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review 2017-06-01 10:14
Der lausigste Luzifer aller Zeiten
Devil Said Bang - Richard Kadrey

Satan. Herrscher der Hölle. Gottes ewiger Widersacher. Eine Position voller Macht und Prestige. James Stark alias Sandman Slim will den Job trotzdem nicht. Was nützt all die Macht, wenn ihm der Tag regelmäßig durch Budgetbesprechungen, sinnentleerte Rituale und lächerliche Attentatsversuche versaut wird? Nein, Stark will raus. Schließlich hat er sich nie um die Stelle beworben; der originale Luzifer trickste ihn aus und genießt jetzt Ferien im Himmel. Toll. Einfach Fabelhaft. Seit er Gebieter der Verdammten wurde, sucht Stark unermüdlich nach einem Weg, die Hölle zu verlassen und nach L.A. zurückzukehren. Ganz so simpel ist das nur leider nicht. Die Verdammten hassen ihn und wenn es nach ihm ginge, könnten sie ihm alle getrost den Buckel runterrutschen, aber die Hölle braucht einen Anführer; jemanden, der den Papa spielt und Händchen hält. Also, was macht man mit einem miesen Blatt? Richtig. Bluffen, was das Zeug hält und die erste günstige Gelegenheit beim Schopfe packen. Dummerweise wird Starks glorreiche Heimkehr nach L.A. von einem serienmordenden Geist überschattet, der offenbar im Auftrag einer Fraktion der Sub Rosas handelt, die die Realität umschreiben will. Diese Idioten schaffen es doch tatsächlich, ein Loch ins Universum zu reißen. Da sehnt man sich fast nach der bizarren Idylle der Hölle, nicht wahr?

 

Stark als Herrscher der Hölle. Ich muss immer noch in mich hineinkichern, wenn ich daran denke. Mein Kumpel Stark als Satan. Tut mir leid, aber das ist zum Brüllen komisch. Ironie des Schicksals. Es war doch wohl von Vornherein klar, dass das schiefgehen muss. Natürlich ist Stark ein lausiger Luzifer. In den vorangegangenen Bänden machte Richard Kadrey unmissverständlich klar, dass sein Protagonist nicht das Zeug zum Anführer hat und seine Eskapaden in „Devil Said Bang“ bestätigen diesen Eindruck zweifelsfrei. Stark hasst die Hölle, weil sie das Schlechteste in ihm zum Vorschein bringt. Er weiß genau, sucht er nicht so schnell wie möglich das Weite, wird die Verlockung, sein inneres Monster das Ruder übernehmen zu lassen, eines Tages zu groß sein. Er muss gehen, weil er sonst nie mehr geht. Mal davon abgesehen, dass mich Kadreys Darstellung der Hölle als bürokratischer Albtraum samt Meetings, Komitees und kleinlicher Politik köstlich amüsierte und ich die Idee, ihre Bewohner_innen als selbstmordgefährdet zu charakterisieren, fantastisch und erstaunlich naheliegend finde, bewundere ich vor allem seine einfühlsame Beschreibung von Starks Gefühlen, die Ambiguität seiner Empfindungen. Er ist sich vollkommen im Klaren darüber, zu was er fähig, wie tiefschwarz ein Teil seiner Seele ist. Er kämpft dagegen an, obwohl die Versuchung ach so süß ist und ihm eben diese Facette seiner Persönlichkeit wer weiß wie oft den Hintern rettete. Er gibt sich keinen Illusionen hin und ist trotzdem bestrebt, ein besserer Mensch (na ja, Nephilim) zu sein. Er will kein Monstrum sein. Seine Fähigkeit und Bereitschaft, sich permanent selbst zu hinterfragen und Kritik anzunehmen, beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue. Daher macht es mir auch nicht allzu viel aus, dass sich dieser vierte Band wie ein Zwischenspiel anfühlte. Ich denke, dass „Devil Said Bang“ innerhalb der übergeordneten Handlung wichtig, für sich selbst aber eher belanglos ist. Das Buch ist keines von Kadreys besten Werken; ich stolperte durch eine Geschichte, die mir von arg vielen Zufällen geprägt und daher nicht überzeugend durchdacht erschien. Die Auflösung wirkte hastig und einige Szenen wurden ausschließlich durch Starks unvergleichlichen Humor und seine herrlich schlagfertigen Sprüche gerettet. Kadrey verdankt es seinem Protagonisten, dass ich nachsichtig bin und 3 Sterne vergebe. Ich fühle mich mit Stark einfach viel zu wohl, um die Bände der „Sandman Slim“ – Reihe nicht zu genießen, unabhängig davon, wie ungelenk die Handlung daherkommt. Nur eines kann ich meinem Kumpel nicht verzeihen: seine Beziehung zu dieser fürchterlichen Schnepfe Candy. Ich kann sie nicht ausstehen. Sie ist wie eine 14-Jährige mit einem Waffentick und einer Schwäche für große böse Jungs. Sie bringt Stark in Gefahr, weil für sie alles nur ein Spiel ist. Ich wünschte, er würde sie endlich abschießen, denn sie ist definitiv nicht die Richtige für ihn. Ich warte nur darauf, dass er erkennt, wie ungesund ihr seltsames Techtelmechtel für ihn ist und dass er jemanden braucht, der all die Konflikte in seinem Inneren versteht und beruhigt, statt sie anzufachen und zu verschärfen. Candy ignoriert den Krieg in seiner Seele bewusst. Ich hoffe, dass er bald eine Frau findet, die ihm Frieden schenkt. Bitte Stark, schick die blöde Gans in die Wüste!

 

„Devil Said Bang“ ist meiner Meinung nach bisher der schwächste Band der „Sandman Slim“ – Reihe. Ich hätte das Buch vermutlich noch weit kritischer bewertet, empfände ich nicht eine fast schon lächerlich intensive Nähe und Bindung zum Protagonisten Stark. Er ist mein Kumpel. Ich bin sein größter Fan. Trotzdem erwarte ich von Richard Kadrey, dass die Handlung des nächsten Bandes „Kill City Blues“ besser ist. Überzeugender. Ausgereifter. Nach der Erfahrung mit „Devil Said Bang“ bin ich ehrlich besorgt, dass die Reihe fortschreitend an Qualität einbüßt. Das möchte ich wirklich nicht erleben, denn es wäre tragisch, bedauerlich und ein Verbrechen des Autors an seinem Zugpferd. Stark ist eine herausragende Figur, die einen ebenso außerordentlichen und außergewöhnlichen Rahmen verdient, um sich nach Belieben auszutoben. Ich weiß, ein einziger mittelmäßiger Band bedeutet noch lange nicht, dass es mit der Reihe bergab geht und ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, aber ich habe so etwas schon viel zu oft durchgemacht, um die ersten Anzeichen zu ignorieren. Ich flehe Sie an Mr. Kadrey: lassen Sie Stark und mich nicht hängen.

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review 2015-12-12 11:15
Mit Hoodoo und Bullshit wird's schon gehen!
Aloha from Hell - Richard Kadrey

Richard Kadrey ist mein Lieblings-Urban-Fantasy-Autor. Er ist einfach der Beste, wenn es darum geht, harte, witzige, makabre Geschichten zu schreiben, die Magie und Übernatürliches in unsere Welt katapultieren. Bei ihm gibt es keine glitzernden Vampire, keine schmusigen Werwölfe und erst recht keine jungen Frauen, die sich in all ihrem Herzschmerz mit Wonne suhlen. Seine Welt ist die Welt von James Stark aka Sandman Slim, mäßig begabter Hexer, Nephilim und Ex-Höllengladiator. Er ist nicht nett, er hat ein Alkoholproblem und sein Motto lautet „Mit Hoodoo und Bullshit wird’s schon gehen“. Kurz gesagt: ich liebe ihn! „Aloha from Hell“ ist der dritte Band der Reihe und ich freute mich riesig auf ein Wiedersehen mit Stark, seinen Gefährten und seinen Feinden!

 

Wieder einmal regiert die Langeweile in Starks Leben. Das Golden Vigil ist zerschlagen und Luzifer kehrte in den Himmel zurück. Seit er Los Angeles abermals rettete, war Stark brav und arrangierte sich mit dem Engel in seinem Kopf. Aber Stark wäre nicht Stark, hätte er nicht noch ein paar offene Rechnungen, die beglichen werden wollen. Da sich Luzifer kurzerhand aus dem Staub machte, versinkt die Hölle dank Mason im Chaos. Das könnte Stark natürlich egal sein, hätte Mason sich nicht mit Aelita verbündet, die weiterhin der fixen Idee nachjagt, Gott zu töten. Gemeinsam planen sie, Himmel und Hölle zu zerstören und dabei auch gleich noch Stark zu beseitigen. Sie spielen seine größte Schwachstelle gegen ihn aus und entführen Alice aus dem Himmel. Stark hat keine Wahl. Er muss ein weiteres Mal in die Hölle hinabsteigen. Sandman Slim kehrt heim.

 

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein Buch aufschlagt, ein paar Sätze lest und es ist wie nach Hause kommen? So empfinde ich die Bände der „Sandman Slim“ – Reihe. Ich habe stets das Gefühl, Stark so gut zu kennen, als wäre er mein Freund, mit dem ich mich regelmäßig auf ein Bier treffe. Er erzählt mir von seinen Abenteuern und obwohl ich mir recht gut vorstellen kann, worauf seine Geschichten hinauslaufen, überrascht er mich doch jedes Mal mit den Details. Er ist ein Bastard, aber ein Bastard, den man einfach lieben muss. Manchmal vergesse ich, dass er nicht real ist, denn er ist so realistisch und greifbar gezeichnet, dass ich mich ihm ungeheuer nah fühle. Für mich ist es genau das, was die Reihe auszeichnet. In der Urban Fantasy bekommt man es oft mit Charakteren zu tun, deren Eindimensionalität durch eine actiongeladene Handlung vertuscht werden soll. Richard Kadrey hingegen vereint Action, fiesen Galgenhumor und einen psychologisch vielschichtigen Protagonisten zu einem stimmigen Gesamtbild. Stark ist unter seiner harten Schale noch immer verloren und ziellos. Daher habe ich mich über seine Rückkehr in die Hölle überhaupt nicht gewundert. Offiziell steigt er natürlich nur hinab, um Alice zu retten, aber inoffiziell war es lediglich eine Frage der Zeit, wann er das Leben auf der Erde nicht mehr ertragen würde. Stark findet keinen Lebenssinn. Die Arena und die Spielregeln der Hölle waren mehr als 10 Jahre seine Welt und so sehr er es auch zu leugnen versucht, diese Welt ist ihm vertrauter als unsere. Er ist noch immer nicht über Alice hinweg und kann nicht loslassen. Mir war gar nicht klar, wie unheimlich präsent sie all die Zeit über in seinen Gedanken war; das wurde mir erst bewusst, als er ihr in der Hölle begegnet. Sie hat nichts von all dem mitbekommen, was Stark jahrelang erlebt hat und erdulden musste – und doch war es für mich so, als wäre sie da gewesen, weil sie eben nie aus seinem (Unter-)Bewusstsein verschwunden ist. Dass Kadrey ihre emotionale Verbindung auf eine Weise herausarbeitete, die sogar mich vergessen ließ, dass Alice seit vielen Jahren tot ist, spricht von einem Talent, das wirklich beeindruckend ist.
Trotzdem sehe ich „Aloha from Hell“ nicht völlig unkritisch. Ich fand, dass Kadrey die Szenen in der Hölle zu schnell abhandelte. Im Vergleich zum Vorgeplänkel war mir dieser Part zu kurz und etwas zu unübersichtlich. Ich weiß zwar, dass Kadrey großen Spaß daran hat, seine Leser_innen vor vollendete Tatsachen zu stellen, sie zu schockieren und ihnen Haarsträubendes um die Ohren zu schlagen, ohne eine Erklärung abzugeben, aber da die Hölle für Stark ein Ort ist, mit dem er viele widerstreitende Gefühle verbindet, hätte ich mir mehr Tiefe in der Handlung gewünscht. Außerdem verschenkte Kadrey meiner Meinung nach einiges an Potential, indem er ein Zusammentreffen mit einer faszinierenden Persönlichkeit aus der Geschichte oberflächlich und beiläufig gestaltete.
Letztendlich hatte ich aber doch wieder eine Menge Spaß mit Stark. „Aloha from Hell“ ist vielleicht nicht perfekt, mein Lesevergnügen war jedoch enorm. Und darauf kommt es schließlich an.

 

Ich hoffe wirklich, dass Richard Kadrey nie aufhört, „Sandman Slim“ – Romane zu schreiben. In Kombination bieten Stark und seine übernatürliche Welt eine schier endlose Fläche zur Entwicklung, eine bunte Spielwiese, auf der jede noch so obszöne Idee ein Plätzchen finden kann. Ich hoffe, Kadrey schreibt sie alle auf. Ich möchte mich niemals von Stark verabschieden müssen. Irgendwann wird sich das vermutlich nicht vermeiden lassen, doch noch ist es nicht so weit.
Das Großartige an dieser Reihe ist, dass sie so unberechenbar ist, obwohl man vor dem Lesen genau weiß, worauf man sich einlässt. Stark ist ein Wirbelwind aus chaotischer Energie, der am Beginn einer Geschichte selbst nie weiß, wo er landen wird.
Kadreys Reihe ist eine Bereicherung für die Urban Fantasy – es ist eine Schande, dass sie so unbekannt ist. Darum kann ich euch nur einen Rat geben: geht los, kauft einen „Sandman Slim“ – Roman und lernt meinen Freund Stark kennen!

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2015/12/12/richard-kadrey-aloha-from-hell
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review 2015-09-29 19:22
Wie verhindert man den Weltuntergang?
Die Rache Gottes (Die Luzifer-Chroniken) - Markus Tillmanns,Konstantin Kiselyov

Die ersten beiden Bände der Luzifer-Chroniken haben mich sehr begeistert - um es mal banal auszudrücken: beide haben volle fünf Sterne von mir erhalten. Da war es natürlich sonnenklar, dass ich auch den dritten Band lesen musste! Ob der mich auch so begeistert hat? Ein bisschen seht ihr das ja schon am Sternenhimmel, aber um es mal ausführlicher zu beantworten:

 

Wieder einmal war ich sehr beeindruckt von den originellen Ideen, die der Autor locker, witzig und spannend mit religiösen Mythen zu einem komplexen Fantasy-Thriller verwebt, bei dem man nie sicher sein kann, wer jetzt eigentlich die Guten und die Bösen sind. Das ist so ein Buch, wo ich mir beim Lesen öfters denke: also, sowas habe ich ja auch noch nicht gelesen.Auch spannend war es wieder, und das nicht zu knapp! Als ob Tabarie es in den ersten beiden Bänden nicht schon schwer genug gehabt hätte, bricht dieses Mal im wahrsten Sinn des Wortes die Hölle um ihn herum aus. Ok, jedenfalls fast... Der Weltuntergang naht, und schnell wird Tabarie und seinen Verbündeten klar, dass sie das fulminante Finale nicht verhindern können, ohne sich gegen Gott selber zu stellen. Auf friedliche Art und Weise? Wie überzeugt man ein allwissendes Wesen, dass alle Argumente schon kennt? Durch Gewalt? Wie besiegt man einen Unsterblichen, der jeden Schritte im voraus vorhersagen kann?

 

Und darf man das überhaupt, sich gegen Gott stellen?

 

Jedenfalls tun sich aus purer Verzweiflung alte Feinde zusammen, und ich fand es sehr interessant und spannend, dabei zuzusehen, wie sich das entwickelt! Je näher es auf den Weltuntergang zugeht, desto rasanter, hektischer und actionreicher werden die Geschehnisse. Irgendwann schwirrte mir richtig der Kopf, weil sich die Grenzen zwischen Gut und Böse ständig zu verwischen schienen.

 

Wer den Luzifer-Chroniken bis hierher gefolgt ist, wird die meisten Charaktere schon kennen, deswegen möchte ich hier gar nicht näher auf die einzelnen eingehen. Ich fand sie (beinahe) allesamt wieder glaubhaft, lebendig und interessant. Besonders gut gefallen hat mir, dass man doch noch neue Seiten an altbekannten Charakteren entdeckt, ohne dass das ihrem grundlegenden Wesen widersprechen würde. Darf man mit Massenmörderinnen mitfühlen? Denn auch die haben offensichtlich ihre guten Seiten.

 

Der einzige Charakter, der mich erstaunlicherweise nicht so sehr überzeugen konnte, war ausgerechnet der, auf den ich mich am meisten gefreut hatte, nämlich Gott. Man verzeihe mir die blasphemische Aussage, dass ich ihn ein wenig farblos fand, mit wenig Charisma. Es schien mir so, als würde er nur leere Phrasen wiederholen, ohne wirklich auf Fragen oder Vorwürfe einzugehen. Möglicherweise hat der Autor das so beabsichtigt, um zu zeigen, wie weit entfernt Gott von unserer Wirklichkeit und unserem Leben ist? Jedenfalls war ich ein wenig enttäuscht.

 

Es ging mir am Schluss auch alles ein wenig zu schnell, und verglichen mit den Schwierigkeiten, die Tabarie & Co bis zu diesem Punkt schon überwunden hatten, kam mir das Finale fast ein bisschen zu einfach vor... Es bleibt auch relativ viel offen, was Luzifers Motivation betrifft - da hätte ich gerne noch mehr drüber erfahren!

 

Dennoch hat mir das Buch im Ganzen wieder sehr gut gefallen und ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt, und das auf intelligente Art und Weise.

 

Markus Tillmanns hat meiner Meinung nach einen großartigen Schreibstil mit einem guten Sinn für Spannungsbogen und dramatische Wendungen. Auch der böse Humor entspricht genau meinem Geschmack - wenn Satans kleine Ziehtochter zum Beispiel fragt, wie lange es noch zum Weltuntergang ist, und er antwortet: "Noch dreimal Schlafen."

 

Fazit:
"Die Rache Gottes" ist der rasante Abschluss einer großartigen Fantasy-Thriller-Trilogie. Erbitterte Feinde schließen sich in diesem Band zusammen, um den Weltuntergang zu verhindern, und natürlich steht Aljoscha Tabarie mal wieder mittendrin im ganzen Schlamassel... Und selbstverständlich kommt doch wieder mal alles anders als geplant.

Zusammenfassend würde ich über die Trilogie sagen: intelligent, komplex, spannend, witzig und ein bisschen böse. In meinen Augen die perfekte Mischung.

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review 2015-07-23 11:19
Intelligent, spannend, einfallsreich und böse unterhaltsam
Teufel: Engel des Todes (Die Luzifer-Chroniken 2) - Markus Tillmanns,Mart Klein,Miriam Migliazzi

Der erste Band der Luzifer-Chroniken hatte mich schon sehr begeistert, deswegen war ich natürlich sehr gespannt, ob der zweite Band das gleiche Niveau halten würde. Aber ich war da sehr zuversichtlich - und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

 

Die Geschichte geht originell, komplex und einfallsreich weiter. Immer wenn man denkt, jetzt habe man alles durchschaut, muss man feststellen, dass die Dinge doch ganz anders sind... Denn im Hintergrund wirkt eine bisher unbekannte Macht, heimlich und perfide, und man kann sich nie darauf verlassen, wer gut ist und wer böse. Denn mehr als ein Mitspieler spielt ein doppeltes Spiel.

 

Ich war wieder beeindruckt, wie gekonnt der Autor die verschiedenen Religionen und Mythen einbringt in die Geschichte. Die Dinge sind hier nicht so einfach wie in der christlichen Bibel, wo es nur den einen Gott und den einen Teufel gibt!

 

Aljoscha Tabarie war mir wieder sehr sympathisch, denn er ist ein mutiger, ehrlicher Mensch, der im Grunde "nur" die Welt verbessern will, aber intelligent genug ist, vor dem Bösen nicht die Augen zu verschließen. Er hat es ganz schön schwer in diesem Band, denn er leitet ja nun die Luzifer Foundation - was ihn nur scheinbar zum mächtigsten Mann der Welt macht, sich aber schnell als wahre Sisyphusarbeit herausstellt. Er weiß nicht, wem er trauen kann, denn hinter dem schönen Schein brodelt ein wahrer Sumpf aus Intrigen und Korruption.

 

Gül kommt in diesem Band eher am Rande vor. Sie kümmert sich inzwischen wie eine Mutter um die kleine Li, aber die hat einen intrigante, mächtigen Freund, der sie dazu bringt, schlimme Dinge zu tun...

 

Die Charaktere fand ich alle sehr gut und dreidimensional geschrieben. Besonders interessant fand ich Gnessus, eine künstliche Intelligenz, die von der Foundation erschaffen wurde, um eine beratende Funktion einzunehmen. Wobei ich mir da direkt dachte: wann war das, in Filmen oder Büchern, je eine gute Idee?! Ob ich mit meinen Zweifeln richtig lag, das möchte ich natürlich noch nicht verraten!

 

Die Spannung hat sich im Vergleich zum ersten Band sogar noch gesteigert, denn die Gefahren lauern wirklich überall, und es wird immer klarer, dass sich die Geschehnisse möglicherweise auf eine Katastrophe zubewegen...

 

Ich kann nur wiederholen, was ich zum Thema "Schreibstil" in meiner Rezension zum ersten Band gesagt habe: der Autor hat eine ganz eigene, unverwechselbare Stimme und erzählt die Geschichte eindringlich, wortgewaltig, atmosphärisch... Und oft mit einem trockenen, bösen Humor, den ich großartig fand!

 

Zitat:
"Kennen Sie die Engel aus den alten Geschichten? Die vom Himmel herabsteigen, um Gottes Wort zu verkünden. Die den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes predigen? Die ihn vor allen Gefahren beschützen?"
Brenner entfuhr ein heiseres Krächzen. "Ja."
Der Geflügelte sah auf ihn herab. "Ich bin keiner von dieser Sorte."

 

Fazit:
Der zweite Band der Luzifer-Chroniken ist wieder einfallsreich und intelligent geschrieben, und vielleicht sogar noch spannender als der erste Band! Für mich ein Buch, bei dem man wirklich mitdenken muss, bei dem das Mitdenken aber einfach Spaß macht (wenn auch auf böse Art und Weise).

Source: mikkaliest.blogspot.de/2015/07/teufel-engel-des-todes-luzifer.html
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review 2015-04-24 11:50
Teufel
Teufel: Fantasy-Thriller - Markus Tillmanns,Rebecca Klein,Dana Knepple,Mart Klein,Miriam Migliazzi

Story:
Als eines Tages ein riesiger Komet auf die Erde zurast, sind sich Experten sicher, dass dies das Ende der Welt ist. Umso überraschender ist die Menschheit, als sich der tödliche Felsbrocken aus den Tiefen des Alls als Luzifer entpuppt, der am Kölner Dom auf die Erde herabsteigt. Jeder Anwesende ist von dem gefallenen Engel geblendet, außer Aljoscha Tabarie, der als Journalist für ein Tageblatt arbeitet. Er ist sich sicher, dass hinter dem plötzlichen Auftauchen Luzifers mehr steckt und der Welt Übles bevorsteht. Doch seine Warnungen verpuffen im Nichts, so dass er sich schließlich dazu aufmacht, die Wahrheit auf eigene Faust zu ergründen. Dieses Vorhaben ist jedoch schwieriger als gedacht, denn Luzifer sucht sich Menschen, wie das Mädchen Li, die unberechenbare, korrupte Eisenberg und die Schwarzmagierin Grezella, um sich ein eigenes Imperium aufzubauen. Und nach einer Weile steht Tabarie allein da …

 

Eigene Meinung:
„Teufel“ ist der erste Band der Fantasythriller-Reihe „Die Luzifer-Chroniken“ und stammt von Markus Tillmanns, der bereits seit einigen Jahren Fantasy- und Kriminalromane veröffentlicht. So erschienen „Das Schwarze Auge“ Romane bei Heyne und Fantasy Productions, ebenso Krimis bei Fischer und dem Mitteldeutschen Verlag. Der Roman „Teufel“ wurde im Eigenverlag herausgebracht und gewann 2015 den Nautilus-Self-Publisher-Wettbewerb!

 

Markus Tillmanns gelingt ein fulminanter und fesselnder Einstieg, der sofort mitreißt. Man ist recht schnell in der Handlung und erwartet mit Spannung, was es mit dem Kometen auf sich hat. Auch das erste Auftauchen Luzifers ist packend geschrieben und macht Lust auf mehr. Leider kann der Autor das rasante Tempo im Folgenden nicht halten. So spannend die Grundidee ist und so interessant einige Episoden sind, es vermag nicht mehr so sehr zu fesseln, wie die ersten 40 Seiten. Viele theologische Aspekte und Hintergründe werden eingewoben, spannende Actionszenen eingebaut und auch einige faszinierende Grundfragen aufgeworfen, doch das ändert nichts daran, dass das Buch zunehmend an Fahrt verliert. Das liegt zum einen an den wechselnden Perspektiven, die mal Tabaries Sicht und Umfeld beschreiben, mal die Ereignisse rund um Luzifers Gefolgsleute, zum anderen an der unpersönlichen Schreibweise. Es fällt einfach schwer, wenn alle Charaktere nur mit dem Nachnamen tituliert werden: Eigenberg, Tabarie, Zolt, etc. Von der Tatsache, dass man daran schwer erkennen kann, ob es sich um Frau oder Mann handelt (wenn die Figuren neu in die Geschichte eingeführt werden), verhindert es doch, dass sich der Leser wirklich mit den Figuren identifizieren kann. Sie bleiben stets auf Distanz, was auch dafür sorgt, dass man nicht vollständig in die Geschichte eintauchen kann.

 

Auch sonst wirken einige Dinge ein wenig zu abstrakt und unlogisch – die Auflösung rund um Tabaries verstorbenen Vater, die seltsame Untätigkeit des Vatikans und die plötzliche Liebe, die man Luzifer entgegenbringt, obwohl es sich bei ihm um den Teufel handelt. Es fällt schwer zu glauben, dass es weltweit nur Tabarie gelingt, sich der Verblendung des Engels zu entziehen. Von der Frage, was er eigentlich auf der Erde gesucht hat einmal abgesehen.Vielleicht ergibt alles mehr Sinn, wenn man die weiteren Bände kennt, aber „Teufel“ endet zu offen, beantwortet kaum Fragen und lässt den Leser ein wenig unzufrieden zurück, da es keinen Anfang und kein Ende gibt. Das mag reizvoll sein, doch es frustriert, dass am Ende alles so seltsam sehr im Chaos versinkt und kaum ragen beantwortet werden.

 

Die Figuren sind durchaus interessant – allen voran Tabarie und Luzifer. Letzterer tritt nur selten in Erscheinung, zumeist agieren seine Handlanger Eisenberg und Grezella, die beide ihre eigenen Pläne verfolgen. Sie sind durch und durch unsympathisch, spielen mit den Leben der Menschen und sind absolut kaltschnäuzig – die perfekten Bösewichte also. Tabarie ist im Gegenzug dazu sehr hitzköpfig und zielegerichtet, wenngleich er nicht wie der typische Held daherkommt. Das ist auch gut so, ein perfekter Superheld, dem alles gelingt, hätte in diesem Fall auch nicht gepasst. Es macht Spaß seinen Weg mitzuverfolgen und seinen Kampf zu beobachten.

Die Nebenfiguren sind ganz interessant in Szene gesetzt, bieten aber eine Menge Potenzial für mehr – Tabaries Kollegin und Freundin Gül, deren Rolle noch nicht klar definiert ist oder seine Mutter, die verrückte Visionen von sich gibt und die meiste Zeit im Bett bleibt. Auch Thoss, Tabaries Rivale und Li, der kleine Mädchen, das von Luzifer aufgenommen wurde, bergen einige Fragen und versprechen im zweiten Band zurückzukehren.

 

Stilistisch ist „Teufel“ Geschmackssache. Markus Tillmanns Stil ist flüssig, solide und durchaus spannend, allerdings ist die unpersönliche Art der Erzählung nicht jedermanns Geschmackssache. Auch die chaotischen Actionszenen und die Ereignisse im Finale wirken nicht richtig, da sie zu schnell und hektisch beschrieben sind. Im Gegenzug dazu bekommt man bei einigen Szenen wie der Talkshow, den theologischen Hintergründen und dem journalistischen Fachjargon durchaus anspruchsvollere Kost geliefert, bei der man konzentriert lesen sollte, um die vielen kleinen Hints und Randbemerkungen zu verstehen. Daher sollte man sich für „Teufel“ Zeit lassen, insbesondere wenn man immer wieder über den Stil stolpert.

 

Fazit:
„Teufel“ ist ein interessanter, spannender Auftakt der „Luzifer-Chroniken“ von Markus Tillmanns, der trotz der Schwächen im Schreibstil und dem etwas chaotischen Handlungsbogen z unterhalten weiß. Im Laufe der Geschichte wird es arg verworren und nicht jeder kommt mit einem offenen Ende klar, bei dem kaum Fragen beantwortet werden, doch insgesamt ist „Teufel“ durchaus lesenswert, wenn man sich auf die unterschiedlichen Figuren einlässt und für neue Blickwinkel und ungewöhnliche theologische Grundideen offen ist. Markus Tillmanns Roman regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und aufgrund der vielen Fragen, die offen bleiben, sollte man die Augen nach der Fortsetzung aufhalten.

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