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review 2017-10-25 09:43
Prinzessin Davy sucht heißen Bodyguard mit Zusatzleistungen
Unleashed - Sophie Jordan

„Uninvited“ von Sophie Jordan brauchte ziemlich lange, um den deutschen Markt zu erreichen. Ich habe das Buch im Juli 2015 gelesen; die deutsche Version wurde erst im Februar 2016 unter dem Titel „Infernale“ bei Loewe veröffentlicht. Auf seiner Website bietet der Verlag einen Test an, durch den Leser_innen herausfinden können, welcher Figur der Geschichte sie ähnlich sind. Ich habe den Test aus Jux und Tollerei durchgeführt: angeblich bin ich wie die Protagonistin Davy. Na danke. In meiner Rezension zu „Uninvited“ beschrieb ich Davy als hilflose Mary Sue. Ich konnte nur hoffen, dass sie in der Fortsetzung „Unleashed“ etwas mehr Feuer erhält.

 

An der Grenze zu Mexiko warten Davy, Sean, Gil und Sabine auf ihre Gelegenheit. Als Träger_innen des HTS, des Homicidal Tendency Syndrome, sind sie in den USA Freiwild, erst recht, seit sie aus Mount Haven flohen. Nun müssen sie sich auf die Hilfe des Widerstands verlassen, um als Flüchtlinge ein neues Leben zu beginnen. Doch verdient Davy überhaupt eine zweite Chance? Das Gesicht des Mannes, den sie auf Befehl im Camp erschoss, verfolgt sie. Ihre Schuld frisst sie auf und entfernt sie weiter und weiter von ihren Freunden. Trotzdem geht sie mit ihnen, als der Zeitpunkt ihrer Grenzüberquerung gekommen ist. Der Plan scheitert. Davy wird von den anderen getrennt und angeschossen, entkommt nur knapp und ist schwer verletzt auf sich allein gestellt. Zu ihrem Glück findet sie der charismatische Caden, Leiter eines unterirdischen Stützpunktes des Widerstands. Er bringt sie in Sicherheit und stellt ihre Gefühle, ihr Selbstverständnis und ihre Loyalität auf eine harte Probe. Hat sie als Trägerin ein Recht auf eine glückliche Zukunft oder sollte sie als die Mörderin behandelt werden, die sie ist?

 

Ich hatte von Anfang an niedrige Erwartungen an „Unleashed“. Ich ging nicht davon aus, dass sich die Kritikpunkte des ersten Bandes in der Fortsetzung auflösen würden. Sophie Jordan brachte trotz dessen das Kunststück fertig, meine bescheidene Erwartungshaltung noch zu untertreffen. Dieses Buch ist weit schlechter, als ich angenommen hatte. Es ist banal und beschränkt. Meiner Meinung nach hätte sie sich den zweiten Band definitiv sparen können, weil er den Leser_innen überhaupt kein neues Wissen verschafft und sich die Geschichte permanent im Kreis dreht. Es gibt darin keine Fortschritte, sondern nur ermüdende, enervierende Wiederholungen. Der theoretische Kern der Handlung, das HTS, wird vollständig von den Liebeseskapaden der Protagonistin Davy verdrängt und dient maximal als Rahmen. Es geht kaum noch um die Diskriminierung von Träger_innen in den USA, sondern nur um Davys persönliches Schicksal. Ich durfte eine zimperliche, naive Heulsuse begleiten, die ununterbrochen im Selbstmitleid badet. In Ich-Perspektive. Großartig. Hätte ich mich noch ein bisschen mehr über sie aufgeregt, hätte ich vermutlich ins Buch gegriffen, um ihr alle Zähne auszuschlagen. Ich hasse ihre psychische, mentale Schwäche und Hilflosigkeit. Ich verabscheue ihren grenzenlosen Egoismus, der sie ihre Freunde vergessen, Caden ausnutzen und sich selbst als Mittelpunkt des Universums verstehen lässt. Sie hat ihre Vorurteile über HTS-Träger_innen noch immer nicht überwunden und Sophie Jordan bemüht sich weiterhin nach Kräften, ihr verzerrtes Weltbild zu bestätigen. In einer Szene wird Davy beinahe von einem Träger vergewaltigt – ein überflüssiger und abstoßender Moment, der lediglich verdeutlichen soll, wie furchtbar die Welt ist, in der Davy lebt. Selbst im Lager des Widerstands, über dessen Organisation Jordan so gut wie nichts offenbart, nimmt Davy eine Sonderposition ein, weil sie dort als Bedrohung aufgefasst wird. Bullshit. Sie bleibt in „Unleashed“ eine hilflose Mary Sue, ein Mädchen, das sich, obwohl sie sich für ach so gefährlich hält, dem ersten hübschen Kerl an den Hals wirft, der ihr begegnet, weil sie in Wahrheit nicht in der Lage ist, irgendetwas allein zu regeln. Sie hat keinerlei Gewissensbisse, mit Caden anzubandeln, obwohl sie meinem Verständnis nach mit Sean zusammen ist. Sie haben zwar nie Schluss gemacht, aber für sie ist die Beziehung beendet. Seans Gefühle spielen keine Rolle. Davy ist weder stark, noch mutig oder ein besonders wertvoller Mensch, sie ist eine egozentrische Dramaqueen, die sich ständig selbst belügt und nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, wie ihr Verhalten ihre Mitmenschen beeinflusst. Ich fand es ätzend, wie hemmungslos Sophie Jordan unglaubwürdige Klischees bedient, die die emotionalen Knöpfe der Leser_innen drücken sollen und darüber die grundlegende Handlung ihrer Geschichte sträflich vernachlässigt. Jegliche Chancen, inhaltliche Wendungen für ein Mindestmaß an Bedeutsamkeit zu verwenden, blieben ungenutzt. Das Ende von „Unleashed“ war eine Zumutung, irrationales, unrealistisches Gefasel, das ich ihr nicht einmal unter Einfluss schwerer Sedativa abgekauft hätte. Es war eine Beleidigung meiner Intelligenz.

 

Ich bin so wütend auf Sophie Jordan, dass mir beinahe Rauch aus den Ohren quillt. Ich habe ja keine großen Sprünge von „Unleashed“ erwartet, aber das… Das ist einfach unverfroren. Dreist. Billig. Kitsch und Drama werden es schon richten, wen interessieren da inhaltliche Substanz und Plausibilität? Mich interessiert es, verflixt und zugenäht noch mal! Wie konnte die Autorin wagen, solchen Schund zu veröffentlichen? Was fällt ihr ein? Ich habe das Buch überhaupt nur deshalb gelesen, weil ich hoffte, dass sie sich intensiver mit dem HTS auseinandersetzen würde! Ich wollte keine Neuauflage von „Prinzessin Davy sucht heißen Bodyguard mit Zusatzleistungen“! Mir hat diese Fortsetzung nicht das Geringste gebracht. Die Dystopie ist nicht mehr als ein leeres Versprechen, die Figuren sind in Klischees gefangene, unechte, starre Schaufensterpuppen und die Geschichte… Ja, welche Geschichte eigentlich? Die Lektüre war Zeitverschwendung. Schämen Sie sich, Sophie Jordan, schämen Sie sich.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/10/25/sophie-jordan-unleashed
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review 2017-08-03 11:34
Zwerge, die Gartenzwerge sammeln
Der Schädelschmied - Jens Lossau,Jens Schumacher

Mit dem Aufkauf des Verlages Egmont LYX durch Bastei Lübbe wurde die Ausrichtung des Verlagsprogramms umgestellt. Der Imprint ist nun auf Romantik spezialisiert. Pff. Dadurch mussten einige Autor_innen und Reihen ein neues Zuhause finden, darunter auch Jens Lossau und Jens Schumacher mit ihrer High Fantasy-Krimi – Reihe „Die Fälle des IAIT“. Glücklicherweise kamen sie bei einem Verlag unter, der meiner Meinung nach hervorragend zu ihnen passt: Feder & Schwert. Ich möchte mich von Herzen bei Feder & Schwert bedanken, dass sie die Weiterführung der Reihe ermöglichen. Es wäre zu schade gewesen, Meister Hippolit und Jorge den Troll niemals wiederzusehen.

 

Nur einmal nach Herzenslust in einem edlen Puff verwöhnt werden, mehr wünscht sich Jorge der Troll nicht. Aber nein, natürlich kommt ihm genau dann, wenn es am schönsten ist, sein Job in die Quere. In Barlyn, einer unterirdischen Minenstadt der Zwerge, wurde der bedeutende Schürfminister Borkudd tot in seinem Büro aufgefunden. Ein einzelner dahingeschiedener Zwerg wäre für das IAIT noch lange kein Grund, ihr wichtigstes Ermittlerduo unter Tage zu schicken, wären die Umstände seines Todes nicht äußerst merkwürdig. Das Büro des Ministers glich einer hermetisch verriegelten Festung. Nichts kam rein, nichts kam raus. Trotzdem befinden sich in Borkudds Schädel mehr als 20 Stahlnägel. Handelt es sich um einen überaus umständlichen Selbstmord? Oder wurde der Zwerg thaumaturgisch abgemurkst? Besteht vielleicht sogar ein Zusammenhang zu den Gerüchten eines furchteinflößenden Monsters, das in den Minen sein Unwesen treiben soll? Die Wahrheit ist tief vergraben, doch wenn jemand sie ausbuddeln kann, dann sind es Meister Hippolit und Jorge der Troll!

 

Zu Beginn meiner Rezension möchte ich mich dieses Mal direkt an meine deutschen Leser_innen wenden: seid ihr empfindlich, was eure Nationalität betrifft? Reagiert ihr pikiert, wenn das deutsche Volk und unsere speziellen Eigenheiten kräftig durch den Kakao gezogen werden? Fühlt ihr euch in eurem Patriotismus leicht beleidigt? Dann muss ich euch an dieser Stelle vehement von „Der Schädelschmied“ abraten. Der dritte Band der „Fälle des IAIT“ ist eine fleischgewordene, wild mutierte Parodie auf Deutschland und die deutsche Mentalität. Die gesamte Stadt Barlyn ist ein erschreckend genaues, wenn auch hemmungslos überspitztes Abbild meines Heimatlandes. Wer hätte gedacht, dass Zwerge und Deutsche so viel gemeinsam haben? Lächerliche Bürokratie, kleinliche Pedanterie, absolute Hingabe dem Beruf gegenüber, tadellose Arbeitsmoral, eine ungesunde Vorliebe für Bier, alberne, traditionelle Kleidung, seltsame Musik und große, sabbernde Hunde. Ich hätte mich kugeln können vor Lachen. Natürlich sind die Parallelen so offensichtlich, dass es geschmacklos ist. Natürlich bewegen sich Jens Lossau und Jens Schumacher weit entfernt von jeglicher politischen Korrektheit. Aber ich fand es großartig. Wo, wenn nicht in der Literatur, dürfen Deutsche ungestraft über ihr Land herziehen, Klischees ausschlachten und einen taktlosen Witz nach dem anderen reißen? Ich nehme dem Autorenduo ihre Selbstironie kein bisschen übel, im Gegenteil, ich feiere sie dafür. Ich meine, die Zwerge in Barlyn sammeln Gartenzwerge. Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Noch einmal langsam und mit Gefühl: Zwerge. Die. Gartenzwerge. Sammeln. Ich habe so gelacht, dass ich fast von der Couch gerutscht wäre. Ich kichere immer noch. Meister Hippolit und Jorge, die vermutlich ohnehin das skurrilste Ermittlerpaar aller Zeiten sind, in diese Stadt zu schicken, war ein Geniestreich. Sie passen dort so wenig hin, dass die Absurditäten vorprogrammiert sind. Es beginnt bereits damit, dass Jorge als Troll für einfach alles viel zu groß ist und mit seinem herrlich ordinären, unzensierten Mundwerk überall aneckt. M.H. hingegen ist bei weitem zu ungeduldig für den bürokratischen Albtraum, der ihnen bevorsteht, außerdem stolpern sie unter Tage auch noch über einen alten Rivalen, der ihn wunderbar zur Weißglut treibt. Die Zwerge dachten sich nämlich „Viel hilft viel“ und forderten nicht nur die Agenten des IAIT an, um den barbarischen Tod des Schürfministers aufzuklären, sondern zusätzlich zwei weitere Parteien. Demzufolge entsteht eine bizarre Wettbewerbssituation zwischen den Ermittlerteams, die ich allerdings, wenn auch unterhaltsam, etwas lästig fand. Es war zwar interessant und aufschlussreich, Details aus Hippolits Vergangenheit vor dem verpatzten Zauber zu erfahren, doch für mich bestand nie ein Zweifel, dass die beiden anderen Teams ihm und Jorge sowieso nicht das Wasser reichen können. Schon gar nicht bei diesem extrem verzwickten Fall, den ich wieder einmal nicht allein lösen konnte, obwohl einige meiner Mutmaßungen die korrekte Richtung einschlugen.

 

Ich glaube, bisher ist „Der Schädelschmied“ mein liebster Band aus der Reihe „Die Fälle des IAIT“. Ich fand ihn auf jeden Fall besser als den zweiten Band „Der Orksammler“, weil Lossau und Schumacher dieses Mal wirklich alles aus ihrem höchstamüsanten Setting herausgeholt und sogar einen dezenten Fortsetzungscharakter bewerkstelligt haben. Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass ich die Beziehung zwischen M.H. und Jorge wohl nie ganz verstehen werde und akzeptiere sie einfach, wie sie ist. Ich bin begeistert von der überspannten Beschreibung des deutschen Volkes seitens des Autorenduos und ihrer schonungslosen, plakativen, schelmischen Zurschaustellung nationaler Klischees. Für einige Leser_innen wäre es vielleicht zu viel der augenzwinkernden Kritik im hanswurstigen Gewand, doch ich bin felsenfest davon überzeugt, in diesem Rahmen ist „zu viel“ gerade gut genug. Wenn ich Meister Hippolit und Jorge besuche, will ich Tränen lachen und flache, kindische Witze genießen. Ich wiederhole es noch einmal, weil es so schön war: Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Gott, darüber werde ich noch jahrelang feiern.

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review 2017-03-27 08:37
Enttäuschend, kitschig und voller Klischees.
Meer Liebe auf Sylt: Ein Glücksroman - Claudia Thesenfitz
Mein drittes Buch aus vorablesen.de ist mal wieder eine Enttäuschung. Die Leseprobe hatte mir richtig Spaß gemacht und versprach ein amüsantes Buch über zwei middel-aged Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Leider haben die weiteren Kapitel meine Hoffnung nicht erfüllt.
 
Das Cover:
Das Klappenbild gefällt mir überhaupt nicht, aber es bildet das passende Pendant zu Thesenfitzs Debut-Roman „Sylt und Selter“. Das geschulte Auge sieht sofort, dass das Model in die Szenerie hineingebastelt ist. Es passt mit seiner Aufmachung zu einem typischen Sommer-Sonne-Liebe-Roman, dem man von vornherein keine tiefgründigere Thematik zutraut. Darauf hätte ich vielleicht achten sollen.
 
Die Handlung:
Die zwei Omas Henrietta, ein konsumgeiles Karriereweib, und Ulla, die Verkörperung aller Esoteriktheorien, treffen auf Sylt zwangsweise zusammen und müssen alleine auf ihre gemeinsame 2jährige Enkelin Emma aufpassen. Alex, die Tochter von Henrietta und die Mutter des Schützlings, ist nach Amerika abgehauen, um ihre Ehe zu retten. Die beiden Großmütter können sich nicht ausstehen und prallen in der romantischen Kulisse des Sylters Meer und Dunenlandschaft aufeinander. Glücklicherweise werden die beiden noch von Henriettas älteren Tochter Jana unterstützt.
 
Der Sprachstil: 
Anfangs war es frech und amüsant. Mit ironischem Augenzwinkern nahm Claudia Thesenfitz die beiden unterschiedlichen Lebensanschauungen unter die Lupe. Das hatte mir sehr gut gefallen. Mit Zuname der Seiten geht aber diese anfängliche Spritzigkeit total verloren und ergeht sich nur in langweiligen Beschreibungen eines Urlaubsalltags der High-Society auf Sylt. Es wurde mehr wörtliche Rede verwendet, aber die Dialoge wurden immer stumpfer und schwacher. Allgemein ist die Sprache doch eher normal ohne besonderen Merkmalen oder herausragender Wortgewandtheit.
 
 
 
Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte ist leider etwas sehr zu plötzlich aber die ersten Kapitel haben mir dennoch richtig Spaß gemacht. Mit herrlich bissiger Zunge beschreibt Claudia Thesenfitz das erste Aufeinanderprallen der beiden Welten „Konsum" gegen „Öko". Trotzdem blieb dieser „Eklat“ zwischen den beiden Personen einfach aus. Dabei hat sich das Thema auch extrem gewandelt. Versprach der Klappentext und die Leseprobe den ironisch überspitzen Konflikt zwischen Esotante und Konsumweib, ging es plötzlich um pseudo-tiefgründige Gedanken über Kinderkriegen ab 40 und Sexualität im Alter - und das leider seitenweise. Das wollte ich eigentlich nicht lesen und wäre in meinen Augen eine glatte Themaverfehlung. Was sich anfänglich als frotzelndes Schubladenschubsen anmutete eskalierte in ein reines nervtötendes Rumreiten auf typischen Frauen-Klischees. 
 
In die Personen konnte ich mich von Anfang an nicht einfühlen. Obwohl mir die übertrieben gezeichneten Charaktere anfangs gut gefallen hatten, wird es nur noch kitschig und stereotypisch. Aber eine besondere Tiefe konnte ich zu keinem aufbauen. Die Persönlichkeiten waren mir zu einseitig und klischeehaft. 
 
Ab Mitte hatte ich das Gefühl ein anderes Buch in der Hand zu halten. Die Handlung ist von Anfang an nicht wirklich spektakulär und baut dann auch immer mehr ab. Trotz Henriettas Amüsement mit dem heißesten Flirt, kann mich die Geschichte nicht hinterm Ofen hervorlocken.
 
Abhängig von den vorkommenden Personen war auch die Erzählperspektive und Länge der Kapitel sehr unterschiedlich. Zunächst beschränkte sich Claudia Thesenfitz darauf, die Kapitel auch nur in der Sicht einer Person zu schreiben. Später aber mischte sie ständig und mich hat das furchtbar gestört.
 
Die letzten Seiten habe ich gar nicht mehr gelesen. Nur noch auf die letzten Seiten geguckt. Und trara!, sie haben sich ja doch alle so lieb.
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review 2014-09-14 11:55
Wie aus Stereotypen Menschen werden
The Truth About Alice - Jennifer Mathieu

Ich liebe Geschichten, in denen eine Figur durch Rufmord zum Außenseiter oder zur Außenseiterin wird. Vorzugsweise Geschichten, in denen alle Charaktere Jugendliche sind. Ich weiß nicht, warum das so ist; vielleicht wirkt meine eigene Teenie-Zeit noch nach, in der ich eine deutliche Schwäche für High-School-Romantik-Filme hatte. Es kommt mir überhaupt nicht auf ein Happy End an, es fasziniert mich einfach, die Reaktionen der ProtagonistInnen zu beobachten. Der Nerd, der zum Amokläufer wird; die Schulschönheit, die ihren Status verliert; die Einzelgängerin, die erkennt, dass Beliebtheit nicht bedeutet, echte Freunde zu haben. Im Grunde bauen diese Geschichten alle auf dem gleichen Gerüst auf, aber ich kann nicht genug davon bekommen. Nicht alle Vertreter der Initiationsliteratur sind gut, doch bei „The Truth About Alice“ von Jennifer Mathieu hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.

 

Alice Franklin ist ein Flittchen, das weiß jeder. Schließlich hatte sie auf einer Party mit gleich zwei Jungs Sex. Außerdem ist sie eine Mörderin. Sie ist schuld daran, dass Brandon Fitzsimmons durch einen Autounfall ums Leben kam. Auch das weiß jeder. Und alle reden darüber.
Vier Jugendliche erzählen alles, was sie über Alice wissen. Die Party, der Unfall – ein Mädchen, das in einer Abwärtsspirale aus Lügen, Verleumdungen und Halbwahrheiten gefangen ist, die völlig außer Kontrolle geraten. Was mit einem Gerücht begann, wird zur felsenfesten Überzeugung einer ganzen Stadt. Doch letztendlich kennt nur eine Person die Wahrheit: Alice selbst.

 

Der Aufbau von „The Truth About Alice“ ist einfach genial. Die Protagonistin des Buches ist Alice Franklin, doch sie kommt bis zum Schluss nicht zu Wort. Stattdessen erklären vier ihrer MitschülerInnen die Ereignisse, die zu Alice‘ verhängnisvollem Absturz führten: Elaine, das beliebteste Mädchen der Schule; Josh, der den Unfall mit Brandon überlebte und dessen bester Freund; Kelsie, Alice‘ ehemals beste Freundin und Kurt, das stille Genie, der Alice seit Jahren aus der Ferne bewunderte. Für mich ging genau davon der Reiz dieses Buches aus, denn letztendlich geht es nicht um die Wahrheit, obwohl der Titel etwas anderes andeutet. Es geht einzig und allein um Projektionen. Alle Akteure haben unterschiedliche Gründe, ihre eigenen Unsicherheiten auf Alice zu übertragen. Daraus entwickelt sich eine Situation, die nichts mehr mit Alice als Persönlichkeit zu tun hat, sondern nur noch mit dem Konstrukt ihrer Person, das durch ein verselbstständigtes Geflecht aus Gerüchten entstand.
Selbst Kurt, dem ich mich am verbundensten fühlte und der innerhalb der Geschichte eine gewisse Sonderrolle einnimmt, lässt sich von seinen Interpretationen täuschen und muss erst lernen, die tatsächliche Alice wahrzunehmen.
Jennifer Mathieu ist Lehrerin und unterrichtet SchülerInnen, die sich genau in der Altersspanne ihrer Figuren bewegen. In „The Truth About Alice“ vermittelt sie, dass der äußere Schein selten den Tatsachen entspricht. Anfangs zeichnet sie ihre Charaktere als personifizierte Klischees, doch im Laufe des Buches schenkt sie ihnen echte Tiefe. Sie macht aus Stereotypen lebendige, glaubhafte Menschen. Ich kann mir vorstellen, dass Mathieu in ihrer beruflichen Laufbahn schon sehr oft miterleben musste, wie facettenreiche Jugendliche auf eine bestimmte Rolle reduziert wurden. Diese Verhaltensweise ist so traurig, ignorant und gefährlich, dass ich ihren Roman als Appell empfinde. Und tatsächlich überzeugte mich ihre Botschaft ebenso wie die Figuren als ihre Träger voll und ganz.
Manchmal muss man im Leben erst alles verlieren, um das zu finden, was man wirklich braucht. Durch all das, was Alice angetan wurde, konnte sie das wahrhafte Wesen der Menschen in ihrem Umfeld erkennen. Diese Lehre ist unbezahlbar und ohne zu viel verraten zu wollen, denke ich, dass auch Alice das schlussendlich so betrachtete.

 

„The Truth About Alice“ hat mir als Vertreter der Initiationsliteratur ausnehmend gut gefallen. Die Idee, fast ausschließlich aus der Perspektive anderer Personen über die Protagonistin zu schreiben, ist fabelhaft und veranschaulichte die Beziehungen zwischen Jugendlichen eingängig und nachvollziehbar. Ich fand es absolut spannend, mir immer wieder vorzustellen, dass Jennifer Mathieu diese Beziehungen jahrelang beobachtete und die Essenz ihrer Beobachtungen nun niederschrieb. Dabei hat sie einen sehr angenehmen Schreibstil, der es mir ermöglichte, mich in alle Charaktere hineinzuversetzen.
Wer wie ich Freude an YA-Außenseiter-Romanen hat, liegt mit „The Truth About Alice“ goldrichtig. Es ist echt, es ist lebendig, es ist mitreißend. Taucht in die Geschichte ein und findet die Wahrheit über Alice heraus.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2014/09/13/jennifer-mathieu-the-truth-about-alice
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review 2013-09-20 00:00
Frauenpower auf Arabisch: Jenseits von Klischee und Kopftuchdebatte
Frauenpower auf Arabisch - Jenseits von Klischee und Kopftuchdebatte - Karim El-Gawhary Dieses Buch ist einerseits ein sehr wichtiges Werk, das politisch Interessierte unbedingt lesen sollten und andererseits zusätzlich auch noch sehr gut gemacht. Hier kommen endlich mal arabische Frauen und ihre Kurzbiografien jenseits aller Klischees zu Wort. Am Anfang dachte ich noch: Woah! Das wird nun wieder extrem tendenziös, aber der Autor hat mich wieder mal positiv überrascht. Vor allem die Auswahl der Geschichten wurde mit derartig viel Fingerspitzengefühl vorgenommen, dass dieses Sachbuch wirklich das breiteste Spektrum an Frauensichten abdeckt, das ich mir vorstellen konnte. Traditionalistinnen, Feministinnen, Totalverschleierung- Kopftuch - kein Schleier - Geschminkt, Sexuelle Belästigung als kultureller Wert in der Männergesellschaft, Armut und Lebenskampf, Unversöhnliche Blutrache, Revolution und Widerstand, Neue Medien, sogar eine 19jährige Scharfschützin für Gadaffi und eine Selbstmordattentäterin werden thematisiert usw. usw..... alles derartig ausgewogen dargestellt, dass es eine Freude ist. Bravo!

Eine Sichtweise fehlt mir aber bedauerlicherweise in diesem Buch, wahrscheinlich weil der Autor gar zu optimistisch eingestellt ist. Es wird oftmals aufgeworfen, dass sich die Frauen von der Revolution zwar verraten fühlen, aber ständig wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass dieser Schritt, den sie sich erkämpft haben, nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Ich hoffe zwar, dass sie Recht haben, bin aber nicht unbedingt dieser Ansicht, wie uns das historische Beispiel der iranischen Revolution 1979 leider zeigt. Die Frauen haben damals genauso mitgekämpft, den Schah zu stürzen wie die Ayatollahs bzw. breite Teile der damals liberalen Bevölkerung und wurden schmählich verraten. Ein Interview mit einer solchen Frau und die Thematisierung dieses Verrats fehlt mir leider, denn die islamische Frauenpower hat nicht im arabischen Frühling 2011 angefangen sondern 1979 was leider gerne unter den Tisch gekehrt wird, denn über die Verliererinnen spricht man nicht. Mir ist zwar klar dass die Perserinnen keine Araberinnen sind, aber genau die Duplitzität der Ereignisse schreit nach einem Hintergrundbericht.

Fazit: Ein sehr lesenswertes Sachbuch - Eine kompakte Übersicht mit vielen einzelnen Facetten, etwas das man zurecht als Qualitätsjournalismus lobt - auch noch perfekt im Medium Buch erzählt.
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