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review 2016-11-08 10:11
Die Schattenseite bedingungsloser Liebe
Vanishing Girls - Lauren Oliver

Langsam aber sicher mausert sich Lauren Oliver zu einer Autorin, der ich blind vertraue. Abgesehen von ihren Kinderbüchern habe ich bisher all ihre Veröffentlichungen gelesen und wurde nicht ein einziges Mal enttäuscht. Ich weiß, dass ich mit ihren Büchern im Grunde nichts falsch machen kann und denke nicht einmal mehr darüber nach, ob ich sie lesen möchte. So kam es, dass ich „Vanishing Girls“ auf meine Wunschliste setzte und kaufte, ohne jemals den Klappentext gelesen zu haben. Ich ging völlig unbelastet an das Buch heran. Ich vertraute Lauren Oliver, dass sie mich erneut überzeugen würde.

 

Betrachtet sich Dara im Spiegel, wird sie an den Unfall erinnert. Wann immer sie ihr von Narben entstelltes Gesicht sieht, überwältigt sie die Wut auf ihre Schwester Nick. Nick, die am Steuer saß. Nick, die das Unverzeihliche tat. Nick, die das heilige Band zwischen Schwestern verriet.
Betrachtet Nick alte Fotos, die sie und Dara gemeinsam zeigen, möchte sie angesichts der Ungerechtigkeit laut schreien. Es ist nicht fair, dass ihre Schwester sie mit Schweigen straft und so tut, als existiere sie nicht. Daras schwere Verletzungen sind nicht allein ihre Schuld. Schließlich war nicht sie es, die den Sicherheitsgurt löste.
Der Unfall riss einen tiefen Graben zwischen die beiden Schwestern. Doch Blut ist dicker als Wasser und als Dara an ihrem Geburtstag spurlos verschwindet, ist Nick fest entschlossen, sie zu finden. Sie ist überzeugt, dass eine Verbindung zu der 9-jährigen Madeline Snow besteht, die ebenfalls vermisst wird. Was ist mit Dara und Madeline passiert? Wurden sie entführt? Nick läuft die Zeit davon. Um ihre Schwester zu finden, muss sie sich ihren Erinnerungen an die Nacht stellen, die alles veränderte: die Nacht des Unfalls.

 

Lauren Olivers Entwicklung als Autorin ist phänomenal. Seit ihrem ersten Roman „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ hat sich ihr Schreibstil merklich verfeinert. Mit jedem neuen Buch wächst sie weiter über sich hinaus und beschreitet mutig unkonventionelle Wege. Für das Young Adult – Genre ist sie meines Erachtens nach ein Segen, weil sie es aus der Banalität heraushebt. Ihre Werke zeichnen sich durch Signifikanz, Bedeutsamkeit und schriftstellerische Finesse aus. Sie schreibt ihre Ideen nicht einfach runter, sie konzipiert sie mit Bedacht, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen. „Vanishing Girls“ ist die herzzerreißende Geschichte zweier Schwestern, deren intensive, an Seelenverwandtschaft erinnernde Liebe zueinander im Widerstreit mit der Rivalität zwischen ihnen liegt. Nick und Dara waren stets zwei Seiten derselben Münze: Nick, die Fleißige, verantwortungsbewusst und zuverlässig; Dara, die Beliebte, deren Schönheit ihr alle Türen öffnete und die nur allzu gern über die Stränge schlug. Zwei Mädchen, die genau die Eigenschaften und Qualitäten aneinander bewunderten und beneideten, die sie selbst nicht besaßen. Nach ihrem schweren Autounfall glauben beide, dass es diese eine Nacht war, die ihre Beziehung scheinbar rettungslos beschädigte, doch je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass sich die ersten Risse viel früher einschlichen und der Unfall lediglich die sichtbare Eskalation ihrer Differenzen war. Lauren Oliver unterstreicht diese sich langsam entwickelnde Erkenntnis durch die inkonsequente, nichtlineare Struktur des Buches, die hervorragend zur Geschichte passt. Sie wechselt zwischen Nicks und Daras jeweiliger Ich-Perspektive, springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück, involviert Online-Artikel, um besonders schlimme, dramatische Fakten für sich selbst sprechen zu lassen – sie malt das Bild einer tiefen Verbindung, deren chaotischer Verlauf das Ergebnis der involvierten Gefühle ist. Anfangs erschien mir diese Erzählweise verwirrend; es dauerte etwas, bis ich in den Rhythmus der Geschichte fand. Letztendlich half mir die starke emotionale Zugkraft, mich zu orientieren. Ich begann zu begreifen, dass jede Szene, so losgelöst sie erscheinen mochte, ein wichtiges Puzzleteil in der Tragödie von Nick und Dara darstellt. Der Handlungsstrang der verschwundenen Madeline dient dabei als Brücke zwischen den Schwestern, als Tor zu verdrängten, vergrabenen Erinnerungen, die zum Höhepunkt des Buches führen. Die haarsträubende Wendung, die Oliver zum Ende für ihre Leser_innen bereithält, überraschte mich nicht. Ich ahnte es bereits nach etwa 200 Seiten. Trotzdem möchte ich „Vanishing Girls“ nicht als vorhersehbar bezeichnen, denn ich zweifelte bis zur Auflösung an meiner Vermutung und empfand eine überwältigende Ungeduld, weil ich unbedingt wissen wollte, ob ich richtiglag. Dadurch erschien mir das Buch noch spannender, als es ohnehin ist. Mein Lesespaß verdoppelte sich – unbestreitbar ein positiver Effekt.

 

„Vanishing Girls“ ist eine Geschichte von Liebe, Schmerz, Enttäuschung und Schuld, wie sie vermutlich ausschließlich in einer Familie geschehen kann. Nur Menschen, die einander so viel bedeuten wie Nick und Dara sind in der Lage, sich gegenseitig so zu verletzen. Lauren Olivers größtes Talent ist und bleibt ihre Fähigkeit, sich in ihre Figuren hineinzuversetzen und sie psychologisch glaubhaft agieren und empfinden zu lassen. Sie arbeitete die widersprüchlichen Gefühle der Schwestern Nick und Dara fabelhaft heraus, sodass nie Zweifel daran bestanden, dass ihre gebrochenen Herzen in ihrer Liebe zueinander begründet sind. Ich habe die Lektüre sehr genossen, weil ich selbst eine Schwester habe. Ich weiß, dass bedingungslose Liebe durchaus auch Schattenseiten haben kann.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/11/08/lauren-oliver-vanishing-girls
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review 2014-07-08 11:25
Rückblick aufs Leben
Das Leben ist ein listiger Kater - Marie-Sabine Roger,Claudia Kalscheuer
Salut à tous, ich hoff doch besser als mir? Denn ich liege hier im Krankenhaus nach einem Unfall, an den ich mich nicht mal mehr erinnern kann. Und was macht man als alter Sack, mit Aussicht auf mehere Wochen Krankenhausaufenthalt? Genau... man lässt sein leben Revue passieren. Ach ja, ich bin übrigends Jean-Pierre, Rentner, Witwer und ziemlich alleine. Und doch... mir gehts gut, würde ich mal so sagen. Abgesehen von dem Frass hier und das die Privatsphäre deutlich missachtet wird, kann ich eigentlich nicht klagen, denn, ich lebe noch! 
 
Erster Satz: 
Ich will ja nicht angeben, aber so mit sechs, sieben Jahren hatte ich in Sachen gesetzlich verbotene Straftaten schon einiges ausprobiert. 


Meine Meinung


Ich find das Cover wirklich süss, und vor allem mal erfrischend. Der Titel... Hm... Ja... Oky. 
 
Der Schreibstil der Autorin find ich wirklich total angenehm, er ist witzig, ehrlich und vor allem so einfach. Er spiegelt Jean-Pierre's Charakter total gut. Ich kann den kleinen Franzosen wirklich vor mir im Krankehausbett liegen sehen, mit mürrischen oder doch freche grinsendem Gesicht. Man merkt gar nicht wie schnell man durch die Seiten liest, denn plötzlich ist das Buch einfach fertig... 
 
Was die Geschichte angeht, sie ist total realistisch. Das kann wirklich jedem passieren. Du gehst raus, wachst in einem Krankenhaus auf wo man dir sagt das dich jemand aus der Saine gefischt hat wo du reglos rum getrieben bist. Man findet raus das es Unfall mit Fahrerflucht ist aber du, du selber hast keine Ahnung mehr was du da wolltest, geschweige den woher du gekommen bist oder du hin gehen wolltest. 
 
Jean-Pierre erzählt uns sein Leben, aus seiner Kindheit, seinem Beruf und den Ehejahren. Mit sich im Reinen geht er selber auch für sich alles noch mal durch, hadert nicht mit sich, mit dem Leben, noch mit den fehlern die er begangen hat, sondern nimmt sie an. Und was mir gefällt, er ist noch ganz gut im Kopf beisammen, er reflektiert auch noch jetzt sein Handeln, seine Gedanken, was man bei manchen alten Menschen nicht mehr behaupten kann, sie beharren auf ihre Sicht der Dinge und sind so völlig verstockt und unzufrieden. Mit allem. Ihm kann und wird das so lange er noch zu leben hat wohl nie passieren, denn immer offen für Neues zu sein heisst auch mit offenem Herzen durchs Leben zu gehen. Auch in dem Alter ist er noch bereit neue Menschen kennen zu lernen, auch wenn er manchmal etwas griesgrämig ist, vor allem wenn man einfach kommt ihm sein Laptop "klaut". 
 
Ich hab mich öfters beim lesen ertappt wie ich mir vorstelle an seinem Krankenbett zu sitzen, mit ihm zu reden, ihm zu zuhören, mit ihm zu lachen. Er ist witzig, Schlagfertig und hat einen herrlich trockenen Humor. Von ihm können wir viel Lernen, die Liebe zum Leben. Egal in welcher Situation man ist, solange man atmet, lebt man!! Und wenn man, egal in welchen Momenten auch immer, das beste daraus macht, kann es nur gut sein und gut kommen! Ob ich auch mal so weise sein werde? 
 
Die Autorin hat es geschafft, nicht nur Jean-Pierre, sondern auch den Polizisten und die "Rotzgöre", so plastisch zu beschreiben, das man sie auf der Strasse wieder erkennen würde und man sie, einfach ins Herz schlissen muss.
 
Wer das Buch "Das Labyrint der Wörter" von ihr gelesen hat, der muss auch dieses lesen, das hier hat mir sogar noch ein wenig mehr gefallen ;)
 

Fazit

erfrischend, ehrlich und witzig 

 

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review 2014-06-14 23:58
ich bin sehr unentschlossen
Jimmy, Jimmy: Die Geschichte, wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde Roman - Mark O'Sullivan

Mit eigenen Worten
Ealas Dad ist 42 Jahre alt, zumindest physisch. Jimmy wurde beim Joggen von einem Radfahrer angefahren und erlitt dadurch ein Schädelhirntrauma. Jimmy kann sich an nichts mehr erinnern, nicht an seine Kinder, nicht an seine Frau - er denkt, er ist noch ein Kind im Alter von zehn Jahren. Eala darf ihn nicht mehr Dad nennen, er ist jetzt nur noch "Jimmy" und er darf nicht überfordert werden. Gar nicht so einfach das Zusammenleben mit einem 42 Jahre alten Zehnjährigen.

 

Wirkung
Das Cover gefällt mir sehr gut, weil es mich an ein Kind denken lässt, was mit Magnetbuchstaben seinen Namen an den Kühlschrank geschrieben hat. Ich mag diese Magnetbuchstaben. Das Gesamtpaket wirkt auf mich sehr harmonisch, weil die Farben sehr gut zu einander passen, er wirkt fröhlich auf mich. Der Titel passt auch gut, zum einen wegen dem Lied, was Ealas Dad gerne gehört hat und zum anderen natürlich weil er Jimmy heißt.

 

Positives
Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leicht gefallen, weil Eala aus ihrer Sicht erzählt und dem Leser gleich auf den ersten Seiten davon berichtet wie es dazu gekommen ist, dass ihr Vater sich so verändert hat. Ealas Vater "Jimmy" hatte einen Unfall und denkt seitdem, dass er zehn Jahre alt ist. Es ist sehr gut beschrieben, wie er sich benimmt und was seine Macken sind. Im Verlauf der Geschichte kann man als Leser sogar schon einschätzen, wie Jimmy in bestimmten Situationen reagieren wird. Auch die anderen Charaktere, wie Sean (Ealas Bruder), ihr Mutter und auch ihre Freunde und Bekannten sind sehr gut beschrieben, ich konnte sie mir beim Lesen sehr gut vorstellen. Trotzdem man die Charaktere nur aus Ealas Sicht kennenlernt, finde ich Sean am sympathischsten, weil er wenigstens ehrlich ist. Es hat mir gut gefallen, dass man mit dem Verlauf der Geschichte auch einen Wandel der Personen ausmachen konnte. Jeder einzelne hat sich ein wenig verändert, hat sich ein wenig weiterentwickelt, hat etwas dazu gelernt. Das ist mir besonders bei Eala und ihrer Mutter aufgefallen. Das Ende lässt mich ein bisschen unentschlossen zurück. Einerseits zeigt es dem Leser, dass das Leben weitergeht, dass es weitergehen muss und normal wird. Und andererseits hat es mich unbefriedigt zurückgelassen. Es war nicht so ganz rund, so ohne Schlusswort oder so. Das hätte ich mir gewünscht.

 

Negatives
Ich kann zwar nicht genau begründen warum, aber der Schreibstil war für mich ein wenig anstrengend und das trotz dem Ich-Erzähler, den ich eigentlich sehr gerne lese. Vielleicht lag es daran, dass Eala mir nicht sonderlich sympathisch war. Sie war mir zu sehr von sich eingenommen und hat zu wenig an die anderen gedacht. Zu sehr "Ich armes kleines Mädchen". Oftmals hat mir ihr Umfeld leid getan, auch wenn ich sie in manchen Situationen wirklich gut verstehen konnte. (Jill). Was ich nicht verstanden habe, war dass Eala anscheinend Tabletten abhängig geworden ist, aber nach einer bestimmten Situation war auf einmal alles wieder gut und sie hat nicht mal mehr an Tabletten gedacht. Das war für mich ein bisschen zu unlogisch und nicht gut durchdacht. Der Verlauf konnte mich abgesehen von dem Wandel den die Personen durchgemacht haben auch nicht wirklich von sich überzeugen, weil ich das Gefühl hatte, dass gar nichts passiert. Man ist auf einer Stelle herumgelaufen und hat sich nicht wegbewegt. Das war ziemlich anstrengend. Ich hätte mir einen ersichtlichen zeitlichen Rahmen gewünscht, um den Verlauf besser

nachvollziehen zu können.

 

Zitat
Dann fällt mir wieder seine Geschichte von den Schwänen bei ihnen zu Hause ein, und ich komme mir einfach nur doof vor. Ich wette, er weiß, dass Eala das irische Wort für Schwan ist. Nur darum hat er die rührselige Geschichte erfunden. Als wäre ich ein kleines Mädchen, dem man eine Gutenachtgeschichte erzählt.

 

Bewertung
Note 3 {befriedigend}
Ja, das Buch bekommt noch eine 3 von mir. Ich habe geschwankt, zwischen einer 3 und einer 4, aber ich habe mich dann für die 3 entschieden weil sich die positiven und negativen Aspekte in etwa die Waage halten. Das Buch hat mich insgesamt doch ein bisschen enttäuscht, vor allem weil ich mir mehr Verlauf gewünscht habe. Ich habe gehofft, dass Eala mir sympathisch ist und nicht so von sich eingenommen. Dafür haben mich andere Charaktere überraschen können.
Am besten alle die sich für das Buch interessieren schnappen es sich einfach und lesen es selbst, denn ihr merkt schon, dass ich diesmal sehr unentschlossen bin.

Source: www.lottasbuecher.de/2014/06/mark-osullivan-jimmy-jimmy.html
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review 2014-01-13 17:45
Die Geschichte hat mir sehr viel Spass gemacht
Keine Sau hat mich lieb: Roman - Franziska Weidinger

Himmi­herrgottsakrament! Burgi Schweinsteiger, Metzgerin aus Untermarktlbrunn, kann es nicht glauben. Da verläuft sich einmal ein interessanter Mann ins Dorf, prompt hat ihr Vater, der Hallodri, einen »kleinen Unfall«, der sich als ausgewachsene Katastrophe entpuppt. Statt mit dem Filetstück von Mann über das Leben, die Liebe und die Literatur zu plaudern, muss Burgi tricksen, was das Zeug hält. Schließlich steht nicht nur der Familienbesitz, die Metzgerei, auf dem Spiel, sondern auch der erste bayerische Poetry Slam der Geschichte, die Ehre ihrer besten Freundin und Burgis Traum von einem Leben mit etwas mehr Poesie.

 

Bei diesem Buch war ich sofort in das Cover verliebt. Andererseits hatte ich aber auch Angst, dass es zu sehr in Richtung Chick-Lit gehen könnte.
Auf den ersten Seiten sah ich diese Angst noch bestätigt, denn da schildert Burgi Schweinsteiger ihre Ansichten zur Männerwelt. Dabei teilt sie die Herren der Schöpfung ein in Filetstücke und Leberkäse (nichts Besonderes, überall zu finden). Okay, Burgi ist Metzgerin, da kann man das noch nachvollziehen. Trotzdem ist es nicht mein Fall. Ich mag es nicht, wenn man Frauen ein Verhalten durchgehen lässt, für das sie -im umgekehrten Falle- jeden Mann quasi an’s Kreuz nageln würden.
Zum Glück habe ich mich davon nicht abhalten lassen. Burgi mochte ich nämlich sonst eigentlich sofort, so burschikos, humorvoll und einfach nett wie sie ist.
Trotzdem sie selber so typische bayerisches Dorf ist (was ich keinefalls abwertend meine), hat sie zudem doch einen feinen Blick auf die übrigen Dörfler und ihre mitunter schrägen bis unagenehmen Eigenschaften. Es ist ungemein vergnüglich, davon zu lesen.
Gelacht habe ich auch über Burgis Leben, das durch einen Unfall in’s schiere Chaos gestürzt wird. Niemand darf davon erfahren, die Beweise müssen vernichtet werden, notfalls mit dem Fleischwolf, und alle Konsequenzen müssen möglichst unauffällig bewältigt werden. Und dieser Unfall zieht unerwartet weite Kreise! Da sind  Kreativität, Durchhaltevermögen und einiges an Coolness gefragt. Wer hat von alldem schon stets im Übermaß? Burgi jedenfalls nicht. Ja, für sie wäre es eine Katastrophe, wenn alle herauskäme, aber für den Leser ist es oft zum Tränenlachen komisch ohne je albern zu werden. Und natürlich hofft man automatisch, dass sich für Burgi alles zum Guten wenden wird.
Um Burgi, ihr Liebesleben und verschiedene Männer geht es neben alldem mitunter auch. Für mein Empfinden steht das jedoch nicht im Mittelpunkt, worüber ich ein wenig froh war. Bayerischen Liebeskitsch hätte ich nicht gebraucht. Doch dies hier ist eine eher dezente Liebesgeschichte, die einem außerdem noch die Augen dafür öffnet, dass auch ein guter Leberkäse so fein wie ein Filetstück sein kann. Das Ende hat es dann sogar geschafft, mich zu Tränen zu rühren, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Burgi erzählt locker, fröhlich und frisch. Ganz wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Ab und zu spricht sie den Leser direkt an, was Nähe schafft. Mit etwas Dialekt und einer Reihe bayerischer Vokabeln muss man dabei klarkommen. Notfalls kann man in der Vokabelsammlung am Ende des Buchs nachschlagen. So liest sich “Keine Sau hat mich lieb” im Nu und mit größtem Vergnügen weg.

Keine Ahnung, was das Cover mit der Geschichte zu tun hat. Für mich gar nichts. Lustig, niedlich und ein echter Blickfang ist es trotzdem.

 

Fazit: Ich habe lange bei keinem Buch mehr so sehr Tränen gelacht wie bei “Keine Sau hat mich lieb”. Eine herrlich chaotische Geschichte mit ganz viel Lokalkolorit und unerwarteten Weisheiten. Burgis Liebesleben ist dabei beinahe Nebensache. Aber eben nur beinahe, sodass mich das Ende doch noch richtig gerührt hat.

Source: leserattz.wordpress.com/2014/01/06/5854
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