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review SPOILER ALERT! 2018-04-20 20:10
Unterwerfung von Michel Houellebecq
Unterwerfung: Roman - Michel Houellebecq,Norma Cassau,Bernd Wilczek

Es ist das Jahr 2022. In der Stichwahl der französischen Präsidentschaftswahlen befinden sich ein Kandidat des Front National und einer der Muslimischen Bruderschaft. Während das Land sich in den Grundfesten verändert, durchlebt der Erzähler Francois, ein Literaturprofessor, seine eigene Midlife Crisis.

 

Ganz ehrlich, schlussendlich war ich von der Lektüre dieses Romans enttäuscht. Gerade die interessanten Facetten, nämlich die Übernahme der westlichen Welt durch die Muslimischen Bruderschaft samt der Veränderungen, die dies in der Gesellschaft bringt, Stichwort Stellung der Frau, Bildungspolitik, Expansion, wird mehr in philosophischen Unterhaltungen gebracht als als Hauptaugenmerk. Die Midlife Crisis des Protagonisten samt seiner sexuellen Erfolge und Misserfolge entschädigt da keineswegs. Vor allem da das Ende des Charakters eigentlich vorgegeben ist - entweder er "unterwirft" sich einem System, das ihm an sich alle seine Probleme letztlich (vor allem die Partnerwahl) abnimmt, oder er bricht aus... und letzteres ist von Anfang an unwahrscheinlich.

 

Daher bleibt ein schaler Beigeschmack - aber vielleicht hab ich auch einfach die vielen philosophischen Untertöne und Ergüsse über das Römische Reich, das nun ganz schnell nachgebaut werden soll mit der Expansion der EU Richtung Nordafrika (hm, wie das geschieht, nachdem Frankreich nur ein Staat von vielen in der EU ist, und schließlich alle Mitgliedsstaaten Beitrittsgesprächen zustimmen müssten, bleibt offen), nicht verstanden...

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review 2017-08-16 09:29
Man muss nicht tot sein, um als Monster durchzugehen
The Lunatic Cafe - Laurell K. Hamilton

Die „Anita Blake“ – Reihe umfasst aktuell 25 Hauptwerke, Tendenz steigend. Daher beschäftigte mich die Frage, ob die Autorin Laurell K. Hamilton ein Finale für ihren extrem umfangreichen Mehrteiler plant. Ich habe die Antwort in einem Interview von 2016 gefunden: Nein. Es ist tatsächlich so simpel. Sie sagte, sie glaubt nicht an ein Happy End für Anita. Ich denke nicht, dass sie damit ausdrücken möchte, dass Anita nicht glücklich werden kann, sondern dass es für sie einfach nicht damit endet. Sie will herausfinden, was danach passiert. Obwohl ich diese Einstellung durchaus nachvollziehen kann, weiß ich noch nicht, ob ich sie wirklich gutheiße. Verdient Anita nicht ebenso einen Abschluss wie alle anderen UF-Heldinnen? Momentan bin ich von einem potentiellen Ende der Reihe allerdings noch weit entfernt; ich habe mich im Rahmen meines Rereads bis Band 4 „The Lunatic Cafe“ vorangelesen.

 

Ist ein bisschen Glück in der Liebe zu viel verlangt? Heißt man Anita Blake offenbar schon. Kaum hatte sie ein paar wundervolle, heiße Dates mit Richard Zeeman – High-School-Lehrer, Outdoor-Enthusiast und Werwolf – werden die Dinge kompliziert. In St. Louis verschwinden Lykanthropen. Nicht nur Richards Werwolfsrudel ist betroffen, sondern alle Gestaltwandler-Gruppen. Die untereinander verfeindeten Anführer_innen vermuten Entführung und Mord. Die Polizei einzuschalten ist keine Option, also bitten sie Anita geschlossen um Hilfe. Widerwillig nimmt sie den Auftrag an und stolpert schon bald über die schmutzigen Geheimnisse der Lykanthropen-Gemeinschaft, bei denen zu allem Überfluss auch noch der Meistervampir der Stadt seine Finger im Spiel hat. Eine Beziehung zu einem Alpha-Werwolf ist vielleicht doch keine besonders gute Idee…

 

Oh oh oh, Anita. Was machst du denn? Was ist los mit dir? Es ist doch sonst nicht deine Art, dich Hals über Kopf in eine Beziehung zu einem Mann zu stürzen, ohne ihn wirklich zu kennen. Ich erinnere mich, dass ich vor all den Jahren, als ich „The Lunatic Cafe“ (bzw. „Gierige Schatten“) zum ersten Mal las, nicht nachvollziehen konnte, wieso Anita sich blind auf Richard einlässt. Heute verstehe ich ihre Beweggründe besser, kann aber trotzdem nur den Kopf schütteln. Erstmals erleben wir eine Seite von Anita, die Laurell K. Hamilton und sie selbst bisher recht erfolgreich verborgen haben. Wir sehen sie als die verletzliche, unsichere junge Frau, die sie tief in ihrem Herzen ist. Sie ist berauscht von der Idee, dass Richard sie lieben könnte, weil sie unbewusst nicht glaubt, überhaupt liebenswert zu sein. Ihr taffes Gehabe offenbart sich endgültig als Fassade, als schützende Mauer, die sie selbst davon überzeugen soll, dass all die Toten, die direkt oder indirekt auf ihr Konto gehen, ihr Gewissen nicht belasten. In Wahrheit hält sich Anita für eine Art Monster, kaum besser als die Vampire, die sie im Auftrag des Staates pfählt. Sie interpretiert ihre Beziehung zu Richard als Chance auf Normalität, flüchtet sich überhastet in diese Hoffnung und verleugnet dadurch, wer sie wirklich ist. Sie macht sich etwas vor. Der weiße Gartenzaun, der Kombi in der Garage, die statistischen zweieinhalb Kinder passen weder zu ihr, noch zu ihrem Leben. Ich habe sie kaum wiedererkannt. Das konnte nicht gutgehen, weil sie einfach nicht bereit für so viel Nähe ist. Selbstverständlich spielt Richards Identität als Alpha-Werwolf ebenfalls eine Rolle, denn all die Verpflichtungen, diffizilen Regeln und Normen, die damit verbunden sind, lassen sich nicht ignorieren. Anita hat keinen blassen Schimmer, was es heißt, ein Werwolf zu sein, woran er nicht unschuldig ist. Er teilt diese bedeutsame Facette seines Lebens eher widerstrebend mit ihr und bringt sie dadurch meines Erachtens nach definitiv in Gefahr. Als die Anführer_innen der Lykanthropen der Stadt sie bitten, die Vermisstenfälle aufzuklären, befindet sich Anita plötzlich in einem Raum voller nervöser Gestaltwandler und kann lediglich auf Bücherwissen zurückgreifen. Ihr Abschluss in übernatürlicher Biologie hilft ihr nicht, sich innerhalb ihrer Dynamik zurechtzufinden und sich in dem Dickicht aus Dominanz und Unterwerfung zu behaupten. Richard hätte sie vorbereiten müssen, weil er wusste, dass hinter den Kulissen der Wergeschöpfe die gleichen Schweinereien laufen, die bei den Vampiren Gang und Gäbe sind. Leider ist Richard zu diesem Zeitpunkt noch ein naiver Träumer, der bis zur Selbsttäuschung an das Gute in allen glauben möchte. Die Handlung von „The Lunatic Cafe“ ist der eindeutige Beweis, dass man nicht tot sein muss, um sich als Monster zu qualifizieren. Man muss nicht einmal ein Raubtier sein.

 

„The Lunatic Cafe“ wird nie auf das Treppchen meiner liebsten „Anita Blake“ – Bände klettern. Obwohl ich erkenne, welchen Wert er für die übergeordnete Geschichte hat und ich die intensive Vorstellung der Gestaltwandler-Gemeinschaft schätze, gefällt es mir einerseits überhaupt nicht, wie Anita sich darin verhält und andererseits fand ich die Handlung rund um die verschwundenen Lykanthropen unnötig kompliziert. Laurell K. Hamilton löst die Vermisstenfälle von zwei, will man genau sein, sogar drei Seiten auf – meiner Meinung nach hätte ein Ansatz vollkommen ausgereicht. Dieser vierte Band ist deshalb weniger rund als die Vorgänger und ich empfinde Anitas Verwandlung in eine verkrampfte, steife Version ihrer selbst als zu abrupt. Ihre Beziehung zu Richard entwickelt sich in mörderischem Tempo und widerspricht somit allem, was ich bisher über Anita weiß. Es passt nicht zu ihr, plötzlich im Leben einer anderen Person verschwinden zu wollen. Sie ist ihr Privatleben betreffend keine impulsive Frau. Ich bezweifle, dass ein einziger heißer Kerl das ändern kann und bin daher nicht völlig von „The Lunatic Cafe“ überzeugt. Ich wünsche Anita alles Glück der Welt – aber die Vorstellung einer totenerweckenden, vernarbten, blutbesudelten, waffenschwingenden, vampirpfählenden Ehefrau und Mutter ist für mich einfach nicht realistisch.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/08/16/laurell-k-hamilton-the-lunatic-cafe
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review 2016-07-26 06:49
Gute Idee einer politischen Dystopie schlecht konzipiert in chauvinistischem Midlifecrisisgewinsel
Unterwerfung: Roman - Michel Houellebecq,Norma Cassau,Bernd Wilczek

Typisch Houelle, weist der Roman wie erwartet mehrere gravierende Ärgerfaktoren auf. Da wäre mal zuerst der widerliche Sexismus des Autors: Frauen verwelken bereits in jungen Jahren schlagartig, es gibt Frauen für die Küche und Frauen als Dirne - am besten für beides. Wenn sie keine von beiden Fähigkeiten haben, sind sie nutzlos.

Zweitens habe ich den alternden Penis des Hauptprotagonisten (vulgo Penis des Autors) bereits in vorhergehenden Romanen wie z.B. Plattform  viel zu genau kennengelernt, und in welchen Scharen von Frauen bzw. Öffnungen er sich immer herumtreibt, das wird wirklich mittlerweile ganz schön langweilig. Es muss schon ein sehr frustrierendes Leben sein, wenn sich ein Mann fast ausschließlich über sein (bestes) Stück definiert.

Am meisten überrascht hat mich aber der Umstand, dass Houelle auch diesmal seine atemberaubende Technologieunkenntnis, die schon in Plattform offenbart wurde, nicht ausgemerzt hat. Er hätte ja mal jemanden fragen können. Juhu die Hauptfigur hat zwar in dieser Dystopie, die einige Jahre in der Zukunft spielt, ein Smartphone, es gibt auch Eingangstüren mit Fingerprintscan, aber Plagiatssoftware im akademischen Betrieb ist komplett unbekannt. Das erschüttert insofern, da sich solche Software schon HEUTE im Einsatz befindet und semantische Vergleichsalgorithmen bereits 2001 entwickelt wurden. Insofern ist jene Aussage bereits im heutigen Unibetrieb schier unmöglich - respektive totaler Schwachsinn, es sei denn wir reden von einer Uni im Busch irgendwo in Mittel-Afrika, die kein Geld für Software und Digitalisierung hat, aber sicher nicht von der Sorbonne.

"Rimbaud ist das am häufigsten durchgekaute Dissertationsthema der Welt, mit Ausnahme vielleicht Flaubert. Man muss sich nur zwei, drei alte Arbeiten heraussuchen, die an Provinzuniversitäten eingereicht wurden, und sie grob interpolieren, niemand verfügt über die materiellen Mittel, das zu überprüfen, niemand hat die Zeit und die Lust, sich in Hunderttausende Seiten unverdrossener Ergüsse charakterloser Studentenüber die "Seher-Briefe" zu stürzen."

Wow! Houellebecq hat tatsächlich noch nie von einer Plagiatssoftware gehört. Ansonsten ist der Unibetrieb aber sehr gut recherchiert und herrlich treffend mit spitzer Feder beschrieben, obwohl der Autor noch nie eine Uni von innen gesehen hat (er bedankt sich auf der letzten Seite bei Agathe Novak-Lechevalier für das Briefing): Die akademischen Empfänge, die Eitelkeiten, die subtilen Vernaderungen und die tieffliegenden Hackln in den altehrwürdigen akademischen Gängen sind so genial gezeichnet! Sogar der Ausverkauf, die Anbiederung fast schon Prostitution der Unis, um mangels ausreichender staatlicher Finanzierung, die für den Studienbetrieb dringend benötigten Drittmittel zu generieren, wurde grandios in den Plot eingebaut.

Auch der Idee und der Vision dieser politschen Dystopie, wie sie der Autor generiert hat, kann ich nur riesengroße Hochachtung zollen - geniales Vorstellungsvermögen und großartige politische Fiktion: In Frankreich kooperieren die Sozialisten mit den Muslimbrüdern, um an der Macht zu bleiben und um die rechten Identitären zu verhindern. Da beide Parteien annähernd gleich stark sind, müssen die Sozialisten riesige Zugeständnisse an die Moslems machen, was den laizistischen Staat mit seinem Wertesystem total aus den Angeln hebt. Scharia light wird quasi eingeführt.

Leider offenbart sich in der Ausgestaltung und detaillierten Konzeption der politischen Vision jene Schwäche des Romans, die ich als am gravierendsten erachte (alle anderen habe ich ohnedies erwartet und hätte ich auch gar nicht so streng gewertet, mittlerweile kenne ich ja den Autor). Da der gesamte Umbau der Gesellschaft konsistent aus der Sicht der Hauptfigur erzählt wird, des widerlichen Opportunisten und Wendehalses, der seine lazisistische, teilweise auch agnostische Prägung sehr gerne und in vorauseilendem Gehorsam für eine gute Karriere und der Möglichkeit zur Polygamie über Bord wirft, wird nie beleuchtet, wie eine solche politische Situation konkret passieren konnte. Erstens gibt es nicht nur Opportunisten, die sich mit ein bisschen Geld bestechen und so einfach zum Islam konvertieren lassen. Zweitens wie konnten die ganzen Atheisten in Frankreich überzeugt bzw. mundtot gemacht werden? Und drittens und somit der gravierendste logische Fehler in diesem Buch: Wie konnten so schnell 50% der Bevölkerung nämlich die Frauen, ohne Krieg, Aufstand und Protest all ihrer Rechte beraubt werden? Das würde ich gerne wissen und zu diesen gesellschaftspolitischen Umwälzungen  hätte er sich schriftstellerisch unbedingt irgendetwas einfallen lassen müssen. Eine solche Konstellation ohne Gegenwind ist total unrealistisch und fußt wahrscheinlich im Umstand, dass in Houellebecqs Universum Frauen, ihre Meinungen und Bedürfnisse irgendwie noch nie wirklich exisistiert haben. Auch wenn Frankreichs Paradesexist dies negiert, sind sie aber tatsächlich da und nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz bis zur Selbstaufgabe so willig, wie er sie sich in seiner beschränkten Vorstellungswelt gern zeichnet. Insofern ist die Vision der Dystopie großartig aber die konkrete logische und strategische Ausgestaltung derselben grottenschlecht. Er hat einfach seine Hirngespinste nicht auf den fiktiven Boden der "Realität" gebracht. :-). Insofern bin ich enttäuscht und kann den begeisterten Kritiken auch in dieser Hinsicht nicht zustimmen.

Andererseits beschreibt er die politischen Ränkespiele und Koalitionen der einzelnen Parteien mit sehr treffender Feder. Also wenn Männer Männersachen machen. Oft fühlte ich mich an die derzeitige Situation in Österreich erinnert. Auch die Erkenntnis, dass unsere rechte Identitäre Bewegung dem orthodoxen Islam extrem ähnlich ist, was den erbitterten Kampf der beiden gegeneinander auch in einem anderen Licht erscheinen läßt. Die Linke, die in ihrer falsch verstandenen Toleranz des Islam bereit ist, gleichmütig die Trennung von Staat und Religion aufzugeben und dabei vergisst, dass sie die Rechte Pest durch die Rechte Cholera eintauscht. Das haben wir ja bereits heute in der Kopftuchdebatte.

... aber der ganze Artikel war ein einziger Aufruf an seine früheren traditionalistischen und identitären Freunde. Es sei tragisch, bekundet er leidenschaftlich, dass eine irrationale Feindseligkeit gegenüber dem Islam sie daran hindere, die folgende Gewissheit nicht zu erkkennen: sie seien in den wesentlichen Punkten völlig im Einklang mit den Moslems. Was die Ablehnung des Atheismus und Humanismus angehe, die notwendige Unterwerfung der Frau und die Rückkehr des Patriachats: Ihr Kampf sei in jeder Hinsicht derselbe.

Fazit: Wenn ich alle Pluspunkte und Ärgerfaktoren in eine Wagschale werfe, ergibt dies exakt drei Sterne. Der Roman ist auf jeden Fall selten langweilig und das bedeutet schon viel. Im Sinne des Buches als Grundlage für weitere Diskussionen, gebe ich dennoch eine Leseempfehlung ab, wenn man über die logischen Schwächen, die faden Sexszenen und den grauslichen Sexismus hinwegkommen kann.

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text 2015-02-08 15:10
Rezension #54: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq
Unterwerfung: Roman - Michel Houellebecq,Norma Cassau,Bernd Wilczek

“Unterwerfung” von Michel Houellebecq ist eines der männlichsten Bücher, die ich je gelesen habe. Frauen sind eine reine Randerscheinung und kommen nur als Betthäschen und/oder Köchinnen/Haushälterinnen vor. Auch der unsympathische, selbstherrliche Macho-Protagonist machte das Buch zu keinem großen Lesevergnügen für mich. Zudem relativiert die Perspektive die großen gesellschaftlichen Umwälzungen, von denen der Roman eigentlich erzählt.

Die Aussage von “Unterwerfung” erschloss sich mir nicht. Am ehesten ist es wohl als Kritik an den Intellektuellen Frankreichs zu sehen, die in “Unterwerfung” als sehr selbstzentriert, weltfremd und käuflich dargestellt werden.

Wer das Buch lese will, sollte einige solide Kenntnisse der französichen Literatur, insebesondere Huysmans, sowie ein Grundverständnis der französischen Parteisystems mitbringen.

 

Ausführliche Rezension: http://kerstin-scheuer.de/rezension-54-unterwerfung-von-michel-houellebecq/

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review 2015-01-28 17:34
Unterwerfung | Michel Houellebecq
Unterwerfung: Roman - Michel Houellebecq,Norma Cassau,Bernd Wilczek

Autor: Michel Houellebecq
Titel: Unterwerfung
Übersetzer: Bernd Wilczek, Norma Cassau
Spiegel-Bestseller Platz 1 – Woche 05/2015
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: DuMont Buchverlag, [16.01.2015]
HC, 280 Seiten, 22,99 €
ISBN: 3832197958
Kindle-Edition: 280 Seiten, 18,99 €
ASIN: B00PAVTN8E
gelesen auf dem Kindle Paperwhite

 

Bewertung: 

 

Kurzbeschreibung (Amazon):

»Man kann diesen Roman kaum aus der Hand legen … Kein Autor hält der offenen Gesellschaft ihre Albträume so schonungslos vor wie er.« - Sandra Kegel, F.A.Z.
»Je suis Houellebecq.« - Doris Akrap, taz
»Es ist eines von Michel Houellebecqs besten Büchern … eine literarische Möglichkeit der Welt. Dafür ist Literatur erfunden worden.«
Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Meine Meinung:

 

Wer bei der Lektüre dieses Buches erwartet, ein bisschen mehr über die möglichen Hintergründe der augenblicklichen Situation in Frankreich zu lesen und zu verstehen, wird enttäuscht werden. Wer ein tiefgreifendes politisches Werk erwartet, wird ebenso enttäuscht werden. Selbst, wer spannende Lektüre erwartet, dürfte enttäuscht werden.

 

Der einzige Grund, der mich davon abhielt, das Buch nicht nach einiger Zeit abzubrechen bestand darin, möglicherweise später dahinter zu kommen, woher die extreme Bewerbung dieses Werkes ihre Daseinsberechtigung nimmt. Doch leider, ohne tatsächlichen Realitätsbezug hat das Buch wenig mit Islamkritik zu tun. Eher im Gegenteil. Eine mögliche Machtergreifung einer islamischen Regierung in naher Zukunft (2022) wird angedeutet und völlig verharmlost dargestellt. Es findet quasi ein nahtloser, gar nicht schlimmer Übergang von der einen Gesellschaftsform zur nächsten statt. Kann man hier schon von einer Verherrlichung sprechen?

 

Schon der Einstieg erschien mir ungewöhnlich schwer. Nicht nur der Schreibstil ist weniger locker und ungezwungen als all die Bücher, die ich in den letzten Monaten verkonsumiert habe, es wird auch eine Kenntnis der Literaturwissenschaft vorausgesetzt und mit Begriffen gewürzt, die ich fast ausnahmslos nachschlagen musste, um zu verstehen, was gemeint ist. Der rote Faden durch das gesamte Buch ist eine Affinität zum Schriftsteller Huysmans, die schon an Vergöttlichung grenzt und mir völlig unbegreiflich ist.

 

In vielen Gesprächen, aber auch Gedanken, wird philosophiert, der Erzähler ertrinkt nahezu in Selbstmitleid und schildert ansonsten gern detailliert verschiedenste Sexpraktiken.

 

Zitat:

Es ist seltsam, dass ein scheinbar so geringfügiger Umstand in Wahrheit so tiefgreifend ist und dass diese offenkundige, leicht festzustellende Tatsache von den Philosophen der verschiedenen Richtungen kaum erschlossen wurde: Weil Menschen aufgrund ihrer Natur grundsätzlich die gleiche Quantität von Sein besitzen, sind sie alle mehr oder weniger gleich gegenwärtig. Und doch ist das nicht der Eindruck, den sie über einige Jahrhunderte hinweg vermitteln; zu oft kann man beobachten, wie ein schemenhaftes Wesen in den mehr vom Zeitgeist als von der eigenen Persönlichkeit diktierten Seiten zunehmend zerfasert, immer geisterhafter und ungekannter wird.

Das Buch hat mich enttäuscht. Das Geld hätte ich mir sparen können.

 

Ich gebe 02/10 Punkte - Thema verfehlt, würde ich sagen...

 

Source: sunsys-blog.blogspot.de/2015/01/gelesen-unterwerfung-m-houellebecq.html
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