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review 2017-08-03 11:34
Zwerge, die Gartenzwerge sammeln
Der Schädelschmied - Jens Lossau,Jens Schumacher

Mit dem Aufkauf des Verlages Egmont LYX durch Bastei Lübbe wurde die Ausrichtung des Verlagsprogramms umgestellt. Der Imprint ist nun auf Romantik spezialisiert. Pff. Dadurch mussten einige Autor_innen und Reihen ein neues Zuhause finden, darunter auch Jens Lossau und Jens Schumacher mit ihrer High Fantasy-Krimi – Reihe „Die Fälle des IAIT“. Glücklicherweise kamen sie bei einem Verlag unter, der meiner Meinung nach hervorragend zu ihnen passt: Feder & Schwert. Ich möchte mich von Herzen bei Feder & Schwert bedanken, dass sie die Weiterführung der Reihe ermöglichen. Es wäre zu schade gewesen, Meister Hippolit und Jorge den Troll niemals wiederzusehen.

 

Nur einmal nach Herzenslust in einem edlen Puff verwöhnt werden, mehr wünscht sich Jorge der Troll nicht. Aber nein, natürlich kommt ihm genau dann, wenn es am schönsten ist, sein Job in die Quere. In Barlyn, einer unterirdischen Minenstadt der Zwerge, wurde der bedeutende Schürfminister Borkudd tot in seinem Büro aufgefunden. Ein einzelner dahingeschiedener Zwerg wäre für das IAIT noch lange kein Grund, ihr wichtigstes Ermittlerduo unter Tage zu schicken, wären die Umstände seines Todes nicht äußerst merkwürdig. Das Büro des Ministers glich einer hermetisch verriegelten Festung. Nichts kam rein, nichts kam raus. Trotzdem befinden sich in Borkudds Schädel mehr als 20 Stahlnägel. Handelt es sich um einen überaus umständlichen Selbstmord? Oder wurde der Zwerg thaumaturgisch abgemurkst? Besteht vielleicht sogar ein Zusammenhang zu den Gerüchten eines furchteinflößenden Monsters, das in den Minen sein Unwesen treiben soll? Die Wahrheit ist tief vergraben, doch wenn jemand sie ausbuddeln kann, dann sind es Meister Hippolit und Jorge der Troll!

 

Zu Beginn meiner Rezension möchte ich mich dieses Mal direkt an meine deutschen Leser_innen wenden: seid ihr empfindlich, was eure Nationalität betrifft? Reagiert ihr pikiert, wenn das deutsche Volk und unsere speziellen Eigenheiten kräftig durch den Kakao gezogen werden? Fühlt ihr euch in eurem Patriotismus leicht beleidigt? Dann muss ich euch an dieser Stelle vehement von „Der Schädelschmied“ abraten. Der dritte Band der „Fälle des IAIT“ ist eine fleischgewordene, wild mutierte Parodie auf Deutschland und die deutsche Mentalität. Die gesamte Stadt Barlyn ist ein erschreckend genaues, wenn auch hemmungslos überspitztes Abbild meines Heimatlandes. Wer hätte gedacht, dass Zwerge und Deutsche so viel gemeinsam haben? Lächerliche Bürokratie, kleinliche Pedanterie, absolute Hingabe dem Beruf gegenüber, tadellose Arbeitsmoral, eine ungesunde Vorliebe für Bier, alberne, traditionelle Kleidung, seltsame Musik und große, sabbernde Hunde. Ich hätte mich kugeln können vor Lachen. Natürlich sind die Parallelen so offensichtlich, dass es geschmacklos ist. Natürlich bewegen sich Jens Lossau und Jens Schumacher weit entfernt von jeglicher politischen Korrektheit. Aber ich fand es großartig. Wo, wenn nicht in der Literatur, dürfen Deutsche ungestraft über ihr Land herziehen, Klischees ausschlachten und einen taktlosen Witz nach dem anderen reißen? Ich nehme dem Autorenduo ihre Selbstironie kein bisschen übel, im Gegenteil, ich feiere sie dafür. Ich meine, die Zwerge in Barlyn sammeln Gartenzwerge. Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Noch einmal langsam und mit Gefühl: Zwerge. Die. Gartenzwerge. Sammeln. Ich habe so gelacht, dass ich fast von der Couch gerutscht wäre. Ich kichere immer noch. Meister Hippolit und Jorge, die vermutlich ohnehin das skurrilste Ermittlerpaar aller Zeiten sind, in diese Stadt zu schicken, war ein Geniestreich. Sie passen dort so wenig hin, dass die Absurditäten vorprogrammiert sind. Es beginnt bereits damit, dass Jorge als Troll für einfach alles viel zu groß ist und mit seinem herrlich ordinären, unzensierten Mundwerk überall aneckt. M.H. hingegen ist bei weitem zu ungeduldig für den bürokratischen Albtraum, der ihnen bevorsteht, außerdem stolpern sie unter Tage auch noch über einen alten Rivalen, der ihn wunderbar zur Weißglut treibt. Die Zwerge dachten sich nämlich „Viel hilft viel“ und forderten nicht nur die Agenten des IAIT an, um den barbarischen Tod des Schürfministers aufzuklären, sondern zusätzlich zwei weitere Parteien. Demzufolge entsteht eine bizarre Wettbewerbssituation zwischen den Ermittlerteams, die ich allerdings, wenn auch unterhaltsam, etwas lästig fand. Es war zwar interessant und aufschlussreich, Details aus Hippolits Vergangenheit vor dem verpatzten Zauber zu erfahren, doch für mich bestand nie ein Zweifel, dass die beiden anderen Teams ihm und Jorge sowieso nicht das Wasser reichen können. Schon gar nicht bei diesem extrem verzwickten Fall, den ich wieder einmal nicht allein lösen konnte, obwohl einige meiner Mutmaßungen die korrekte Richtung einschlugen.

 

Ich glaube, bisher ist „Der Schädelschmied“ mein liebster Band aus der Reihe „Die Fälle des IAIT“. Ich fand ihn auf jeden Fall besser als den zweiten Band „Der Orksammler“, weil Lossau und Schumacher dieses Mal wirklich alles aus ihrem höchstamüsanten Setting herausgeholt und sogar einen dezenten Fortsetzungscharakter bewerkstelligt haben. Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass ich die Beziehung zwischen M.H. und Jorge wohl nie ganz verstehen werde und akzeptiere sie einfach, wie sie ist. Ich bin begeistert von der überspannten Beschreibung des deutschen Volkes seitens des Autorenduos und ihrer schonungslosen, plakativen, schelmischen Zurschaustellung nationaler Klischees. Für einige Leser_innen wäre es vielleicht zu viel der augenzwinkernden Kritik im hanswurstigen Gewand, doch ich bin felsenfest davon überzeugt, in diesem Rahmen ist „zu viel“ gerade gut genug. Wenn ich Meister Hippolit und Jorge besuche, will ich Tränen lachen und flache, kindische Witze genießen. Ich wiederhole es noch einmal, weil es so schön war: Zwerge, die Gartenzwerge sammeln. Gott, darüber werde ich noch jahrelang feiern.

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review 2017-06-13 08:11
Pseudoromantischer Mist
How to Kill a Rock Star - Tiffanie DeBartolo

Tiffanie DeBartolo ist neben ihrer Karriere als Schriftstellerin und Filmproduzentin auch die Gründerin des Indie-Musiklabels Bright Antenna. Ihre Verbindung zur Musik prägte ihren Roman „How to Kill a Rock Star“. Als ich das Buch aufschlug, freute ich mich, dass auf der ersten Seite die Songs aufgelistet sind, die in der Geschichte eine Rolle spielen und nahm mir vor, mal reinzuhören. Leider musste ich feststellen, dass offenbar alle Songs rein fiktiv sind. Ich fühle mich veralbert. Ich hätte gern gewusst, wie der Soundtrack zu einem Buch klingt, das einen so starken Bezug zur Musik hat wie „How to Kill a Rock Star“.

 

Manche Menschen würden Eliza als besessen von Musik bezeichnen. Sie selbst… Nun gut, vielleicht ist sie besessen, aber diese Besessenheit öffnete ihr immerhin die Türen zur aufregenden Welt des Musikjournalismus. Jetzt lebt Eliza in New York und schreibt für ein angesagtes Magazin. Sie teilt sich eine Wohnung mit Paul, dem Sänger von Bananafish, der Band ihres Bruders Michael. Paul ist nicht nur verboten attraktiv, sondern auch ein musikalischer Virtuose. Seine Stimme berührt Eliza. Er versteht ihre wilde Leidenschaft für die Musik, fühlt und erlebt sie ebenso wie sie. Ihre Liebe entflammt heiß und machtvoll. Eliza fördert Pauls Karriere und keine sechs Monate nach ihrem Kennenlernen zieht Bananafish einen großen Plattendeal an Land. Doch mit dem Erfolg der Band entstehen Probleme, die das junge Paar nicht voraussehen konnte. Als Bananafish auf Tour gehen sollen, muss Eliza die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Ein Leben mit einem angehenden Rockstar ist eben weit weniger glamourös, als man meinen sollte.

 

Tiffanie DeBartolo nutzte ihre Erfahrung im Musikgeschäft, um die Entwicklung der Musik und der damit verbundenen Industrie beeindruckend realistisch zu beschreiben. Sie erfasst die Mechanismen, die für Erfolg oder Misserfolg von Künstler_innen sorgen, äußerst treffend und verlieh „How to Kill a Rock Star“ somit eine kritische Ausstrahlung, die mir hervorragend gefiel. Am Beispiel der Karriere der Band Bananafish und des Sängers Paul illustriert sie, unter welchem Druck junge Musiker_innen stehen und wie abhängig sie von Plattenfirmen sind, denen die Kunst schlichtweg gleichgültig ist. Sie sind Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, die ausschließlich der Profit interessiert und die willkürlich festlegen, wer eine Chance erhält und wer nicht. Paul ist ein Ausnahmemusiker, dessen außergewöhnliches Talent durch den Vertrag mit einem großen, kommerziell ausgerichteten Label beinahe zermalmt wird. Seine Musik ist nicht massentauglich, sie ist ein Nischenprodukt. Paul schreibt keine Hits zum Mitsingen, er schreibt anspruchsvolle Songs, die nicht ins Radio passen. Eigentlich will Paul nicht zum Mainstream gehören, doch sein Wunsch, seinen Traum von einem Leben als Rockstar zu verwirklichen, ist so drängend und stark, dass er sich auf einen faustischen Pakt einlässt. Seine Freundin Eliza hat an dieser Entscheidung großen Anteil, womit wir auch schon bei dem Grund angekommen sind, warum „How to Kill a Rock Star“ lediglich magere anderthalb Sterne von mir erhält. Ich hasse die Liebesgeschichte dieses Buches. So bemerkenswert, wirklichkeitsgetreu und illusionslos der Handlungsstrang rund um die Musik in DeBartolos Roman ist, so schwachsinnig hingegen ist leider die Beziehung zwischen Eliza und Paul, die die Autorin ihren Leser_innen vorwiegend aus abwechselnden Ich-Perspektiven darbietet. Ich glaube, ich habe einen Charakter selten so sehr verabscheut wie Eliza. Ich mochte sie überhaupt nicht. Ihr unlogisches Verhalten ist für mich nicht im Mindesten nachvollziehbar; ich finde sie nervig, egoistisch und verletzend. Sie neigt zu explosiven Kurzschlussreaktionen, die allen Menschen um sie herum und ihr selbst schaden. Es wundert mich gar nicht, dass Eliza eine Einzelgängerin ist und so gut wie keine Freunde hat, obwohl Tiffanie DeBartolo sich sehr anstrengte, sie als liebenswürdig, anziehend und begehrenswert zu charakterisieren. Ist sie nicht. Nicht mal ansatzweise. Da Eliza ein leidenschaftliches musikalisches Fangirl ist, bildet sie sich ein, sie wüsste, was gut für ihren Partner Paul und dessen Karriere ist. Sie treibt ihn dazu, den Deal mit der im Mainstream etablierten Plattenfirma einzugehen und pusht, nein, zwingt ihn in eine Richtung, die nicht seiner Persönlichkeit entspricht. Sie versucht, ihn zu etwas zu machen, was er nicht ist. Das hat nichts mit Liebe zu tun. Eliza hält sich für nobel und selbstlos, weil sie ihre Beziehung im entscheidenden Moment zugunsten von Bananafishs Erfolg einfach wegwirft, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Sie ist eine Katastrophe und ich verstehe nicht, was die anderen Figuren – besonders Paul, mit dem ich weit besser zurechtkam – in ihr sehen.

 

Meine Gefühle für „How to Kill a Rock Star“ sind zwiegespalten. Das Buch besteht aus zwei mit einander verknüpften Handlungslinien: der Musik und der Liebesgeschichte. Alles, was mit der Musik zu tun hat, fand ich großartig, weil Tiffanie DeBartolo exakt meine Empfindungen für Rock widerspiegelte und eine klare, scharfsinnige Einschätzung der Musikindustrie liefert. Fatalerweise ist der furchtbare, übertrieben dramatische und affige Liebespart des Buches jedoch weit dominanter. Das Problem daran ist, dass sie nur zusammen funktionieren und nur zusammen die Geschichte des Romans erzählen können. Ich verstehe das, konnte die Lektüre deshalb aber kaum genießen. Ich hatte keinen Spaß und fühlte mich nahezu beleidigt von der Annahme der Autorin, ich würde ihr diesen pseudoromantischen Mist abkaufen. Hätte ich nicht angenommen, dass „How to Kill a Rock Star“ eine vollkommen andere Richtung einschlägt; hätte ich geahnt, was mich erwartet, hätte ich es vermutlich niemals gekauft. Das Buch wird demnächst ausziehen. Wir sind geschiedene Leute. Vielleicht bin ich tatsächlich nicht für die Chic-Lit geschaffen.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/06/13/tiffanie-debartolo-how-to-kill-a-rock-star
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review 2016-10-22 09:07
Ein Kaleidoskop von Geschichten aus der Sicht eines Musikers
Träumer: Bekannte und unbekannte Texte - Georg Danzer

Passend zum 70ten Geburtstag von Georg Danzer (wenn er nicht schon gestorben wäre) wurden bisher unveröffentlichte Texte des Liederaten – so bezeichnete er sich stets selbst – in einer sehr guten Sammlung zusammengestellt. Oft bin ich ja skeptisch, wenn Künstler gleich welcher Art in verwandte Genres eintauchen und damit ihren Job quasi diversifizieren, denn nicht jeder ist in einer verwandten Arbeit gleich gut wie in seinem Hauptjob, aber gerade Liedermacher, die Ihre Texte selbst schreiben, haben es offensichtlich wirklich auch in der Literatur drauf, wie man auch letzte Woche bei Bob Dylan bemerken durfte, denn die Lyrik der Musik hat weit mehr mit dem Jobprofil des Schriftstellers zu tun, als es landläufig angenommen wird.

In dieser Geschichtensammlung gibt es sehr wenig Liedertexte, sondern mehr Kurzgeschichten, und obwohl ich gar nicht so ein Fan von Kurzgeschichten bin, war ich diesmal begeistert.

Ein wichtiger Teil dieses Buchs ist Danzers Beschreibung seines Musikerlebens, die nicht nur sehr anschaulich unter anderem die Achterbahn der Gefühle nach einem Konzert und auf Tournee thematisiert, sondern auch sprachlich sehr eloquent und mit gemeinem Wortwitz daherkommt. Diese Geschichte hätte ich mir übrigens in Danzers Biografie gewünscht, die vor ein paar Jahren herausgekommen ist.

    "Es war die Zeit, in der wir alle von «Swinging London» träumten, wir, die wir im nicht swinging Wien hockten, einer Stadt, die damals mit dem Hintern auf dem Boden herumrutschte wie eine fette Dickmamsell, der etwas unerhört peinlich ist. Wir, die wir Musik machen wollten und denen man in ihrer Kindheit mit Heinz Conrads die seelischen Geschmacksnerven verätzt hatte.
    […] Und alle sind so unheimlich alternativ. Manche sind so alternativ, dass sie Musik, in der ein Schlagzeug verwendet wird, sofort als Discomusik abtun.
    […] Das Antisystem gehorcht engeren Normen als das sogenannte System, gegen das es kämpft."


Aber Georg Danzer kann nicht nur narzisstisch über sich selbst schreiben, es gibt auch andere gnadenlos zynische Geschichten, z.B. jene über die Familie, die in den 80ern einen Atombunker baute und trotzdem verreckte.

    "Man hätte beim Bau doch vielleicht ein wenig tiefer graben sollen. Ein paar Bücher an der Wand: die Bibel, Mein Kampf (nur damit die Kinder einmal wissen, was es für Furchtbarkeiten auf der Welt gegeben hat)
    […] Alles umasunst, leider leider… Der dritte Weltkrieg war doch etwas heftiger, als man sich das so vorgestellt hat.
"

Hier thematisiert er wundervoll die Angst einer ganzen Generation vor dem ulitmativen Fallout, und versteckt durch den gemeinen Zynismus des total grotesken Überlebenskampfes mehr als ein Fünkchen Galgenhumor in der Story.

Lediglich wenn Danzer existenzialistisch philosophisch mit einzelnen Wortschöpfungen und lyrischer Sprache gleich einem Lied herumspielt, wird es mir manchmal persönlich ein bisschen zu viel, aber das ist erstens Jammern auf hohem Niveau und wird zweitens einige von Euch sicher sehr begeistern.

Fazit: Super Sammlung von meist unbekannten Texten, ein Lob auch an den Herausgeber für die ausgewogene Zusammenstellung in diesem Buch. Kaum Liedertexte sondern richtig gute Geschichten aus der Feder von Danzer.

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review 2016-04-14 09:15
Mehr Cross Media Projekte
Feuerstimmen: Roman - Christoph Hardebusch
"Wie eine Queste."


Was ist das? Jetzt gibt die Key nicht nur andauernd ungefragt Links zu Songs nebenher, die ihr in den Sinn kommen oder auf die im Buch Bezug genommen wird? Jetzt gleich ganze Alben?
Ja, Tatsache. Genauso ist das Buch in der Verlagsvorschau letztes Jahr gezeigt worden. Und ich plaudere mal aus dem verborgenen Nähkästchen der Lesekatzen. Ich habe nämlich einfach gesagt: „Waaas? Van Canto? Egal was es ist, ich nehm’ das Buch!“ Gesagt, getan, Klappentext gar nicht erst gelesen, nur das Feuer gesehen und den sympathischen Autoren nebst Cover und dem Hinweis, dass es eine Überschneidung zur Band geben wird. Und tada, pünktlich zum Erscheinungstermin hatte ich ‚Feuerstimmen‘ zu Hause und es in einem Haps eingesogen, vielen Dank Piper.

Wer bitte ist Van Canto? Und wer ist Christoph Hardebusch? Und wieso tun die sich zusammen?
Erst einmal: Weil es absolut richtig ist! Ich liebe diese Schnittstelle: Musik und Roman.
Van Canto ist berühmt für ihren: Rakkatakka und DahDah - ‚Sound‘. Ich reiche gleich noch eine Musikprobe von earMUSIC. Aber in Kürze kann man sagen: Heavy Metal a capella. Ihr einziges Instrument ist das Schlagzeug, da niemand mit dem Mund da heran reicht.
Christoph Hardebusch ist bekannt geworden durch: ‚Die Trolle‘ und sieht nicht nur mit den langen Haaren aus wie ein Rocker, laut seiner Seite, hört er es auch gern. Was wohl auch Voraussetzung dafür ist, sich Van Canto zu schnappen.
Der Danksagung im Buch nach, muss das ein wahrlich überbordender Austausch an Kreativität gewesen sein.


Es kann daher durchaus sein, dass diese Rezi, selbst für meine Verhältnisse, etwas länger wird. Da ich euch mein kleines Experiment schildern werde. Dabei unerlässlich wird es sein, mich nicht nur auf das Buch zu beschränken, sondern den ‚Soundtrack‘ mit einzubeziehen. Eben genau so wie es mir angekündigt wurde in der Werbung zu diesem Roman. Im Übrigen wünsche ich mir viel mehr CrossMedia-Projekte. Blind Guardians: ‚Lord of the Rings‘ oder Schandmauls: ‚Saphira’ waren zwar als Hommage schon schön; Nightwishs ‚Imaginaerium‘ gar nicht mal übel; doch erhoffe ich mir von ‚Feuerstimmen/ Voices of Fire‘ noch einiges mehr.

 

"Die Welt war verrückt geworden."


Fangen wir vorne an, wie ich auf das Buch aufmerksam wurde, wisst ihr nun. Dann war es da und beim ersten Durchblättern stellte ich schon einmal folgendes fest: Es gibt keine Kapitel. Das heißt nun aber nicht, dass das ganze Buch ein fortlaufender Text ist. Stattdessen sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Ausschnitte der (englischen) Lyrics der Songs abgedruckt. Ansonsten springen wir einfach nur zwischen den Perspektiven: Aidan und Elena (konsequent) hin und her. Weiter gibt es eine Karte. Und die gleich zwei Mal. Was auch nötig ist, da der schwarz/weiß Druck auf S. 6 und 7 leider in der Buchbindung verschwindet. Dafür ist die in Sepia im Buchdeckel aber umso schöner.
Das Experiment also: Erst dann das entsprechende Lied anhören, wenn das Buch es angibt.




Der Beginn macht dabei: Clashing on Amour Plates, auch der Prolog ist eingesprochen worden und zwar von John Rhys-Davies (Gimli, Herr der Ringe), der in weiteren Liedern immer mal wieder etwas zu erzählen haben wird. „Mind brrroken“ Kribbelgefühle inklusive.
Es wird recht poetisch gestartet und es wird schon dort deutlich: Die Helden die uns erwarten werden sind: die Barden. (Für jeden Rollenspieler wohl ein Grund die Augenbraue hochzuziehen.)

Wir lernen den Protagonisten kennen: Aidan. Der mit seinem langjährigen Freund Revus in einem Scharmützel mit Straßenräubern irgendwo ‚am Rand der Welt‘ hängt. „Enttäuschend.“ konstatiert einer der beiden, meint den Landstrich - ich jedoch meine das Lied über Piraten und deren tollkühne Kapitänin. Wir wissen bereits, dass Buch und das Album der Band gehen Hand in Hand und jetzt wird mir ein schickes Schanklied geboten, welches allerorten mitgesungen wird und ausgerechnet DAS bekomme ich nicht zu hören. Mit einem Wort: enttäuschend. Abgesehen davon war dieser Schlamassel mit den Räubern wie der Beginn von: „Der Thron von Melengar“.

Wechseln wir zu Elena, der Königin von Arcos, die begleitet wird von ihrer Schwertdame: Kaleona. (Letztere hat übrigens eine Iris-Heterochromie, was aber nie wieder erwähnt werden wird.)
Hierzu wird das Lied ‚Dragonwake‘ samt Chor kredenzt, wobei das jetzt nicht wirklich etwas mit der Einführung der Charaktere zu tun hat. (Es ist nicht immer ganz klar, ob die Lieder vorangestellt sind oder sich auf das beziehen was nach ihnen passiert.)

"Manchmal erzählen Barden ganz schönen Mist." 


Übrigens diese zwei Pärchen werden das ganze Buch über bleiben. So viel mehr gibt es nämlich auch nicht, an erwähnenswerten Leuten. Eine ganze Weile bleibt das jetzt getrennt. Die Männer schlagen sich in einem Fischerdorf mit Seetang-Ale und Seemonstern herum. Während die beiden Damen feststellen, dass die Bevölkerung der isolierten ‚gesegneten Inseln‘ korrumpiert wird von einer außergewöhnlich mächtigen magischen Macht.
Dazu gibt es ‚Time and Time again‘ in dem unter anderem gegen innere Dämonen gekämpft wird und für mich Lieblingslied verdächtig ist.
Noch mehr und mehr Lieder werden über das ganze Buch gesungen, die alle NICHT auf der CD sind. Aber weit weg von den beiden Schwertschwingenden Barden als auch den beiden Schwertführenden Damen sind die Lieder nicht. Aidan ist nämlich derjenige der an etwas Vergangenem zu knabbern hat und Elena ‚All my Life‘ durch ihre Erziehung Verpflichtungen hat.

Im ‚Honiglicht des vergehenden Tages‘ treffen die Vier dann mal aufeinander und Aidan meint flapsig: „Und egal, wohin sie reisen, wir wählen die entgegengesetzte Richtung.(S. 194) Und das einzige was mir dazu einfällt ist: Na hoffentlich.


"Und es hat fast die Welt gekostet."


Begeben wir uns mal in den Abschnitt mit dem Lied ’The Betrayal’. Denn diesen Song mochte ich auch sehr, ebenso wie die dazu gehörige Szene im Buch. Wobei… nun ja, sie hätte halt einfach epischer sein können. Die Musik schafft das was der Text leider nicht hinbekommt: richtig episch sein. Schade nur, dass es von einer Frau gesungen wird, denn mit der Zeile: ‚He is the love of my life‘ habe ich ganz andere Zusammenhänge im Kopf. Ich kann aber verstehen, dass ’Two hearts beating in harmony’ auf ein bestimmtes Paar abzielt.
Leider war seit dem Verlassen von Gorint eine so schlechte Stimmung bei mir aufgekommen, dass ich jetzt sagen muss: Das war alles so vorhersehbar.

Ein weiterer Song, in den ihr mal reinhören könnt wäre dann: ‚The Bardcall’. Um den es nämlich wirklich geht in ‚Feuerstimmen‘. Der Bardenruf, beziehungsweise der Bardensturm. Und nun ja, ich halte ‚Bardensturm‘ tatsächlich nicht für den passenden Titel, aber ’Sturmstimmen‘ wäre auf alle Fälle passender gewesen für dieses Werk als Feuerstimmen. Schätze ‚Feuer‘ soll hier für Leidenschaft stehen und gegenseitig mitreißen und aufstacheln und kämpfen. Denn wenn ich ehrlich bin, die Hauptschauplätze des Buches sind: Wasser, Fischerdorf, Hafenstadt, Wasserfall, Fluß, Lagunenstadt, Inselreich. Ja, doch, obwohl es konträr aussieht, habe ich das Feuer vermisst. Ich hatte bei dem Lied auch mehr so einen Tross Barden im Kopf die unter frenetischem Jubel in eine Stadt einkehren wie die Helden die sie eben sind (oder noch werden). Ein wenig am Sinn des ‚Rufes‘ also vorbei geschrammt. Das macht ‚Hymn‘ aber definitiv wieder wett. 




Fazit


Die Lieder des Albums wirken um einiges epischer als das Buch. Ich bereue es, nicht das Hörbuch gehört zu haben, ich bin mir sicher, dass das viel mehr hergeben könnte. Vielleicht prüfe ich das bei Gelegenheit noch mal.
Aidan und Elena legen hier ein 1A Duett auf das Parkett und alle anderen sind völlig unwichtig. Alle vier Figuren sind ohnehin ziemlich übermächtig (obwohl sie sich von Wunden und Alkoholkatern erholen müssen). Spannung wird hier so sehr übertrieben, dass es hektisch und abgehackt wirkt. Humor ist vorhanden und bringt mich zum schmunzeln. Der Antagonist ist nicht anwesend, daher für mich als Leser nicht greifbar, 'es' schickt nur seine Heerscharen an Kanonenfutter.


Stichwort Logikmacken: weil die einen zu Pferd unterwegs sind, die anderen zu Fuß (dann erst noch in die falsche Richtung gehen und einen Stopp in einer Bibliothek einlegen) und dennoch einfach wieder einholen. Abgesehen davon, geht man laut Karte von der Hafenstadt aus nach Osten, würde man ziemlich schnell ertrinken. Das verleidet einem dann doch die immer mal wieder durchscheinenden schönen Ansätze. 
Ich gestehe, für einen Moment war ich dafür, dass lieber die Geschichte erzählt werden sollte, wie Aidan in den Himmel und die tiefen Tiefen der Welt steigt um seinem Freund die Stimme wiederzubringen! 

Das war keine Epik, es war eine Queste. Fein und schön aber nicht überdurchschnittlich gut.
Solltet ihr das nach machen? 
Generell: Ja, warum nicht? Die Musik ist überragend, bleibt (mir) lang im Kopf und somit auch die Queste des Romans. Ich muss nicht einverstanden sein mit den Wendungen, Charakteren und ihren Beziehungen untereinander. Ich kann auch einfach mal sagen, ich nehme sie so hin wie sie sind und spinn' mir meine eigene Idee weiter.
MEHR Cross Media Projekte! Ich finde, das wertet sich gegenseitig ziemlich auf.

Meiner Erwartung konnte es nicht gerecht werden.

Source: lesekatzen.blogspot.de/2016/03/rezension-feuerstimmen-christoph.html
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review 2015-06-17 13:21
Gegensätze ziehen sich an... oder aus!
Road to Hallelujah - Martina Riemer

 

 

 

Lange habe ich mit mir selbst gerungen, ob ich das neueste Werk von Martina Riemer lesen soll, da es ja nicht wirklich in mein "Leseschema" passt, aber als ich dann einige absolut humorvoll- prickelnde Zitate las, MUSSTE ich es dann doch lesen. Dumm nur, dass meine Mail an den Carlsen Verlag schon draußen war... doch dann -haltet euch fest- entdeckte ich: EINE LOVELYBOOKS- LESERUNDE!!! ♥♥♥ Und was soll ich sagen, das Glück war mir hold *-*

 

 

 

 


Titel: Road to Hallelujah
Autor: Martina Riemer
Verlag: im.press
Genre: Liebesroman
Format: eBook
Seitenzahl: 354
Reihe: 1/?









Nach dem Tod ihrer Großmutter beschließt Sarah sich ihren großen Traum zu erfüllen: eine Reise nach New York mit nichts als ihrer Gitarre im Gepäck. Doch dann wird sie von ihrem besorgten Bruder dazu überredet, mit dem Aufreißer und Weltenbummler Johnny die Reise anzutreten. So hatte sich Sarah die Erfüllung ihres Traums nicht vorgestellt. Und Johnny sich seinen Amerika-Trip ganz sicher auch nicht. Zu allem Überfluss wird auch noch Sarahs geliebte Gitarre während des Flugs zerstört. Nur gut, dass Sarah nicht die Einzige mit einem Instrument im Gepäck ist…

 
Vorneweg ein riesengroßes Dankeschön an die Autorin für das Posten der Zitate, ohne die ich das Buch ja vermutlich nie begonnen hätte!!! 
 
Ich konnte nach den ersten paar Sätzen nicht anders und habe das Buch einfach weitergelesen, nein verschlungen. Es war einfach nur genial, wie von der ersten Begegnung Sarah und Johnnys an sich dieses Prickeln aufgebaut, bei dem man nur wissen wollte, ob und was als nächstes passiert...
 
Und auch diesen martina-riemer-typische Schreibstil, der vor Humor und Sarkasmus nur so trieft, musste ich nicht lange suchen und konnte so immer wieder schmunzeln, lächeln oder einfach lauthals lachen. Besonders als Sarahs Freundin den "Wetterbericht" las... Geschickte Eigenwerbung!:D 
 
Genialer Schreibstil. Viel Spannung. Dieses leichte, Prickeln. Was hat mir noch gefallen?! Ach ja, dass man in Sarah und Johnny Loreen und Slash aus "Essenz der Götter" wiedererkennen konnte, zumindest meiner Ansicht nach *-* Und wo wir schon bei den Charakteren sind: Ich bin total begeistert von allen und verliebt obendrein (wobei ich mich gar nicht entscheiden kann ob in Kelsey, Johnny oder Nat :P), da sie unter ihrer kratzigen, teilweise sogar oberflächlichen Art, eine verletzte Persönlichkeit voller Ängste, Sorgen und Kummer versteckten. So konnte mich gerade Johnny immer wieder überraschen, nein überzeugen, dass er der Richtige für Sarah ist. Besonders gut gelang das, durch die wechselnden Perspektiven (und auch durch die Songtitel am Anfang jedes Kapitels, die die richtige Stimmung aufgebaut haben).
 


Tja ja, Gegensätze ziehen sich halt an... oder eben aus!

Ich liebe, liebe, liebe es!!! Extrem sarkastisch-humorvoll, berührend und prickelnd (die Königsdisziplin von Martina Riemer ^^)! ❤❤❤

Das Cover spricht mich jetzt persönlich nicht so an, da es mir etwas zu blass und zu wenig aussagekräftig ist. Schön hätte ich gefunden, wenn eine Gitarre dabei wäre ;)

Inhalt: 
Cover: 


Das war (nach "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" und "Drei auf Reisen") mein dritter Roadtrip, denn historische Romane zähle ich mal nicht dazu, auch wenn dort ebenfalls viel gereist wird,... und ihr? Habt ihr schon Roadtrips gelesen?

 

 

 

Source: marys-buecherwelten.blogspot.de/2015/06/road-to-hallelujah.html
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