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review 2017-08-03 11:34
Zwerge, die Gartenzwerge sammeln
Der Schädelschmied - Jens Lossau,Jens Schumacher

Mit dem Aufkauf des Verlages Egmont LYX durch Bastei Lübbe wurde die Ausrichtung des Verlagsprogramms umgestellt. Der Imprint ist nun auf Romantik spezialisiert. Pff. Dadurch mussten einige Autor_innen und Reihen ein neues Zuhause finden, darunter auch Jens Lossau und Jens Schumacher mit ihrer High Fantasy-Krimi – Reihe „Die Fälle des IAIT“. Glücklicherweise kamen sie bei einem Verlag unter, der meiner Meinung nach hervorragend zu ihnen passt: Feder & Schwert. Ich möchte mich von Herzen bei Feder & Schwert bedanken, dass sie die Weiterführung der Reihe ermöglichen. Es wäre zu schade gewesen, Meister Hippolit und Jorge den Troll niemals wiederzusehen.

 

Nur einmal nach Herzenslust in einem edlen Puff verwöhnt werden, mehr wünscht sich Jorge der Troll nicht. Aber nein, natürlich kommt ihm genau dann, wenn es am schönsten ist, sein Job in die Quere. In Barlyn, einer unterirdischen Minenstadt der Zwerge, wurde der bedeutende Schürfminister Borkudd tot in seinem Büro aufgefunden. Ein einzelner dahingeschiedener Zwerg wäre für das IAIT noch lange kein Grund, ihr wichtigstes Ermittlerduo unter Tage zu schicken, wären die Umstände seines Todes nicht äußerst merkwürdig. Das Büro des Ministers glich einer hermetisch verriegelten Festung. Nichts kam rein, nichts kam raus. Trotzdem befinden sich in Borkudds Schädel mehr als 20 Stahlnägel. Handelt es sich um einen überaus umständlichen Selbstmord? Oder wurde der Zwerg thaumaturgisch abgemurkst? Besteht vielleicht sogar ein Zusammenhang zu den Gerüchten eines furchteinflößenden Monsters, das in den Minen sein Unwesen treiben soll? Die Wahrheit ist tief vergraben, doch wenn jemand sie ausbuddeln kann, dann sind es Meister Hippolit und Jorge der Troll!

 

Zu Beginn meiner Rezension möchte ich mich dieses Mal direkt an meine deutschen Leser_innen wenden: seid ihr empfindlich, was eure Nationalität betrifft? Reagiert ihr pikiert, wenn das deutsche Volk und unsere speziellen Eigenheiten kräftig durch den Kakao gezogen werden? Fühlt ihr euch in eurem Patriotismus leicht beleidigt? Dann muss ich euch an dieser Stelle vehement von „Der Schädelschmied“ abraten. Der dritte Band der „Fälle des IAIT“ ist eine fleischgewordene, wild mutierte Parodie auf Deutschland und die deutsche Mentalität. Die gesamte Stadt Barlyn ist ein erschreckend genaues, wenn auch hemmungslos überspitztes Abbild meines Heimatlandes. Wer hätte gedacht, dass Zwerge und Deutsche so viel gemeinsam haben? Lächerliche Bürokratie, kleinliche Pedanterie, absolute Hingabe dem Beruf gegenüber, tadellose Arbeitsmoral, eine ungesunde Vorliebe für Bier, alberne, traditionelle Kleidung, seltsame Musik und große, sabbernde Hunde. Ich hätte mich kugeln können vor Lachen. Natürlich sind die Parallelen so offensichtlich, dass es geschmacklos ist. Natürlich bewegen sich Jens Lossau und Jens Schumacher weit entfernt von jeglicher politischen Korrektheit. Aber ich fand es großartig. Wo, wenn nicht in der Literatur, dürfen Deutsche ungestraft über ihr Land herziehen, Klischees ausschlachten und einen taktlosen Witz nach dem anderen reißen? Ich nehme dem Autorenduo ihre Selbstironie kein bisschen übel, im Gegenteil, ich feiere sie dafür. Ich meine, die Zwerge in Barlyn sammeln Gartenzwerge. Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Noch einmal langsam und mit Gefühl: Zwerge. Die. Gartenzwerge. Sammeln. Ich habe so gelacht, dass ich fast von der Couch gerutscht wäre. Ich kichere immer noch. Meister Hippolit und Jorge, die vermutlich ohnehin das skurrilste Ermittlerpaar aller Zeiten sind, in diese Stadt zu schicken, war ein Geniestreich. Sie passen dort so wenig hin, dass die Absurditäten vorprogrammiert sind. Es beginnt bereits damit, dass Jorge als Troll für einfach alles viel zu groß ist und mit seinem herrlich ordinären, unzensierten Mundwerk überall aneckt. M.H. hingegen ist bei weitem zu ungeduldig für den bürokratischen Albtraum, der ihnen bevorsteht, außerdem stolpern sie unter Tage auch noch über einen alten Rivalen, der ihn wunderbar zur Weißglut treibt. Die Zwerge dachten sich nämlich „Viel hilft viel“ und forderten nicht nur die Agenten des IAIT an, um den barbarischen Tod des Schürfministers aufzuklären, sondern zusätzlich zwei weitere Parteien. Demzufolge entsteht eine bizarre Wettbewerbssituation zwischen den Ermittlerteams, die ich allerdings, wenn auch unterhaltsam, etwas lästig fand. Es war zwar interessant und aufschlussreich, Details aus Hippolits Vergangenheit vor dem verpatzten Zauber zu erfahren, doch für mich bestand nie ein Zweifel, dass die beiden anderen Teams ihm und Jorge sowieso nicht das Wasser reichen können. Schon gar nicht bei diesem extrem verzwickten Fall, den ich wieder einmal nicht allein lösen konnte, obwohl einige meiner Mutmaßungen die korrekte Richtung einschlugen.

 

Ich glaube, bisher ist „Der Schädelschmied“ mein liebster Band aus der Reihe „Die Fälle des IAIT“. Ich fand ihn auf jeden Fall besser als den zweiten Band „Der Orksammler“, weil Lossau und Schumacher dieses Mal wirklich alles aus ihrem höchstamüsanten Setting herausgeholt und sogar einen dezenten Fortsetzungscharakter bewerkstelligt haben. Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass ich die Beziehung zwischen M.H. und Jorge wohl nie ganz verstehen werde und akzeptiere sie einfach, wie sie ist. Ich bin begeistert von der überspannten Beschreibung des deutschen Volkes seitens des Autorenduos und ihrer schonungslosen, plakativen, schelmischen Zurschaustellung nationaler Klischees. Für einige Leser_innen wäre es vielleicht zu viel der augenzwinkernden Kritik im hanswurstigen Gewand, doch ich bin felsenfest davon überzeugt, in diesem Rahmen ist „zu viel“ gerade gut genug. Wenn ich Meister Hippolit und Jorge besuche, will ich Tränen lachen und flache, kindische Witze genießen. Ich wiederhole es noch einmal, weil es so schön war: Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Gott, darüber werde ich noch jahrelang feiern.

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review 2016-12-29 10:15
Wenn jemand zu einem Messerkampf eine Pistole mitbringt...
Das Buch des Todes: Roman - Anonymus

Anfang 2016 habe ich mir vorgenommen, in diesem Jahr die „Bourbon Kid“-Reihe von Anonymus zu beenden. Im Mai startete ich voller Elan mit dem dritten Band in dieses Vorhaben. Leider enttäuschte mich „Das Buch ohne Gnade“, weil es weder die Geschichte weiterführte, noch qualitativ an die beiden Vorgänger heranreichte. Ich war irritiert. Was sollte ich mit dieser losgelösten Episode anfangen? Und was sagte sie über das Finale der Reihe aus, „Das Buch des Todes“? Aufgrund meiner Zweifel hatte ich Hemmungen, weiterzulesen und verschob die Lektüre des letzten Bandes wieder und wieder. Im Dezember beschloss ich, dem Elend ein Ende zu setzen. Ich wappnete mich mit geringen Erwartungen und nahm mir endlich „Das Buch des Todes“ vor.

 

Santa Mondegas Straßen schwimmen in Blut. Nur wenige Stunden sind vergangen, seit der Bourbon Kid in einer Orgie der Gewalt Menschen und Vampire gleichermaßen massakrierte. Aber er erwischte nicht alle. Ausgerechnet die ehemalige Mumie Gaius Rameses ist noch immer quicklebendig. Na ja, oder so lebendig, wie ein Untoter eben sein kann. Nun plant der König der Vampire, mithilfe des Auge des Mondes die Weltherrschaft an sich zu reißen. Der Kid ist der einzige, der ihn aufhalten könnte, sieht sich im Moment allerdings mit einem lästigen Problem konfrontiert: das Auge des Mondes gab ihm seine Seele zurück. Mit diesem unnützen Ballast kann er sich nicht in den gnadenlosen Killer verwandeln, der er sein muss, um eine von Vampiren regierte Zukunft zu verhindern. Er muss sie loswerden. Mit qualmenden Reifen macht er sich auf den Weg zum Devil’s Graveyard, denn glücklicherweise kennt er da jemanden, der für das Ding eher Verwendung hat als er…

 

Ich habe mich grundlos selbst kirregemacht. Ich hätte meiner Intuition vertrauen sollen, die mir bereits nach der Lektüre von „Das Buch ohne Gnade“ beharrlich mitzuteilen versuchte, dass dieser dritte Band garantiert seine Berechtigung hat, die ich nur noch nicht erkennen konnte. Sie hatte Recht. Ohne „Das Buch ohne Gnade“ ist die gewohnt absurd-witzige, temporeiche, gewaltverherrlichende Handlung von „Das Buch des Todes“ nicht zu verstehen. Will man begreifen, warum die Geschichte des Bourbon Kid und seines Rachefeldzugs gegen die Untoten so endet, wie sie endet, braucht man das Vorwissen, das der Vorgänger bietet. Ich bin zutiefst erleichtert, dass all meine Befürchtungen überflüssig waren. „Das Buch des Todes“ setzt genau da ein, wo „Das Buch ohne Staben“ abriss: kurz nach Halloween, in den deutlich entvölkerten Straßen des Höllenlochs Santa Mondega. Oh wie ich diese Stadt liebe, für ihren rotzigen, gesetzlosen Charme des Wilden Westens, für die absolute Ichbezogenheit und Verderbnis ihrer Bewohner_innen und für die Selbstverständlichkeit, mit der dort das Übernatürliche behandelt wird. Vampire wollen die Weltherrschaft übernehmen? Das könnte schlecht fürs Geschäft sein, die Kundschaft könnte ausbleiben, weil die Kundschaft die bevorzugte Nahrungsquelle der Vampire ist. Das geht so nicht! Bei entsprechender Entlohnung würde sich der Großteil der Bevölkerung Santa Mondegas eher den Arm abhacken, als etwas Uneigennütziges zu tun. Offenbar sprechen sie meiner persönlichen dunklen Seite damit aus der Seele. Ich finde es reizvoll, mir ein Leben auszumalen, das völlig frei von moralischen Grundsätzen und Verantwortungsbewusstsein ist, in dem ich egoistisch und lasterhaft sein könnte. Natürlich ist das nicht mehr als ein Tagtraum, in der Realität würde mir so ein Dasein wohl kaum gefallen, aber das hinderte mich nicht daran, den Barkeeper Sanchez voller Begeisterung dabei zu beobachten, wie er die Schneemänner von Kindern über den Haufen fuhr und den Weihnachtsmann abfackelte. Ich feuerte den Bourbon Kid trotzdem aus sicherer Entfernung an und bewunderte die Kreativität seiner tödlichen Methoden. In Santa Mondega ist der Titel „Held“ eben etwas flexibler definiert und man verdient ihn sich versehentlich. Auch im Finale stolpern die Figuren durch ein schier endloses Repertoire grotesker Szenen und folgen unwissend den Plänen des unbekannten Autors, der ganz offensichtlich diebische, sadistische Freude dabei empfindet, seine Macht über sie voll und ganz auszukosten. Mir gefällt seine Kompromisslosigkeit, die Konsequenz, mit der er seine Geschichte abschließt, wie es ihm passt, ohne Rücksicht auf Verluste oder die zarten Gefühle seiner Leserschaft. Wer nicht mithalten kann, kommt unter die Räder, basta. Dadurch ist „Das Buch des Todes“ unvorhersehbar, überraschend und nervenaufreibend. Keine Zeit, ungläubig zu staunen oder um dahingeschiedene Charaktere zu trauern, die nächste Sensation, der nächste Kick warten schon! Pass auf, sonst springen sie dir ins Gesicht!

 

„Das Buch des Todes“ ist das hysterische, unpassende Kichern während einer Beerdigung. Es ist der Messerkampf, zu dem einer eine Pistole mitbringt. Es ist unfair, bösartig und zum Schreien komisch; eine trashige Aneinanderreihung von Absurditäten, die erneut bemerkenswert schlüssig ist. Leider war es mein letzter Ausflug nach Santa Mondega. Schnief. Ich bin definitiv traurig, dass es nun vorbei ist. Zumindest vorerst. Offiziell. Eigentlich wollte Anonymus weiterschreiben, bis alle tot sind. Ohne zu viel zu verraten: einige wenige überleben diesen Wahnsinn. Theoretisch müsste er also… Nein, lassen wir das. Es bringt nichts, darüber zu spekulieren, was dieser Autor tun wird, denn wer sich brutale Achterbahnfahrten dieser Art ausdenkt, lässt sich sowieso nicht in die Karten schauen. Den Bourbon Kid werde ich auf jeden Fall in dem Einzelband „Drei Killer für ein Halleluja“ wiedertreffen und ich hoffe, dass dieser ähnlich abgefahren ist wie die „Bourbon Kid“-Reihe. Und vielleicht, nur vielleicht, wird Anonymus sein Versprechen eines Tages einlösen und noch einmal literweise Blut in Santa Mondega fließen lassen. Ist doch okay, dass ich mir das wünsche?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/12/29/anonymus-das-buch-des-todes
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review 2016-07-21 11:05
Humor mit der Brechstange
Die Anderen - Boris Koch

„Die Anderen“ von Boris Koch ist der Beweis dafür, dass ein gut gefülltes Bücherregal samt monströsem SuB meiner Ansicht nach ein Segen ist. Nachdem ich „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath gelesen hatte, musste ein leichte, lockere Lektüre her, die ich mir für jede meiner Challenges anrechnen konnte. Ich brauchte einen High Fantasy – Roman von einem deutschen Autor oder einer deutschen Autorin mit einem grünen Cover. Vier Anforderungspunkte sollten erfüllt sein. Mit meiner Privatbibliothek ist das kein Problem. „Die Anderen“ passte einfach perfekt, weshalb ich mich von etlichen negativen bzw. durchschnittlichen Rezensionen nicht einschüchtern ließ.

 

Das Orakel. Die Prophezeiung. Ein unbekanntes Volk, das die Welt bedroht und nur durch die Zusammenarbeit der vier Völker besiegt werden kann. Der Stoff, aus dem Helden gemacht sind!
Halt, halt, halt! Zusammenarbeit? Helden? Dass ich nicht lache! Zweckgemeinschaft egoistischer Chaoten trifft es eher. Zwei Elfen, die ihre Angebetete aus der Verbannung retten wollen, ein Trupp Orks, der sich bei der sadistischen Königin einzuschmeicheln versucht, ein Troll, der Medizin für den erkälteten Finstergeist des Berges sucht und zwei Zwerge, der eine auf der Suche nach seiner Herkunft, der andere auf einer obsessiven Mission zur Vernichtung aller Monos, gehen wohl kaum als Weltrettungskommando durch. Oder doch? Was als loser Verbund individueller Ziele begann, entwickelt sich schnell zu einer Gemeinschaft, die mit allen Wassern gewaschen ist. Sind sie bereit, es mit dem gefährlichsten Feind aufzunehmen, den die Welt je gesehen hat? Sind sie bereit für die Anderen?

 

Ich verstehe, warum sich die Begeisterung für „Die Anderen“ bei vielen Leser_innen in Grenzen hielt. Es ist stumpf, es ist reißerisch, es spielt auf billigste Art und Weise mit den Klischees des Fantasy – Genres. Es ist ganz und gar überflüssig, sinnlos und grundsätzlich Zeitverschwendung. Es gelesen zu haben, hat mich in meinem Leben weder vorangebracht, noch hat es selbiges nachhaltig beeinflusst. Aber wisst ihr was? Ich habe trotzdem gelacht. Und wie ich gelacht habe. Man will es kaum glauben, doch manchmal lese ich wirklich ausschließlich zum Spaß. Berücksichtigt man meine Ausgangssituation, hätte ich mir keine passendere Lektüre zum Durchatmen wünschen können. „Die Anderen“ ist ein Buch zum Abschalten, eine Parodie voller Anspielungen auf die großen Werke der Fantasy. „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Die Orks“, „Die Zwerge“ – sie alle werden mächtig durch den Kakao gezogen. Boris Koch macht noch nicht einmal vor dem verstorbenen Sir Terry Pratchett Halt und bedient sich seiner Vorliebe für ausschweifende Fußnoten, um klugscheißerische Kommentare zu seinem eigenen Manuskript abzugeben. Es gibt Werbeunterbrechungen, Kanalwechsel und Illustrationen. In einer Szene wird aus dem Prosatext plötzlich ein Comic, was sogar den Figuren auffällt. Da fragt man sich, wie Koch neben all den Ablenkungen überhaupt eine zusammenhängende Geschichte erzählen kann, oder? Nun, genau das ist der Punkt: die Handlung von „Die Anderen“ spielt keine Rolle. Es ist völlig unwichtig, was in dem Buch geschieht, weil es lediglich darum geht, eine typische High Fantasy – Geschichte möglichst absurd zu parodieren. Vor diesem Hintergrund finde ich „Die Anderen“ äußerst gelungen. Objektiv betrachtet enthält das Buch alle traditionellen Elemente, von der Quest über die Heldengruppe bis hin zur Legende eines alten Relikts, das in sich die Macht zur Rettung der Welt trägt. Aber was Koch daraus macht, ist ganz und gar untypisch. Er verdreht die üblichen Handlungsstrukturen, bis sie kaum wiederzuerkennen sind, lässt seine Figuren beispielsweise versehentlich in die Realität (Mallorca oder die Ostsee) stolpern und stellt die unumgängliche finale Schlacht als surreale Prügelei dar, in der Verluste mit einem Schulterzucken abgetan werden. Man erfährt nie, in welcher Welt man sich eigentlich befindet und kann über die absichtlich klischeehaften Figuren nur den Kopf schütteln. Fragwürdige Slapstick-Einlagen unterstreichen die gewollte Komik der Szenen, sodass sich eine Atmosphäre der Unberechenbarkeit entwickelt, weil man nie weiß, wann Boris Koch das nächste Mal jemanden eine Treppe herunterfallen, auf einer Banane ausrutschen oder auf eine Harke treten lässt. Diese Art von Humor gefällt nicht allen Leser_innen, aber mir kam der Stumpfsinn des Ganzen sehr entgegen. Ich habe mich köstlich amüsiert, weil „Die Anderen“ wirklich keinen Funken Ernsthaftigkeit enthält. Ich lese so oft ernste, strenge, komplexe, bedeutsame und/oder eindringliche Literatur, dass mir ein Ausflug in die Banalität einfach guttat. Es tat gut, über all das, was ich sonst ehrfürchtig bestaune, aus voller Kehle zu lachen und sich darüber lustig zu machen. Dieser Roman hat mir genau das geboten, was ich in diesem Moment gebraucht habe.

 

Bei der Lektüre von „Die Anderen“ sind der Zeitpunkt und das Erwartungsmanagement immens wichtig. Kann man von Boris Koch erwarten, dass er seine Leser_innen zum Lachen bringt? Definitiv. Kann man von ihm feinsinnigen, subtilen, intelligenten Humor erwarten? Himmel, nein. Humor mit der Brechstange, das ist sein Metier. Deswegen ist es essenziell, dass man in der richtigen Stimmung ist, wenn man dieses Buch zu lesen beabsichtigt. Sicherlich hilft auch eine Vorliebe für flache, doofe Witze und für das Spiel mit Stereotypen. Meiner Ansicht nach muss man nicht unbedingt ein Fan der Fantasy sein, um sich von „Die Anderen“ unterhalten zu fühlen, aber es ist garantiert von Vorteil, weil sonst all die Anspielungen auf andere Werke unbeachtet verpuffen und die Absicht hinter diesem Roman verloren geht. Für mich war das Buch mentaler Urlaub, eine Erholung von allem Bedeutungsvollen und eine Gelegenheit, intellektuell endlich mal wieder alle Viere gerade sein zu lassen. Was könnte dafür besser geeignet sein als hochkarätiger Schwachfug?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/07/21/boris-b-b-b-koch-die-anderen
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review 2016-05-30 14:12
Killing an Arab
The Outsider - Albert Camus

When I was a lot younger one of my favourite bands was The Cure. I remember sitting in my lounge room with my friends with The Cures greatest hits ablum blaring out and as soon as the tape came to an end I would jump up, and immediately flick it over onto the otherside, and press play before my neighbour would cut in and throw Sergeant Peppers on so as to break the monotony. One of the songs that I remember clearly was 'Killing an Arab', though I have to admit that I had no idea what it was about. Actually, I thought I knew what it was about, but in reality I didn't because, well, I hadn't even hear of Albert Camus, let along L'Etranger (I even played it in the lead up to the gulf war in protest against it – once again having no idea what it was about).

 

 

Sure, I might have thought that it was some criticism of the Middle East crisis, even though it was pretty relevant when the Gulf War flared up, especially how the Arab that is killed halfway through the book is and remains nameless (as do all of the other Arabs in the story), however what I didn't realise was that this one song is actually about that event upon which the entire book turns – the murder, in cold blood no less, of an Arab on the beach. Sure, one could argue that Meursalt was provoked, especially since there had been an ongoing tussle between Meursalt and his friends and these unnamed Arabs, but the thing is that Meursalt simply doesn't seem to feel any emotion. Okay, it does play out along the lines of him walking down the beach (with a gun in his hand nonetheless, though we must remember that the reason he took this gun was so that his friend didn't do anything stupid with it), and it is pretty hot – in fact it is so hot that he is suffering from heatstroke – when he comes across this Arab who pulls a knife on him, so he shoots him, thinks about it a bit, and then puts four more bullets into him just to make sure he is dead. He then wanders off pondering on how hot it is.

 

The problem that I find with this book is that Trevor has already written a review on Goodreads that so captures the essence of the book (and in fact it was his review that made me want to read the book, and also the fact that one seems to constantly come across references of an Arab being shot on the beach) that I feel that there is little, if anything, further that I can say. However, as I am apt to do, I feel that I would be wasting the time that I spent reading this book if I didn't actually write about it.

 

The thing about the book is in the title – The Stranger, The Outsider, or as it is in French L'Etranger. Before I started reading the book my thoughts were all about how it actually feels to be an outsider in society – sort of what I am like – being able to connect, but in a way not being able to connect. Okay, I would hardly consider myself an outsider in the vein of Meursalt, but being in part an introvert, and not having any real empathy about me (though I would have to say that I have little, if any, empathy for people who suffer from first world problems), I can sort of connect with him (though I'd hardly say I'm unempathetic – it's just that I don't have any empathy for people with first world problems).

 

http://i.huffpost.com/gadgets/slideshows/346983/slide_346983_3666001_free.jpg

 

Mind you the thing that makes him an outsider is that he didn't cry at his mother's funeral. That to me doesn't really mean all that much because I'm sure that there are plenty of people out there that wouldn't cry, let alone attend, their mother's funeral (and not being a hugely tearful guy, I'm not sure if I would cry at my mother's funeral, though since my mother isn't dead yet I can't say whether that will be true or not – still I did cry at the end of King Lear).

 

Camus suggests that anybody who doesn't cry at their mother's funeral is condemned to death – though the truth is that we are all condemned to death (as the priest says at the end). It is interesting that Trevor suggests that we all assume that he is executed, yet the book never actually tells us that he was executed. In reality we don't know whether or not he will be, though from Camus' admission I suspect that he is. The thing is that it is not so much that he was executed because he killed the Arab – in fact I'm not entirely sure whether anybody actually cared, the only reason that he was put on trial was so that people could see that you can't really go around randomly shooting people. Rather, as Camus suggested, it had more to do with the fact that he refused to lie. He wasn't executed for murder he was executed for being honest.

 

That's the thing with honesty – it gets you into a lot of trouble. They say that honesty is the best policy, but I guarantee you that if you are honest then bad things are going to happen to you. In fact if you are honest you probably aren't going to have all that many friends: hi, how are you? Pretty crap. You see with that one question, everybody, except maybe with your closest friends, expects you to lie. You could feel pretty horrible, have had one of the most miserable days, but when somebody asks you how you are they don't want to hear the truth – in fact that it is the last thing that they want to hear. No, they want you to lie.

 

This brings me to the point of the trial – that is another place where honesty is certainly not going to get you anywhere. If you are up for murder and you are asked why you killed the victim, the wrong (even if it is true) answer would be 'because he/she deserved it, and if I had a chance I would do it again'. No, you are actually supposed to do the opposite – it was the heat of the moment, or whatever other excuse one can come up with. Mind you, it might be suggested that the whole idea of a trial is to get to the truth, but in reality it comes down to simply who can tell the better story, and who can impress the jury better.

 

Then there is the question of freedom. Meursalt is told that the reason he has lost his freedom is because he is being punished. But he doesn't seem to particularly care whether he can wander around outside or not. Okay, sure, he does go through some doubts, suggesting that he should have spent more time watching executions to see how one behaves in an execution, but in the end he realises that despite the fact that he is trapped in the cell, he still has his freedom. This realisation comes about when the chaplain finally comes in and tells him that since he is about to die then maybe he should confess to God. To Meursalt this is absurd – he doesn't believe in God, and it doesn't matter that he is facing the chopping block, he doesn't seem to see any particular reason why he should believe in God. It seems to be a part of this absurd idea where people, who are facing death, suddenly see that it might be a good idea to suddenly start believing in something that they have never believed in their entire life.

 

Okay, I'm not an atheist, so sometimes I find it hard to see the nature of this absurd world that writers like Camus explore, of if I do I see it through the eyes of a Christian. Mind you, the fact that I actually read this book as opposed to simply writing it off as another piece of humanist rubbish, as a lot of Christians are apt to do, probably says a lot more about the nature of my faith than what the general population generally consider Christians to be. That doesn't mean that I don't consider the world to be absurd and pointless at times – in many cases it is. However this absurdity comes into play very much in the Christian sphere. I have heard many of them run around claiming that God has a plan for our lives, and then start pulling out old Testament characters to prove it – yet to me this is absurd. What makes the Christian whom 'God has a plan for their lives' any different from the thousands, if not millions, of other Christians out there.

 

Anyway, I think I've waffled on enough, and probably should finish this off, especially since I do have to go to work tomorrow, and it already is getting pretty late.

Source: www.goodreads.com/review/show/1651003446
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review 2016-05-28 08:10
The Final Chapter
The Last Human - Doug Naylor

It has taken ages for me to get around to reading this book, namely because when my sister first bought it back in 1995 she told me that I couldn't read it until she had finished it. I'm not sure if that ever came about – her reading it that is – however over Christmas, when I was back in Adelaide for a few weeks, I asked her if I would be able to borrow it (half expecting her to say no, namely because she hadn't got around to reading it yet) and fortunately she had this one, and Backwards, and leant them to me. So, I can now say that I have read all of the Red Dwarf books and can now look forward to bigger and better things.

 

I did quite enjoy this book, and while there were a couple of amusing moments, I wouldn't say that it is one of those huge, laugh out loud type of books (though I did draw a few stares from my fellow commuters on my regular trips by train to work) but it was amusing nonetheless. The biggest problem that I found with this is that it seems that Grant and Naylor didn't seem to communicate with each other as to how they were going to proceed from Better than Life. While both books follow on from Better than Life, it was clear that there were some conflicts between the two. For instance in Backwards only Lister, the Cat, Kryten, and Rimmer escape the world (and both Lister and the Cat are teenagers). However in this book, despite it being set years after they left the Backwards Universe, Kochanski had left the universe with them (and this had been done by placing her ashes in the universe so that she would then return to life and then grow younger with Lister). However, it is clear that the events of Backwards didn't get a mention in this volume.

 

As I said it wasn't bad, but I found myself having to change the story a bit to try and make the two books eventually fit in (and I did that by assuming that when Lister had returned to Red Dwarf at the end of Backwards, albeit in a different universe, that Kochanski was with the crew as well). Another thing is that in parts it seemed that the editors didn't pick up some glaring mistakes, such as Rimmer blurting something out that should have clearly come from the mouth of the Cat. Oh, and while it was good to have Kochanski in the mix, she really didn't seem to fit with the original crew, and in a way seemed to come across as a third wheel (and the Cat also seemed to sit in the background a little too much as well).

 

http://vignette2.wikia.nocookie.net/reddwarf/images/2/2c/RedDwarfStarbug.jpg

 

Like the other books, Last Human borrows heavily from the show so you will no doubt encounter some memorable scenes from the episodes (such as when Kryten becomes human, and the jokes that stem from that particular episode) as well as the one where Lister accidentally offends a tribe of gelfs and is forced to marry one of them to appease their anger. Those who have followed the show will no doubt be aware that in the later seasons they decided to bring Kochanski (who is Lister's love interest by the way) into the mix which I have to admit (and my Dad, who is a huge fan of the show, agrees with me) that it was the beginning of the end of the series – the best parts were with the original four crew members.

 

One of the interesting things is the concept that humans are alone in the universe – something that also comes out in Asimov's Foundation series. However that doesn't mean that the universe isn't populated, it is, it's just been populated by gelfs, or genetic engineered life forms. However, despite the fact that the Gelfs were created by humans doesn't mean that they are friendly to humans – much the opposite – they are actually quite hostile. This is where Red Dwarf differs immensely from Asimov – in Asimov humanity is being moved towards a point where they will be able to live in harmony with each other whereas in Red Dwarf humanity is inherently self-destructive and they will create things for their own ease and pleasure without actually thinking anything through – everything they do to try to make themselves more advanced ends up backfiring – there are no laws built into the gelfs to prevent them from turning on their creators.

 

Mind you, the whole concept of the last human is an interesting one. This is a part of the absurdity of Red Dwarf – humanity's last and best hope for survival comes down to this one person, Dave Lister – a good person, but not a shining example of the human race. Mind you, the original series, with just Lister being the last human alive, suggests the whole absurdity of the show, and in part the pointlessness of existence. Here we have Dave Lister, being kept alive for no reason other than to preserve the human race, yet there is no way that the human race can be preserved because there is no way that Lister can reproduce – it is interesting that the only other life form happens to be a cat, and an incredibly vein one at that. Also we note that all of the characters are male, but once again that just adds to the absurdity.

 

In this volume, however, the original absurdity, and existentialist nature of the show, has now taken a back seat and it has effectively turned into a action romp where at the end the good guy gets the girl and everybody lives happily ever after. In fact the main characters (which unfortunately doesn't include the Cat for, as I suggested previously, seems to take a back seat in this story, having been pushed out by the introduction of Kochanski) all overcome their obstacles (Rimmer included) and the book finishes on a upbeat note. However, I really did like the Rimmer plot (there are numerous plots being woven through this book, which is one of the great things about this volume), and I thought it really brought the character out well. However I will leave it at that and move on to my next project.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/b/b5/RedDwarfShip.jpg

 

Source: www.goodreads.com/review/show/1647311749
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