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review 2016-07-21 11:05
Humor mit der Brechstange
Die Anderen - Boris Koch

„Die Anderen“ von Boris Koch ist der Beweis dafür, dass ein gut gefülltes Bücherregal samt monströsem SuB meiner Ansicht nach ein Segen ist. Nachdem ich „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath gelesen hatte, musste ein leichte, lockere Lektüre her, die ich mir für jede meiner Challenges anrechnen konnte. Ich brauchte einen High Fantasy – Roman von einem deutschen Autor oder einer deutschen Autorin mit einem grünen Cover. Vier Anforderungspunkte sollten erfüllt sein. Mit meiner Privatbibliothek ist das kein Problem. „Die Anderen“ passte einfach perfekt, weshalb ich mich von etlichen negativen bzw. durchschnittlichen Rezensionen nicht einschüchtern ließ.

 

Das Orakel. Die Prophezeiung. Ein unbekanntes Volk, das die Welt bedroht und nur durch die Zusammenarbeit der vier Völker besiegt werden kann. Der Stoff, aus dem Helden gemacht sind!
Halt, halt, halt! Zusammenarbeit? Helden? Dass ich nicht lache! Zweckgemeinschaft egoistischer Chaoten trifft es eher. Zwei Elfen, die ihre Angebetete aus der Verbannung retten wollen, ein Trupp Orks, der sich bei der sadistischen Königin einzuschmeicheln versucht, ein Troll, der Medizin für den erkälteten Finstergeist des Berges sucht und zwei Zwerge, der eine auf der Suche nach seiner Herkunft, der andere auf einer obsessiven Mission zur Vernichtung aller Monos, gehen wohl kaum als Weltrettungskommando durch. Oder doch? Was als loser Verbund individueller Ziele begann, entwickelt sich schnell zu einer Gemeinschaft, die mit allen Wassern gewaschen ist. Sind sie bereit, es mit dem gefährlichsten Feind aufzunehmen, den die Welt je gesehen hat? Sind sie bereit für die Anderen?

 

Ich verstehe, warum sich die Begeisterung für „Die Anderen“ bei vielen Leser_innen in Grenzen hielt. Es ist stumpf, es ist reißerisch, es spielt auf billigste Art und Weise mit den Klischees des Fantasy – Genres. Es ist ganz und gar überflüssig, sinnlos und grundsätzlich Zeitverschwendung. Es gelesen zu haben, hat mich in meinem Leben weder vorangebracht, noch hat es selbiges nachhaltig beeinflusst. Aber wisst ihr was? Ich habe trotzdem gelacht. Und wie ich gelacht habe. Man will es kaum glauben, doch manchmal lese ich wirklich ausschließlich zum Spaß. Berücksichtigt man meine Ausgangssituation, hätte ich mir keine passendere Lektüre zum Durchatmen wünschen können. „Die Anderen“ ist ein Buch zum Abschalten, eine Parodie voller Anspielungen auf die großen Werke der Fantasy. „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Die Orks“, „Die Zwerge“ – sie alle werden mächtig durch den Kakao gezogen. Boris Koch macht noch nicht einmal vor dem verstorbenen Sir Terry Pratchett Halt und bedient sich seiner Vorliebe für ausschweifende Fußnoten, um klugscheißerische Kommentare zu seinem eigenen Manuskript abzugeben. Es gibt Werbeunterbrechungen, Kanalwechsel und Illustrationen. In einer Szene wird aus dem Prosatext plötzlich ein Comic, was sogar den Figuren auffällt. Da fragt man sich, wie Koch neben all den Ablenkungen überhaupt eine zusammenhängende Geschichte erzählen kann, oder? Nun, genau das ist der Punkt: die Handlung von „Die Anderen“ spielt keine Rolle. Es ist völlig unwichtig, was in dem Buch geschieht, weil es lediglich darum geht, eine typische High Fantasy – Geschichte möglichst absurd zu parodieren. Vor diesem Hintergrund finde ich „Die Anderen“ äußerst gelungen. Objektiv betrachtet enthält das Buch alle traditionellen Elemente, von der Quest über die Heldengruppe bis hin zur Legende eines alten Relikts, das in sich die Macht zur Rettung der Welt trägt. Aber was Koch daraus macht, ist ganz und gar untypisch. Er verdreht die üblichen Handlungsstrukturen, bis sie kaum wiederzuerkennen sind, lässt seine Figuren beispielsweise versehentlich in die Realität (Mallorca oder die Ostsee) stolpern und stellt die unumgängliche finale Schlacht als surreale Prügelei dar, in der Verluste mit einem Schulterzucken abgetan werden. Man erfährt nie, in welcher Welt man sich eigentlich befindet und kann über die absichtlich klischeehaften Figuren nur den Kopf schütteln. Fragwürdige Slapstick-Einlagen unterstreichen die gewollte Komik der Szenen, sodass sich eine Atmosphäre der Unberechenbarkeit entwickelt, weil man nie weiß, wann Boris Koch das nächste Mal jemanden eine Treppe herunterfallen, auf einer Banane ausrutschen oder auf eine Harke treten lässt. Diese Art von Humor gefällt nicht allen Leser_innen, aber mir kam der Stumpfsinn des Ganzen sehr entgegen. Ich habe mich köstlich amüsiert, weil „Die Anderen“ wirklich keinen Funken Ernsthaftigkeit enthält. Ich lese so oft ernste, strenge, komplexe, bedeutsame und/oder eindringliche Literatur, dass mir ein Ausflug in die Banalität einfach guttat. Es tat gut, über all das, was ich sonst ehrfürchtig bestaune, aus voller Kehle zu lachen und sich darüber lustig zu machen. Dieser Roman hat mir genau das geboten, was ich in diesem Moment gebraucht habe.

 

Bei der Lektüre von „Die Anderen“ sind der Zeitpunkt und das Erwartungsmanagement immens wichtig. Kann man von Boris Koch erwarten, dass er seine Leser_innen zum Lachen bringt? Definitiv. Kann man von ihm feinsinnigen, subtilen, intelligenten Humor erwarten? Himmel, nein. Humor mit der Brechstange, das ist sein Metier. Deswegen ist es essenziell, dass man in der richtigen Stimmung ist, wenn man dieses Buch zu lesen beabsichtigt. Sicherlich hilft auch eine Vorliebe für flache, doofe Witze und für das Spiel mit Stereotypen. Meiner Ansicht nach muss man nicht unbedingt ein Fan der Fantasy sein, um sich von „Die Anderen“ unterhalten zu fühlen, aber es ist garantiert von Vorteil, weil sonst all die Anspielungen auf andere Werke unbeachtet verpuffen und die Absicht hinter diesem Roman verloren geht. Für mich war das Buch mentaler Urlaub, eine Erholung von allem Bedeutungsvollen und eine Gelegenheit, intellektuell endlich mal wieder alle Viere gerade sein zu lassen. Was könnte dafür besser geeignet sein als hochkarätiger Schwachfug?

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/07/21/boris-b-b-b-koch-die-anderen
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text 2016-05-05 08:37
Reading progress update: I've read 68%.
Aller Anfang. Die erste Liebe, das erste Lachen, der erste Traum und andere erste Male in der Bibel - Meir Shalev,Ruth Achlama

Ich komme voran. Na ja, häppchenhaft zwar, aber immerhin. Es liegt nicht am Buch oder Thema oder so, aber abends, wenn ich dann so herrlich eingemummelt in meinem Bettchen liege, macht mich das Kindle Licht auch noch etwas schläfrig und dann werden meine Augen schwerer und schwerer und dann fällt der Kindle meistens kurz auf meinen Kopf, weil ich ihn nicht mehr halten kann und das ist dann das untrügliche Zeichen... zu schlafen! Aber ansonsten ist das Buch wirklich interessant, Lieber Meir Shalev, ich werde es zu Ende lesen, denn es ist gut... es dauert nur länger... Tschuldigung. :-)

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review 2016-01-29 10:31
Düstere Southern Gothic
Beautiful Darkness - Margaret Stohl,Kami Garcia

Wusstet ihr, dass weder Kami Garcia noch Margaret Stohl aus den Südstaaten der USA stammen? Garcia wurde in Washington, D.C. geboren und lebt heute in Los Angeles, Stohl in Pasadena, Kalifornien. Mich hat das sehr überrascht, denn angesichts ihrer überzeugenden Darstellung der Südstaaten-Kleinstadt Gatlin in den „Caster Chronicles“ hätte ich erwartet, dass zumindest eine der beiden im Süden aufgewachsen ist. Vielleicht ist es aber gerade diese Distanz, die es ihnen erlaubte, Gatlin mit einem Augenzwinkern zu charakterisieren.

 

Lenas 16. Geburtstag hinterließ tiefe Wunden. Zwar konnte sie ihre Berufung verhindern und ihrer dunklen Mutter Sarafine die Stirn bieten, doch der Preis für ihren Widerstand war entsetzlich. Zerfressen von Kummer und Schuld zieht sich Lena immer weiter zurück. Sie erträgt es nicht, Ethan anzusehen. Ethan hingegen versucht, ihr so viel Zeit und Raum zu geben, wie sie braucht, spürt allerdings, dass ihm die Liebe seines Lebens zu entgleiten droht. Als er abermals von mysteriösen Visionen heimgesucht wird und ein neuer Song das Unheil des Siebzehnten Mondes voraussagt, kann er nicht länger zusehen, wie Lena sich selbst zerstört. Unterstützt von seinen Freunden wagt sich Ethan in das Labyrinth der Caster-Tunnel, um sie vor sich selbst zu retten. Doch der Feind schläft nicht und verfolgt weiterhin furchterregende Pläne. Wird Ethan Lena aus ihrem Strudel des Schmerzes und der Gefahr befreien können?

 

„Beautiful Darkness“ ist sehr viel düsterer als „Beautiful Creatures“ und verdient sich meiner Meinung nach erst recht einen Platz im Genre der Southern Gothic. Die Ereignisse des ersten Bandes werfen ihren schwermütigen Schatten auf Ethan und Lena und stellen sie vor neue Herausforderungen. Ihre Beziehung steht auf dem Prüfstand; sie müssen einander beweisen, dass sie gemeinsam nicht nur mit äußeren Faktoren zurechtkommen, sondern auch mit den Problemen, die sie selbst verursachen. Mir gefiel es außerordentlich gut, dass Garcia und Stohl die Handlung aus „Beautiful Creatures“ konsequent weiterführen und keine heile Welt präsentieren. Sie wagen es, ihr ProtagonistInnen-Pärchen von einer neuen Seite zu zeigen, wodurch die Geschichte einen realistischen Weg einschlägt. Friede, Freude, Eierkuchen hätte ich ihnen nicht abgekauft. Den Handlungsverlauf von „Beautiful Darkness“ empfand ich weniger gradlinig, denn unsere beiden Hauptcharaktere arbeiten nicht auf ein klar definiertes Ziel hin. Stattdessen vermittelt Ethan als Ich-Erzähler ein Maß an Verzweiflung, Verwirrung und Hilflosigkeit, das mir wirklich zu Herzen ging. Er weiß nicht, wie er Lena in ihrer selbst errichteten Festung des Kummers erreichen soll. Das Mädchen, das er liebt, distanziert sich mehr und mehr von ihm und er hat lange Zeit das Gefühl, nichts dagegen unternehmen zu können. Ich hätte gern eingegriffen, Lena geschüttelt oder ihr eine saftige Ohrfeige verpasst, damit sie wieder zur Besinnung kommt. Ich wollte Ethan beschützen, denn obwohl ich Lenas Schmerz durchaus verstehen konnte, fand ich, dass sie sich extrem verhält. Sie merkt nicht, dass sie in dem Bestreben, sich selbst zu bestrafen, auch andere bestraft und wegstößt, allen voran natürlich Ethan. Ich war froh, dass Ethan nicht nur seine Familie an seiner Seite hat, sondern auch einen großartigen besten Freund: Link. Link ist für ihn da, während Lena es nicht ist. Ethan kann sich zu 100% auf ihn verlassen, ganz gleich wie haarsträubend und gefährlich die Situation zu werden droht. Trotzdem hinterlässt Lenas Rückzug selbstverständlich eine physische und emotionale Lücke, in die Garcia und Stohl eine neue Figur treten lassen. Liv ist Britin, Marians studentische Hilfskraft und ein totaler Nerd. Ich mochte sie von der ersten Sekunde an. Ethan ist mit ihrem Auftauchen überfordert, weil zwischen den beiden eine unleugbare Anziehungskraft wirkt. Liv verkörpert all das, was Ethan haben könnte, wenn er nicht hoffnungslos in ein Caster-Mädchen verliebt wäre: ein normales, einfaches Leben voller Glück und Lachen, ohne magische Verwicklungen. Kein Wunder, dass ihn ihre Anwesenheit durcheinanderbringt. Vielleicht ist sie einer der Gründe dafür, dass Ethan sehr lange wartet, bis er einschreitet, um Lena vor sich selbst zu retten. Meiner Meinung nach ergreift er zu spät die Initiative. Lenas Trauerprozess in allen Ehren, aber er hätte ihren Eskapaden viel früher ein Ende setzen müssen, denn sie entwickelt sich zu einer ernsthaften Gefahr für die Menschen, die ihm etwas bedeuten. Er ist zu nachsichtig mit ihr. Schließlich interveniert er aber doch und folgt Lena in die Caster-Tunnel, die sich durch den ganzen Süden der USA (und vermutlich weit darüber hinaus) ziehen. Als Setting gefielen mir die Tunnel gut, da sie rätselhaft und ein bisschen unheimlich sind, allerdings bringen sie auch Unruhe in die Geschichte. Sie sind schwer fassbar und verändern sich ständig. Ich hatte hin und wieder Probleme, sie mir vorzustellen. Das Gleiche gilt für den finalen Kampf gegen Ende des Buches, der zwar spannend, meinem Empfinden nach jedoch nicht plastisch genug beschrieben ist.

 

Insgesamt fand ich „Beautiful Darkness“ anders als „Beautiful Creatures“. Nicht besser oder schlechter, sondern eben einfach anders. Genau das gefiel mir. Kami Garcia und Margaret Stohl rollen die Geschichte des ersten Bandes nicht noch einmal auf, sondern führen sie logisch weiter. Sie gestehen ihren Charakteren Entwicklung zu und trauen sich, die psychologischen Konsequenzen des Vorgängers zu verdeutlichen. Die liebevoll gezeichneten Charaktere fesselten mich an die Handlung; besonders Ethan habe ich wirklich ins Herz geschlossen, aber auch Link, Liv und Ethans gesamte Familie. Meine heiß entflammte Liebe zu den „Caster Chronicles“ ist ungebrochen. Diese Reihe ist wirklich magisch und ich freue mich darauf, zu erfahren, wie es in Gatlin weitergeht!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2016/01/29/kami-garcia-margaret-stohl-beautiful-darkness
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review 2015-06-26 12:17
Jeden Tag ein Lacher
Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

1944. Ernst Hoffmann ist Niederländer, Komiker und Halbjude. Der letzteren Eigenschaft hat er es zu verschulden, dass er sich mit zig anderen Verfolgten in einem Viehwaggon auf dem Weg in ein Konzentrationslager befindet. Dem Ernst der Lage durchaus bewusst, setzt er sich das Überleben zum Ziel, nicht nur sein eigenes, sondern auch das seiner Mitmenschen, indem er ihnen jeden Tag einen Lacher schenkt:

„Wir sitzen in einem Viehwaggon. Ist das ein Grund zum Lachen? Nein, im Gegenteil. Aber es erinnert mich an ein Foto, auf dem Hitler neben einer Kuh steht. Wissen Sie, was mir sofort aufgefallen ist? Der intelligente Blick der Kuh.“ (S. 33)

Noch im Viehwaggon wird er allerdings mit der unglaublichen Realität konfrontiert, dass es gar nicht so einfach ist, seinen Mitmenschen mehr als ein Schmunzeln abzuringen. Und erst recht nicht, wenn sich die Menschen nach der Ankunft in zwei Reihen aufteilen, wobei zwar beide den Tod garantieren, doch zumindest eine davon statistisch gesehen noch etwa 4 Monate Leben verspricht.

„Das Lachen und der Tod“ ist bestimmt keine einfache Lektüre und trotzdem lässt es mit Leichtigkeit lesen. Der Komiker Ernst Hoffmann erzählt persönlich von seinen Erlebnissen, er erzählt seine Geschichte und all die Grausamkeiten, die er und tausend andere erdulden mussten.

Nach der Reise im Viehwaggon wird der Leser gemeinsam mit Ernst Hoffmann mit dem KZ-Alltag vertraut gemacht. Grauenvolle Baracken, bereits tote aber noch lebende Muselmänner, die auf’s Sterben warten, Kapos, die sich ihrer Vormachtstellung zum Guten oder zum Schlechten bedienen und schwerste Arbeiten, die früher oder später den Tod garantieren.

Es gibt viel Literatur, die von den Schrecken der Konzentrationslager berichtet, dem Unrecht, das all diesen Menschen widerfahren ist, und dabei zeichnet sich dieses Buch durch eine einzigartige Besonderheit aus: denn der KZ-Insasse Nummer 173545 schafft es durch Humor einen letzten Funken Menschlichkeit zu bewahren.

Wie unvorstellbar es bei dieser ernsten Thematik auch sein mag, so habe ich selten derart gelacht und gleichzeitig geweint. Während des Lesens gaben sich lautes Auflachen und atemloses Entsetzen die Klinke in die Hand, wechselten sich Tränen der Erheiterung mit einschneidender Erschütterung ab und aus banger Hoffnungslosigkeit wurde blanke Verzweiflung, die sogar dann noch durch einen Lacher Lebensmut versprochen hat.

Außerdem hat es mir gut gefallen, dass hier nicht nur die SS ins rechte Licht gerückt wird, sondern sogar die Stellung der Kapos näher beleuchtet wird. Diese Menschen, die sich aus der Zusammenarbeit mit den Deutschen Vorteile für sich versprachen oder dadurch einfach nur den anderen Insassen auf ihre eigene Weise helfen wollten.

Weiters ist es ein guter Ansatz, dass die Handlung nicht nach der Lagerbefreiung ihr Ende findet, sondern auch von der unmittelbaren Zeit danach berichtet. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie es für die Menschen war, ein KZ zu überleben und als ob nichts gewesen wäre einfach in ihr „altes“ Leben zurückzukehren? 

Obwohl es sich bei dem Komiker Ernst Hoffmann um eine fiktive Figur handelt, basieren die Erlebnisse auf realen Hintergründen, die wir niemals vergessen oder verdrängen dürfen und diese Geschichte zeigt uns, wie wichtig es ist, sich sogar unter den widrigsten Umständen seiner Menschlichkeit bewusst zu sein, und sei es nur, indem wir jeden Tag einen Lacher schenken.

 

© NiWa

Source: zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at
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review 2015-03-31 19:49
Brutal ehrlich - schokierend und schön zugleich
Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

Ernst Hoffmann, niederländischer Komiker, wird im Jahr 1944 mit einem Viehwaggon und zusammen mit anderen Gefangenen in ein KZ in Polen gebracht. Mit Hilfe von Witzen versucht er seine Mitgefangenen abends vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren. Bis ein deutscher Lagerkommandant davon erfährt. Er will Hoffmann dazu bringen, vor den SS-Soldaten aufzutreten. Ernst weigert sich, doch dann wird im das Leben einer Frau versprochen, in die er sich beim Transport verliebt hat.

 

Meinung

 

„Sie sind tot, Holländer. Durch den Kamin. Die Menschen aus der rechten Reihe sind Asche im Fluss.“ (S. 54)

 

Schreibstil

 

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Ernst Hoffmann selbst erzählt. Er berichtet uns, von seiner Zeit im Konzentrationslager. Dabei verwendet Pieter Webeling einen gnadenlos ehrlichen, knallharten, unverblümten Schreibstil, der die unmenschlichen Grausamkeiten im KZ auf brutale weiße transportiert. Und genau das ist richtig, denn alles andere wäre falsch und würde den Gräueltaten nicht gerecht werden.

 

„Der andere kontrolliert mit einem kleinen, runden Zahnarztspiegel die Mundstücke und riss mit einem lauten Krachen einen Goldzahn heraus. […] Anschließend wurde die Leiche wie ein nutzlos gewordener Klumpen Fleisch weitergereicht.“ (S. 159)

 

Charaktere und Geschichte

 

Von Beginn an erfährt man als Leser, bereits im Klappentext, dass der Komiker Ernst Hoffman das KZ Auschwitz überlebt hat. Wir lernen ihn kennen, als er kurz vor seinem ersten Auftritt nach dem Krieg steht. Dort wartet er nervös auf eine bestimmte Frau in seiner Garderobe. Helena, die er im Viehwaggon beim Transport ins KZ kennenlernte.

 

„Ich hatte Angst davor, eines Tages ihr Gesicht zu vergessen. Den Geschmack ihrer Lippen oder ihr Lächeln.“ (S. 76)

 

Helena konnte nicht nur sein, sondern auch mein Herz im Sturm erobern. Denn mitten in diesem Elend, in dem hunderte wie Vieh transportiert wurden, versucht sie den Menschen Hoffnung zu geben, indem sie das Lied der Hoffnung singt. Bald kommt es zu einem Handgemenge im Waggon und Ernst versucht wie Helena, Hoffnung zu säen. Nur versucht er es mit Komik, einem Witz, einem Lacher. Und genau das wird er später auch im KZ, abends in den Baracken, versuchen. Nach dem Motto jeden Tag ein Lacher versucht er, sich an die minimale Hoffnung des Überlebens zu klammern und bereits todgeweihte von ihrem Elend abzulenken.

 

Als ich den Klappentext las, habe ich erst wochenlang überlegt, ob ich das Buch wirklich haben will. Die harte Realität eines Vernichtungslagers und Humor mischen? Das kann nicht gut sein und ist bestimmt geschmacklos – so dachte ich mir.

 

„Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.“ (S. 105)

 

Doch ich bin jetzt, wo ich „Das Lachen und der Tod“ gelesen habe, sehr froh, dass ich mich für das Buch entschieden habe. Denn Ernst Hoffmann schafft es, den Grad zwischen Lachen und Tod gekonnt zu halten. Immer wieder sind Witze dabei, in denen Ernst Hitler und seine Gefolgsleute aber später vor den SS-Leuten auch sich selbst aufs Korn nimmt ohne dabei irgendetwas zu beschönigen oder ins Lächerliche zu ziehen. Durch seinen gnadenlos ehrlichen Schreibstil und seine authentischen und bildhaften Schilderungen all der Widerlichkeiten, Abartigkeiten, unfassbaren Ungerechtigkeiten ist „Das Lachen und der Tod“ eine der wenigen Lektüren zu den damaligen Geschehnissen, welche die pure Wahrheit sagen und nichts zu verschönern versuchen. Pieter Webeling schafft es Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen, die mich sehr traurig machten und obwohl man doch ungefähr weiß, was damals geschah, schaffte er es, mich erneut sprachlos, angewidert und schockiert zurückzulassen.

 

Die Charaktere sind dabei authentisch, brutal und ehrlich. Sie geben Einblicke in die schwärzesten aber auch hellsten Stellen der menschlichen Seelen. Wir erleben, wie blind die SS-Leute, Kapos und Barackenältesten sind, wie falsch und grauenhaft. Aber auch, wie tief drinnen in manchen etwas Gutes steckt, etwas, dass sich gerne weigern würde. Auch Ernst verzweifelt immer wieder an dieser einen Frage, ob er etwas tun müsste. Einige spielen ihre Rollen, weil sie selber Angst um das eigene Leben haben. Jeder will Überleben und selbst Gefangene werden so leicht zum Tier, und sind nur auf ihr eigenes Wohl bedacht. Und genau diese Ehrlichkeit bereitete mir oft eine Gänsehaut. Jeder von uns ist vermutlich entsetzt, wenn selbst die Häftlinge unter sich grausam zueinander sind und schockiert, dass so viele nur zugesehen haben. Aber keiner kann wirklich sagen, ob er anders gehandelt hätte, wenn es ums nackte Überleben geht.

 

„‚Angenommen, wir beide überleben nicht wie so viele andere. Hätten wir etwas unternehme

müssen?‘ Das hatte ich mich bereits tausend Mal gefragt, ohne je eine Antwort darauf zu finden.“ (S. 221)

 

Peter Wiebling zeigt mit seinem Buch, wie wichtig Hoffnung und auch Liebe im Leben sind. Das einzige, was Ernst zum kämpfen ums Überleben bringt, ist der Gedanke an Helena. Es zeigt, dass neben alle der Brutalität, neben Hunger, Leiden, Tod auch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen.

 

Fazit

 

Pieter Webeling schafft mit „Das Lachen und der Tod“ die Gratwanderung zwischen Tod und Humor. Wir blicken in die tiefsten Abgründe der Menschheit und lesen gleichzeitig, wie in solchen unfassbar grauenhaften Zeiten dennoch Liebe, Freundschaft und Hoffnung entstehen kann. Das buch ist hart, brutal, ehrlich, emotional und berührend – schrecklich und wunderschön zu gleich. Ein Buch, dass nichts verschönt und dennoch Hoffnung streut.

Source: lovelymix.de/rezenzion-das-lachen-und-der-tod-pieter-webeling
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