nervig empfinden könnten, was aber bei mir nie der Fall war. Er ist ein überaus herzlicher und grosszügiger Mensch, der einfach grade in einer absoluten Kreise steckt. Angst vor dem Tod hat, was eigentlich so nicht mal stimmt, nur oberflächlich gesehen denn die Angst vor dem Tod ist eigentlich mehr die Angst vor dem Leben.

 

Max kämpft sich durch die Tage, Wochen und Monate. Doch er lernt auch viel über sich selber und gibt ein geheimes Preis und wächst doch noch über sich hinaus, was ich einfach toll finde.

 

Juliane Käppler schafft es nicht nur die Emotionen glaubhaft rüber zu bringen sondern auch in mir Emotionen zu wecken. Und das gelingt nicht wirklich jedem Autor. 

 

Klar erfahren wir in der Geschichte ein klein bisschen mehr von Max und diese Häppchen die uns die Autorin zu lesen gibt, reichen aus um uns klar zu werden was in Max ausläuft und warum er manches tut und warum er schlussendlich in diese Krise gerät.

 

Neben Max gibts noch ein paar wenige Nebenfiguren die aber im leben von Max eine ganz wichtig Rolle spielen.

 

Da wäre seine russische Putzfrau Jekatarina Poljakow. Eine resolute aber sehr sympathische Frau, die Max auch mal die Meinung geigt. Sie ist mir eben so ans Herzgewachsen wie Max.

 

Dann haben wir noch Floh, sein Ex-Angestelter. Frau Dr. Bärbeisser, sie bekommt öfters mal das vergnügen sich um Max zu kümmern und Maja… eine verletzliche aber herzliche, ein ach manchmal kratzbürstige Frau, die aber ein grosses Herz hat welches sie zu beschützen weiss. Und die Eltern von Max. Die mir am Schluss dann doch noch sympathisch werden 

 

„Haben Sie eben tatsächlich das Fenster geputzt, oder hab ich mir das eingebildet?“, fragte ich, weil ich mir vor Verlegenheit nichts anderes einfällt.  „Konntest du schreiben Sau darauf“, antwortet sie mit leichtem trotz in der Stimme. „Chabe ich angeschaut zwei Tage und  heute Lappen und Seife gebracht mit.“ Sie beugt sich näher zu mir und tätschelt meinen Arm etwas kräftiger. „Freue ich mich so, dass du wach bist, Max Leif. Chast du uns alle gejagt grossen Schreck! Haben wir in Zeitung gelesen, was passiert ist. War Foto drin mit Auto, das in Schild gesteckt.“

S. 345 Max / Jekaterina

 

Die Sache mit dem Text

Wer die letzten 3 remis hier schon gelesen hat weiss das ich hier noch mit einem anderen Aspekt heran geht. Durch meine Legasthenie, bekommt die Sache mit dem Text eben noch ne andere Komponente, die hier immer Beachtung finden wird.

 

Der Text ist dem Genre angepasst, die Kapitel sind gut von der Länge, so das es immer spannend bleibt und dennoch einen guten und schnellen Lesefluss erzeugt und ich finde das die Länge der Kapitel sehr angenehm ist.

 

Das Buch ist im Blocksatz gedruckt was ich sehr angenehm finde, denn es macht s einfacher die Zeile nicht zu verlieren, also für mich. Mag bei anderen Legastheniker vielleicht etwas anders sein. Aber das ganze scheint Fach etwas ruhiger und aufgeräumter und das macht das lesen etwas entspannter. Die Grösse der Schrift ist auch okay. Auch wenn ich mir manchmal doch eine etwas klarere Schrift wünsche.

 

So ein Hirntumor kann man sah sicher operativ entfernen. Vor ein paar Monaten hab ich zwar gesagt, dass niemand an mir rumschnippelt, aber wenn es um einen Tumor im Kopf geht, sieht das natürlich anders aus.  Der muss auf jeden Fall raus. Der zahlt keine Miete. Selbst wenn ich dabei drauf gehe. Ich will gesund sein oder sterben bei dem Versuch, es zuwenden.

S. 203 – Max

 

Und sonst noch

Das Cover find ich toll, Max der im Regen steht. Irgendwie völlig sinnbildlich für die ganze Kreise. Auch der Titel find ich sehr passend, denn 7 mal hätte es ja sein könne das er stirbt, bis…

 

Das Buch ist mein erstes Highlight dieses Jahr und ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Buch. Es konnte mich berühren, und das auf eine ganz spezielle Weise. Das Buch schaffe es sich mal genauer mit der Thematik auseinander zu setzen, sich selber mal zu reflektieren. Denn es ist wirklich kein einfaches Thema und für den betroffenen muss so eine Neigung wirklich sehr anstrengend sein. Kaum ist man was, denkt man gleich man könnte sterben, es ist ein Auf und Ab von Gefühlen. Und das ist bestimmt ein sehr nervenaufreibendes Leben. Also ja, das Buch konnte mich bis zur letzten Seite fesseln.

Die Autorin konnte mich mit der Geschichte um Max überzeugen und ich bin sehr gespannt wie der 2. Teil ist, den ich natürlich umbedingt haben muss!

 

Wer gerne witzige Bücher mag, die aber dennoch einen ernsten Hintergrund haben, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Lasst Max in euer Leben und erfahrt wie es ist, immer am Rande des Todes zu stehen.

 

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