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review 2018-11-27 13:10
Skurrilität mit ausgefahrenen Krallen
Weave a Circle Round - Kari Maaren

Kari Maaren ist ein kreatives Allround-Talent. Die Kanadierin schreibt Geschichten, zeichnet den Webcomic „It Never Rains” und komponiert Musik. Ihr musikalisches Schaffen ist leider nur wenigen bekannt, denn ihre Songs gehören zum Genre Filk. Filk ist an Folk angelehnt und behandelt Themen aus der Science-Fiction und Fantasy. Echte, unverfälschte Nerd-Musik. Yeah! Ich habe mir drei ihrer Stücke auf der Ukulele angehört: „Dear George R.R. Martin”, „Voldemort, I Wanna Be Like You” und „Everybody Hates Elves”. Die Lieder sind großartig. Ich habe mich köstlich amüsiert. Wirklich, hört mal rein. „Weave a Circle Round” ist Maarens schriftstellerisches Debüt. Es ist ein YA-Zeitreise-Roman ohne Liebesgeschichte, weil sie Liebesgeschichten als 14-Jährige schrecklich langweilig fand. Ich erhielt ein Rezensionsexemplar via Netgalley.

 

Eines Tages reißt ein lautes Krachen die 14-jährige Freddy mitten aus einem Streit mit ihrer cleveren kleinen Schwester Mel und ihrem tauben Stiefbruder Roland. Vor dem leerstehenden Nachbarhaus ist ein Umzugswagen gegen einen Baum gebrettert. Aus dem Unfallwagen klettern ein Junge in Freddys Alter und eine ältere Frau. Sie stellen sich als Josiah und Cuerva Lachance vor. Sofort spürt Freddy, dass ihre neuen Nachbarn speziell sind. Sie sind… exzentrisch. In ihrer Gegenwart scheinen die Gesetze der Physik und der Logik keine Gültigkeit zu haben. Nach einigen äußerst seltsamen Begegnungen ist Freddy fast entschlossen, ihr verrücktes Haus nie wieder zu betreten. Doch dann folgt sie Josiah durch eine Tür – und landet plötzlich im mittelalterlichen Schweden. Will sie wieder nach Hause, hat sie keine andere Wahl, als Josiah zu vertrauen. Ausgerechnet! Langsam dämmert ihr, dass Josiah und Cuerva Lachance nicht zufällig nebenan eingezogen sind. Wer sind die beiden wirklich? Was wollen sie von ihr und ihrer Familie? Und wieso steht die Realität Kopf, sobald sie in der Nähe sind?

 

Als ich den Klappentext von „Weave a Cirlce Round“ las, nahm ich aus irgendeinem nicht nachzuvollziehenden Grund an, bei den neuen Nachbarn der Protagonistin Freddy handele es sich um ein altes, kauziges Ehepaar. Ich war ziemlich überrascht, als sich mein Irrtum offenbarte. Was ihre Kauzigkeit betrifft, lag ich hingegen goldrichtig. Josiah und Cuerva Lachance sind nahezu aggressiv seltsam. Ihre Merkwürdigkeit ist aufdringlich; sie springt Leser_innen und Figuren gleichermaßen mit ausgefahrenen Krallen ins Gesicht, was die Autorin Kari Maaren wohl beabsichtigte. Niemand kann leugnen, dass mit diesen beiden etwas nicht stimmt. Cuerva Lachance, eine nominell erwachsene Frau, die darauf besteht, mit vollem Namen angesprochen zu werden, verfügt über die Aufmerksamkeitsspanne einer Eintagsfliege, gibt mitten in der Nacht dröhnende Orgelkonzerte und taucht ständig völlig unvermittelt auf. Sie ist immer irgendwie drüber und daneben. In ihrer Gegenwart scheint sich die Realität selbst zu winden. Josiah hingegen mag offiziell erst das Teenageralter erreicht haben, benimmt sich jedoch, als wäre er mit 45 auf die Welt gekommen. Er wirkt manchmal regelrecht suizidal, weil er in seiner drolligen, gespreizten Ausdrucksweise alles und jede_n beleidigt und provoziert – inklusive Lehrpersonal und Schulhofschläger. Dennoch mochte ich die beiden. Ich traute ihnen nicht, aber mich amüsierte es, dass sie ihre Skurrilität nicht zu kontrollieren vermochten, egal, wie sehr sie sich anstrengten. Sie können einfach nicht anders. Für die arme Freddy sind Josiah und Cuerva Lachance allerdings eine echte Herausforderung. Sie belagern ihre Familie: sie selbst, ihre kleine Schwester Mel und ihren Stiefbruder Roland. Tragischerweise sind ihre Eltern sowohl physisch als auch emotional in „Weave a Circle Round“ kaum präsent, was einige von Freddys ungesunden Verhaltensweisen erklärt. Es gefiel mir, dass Maaren diese gestörte Familiendynamik anspricht, ohne sie die Geschichte dominieren zu lassen. Es geht in diesem Buch nicht um Freddys Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Es geht um sie und ihre Geschwister. Durch den mysteriösen Zeitreiseunfall verbringt Freddy mit Abstand am meisten Zeit mit Josiah und Cuerva Lachance. Obwohl sie während dieser Phase eine interessante charakterliche Entwicklung durchlebt, fand ich ihre Reise durch die Zeit leider recht langatmig. Für die schmalen Erkenntnisse, die sie gewinnt, ist dieser Part definitiv zu lang. Sie sammelt Hinweise auf die wahre Identität von Josiah und Cuerva Lachance, erhält jedoch kaum konkrete Antworten. Ich fühlte mich von Kari Maaren hingehalten und tolerierte die Verzögerung nur, weil ich ihre Herangehensweise an drohende Zeitreiseparadoxa herrlich mutig fand. Sie ignoriert sie schlicht. Sie leugnet, dass es Paradoxa geben könnte, weil die gesamte Situation ohnehin so unmöglich ist, dass Logik keine Rolle mehr spielt. Dieser erfrischende Ansatz passt vortrefflich zum Tenor von „Weave a Circle Round“, da das Buch das sensible Verhältnis von Ordnung, Chaos und Schöpferkraft diskutiert – auf verrückte, nerdige Art und Weise.

 

Ich mochte „Weave a Circle Round”. Es ist eine hübsche, geekige Geschichte mit nettem philosophischem Einschlag, die mich insgesamt gut unterhielt. Am Ende habe ich durchaus überlegt, was wohl aus den Figuren werden könnte. Das ist immer ein gutes Zeichen, weil diese Gedanken beweisen, dass sie mir nicht gleichgültig waren. Trotzdem hoffe ich, dass Kari Maaren der Versuchung einer Fortsetzung widersteht, denn meiner Meinung nach besteht der Reiz darin, es eben nicht zu wissen und die eigene Fantasie anzukurbeln, was ich als Intention der Autorin verstehe. Stattdessen drücke ich die Daumen, dass Maaren ihre schriftstellerischen Ambitionen weiterverfolgt, weil ich glaube, dass sie die kleineren Mängel, die ihr Debüt speziell in der Taktung aufweist, überwinden kann. Übung macht den Meister – wer könnte das besser wissen als eine Musikerin wie Kari Maaren?

 

Vielen Dank an den Verlag Tor Books und Netgalley für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/11/27/kari-maaren-weave-a-circle-round
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review 2018-02-16 20:25
Die Eishexe - Ein Falck-Hädström-Krimi (10) | Camilla Läckberg
180216 Eishexe1
Autorin: Camilla LäckbergTitel: Die EishexeReihe: Falck / Hedström (10)Übersetzerin: Katrin FreyVerlag: Ullstein eBooks, [02.01.2018]
Genre: Schweden-Krimi, ThrillerKindle-Edition: 768 Seiten, ASIN: B071NRVJZRauch in den Formaten HC und HB erschienenhier: Leseexemplar via NetGalley.de vom VerlagVIELEN DANK !!!gelesen auf dem Kindle Paperwhite und der Kindle-Appklick zu Amazon.de

Inhaltsangabe (Amazon):

Als die kleine Linnea Berg vermisst gemeldet wird, starten die Bewohner von Fjällbacka eine Suchaktion in den umliegenden Wäldern. Schon einmal wurde ein Mädchen dort getötet. Dreißig Jahre ist das nun her. Damals fand man Stella Strand an dem einsam gelegenen Waldsee. Zwei 13-Jährige bekannten sich zur Tat – um wenig später ihr Geständnis zu widerrufen. Der Fall wurde nie geklärt. Kurz darauf beging der Chef der Polizeistation Tanum Selbstmord.

Meine Meinung:

 

Da ich in der letzten Zeit eigentlich kaum zum Lesen gekommen bin, hat es ein Weilchen gedauert, eh ich in die Geschichte hineingefunden habe. Aber als sie mich dann gepackt hat, ließ sie mich nicht mehr los und entlockte mir sogar ein paar Emotionstränchen.

 

Dies ist bereits der 10. Band einer Reihe, die ich bislang nicht kenne. Dass ich die Vorgeschichte der Ermittler nicht kannte, war nicht weiter schlimm, man kann dieses Buch auch völlig losgelöst von der Reihe lesen und sich gut unterhalten fühlen.

Zum einen ist dieses Buch hochaktuell und brisant, da Flüchtlinge aus Syrien eine Rolle spielen und es immer Menschen gibt, die verallgemeinern und allen Flüchtlingen nur Schlechtes nachsagen. Zum anderen ist es ein Kriminalfall, der durch Geheimnisse, später zurückgezogene Geständnisse und zwei tote Mädchen, die 30 Jahre trennen, aber durch den Ort, an dem sie gefunden wurden, vereint sind, äußerst spannend diverse Vermutungen zulässt.  Und dann ist da noch ein Fall aus dem 17. Jahrhundert, der als zweiter Erzählstrang von einer jungen Frau berichtet, die ein schweres Los zu tragen hat…

 

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, so dass ich nicht nur Fjällbacka vor mir sah, sondern auch die Menschen, die dort leben. Jeder Mensch ist anders, jeder hat seine Geheimnisse, Gedanken und Sehnsüchte, und auch an den Jugendlichen gehen diese nicht vorbei. Ich war mittendrin und habe mit den Ermittlern nach einer Spur gesucht und gehofft, diesmal den Mörder zu überführen. Einige Wendungen führen den Leser auf eine falsche Fährte, die Spannung steigt, und als sich dann die Situation zum Ende hin zuspitzt, ist es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.

 

Ich gebe 09/10 Punkte und freue mich, wieder eine Reihe für mich entdeckt zu haben.

 

Zitat:

“In Fjällbacka ist es ja schon schlimm, wenn einer aus Strömstad kommt, der bleibt immer ein Zugezogener. Kein Wunder, wenn die Syrer nicht mit offenen Armen empfangen werden.”
bei 3 %, Pos. 263 von 10413

180216 Eishexe1a

 

Bücher der Reihe:

 

- Die Eisprinzessin schläft
- Der Prediger von Fjällbacka
- Die Töchter der Kälte
- Die Totgesagten
- Engel aus Eis
- Meerjungfrau
- Der Leuchtturmwärter
- Die Engelmacherin
- Die Schneelöwin
- Die Eishexe – beendet 16.02.2018 – 09/10 Punkte

 

Die Eishexe: Kriminalroman (Ein Falck-Hedström-Krimi 10) - Camilla Läckberg,Katrin Frey 

Source: sunsys-blog.blogspot.de/2018/02/gelesen-die-eishexe-camilla-lackberg.html
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review 2017-10-26 10:01
Schuldig oder unschuldig?
Im Traum kannst du nicht lügen: Roman - Malin Persson Giolito,Thorsten Alms

Auf „Im Traum kannst du nicht lügen“ von Malin Persson Giolito wurde ich durch den Newsletter der Lesejury von Bastei Lübbe aufmerksam. Die Mail pries den Thriller, der als bester Kriminalroman Schwedens 2016 ausgezeichnet wurde, für eine Leserunde an. Meine Erfahrungen mit Leserunden waren bisher eher negativ, doch der Klappentext weckte meine Neugier. Ich gab der umfangreichen Leseprobe eine Chance. Die ersten 60 Seiten nahmen mich gefangen. Ich wollte überhaupt nicht mehr aufhören zu lesen und schoss all meine Zweifel spontan in den Wind. Für dieses Buch würde ich die Leserunde in Kauf nehmen. Ich bewarb mich und erhielt etwa 2 Wochen später die Zusage. Was machte ich für Augen, als ich in meinem Briefkasten kein Buch, sondern ein echtes Manuskript vorfand, das extra für mich gedruckt worden war! Mühsam geduldete ich mich bis zum vorgegebenen Termin, um die Lektüre gemeinsam mit allen anderen zu beginnen.

 

Als die Polizei das Klassenzimmer in Stockholm stürmte, saß die 18-jährige Maja Norberg in der Mitte des Raumes. Überall war Blut. Um sie herum lagen die regungslosen Körper ihrer besten Freundin Amanda, ihres Lehrers Christer und ihrer Mitschüler Samir und Dennis. Auf ihren Schoß hatte sie den Kopf ihres Freundes Sebastian gebettet. Sebastian, der Sohn des reichen Unternehmers Claes Fagermann. Sebastian, der langsam kalt wurde. In der Luft hing der Geruch nach faulen Eiern und Pulverrauch. In ihrer Hand hielt Maja eine Waffe. Sie war unverletzt.
Jetzt, Wochen später, muss sich Maja vor Gericht verteidigen, während ganz Schweden von ihrer Schuld überzeugt ist. Doch was ist wirklich in dem Klassenzimmer geschehen? Wie kam es zu dem Massaker, das mehrere Menschen das Leben kostete? Ist Maja eine Mörderin?

 

Was ist das wichtigste Element eines guten Thrillers? Wenn ihr mich fragt, ist es der Spannungsbogen. Ein Thriller darf weder langweilig, noch zu vorhersehbar sein, er sollte den Leser_innen aber trotz dessen die Möglichkeit bieten, mitzurätseln. „Im Traum kannst du nicht lügen“ stellt meiner Meinung nach die geschickteste Konstruktion eines Spannungsbogens dar, die mir in diesem Genre jemals untergekommen ist. Das Buch ist überwältigend. Es lebt von der Frage, was geschehen ist, ob Maja, die eigentlich Maria heißt, tatsächlich in der Lage war, ein Blutbad anzurichten. Die Spannung wird die ganze Zeit aufrechterhalten, flaut niemals ab und riss mich mit. Ich ahnte bereits nach der Leseprobe, dass dieser Thriller außergewöhnlich sein könnte und ich behielt Recht. Malin Persson Giolito lässt ihre Leser_innen grübeln, mitfiebern, abwägen, zweifeln, mutmaßen und hoffen. Die nichtlineare, bruchstückhafte Erzählweise der Protagonistin Maja, der die Autorin erlaubt, ihre Geschichte selbst in Ich-Perspektive zu schildern, wirkt ungemein realistisch und erzeugt eine enorme Nähe, die sich stetig steigert, bis sie im letzten Viertel des Romans sogar die vierte Wand durchbricht und die Leser_innen direkt anspricht. Wir treffen Maja zu Beginn ihres Prozesses und das erste, was mir an ihr auffiel, war die unbändige Wut ihrer kalten, harschen Worte. Sie erschien distanziert, genervt, nahezu desinteressiert am Verlauf ihrer eigenen Verhandlung. Obwohl sie sich dadurch nicht gerade als Sympathieträgerin qualifizierte, hatte mich Malin Persson Giolito auf diese Weise sofort am Haken. Ich wollte wissen, warum Maja so zornig ist und begriff bald, dass sich unter ihrem Zorn ein Meer der Resignation, Schuld und Verzweiflung verbirgt, das mir beinahe das Herz brach. Ihr Charakter, ebenso wie die Chronologie der Ereignisse, die zu dem Massaker im Klassenzimmer führten, schälen sich absichtlich sehr langsam heraus. Ich lernte sie in ihrem eigenen Tempo kennen und entwickelte Stück für Stück Sympathie und Mitgefühl für sie, wodurch sich der emotionale Sog ihrer Erzählung graduell verstärkte. Maja stammt zwar aus einem gut situierten Elternhaus, wofür sie in der sensationslüsternen schwedischen Presse wiederholt angegriffen wird, doch Geld schützt eben nicht vor Schmerz und Kummer. In den Monaten und Wochen vor der Bluttat war sie verloren, überfordert, einsam. Ich sehe euch jetzt bereits wissend mit dem Kopf nicken. Vermutlich ergeht es euch ähnlich wie mir: ihr neigt dazu, zur naheliegenden Schlussfolgerung zu springen und Maja vorzuverurteilen. Haltet ein. So einfach ist es nicht. Diese Geschichte ist viel komplizierter, als sie anfangs erscheint und ich musste tatsächlich den Schlussakt abwarten, um endlich herauszufinden, ob Maja eine Mörderin ist. Für mich steht fest, dass „Im Traum kannst du nicht lügen“ eine Tragödie ist; nicht nur aufgrund des grauenvollen Massakers, sondern auch, weil sie eigentlich nicht ihre Tragödie ist. Schuldig oder nicht – Maja ist ein Opfer.

 

Mein Leseerlebnis mit „Im Traum kannst du nicht lügen“ war fantastisch. Einerseits ist das Buch ein hervorragender Thriller, in dem Malin Persson Giolito munter und unberechenbar mit der Erwartungshaltung der Leser_innen spielt und das brillante, glaubhafte und einfühlsame Bild einer verzweifelten Jugendlichen zeichnet, andererseits gefiel mir auch die Leserunde der Lesejury erstaunlich gut. Ich empfand den Austausch mit anderen Leser_innen als wertvoll, da ich früh einsehen musste, dass ich viele meiner Überlegungen und Theorien in dieser Rezension nicht würde verwenden können, ohne heftig zu spoilern. Die Ungewissheit während des Lesens hält Spannung und Geschichte am Leben; sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Romans, der Neugier schürt und zu eigenen Hypothesen einlädt. Diese Erfahrung möchte ich niemandem nehmen, weshalb ich versucht habe, so vage wie möglich von „Im Traum kannst du nicht lügen“ zu berichten. Meiner Ansicht nach steht der Autorin eine schillernde Karriere bevor und ich bin froh, dass mir Bastei Lübbe die Möglichkeit einräumte, an ihrem Anfang dabei zu sein. Malin Persson Giolito ist ein Name, den man sich unbedingt merken sollte.

 

Vielen Dank an die Lesejury und Bastei Lübbe für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/10/26/malin-persson-giolito-im-traum-kannst-du-nicht-luegen
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text 2015-12-07 00:21
Reading progress update: I've read 116 out of 752 pages.
Die Frauen, die er kannte: Ein Fall für Sebastian Bergman - Hans Rosenfeldt,Michael Hjorth

Wenn in einem Buch ein Charakter beschrieben wird und du plötzlich denkst, der Autor beschreibt gerade dich ...

 

 

Sie waren Hand in Hand durch die Straßen flaniert und hatten geredet. Hatten lange Spaziergänge auf romantischen Boulevards unternommen, waren in der touristisch-charmanten Sacre Coeur umhergestreift und hatten mit einem alten Restaurantführer in den Händen nach romantischen Bistros gesucht. All das, was man in Paris unternehmen sollte. All das, was man als Paar erlebt haben musste.

 

Aber das war nicht sie. Sie war eine Person mit Ecken und Kanten in einer watteweichen Welt. Hatte eine Form, die nicht so ganz in das passte, was man Beziehung nannte. Sie brauchte Distanz. Sie brauchte Kontrolle. Manchmal auch Nähe. Aber nur manchmal. Wenn sie es wollte. Aber dann brauchte sie sie wirklich.

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review 2015-11-22 23:56
Eine humorvolle Tragikomödie mit einem sympathischen Griesgram
Ein Mann namens Ove (Hörbestseller) - Fredrik Backman,Stefanie Werner,Heikko Deutschmann

Jeder kennt wohl das Klischee vom verbitterten Rentner, der den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als am Fenster zu hängen und seine Nachbarn zu beobachten, Falschparker aufzuschreiben und jeden noch so kleinen Regelverstoß der Mitmenschen beim Ordnungsamt oder der Polizei anzuzeigen – und genau solch ein personifiziertes Klischee ist der 59-jährige Ove, Vorzeige-Spießer und Hauptfigur in Fredrik Backmans internationalem Bestsellerroman „Ein Mann namens Ove“. Der unfreiwillige Frührentner bringt dabei alle Voraussetzungen mit, um es sich nicht nur mit seinem Umfeld zu verscherzen, sondern auch bei der Leserschaft kräftig anzuecken: Jeden Morgen macht Ove einen Kontrollgang durchs Haus und durch die Siedlung und hält alles fest, was ihn nicht in den Kram passt und gegen irgendwelche Vorschriften verstößt – sei es der Nachbar, der sein Fahrrad falsch im Keller abgestellt hat, der Autofahrer, der zu schnell durch seine Straße fährt oder die nervige Tussi, die ihren Hund ständig auf den Bürgersteig pinkeln lässt und damit die Pflastersteine verätzt. Ove scheint so sehr in seinem Spießertum aufzugehen, dass es fast ein wenig überraschend kommt, dass der grantige alte Mann seinem Leben ein Ende setzen will, doch nach dem Tod seiner Frau kann ihn offenbar nicht einmal mehr das Anschwärzen seiner Mitmenschen im Leben halten.

 

Harte Schale, weicher Kern

 

Man sollte meinen, dass ein solche Griesgram wie Ove nicht gerade dafür prädestiniert wäre, viele Leserherzen für sich zu gewinnen, doch als Leser hat man gegenüber Oves Umfeld einen ganz entscheidenden Vorteil: man wird nie selbst zur Zielscheibe von Oves penetranten Belehrungen und miesepetrigen Anfeindungen, sondern kann sich entspannt zurücklehnen und sich köstlich darüber amüsieren, wie der Frührentner beim iPad-Kauf einen Verkäufer in den Wahnsinn treibt, mit seiner Streitsucht die Mordlust der oben erwähnten Hundebesitzerin weckt oder den bemitleidenswerten Mann seiner neuen Nachbarn – von Ove „liebevoll“ nur „der Idiot“ genannt – bei jeder Gelegenheit vorführt. Trotzdem schafft es Fredrik Backman, dass man seinen Protagonisten nicht als verbittertes Ekelpaket wahrnimmt, sondern als lediglich prinzipientreuen und sehr moralischen Mann, dessen vermeintliche Garstigkeit zu großen Teilen auf ein sehr bewegtes Leben mit wenigen Höhepunkten, aber vielen Enttäuschungen zurückgeht. Einige dieser Erlebnisse schildert Backman in kurzen Rückblicken in Oves Vergangenheit, die eben nicht nur eine Erklärung für sein Verhalten liefern, sondern ihn einem auch als Menschen näher bringen und man merkt recht früh, dass Ove nicht bösartig, sondern einfach nur ein Vertreter der Kategorie „Harte Schale, weicher Kern“ ist.

 

Eine amüsante und warmherzige Tragikomödie mit einem sympathischem Griesgram

 

Trotz des mürrischen Hauptdarstellers und der vermeintlich tragischen Geschichte um einen einsamen Mann, der sich das Leben nehmen möchte, ist „Ein Mann namens Ove“ somit insgesamt eine überwiegend sehr amüsante Angelegenheit, bei welcher der Autor eine gute Mischung aus Heiterkeit und Tragik findet. Hier darf ohne schlechtes Gewissen darüber gelacht werden, wenn ein Mann am Bahnsteig plötzlich ohnmächtig auf die Gleise kippt und Ove dadurch den eigenen Selbstmordversuch vermiest, auch wenn die hier vorkommende Häufung solcher Ereignisse natürlich schon recht realitätsfern ist. Zudem ist die Geschichte über weite Strecken ein wenig vorhersehbar, was Backman aber mit einem sehr gelungenen und durchaus doch noch überraschenden Ende zum Teil wieder wettmacht. Mein größter Kritikpunkt an dem Roman ist vielmehr der, dass Ove für sein tatsächliches Alter einfach zu alt dargestellt wird, da dieser oft eher wie ein verbitterter alter Mann in den Siebzigern wirkt – dabei ist er tatsächlich gerade mal 59. Dazu passt auch ein wenig die Vorstellung von Hörbuchsprecher Heikko Deutschmann, der mit seiner knurrigen Lesung zwar einerseits sehr gut zum Protagonisten passt, aber ebenfalls rund 10 Jahre zu jung klingt. Doch auch mit diesen kleinen Unstimmigkeiten ist „Ein Mann namens Ove“ insgesamt ein tolles (Hör-)Buch mit einer amüsanten, zugleich aber auch bewegenden Geschichte und einer Hauptfigur, die sich trotz aller Macken und rauen Sprüche in die Herzen der Leser und Hörer spießern dürfte. Im nächsten Jahr kommt übrigens sogar eine Verfilmung des Romans mit Wallander-Darsteller Ralf Låssgard in der Hauptrolle in die Kinos.

Source: buecher-monster.de/2015/11/16/gehoert-ein-mann-namens-ove-fredrik-backman
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