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review 2018-08-29 09:23
Darum lese ich Bücher immer zu Ende
Blood Red Road - Moira Young

Als Moira Young gefragt wurde, wie ihr Traumberuf aussähe, wäre sie keine Autorin, antwortete sie sehr präzise. Sie besäße ein altmodisches, nichtkommerzielles Kino in einer kleinen Küstenstadt. Es gäbe gemütliche Plüschsessel, schwere rote Samtvorhänge, Popcorn mit echter Butter und einen Projektor in einer Nische. Sie würde nur Streifen zeigen, die sie selbst mag, zum Beispiel trashige B-Movies. Vermutlich seid ihr schon draufgekommen: Young liebt Filme. Diese Leidenschaft beeinflusste sogar den Entstehungsprozess ihres Debütromans „Blood Red Road“. Sie visualisierte die Geschichte der Protagonistin Saba wie einen Film, nutzte ihre Augen als Kamera. Kein Wunder, dass sich der Trilogieauftakt als actiongeladener Roadtrip entpuppte. ;)

 

Für die 18-jährige Saba ist ihr Zwillingsbruder Lugh der Mittelpunkt ihrer Existenz. Er ist ihr Licht, ihre Sonne, der einzige Grund, warum sie das Leben in der dürren Ödnis von Silverlake ertrug. Deshalb wird sie ihn retten. Sie wird seine Entführer bis ans Ende der Welt jagen. Lugh wurde verschleppt. Saba weiß nicht, welches Interesse die dunkel gekleideten Männer, die im Windschatten eines gewaltigen Sandsturms ihr Heim überfielen, an ihm haben und es ist ihr auch egal. Begleitet von ihrer kleinen Schwester Emmi zieht sie aus in die staubige, gesetzlose Weite der Dustlands. Sie würde alles tun, um Lugh zurückzubekommen. Sie lernt zu kämpfen, verbündet sich mit Rebellen und schließt unerwartete Freundschaften. Für Lugh greift sie die Grundfesten ihrer Zivilisation an und bedroht ein Drogenkartell, das sie ohne zu zögern töten würde. Sie riskiert ihr Leben und wächst über sich hinaus. Denn Saba ist mehr als Lughs Schatten. Sie ist eine Naturgewalt.

 

Es war eine schwere Geburt für mich und „Blood Red Road“. Zu Beginn dachte ich, das wird nie was mit uns. Ich mochte die Protagonistin und Ich-Erzählerin Saba nicht, fand ihre Fixierung auf ihren Zwillingsbruder Lugh ungesund, zweifelte daran, ob die beiden heimlich mehr als Geschwister sind (igitt) und hatte große Schwierigkeiten mit Moira Youngs Schreibstil, denn ich konnte mich zuerst nicht mit der fragmentarischen Umgangssprache und der fehlenden Abgrenzung von wörtlicher Rede anfreunden. Ich brauchte ewig, um in den Auftakt der „Dust Lands“ – Trilogie hineinzufinden. Deutlich über 100 Seiten. Doch dann änderte sich etwas. Saba änderte sich. Plötzlich holte mich ihre Geschichte ab und ich hatte überraschend Freude an der Lektüre. Es ist erstaunlich, wie abhängig mein Lesespaß von Sabas Attitüde war. Anfangs war sie mir unsympathisch, weil sich ihr Denken ausschließlich um Lugh drehte, obwohl ihre kleine Schwester Emmi direkt neben ihr stand und sie brauchte. Erst, als Saba begann, sich ehrlich um Emmi zu sorgen, stieg sie in meinem Ansehen, sodass ich in der Lage war, „Blood Red Road“ zu genießen. Sicher beabsichtigte Moira Young diese extreme Reaktion nicht, der intensive Fokus auf Saba ist hingegen gewollt. Im Zentrum der Geschichte stehen das Wachstum ihrer Beziehung zu Emmi und ihre persönliche Entfaltung. Young mutet der 18-Jährigen einiges zu und schickt sie auf einen rasanten, schnell voranschreitenden Roadtrip zur Rettung ihres entführten Bruders. Die Übergänge der ereignisreichen Handlung erschienen mir recht hart. Saba gleitet nicht sanft von einer Phase in die nächste, sondern erlebt ihre Reise im Stakkato. Manche Entwicklungen wirkten daher ruckartig; ich hatte das Gefühl, dass Young Saba zu einigen Entscheidungen zwang, die ihrem Charakter widersprachen, um raschen Fortschritt zu gewährleisten. Beispielsweise legt sie ihr Leben (und somit auch Emmis und Lughs) in die Hände einer Rebellengruppe, die sie kaum kennt, obwohl sie sonst beinahe lächerlich misstrauisch ist. Dieser abrupte Impuls passte nicht zu meinem Bild von ihr und irritierte mich. Rückblickend schätze ich, dass sie in der harschen endzeitlichen Realität der Dustlands wohl einfach jemandem vertrauen musste, weil sie nicht das Geringste von der gnadenlosen Welt außerhalb von Silverlake weiß. Young gestaltete das Worldbuilding ihrer Postapokalypse dementsprechend zurückhaltend und gibt nur dezente Hinweise auf eine Vergangenheit, die vermutlich mit unserer Wirklichkeit gleichzusetzen ist. Das war ein wenig frustrierend, der altmodische Western-Charme der Geschichte tröstete mich jedoch darüber hinweg. Ich fand die Mischung aus ruchlosen Städten, Banditen zu Pferde und der Atmosphäre einer endlosen, sandigen Prärie sehr aufregend. Kriminalität ist alltäglich, es gibt keine Gesetzeshüter oder Ordnungsinstanzen, folglich ist es naheliegend, dass Young ein Drogenkartell als Gegenspieler für Saba etablierte. Mir gefiel diese abwechslungsreiche, originelle Idee wirklich gut. Es passt in dieses Universum, dass die Menschen nicht durch ein repressives, überwachungsgestütztes Regime kontrolliert werden, sondern durch eine Droge, die das Kartell monopolisierte. In der Gesellschaft der Dustlands hat das Kartell absolute Macht. Sie können tun, was sie wollen, weshalb mir sogar der geistesgestörte Grund für Lughs Entführung plausibel erschien. So viel Macht steigt eben zu Kopf.

 

Nach meinem miesen Start mit „Blood Red Road“ habe ich nicht erwartet, dass mich der Trilogieauftakt so gut unterhalten würde. Manchmal lohnt es sich, dass ich Bücher grundsätzlich zu Ende lese. Hätte ich nach den ersten 100 Seiten aufgegeben, wäre ich niemals Zeugin der beeindruckenden und clever inszenierten Entwicklung geworden, die Moira Young für ihre Protagonistin Saba plante. Sie kultiviert eine Identität abseits ihrer Rolle als Lughs Zwilling, die inspirierend ist. Vor der atmosphärischen Kulisse einer postapokalyptischen Welt, die an den Wilden Westen erinnert, erlebt sie zahlreiche nervenaufreibende Abenteuer, findet zu sich selbst und konnte mich doch noch von sich überzeugen. Ich freue mich darauf, sie in den Folgebänden wiederzusehen. Dann hoffentlich ohne Anlaufschwierigkeiten.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2018/08/29/moira-young-blood-red-road
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review 2018-08-28 15:37
Ich mag den Stil von Martin Krist gern
Stille Schwester: Der zweite Fall für Kommissar Henry Frei (Die Henry Frei-Thriller 2) - Martin Krist

Inhaltsangabe

DU BIST GLÜCKLICH? BALD BIST DU TOT!
Seit Monaten treibt ein Serienkiller sein perfides Spiel in der Hauptstadt: Auf heimtückische Weise erdrosselt er die Frauen, verwandelt ihre Leichen in groteske Kunstwerke. Es gibt keine Verbindung zwischen seinen Opfern. Er hinterlässt keine Spuren. Kommissar Henry Frei und sein Team stehen vor einem Rätsel.

Die Beziehung von Rebecca und Andreas könnte glücklicher nicht sein. Bis sie seinen Lügen auf die Schliche kommt. In ihr keimt ein furchtbarer Verdacht. Wer ist Andreas wirklich?

Der zweite Fall für Kommissar Henry Frei. 

 

Meine Meinung

So wie Band 1 der Reihe („Böses Kind“) endete, so lässt Martin Krist seinen zweiten Band um Henry Frei starten. Nach dem Beenden des Prologs dachte, nein, das kann er doch nicht machen. Doch kann er!

 

Wenn ich an diesen Autor denke, kommen mir sofort seinen fiesen Cliffhanger in den Sinn. Egal ob es sich da um den Prolog, um einzelne Kapitel oder um das Ende handelt, Krist weiß seine Leser konstant zu unterhalten.

 

Mittlerweile habe ich fünf seiner Bücher gelesen und rezensiert. Mit der Zeit gehe ich an seine Bücher immer sehr optimistisch heran, denn ich mag seinen Stil sehr. Der unterscheidet sich Gott sei Dank von Buch zu Buch nicht sehr, aber Martin Krist schafft es in jedem Buch noch diese spezielle Note einzubringen.

Bei „Stille Schwester“ waren es die E-Mails an Henry Frei.

„..ich schreibe Ihnen diese E-Mail, weil Sie mich getötet haben.“

(Pos. 105)

 

Also mit sowas bekommt er mich ja ganz schnell rum.

Ich hatte keine Ahnung, in welche Richtung das geht. Sehnlichst habe ich auf weitere Mails gewartet und Stück für Stück wird eine Geschichte erzählt, welche vor Hass, Neid und Sehnsucht nur so strotzt.

 

Nun aber erst einmal zu den bereits bekannten Figuren aus dem ersten Band der Reihe. Natürlich werden wir in dem Buch wieder mit Frei und seiner Kollegin Louisa Albers konfrontiert. Worauf der Autor bereits im ersten Band großen Wert legte, waren die Feinheiten der beiden Ermittler, um sie mit ihren Eigenarten kennen zu lernen und zu verinnerlichen. Der „penible, analytische und intelligente“ (Pos. 118) Henry Frei mit seiner nicht zu übersehbaren Zwangsstörung und seine junge Kollegin, welche das komplette Gegenteil von ihm ist und in diesem Band durch weg mit einer Erkältung zu kämpfen hat.

Diese Besonderheiten in der Charakteristik der Figuren sind mir in diesem Band noch deutlicher ins Auge gesprungen.

Da der Fall im Band „Böses Kind“ noch nicht gelöst wurde, versuchen die beiden und ihre Team wieder alles, um den Mörder der Frauen zu finden.

In diesem Band gibt es zwei weitere Morde mit dem gleichen Schema und dennoch tappen alle im Dunkeln.

„..drei Morde, dreimal das gleiche Schema, er tötet, kündigt sein nächstes Opfer mit einem verdammten Zettel, einer verdammten Telefonnummer an.“

(Pos. 1542)

 

Alle Leser, welche das „Böse Kind“ gelesen haben, werden sich an Alanna erinnern, die verschwundene Tochter von Frei’s ehemaligem Chef und Freund Oskar Marek. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn dieses Thema hier nicht aufgegriffen wird.

Es geht in eine neue Runde. Neue Details. Neue Fakten.

Aber ich glaube, dass der Autor mit der Story noch nicht am Ende angekommen ist.

 

Ein Punkt, der bei Martin Krist immer wieder das Gefühl von Familie und Heimkommen verursacht, ist, dass er bekannte Personen aus anderen Büchern in die Geschichte integriert. So gibt es hier ein Wiedersehen mit dem Ermittler Paul Kalkbrenner, welcher mich erinnern lässt, dass ich da noch einiges mit ihm zu lesen habe.

 

Weiterentwickelt wird in diesem Band vor allem der Charakter Henry Frei.

Man bekommt weitere Einblicke in seine Familie, seinen Alltag und weiß ich nun noch besser zu kennen. Bei Louisa Albers tritt man ein wenig auf der Stelle. Hier erhoffe ich mir, dass sie im dritten Band bitte nicht mehr schnieft und schnottert.

 

Auf der Suche nach dem Mörder kann der Autor die Spannung zum Ende wieder stark anziehen. Es gibt einen Wow-Effekt und mal wieder ein ganz böses Ende, welches mich mit einem tippenden Finger auf der Tischplatte zurücklässt und der Frage: wann geht es weiter?

_______________________________________________________________

 

Ein Punkt, den dieses Buch meiner Meinung nach nicht unbedingt gebraucht hätte, war die Geschichte um Rebecca und Andreas, welche bereits oben im Klappentext erwähnt wird. Herr Krist hätte die Story auch ohne diese beiden Figuren rund bekommen. Aber das ist wieder absolute Geschmackssache.

 

Und ich war tatsächlich ein wenig überrascht, dass ich dieses Buch nach 230 Seiten bereits beendet hatte.

 

Mein Fazit

„Stille Schwester“ ist eine gelungene Fortsetzung um die seltsamen Morde, welche Henry Frei versucht zu lösen. Man merkt beim Lesen sehr gut, wie viel Feinschliff der Autor seinem Hauptcharakter Frei und seiner Story verleiht.

Dank des Lesespaßes kann ich auch dieses Buch wieder weiterempfehlen.

 

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review 2018-04-15 20:32
Vom Alleinsein und der Einsamkeit
Die andere Schwester: Roman - Kristin Hannah,Hedda Pänke

Die Schwestern Claire und Meg stehen sich nicht besonders nah. Doch dann schlägt bei Claire die Liebe wie der Blitz ein und sie will auf der Stelle heiraten! Meg möchte die jüngere Schwester vor drohendem Unglück bewahren. Sie weiß selbst nur allzu gut, auf welche Art viele Ehen enden können.

Es geht um die Schwestern Meg und Claire, die eine schwierige Kindheit hinter sich haben und auseinander gedriftet sind. Sie haben als Erwachsene kaum Kontakt, nehmen am Leben des anderen nicht teil und werden durch die kommenden Ereignisse unerwartet zueinander geführt.

Claire ist Mitte Dreißig und begnügt sich mit einem eher beschaulichen Leben. Ihr Töchterchen und das Management eines kleinen Feriendorfs halten sie genug auf Trab, und sie fühlt sich im Großen und Ganzen wohl in ihrem Leben. 

Meg ist Anfang Vierzig und die toughe Business-Lady vor der sich die Männer hüten müssen. Als Scheidungsanwältin ist sie gefragt und schafft es, den Herren zugunsten der geschiedenen Gattinnen das letzte Hemd auszuziehen. In ihrem Leben ist es mit der Liebe nicht weit her. Ihr reicht es, abends in die Bars zu ziehen und nach jungen, appetitlichen Betthüpfern zu sehen. 

Claire hat sich auf den ersten Blick in den Countrysänger und Vagabunden Bobby verliebt. Doch mit dem Verliebtsein allein ist es nicht getan, es muss natürlich gleich eine Hochzeit sein. Da sieht Meg rot und möchte die kleine Schwester vor diesem Unglück bewahren. Schnell stellt sich heraus, dass Meg eben nicht alles kann ... 

Hauptsächlich geht es darum, dass sich Meg und Claire zugleich ähnlich und fremd sind. Gleichzeitig thematisiert Kristin Hannah Einsamkeit und fehlendes Vertrauen, das dem Alleinsein zugrunde liegt. Und natürlich geht es um die Liebe, die alles aus den Angeln hebt.

Die Handlung an sich fand ich ok, auch wenn sie nicht voll und ganz überzeugen kann. Ich persönlich verstehe nicht, wie sich eine Mutter und Mittdreißigerin auf eine Blitzhochzeit einlassen kann ohne abgesichert zu sein. 

Aber gut, jedem das Seine, denn die Geschichte nimmt schon sehr interessante Züge an. Die Schwestern haben eine schwierige Kindheit hinter sich gebracht, an die man in sanften Rückblenden herangeführt wird. Problematischer Mittelpunkt ist die extravertierte Mutter mit Star-Qualität, die ihre Töchter stets vernachlässigt hat. Außerdem wurden die Schwestern regelrecht auseinandergerissen, was der Ursprung ihrer - ja - traumatischen Beziehung zueinander ist.

Neben dem Blick in die Vergangenheit steht die unmittelbare Zukunft vor der Tür. Die Hochzeit steht bevor und so ein Ereignis will gut vorbereitet sind. Dieser Part nahm mir viel zu viel Raum im Geschehen ein. Es werden Brautkleider anprobiert, Menüs werden besprochen und die Liebe laufend geschworen, was für meinen Geschmack zu sehr in Richtung Chick-Lit geht. 

Obwohl es spannende Elemente gibt - ein mysteriöser Joe taucht auf, der ein schreckliches Geheimnis hat - wird die Geschichte plätschernd erzählt, was mich stellenweise gelangweilt hat.

Kristin Hannahs Schreibstil ist phänomenal. Der Roman liest sich schon fast wie Butter, durch die man durchflutschen kann. 

Insgesamt ist „Die andere Schwester“ ein netter Frauenroman, der teilweise in die Tiefe geht, allgemein betrachtet dann doch zu sehr an der Oberfläche kratzt. Spannende Hintergründe und unvorhergesehene Ereignisse trösten über mädchenhafte Szenen hinweg, was im Endeffekt zu einem angenehmen Leseerlebnis führt. 

Mir war „Die andere Schwester“ zu sehr ein Frauenroman, was weniger meinem Geschmack entspricht. Wäre das Buch von einer anderen Autorin gewesen, hätte ich wahrscheinlich nicht dazu gegriffen. 

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2018-03-13 07:42
Verlorene Seelen
Die andere Schwester: Roman - Kristin Hannah,Hedda Pänke

Inhaltsangabe

Seit Jahren haben die Schwestern Claire und Meghann kaum Kontakt. Dann möchte Claire einen Mann heiraten, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt hat. Davor will sie die ältere Meg unbedingt bewahren – ist sie doch selbst zu oft enttäuscht worden, als dass sie noch an Liebe glauben könnte. Ausgerechnet jetzt lernt Meg jemanden kennen, der es wert wäre, ihre Angst vor Nähe zu überwinden. Doch dann droht den Schwestern ein erneuter Verlust, und sie werden gezwungen, sich ihrer schwierigen Vergangenheit zu stellen.

(Quelle: )

 

 

Meine Meinung

Verlorene Seelen

 

Eventuell kommt einigen Lesern die Inhaltsangabe vertraut vor. Das kann sehr gut möglich sein, wenn ihr die alten Werke der Autorin kennt. Dieser Roman wurde nämlich erstmals 2006 unter dem Titel „Wer zu lieben wagt“ veröffentlicht.

 

Aus dem Klappentext des neuaufgelegten Romans von Kristin Hannah, in wunderschöner Optik, geht bereits hervor, dass hier vor allem bei den beiden Schwestern einiges im Argen liegt. Schnell erfährt man, wie unterschiedlich Meghann und Claire sind. Meghann ist Anfang 40, eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, lebt in der City von Seattle und hat die Suche nach der großen Liebe schon lang aufgeben.

„Nicht Selbstbefriedigung machte blind, wie ein alter Spruch behauptete, sondern die Liebe.“ (S. 77)

 

Claire hingegen lebt mit ihrer 5-jährigen Tochter Alison bei ihrem Vater in einem Wohnmobilpark. Hier beherrschen die Natur und ein geregelter Tagesablauf das Leben der 35-jährigen. Beim jährlichen Ausflug mit ihrer Highschoolclique trifft Claire auf Bobby und es ist um sie geschehen.

 

Bereits an dieser Stelle im Roman wird klar, dass Claire das Leben genießt und keine Angst vor Eventualitäten hat. Wohin gehend Meg’s Leben von Arbeit und Verzicht geprägt ist. Meg hat Geld ja, aber ihr fehlt das Soziale total.

Was die beiden allerdings verbindet und was zugleich das Geheimnis im Buch darstellt, ist ihre Vergangenheit. Was ist vor ca. 25 Jahren geschehen, dass die beiden Schwestern sich so voneinander entfernt haben? Waren sie als Kinder doch ein Herz und eine Seele.

Schnell teilt Claire ihrer Schwester ihr Vorhaben mit. Sie will schnellstmöglich und ganz schlicht heiraten. Wie vermutet ist Meg skeptisch und macht sich auf den Weg zu Claire, um Bobby unter die Lupe zu nehmen.

 

„Was ich mir von dir wünsche, ist Vertrauen.“ (S. 193)

 

Da bleibt Meg nichts anderes übrig, als ihre Meinung hintenan zu stellen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Völlig überraschend möchte sie Claire’s Hochzeit sogar organisieren.

 

Dieser Roman konnte mich allerdings nicht nur wegen der Story um die beiden Schwestern gut unterhalten. Die Autorin zeigt uns eine weitere verlorene Seele auf. Joe Wyatt tritt als Aussteiger in dieser Geschichte auf. Vor 3 Jahren kehrte er seiner Heimat den Rücken und ließ alles zurück.

Was geschah damals? Seine Schuldgefühle spürte man zu jedem Zeitpunkt.

Auch er hat mit der Liebe abgeschlossen, bis er in einer Bar auf Meghann trifft.

 

„Ahnungslos hatte sie eine Tür mit der Aufschrift >>unverbindlicher Sex<< geöffnet und fand sich nun in einem Raum voller Möglichkeiten wieder.“ (S. 332)

 

„Es war, als hätte jemand in einem bisher kalten und dunklen Raum ein Licht angezündet.“ (S. 333)

 

Ich habe bereits mehrere Bücher der Autorin gelesen und muss sagen, dass ich von Stil her immer wieder zu ihren Büchern greifen würde. Bereits zwei Mal hat mir die Autorin ein Jahreshighlight beschert. Dazu im unteren Teil ein wenig mehr.

Für viele mag die Geschichte anfänglich nur so dahinplätschern, aber ich weiß, dass mich die Autorin im letzten Drittel der Geschichte immer wieder fesseln kann, so auch hier. Warum? Weil Kristin Hannah dann die große Emotionsschublade aufmacht. Die Frau kann mich einfach zum Weinen bringen, wie keine andere.

 

Auch charakterlich fand ich die Geschichte wieder stark.

Am Anfang dachte ich, dass ich mit Claire durch die Geschichte gehen kann, aber sehr schnell zeigten sich bei ihr Eigenschaften, mit denen ich mich nicht identifizieren kann. So war es Meghann, die mich mit ihrer Entwicklung total begeistern konnte. Hier gab es eine große Gratwanderung und sie ist meine Sympathieträgerin im Roman. Der Platz im meinem Herzen gehört aber wiederum der kleinen Alison. Ich weiß nicht wieso, aber Hannah hat ein Händchen dafür die kleinen Figuren in ihren Büchern ganz groß darzustellen.

 

Mein Fazit

Ich möchte keine großen Töne spucken, aber ich glaube, wer den Stil der Autorin kennt und mag, der wird auch diesen Roman mögen. Für mich war er vor allem wegen dem letzten Drittel wieder ein empfehlenswertes Buch. Der Schreibstil, die Charakterentwicklungen und die große Schublade voller Emotionen, ermutigen mich auch noch die nicht gelesenen Werke der Autorin zu lesen.

Vor allem zu Beginn und in der Mitte der Geschichte hätte ich mir allerdings noch mehr von der Figur Claire erhofft, war sie es doch, die mir den Anfang der Geschichte mit ihrer Art sehr versüßt hat.

Allerdings sollte man sich als Leser auf einen Frauenroman einlassen können, der mit Sachen aufwartet, die nicht immer hundert prozentig realistisch sind.

Für mich war der Lesezeitpunkt perfekt, ich hoffe, dass kann man aus meiner Rezension herauslesen.

 

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review 2017-12-21 13:50
Scharade in Moskau
The Girl in the Tower - Katherine Arden

Von Trauer überwältigt flieht Vasja vom Hof ihres Vaters. Sie möchte ihre Zukunft selbst bestimmen, sehnt sich nach Abenteuern. Begleitet von ihrem treuen Hengst Solovey streift sie durch die Wälder, sucht nach einem erfüllenden Leben. Um nicht aufzufallen, verkleidet sie sich verbotenerweise als Mann. Als Vasja drei entführte Mädchen aus den Händen räuberischer Tartaren befreit und mit ihnen in ein Kloster flüchtet, ahnt sie nicht, dass ihrer Verkleidung eine harte Probe bevorsteht. Denn im Kloster trifft sie auf ihren älteren Bruder Sasha, der an der Seite des Großfürsten von Moskau nach eben jener Räuberbande fahndet, der Vasja die Mädchen entriss. Der Großfürst ist vom Mut des furchtlosen jungen „Mannes“ begeistert. Unbekümmert lädt er Vasja nach Moskau ein und bringt sie damit in eine gefährliche Zwickmühle: sie kann sich nicht als Frau offenbaren, die Einladung aber keinesfalls ablehnen. Wird ihre Täuschung enttarnt, riskiert sie nicht nur ihr Leben, sondern auch Sashas. In Moskau angekommen, verschlägt es Vasja schier die Sprache. Doch schon bald erkennt sie, dass sich hinter der prunkvollen Fassade eine Schlangengrube politischer Intrigen verbirgt. Und die größte Bedrohung ist übernatürlichen Ursprungs…

 

„The Bear and the Nightingale” hätte wunderbar als Einzelband funktioniert. Das Ende bietet genau die richtige Mischung aus offen und geschlossen, sodass Katherine Arden frei entscheiden konnte, ob sie die Geschichte weiterführt oder es den Leser_innen überlässt, zu spekulieren, was als nächstes geschieht. Ich glaube, was sie letztendlich dazu bewog, den Nachfolger „The Girl in the Tower“ zu schreiben und eine Trilogie zu forcieren, war ihre eigene Neugier. Sie wollte wissen, wie es mit ihrer Protagonistin Vasja weitergeht. Sie wollte die Limitationen ihres Universums erforschen, das einzigartig lebendig mit der slawischen Folklore verbunden ist. Im ersten Band konnte sie viele Sagengestalten nicht involvieren, weil der inhaltliche Rahmen dies nicht zuließ – ohne Fortsetzung hätte sie ganz darauf verzichten müssen. Das erschien ihr offenbar inakzeptabel, was mich als Leserin natürlich sehr freut. „The Girl in the Tower“ taucht noch tiefer in die russische Mythologie ein. Neben den entzückenden Hausgeistern stellt Katherine Arden bedeutende Märchenfiguren vor, die sich erst aufgrund der Öffnung des Horizonts ihrer Geschichte homogen in diese einfügen, ohne sie zu dominieren. Vasjas Welt ist gewachsen. Sie verließ den väterlichen Hof, wagt sich in die Weite des Landes hinaus, das eines Tages „Russland“ heißen wird und begibt sich auf die Suche nach ihrer Identität. War „The Bear and the Nightingale“ eine 16 Jahre umspannende, beherrschte Schilderung von Vasjas Kindheit und Jugend, zieht das Tempo in „The Girl in the Tower“ nun deutlich an. Arden packt eine ordentliche Schippe Action drauf und erhöht den Spannungsbogen mit rasanten Verfolgungsjagden, Kämpfen, Intrigen und Vasjas riskanter Tarnung als Mann. Trotz dessen wirkt die Handlung niemals gehetzt oder überhastet, weil die Autorin die inhärenten Konflikte ihrer Geschichte weiterhin eingehend ergründet. Vasjas Konflikt mit den Normen der Gesellschaft tritt explizit in den Vordergrund. Sie widerspricht der damaligen Vorstellung einer demütigen, gottesfürchtigen und vor allem unsichtbaren Frau; ihre couragierten Taten werden nur akzeptiert, weil sie sich als Mann ausgibt. Ich habe mich über die Ungerechtigkeit dieses Rollenbilds fürchterlich geärgert, obwohl es selbstverständlich der Realität des 14. Jahrhunderts entspricht. Ich konnte mich mit Vasjas hilfloser Zerrissenheit voll identifizieren, fand allerdings auch die Perspektive ihrer Geschwister Sasha und Olga sehr interessant. Es fällt ihnen schwer, die kaum zu zügelnde Wildheit ihrer Schwester zu tolerieren. Sie bewundern Vasjas Talente widerwillig, zum Beispiel ihren beeindruckend realistisch dargestellten sensiblen Umgang mit Pferden, doch sie können nicht damit umgehen, dass Vasja alle Konventionen verweigert. Ich konnte ihre Empörung zum Teil verstehen, denn freilich bringt Vasjas sorglose Hitzköpfigkeit sie alle durch ihre Nähe zum Großfürsten in Gefahr. Leider hatte ich Schwierigkeiten, Moskau im 14. Jahrhundert zu visualisieren. Während Arden ihre Leser_innen erneut mit traumhaft atmosphärischen Beschreibungen der Wildnis verwöhnt, wollte sich bei mir einfach kein konstantes Bild der Stadt einstellen. Es flackerte. Nichtsdestotrotz habe ich durch die Lektüre abermals viel gelernt. Mir war nicht bewusst, dass es sich bei Großfürst Dmitrii Ivanovich um eine reale historische Persönlichkeit handelt und er der erste Regent war, der sich gegen die Herrschaft der Mongolen über Moskau auflehnte. Katherine Arden kombiniert diese explosive politische Situation mit einer übernatürlichen Bedrohung, wodurch „The Girl in the Tower“ reifer als der Vorgänger wirkt.

 

Ich kann das Finale der „Winternight Trilogy“ kaum erwarten. So viele ungeklärte Fragen warten darauf, beantwortet zu werden. Vasjas Wurzeln liegen noch immer im Dunkeln, ebenso wie die Rolle des Winterkönigs. Wieso erwählte er ausgerechnet Vasja? Ich vermute, dass sein Interesse an ihr mit dem Geheimnis ihrer Familie mütterlicherseits zusammenhängt. Laut Goodreads wird der dritte Band „The Winter of the Witch“ heißen und im August 2018 erscheinen. Ich werde mich gedulden müssen. Vielleicht nutze ich die Wartezeit, um meine Kenntnisse der russischen Geschichte aufzupolieren. Katherine Arden weckt in mir eine beharrliche Neugier hinsichtlich dieses weiten, mysteriösen Landes, das auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickt. Ihre Faszination ist ansteckend. Ich habe Lust, Russland von einer ganz neuen Seite zu entdecken, in seiner magischen, leidenschaftlichen Mythologie zu versinken. Ich möchte das Russland kennenlernen, das Katherine Arden so liebevoll porträtiert: Vasjas Russland.

 

Vielen Dank an den Verlag Ebury Publishing und Netgalley für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

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