logo
Wrong email address or username
Wrong email address or username
Incorrect verification code
back to top
Search tags: Sterben
Load new posts () and activity
Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2017-07-19 09:07
Ist Magie ein Vorrecht der Kindheit?
The Magician's Land - Lev Grossman

Wieder einmal steht Quentin Coldwater vor dem Nichts. Aus Fillory verbannt, ist er gezwungen, zur Erde zurückzukehren. Er muss sich ein neues Leben aufbauen, noch einmal von vorn anfangen. Fast von selbst lenken ihn seine Schritte zum Brakebills College für magische Erziehung. Der verlorene Sohn geht heim. Seine alte Schule empfängt ihn mit offenen Armen und langsam beginnt Quentin, sich in der irdischen Realität zu akklimatisieren. Er arbeitet hart und bleibt meist für sich. Doch seine Vergangenheit lässt ihm keine Ruhe. Noch immer quält ihn der Gedanke an Alice, seine große Liebe. Entschlossen, herauszufinden, was mit ihr geschehen ist und unterstützt von der begabten Schülerin Plum wagt sich Quentin in die zwielichtigen, gefährlichen Gefilde der Magie, in der Hoffnung, Alice vielleicht zurückzuholen.
Währenddessen spitzt sich die Lage in Fillory zu. Das verzauberte Land stirbt. Verzweifelt begeben sich Eliot und Janet auf eine letzte, alles entscheidende Quest, um ihr Königreich zu bewahren. Allein können die beiden allerdings wenig ausrichten. Sie brauchen Hilfe. Hilfe von dem einzigen Menschen, der mehr über Fillory weiß, als irgendjemand sonst: Quentin, dessen Schicksal untrennbar mit dem magischen Land verbunden zu sein scheint. Welten und Leben stehen auf dem Spiel. Wird Quentin Fillory retten können und endlich Vergebung für seine Sünden finden?

 

Das nenne ich mal einen Abschluss! Lev Grossman versteht es wirklich, eine Geschichte emotional befriedigend zu beenden. „The Magician’s Land“ ist meiner Meinung nach mit Abstand der beste Band der Trilogie „The Magicians“. Ich bin begeistert und war am Schluss sogar zu Tränen gerührt. Während all der Zeit, die ich mit dem Protagonisten Quentin in den Vorgängern „The Magicians“ und „The Magician King“ verbrachte, war ich enttäuscht von ihm, weil er einfach nicht zu schätzen wusste, welche Privilegien ihm zuteilwurden. Seine ziellose Rastlosigkeit faszinierte mich, entsetzte mich allerdings auch, da ich nicht verstand, was er denn eigentlich noch wollte. Er wusste es ja selbst nicht. Jetzt wird Quentin endlich erwachsen und schließt mit all den losen Enden in seinem Leben ab. Zum ersten Mal habe ich ihn als echten Magier wahrgenommen, der begreift, mit welchen Kräften er arbeitet. Aus Fillory rausgeworfen zu werden, war das Beste, das ihm passieren konnte. Andernfalls wäre er auf ewig der kindliche, naive Träumer geblieben, der sich stur weigerte, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Er konnte dort nicht leben, er musste raus aus diesem zauberhaften, magischen Land, weil er es viel zu sehr brauchte. Er war zu abhängig davon, was ihn ausgerechnet mit Martin Chatwin verbindet, der ebenfalls nicht loslassen konnte und wollte, als es Zeit war. Martins zerstörerisches Schicksal, das Grossman in „The Magician’s Land“ erfreulicherweise noch einmal ausführlich beleuchtet, hätte ebenso gut Quentins Schicksal sein können. Er klammerte sich so fest an Fillory, dass er gar nicht merkte, dass es ihm irgendwann nicht mehr um das Königreich an sich ging. Es ging um ihn selbst, um seine egoistischen Empfindungen und Unzulänglichkeiten. Ich denke, das ist der Grund, warum jedes Kind, das Fillory besucht, nicht mehr eingeladen wird, sobald es beginnt, erwachsen zu werden. Das ist keine willkürliche Grausamkeit, wie Quentin behauptet, sondern ein Schutzmechanismus. In Fillory kann man nicht erwachsen werden. Das Land ist dafür nicht geschaffen. Es ist der Unschuld der Kindheit vorbehalten. Magie dieser Art verdirbt durch die Anwesenheit irdischer Erwachsener, was der Verlauf der Regentschaft von Eliot und Janet eindrucksvoll beweist. Obwohl sie Fillory niemals direkt schadeten, kann es kaum Zufall sein, dass ihr Königreich nur wenige Jahre (in der Zeitrechnung Fillorys) nach ihrer Machtübernahme im Sterben liegt. Es war nie vorgesehen, dass Erwachsene die Throne beanspruchen. So läuft das nicht. Ich bin fest überzeugt, dass Quentin Fillory gerade noch rechtzeitig verließ, um endlich die längst überfällige persönliche Entwicklung zu durchleben, die ihn paradoxerweise als den einzigen Menschen zeichnet, der Fillory retten könnte. Grossman beschreibt seine Entfaltung brillant, zeigt all ihre schmerzhaften, desillusionierenden Facetten extrem ehrlich und realistisch. Endlich ist er der Magier, der er immer sein wollte: er gebietet über die düsteren, unberechenbaren Mächte der Zauberei, indem er sich ihnen mit einer Mischung aus kindlicher, begeisterungsfähiger Neugier und erwachsenem Verantwortungsbewusstsein nähert. Ich bin unglaublich stolz auf ihn.

 

„The Magician’s Land“ vermittelt eine andere Atmosphäre als die vorangegangenen Bände der Trilogie. Diese ist zwar noch immer bedrohlich und verdreht, doch darunter liegt eine gewisse majestätische Ausgeglichenheit, die meiner Ansicht nach aus Quentin als Protagonist entspringt. Ich habe mich ihm so nahe gefühlt wie noch nie zuvor und mache mir keinerlei Sorgen um seine Zukunft. Er wird seinen Weg gehen. Ich bin sehr glücklich mit dem Finale dieser bizarren Geschichte, die über das Motiv des Zauberlehrlings weit hinauswächst und diesem eine Tiefe verleiht, die ich am Beginn von „The Magicians“ niemals erwartet hätte. Lev Grossman hat ein Epos erschaffen, das meinem Empfinden nach tatsächlich der würdige Nachfahre der „Chroniken von Narnia“ ist, wenn auch erwachsener, moderner und ernsthafter. Subtil stellt er sich der philosophischen Frage, ob Magie ein Vorrecht der Kindheit ist und ob der Verlust der Unschuld beim Erwachsenwerden den Verlust der Magie impliziert. Natürlich gibt es auf diese Frage keine einfache Antwort. Ihr werdet den verwirrenden Fall durchs Kaninchenloch gemeinsam mit Quentin selbst wagen müssen, um sie zu finden. Geht es nach mir, solltet ihr das unbedingt tun, denn gerade Bücherwürmer, die mit einer reichen Fantasie gesegnet sind, können durch die Trilogie viel über die Träume ihrer Kindheit lernen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/19/lev-grossman-the-magicians-land
Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2017-07-12 11:05
Ich werde wohl nie ein Fan der Chic-Lit
P.S. Ich liebe Dich - Cecelia Ahern,Christine Strüh

Einst schwor ich, sollte mir jemals ein Chic-Lit-Roman begegnen, der mein Interesse weckt, würde ich ihm eine Chance geben. Im April 2017 ging ich an der Buch-Telefonzelle vorbei, die bei uns in der Nähe aufgestellt ist. Einem Impuls folgend schaute ich mir an, welche Bücher dort aktuell auf ein neues Zuhause warteten und hielt plötzlich „P.S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern in der Hand. Ich kannte die Geschichte bereits, denn vor Jahren hatte ich die Verfilmung mit Gerard Butler und Hilary Swank gesehen. Ich mochte den Film, also entschied ich meinem Vorsatz entsprechend, es mit dem Buch zu versuchen. Gekauft hätte ich es sicherlich nicht, aber da ich es umsonst ergatterte, fand ich, ich hätte nichts zu verlieren.

 

Man sagt, stirbt ein geliebter Mensch, stirbt ein Teil von uns mit ihm. Als Gerry starb, verlor Holly nicht nur ihren Ehemann, ihren besten Freund und ihren Seelenverwandten, sondern auch sich selbst. Sie weiß nicht, wie sie allein weiterleben soll. Gerry war ihre ganze Welt, die Sonne ihres Universums. Depression und Trauer haben sie fest im Griff. An den meisten Tagen findet sie nicht einmal die Kraft, aufzustehen. Doch ihr Angetrauter kannte seine Frau besser, als sie dachte. Nach seinem Tod erreicht Holly ein Päckchen, in dem sich 10 nach Monaten beschriftete Briefe befinden. Hollys Herz setzt beinahe aus, als sie Gerrys Handschrift erkennt. Jeder Brief enthält genaue Anweisungen; Aufgaben, die Holly Monat für Monat meistern soll. Zögernd, aber entschlossen, Gerrys Wünsche zu erfüllen, begibt sie sich auf die schwerste und beängstigendste Reise, die sie je unternehmen musste: den Weg zurück ins Leben.

 

Ich denke, ich habe durch „P.S. Ich liebe Dich“ herausgefunden, welches grundsätzliche Problem ich mit Chic-Lit habe. Doch bevor ich euch von dieser bahnbrechenden Erkenntnis berichte, erst einmal ein paar Worte zum Buch selbst. Für das richtige Publikum ist Cecelia Aherns Erfolgsroman garantiert die Erfüllung eines literarischen Traums. Die Idee, dass der verstorbene Gerry seiner Frau Briefe hinterlässt, um ihr zurück ins Leben zu helfen, ist ohne Zweifel süß und – so ungern ich das Wort gebrauche – romantisch. Gerry liebte Holly und kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es ihr schwerfallen würde, sich eine Zukunft ohne ihn vorzustellen. Trauer lähmt. Cecelia Ahern illustriert diesen Fakt elegant, indem sie Hollys Umfeld große Veränderungen durchleben lässt, während sie selbst stillsteht. Um sie herum geht das Leben weiter, nur sie tritt auf der Stelle. Gerrys Tod versetzte sie verständlicherweise in eine Schockstarre, aus der sie erst die Briefe langsam befreien. Sie ist verblendet, vollkommen in ihrer Trauer versunken und nicht mehr in der Lage, sich selbst korrekt wahrzunehmen. Als sie sich in einem Film sieht, den ihr Bruder an einem feuchtfröhlichen Abend mit ihren Freundinnen drehte, ist Holly schockiert, wie unfassbar traurig sie nach außen wirkt. Sie glaubte, sich gut zu schlagen, dabei ist ihr ins Gesicht geschrieben, wie furchtbar unglücklich sie ist. Ahern versäumt es nicht, abzubilden, dass ein Verlust dieser Größenordnung durchaus hässliche Seiten hat. Holly ist selten eine würdevoll trauernde Witwe, oft überkommen sie giftige, eifersüchtige, ungerechte Gefühle und Gedanken, betrachtet sie das Glück ihres Freundeskreises. Ich fand ihren Trauerprozess insgesamt sehr realistisch beschrieben und hatte keinerlei Schwierigkeiten, jede der vier Phasen (nach Kast) zu erkennen und nachzuvollziehen. Trotz dessen berührte mich Hollys Leidensweg nicht in dem Maße, wie er es vermutlich sollte. Zu oft wurde ich daran erinnert, wie abhängig die junge Frau von ihrem Ehemann war. Das Frauenbild, das Holly verkörpert, widerspricht allem, was ich mir für mein Leben wünsche. Ohne Gerry hat Holly nichts: kaum Freunde, keine Hobbys, keinen Job und keinen Lebenssinn. Sie definierte sich über ihre Beziehung; es war ihr genug, Gerrys bessere Hälfte zu sein und er scheint sie nie dazu inspiriert zu haben, mehr erreichen zu wollen. Er ist an ihrer Hilflosigkeit nicht unschuldig, denn er ließ es zu, dass sie sich von ihm abhängig machte. Sie sah sich nie veranlasst, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln und steht deshalb jetzt vor der Mammutaufgabe, sich selbst zu erfinden. Ich konnte sie nur bedingt bemitleiden, weil ich das Gefühl hatte, ihre unbestreitbar schmerzhafte und grauenvolle Situation wäre leichter zu ertragen gewesen, hätte sie sich bereits weit vor Gerrys Tod ein eigenes Leben aufgebaut. Außerdem war mir der Druck, Holly bemitleiden zu müssen, viel zu stark. Ich denke, DAS ist mein Problem mit der Chic-Lit. Ich reagiere allergisch auf die allzu plakative Manipulation meiner Emotionen. Ich will Mitgefühl empfinden, weil die Figuren es verdienen, nicht, weil ich gezwungen werde. Ich will aus eigenem Antrieb weinen, nicht, weil ich keine andere Wahl habe. Zwang erstickt jegliches natürliche Gefühl im Keim.

 

„P.S. Ich liebe Dich“ ist ein gutes Buch. Das kann ich reinen Gewissens behaupten. Cecelia Aherns nahbarer Schreibstil liest sich leicht und flüssig; die Geschichte ist einfühlsam und psychologisch realistisch, wenn auch ein wenig kitschig, was ich allerdings erwartet hatte. Ich bereue nicht, es gelesen zu haben, obwohl mich der Film damals besser erreichte. Das wichtigste Ergebnis dieses Lektüre-Experiments ist für mich indes, verstanden zu haben, warum ich der Chic-Lit kaum etwas abgewinnen kann. Alle Autor_innen manipulieren die Gefühle ihrer Leser_innen. Das ist ihr Job als Geschichtenerzähler_innen. Autor_innen wie Cecelia Ahern jedoch spielen berechenbar und unverblümt auf der Klaviatur der Emotionen, was mir persönlich einfach nicht subtil genug ist. Kurz gesagt, ich möchte nicht merken, dass ich manipuliert werde. Daher werde ich vermutlich niemals ein Fan der Chic-Lit. Und das ist okay. Ich habe es versucht, herausgefunden, dass es mir nicht zusagt und die Gründe dafür analysiert. Fall abgeschlossen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/12/cecelia-ahern-p-s-ich-liebe-dich
Like Reblog Comment
review 2017-04-05 11:06
Das Spiel spitzt sich zu
Die Knochenjäger - Steven Erikson

Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Die Feuer der Rebellion“ als auch „Die Knochenjäger“. Im Original erschien der sechste Band unter dem Titel „The Bonehunters, für den deutschen Markt wurde dieser geteilt.

 

Imperatrix Laseen entsendete Mandata Tavore mit einem eindeutigen Auftrag ins Reich der Sieben Städte: sie sollte die Rebellion des Wirbelwinds samt ihren Wurzeln herausreißen und das Land erneut befrieden. Nach dem verhängnisvollen Blutbad im Sand der Raraku ist der Aufstand niedergeschlagen; Sha’ik ist tot und die Göttin wurde bezwungen. Doch eine kleine Schar ihrer Anhänger entkam. Angeführt von Sha’iks gefürchtetem Leibwächter Leoman von den Dreschflegeln fliehen die Überlebenden in die uralte Festungsstadt Y’Ghatan. Tavore hat keine andere Wahl, als sie mit der erschöpften 14. Armee zu verfolgen, obwohl sie weiß, dass Y’Ghatan für das malazanische Imperium in der Vergangenheit nichts als Kummer und Schmerz bereithielt. Hier starb Dassem Ultor, das Erste Schwert, der größte Held der Malazaner. Trotz dessen muss Tavore ihre Soldat_innen in den Kampf gegen die Feuer der Rebellion schicken. Scheitern ist keine Option, denn sie darf der Imperatrix keine Vorwände liefern. In den letzten Monaten wurden Laseens Pläne und Absichten stetig undurchschaubarer, sie selbst unberechenbarer. Würde sie sich aus Machthunger gegen ihr eigenes Volk wenden und sich im brodelnden Krieg der Götter auf ein gefährliches Spiel einlassen? Würde sie sich mit dem Verkrüppelten Gott verbünden?

 

Ich liebe, liebe, LIEBE „Das Spiel der Götter“ von Steven Erikson! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie großartig es ist, zu beobachten, wie sich all die Handlungsstränge Stück für Stück verdichten und langsam zuspitzen. Ich war mehr als nur ein wenig erleichtert, mich im zweigeteilten sechsten Band „Die Feuer der Rebellion“ und „Die Knochenjäger“ wieder in den gewohnten Bahnen der Geschichte zu bewegen und zu bekannten Figuren zurückzukehren. Nach dem Ausflug in das Reich der Tiste Edur und der Letherii hätte ich vor lauter Wiedersehensfreude Luftsprünge machen können. Trotz dessen verstehe ich nun, warum Erikson diesen extremen inhaltlichen Bruch wagte. Die Tiste Edur spielen eine bedeutende Rolle im Krieg der Götter und werden vom Verkrüppelten Gott skrupellos manipuliert. Ohne den tiefen Einblick in ihre Geschichte und Kultur hätte ich niemals begriffen, wieso sie für seine Einflüsterungen außergewöhnlich empfänglich sind. Sie sehnen sich so verzweifelt nach Identität und Bestimmung für ihr Volk, dass sie nicht erkennen, dass er sie hemmungslos belügt. Sie bemerken nicht, dass sie sich weiter und weiter vom Schattenreich und Kurald Emurlahn entfernen.
Vermutlich ist ihre Distanz der einzige Grund, warum Ammanas und Cotillion das Gewirr der Schatten in Besitz nehmen konnten. Anders kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch – selbst ein Aufgestiegener – ein nicht-menschliches Gewirr für sich beanspruchen konnte. Allerdings glaube ich, dass die Eroberung der Schattensphäre nicht spurlos an Ammanas vorbeiging. Ich habe gewaltige Schwierigkeiten, seine Persönlichkeit als Herr des Hohen Hauses Schatten und seine Persönlichkeit als Imperator Kellanved miteinander in Verbindung zu bringen. Meiner Ansicht nach passen sie nicht zusammen. Ich denke, das Aufsteigen, die Transformation in Schattenthron, veränderte Kellanved stark. Als hätte die fremde Macht des Gewirrs seinen Verstand angegriffen.
Ich bin Steven Erikson sehr dankbar, dass er endlich erklärt, wie das System des Aufsteigens funktioniert. Es gefiel mir hervorragend, dass Erikson Ganoes Paran diese zusätzlichen Fakten über das Universum erläutern lässt, denn meiner Ansicht nach ist Ganoes‘ Rolle die spannendste der gesamten Geschichte. Er ist der Herr der Drachenkarten, die, wenn sie ausgespielt werden, meinen Puls in die Höhe jagen und meinen Körper mit Gänsehaut überziehen. Als dieser steht er außerhalb des Konflikts der Götter, scheint aber nicht zu Neutralität verpflichtet zu sein. Seine oberste Priorität ist der Schutz der Sterblichen vor allzu radikalen Eingriffen der Götter. Folglich besitzt er eine gewisse Macht über sie, die er eindrucksvoll zum Einsatz bringt.
Ganoes ist jedoch nicht der einzige Charakter, der sich aktiv in den Krieg einmischt. Mittlerweile ist die Situation erstaunlich vielen Figuren bewusst. Es bildet sich eine unerwartete Allianz gegen den Verkrüppelten Gott, die die Sterblichen unablässig in günstige Positionen schiebt. Interessanterweise betrifft das auch Icarium. Icarium erfüllt nur einen einzigen Daseinszweck: er ist eine Waffe. Eine furchterregende Waffe, die während eines Kampfes in blinde Raserei verfällt. Ich war schockiert. Wie vom Donner gerührt. Ich kannte die Legenden über ihn natürlich, aber niemals hätte ich erwartet, dass dieses witzige, sanftmütige, philosophisch bewanderte Halbblut zu einem Monster mutieren könnte. Kein Wunder, dass er seit Jahrhunderten einen Aufpasser hat. Wenn die Jaghut-Tyrannen so waren wie er, kann ich gut verstehen, dass sich die T’lan Imass auflehnten und schworen, alle Jaghut auszurotten.

 

Wann immer ich eine Rezension zu einem Band von „Das Spiel der Götter“ schreibe, bin ich frustriert, nicht alle herausragenden Aspekte ansprechen zu können. Ich wünschte, ich könnte euch haargenau darlegen, wie tief mich die Loyalität und Kameradschaft der 14. Armee berührte, wie spannend und nervenaufreibend die Schlacht in Y’Ghatan war, wie faszinierend die philosophischen, theologischen Überlegungen Steven Eriksons sind und wie viel Misstrauen ich Imperatrix Laseen gegenüber empfinde. Ich könnte zu jedem Fragment der einzelnen Handlungsstränge ganze Abhandlungen schreiben. Die Geschichte der Reihe ist eigentlich viel zu komplex, um sich an Zeichenzahlen zu halten. Vielleicht werde ich in Zukunft alle selbstauferlegten Richtlinien in den Wind schießen und frei von der Leber weg drauf los schwärmen. Denn darum geht es hier ja schließlich: euch von der mit Abstand besten Reihe zu erzählen, die das Genre der High Fantasy zu bieten hat und die mein Herz ehrfurchtsvoll höherschlagen lässt.

Like Reblog Comment
show activity (+)
review 2017-03-05 15:22
Ein wirklich witziger Roman mit ernstem Hintergrund
Die sieben Tode des Max Leif: Ein Hypochonder-Roman - Juliane Käppler

Max Leif ist grade mal 41 als ihm ein Herzinfarkt ereilt und ihm einen Denkzettel verpasst. Auch sein bester Freund Paul redet auf ihn ein und macht ihm klar das es vielleicht nicht so gut ist sein Leben nur auf der Überholspur zu verleben. Das er auch mal an sich denken soll, und Arbeit nicht alles ist was einen Sinn im Leben bringt. So überredet Paul Max also dazu, eine Woche mit ihm in die Ferien zu gehen, sich auszuspannen, sich zu erholen, es sich einfach mal gut gehen lassen. Doch wie das Leben, diese Schlappe nun mal ist, macht sie den beiden einen gewaltigen Strich durch die Rechnung! Denn Paul stirbt überraschenderweise an einer Lungenembolie in folge einer Thrombose, und das kurz vor dem Urlaub mit Max. Trotz allem geht max nach Sansibar, überlebt mehr den Urlaub als was anderes, und kommt nach einer Woche wieder völlig fertig nach Hause, doch nichts ist mehr wie es war denn wie es scheint steht auch sein Tod unmittelbar bevor.

 

Die Geschichte

Juliane Kuppler hat sich mit diesem Roman über einen Hypochonder wirklich in mein herz geschrieben. Die Idee war für mich neu, denn ich hab noch nie einen Roman über diese Störung gelesen weder als witzige Geschichte noch als Drama. Und ich finde, die Umsetzung ist ihr mehr als gut gelungen! 

 

Die Geschichte ist total nachvollziehbar und man kann mir auch sehr gut vorstellen wie solch ein Erlebnis jemanden so aus der Bahn werfe kann das es zu einer solche Störung kommt. Man muss sich nur der Komplexität im klaren sein. Das Buch, oder eher Max Leif, konnte mich von den ersten Seiten an mitreissen. Er hat mir an seinem Leben teilhaben lassen, ich lachte mit ihm, nicht über ihn, ich hatte Mitgefühl, kein Mitleid, ich freut mich für ihn genau so wie ich mit ihm verzweifelt war. Von der ersten Seite bis zu letzten hat er mich nicht los gelassen.

 

Der Schreibstil von Frau Käppler ist flüssig, witzig, direkt. Es macht Spass durch die Seiten, das Leben von Max zu rauschen. Das Buch ist in 7 Monate aufgeteilt, jeder Monat für einen  Tod. Diese Kaputte wurden auch wieder in Subkapitel eingeteilt die mit passenden Übertitel versehen wurden. Und ich finde das wirklich sehr passend zur Geschichte. Auch von der Stimmung war alles dabei von besorge, über liebevolle und auch ärgerliche und verzweifelten Momenten war alles mit dabei.

Was das Ende angeht, ich war mehr als zufrieden. Zu viel möchte ich dazu eigentlich nicht sagen aber es ist ein passender Abschluss.

 

Am nächsten morgen halt ich am Krankenhaus, um zu sehen , ob es Paul inzwischen gut genug ginge, um doch mitfliegen zu können. Da war er schon eine Stunde tot. Nicht mehr am Leben! Von einem Tag auf den anderen. Eben noch im Meeting. Jetzt schon tot. Nicht.Mehr.Da.

S.11 – Max

 

Prota- und Antagonisten & Co

Klar, der Protagonist ist Max, den um seine 6 Monate nach der Reise geht es. Max ist mir sofort ans Herz gewachsen und ich kann ihn Förmlich vor mir sehen. Ich kann mir zwar gut vorstellen das manche ihn als nervig empfinden könnten, was aber bei mir nie der Fall war. Er ist ein überaus herzlicher und grosszügiger Mensch, der einfach grade in einer absoluten Kreise steckt. Angst vor dem Tod hat, was eigentlich so nicht mal stimmt, nur oberflächlich gesehen denn die Angst vor dem Tod ist eigentlich mehr die Angst vor dem Leben.

 

Max kämpft sich durch die Tage, Wochen und Monate. Doch er lernt auch viel über sich selber und gibt ein geheimes Preis und wächst doch noch über sich hinaus, was ich einfach toll finde.

 

Juliane Käppler schafft es nicht nur die Emotionen glaubhaft rüber zu bringen sondern auch in mir Emotionen zu wecken. Und das gelingt nicht wirklich jedem Autor. 

 

Klar erfahren wir in der Geschichte ein klein bisschen mehr von Max und diese Häppchen die uns die Autorin zu lesen gibt, reichen aus um uns klar zu werden was in Max ausläuft und warum er manches tut und warum er schlussendlich in diese Krise gerät.

 

Neben Max gibts noch ein paar wenige Nebenfiguren die aber im leben von Max eine ganz wichtig Rolle spielen.

 

Da wäre seine russische Putzfrau Jekatarina Poljakow. Eine resolute aber sehr sympathische Frau, die Max auch mal die Meinung geigt. Sie ist mir eben so ans Herzgewachsen wie Max.

 

Dann haben wir noch Floh, sein Ex-Angestelter. Frau Dr. Bärbeisser, sie bekommt öfters mal das vergnügen sich um Max zu kümmern und Maja… eine verletzliche aber herzliche, ein ach manchmal kratzbürstige Frau, die aber ein grosses Herz hat welches sie zu beschützen weiss. Und die Eltern von Max. Die mir am Schluss dann doch noch sympathisch werden 

 

„Haben Sie eben tatsächlich das Fenster geputzt, oder hab ich mir das eingebildet?“, fragte ich, weil ich mir vor Verlegenheit nichts anderes einfällt.  „Konntest du schreiben Sau darauf“, antwortet sie mit leichtem trotz in der Stimme. „Chabe ich angeschaut zwei Tage und  heute Lappen und Seife gebracht mit.“ Sie beugt sich näher zu mir und tätschelt meinen Arm etwas kräftiger. „Freue ich mich so, dass du wach bist, Max Leif. Chast du uns alle gejagt grossen Schreck! Haben wir in Zeitung gelesen, was passiert ist. War Foto drin mit Auto, das in Schild gesteckt.“

S. 345 Max / Jekaterina

 

Die Sache mit dem Text

Wer die letzten 3 remis hier schon gelesen hat weiss das ich hier noch mit einem anderen Aspekt heran geht. Durch meine Legasthenie, bekommt die Sache mit dem Text eben noch ne andere Komponente, die hier immer Beachtung finden wird.

 

Der Text ist dem Genre angepasst, die Kapitel sind gut von der Länge, so das es immer spannend bleibt und dennoch einen guten und schnellen Lesefluss erzeugt und ich finde das die Länge der Kapitel sehr angenehm ist.

 

Das Buch ist im Blocksatz gedruckt was ich sehr angenehm finde, denn es macht s einfacher die Zeile nicht zu verlieren, also für mich. Mag bei anderen Legastheniker vielleicht etwas anders sein. Aber das ganze scheint Fach etwas ruhiger und aufgeräumter und das macht das lesen etwas entspannter. Die Grösse der Schrift ist auch okay. Auch wenn ich mir manchmal doch eine etwas klarere Schrift wünsche.

 

So ein Hirntumor kann man sah sicher operativ entfernen. Vor ein paar Monaten hab ich zwar gesagt, dass niemand an mir rumschnippelt, aber wenn es um einen Tumor im Kopf geht, sieht das natürlich anders aus.  Der muss auf jeden Fall raus. Der zahlt keine Miete. Selbst wenn ich dabei drauf gehe. Ich will gesund sein oder sterben bei dem Versuch, es zuwenden.

S. 203 – Max

 

Und sonst noch

Das Cover find ich toll, Max der im Regen steht. Irgendwie völlig sinnbildlich für die ganze Kreise. Auch der Titel find ich sehr passend, denn 7 mal hätte es ja sein könne das er stirbt, bis…

 

Das Buch ist mein erstes Highlight dieses Jahr und ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Buch. Es konnte mich berühren, und das auf eine ganz spezielle Weise. Das Buch schaffe es sich mal genauer mit der Thematik auseinander zu setzen, sich selber mal zu reflektieren. Denn es ist wirklich kein einfaches Thema und für den betroffenen muss so eine Neigung wirklich sehr anstrengend sein. Kaum ist man was, denkt man gleich man könnte sterben, es ist ein Auf und Ab von Gefühlen. Und das ist bestimmt ein sehr nervenaufreibendes Leben. Also ja, das Buch konnte mich bis zur letzten Seite fesseln.

Die Autorin konnte mich mit der Geschichte um Max überzeugen und ich bin sehr gespannt wie der 2. Teil ist, den ich natürlich umbedingt haben muss!

 

Wer gerne witzige Bücher mag, die aber dennoch einen ernsten Hintergrund haben, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Lasst Max in euer Leben und erfahrt wie es ist, immer am Rande des Todes zu stehen.

 

More posts
Your Dashboard view:
Need help?