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review 2017-09-13 11:21
Ein Fangirl ward geboren
City of Miracles (The Divine Cities) - Robert Jackson Bennett

Worum geht es in der Trilogie „The Divine Cities“? Laut Autor Robert Jackson Bennett geht es um Veränderung. Schmerzhafte, quälende Veränderungen. In einem kurzen Essay über das Finale „City of Miracles“ schreibt er, der Kern seiner Geschichte sei der Versuch seiner Figuren, ihre traumatischen Erfahrungen zu überleben und zu überwinden. Ich stimme Bennett daher zu, dass es mehr als passend ist, den letzten Band aus Sigruds Perspektive zu bestreiten, da dieser unter zahllosen unaufgearbeiteten Traumata leidet. Ich wusste allerdings auch, dass Sigrud zu folgen bedeutet, einen blutigen Pfad einzuschlagen.

 

Eine Explosion zerreißt den regnerischen Tag in Ahanashtan. In der Detonation, die ein halbes Stockwerk des noblen Golden Hotels zerstört, kommt die ehemalige saypurische Premierministerin Shara Komayd ums Leben. Sechs Tage später erreicht die Nachricht ihrer Ermordung ein Holzfällerlager nahe Bulikov. 13 lange Jahre versteckte sich Sigrud je Harkvaldsson in der Anonymität wechselnder Gelegenheitsjobs. Damit ist jetzt Schluss. Sein Herz schlägt im Takt eines einzigen Wortes: Rache. Ohne zu zögern nutzt er die tödliche Effizienz seiner außergewöhnlichen Talente, um die Mörder seiner Freundin ausfindig zu machen. Leichen pflastern seinen Weg. Je tiefer Sigrud gräbt, desto klarer wird, dass der Anschlag Teil eines größeren Schemas war. Shara war in schockierend schmutzige Geheimnisse verstrickt, verschleiert hinter der wohltätigen Fassade eines Programms für kontinentale Waisenkinder, die systematisch zu verschwinden scheinen. Was ist dran an den Gerüchten einer neuen Gottheit, die aus den Schatten heraus agiert? Welche Rolle spielt Sharas Adoptivtochter Tatyana? Rache ist Sigruds Spezialität. Doch dieser Kampf könnte selbst den hartgesottenen Dreyling an seine Grenzen bringen. Ihn – und die gesamte Welt.

 

Oh. Mein. Gott. „City of Miracles“ ist GROSSARTIG. Es ist eines dieser Bücher, für die bisher keine adäquaten Superlative erfunden wurden, um es zu beschreiben. Es landet ohne Umwege in meiner persönlichen Top 5 der besten Trilogieabschlüsse aller Zeiten. Für diesen Roman verdient Robert Jackson Bennett so viel mehr als fünf Sterne; er verdient das ganze verdammte Firmament. Mich durchläuft jetzt noch ein Schauer, denke ich an die Lektüre zurück. Seit dem Auslesen habe ich sogar eine Illustration von Sigrud der Künstlerin Chanh Quach als Hintergrund auf meinem Smartphone, so begeistert bin ich von „City of Miracles“ und so schwer fällt mir das Abschiednehmen.
Warum ist dieses Finale dermaßen atemberaubend? Es war eine Herausforderung, herauszufinden, welche Elemente „City of Miracles“ aus der Masse herausheben und ich bin nicht sicher, ob ich die Antwort gefunden habe, weil eben schlicht alles fantastisch ist. Natürlich weist es die gleiche inhaltliche, logische Konsistenz auf, die ich bereits aus den Vorgängern kenne – es baut direkt und konsequent auf den vergangenen Ereignissen auf. Selbstverständlich sind die Figuren hyperlebendig und einnehmend, obwohl ich ein winziges Bisschen enttäuscht war, dass Mulagheshs Rolle gering ausfällt. Zweifellos ist das Worldbuilding detailreich und überzeugend, da sich Bennetts Universums stets im Wandel befindet und ich angesichts des technischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritts in Saypur und auf dem Kontinent aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Doch muss ich den Finger darauflegen, was es ist, das „City of Miracles“ vom durchschnittlichen High Fantasy – Roman unterscheidet, entscheide ich mich für die transformative Reise, die Sigrud erlebt. Robert Jackson Bennett liebt seinen furchteinflößenden, traumatisierten Protagonisten genug, um ihm Möglichkeiten zu schenken, sich selbst aus dem Teufelskreis seiner Seelenqual zu befreien. Er macht es ihm nicht leicht, oh nein. Sigrud leidet, er geht im Namen der Erkenntnis durchs Feuer. Aber Sigrud hätte einen einfachen Ausweg keinesfalls akzeptiert. Er hätte einer Lösung auf dem Silbertablett misstraut. Er musste hart aufschlagen, um sich endlich zu ändern. Es zeugt von ausnehmendem schriftstellerischen Geschick, dass Bennett in der Lage war, mir dieses spezielle Verhältnis zu vermitteln. Ich wusste genau, was er Sigrud anbietet: blutige, schmerzhafte Erlösung. Er offeriert ihm eine Rettung, die dieser auch annehmen kann, weil sie seiner Persönlichkeit entspricht. Er prüft ihn, schickt ihn in rasante Actionszenen, während derer ich vor lauter Nervenkitzel buchstäblich die Luft anhielt. Er konfrontiert ihn in stillen, leisen Momenten mit Verlust, Trauer und Schuld. Diese scheinbare Gegensätzlichkeit macht Sigrud aus und sie charakterisiert ebenfalls Saypur und den Kontinent, weshalb er meiner Meinung nach exakt der ambivalente Held ist, den dieses Universum braucht. Sigruds Reise zur Katharsis wühlte mich sehr auf. Ich konnte und wollte mich seiner inneren Zerrissenheit zwischen grimmiger Fatalität und zerbrechlicher Hoffnung nicht verschließen. Als der Showdown nahte, war ich daher emotional bereits völlig wund. Die letzten 20 Seiten waren für mich verheerend. Umwerfend. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Es war… perfekt. Robert Jackson Bennett ist ein Poet. Ich wünschte, jedes Ende könnte so sein.

 

Denkt an irgendein positives Attribut, das ein Buch besitzen kann. Irgendeins. Ich versichere euch, in der Trilogie „The Divine Cities“ findet ihr es. Diese Geschichte hat sich nicht nur in mein Herz geschlichen, sie hat sich einen Platz in meinen All-Time-Favorites erkämpft. „City of Stairs“, „City of Blades“ und „City of Miracles“ sind brillant und ehrfurchtgebietend originell. Es gibt viele Fantasy-Autor_innen, die krampfhaft versuchen, anders zu schreiben, anders zu sein. Robert Jackson Bennett gelingt dieses Kunststück mühelos. Herzlichen Glückwunsch, Mr. Bennett. Sie haben sich selbst ein Fangirl erschaffen. Und glauben Sie bloß nicht, Sie würden mich so schnell wieder los.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/09/13/robert-jackson-bennett-city-of-miracles
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review 2017-07-26 13:17
Das grandiose, runde Finale eines politischen Idealisten

„Hass“ ist der letzte Band der „Opcop“-Reihe von Arne Dahl. Das ist zwar schade, allerdings finde ich es erfrischend, dass eine Reihe mal keine zweistellige Anzahl von Bänden erreicht. Außerdem ist Dahls neustes Projekt bereits verfügbar: „Sieben Minus Eins“ ist sein erster klassischer Ermittler-Thriller und der Auftakt der Reihe „Berger & Blom“. Ich bin ein bisschen skeptisch, weil dieser angeblich komplett ohne politische Einflüsse auskommt, werde dieses Experiment aber vermutlich trotzdem wagen, denn ich bin neugierig und möchte mich nicht von Dahl verabschieden. Schlimm genug, dass ich nun der Opcop-Gruppe Lebewohl sagen musste.

 

Am Grab von Donatella Bruno leisten Paul Hjelm und die Opcop-Gruppe einen Schwur: sie schwören, Donatellas Mörder zur Rechenschaft zu ziehen und Fabio Tebaldi und Lavinia Potorac zu retten. Zurück in Den Haag stürzen sie sich in die Arbeit und sichten das Material, das Donatella über die ‘Ndrangheta zusammentrug. Unglücklicherweise finden sich in den Unterlagen keinerlei konkrete Hinweise, weder zu Donatellas Verdacht, dass nicht die Mafia Tebaldi und Potorac entführte, noch zu ihrem mysteriösen Informanten. Die Ermittlung steckt in einer Sackgasse. Als Opcop zusätzlich mit einem neuen Fall betraut wird, entscheidet Paul Hjelm schweren Herzens, ihre Kräfte zu splitten. Ein schwedisches Biotech-Labor wurde Opfer eines Cyberangriffs. Die Spur der Industriespionage führt nach China – und zu einem alten Bekannten der Operativeinheit. Skrupellose, höchst unethische, gefährliche Experimente mit menschlicher DNA zwingen die Teams, sich auf der ganzen Welt zu verteilen und parallel zu arbeiten. Aber sie werden nicht aufgeben. Sie werden ihre verlorenen Mitglieder finden und rächen. Denn dieses Mal ist es persönlich.

 

Bisher haben alle Bände der „Opcop“-Reihe vier Sterne von mir erhalten. „Hass“ schafft es aus einem ganz bestimmten Grund auf eine Spitzenbewertung von fünf Sternen. Noch nie – und ich meine wirklich noch nie – hat mich ein Thriller zu Tränen gerührt. Ich hätte am Ende tatsächlich fast geheult, weil ich so ergriffen war. Falls einige von euch glauben, politische Thriller wären grundsätzlich kühl, trocken und emotional distanziert, sollte euch diese Erfahrung das Gegenteil beweisen. Ich habe alle Mitglieder von Opcop ausnahmslos ins Herz geschlossen. In den Rezensionen zu den vorangegangenen Bänden „Gier“, „Zorn“ und „Neid“ habe ich vielleicht nicht ausreichend betont, wie stark meine Bindung an die Charaktere ist, weil ich mich von meiner Schwärmerei über Arne Dahls herausragendes politisch-wirtschaftliches Verständnis ablenken ließ. Das muss ich offenbar nachholen. Arne Dahl ist nicht nur der Meister der Recherche und des politischen Thrillers allgemein, er versteht es unnachahmlich, seine komplizierten, anspruchsvollen Kriminalfälle mittels sympathischer, lebendiger Figuren und geschickter, ungezwungener Perspektivwechsel zu transportieren. Auf diese Weise gelingt es ihm, die internationalen Ermittlungen in „Hass“ als stimmiges, klares Gesamtbild darzustellen, das ich ohne Schwierigkeiten nachvollziehen konnte, obwohl der Fall – wenn überhaupt möglich – noch verzwickter und komplexer ist als die Fälle der Vorgänger. Dahl greift Handlungsfäden auf, die ich für längst abgeschlossen hielt und überraschte mich mit umfangreichen Informationen über die Geschichte, Funktionsweise und Hierarchie der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta. Er wagt sich über die Grenzen Europas hinaus und schickt die Opcop-Teams nach Amerika und China, versäumt es jedoch nicht, die Schönheit der europäischen Länder deutlich herauszuarbeiten. „Hass“ inspiriert Fernweh, eine Sehnsucht, den landschaftlichen Liebreiz Europas zu erkunden. Ich hatte den Eindruck, dass Dahl diese Ebene seines Romans sehr wichtig war, als wollte er betonen, dass Europa wundervoll ist, obwohl kriminelle Organisationen es als Spielwiese für ihre Zwecke missbrauchen. Außerdem denke ich, dass er im Finale der „Opcop“-Reihe unmissverständlich klarstellt, dass er an die Idee eines geeinten Europa glaubt. Zwischen den Zeilen positioniert er sich pro-Europa und zeigt sich als politischer Idealist, der das (ungenutzte) Potential der Europäischen Union erfasst. Ich fühle mich ihm diesbezüglich sehr verbunden, weil es mir ganz genauso ergeht. Die EU könnte so viel erreichen, wäre sie nicht von Egoismus, Neid und Gier geprägt. Zusätzlich hat sie ein ernsthaftes Image-Problem. Ich bin fest überzeugt, bereits jetzt leisten einige Politiker_innen dort hervorragende, beachtliche Arbeit, doch in die Nachrichten schaffen es lediglich Meldungen über Gurken und Glühbirnen. Es ist unfassbar tragisch, dass dadurch viele Menschen annehmen, diese zugegebenermaßen überflüssig erscheinenden Richtlinien wären alles, was die EU leisten könnte und würde. Ich bin froh, dass Arne Dahl ein anderes Bild vermittelt, das der Realität vermutlich näherkommt als die Berichterstattung der Medien.

 

„Hass“ ist ein grandioses, rundes Finale. Es lässt keine Wünsche offen und wird der vierteiligen „Opcop“-Reihe mehr als gerecht. Arne Dahl schenkt seinen Figuren genau den Abschluss, den sie sich mit harter Arbeit und großen persönlichen Opfern verdienten. Ich bin traurig, mich von ihnen verabschieden zu müssen, sehe aber ein, dass der Reihe ein Ende zustand.
Ich weiß nicht, ob es im Geheimen tatsächlich eine internationale operative Einheit gibt, die Europol untersteht und Verbrechen aufklärt, die an Heimtücke, Boshaftigkeit und Habgier kaum zu übertreffen sind, ohne jemals die Anerkennung der Menschen zu erhalten, die sie schützen. Ich hoffe es sehr, denn der Gedanke an eine Gruppe moderner, sehr realer Held_innen lässt mich besser schlafen. Unsere Welt ist schlecht, doch wenn Menschen wie die Opcop-Mitglieder versuchen, sie jeden Tag ein bisschen besser zu machen, habe ich noch Hoffnung. Danke Arne Dahl, dass Sie mir Hoffnung gaben und meinen Glauben an Europa bestärkten.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/26/arne-dahl-hass
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review 2017-04-20 10:20
Tad Williams' sensationelle Rückkehr nach Osten Ard
Das Herz der verlorenen Dinge: Ein Roman aus Osten Ard - Tad Williams,Cornelia Holfelder-von der Tann

29 Jahre sind vergangen, seit Tad Williams den ersten Band seiner Trilogie (bzw. Tetralogie) „Das Geheimnis der Großen Schwerter“ erstveröffentlichte. Der Abschluss des Mehrteilers liegt 24 Jahre zurück. Ich denke, wir können über den Autor demzufolge getrost als Urgestein der High Fantasy sprechen. Wenn ein Urgestein nach so vielen Jahren in seine erste Welt zurückkehrt und eine Geschichte, die die Fans für längst abgeschlossen hielten, weiterführt, ist das eine Sensation. Ohne Wenn und Aber. Als ich hörte, dass es ab 2017 neue Abenteuer aus Osten Ard geben wird, war ich völlig aus dem Häuschen. „Das Herz der Verlorenen Dinge“ ist ein kleiner Vorgeschmack auf Williams‘ Trilogie „Der Letzte König von Osten Ard“ und schließt eine bedeutende Handlungslücke. Klett-Cotta war so freundlich, mir ein heißersehntes Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

 

Der Sturmkönig wurde besiegt. Das Gute triumphierte, das Böse wurde zurückgedrängt und Osten Ard ist wieder frei. Ebenso wie die Menschen erlitten die gefürchteten Nornen in dem verheerenden Kampf am Hochhorst schreckliche Verluste. Die wenigen Überlebenden versuchen, sich vor dem Zorn der Sterblichen in ihre Heimat zu retten, den tief im Norden thronenden Berg Sturmspitze, in dem ihre Königin Utuk’ku in einem gefährlichen komatösen Heilschlaf liegt. Ihr Rückzug zieht eine blutige Spur durch das Land. Plündernd und mordend verwüsten sie jedes Dorf, das ihren Weg kreuzt. Herzog Isgrimnur und seine Männer nehmen die Verfolgung auf und treiben die Weißfüchse mitleidlos vor sich her. Wie soll die Menschheit je wieder in Frieden leben, solange die finsteren Verwandten der Sithi unter der Erde ihr Unwesen treiben? Der Krieg mag beendet sein, doch die letzte Schlacht ist noch nicht geschlagen.

 

Auf die Gefahr hin, wie das größte Sensibelchen der Welt zu wirken: beinahe hätte ich schon beim Vorwort geheult. Ich war ehrlich ergriffen von den liebevollen Worten, die Tad Williams an seine Fans richtet. Er schreibt, ohne die beharrlichen Nachfragen seiner Leser_innen, ihre Liebe und Leidenschaft, hätte er niemals nach Osten Ard zurückgefunden. Ich finde, da ist ein bisschen Pipi in den Augen gerechtfertigt, außerdem versetzte mich diese Einleitung ohne Umschweife in die perfekte Stimmung für alles, was noch folgen würde. Es war fantastisch, nach Osten Ard zurückzukehren. Ich hatte beim Lesen deutlich das Gefühl, in die Vergangenheit zu blicken, als befände ich mich im Verhältnis zu der erzählten Zeit in der Zukunft. Dieser Eindruck ist sicher beabsichtigt und passt vorzüglich zu der neuen Trilogie „Der Letzte König von Osten Ard“, die in einer Ära angesiedelt ist, in der Simon und Miriamel bereits Großeltern sind. Zugegeben, ich war ein bisschen enttäuscht, dass das Königspaar in „Das Herz der Verlorenen Dinge“ nicht persönlich auftritt. Ich überwand diesen kleinen Dämpfer jedoch schnell, weil ich mich stattdessen über das Wiedersehen mit Herzog Isgrimnur freute. Ich mochte den alten Rimmersmann immer gern und war nur allzu bereit, ihn auf seinem Feldzug gegen die nebulösen Nornen zu begleiten. Es überraschte mich daher, dass Tad Williams seine ehemals gradlinige Einteilung in Gut und Böse in diesem Zwischenband aufweicht. Ich war darauf vorbereitet, dass seine Tolkien-artige Welt wenig Graustufen enthält und deutlich umrissen ist, wer als Antagonist herhalten muss. Nun bot er mir statt einer epischen, einseitigen Schlacht eine sehr ausgeglichene Schilderung des vorerst letzten Kampfes zwischen Menschen und Nornen, in dem er als Erzähler niemanden bevorzugt. Er streut Chronistenberichte der Nornen ein, die einige Handlungsabschnitte zusammenfassen und so kleine Zeitraffer erlauben. Wechselnde Perspektiven öffnen den Horizont der Geschichte, da Williams beide Völker als gleichberechtigte Beteiligte des Konflikts behandelt. Isgrimnur, der menschliche Soldat Porto (dessen Name und Persönlichkeit vielleicht absichtlich eine frappierende Ähnlichkeit mit Dumas’ Porthos aufweisen) und der Weißfuchs Viyeki – sie alle erhalten dieselbe Chance, ihre Sichtweise darzulegen. Beide Seiten erleben Heldenmut, Tragödien, Verluste, die vielen Gesichter des Krieges, die Williams gewohnt unverhohlen beschreibt. Ob in erster Reihe oder bei den Versorgungstruppen, eine Schlacht ist immer hässlich, selbst für die unnahbaren Nornen. Der unerwartet tiefe Einblick in ihre Kultur gefiel mir hervorragend. Was die Hikeda’ya am dringendsten benötigen, ist Veränderung. Ihre eigene schwerfällige, traditionsbewusste Starre droht sie zu ersticken. Die Frage ist, werden sie sich ändern? Werden sie neue Wege beschreiten, um zu überleben? Ich freue mich wie ein Kleinkind darauf, diesen Fragen in „Der Letzte König von Osten Ard“ nachzugehen, denn ich vertraue Tad Williams, dass seine Gedanken die gleiche Richtung einschlugen wie meine.

 

Ich habe nie daran gezweifelt, dass Tad Williams würdevoll in sein Universum zurückkehren würde. „Das Herz der Verlorenen Dinge“ las sich leichter und flüssiger als „Das Geheimnis der Großen Schwerter“, obwohl ich es weniger atmosphärisch fand und mir etwas die Detailverliebtheit der Originalbände fehlte. Ich kann erkennen, welche Türen dieses Zwischenspiel für die nachfolgende Trilogie öffnet und habe durch die Lektüre definitiv richtig Lust auf weitere Abenteuer in Osten Ard bekommen. Dieser kleine Appetithappen verspricht eine Vielzahl neuer, aufregender Geschichten, die all das weiterführen, was vor fast 30 Jahren begann. Ein Prequel, das gleichzeitig ein Sequel ist – was für eine phänomenale Idee. Ich bin so gespannt, was aus Simon geworden ist und kann es kaum erwarten, all meine alten Freunde wiederzusehen. Danke, Tad Williams. Danke, dass Sie ein Autor sind, der auf seine Fans hört. Danke, dass Sie uns dieses Geschenk machen.

 

Vielen Dank an den Verlag Klett-Cotta bzw. Hobbit Presse für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

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review 2016-09-04 12:25
Ein Abenteuer, dass die Welten vereint! Einfach klasse!
Animox. Das Heulen der Wölfe - Aimee Carter,Frauke Schneider,Maren Illinger

Inhalt:

 

Simon wünscht sich nichts sehnlicher als wie ein ganz normaler Junge aufzuwachsen und Freunde zu finden. Doch er ist Anders und dies schiebt in automatisch auf die Bank der Außenseiter - Simon kann mit Tieren reden – und genau dies lässt ihn für die Mitmenschen als Verrückt erscheinen.

 

Doch als seine Mutter ausgerechnet von einer Herde Ratten entführt wird und sein Onkel sich vor seinen Augen in einen Wolf verwandet, bekommt er es nicht mit der Angst zu tun, sondern merkt, dass es eine Bewandtnis hat, dass er so Anders ist wie alle behaupten! Simons Familie zählt seit Jahrhunderten zu den „Animox“-Menschen, welche sich in mächtige Tiere verwandeln und führ Gerechtigkeit und Frieden unter ihres Gleichen sorgen. Ohne jegliche Vorwarnung befindet er sich nach nur einem Wimpernschlag mitten in einem verbitterten Krieg und dies ausgerechnet zwischen den fünf Königreichen der Animox. Auslöser dafür – Das Erbe des „Best King“, der Verdacht der fünf Königreich – Simon als Erbe!

 

Wie kann Simon bloß aus diesem Missverständnis herauskommen oder steckt vielleicht doch ein Funke Wahrheit dahinter?

 

Meine Meinung:

 

Wer kann bei diesem Cover und dem Klapptext NEIN sagen? Ich für meinen Teil nicht! Angelockt von diesem sehr außergewöhnlich erscheinenden Reihenauftakt, musste unbedingt mehr über Simon und die Geschichte seiner Familie erfahren!

 

Zu Beginn wird man mit dem sympathischen Protagonisten bekannt gemacht und man merkt sehr schnell – Simon ist anders! Aber wieso und weshalb ist es so. Eine stetige Frage, die einen trotz Aufklärung in den verschiedenen Kapiteln beschäftigt, weil der wahre Grund bis zum Ende des Buches doch ein sehr großes und gut gehütetes Geheimnis darstellt.  Aber nicht dieses Geheimnis allein machte dieses Buch für mich so lesenswert, denn die Welt, die die Autorin rund um den 12-Jährigen Jungen aufbaut ist absolut faszinierend. Es kommt dem Leser so vor als betrete er eine komplett neue Welt, die getarnt unter uns verweilt, dabei finden sich die Schauorte direkt unter uns. Sei es ein Zoo, der Park oder die verlassenen Gassen, überall befinden sich Animox-Menschen, deren außergewöhnliche Abstammung man nicht erahnen kann, denn wirken sie im ersten Moment wie eine ganz normale Person.

 

Anfänglich war ich etwas misstrauisch, wie die Autorin diese Welt in die Welt der Menschen integrieren will, doch umso tiefer ich in die Geschehnisse eindrang, umso überzeugter war ich von dem Schreibtalent der Autorin. Mit viel Liebe zum Detail, einer Idee, die voller Fantasy nur zu strotzen scheint und jeder Menge ausgeklügelter und gut beschriebener Charaktere, fesselte sie mich bis zur letzten Seite und ich fühlte mich mehr als nur gut unterhalten.

 

Waren ein Paar Schwächen im Laufe der Handlung zwar vorhanden, so schaffte es Aimee Carter mich total von ihrem Werk und der bevorstehenden Reihe zu begeistern, und so kann ich es kaum erwarten, dass der zweite Teil erscheint und hoffentlich noch mehr Licht ins Dunkeln bringen wird, denn ein paar offene Fragen sind noch vorhanden, die unbedingt geklärt werden wollen.

 

Der Schreibstil ist leichtfüßig, sprüht vor Energie und ist angenehm flüssig zu lesen. Der malerische Fluss ermöglicht es zudem in die Welt der Animox einzukehren und sich dort zu bewegen.

 

Fazit:

 

Trotz seiner kleineren Schwächen konnte mich dieser Reihenauftakt von sich überzeugen. Er ermöglichte mir einen kleinen Einblick in die Welt der Animox und schürte so meine Neugier darauf, mehr erfahren zu wollen, wie es mit Simon und Co im zweiten Band weitergehen wird!

 

Source: www.oetinger.de/nc/schnellsuche/titelsuche/details/titel/1246237/19988/33373/Autor/Aimee/Carter/Animox._Das_Heulen_der_W%F6lfe.html
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review 2015-08-18 11:26
Ein Kapitän und sein Roboter
Helden heulen nicht: Roman - Simon Haynes,Winfried Czech
„Soll das heißen,
dass ich die letzten vier Stunden damit zugebracht habe,
die Volante durch einen Bildschirmschoner zu fliegen?“
 
Schon die ersten beiden Kapitel halten, was ich mir davon versprochen hab:
Das Buch unterhält mich gut, wie es vom Cover schon abzusehen war. Übrigens dieselbe Illustratorin (Katarzyna Oleska), welche auch für ein paar Cover von den neuen Terry Pratchett Ausgaben verantwortlich ist.
Hal Spacejock, Frachtercaptain, der nicht der Raumfahrergilde angehört, weil die versnobt sind, liest das Steuerungshandbuch der ‚Volante’, trinkt Kaffee, verschüttet Kaffee, streitet sich mit seinem Navcom über Schach und treibt seinen Roboter Klunk (Wert: 500 Krediten) in den Wahnsinn. Bis eine Bank sich bei ihm meldet und einen Auftrag für ihn hat. 36 Paletten Aktenpapiere in die Außenbezirke des Universums befördern, denn der Prokurist hat seinen Werbegutschein auf einem Getränkebecher eines Gefängnisses gesehen.
Nicht nur mit Hals Flugkünsten und Werbetechnik ist es weit her, er hat keine Ahnung von technischen Begriffen: „Haben Sie irgendetwas davon angerührt?“ - „Nur den großen roten Knopf mit der Aufschrift: >Selbstzerstöungssequenz initiieren<.“ (S.29)
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, hier haben wir es mit einem wilden Mix aus: ‚Futurama‘, ‚Firefly‘ und ‚Ijon Tichy‘ zu tun.

Aber wie ich in meinem Video-SuB schon anklingen ließ, ich hab da ein kleines, nicht näher ergründbares, Problem mit Serien die ich mittig irgendwo anfange. Was soll ich sagen, ich bin schon wieder in diese Falle getappt. Aber wenn ich ehrlich bin, dieses Buch brauchte keinen Vorgänger („Ein Roboter namens Klunk“). Für sich allein genommen, war die Geschichte perfekt abgerundet. Zur Abwechslung hat es nicht einmal einen Tag gedauert um die 400Seiten zu verschnabulieren. Ein locker, leichter Schreibstil, gepaart mit wenig erklärungsbedürftigen Worten, trotz Science Fiction Thematik. Wer ein bisschen Vorstellungskraft hat, kann einfach zügig weiterlesen. Den Rest erledigen die Figuren und Dialoge, weniger die Szenerien und Dramatik. 



 „ Genau die Art Mann die sie mochte:
attraktiv, gut gebaut und dämlich.“

Es klaffen gerade gegen Mitte/ Ende des Werkes ein paar Logiklücken, die aber am Ende wieder richtig herum gedreht werden. Und jede Person in dieser Geschichte hat seine Aufgabe und wird nicht vergessen. Angedeutete Details des Abenteuers haben immer auch eine Bedeutung im Verlauf der Geschichte und es bleibt nichts liegen, alles ist in sich geschlossen. Ein Schmöker ist dieses Buch. Wer also nur mal etwas für die Kurzweil zur Entspannung sucht, ist hier genau richtig. Denn es geht um nichts Großes, keine tiefen Verschwörungen, imperiale Kriege, Aliens oder moralische Konflikte. Es dreht sich alles um das Überleben im kleinen Stil, wenn auch mit Raumsprüngen. Die Crew der Volante (spanisch für: Steuerrad, Flugblatt, Unruhe) besteht nur aus ihrem Kapitän Spacejock und dem Roboter Klunk. Das reicht aber durchaus, glaubt mir. Die beiden sind die besten Freunde, auch wenn sie sich gegenseitig ganz gern mal verkaufen oder auf die Schippe nehmen.

Problematisch werden solche Freundschaften ja eh erst dann, wenn auf einmal eine Frau dazu stößt. Hier ist es Sonya. Sonya ist Outsiderin und ihre Aufenthaltsgenehmigung innerhalb der Unionswelten abgelaufen, es sei denn, sie findet eine unbefristete Anstellung. Demnach wendet sie sich an Rex Curtis Freightlines, DEM führenden Speditionsunternehmer. Dumm nur, dass der ehemalige Raumfrachterkapitän vor dem Bankrott seiner Firma steht. Woran Hal nicht ganz unschuldig ist (ihr erinnert euch an den eingangs erwähnten Pappbecher mit der Werbung?). Rex hat seinen letzten großen spendablen Finanzier verloren an Hal und sinnt auf Rache. Und nutzt dazu Sonyas Wunsch nach einem Leben in Luxus abseits der Outsiderwelten schamlos aus und hetzt sie Hal auf den Hals. Getarnt als Historikerin besticht sie Hal und reist als Passagier an Bord seines Schiffes mit. Ihr zur Seite steht der Aktenkoffer mit Smiley: Bobby (den Namen hat er sich übrigens selbst gegeben.) 



 „ Komm schon, schieben wir das Ding raus.
Für einen Lacher ist er gut (...).“
Das zu den Beweggründen der einzelnen Figuren. Entgegen Klunks Rat, das tut er übrigens immer… von etwas abraten und Hal hört nie auf ihn, was dazu führt, dass Klunk immer brav hinter ihm die Scherben aufsammeln muss, denn Hal ist einfach, wie formulierte es Sonya noch gleich?Ach, ja: „süß“. Er hat keine Ahnung von Technik, Computern, Raumschiffen, Physik - kein Wunder also, dass er in die Gilde der Piloten nicht aufgenommen wird. Und bei dem Versuch einen leeren Gabelstabler aus seinem Hangar zu entfernen nach getaner Arbeit rutscht der Punktgenau in das Kabäuschen des Hafenamts und reißt es ein wie ein Kartenhaus. Sonya die ihn bis dato noch nicht kannte, glaubt unter diesem Unfall einen unglaublich geschickten Weltraumpiraten zu erkennen und bewundert ihn schon heimlich. Wie groß ist ihre Überraschung jedoch, als sie fest stellen muss, dass Hal der reinste Nichtsnutz, Dämlack und Totalversager ist.

Dies sind zumindest die beiden Seite die sie an ihm kennen lernt, der Leser, also ich, weiß jedoch, dass er bei all seiner Transusigkeit und Trampeltierigkeit ein Herz aus Gold besitzt. Er macht sich keine Gedanken um Ehre oder hehre Ziele. Aber wehe dem, jemand will seinem Roboter ans Metall. Ich war sehr überrascht von dem Mut welcher in diesem Mann zum Vorschein kam, als er seinen schon in wiederverwertbare Teile zerlegten Copiloten durch die Schrotthandlungen eines Planeten folgt und alles mühsam wieder zusammen sammelt. Es ist wie immer mit solchen Charaktere: „Tu’ meinem Freund weh und ich tu’ dir weh! Ich bin der einzige der meinem Roboter Stromschläge versetzen darf!“ Und das lässt Klunk auch immer wieder mit sich machen. Er ist darauf programmiert Befehlen zu folgen und alles mit sich machen zu lassen. Er ist ‚antik‘- Ersatzteile für ihn gibt es kaum noch, aber er reagiert definitiv menschlich. Er verspürt so etwas wie Treue und Loyalität: „Das ist Spacejocks Pilotensessel!“ Ich würde sogar sagen: Dieser Roboter liebt seinen Menschen innig. Darauf programmiert oder nicht, es ist eine herrlich amüsante Freundschaft durch alle Unbilden. 


Fazit:
Grad nen Tag nichts zu tun? Keine Lust auf schwere Kost? Lust auf Lachen und ein paar irrwitzige Flugmanöver und Hackangriffe auf Computer? Dann ist man hier richtig. Es braucht weder ein Happy End, einen Cliffhanger noch einen Sternenkrieg. Reicht doch wenn man auf 400 Seiten knapp 1-2 Tage im Leben eines Hal anschauen kann, der nur Unfug anstellt, aber im richtigen Moment zur Stelle ist. Es gibt übrigens keine Szene die direkte Vorlage für das Cover war. Aber es spiegelt das Verhältnis von Hal und Klunk auf schönste Weise wieder. Wenn das nächste Mal einer mit einem Pad vor Hal steht, weil er mal wieder nicht liquide ist und die Tankstelle ihm mit entsprechenden Maßnahmen droht und sich sofort seine Bank meldet wegen überzogenem Konto und die Versicherung, weil sie für Dummheit nicht haften - und die kleine DNA Nadel seine Unterschrift ersetzt und ihn in den Finger sticht… ja DANN kann man sich sicher sein, dass Klunk mit dem Erste-Hilfe-Koffer schon in der Luftschleuse zur Passagierrampe wartet und ihn großzügig verarztet, während das Navcom sich in den unendlichen Weiten seiner Datenströme kringelt vor Lachen und damit die Kaffeemaschine einmal mehr lahm legt.

Abgesehen davon aber, gibt es immerhin auch den Verdachtsmoment, wie die Serie weiter verlaufen könnte, denn zufällig sind Hal und Klunk ja auf dem Planeten einer längst vergessenen Zivilisation mit Materietransmittern auf die Spur gekommen. Na ja gut im Kampf mit Rex und seinem super böse ‚Feinde eliminieren‘-Roboter: Tinker ist dieser Bunker, den sie da gefunden haben, verschütt gegangen, aber was soll’s. Wenn sich Hal durch eines auszeichnet, dann dadurch total unberechenbar zu sein. Wobei… nein: er wird dorthin zurückkehren! Ziemlich berechenbar.


Urteil: Warum hat noch niemand Unterwäsche erfunden die nach Außen vernäht ist? Charmantes Buch!
Source: lesekatzen.blogspot.de/2015/07/rezension-helden-heulen-nicht-simon.html
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