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review 2017-11-21 10:29
Der Zauber ist ungebrochen
London: Ein Uralte Metropole Roman - Christoph Marzi

Die „Uralte Metropole“ von Christoph Marzi war für meine Entwicklung als Leserin ebenso wichtig wie „Harry Potter“. Die vier Bücher rund um das Waisenmädchen Emily Laing und die magische Stadt unter London prägten mich maßgeblich. Seit ich sie das erste Mal als Teenager las, bin ich immer wieder zu dieser bezaubernden Geschichte zurückgekehrt. Beim Erscheinen des letzten Bandes „Somnia“ war ich 19. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass Christoph Marzi mir acht Jahre später einen weiteren Band schenken würde. Ich traute meinen Augen nicht, als ich „London“ in der Verlagsvorschau von Heyne entdeckte. Weihnachten, mein Geburtstag und Ostern fielen zusammen. Eine Fortsetzung der Geschichte, die mir so viel bedeutet – ich musste nicht überlegen, ob sie lesen wollte.

 

Die Welt ist gierig und manchmal verschlingt sie Städte mit Haut und Haaren. Nach einem Besuch in Cambridge wartet Emily Laing auf den Zug nach London. Sie ist müde und traurig, möchte nach Hause, zurück in die Stadt der Schornsteine, wo sie die Ängste eines kleinen Jungen vergessen kann. Doch der Zug kommt nicht. Seltsamerweise scheint sich niemand daran zu stören. Irritiert befragt Emily einen Mitreisenden. Sie erntet Ratlosigkeit. Eine Stadt namens London existiere nicht, behauptet er. Veralbert er sie? Das kann nicht stimmen. Verunsichert zieht Emily das Internet zu Rate und erhält dieselbe Antwort: die Stadt der Schornsteine, die Metropole am dunklen Fluss, ist verschwunden; verschluckt, als hätte es sie niemals gegeben. Was geht da vor sich? Wie können sich ganz London und mit ihr die Stadt unter der Stadt plötzlich in Luft auflösen? Noch einmal müssen Emily und ihre Gefährten all ihren Mut zusammennehmen, um London zu retten – mit Leib und Seele.

 

„London“ lag etwa ein Jahr auf meinem SuB. Wieso, werdet ihr euch fragen, habe ich so lange mit der Lektüre gewartet, obwohl es sich bei der „Uralten Metropole“ für mich um eine Herzensgeschichte handelt? Die Antwort lautet: weil sie eine meiner Herzensgeschichten ist. Ich hatte Angst, all meine hoffnungsvollen, euphorischen Erwartungen leidvoll sterben zu sehen. Mein Verhältnis zu Christoph Marzi ist schwierig; in der Vergangenheit enttäuschte er mich häufig. Keines seiner Bücher, die ich nach die „Uralte Metropole“ las, entfachte in mir die gleiche Begeisterung. Ich fürchtete mich davor, einsehen zu müssen, dass „London“ den Vorgängern nicht gerecht wird. All das emotionale Gepäck, das ich mit der Reihe verbinde, hielt mich zurück. Es kostete mich enorme Überwindung, „London“ eine faire Chance einzuräumen und mich nicht von meinen Befürchtungen einschüchtern zu lassen. Ich habe nicht bereut, die Lektüre gewagt zu haben. Ganz im Gegenteil: ich liebe „London“. Ich wurde für den Vertrauensvorschuss, den ich Christoph Marzi zugestand, reich entlohnt. Während des Lesens fühlte ich mich wie eine Katze vor dem Ofen, behaglich, warm und kuschlig. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte angefangen zu schnurren. Dieser fünfte Band ist die literarische Personifizierung von Heimkehren. Ich bin so dankbar und erleichtert, dass die späte Fortsetzung gelungen ist und die Geschichte zu ihren Wurzeln zurückträgt, nachdem „Somnia“ einen drastischen Zeitsprung involvierte. Inhaltlich ist „London“ zwischen „Lumen“ und „Somnia“ angesiedelt. Obwohl ich entschieden hatte, auf einen Reread der Reihe zu verzichten, hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, wieder in Marzis magische Welt hineinzufinden und habe mich in der Gesellschaft altbekannter Figuren sofort pudelwohl gefühlt. Der Zauber ist ungebrochen. Emily steht erneut im Mittelpunkt – älter, reifer und ihrer kindlichen Illusionen beraubt. Das Waisenmädchen ist erwachsen geworden. Sie strahlt eine melancholische Aura aus, die einerseits hervorragend zu der atemberaubenden Kulisse Londons im Winter passt und andererseits unmittelbare Nähe initiierte. Ich wollte sie trösten, in den Arm nehmen und ihr zuflüstern, mutig und stark zu sein. Ich fühlte mich für sie verantwortlich, weil ich sie schon so lange begleite und wollte ihr helfen, das Rätsel um das verschwundene London zu lösen. Ich tauchte tief in die Geschichte ein, empfand mich als Teil selbiger, musste ich mich allerdings mit der Rolle der Beobachterin begnügen und es Emily und ihren Gefährten überlassen, die Stadt am dunklen Fluss zu retten. Ich war stets überzeugt, dass die „Uralte Metropole“ nicht nur eine bezaubernde Geschichte, sondern auch eine Liebeserklärung an London ist. In „London“ ist diese Liebe stärker spürbar denn je. Christoph Marzi durchschaut das Wesen der Stadt und beschreibt ihre Seele intim und zärtlich in einer Handlung, die den Vorgängern in Spannung und Mystik in nichts nachsteht. Das Ende geriet vielleicht etwas hastig und unspektakulär, doch Marzi betont wohlwissend, dass es kein Abschluss ist. Nichts endet jemals wirklich und möglicherweise werden uns in Zukunft weitere Abenteuer mit Emily erwarten. Fragen Sie nicht.

 

Meine Rückkehr in die Welt der „Uralten Metropole“ ließ mein Herz in einem warmen, weichen Licht leuchten. Gerade weil ich solche Angst hatte, von „London“ enttäuscht zu werden, erfüllt mich die stabile Überzeugungskraft des Buches mit einem strahlenden, liebevollen Glücksgefühl, das ich in dieser Intensität nur sehr selten beim Lesen erlebe. Es gibt viele gute Bücher, die mich begeistern. Aber es gibt nur wenige Herzensgeschichten. Die „Uralte Metropole“ ist auch 13 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes „Lycidas“ ein Teil von mir, ein Teil meiner eigenen Geschichte, untrennbar mit mir verbunden und jetzt erweitert durch „London“. Ich möchte Christoph Marzi meinen tiefempfundenen Dank aussprechen. Danke, dass Sie meine Erinnerungen behutsam behandelten und sie nicht kaputtmachten. Das bedeutet mir mehr, als ich ausdrücken kann. Vielleicht mussten acht Jahre bis zur Fortsetzung vergehen, damit diese den Vorgängern würdig sein und ich sie in mein Herz lassen konnte. Es gibt keine Zufälle.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/11/21/christoph-marzi-london
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review 2017-07-04 11:10
Die seltsamste Rezension, die ich je geschrieben habe
Harry Potter: Harry Potter und das verwunschene Kind. Teil eins und zwei (Special Rehearsal Edition Script) - J.K. Rowling,John Kerr Tiffany,Jack Thorne,Anja Hansen-Schmidt,Klaus Fritz

Die Rezension zu „Harry Potter und Das verwunschene Kind“ ist vermutlich die seltsamste, die ich jemals geschrieben habe. Die ganze Situation ist maßlos seltsam. Bereits die Aussicht, nach all den Jahren ins Potter-Universum zurückzukehren, erst durch den Reread (gemeinsam mit meiner Schwester im Geiste Marina aka DarkFairy) und jetzt durch eine neue Geschichte, löste in mir eine wahre Flut verschiedener, teils gegensätzlicher Emotionen aus.

 

Als ich erfuhr, dass sich Joanne K. Rowling mit dem Drehbuchautor Jack Thorne und dem Theater-Regisseur John Tiffany zusammengetan hatte, um die „Harry Potter“ – Reihe mit einem Theaterstück weiterzuführen und dieses als Buch erscheinen sollte, war ich erst nicht sicher, ob ich es überhaupt lesen wollte. Vielleicht erging es einigen von euch ähnlich. Die Romane dieser Reihe sind mir heilig; sie sind ein bedeutender Teil meiner Kindheit, Jugend und meines erwachsenen Lebens. Der ursprünglich letzte Band „Harry Potter und Die Heiligtümer des Todes“ erschien 2007 – 2016, neun Jahre später, sollte es nun also eine Fortsetzung für die Bühne geben? Das erschien mir wie ein Sakrileg. Blasphemie. Hatten Jack Thorne und John Tiffany überhaupt eine Ahnung von „Harry Potter“? Wussten die beiden Männer, welches enorme Erbe sie antreten wollten und wie viel Verantwortung sie damit auf ihre Schultern luden? Potterheads sind empfindliche, verletzliche Wesen, deren Zorn furchtbar sein kann, beschmutzt man das Andenken an „ihre“ Bücher. Ich bin da keine Ausnahme. Die Geschichte des Zauberlehrlings ist für uns eben nicht nur eine Geschichte. Sie ist literarische Magie. Wir lachten, weinten, bangten mit Harry und wurden an seiner Seite erwachsen. Dieses ominöse Stück, „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, musste schon verdammt gut sein, um der Erinnerung an Jahre der Liebe und Verbundenheit gerecht zu werden.

Was mich letztendlich überzeugte, das Bühnenstück doch zu lesen, war – neben purer Neugierde – Joanne K. Rowlings Mitarbeit. Ich dachte, wenn Harrys schriftstellerische Mutter das Projekt überwachte, für gut befand und darauf achtete, dass es sich homogen in die Reihe einfügte, konnte mein Risiko nicht allzu groß sein. Ich gestand ihr einen Vertrauensvorschuss zu und wollte daran glauben, dass sie niemals zulassen würde, dass Harry in diesem neuen Buch lächerlich gemacht würde. Sie kennt die Fans. Sie weiß, was Harry uns bedeutet. Ich bin überzeugt, dass er ihr mindestens genauso viel bedeutet. Also ließ ich mich auf das Experiment ein und kaufte „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, womit es übrigens der erste Potter überhaupt ist, den ich selbst bezahlte.

 

19 Jahre ist es her, dass Harry Potter Lord Voldemort bezwang und die Welt rettete. Der verzweifelte Waisenjunge wurde erwachsenen. Er wurde ein überarbeiteter Ministeriumsangestellter, ein Ehemann, der Vater dreier Kinder. Harry liebt seine Familie, nur sein mittlerer Sohn Albus Severus bereitet ihm Sorgen. Albus ist nicht wie seine Geschwister James und Lily. Er ist anders und kann mit dem Vermächtnis seines berühmten Nachnamens nicht umgehen. Er will mit dem Erbe seiner Geburt nichts zu tun haben. Als ihn der Sprechende Hut bei seiner Aufnahme in Hogwarts nach Slytherin schickt und er sich ausgerechnet mit Scorpius Malfoy, Draco Malfoys Sohn, anfreundet, reißen die Gräben zwischen Vater und Sohn stetig weiter auf. Dunkle Zeichen werfen ihre Schatten am Horizont und plötzlich scheint es, als hole Harry die Vergangenheit ein. Wird er seinen Sohn vor den gleichen finsteren Mächten beschützen können, die einst auch sein Leben bedrohten? Oder ist die Kluft zwischen ihnen längst zu groß?

 

Als ich „Harry Potter und Das verwunschene Kind“ aufschlug, wusste ich, dass Harry nicht mehr derselbe sein würde. Der Held meiner Kindheit ist erwachsen geworden. Ich war bereit, ihn noch einmal ganz neu kennenzulernen. Ich freute mich darauf, seine Familie zu treffen, auf die ich am Ende des letzten Bandes „Harry Potter und Die Heiligtümer des Todes“ einen kurzen Blick werfen durfte. Tatsächlich beginnt „Das verwunschene Kind“ mit genau dieser hoffnungsfrohen, berührenden Szene in King’s Cross, in der Harry und Ginny ihre beiden Söhne am Hogwartsexpress verabschieden. Ich fühlte mich auf den älteren Harry vorbereitet. Worauf ich hingegen nicht vorbereitet war, ist das Konzept des Bühnenstücks. Es fiel mir unheimlich schwer, mich auf das Skript einzulassen und mich daran zu gewöhnen, dass die Geschichte aus vielen kurzen Szenen besteht, die die Handlung rasant vorantreiben. Mal davon abgesehen, dass ich mir kaum vorstellen kann, wie diese rasche Abfolge von Szenenwechseln auf der Bühne umsetzbar ist, stotterte und stockte mein Kopfkino gewaltig. Ich war erst zu Beginn des zweiten Aktes wirklich drin, obwohl die Regieanweisungen erstaunlich umfangreich sind und beinahe an Prosa erinnern. Ich hatte das Gefühl, dass sich Joanne K. Rowling arg zurückhalten musste, um die Szenen nicht zu ausschweifend zu beschreiben. Grundsätzlich stört dieser Detailreichtum selbstverständlich nicht, doch ein Teil von mir begann sich schmollend zu fragen, wieso sie nicht gleich einen Roman schrieb, wenn sie so viel zu sagen hatte. Wieso ein Stück, mit all seinen Begrenzungen und Einschränkungen?

 

Die Geschichte fokussiert einerseits den erwachsenen Harry Potter und andererseits seinen komplizierten, mittleren Sohn Albus Severus. Der erste Akt rauscht durch Albus‘ erste Jahre in Hogwarts und zeigt, wie schwer er es sowohl in seiner Familie als auch in der Schule für Zauberei hat. Albus gehört nirgendwo richtig dazu; er ist anders als seine Geschwister und fühlt sich in Hogwarts nicht wohl. Er empfindet sich selbst als das berüchtigte schwarze Schaf. Er kann den Erwartungen, die in ihn als Sohn des berühmten Harry Potter gesetzt werden, nicht gerecht werden und erlebt seine Schulzeit daher als Außenseiter. Seine Freundschaft zu Scorpius Malfoy erschwert seine Situation zusätzlich, da über Scorpius grauenvolle Gerüchte kursieren und dieser ebenso ausgegrenzt wird wie Albus selbst. Ich mochte die beiden trotzdem sehr gern. Ich erkannte in Albus die Züge seines Vaters: sein gutes Herz, seinen Mut, seine Abenteuerlust, aber auch die Trotzhaltung, die Harry vor allem im fünften Band „Der Orden des Phönix“ an den Tag legte. Scorpius hingegen ist völlig anders als sein Vater. Ich sah in ihm nichts, was mich an Draco erinnerte – das könnt ihr durchaus als Kompliment werten. Angesichts der grausamen Dinge, die über Scorpius behauptet werden, finde ich, dass er sogar bemerkenswert gut geraten ist. Es überraschte mich nicht, dass Albus sich in die Freundschaft zu ihm flüchtet, weil er sich in seiner Familie missverstanden und ausgeschlossen fühlt.

 

Die Beziehung zwischen Albus und Harry brach mir fast das Herz. Es ist furchtbar traurig, dass sie überhaupt keinen Draht zueinander haben, obwohl sie sich so ähnlich sind. Marina, mit der ich mich während der Lektüre weiterhin alle 100 Seiten austauschte, bemerkte, dass Harry erneut beweist, wie wenig Einfühlungsvermögen er besitzt. Mein erster Impuls war, ihn heftig zu verteidigen, doch je länger ich darüber nachdachte, desto bewusster wurde mir, wie Recht sie hat. Es ist wahr, Harry ist überhaupt nicht in der Lage, sich in seinen „missratenen“ Sohn hineinzuversetzen. Es war, als würden sie in unterschiedlichen Sprachen permanent aneinander vorbeireden. Albus tat mir schrecklich leid, weil Harry in seiner Rolle als Vater in diversen Szenen kläglich versagt. Es ist nicht Albus‘ Schuld, dass er sich nicht mit seiner Familie identifizieren kann; es ist die Aufgabe seiner Eltern, ihm Liebe, Geborgenheit und Verständnis zu vermitteln.

 

Es war ein wenig befremdlich, wenn auch interessant, Hogwarts mit den Augen eines Protagonisten zu sehen, der sich dort nicht Zuhause fühlt. Ich bin so daran gewöhnt, die Schule als romantisiertes, idealisiertes Paradies für heimatlose, einsame Kinder wahrzunehmen, dass es mir schwerfiel, mich daran zu erinnern, dass es immer Schüler_innen gab, die Hogwarts nicht als Antwort auf ihre Gebete erlebten. Mobbing, Lästereien und fiese Gerüchte gehören ebenso zum Alltag wie der Unterricht. Harry erfuhr am eigenen Leib, wie gemein seine Mitschüler_innen sein konnten, doch die Ablehnung, die ihm entgegenschlug, hatte ja meist mit seiner speziellen Position innerhalb der Gemeinschaft von Zauberern und Hexen zu tun. Ich übersah dadurch, dass es durchaus Kinder gab, die ohne besonderen Grund gehänselt wurden, nur, weil sie anders aussahen, ärmer als die anderen oder tollpatschig waren wie Neville Longbottom. Severus Snape, Albus Severus‘ Namensvetter, war in Hogwarts vermutlich niemals glücklich und Draco Malfoy ebenfalls nicht. Es betrübt mich, dass sein Sohn das Gleiche erleben muss.

 

Inhaltlich ist „Das verwunschene Kind“ eine logische Fortsetzung der Originalreihe. Natürlich ist der Zeitsprung enorm – in den knapp 20 Jahren, die seit der Schlacht von Hogwarts vergingen, ist einiges passiert, doch das Universum wurde nicht vollkommen auf den Kopf gestellt. Im Gegenteil, Rowling verdichtet ihre Welt sogar weiterhin und offenbart das eine oder andere Detail, das bisher im Dunkeln lag. Es gefiel mir hervorragend, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruht.
Die Handlung knüpft an ein altes Unrecht aus Harrys Teenagerzeit an, was ich einfach großartig fand, weil es meiner Meinung nach naheliegend und realistisch ist. Selbst nach all dieser Zeit lässt diese spezielle Wunde Harry keine Ruhe und belastet sein Gewissen schwer. Angesichts dessen, dass ich mich während des Rereads mental intensiv mit diesem Vorfall auseinandergesetzt habe und zu dem Schluss kam, dass dieser extrem wichtig für seine Entwicklung war, wunderte es mich überhaupt nicht, dass Harry noch immer unter den Erinnerungen leidet. Er hat sich nie verziehen, was damals geschehen ist.

 

Diese Empfindungen sind der Ausgangspunkt der Ereignisse des Stücks, die in der Folge zu den für die „Harry Potter“ – Bände typischen turbulenten Verwicklungen führen. Action, Humor, Dramatik, philosophische Tiefe, Kreativität und große Emotionen ergeben erneut die Mischung, die ich seit meinem neunten Lebensjahr liebe. Es war fabelhaft, alte Bekannte wiederzutreffen und zu sehen, was aus ihnen geworden ist, obwohl nicht alle Lebensläufe meinen Erwartungen entsprachen. Harry zum Beispiel ist beruflich wesentlich erfolgreicher, als ich angenommen hatte und Hermine… Hermine ist noch immer außergewöhnlich. Belassen wir es dabei. ;) Der einzige, mit dessen Rolle ich unglücklich war, ist Ron. Wo ist der loyale, gutherzige Junge geblieben, der für seine Freunde über Leichen gehen würde? Ich habe ihn kaum wiedererkannt, denn in „Das verwunschene Kind“ ist er zum lächerlichen Kaspar verkommen, über dessen Scherze niemand wirklich lachen kann. Er ist der vermeintlich witzige Sidekick, der am laufenden Band unpassende Kommentare absondert. Ich finde das ungerecht, weil er diese Position meines Erachtens nach nicht verdient. Ron ist Harrys bester Freund, kein seichter Möchtegern-Witzbold.

 

Ich habe für „Harry Potter und Das verwunschene Kind“ gerade mal 2 Tage gebraucht. Kaum angefangen, war ich schon wieder durch. Schwupps. Ich muss gestehen, es ging mir zu schnell. Die Geschichte war zu kurz. Ich weiß, ich weiß, das liegt daran, dass es ein Stück ist, aber wie bereits erwähnt, sagt mir dieses Konzept grundsätzlich nicht zu. Ich vermute, dass Jack Thorne und John Tiffany damals an J.K. Rowling herantraten, nicht andersherum und die Geschichte deshalb genau auf die Bühne zugeschnitten ist – aber ich bin irgendwie ein bisschen enttäuscht. Was hätte Rowling aus diesem Stoff herausholen können, hätte sie sich für einen Roman entschieden? Wir hätten garantiert wieder einen 600 Seiten – Wälzer vorgesetzt bekommen. Ich kann einfach nicht leugnen, dass mir das besser gefallen hätte. Ich hätte mich gern zum Abschluss noch einmal richtig im Potter-Universum gesuhlt, wäre gern ganz tief eingetaucht und hätte jeden Satz so lange ausgekostet, bis quasi nichts mehr von ihm übrig wäre. Durch den Rahmen des Schauspiels ging das nicht, weil das Tempo und die Taktung vollkommen anders sind, eben an die Bühne angepasst, auf zwei Abende der Unterhaltung ausgelegt. Es ist nicht die Geschichte an sich – die gefällt mir sehr, aber ich bin überzeugt, dass ich von einem Roman mehr gehabt hätte. Schade. Trotzdem, sollte das Stück jemals nach Deutschland und Berlin kommen, werde ich es mir ansehen.

 

Insgesamt bin ich glücklich mit „Harry Potter und Das verwunschene Kind“. Vielleicht hätte es diese Fortsetzung nicht unbedingt gebraucht, vielleicht war sie nicht notwendig, doch ich finde, das Stück ist inhaltlich eine angemessene Ergänzung der Originalreihe und für wahre Potterheads ein Muss. Ich bin allerdings traurig, dass es nun endgültig vorbei ist. Der Abschiedsschmerz lastet schwer auf meinem Herz. Ich möchte Harry nicht Lebewohl sagen. Wobei, eine kleine Chance besteht. Bei J.K. Rowling weiß man ja nie. Möglicherweise packt es sie eines Tages doch noch mal. Ich bin sonst kein Fan davon, eine Geschichte ewig weiterzuführen und ihr nicht den Abschluss zu gönnen, den sie verdient, aber in diesem Fall… Ich liebe das Universum einfach zu sehr. Ich möchte zurückkehren. Ich möchte neue Abenteuer. Aber dann bitte als Roman.

Source: wortmagieblog.wordpress.com/2017/07/04/joanne-k-rowling-jack-thorne-john-tiffany-harry-potter-und-das-verwunschene-kind
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review 2016-02-11 13:37
Ein Fall und ein Prota, die mir zu sehr im Vordergrund standen
Erwartung (Sonderdezernat Q, #5) - Jussi Adler-Olsen,Hannes Thiess

Inhaltsangabe

Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan, dessen Mitglieder von ihrem gewalttätigen und zynischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als er sein Sklavendasein nicht mehr aushält und flieht, stößt er ganz in der Nähe von Zolas Wohnsitz auf eine Männerleiche…

Die Suche nach dem Mörder führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt- und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.

 

Meine Meinung

Der 5. Fall des Sonderdezernats Q, indem in ungelösten Fällen ermittelt wird.

Gleich der Prolog zeigt hier auf, dass dieses Buch mal einen Abstecher in andere Länder macht. Im 5. Fall spielt auch Afrika und das Thema Wirtschaft eine Rolle.

Für mich waren beide Themen nicht ganz nach meinem Geschmack.

 

Bei dem Team um Carl freue ich mich immer sehr auf das Team, den Humor und auf das gemeinsame Ermitteln, so auch hier.

Das Team wächst. Gordon, der neue, ist für mich bisher ein Witz. Nicht böse gemeint, aber wie er sich gegen Carl behaupten möchte, ist mir noch nicht ganz klar. Ich bin allerdings sehr gespannt, was der Autor in den folgenden Bänden aus seinem Charakter herausholen wird.

Das Trio um Carl, Assad und Rose, ja ich mag die drei, vor allem in Kombination sehr und sie sind denk ich auch das Highlight in diesem Buch.

Einerseits der Witz und andererseits der Scharfsinn beim Ermitteln, machen diese Abschnitte zu einem Genuss.

 

Der Fall um Marco und seinem Entkommen vor dem Clan war irgendwie ein Selbstläufer. Mal konnte man sein Handeln als Leser nachvollziehen und mal gar nicht. Das sich beide Stränge treffen, hat in diesem Band recht lang gedauert, weil es ein regelrechtes Davonlaufen gab. Zu dem erschienen mir Marco’s Part im Vergleich zu den Abschnitten des Ermittlerteams dieses Mal zu lang.

 

Der Schreibstil war wieder bombe, was mich auch immer wieder motiviert, diese Reihe weiterzuverfolgen. Ein paar Bände kommen da ja noch auf uns zu.

____________________________________________________________

 

Vor allem die Themen Wirtschaft und Geld konnten mich hier nicht begeistern, aber das ist eine sehr persönliche Meinung. Es gibt viele Leser, vor allem Männer, die sich freuen, auch mal solche Themen in Büchern behandelt zu lesen.

Und wie bereits erwähnt, konnte mich Marco als Protagonist dieses Falls nicht begeistern und ich stehe seinem Charakter immer noch skeptisch gegenüber.

Umso gespannter bin ich, was mich im 6. Band erwartet.

 

Mein Fazit

Für mich bisher der schwächste Band der Reihe, das soll mich allerdings nicht davon abhalten, diese Reihe mit dem grandiosen Team weiterzuverfolgen.

Band 6 ist geplant.

 

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review 2015-06-20 10:02
Erwartung: Der Marco-Effekt - Carl Mørck (5) | Jussi Adler-Olsen
Erwartung: Der Marco-Effekt (Carl Mørck 5) - Jussi Adler-Olsen

Autor: Jussi Adler-Olsen
Titel: Erwartung – Der Marco-Effekt
Reihe: Carl Mørck (5)
Genre: Skandinavischer Krimi
Übersetzer: Hannes Thiess
Verlag: dtv, [13.09.2013]
HC, 576 Seiten, 19,90 €
ISBN: 3423280204
TB, 576 Seiten, 14,90 €
ISBN: 3423199024
Kindle-Edition: 12,99 €
ASIN: B00CYIBUV4
Der Audio Verlag, [13.09.2013]
Spieldauer: 17 Std., 16 Min (ungekürzt)
Sprecher: Wolfram Koch
Regulärer Preis: 29,95 €
im Premium-Abo 27,88 € oder 1 Guthaben
im Flexi-Abo: 9,95 €

 

Bewertung: 

 

Beschreibung (Audible):

Dunkle Machenschaften in der Unterwelt

Im fünften Teil der Carl-Mørck-Serie von Jussi Adler-Olson erschafft Sprecher Wolfram Koch eine Welt voller Abgründe und Nervenkitzel. Das ungekürzte Hörbuch "Erwartung: Der Marco-Effekt" ist ein waschechter Thriller voller Spannung.
Der 15-jährige Marco, der vor seinem kriminellen Umfeld flieht, und der tote William Stark, Mitarbeiter des dänischen Entwicklungshilfeministeriums, sind miteinander verbunden. Wie, das müssen Ermittler Carl Mørck und sein Assistent Hafez al-Assad in diesem Hörbuch entwirren - und das versuchen sie auf unvergleichlich aufregende Art.
Das liegt nicht zuletzt an Sprecher Wolfram Koch, dessen faszinierende, raue Stimme sehr gut zu den kantigen Figuren und der beklemmenden Geschichte passt. Durch seinen klaren Sprechstil hilft er den Hörern außerdem, den Faden über die gesamten 17 Stunden Länge nicht zu verlieren. Trotzdem fordert das Hörbuch dem Hörer einiges an Konzentration und Kopfarbeit ab - und eignet sich deshalb zum Immer-wieder-Hören.

Audible wünscht gute Unterhaltung!

Meine Meinung:

 

Dieser fünfte Fall vom sympathischen, etwas mürrischen und auf vielfältige Weise interessanten Kommissar Karl Mørck und seinem Assistenten Assad sowie der aus allen Rahmen fallenden Rose hat es in sich. Nicht nur auf privater Ebene tut sich einiges, sei es Carls früheren Partner im Polizeidienst betreffend oder ihn selbst und seine Beziehung zu Mona – nein, hier sind einige Fälle auf vielfältige Weise miteinander verwoben und zeigen einmal mehr aktuelle Themen, Missstände und nicht nur inländische Probleme, was z.B. Korruption, Unterschlagung, Diebesbanden, Kindersoldaten, Auftragskiller und ähnliches betrifft. Und inmitten dieses Knäuels von sich weiter entwickelnden Strängen hangelt sich der 15jährige Marco entlang, einzig, um zu überleben und eine Chance zu einem normalen Leben zu erhalten.

 

Mir gefällt der Schreibstil und die Übersetzung sehr gut. Mit viel Humor stellt der Autor die kollegiale Beziehung zwischen Mørck und Assad dar, fügt viele Redewendungen beider Kulturen ein (Assads Vergleiche handeln sich immer um Kamele) und streicht gerade gegen Ende das Menschliche aller Mitglieder des Sonderdezernats Q heraus, das was sie vom Wesen her alle gemeinsam haben und fest zusammenschweißt.

 

Der Spannungsbogen dümpelt stellenweise vor sich hin, bis ersichtlich wird, wie die einzelnen Stränge zusammenspielen. Wäre da der geniale Sprecher Wolfram Koch nicht, welcher ohne großartige Kapriolen mit seiner Stimme anstellen zu müssen dennoch Nuancen ausgearbeitet hat und mit seinem unnachahmlich flüssigen Lesestil Leben in jeden einzelnen Satz bringt – ich wage zu behaupten, dass er jede einzelne Figur GELEBT hat –, ich wäre mit meinen Gedanken abgeschweift. Und das hätte mich um das Vergnügen gebracht, am Ende klarer zu sehen und einige Handlungen voraussehen zu können.

 

Das Ende – eines Teils erhofft, andern Teils wohl auch Schicksal, rundet die Story ab und lässt eigentlich nur noch eine Frage offen: Was ist aus den eingeflogenen Kindersoldaten geworden?

 

Ein richtig guter skandinavischer Krimi mit viel Action, Kriminalität und Menschlichkeit, der von Wolfram Koch hervorragend gelesen wurde.

 

09/10 Punkte von mir.

 

 
Source: sunsys-blog.blogspot.de/2015/06/gehort-erwartung-der-marco-effekt-j.html
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review 2014-01-27 14:47
solide Arbeit ohne wirkliche Überraschungen
Im Zauber der Sirenen - Tricia Rayburn,Ulrike Nolte
Ocean Rose - Erwartung - Tricia Rayburn
Ocean Rose - Verwandlung - Tricia Rayburn
Ocean Rose - Erfüllung - Tricia Rayburn

Inhalt:
Vanessa verbringt seit Jahren mit ihrer Familie den Sommerurlaub in dem kleine Küstenort Winter Harbor in Maine. Zusammen mit ihrer großen Schwester Justine sowie den beiden Nachbarjungen Simon und Caleb machen sie die Strand und die Klippen zu ihrem Abenteuerspielplatz. 

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Immer wieder ziehen ungewöhnliche Stürme über die beschauliche Hafenstadt, werden Tote mit einem merkwürdig, seeligem Gesichtsausdruck angespült. Und auch ihre Schwester Justine gehört zu den Toten.

Auf der Suche nach eine Antwort auf Fragen zu Justines Tod kehrt sie ohne ihre eltern zurück an den Ort, der für sie nie mehr nur Freude Spass bedeuten wird. Und sie entdeckt ein dunkles Geheimnis das ihre Zukunft, das ihre Liebe Simon und das ganzen Ortes Winter Harbor verändern kann und schon ziehen wieder dunkle Wolken auf.


Meine Meinung:

Erst einmal oben Links ist das deutsche Originalcover zu sehen. So wurde dieses Buch im November 2010 bei uns zuerst veröffentlicht. Ich mag dieses Cover, da es zeigt worum es geht - Sirenen. Das Cover rechts ist das Cover mit dem das Buch jetzt seit 2012 zu erhalten ist. Es wurde dem amerikanischen Original angeglichen und damit kam dann der Erfolg. Sicher es ist auch schön, wirkt geheimnisvoll, aber ich hätte es im Regal sicher übersehen, zumal der Stil inzwischen auch etwas ausgenudelt ist. Aber was soll es, das es verschiedene Geschmäcker gibt, ist ja nichts Neues und damit haben dann auch beide ihren Platz zu recht.

Dies ist der Auftaktband zu einer Trilogie in der die Sirenen aus der Mythologie in die Gegenwart geholt werden. Mir hat die Geschichte nach Unmengen an Vampiren und Werwölfen mal wieder richtig gut gefallen. Es gibt in den Tiefen der Sagen und Märchen so viele Geschöpfe, die man noch in das Zentrum mystischer Geschichten packen kann. 

Insgesamt hat mir die Geschichte ganz gut gefallen. Immer vor dem Hintergrund gesehen, das diese Geschichte für Jugendliche geschrieben wurde. Dadurch wurde die mysteriösen Sirenen und die Lovestorys der Charaktere so sehr in den Vordergrund gerückt, das die ernsten Themen, die auch "kurz" in Buch erwähnt wurden, wie Selbstmord, Jugendschwangerschaft, Zukunftsängste. Diese Themen sind nur kurz am Rand gefallen, wurden nicht weiter vertieft. Obwohl die Geschichte auch das vertragen hätte. So fehlte mir ein wenig Substanz. Da ich bei einem Jugendbuch allerdings damit schon gerechnet habe, das die ernsteren Töne im Keller bleiben, habe ich mich dadurch nur marginal gestört geführt. Irgendwie hofft man ja dennoch bei jedem Buch, das mal etwas mehr bekommt, als den Einheitsbrei. Bei diesem Buch wurde es nichts mit einer Überraschung. Man könnte es wohl am besten mit solider Arbeit betiteln. 


Es reichte dazu mich ein paar Stunden zu unterhalten, aber ich befürchte zum im Gedächtnis bleiben, wird es hier nicht reichen.
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