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review 2018-06-20 08:03
Gier hält meinen Kitschradar zum Narren
Saphirblau - Kerstin Gier

Kerstin Gier widmete sich erst spät in ihrer Karriere der fantastischen Jugendliteratur. Sie war bereits seit mehr als einem Jahrzehnt als Autorin erfolgreich, bevor sie 2009 den Genrewechsel wagte. Sie wollte eine romantische Liebesgeschichte schreiben, die Humor und Fantasy vereint, Abenteuer, historische Kostüme und Degenkämpfe involviert und kein historischer Roman ist. Ambitioniert. Zusätzlich verlangte die damalige Programmchefin des Arena-Verlags, dass Giers neustes Projekt international vermarktbar sein sollte. Mit anderen Worten: es sollte nicht in Deutschland spielen. Die Lösung hieß Zeitreisen, das Ergebnis ist die „Edelstein-Trilogie“. „Saphirblau“ ist der zweite Band dieses Welterfolgs, den ich direkt im Anschluss an „Rubinrot“ las.

 

Lange macht Gwendolyn den Zeitreise-Zirkus ja noch nicht mit, aber eines hat sie bereits begriffen: als Zeitreisende lebt man gefährlich. In den letzten Tagen ist sie nur knapp einem Attentat entgangen, ihre verschollene Cousine Lucy lauerte ihr auf und zu allem Überfluss scheint sie nun in eine Verschwörung mit ihrem gegenwärtig verstorbenen Großvater verstrickt zu sein. Von der sie keinen blassen Schimmer hat. Jedenfalls noch nicht. Offenbar hat ihr zukünftiges Ich ein Treffen mit Lord Lucas Montrose im Jahr 1948 arrangiert, um herauszufinden, warum Lucy und Paul den zweiten Chronografen stahlen. Es muss einen Grund haben, dass die beiden glaubten, der Kreis dürfe sich nicht schließen. In der Loge erklärt Gwen ja niemand jemals irgendetwas, also muss sie sich selbst helfen. Vielleicht kann die zukünftige Gwen ihr auch gleich einen Rat in Liebesdingen geben, denn aus Gideon wird sie einfach nicht schlau. Zwischen den Zeiten ist eben alles doppelt kompliziert.

 

Am Ende von „Rubinrot“ hatte ich das Gefühl, dass der erste Band hauptsächlich der Orientierung dient. Die Protagonistin Gwen entpuppt sich als Trägerin der Zeitreise-Gens und erlebt ihre ersten Zeitsprünge, doch worum es in der Handlung der Trilogie eigentlich gehen sollte, konnte ich noch nicht determinieren. Folglich erwartete ich von der Fortsetzung „Saphirblau“ Aufklärung. Ich hoffte, den Kern der Geschichte freilegen zu können. Ich schätze, es ist mir gelungen, aber ich kann nicht behaupten, dass die Autorin Kerstin Gier dabei hilfreich gewesen wäre. Obwohl ich mit „Saphirblau“ ebenso viel Spaß hatte wie mit „Rubinrot“ und erneut ratzfatz durch war, weil es aufregend und fesselnd ist, erscheint es mir rückblickend äußerst unfokussiert. Szene für Szene musste ich Gwens romantische Eskapaden mit Gideon demontieren, sie bewusst ignorieren, um zum harten Gerüst der Handlung vorzudringen. Das anstrengende Hin und Her des Teenager-Dramas lenkt massiv vom tatsächlichen Geschehen ab. Ich musste das Buch für die Inhaltsangabe noch einmal querlesen. Interessant daran ist, dass mir erst im Nachhinein bewusstwurde, wie lückenhaft sich die Handlung in meinem Gedächtnis festsetzte. Während der Lektüre fiel mir gar nicht auf, dass das Liebesleben der Protagonistin deutlich dominanter ist als die Entwicklung der Ereignisse. Nun könnte man Kerstin Gier vorwerfen, dass „Saphirblau“ unausgewogen geriet und diese Kritik wäre berechtigt. Trotz dessen spricht es für Fortsetzung und Autorin, dass ich mich beim Lesen selbst nicht daran störte. Gier versetzt sich so überzeugend in die 16-jährige Gwen hinein, dass ich die Gesellschaft der Ich-Erzählerin genoss und mich nostalgisch lächelnd daran erinnerte, wie es war, in diesem Alter zum ersten Mal verliebt zu sein. Ich fand es nur ein bisschen schade, dass Gier Gideons Perspektive ausklammerte, da sein sprunghaftes Verhalten dadurch unerklärlich wirkte. Ich vermutete allerdings, dass sein rätselhaftes Benehmen irgendwie mit den Plänen der zukünftigen Gwen zusammenhing. Gemeinsam mit ihrem Großvater versucht sie herauszufinden, warum ihre Cousine Lucy und deren Freund Paul den zweiten Chronografen stahlen und arbeitet somit aktiv daran, die Geheimnisse der Loge und des Grafen von Saint Germain aufzudecken. Die blinde Loyalität und Ergebenheit der Wächter für den Grafen konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wie ist es ihm gelungen, sich selbst in eine Position zu manövrieren, aus der er fähig ist, intelligente, erwachsene Männer aus der Vergangenheit heraus zu kontrollieren? Das stinkt doch. Nie im Leben ist er der Wohltäter, als der er sich präsentiert. Ich fand es bezeichnend, dass ein 16-jähriges Mädchen die einzige ist, die den Mut besitzt, ihm die Stirn zu bieten. Gwen ist die einzige, die sich nicht mit seinen kryptischen Antworten zufriedengibt und die Vergangenheit auf eigene Faust nach der Wahrheit durchforstet. Es beeindruckte mich abermals, wie simpel Kerstin Gier das Zeitreisethema gestaltet. Sie geht nur auf Zeitsprünge ein, wenn es absolut notwendig ist und erklärt alle daraus resultierenden Situationen transparent und einleuchtend. Sie beweist, dass ein kompliziertes Leben zwischen den Zeiten mitnichten kompliziert beschrieben sein muss.

 

Die „Edelstein-Trilogie“ ist überwältigend feminin. Die weibliche Note ist auf jeder Seite spürbar, sei es in der detaillierten Beschreibung der historischen Kostüme oder in Gwens Herzschmerz-Drama mit Gideon. Normalerweise habe ich für Bücher, die das Liebesleben der Hauptfiguren dominanter thematisieren als die tatsächliche Handlung, wenig übrig. Ich leide unter einer ausgeprägten Kitsch-Allergie. Es ist ein kleines Wunder, dass mir weder „Rubinrot“ noch „Saphirblau“ Ausschlag verursachten. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach die Mischung: „Gidolyns“ Eiertanz ist erträglich und sogar unterhaltsam, weil Kerstin Gier die romantische Ebene der Geschichte in einen rasanten, actiongeladenen Strom handfester Ereignisse integrierte. Von wegen seichte, flache Unterhaltungsliteratur. Meinen hypersensiblen Kitschradar hält sonst niemand so leicht zum Narren. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/06/20/kerstin-gier-saphirblau
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review 2018-06-19 09:40
Im Wirbel durch die Zeiten
Saphirblau - Kerstin Gier

In der literarischen Fachwelt wird Kerstin Gier belächelt. Sie geht damit sehr selbstbewusst um, bezeichnet ihre Bücher stolz als Unterhaltungsliteratur und sagte in einem Interview, würden ihre Geschichten einem Literaturkritiker wie Denis Scheck gefallen, hätte sie etwas falsch gemacht. Die Ursache für diese resolute Haltung liegt meiner Ansicht nach in ihrer Kindheit, während derer ihr ausschließlich pädagogisch wertvolle Literatur erlaubt war. Daher zielen vor allem ihre Jugendbücher darauf ab, ihren Leser_innen Spaß am Lesen und ein positives Gefühl zu vermitteln. Obwohl mir diese Einstellung imponiert, war ich vor der Lektüre von „Rubinrot“ doch ein wenig skeptisch, ob ich ihre gefeierte „Edelstein-Trilogie“ mögen würde. Schließlich überschritt ich die Zielgruppe um mehr als 10 Jahre.

 

Die 16-jährige Gwendolyn ist es gewohnt, von ihrer Familie wenig Beachtung zu bekommen. In ihrem verwinkelten Londoner Herrenhaus ist ihre Cousine Charlotte der Star. Nicht, dass Gwen sie beneiden würde, aber das Theater um Charlottes Zeitreise-Gen hat sie gewaltig satt. Ihre Großmutter, ihre Tante, alle lauern darauf, dass Charlotte schwindlig wird – ein sicheres Anzeichen dafür, dass ihre erste Zeitreise bevorsteht. Leider lässt diese auf sich warten. Eines Tages ist die Familie wieder einmal in heller Aufregung: Charlotte klagt über Schwindel. Gwen nutzt die erste Gelegenheit, um unauffällig zu verschwinden. Doch als sie das Haus verlässt, befindet sie sich nicht mehr in der Gegenwart, sondern im London um die Jahrhundertwende. Sie ist durch die Zeit gesprungen! Plötzlich muss sie sich mit einer elitären Geheimloge, Unterricht in historischer Etikette und ihrem Partner, dem grässlichen Gideon de Villiers, herumplagen. Das Familiengeheimnis hat Gwen eingeholt. Jetzt heißt es für sie Kopf hoch, Brust raus und aufpassen, dass sie sich nicht zwischen den Zeiten verliert – oder verliebt…

 

„Rubinrot“ ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die anvisierte Zielgruppe gar nichts darüber aussagt, wie ein Buch bei Leser_innen ankommt, die offiziell nicht in diese Gruppe passen. Ich fand den Trilogieauftakt überraschend gut und hatte mit der Lektüre viel Spaß. Ich war rasend schnell durch, was hauptsächlich daran lag, dass dieses Werk tatsächlich reine Unterhaltungsliteratur ist. Kein Nachdenken, kein Grübeln, kein Analysieren. Ich werde ja nie müde, zu betonen, wie sehr ich diese brain candy – Ausflüge in der Gestaltung meines Leseverhaltens schätze und danke Kerstin Gier dafür, dass sie gar nicht erst versuchte, „Rubinrot“ den Anschein großer Literatur zu verpassen. Ich bekam genau, was mir versprochen wurde: ein amüsantes, schnelllebiges und unterhaltsames Jugendbuch, das vor der historisch ergiebigen Kulisse Londons glücklicherweise ohne kitschige Theatralik auskommt und stattdessen mit Herz und Köpfchen überzeugt.
Von Anfang an mochte ich die Protagonistin Gwendolyn, die meine Sympathie im Sturm eroberte, weil sie sich direkt in ihrer ersten Szene ihr Mittagessen in den Schoß kleckert. Ein banal wirkender Zwischenfall, aber durch diese Demonstration von Tollpatschigkeit und mangelnder Perfektion konnte ich mich sofort mit ihr identifizieren. Ich bin nämlich selbst keine Ausgeburt an Grazie. Daher fiel es mir leicht, ihre Ich-Perspektive zu akzeptieren und ihrem etwas kindlich-naiven Blick auf die Welt und auf die Figuren in ihrem Umfeld zu folgen. Sie stellt uns die Akteure der Geschichte vor: ihre Mitschüler_innen, ihre beste Freundin Leslie und natürlich ihre durchgeknallte Familie. Zu den Mitgliedern ihrer skurrilen Sippe hat Gwen sehr unterschiedliche Beziehungen. Ihr ist leider allzu bewusst, dass sie hinter Charlotte stets die zweite Geige spielt. Deshalb zögert sie, ihrer Familie von ihrem ersten unkontrollierten Zeitsprung zu berichten: sie ist es nicht gewohnt, auf sich aufmerksam zu machen. Kerstin Giers Umsetzung des Zeitreisethemas gefiel mir äußerst gut, weil sie bestimmte Gesetzmäßigkeiten formulierte, die eine komplizierte Thematik übersichtlicher gestalteten. Zeitreisende können beispielsweise nicht in ihre eigene Vergangenheit und grundsätzlich nicht in die Zukunft springen. Diese Regeln werden Gwen von der „Loge des Grafen von Saint Germain“ vermittelt, die über das Zeitreisen wacht. Dort lernt sie auch ihren Partner Gideon de Villiers kennen, den sie spontan unausstehlich findet. In der YA-Literatur kann das eigentlich nur bedeuten, dass die beiden irgendwann ein Liebespaar werden. ;) Die Loge ist darüber hinaus im Besitz des Chronografen, der es Gwen ermöglicht, kontrolliert in die Vergangenheit zu springen. Ich finde die Wächter und ihre Verbindung zum Grafen von Saint Germain verdächtig. Ihre Geheimniskrämerei weckt mein Misstrauen, denn obwohl Gwen für die Loge äußerst wichtig ist, verraten sie ihr lediglich das Nötigste. Es würde mich nicht wundern, sollte sich in den Folgebänden herausstellen, dass in ihren Rängen nicht alles koscher ist. Alte Männer und Geheimnisse – wann war diese Kombination jemals positiv?

 

„Rubinrot“ atmet das Genre Jugendbuch auf jeder Seite. Als solches ist es ein wenig vorhersehbar, was Kerstin Gier jedoch ausglich, indem sie den Auftaktcharakter des Buches voll ausschöpfte. Die Lektüre wurde nie langweilig, weil sich die Handlung rasant entwickelt, während wenige Hintergrundinformationen geliefert werden. Ich wurde an Gwens Seite in die Geschichte hineingeschubst; gemeinsam versuchten wir, uns zu orientieren, ohne wirklich zu verstehen, was eigentlich vor sich geht. Es hat Spaß gemacht, mit ihr durch die Zeiten zu wirbeln. Bei mir hat Kerstin Gier ihr Ziel somit definitiv erreicht und ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für die Unterhaltungsliteratur brechen. Es muss nicht immer anspruchsvoll sein. Nicht jedes Buch muss über 20 Bedeutungsebenen verfügen. Manchmal reicht es völlig aus, wenn ein Buch den Leser_innen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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review 2018-05-08 14:51
[Kurz-Rezension] Shilpi Somaya Gowda - Geheime Tochter
Geheime Tochter - Shilpi Somaya Gowda,Ulrike Wasel,Klaus Timmermann

Beschreibung:
Somers Leben ist genauso, wie sie es sich immer vorgestellt hat. Frisch verheiratet, mit einem neuen Job als Ärztin in San Francisco. Doch dann stellt sie fest, dass sie keine Kinder bekommen kann.Zur gleichen Zeit wird in einem abgelegenen indischen Dorf ein Mädchen geboren. Kavita, die Mutter, erkennt, dass sie das Leben ihrer Tochter nur retten kann, wenn sie sie weggibt. Als Somer und ihr Ehemann ein Foto des Mädchens in einem Waisenhaus in Mumbai sehen, entscheiden sie sich für eine Adoption. Somer ahnt, dass dieser Weg nicht leicht wird. Aber sie hofft, dass Liebe alle Probleme lösen kann.
Shilpi Somaya Gowdas Debüt war in den USA und Kanada ein Sensationserfolg – es stand über viele Monate auf Platz eins der Bestsellerlisten. Der große Roman über eine Suche nach den Wurzeln und nach dem, was das Leben ausmacht, bewegt inzwischen Leserinnen auf der ganzen Welt.

 

Details:
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch (16. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462044451
ISBN-13: 978-3462044454
Originaltitel: Secret Daughter
Größe: 13 x 2,8 x 19,9 cm

 

Fazit:
Somer und Krishnan, die in San Francisco leben und an sich glücklich sind, aber keine Kinder bekommen können und Jasu und Kavita, die zwar Kinder bekommen können, aber in ihrem Leben in Indien keine Möglichkeit haben, die Mitgift für das Mädchen aufzubringen, zudem kommt noch dazu, dass Töchter in den Dorf als Unglücksbringer gelten, sind zwei Familie aus komplett unterschiedlichen Lebenswelten, aber die Geburt von Usha verbindet die Familie auf eine emotionale Weise. Denn während Somer auf Wolke Sieben mit ihrem Kind schwebt, ist Kavita in tiefer Trauer um ihre Tochter...
Shilpi Somaya Gowda gewöhrt zu Beginn des Buches erstmal einen Einblick in das Leben in Indien - und das ist bei weiten nicht alles Bollywood, wie man gerne in den Filmen zeigt. Die Realität ist hart und schonungslos und das Leben ist nicht leicht und so müssen manchmal Entscheidungen getroffen werden, wie emotional nur schwer zu verkraften sind. Töchter gelten in den Dörfern Indien als Unglücksbringer und dann wird Usha geboren - und verbindet 2 Familie als unterschiedlichen Welten auf eine sehr tiefe emotionale Weise.
Shilpi Somaya Gowda gelingt in ihrem Buch ein schwieriger Spagat zwischen zwei Lebenswelten und sie zeigt emotional, wie schwer es für alle ist, wenn ein Kind aus Indien in die USA adoptiert wird und welche Schwierigkeiten auf alle Beteiligten zukommen. Sie schafft es durch ihre gefühlvolle Art, die verschiedenen Probleme und Schwierigkeiten sehr nach an den Leser zu bringen und das Gefühl, was alle Beteiligen schütteln, auch an den Leser weiter zu vermitteln. Unterstützt wird die Vermittlung an den Leser durch die verschiedenen Blickwinkel aus denen das Buch erzählt wird, so lernt man dann auch alle Protagonisten recht gut kennen.
Etwas Abzug gibt es aber, weil das Buch etwas zu sehr kulturell an der Oberfläche bleibt, da fehlt etwas die Tiefe um zu zeigen, wie verschiedenen die Kulturen doch sind und auch der Abschluss der Geschichte ist zwar realistisch, aber irgendwie etwas unbefriedigend.

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review 2018-03-20 09:26
[Rezension] Cathleen Schine - Alles Glück der Welt
Alles Glück der Welt: Roman - Cathleen S... Alles Glück der Welt: Roman - Cathleen Schine,Sibylle Schmidt
Beschreibung:
Betty Weissmann staunt nicht schlecht, als ihr Mann nach 48 Ehejahren die Scheidung einreicht. Der Grund: „unüberbrückbare Differenzen“. Bald stellt sich heraus, dass die unüberbrückbaren Differenzen auch einen Namen haben: Felicity. Ihr ist es zu verdanken, dass die 75-jährige Betty aus ihrer Stadtwohnung in ein kleines Cottage in Westport ziehen muss. Doch Betty ist nicht allein: Tochter Miranda hat sich mit 49 ihr berufliches Grab geschaufelt, und ihre Schwester Annie weiß nicht, was sie ohne die beiden in New York soll. Und so beginnt für die drei Weissmanns die abenteuerlichste Zeit ihres Lebens – mit einer halsbrecherischen Kajakfahrt, jeder Menge starker Cocktails und einer neuen Liebe.
 
Details:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344247793X
ISBN-13: 978-3442477937
Maße: 18,6 x 11,8 x 2,4 cm
 
Eigene Meinung: 
Das Cover zieht einen schon an, es zeigt das Meer und den Blick, als wollte man gleich von der Tür raus zum Strand und den Tag geniessen und das macht das Cover schon besonders. 
Betty Weissmann steht eigentlich vor den Scherben ihres Lebens, ihr Mann reicht ohne Vorwarnung die Scheidung ein, weil er sich ein jüngeres Modell gesucht hat und neben dem Umzug, weil sie ihre Stadtwohnung infolge der Scheidung verliert, muss sie feststellt, dass auch ihre Tochter eigentlich beruflich vor dem Nichts steht und ihre Schwester Annie verlässt der Mut, weil sie ohne Betty und Miranda nicht weiss, was sie tun soll. Doch gerade die neue Situation lässt die 3 Frauen über sich hinaus wachsen...
Cathleen Schine versteht es, den Leser mit in die turbulente Familie Weissmann zu nehmen, sie schafft mit Betty, Miranda und Annie drei Protagonisten, die jede auf ihre Art anders, aber doch liebenswert sind. Durch ihre lockere Art zu schreiben, lässt sie die drei Frauen lebendig werden und so kommen sie sehr nah an den Leser heran. 
Das Alter der Protagonisten ist dabei etwas ungewöhnlich, aber gerade das macht auch etwas den Charme des Buches aus, weil man einfach immer wieder merkt, dass man eben nicht die typischen Klischees bedient bekommt, sondern einen wirklichen Konflikt zwischen Mutter und Tochter hat, in dem auch die Tante bzw. die Schwester immer wieder mit eingebunden wird. Dabei bleibt aber der Konflikt nicht nur an der Generationenfrage hängen, sondern fasst auch ganz normale Themen zwischen Mutter und Tochter an. 
 
Fazit:
Das Buch ist definitiv mal etwas anderes - der Plot ist spannend angelegt und man erlebt 3 sehr starke Frauen, die aus einer Lage, für sie nicht wirklich viel können, das Beste machen. Durch das Alter der Charaktere werden auch andere Themen plötzlich entscheidender und gerade das macht das Buch zu etwas Auch die Verwirrungen in der Familie und der lockere Schreibstil lassen einen nur so durch die Seiten fliegen.  
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review 2018-03-14 11:13
Ab in den Papierkorb
Beasts Made of Night - Tochi Onyebuchi

Tochi Onyebuchis Leben ist ein Spagat zwischen seinem Beruf als Anwalt für Bürgerrecht und seinen Bemühungen als Autor. Beide Karrierezweige verfolgt der US-Amerikaner nigerianischer Herkunft mit beeindruckender Professionalität. Er verfügt über Abschlüsse aus Yale, der Columbia Law School und der NYU. Seine Kurzgeschichten und Novellen erschienen in Asimov’s Science Fiction, im Nowhere Magazine und in der Anthologie Panverse Three. „Beasts Made of Night“ ist sein Debütroman, ein Traum, den er sich nach 15 Jahren harter Arbeit erfüllte und der Gerüchten zufolge der Auftakt einer umfangreichen, gleichnamigen Saga sein wird.

 

Der 17-jährige Taj ist ein Aki, ein Sündenfresser. Sein Körper ist übersäht mit Tattoos, die beweisen, wie viele Sünden-Bestien er erschlug. Diese Manifestationen der Sünde, hervorgerufen durch einen Magier, können zwar getötet werden, erscheinen anschließend jedoch auf der Haut des Aki, während die Schuld der Tat auf den Sündenfresser übergeht. Die meisten Aki verfallen eines Tages dem Wahnsinn. Taj weiß, dass er irgendwann den Preis für sein Talent bezahlen muss, doch noch gilt er als der beste Aki in ganz Kos. Leider ist seine Reputation wertlos, da seinesgleichen als verdorben geächtet werden. Niemand möchte zugeben, die Dienste eines Sündenfressers zu benötigen, schon gar nicht die königliche Familie. Als Taj in den Palast bestellt wird, um den König selbst von einer Sünde zu befreien, ahnt er nicht, dass er in eine abscheuliche Intrige hineingezogen wird, die nicht nur die Beseitigung aller Aki zum Ziel hat, sondern auch Kos zerstören soll. Taj muss handeln. Kann er den Wahnsinn, der bereits in ihm wütet, lange genug zurückhalten, um seine Freunde und ganz Kos zu retten?

 

Ich finde Tochi Onyebuchi sehr sympathisch. Ich bewundere sein Engagement im sozialen Bereich und seinen Ehrgeiz, parallel zu seinem fordernden Beruf eine Karriere als Autor anzustreben. Ich weiß, dass er mit einer Bipolar-II-Störung lebt und seine Alkoholsucht überwand. Deshalb bedauere ich die folgenden Worte von Herzen: „Beasts Made of Night“ ist eine Katastrophe. Nach der Lektüre war ich völlig geschockt, ich fragte mich ernstlich, ob in meinem Rezensionsexemplar vielleicht Teile fehlten, denn die Geschichte dieses Reihenauftakts fühlte sich dermaßen unvollständig und fragmentarisch an, dass ich ihr nicht einmal folgen konnte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Onyebuchi konnte sich offenbar überhaupt nicht in seine Leser_innen hineinversetzen. Er beschreibt nichts, er erklärt nichts, er schubste mich in dieses löchrige Gebilde hinein und erwartete, dass ich mich ohne seine Hilfe darin zurechtfand, während er munter riesige Gedankensprünge vollzog und keinen einzigen Aspekt verlässlich ausarbeitete. Ich stürzte im freien Fall durch die Löcher in Handlung, Chronologie, Worldbuilding und Charakterkonstruktion und konnte zuschauen, wie mir „Beasts Made of Night“ rasant egal wurde, weil ich es nicht begriff. Diese Entwicklung betrübt mich, denn ich ahne, welche Geschichte Onyebuchi eigentlich erzählen wollte und wie sie sich in seinem Kopf abspielte. Er konnte seine Fantasie wohl nicht auf Papier bannen. In einem Interview erwähnte er, dass das Setting Kos von der nigerianischen Stadt Lagos inspiriert sei. Diesen Eindruck teilte ich nicht, mir erschien die ummauerte Stadt wie eine krude Version des antiken Roms, erweitert durch einen wilden Mix östlicher Kulturen und Gebräuche. Was hinter Kos‘ Mauern liegt – keine Ahnung. Da sind Bäume. Mehr weiß ich nicht. Die Gesellschaft, die dieses inkonsistente Bild bevölkert, erschloss sich mir ebenfalls nicht. Hat die königliche Familie nun Macht oder wird Kos in Wahrheit von Magiern regiert? Ich weiß es nicht. Ebenso fehlte mir eine Begründung, wieso die Aki verabscheut werden, obwohl ihr Wert unschätzbar ist. Sie erweisen den Menschen einen unverzichtbaren Dienst, da Sünden nicht nur ideologisch abgelehnt werden, sondern auch „krank machen“. Inwiefern und wieso – ich weiß es nicht. Da sie nun schon als Bodensatz der Gesellschaft gelten, läge es nahe, ihre Tattoos, die sie offen brandmarken, zu verstecken. Tun sie nicht. Warum – ihr ahnt es – weiß ich nicht. Gern hätte ich mich in diesem verwirrenden Ansturm bruchstückhafter Informationen zumindest am Protagonisten Taj festgeklammert, ja, ich wäre bereit gewesen, ihn emotional in einem Todesgriff zu halten, um mich durch „Beasts Made of Night“ hindurchzubringen. Es ging nicht. Ich kann ihn nicht leiden. Er ist arrogant und aggressiv, kein bisschen empathisch und kurz gesagt ein Widerling, der viel zu große Stücke darauf hält, bisher nicht verrückt geworden zu sein. Tolle Leistung. Applaus. Kurz vor Schluss versucht Tochi Onyebuchi dann, die Handlung dieses Schweizer Käses durch eine überraschende Wendung aufregend und unvorhersehbar zu gestalten. Unglücklicherweise war dieser Dreh inhaltlich vollkommen unlogisch. Das fällt allerdings nur marginal ins Gewicht, weil das Vorspiel kaum glaubwürdiger ist.

 

Es tut mir sehr leid, dass mir „Beasts Made of Night“ nicht gefiel. Ich glaube fest daran, dass Tochi Onyebuchi ein toller Mensch ist, freundlich und hilfsbereit. Seine Pläne, ein erfolgreicher Autor zu werden, würde ich an seiner Stelle jedoch noch ein paar Jahre auf Eis legen. Was diesen Reihenauftakt betrifft, kann ich leider nur einen möglichen Rat aussprechen: ab damit in den Papierkorb und noch einmal ganz von vorn anfangen. In ihrer aktuellen Form hat die Geschichte meiner Ansicht nach nicht einmal Potential, da sie zu viele offene Baustellen aufweist. Ich begreife nicht, wieso das Manuskript überhaupt von einem Verlag angenommen wurde. Aufgrund mehrerer Rezensionen, die ich gelesen habe, weiß ich, dass ich nicht die einzige bin, die so empfindet. Man hätte Onyebuchi vor diesen Negativmeinungen bewahren müssen. Niemand sollte erleben müssen, wie der eigene Debütroman von den Leser_innen in Stücke gerissen wird.

 

Vielen Dank an Netgalley und den Verlag Razorbill für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/03/14/tochi-onyebuchi-beasts-made-of-night
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